Pike on the Fly – Teil 2

18 11 2009


„Ein Boot – zwei Männer – elf Hechte…“

So oder so ähnlich könnte die kurze Version eines Rückblicks auf mein Wochenende aussehen. Da die ereignisreichen Tage in der Provinz Nordholland aber weit mehr verdienen als dieser knappen Worte, möchte ich es auf keinen Fall dabei belassen.

Genau genommen ist obige Zusammenfassung auch nicht ganz korrekt, denn ich war nicht nur mit Marc unterwegs. Auch seine FreundeRalf, Joseph und Hubert (ebenfalls Mitglieder im Club de Pêche à la Mouche Verviers oder kurz Mouche Passion) hatten sich – ihre Boote im Schlepptau – auf den 300km langen Weg in die Nähe von Alkmaar begeben um den Hechten mit der Fliege nachzustellen. Untergebracht waren wir für die kurze Zeit unseres Aufenthalts in einem kleinen, schlichten aber dennoch gemütlich eingerichteten Bungalow in einem Ferienpark etwa 30 km von Alkmaar entfernt (ein Haus für 6-8 Personen kostet in der Nebensaison pro Woche etwa 350 Euro). Wie jedes andere Haus vor Ort verfügte auch unseres über einen eigenen Bootssteg und war somit an das Kanalsystem des Parks sowie der umliegenden Dörfer angeschlossen.

Unmittelbar nach unserer Ankunft machten wir uns mit unserem frisch erworbenen Vispas (die Fischereilizenz kostet 25 Euro und ist für das laufende Kalenderjahr gültig) voller Spannung, zugleich jedoch die kleinen Sorgen des Alltags langsam hinter uns lassend, auf unsere erste Erkundungstour durch das labyrinthartige Netz aus schmalen Kanälen, offenen Seen und kleinen Häfen. Da Marc in den vergangenen Jahren schon des öfteren in diesem Ferienpark untergebracht war, steuerte er vom Heck des kleinen Bootes aus zielstrebig die ersten aussichtsreichen Hechtstandplätze an. Ich hingegen durfte zunächst im vorderen Teil des Bootes auf einem bequemen Drehstuhl Platz nehmen und mich voll und ganz auf die Präsentation meiner Fliege unter überhängende Bäume, an Schilfkanten sowie unter Bootsstege konzentrieren.

Es klangen mir noch die weisen Worte meines Kapitäns bei unserer Abfahrt in den Ohren Hechtangeln ist harte Arbeit, da war meine Rute nach wenigen Würfen an unserem ersten Ankerplatz bereits krumm. Obwohl das Wasser nur etwa 1.5 m tief und nicht sonderlich trüb war, habe ich die blitzartige Attacke auf meinen zügig gestrippten Streamer aus schwarzem Bucktail nicht richtig wahrgenommen. Das erste was ich sah war ein grün-gelbes Etwas, das am Ende des Vorfachs aus Hardmono meine neue Rute das erste Mal auf die Probe stellte. Trotz des Überraschungseffekts auf seiner Seite konnte ich den wütenden Fluchtversuch des Angreifer ins nahe Unterholz erfolgreich parieren. So durfte ich wenig später meinen ersten auf eine Fliege gefangenen Hecht voller Stolz und Freude in den Händen halten.

(Entjungfert – mein erster Hecht mit der Fliege)

Wie es die Tradition auf Marcs Boot vorschreibt, wurde der knapp 75 cm große Fisch mit bestem Dank und einem kleinen Abschiedsküsschen zurück in sein Element entlassen und anschließend von der Besatzung gebührend begossen.

Mit einem breiten Grinsen auf dem nassen Gesicht machten wir uns anschließend im mittlerweile strömenden Regen daran, eine lange Baumreihe am Ufer des Kanals zu befischen. Als hätte mein erster Hecht seinen Kollegen unter Wasser Bescheid gegeben, dass oben ein nasser Junge freudig darauf wartet Bekanntschaft mit der Familie der Entenschnäbel zu machen, erbarmte sich bereits 50 Meter weiter ein zweiter Esox und ließ sich von mir zum Anbiss verleiten. Weniger geschockt als noch beim ersten Biss, aber dennoch nicht weniger glücklich über den schönen Fang, waren wir nach einem zügigen Drill und erfolgreicher Handlandung für kurze Zeit wieder zu dritt im Boot.

