Neue Rubrik: Am Wasser

15 03 2010

In den kommenden Wochen und Monaten möchte ich hier einige kurze (oder auch längere) Berichte über meine Ausflüge mit der Fliege in Form von Text und Bild festhalten. Ich habe hierfür die Rubrik „Am Wasser“ erstellt. Dort finden sich meine bereits publizierte 4-teilige Geschichte über das Hechtfischen in Nordholland (Pike on the Fly) sowie ein kurzer Reisebericht über meinen Urlaub an der österreichischen Taurach im August 2009.

Letztgenannten Text habe ich kurz nach meinem Besuch des Gebirgsflusses in Untertauern ohne spezielle Intention geschrieben. Später habe ich den Rückblick Rolf (Der Fliegen Shop) gegeben, um lesefreudige Teilnehmer seines Workshops „Wilde Wasser“ ein wenig auf das abwechslungsreiche Gewässer im Salzburgerland einzustimmen.

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Der Text ging so:

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Tag 1 // Abschnitt:  ca. 2 km oberhalb des Wildparks

Nach einer langen und stressigen Anreise von Aachen nach Untertauern blieb Anna und mir am ersten Tag unseres 5-tägigen Aufenthalts im Gasthof zur Post kaum Zeit zum verschnaufen: Da uns am Abend eine Grill-Party auf der Alm von Familie Kohlmayr erwartete, hatten wir weniger als drei Stunden, um das Gewässer genauer unter die Lupe zu nehmen und erstmals zu befischen.

Weil ich mich die Wochen zuvor bereits am meisten auf das Fischen im wilden Gebirgswasser gefreut hatte, fiel die Wahl nicht schwer: Wir parkten unser Auto etwa 2 km oberhalb des Hotels an der Straße und kraxelten den Hang hinunter zur dort oben noch jungen, schmalen und vor allem wilden Taurach.

Foto 1: Die schmale Taurach ca. 2 km oberhalb des Wildparks

Für das glasklare, schnellfließende Wasser – welches sich zwischen großen Steinen von Becken zu Becken ergoss – , wählte ich an der 7,6ft Rute der Klasse #4 eine weiße „Elk Hair Caddis“ gebunden auf einen Haken der Grüße #13. Beinahe in jedem der kleinen Pools war eine rot getupfte Forelle oder ein schön gezeichneter Saibling anzutreffen. Keine Riesen, aber athletisch geformt und für ihre wilde Umgebung entsprechend aggressiv eingestellt.

In der starken Strömung war das Führen der Fliege an der kurzen Leine stromauf die richtige Lösung: Ein Vorfach mit 9ft und etwa 1-2 Meter der Flugleine reichten vollkommen aus, um die Fliege für einige Sekunden im Kehrwasser hinter den großen Steinen zu platzieren und den dortigen Bewohner zum Anbiss zu überreden.

Foto 2: Athletische Bachforelle aus der jungen Taurach

Beigestert von den ersten Eindrücken des Gebirgsbaches, ließen wir den Abend auf der Alm unserer Gastgeber in gemütlicher Runde mit den anderen Gästen des Hotels bei Hirschsteaks vom Grill, Leberwurstschnaps und musikalischer Unterhaltung nach österreichischer Art ausklingen.

Foto 3: Die Alm

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Tag 2 // Abschnitt: ca. 4 km unterhalb des Hotels

Nach einer stärkenden Mahlzeit am reichhaltigen Frühstücks-Buffet im urigen Speisezimmer des Gasthofs, war der zweite Tag Annas Premiere: ihr erster Tag mit der Fliegenrute am Bach. Nach zahlreichen Übungen auf der Wiese in den vergangenen Monaten, wollte sie das Erlernte nun am Wasser umsetzen. Wir entschieden uns daher dafür, ein breiteres, langsameres Rieselstück ca. 4 km unterhalb des Hotels zu befischen – ausreichend Platz zum Werfen und potentielle Fisch-Standplätze größer als ein Bierdeckel (anders als am Tag zuvor). Annas Wahl fiel auf die größte Köcherfliege in meiner Fliegendose und eine nicht wirklich fischreich anmutende Stelle: eine Fliege die nicht fängt an einer Stelle ohne Fisch zu präsentieren muss Kunst sein!

Bis zum Mittag konnten wir nicht einen Biss auf die Trockenfliege – auch nach dem Wechsel auf ein attraktiveres Muster – verbuchen. Da wir auch keine Aktivitäten an der Oberfläche ausmachen konnten, entschieden wir uns am Nachmittag der Sache auf den GRUND zu gehen: nach einem Blick unter die größeren Kiesel im Bach wurden schließlich braune Steinfliegen ans Vorfach geknüpft. Wir suchten vielversprechende Rinnen und präsentierten unsere Nymphen an der kurzen Leine stromaufwärts. Nach kurzer Zeit stellten sich – zumindest bei mir – die ersten Erfolge ein: farbenfrohe Regenbogenforellen bis ca. 40 cm und kampfstarke Saiblinge.

Foto 4: Eine kampfstarke Regenbogenforelle

Anna blieb an ihrem ersten Tag Schneiderin und leider noch ohne (zumindest erkannten) Fischkontakt. Dies sollte sich aber bereits am nächsten Morgen ändern…

Foto 5: Ein Saibling konnte der Steinfliege nicht widerstehen

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Tag 3 // Abschnitt: ca. 2 km unterhalb des Hotels

Am dritten Tag setzten wir unsere Pirsch an genau der Stelle fort, an der wir Tags zuvor aufgehört hatten. Hier zeigte sich der Fluss von einer abwechslungsreicheren Seite: Anders als am Tag zuvor fanden wir hier auch erstmals größere Pools – neben den uns schon bekannten Rinnen und Rieselstrecken des Vortages – vor.

Da wir weder Insekten über dem Wasser noch Fische an der Oberfläche ausmachen konnten, begannen wir diesmal direkt mit der Nymphe. Bereits an der zweiten aussichtsreichen Stelle schlug Anna lautstark Alarm: Ihr erster (erkannter) Biss, ihr erster (sachter) Anhieb und anschließend ihr erster (aufgeregter) Drill. Nach einigen wütenden Fluchten stromabwärts fand sich ihr (erster) Fisch schließlich im Kescher wieder: eine Bachforelle von stolzen 45 cm – der größte und zugleich schönste Fisch bis dahin!  Ihr folgten bis zum Abend noch einige Kolleginnen ins Schonnetz.

Foto 6: Sicher gelandet

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Tag 4 // Abschnitt: ca. 1 km unterhalb des Hotels bis zum Forellenteich

Am vierten Tag besuchten wir das wohl fischreichste Teilstück der Taurach: Zwischen der ersten Fußgängerbrücke unterhalb des Forellenteiches bis zur Fußgängerbrücke am Wildpark fließt der Fluss teilweise in einer Art Schlucht und bildet einige große Becken mit zahlreichen Unterständen für größere Salmoniden. Stellenweise gelang es uns aus einem Pool bis zu 7 Forellen mit einer stattliche Größe von ca. 50 cm zu fangen. Auch hier erwies sich das grundnahe Führen der Nymphe an der kurzen Leine stromaufwärts als gute Lösung, war das Wasser doch wild genug, um nicht frühzeitig von den Fischen bemerkt zu werden. Zeitweise war ich nur damit beschäftigt die eine Rute vorzubereiten, während Anna einen Fisch im Drill an der anderen Rute hatte, um ihr anschließend die fertige Rute zu übergeben und ihre Rute neu zu präparieren…

An einem dieser Pools hätte ich als Krönung beinahe (hätte, wäre, wenn…) die größte Bachforelle meines noch jungen Fliegenfischerlebens gefangen. Der Biss erfolgte noch relativ unspektakulär, umso spektakulärer war jedoch der (viel zu kurze) Drill: aus dem durch Weißwasser aufgewirbelten Kopf des Pools schoss SIE – eine fast schwarze Bachforelle von über 65 cm – machte zwei Sprünge, schüttelte mit dem Kopf als wollte sie sagen „das tut’s nicht mein Kleiner“ und verabschiedete sich mit meinem 0,20er Vorfach zurück in die Tiefe…

Foto 7: Was will man mehr – klares Wasser und schöne Fische

Trotz des verlorenen – oder vielleicht gerade wegen des verlorenen – Fisches, fand auch dieser Tag ein vergnügliches Ende in der urigen Kneipe des Gasthofs zur Post in der Gesellschaft von sehr netten Fliegenfischern aus Holland.

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Tag 5 // Abschnitt: Vom Wildpark ca. 2 km stromaufwärts

An unserem letzten Tag war ich – getreu dem Motto: „die frühe Forelle fängt die Fliege“ – bereits sehr früh auf den Beinen und befischte zusammen mit einem Fliegenfischer aus Holland noch vor dem Frühstück ein kurzes Stück am Wildpark. Wir suchten gemeinsam mögliche Standplätze und wechselten uns mit der Präsentation der „Adams Parachute“ auf einem Haken der Größe #13 hinter, neben und vor die aussichtsreichen Steine ab. Ich konnte mir einige Tricks abschauen und trotz der offenbar noch sehr müden Fische sowie der (dunklen) Lichtverhältnisse zwei schöne Bachforellen fangen.

Foto 8: Vor, hinter und neben Steinen…

Nach dem Frühstück gingen wir vom Wildpark stromaufwärts (um Nachmittags in etwa an jener Stelle anzukommen, die wir am ersten Tag befischt hatten). Oberhalb des kleinen Freilichtgeheges für Rehe, Kaninchen und Co ist die Taurach noch deutlich schmaler, dafür aber umso schneller – und wahrscheinlich gerade deswegen deutlich weniger befischt. Die Salmoniden sind zwar kleiner, aber deswegen nicht weniger schön anzuschauen als ihre Kollegen stromab.

Foto 9: Ein wunderschöner Saibling aus der jungen Taurach

Nach etwa einem Kilometer verengt sich der Flusslauf und an beiden Seiten ragen Felswände in die Höhe. Hier heißt es dann klettern um von einem zum nächsten Pool zu gelangen. Aber die Mühe lohnt allemal!

Foto 10: Hier wird Klettern belohnt

Am Nachmittag setzte dann der erste – und direkt sehr heftige – Regen der Woche ein. Anstatt jedoch wie andere Fischer das Trockene zu suchen, suchte ich mit der Trockenen die letzten Forellen für diesen Urlaub und befischte noch einmal das kurze Stück unterhalb der Fußgängerbrücke am Wildpark – wo ich am Morgen zusammen mit dem Holländer noch nicht sooo erfolgreich gewesen war. Seine Worte klangen noch in meinen Ohren: „Hier müssen Fische sein.“ Und ja, da waren auch Fische. Auf dem gleichen Stück wo nur etwa 10 Stunden zuvor sich lediglich 2 Bachforellen von 2 Fischern hatten überlisten lassen, fing ich zum krönenden Abschluss dieser unvergesslichen Woche über 20 Bachforellen, Regenbogenforellen und Saiblinge.

Viel zu spät kam ich dann zum Abendessen, noch mit einem lachenden aber auch schon mit einem weinenden Auge, denn bereits am nächsten Morgen stand unsere Abreise an. Viel zu kurz waren die 5 Tage am und im Wasser um alle Abschnitte der Taurach zu befischen. Auch für den mit Saiblingen besetzten Bergsee auf 1600 m Höhe hat die viel zu knappe Zeit leider nicht gereicht. Das wird aber alles beim nächsten Mal nachgeholt!


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28 02 2012
Fotorückblick III: Spätsommer in Österreich « Flybei – A Flyfishing Blog

[…] schon in 2009 und 2010 war ich auch im letzten Spätsommer für eine Woche zu Gast bei Familie Kohlmayr in […]

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