(Hecht ahoi – kurz zu dritt an Bord)

Zwei schöne Hechte in so kurzer Zeit und das ausgerechnet vom Neuling an Bord! Keine Frage, dass Marc sich anschließend einige freundschaftliche Sticheleien gefallen lassen musste. Unbeeindruckt jedoch von meinen übermütigen Versuchen ihn aus dem Konzept zu bringen, konterte er wenig später  mehr als souverän und entschneiderte sich mit einem formschönen Hecht. Der im Schilf lauernde noch junge Räuber konnte einem Streamer aus silbernem Flashabou nicht widerstehen und wurde für seinen jugendlichen Leichtsinn mit einem kurzen Landgang „bestraft“. Natürlich durfte aber auch dieser etwa 60 cm große Bursche nach einem kurzen Fotoshooting wieder schwimmen um fleißig weiter zu wachsen.

(Entschneidert – Marc und sein erster Hecht)

War es mir bis dahin vergönnt einen Hecht bei seiner Attacke zu sehen, durfte ich an unserem nächsten Ankerplatz eben dieses Schauspiel beobachten: Nach einem gefühlvollen Wurf meines bis dahin erfolgreichen Streamers unter einen Busch sah ich, wie ein schöner Hecht sich meinem Köder ohne den sichtbaren Einsatz seiner Rücken- oder Schwanzflossen näherte. Aufgeregt erhöhte ich die Geschwindigkeit mit der ich meinen Streamer auf mich zu strippte. Der Hecht behielt einen kleinen Abstand konstant bei und bewegte sich ohne Hast und scheinbar unbeobachtet im Rücken seiner Beute. Am Boot angekommen setzte sich dieser „Tanz“ zwischen Jäger und Gejagtem fort. Der Hecht zeigte keinerlei Scheu vor uns oder unserem grünen Unterbau und verfolgte meinen Streamer ums Boot bis zu den Motoren. Gerade hatte ich die Möglichkeiten meiner Reichweite ausgeschöpft, da kam die Attacke. Leider konnte ich seinen plötzlichen Vorstoß aber nicht verwerten. Dennoch, ein beeindruckendes Erlebnis!

Am gegenüberliegenden Ufer mussten wir uns dann erneut geschlagen geben: Zwar schien sich auch hier ein Esox für unsere Streamer zu interessieren, keiner von uns konnte jedoch den heftigen Biss auf seinen Streamer nach einem Parallelwurf zur Schilfkante verwerten und die Rute für länger als eine Sekunde im krummen Zustand halten. Schade, unserem Gefühl nach zu urteilen sicher ein größeres Exemplar!

Zeit zu hadern blieb uns trotz dieser verpassten Möglichkeiten jedoch kaum, denn noch am Ende der langen Baumreihe durften Marc und ich unsere Gäste vier und fünf in unserem Boot begrüßen. Wie es sich für gute Gastgeber gehört, ließen wir uns nicht lumpen und schenkten auch diesmal ein paar weitere schmackhafte Tröpfchen aus.

(Hoch die Tassen – ein gerngesehener Gast an Bord)

Nach diesem ereignis- und fischreichen Einstand unternahmen wir anschließend noch einen Streifzug durch das Kanalsystem eines nahegelegenes Dorfes, konnten aber trotz der guten Erfahrungen die Marc dort in den vergangenen Jahren gemacht hatte, keine weiteren – zumindest keine weiteren willigen – Hechte ausmachen. Abgerundet wurde das Ende des Tages dann noch mit dem Verlust der Antriebsschraube unseres Elektromotors. Da hat wohl ein gewitzter Hecht die Nase voll gehabt und die Mutter gelöst. Zum Glück konnten wir aber am Abend noch Ersatz in einem Bootsgeschäft bekommen, denn nur mit einem Benzinmotor ausgerüstet wäre das Navigieren in den schmalen Kanälen zu schwierig gewesen, zumal ich nun an der Reihe war das verantwortungsvolle Amt des Kapitäns zu übernehmen.

Fortsetzung folgt… Pike on the Fly – Teil 3


Vorschau:

  • ich im Heck ohne Hose
  • Marc am Bug ohne Schuhe, dafür mit dem Meterhecht


Aktionen

Information

4 responses

18 11 2009
Anna

Welcher Streamer war denn nun an diesem Tag erfolgreich? (siehe Teil 1)
Gruß, Anna

18 11 2009
Anna

Ich meinte natürlich: siehe Hechstreamer…🙂

18 11 2009
Alex

Der erfolgreichste Streamer ist leider nicht bei den Bildern. Werde ihn aber mal gesondert vorstellen.

25 11 2009
Pike on the Fly – Teil 4 « Flybei – A Flyfishing Blog

[…] haben, haben wir zwei unterschiedliche Kanalsysteme befischt (Karte 1): An den ersten zwei Tagen (Pike on the Fly – Teil 2) hatten wir es zum einen auf die Hechte im Bungalowpark De Vlietlanden abgesehen und zum anderen […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: