Ein Rückblick – Teil 2: Die Rur mit Andi, Joseph, Hubert und Marc

28 04 2010

Nachdem Marc und mich die Kyll mit einem Gratiskurs „Schneidern für Fortgeschrittene“ zum Saisonstart begrüßt hatte, gab ich der Rur in Monschau ein paar Tage später eine zweite Chance ihren ersten Eindruck bei mir zu verbessern. Zusammen mit Andi machte ich mich – nach einer kurzen Ehrenrunde, warum vergessen neuerdings alle ihren Fischereischein??? – am frühen Samstagmorgen auf in Richtung Eifel. Bereits bei der Fahrt hinab in die kleine im Tal gelegne Stadt aus schiefen Fachwerkhäusern konnten wir einen flüchtigen Blick in einen zufließenden Bach werfen. Er war klar! Ein gutes Zeichen. Vor der Bäckerei – der Ausgabe für die Tageskarten – im Herzen des Touristenörtchens angekommen, warfen wir einen erwartungsfrohen Blick über die mit Blumenkübeln dekorierte Brückenbrüstung. Auch die Rur war klar! Wo wenige Tage zuvor noch brauner Kaffe an den Ufermauern entlangschoss, konnten wir diesmal sogar einen Blick auf den mit Schiefersteinen bedeckten Flussgrund werfen. Auch der Wasserstand war deutlich gefallen, jedoch immer noch gut 15-20 cm über normal. Für uns aber kein Grund die vollschlanke Bäckereifachverkäuferin nicht umgehend nach Erlaubnisscheinen (und einigen ihrer frischen Backwaren) zu fragen. Wir schwangen uns in unsere Watbekleidung, Andi knüpften eine schwere Nymphe und ich einen kleinen Streamer ans Vorfach und Sekunden später fanden wir uns in den Armen der Rur wieder. Das erste mal in diesem Fliegenfischerjahr dieses schöne und vertraute Gefühl: Das leicht rötliche aber sehr klare und sehr sehr kalte Wasser um die Beine, das laute Rauschen des von Tasche zu Tasche stürzenden Flusses in den Ohren, die vielen Störsteine vor Augen und den Geruch von nassen Tannen des angrenzenden Waldes in der Nase.

Foto 1: Die Rur 2 Wochen nach Saisonstart

Mit Andi hier zu fischen mach Spaß: Zum einen ist er immer sehr euphorisiert (was vielleicht daran liegt, dass er nicht so oft fischen geht) und zum anderen fischen wir immer zusammen. Hierfür ist die Rur der ideale Fluss, denn es gibt Unmengen an potentiellen Standplätzen für Bachforellen, so dass man nebeneinander fischen kann ohne sich in die Queere zu kommen. Beinahe hinter jedem der zahlreichen Störstein erwartet man eine Rotgetupfte die nur darauf wartet eine Nymphe (und später im Jahr eine Trockenfliege) serviert zu bekommen.

Wir entschieden uns dafür unseren Tag kurz unterhalb der Stadt, genauer gesagt unterhalb des großen Wehres, zu beginnen. Während ich mit einem schwarzen Wooley Bugger eines der wenigen ruhigen Teilstücke befischte, suchte Andi mit seiner Nymphe ein paar Meter hinter mir die tiefen Pools nach einer kleinen Staustufe ab. Als ich mich das erste Mal umdrehte sah ich, wie er gerade eine Bachforelle zurück in ihr Element entließ. Wenige Minuten später bot sich mir der gleiche Anblick erneut, diesmal allerdings ein paar Meter vor mir. Ich verabschiedete mich schnell von meinem schwarzen Streamer und tauschte ihn gegen einen orangenen Bachflohkrebs. Offenbar eine kluge Entscheidung, denn nur wenige Sekunden später durfte auch ich meine erste Rur-Forelle 2010 für kurze Zeit in den feuchten Händen halten! Viele Fische später und ein paar hundert Meter weiter stromauf stiegen wir am frühen Abend an der oberen Stadtgrenze die steile Uferböschung hinauf und warfen einen letzten Blick zurück auf die Rur. So konnte es weitergehen!

Foto 2: Die erste Bachforelle des Tages

Meine nächsten Besuche an der Rur ließen nicht lange auf sich warten: nur wenige Tage später begleitete ich Joseph und Hubert um erneut den Eifel-Forellen nachzustellen und ein paar entspannende Stunden am Wasser zu verbringen. Das Wasser war nach meinem letzten Besuch noch einmal um ein paar Zentimeter gefallen, was Joseph jedoch nicht daran hinderte, ein kleines (unfreiwilliges) Vollbad im nur knapp 7 Grad warmen/kühlen Nass zu nehmen😉 Auch an diesem Tag war noch nicht die Trockenfliege, sondern die Nymphe stromauf an der kurzen Leine serviert d a s Erfolgsrezept. Ich sage „noch nicht“… denn schon bei meinem dritten Besuch an der Rur zusammen mit Marc sollte sich das Blatt wenden. Zwar vertraute mein erfahrener belgischer Freund in den frühen Morgenstunden den am Flussgrund angebotenen Mustern, ich für meinen Teil entschied mich aber dazu, diesmal mein Glück auf der Wasseroberfläche zu suchen. Argumente für die Trockene gab es in meinen Augen genug: zum einen war der Wasserstand nochmal gefallen und zum anderen hatte sich die Lufttemperatur in den vergangenen Tagen bei über 16 Grad eingependelt. Erstmals konnte ich – nicht nur vereinzelte – Eintags- und Köcherfliegen in der Luft und auf der Wasseroberfläche ausmachen. Zwar konnte ich keine steigenden Fische erspähen, wusste aber aus dem letzten Jahr, dass an der Rur nur sehr selten ein mehr oder weniger sanftes Einschlürfen von im Oberflächenfilm des Flusses gefangenen Insekten zu beobachten ist. Es sollte den fliegenfischenden Besucher dieses Gewässers bei den passenden Temperaturen demnach nichts davon abhalten, eine Adams Parachute oder Elk Hair Caddis ans Vorfach zu knüpfen. Meine Erfahrung hat gezeigt: wenn Fische da sind steigen sie auch! Es kommt nur auf den richtigen Service (hinter Störsteine, in Kehrströmungen, an ausgespülte Ufer etc.) an.

Zu Beginn unserer Pirsch sollte sich meine Experimentierfreude noch nicht auszahlen, im Gegenteil: Während Marc seine ersten Rotgetupften überlisten konnte, musste ich mit ansehen, wie meine Trockenfliegen wieder und immer wieder unbehellig ihren Weg zu mir zurück fanden. Nach ein paar stichelnden Bemerkungen meines Begleiters hätte ich mich beinahe breit schlagen lassen, doch auf die Nymphe zu wechseln, als endlich die erste Bachforelle sich meiner erbarmte und meine grüne Köcherfliege nahm. Die erste Forelle 2010 auf die Trockenfliege. Endlich! Nachdem der Bann gebrochen war ging es Schlag auf Schlag, so dass bis zum Abend weitere farbenfrohe Flussbewohner(-innen) für einen kurzen Moment ihren Weg in mein Schonnetz fanden.

Fotos 3-5: Klein aber fein – Große blieben bisher aus

Nach meinem ersten Ausflug mit Marc und zwei weiteren Besuchen (solo und mit Andi) war ich Mitte April erneut mit meinem belgischen Freund für ein Gastspiel in Monschau stationiert. Diesmal waren wir gekommen um „Gespliesste“ zu testen, die uns Edgar freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte. Edgar ist ein passionierter Rutenbauer der sich dem Bambus mit vollem Herzen verschrieben hat. Und wie es sich für diese traditionsreiche Angelei gehört, waren wir selbstverständlich mit der Trockenfliege unterwegs. Damit waren wir gut beraten, denn im Laufe des ersten Monats im Fliegenfischerjahr 2010 hatte sich einiges am Gewässer getan: das Wasser war klar, etwa ein Grad wärmer als noch bei der Saisoneröffnung und hatte sich bei einem mittleren bis niedrigen Wasserstand eingependelt. Zudem war die Luft voll von Insekten und regelmäßige Schlüpfe (besonders um die Mittagszeit und in den frühen Abendstunden) gehörten mittlerweile zur täglichen Routine der Natur.

Foto 6: Die Rur 4 Wochen nach Saisonstart

Da überraschte es nicht, dass jeder von uns bis zum späten Nachmittag zahlreiche Bachforellen überlisten konnte. Zwar plagte Marc ein unangenehmes Magen-Darm-Problem, dies hielt ihn aber nicht davon ab, zusammen mit mir am Abend noch einen Abstecher zu einem in die Rur mündenden Bach zu machen. Hier konnten wir Edgars Bambus-Ruten auf Herz und Nieren testen: eingeschränkte Wurfmöglichkeiten auf engstem Raum und eine schwindelerregend hohe Anzahl von Fischkontakten. Beides bewältigten die von uns gefischten kurzen (ca. 7ft langen) Holzstecken mit Bravour😉

Seitdem warten wir sehnsüchtig darauf unsere eigenen, von Edgar in Handarbeit gefertigten, Fliegenruten in den Händen halten zu dürfen. Ein paar Wochen wird es aber noch dauern, bis wir erneut diese sensible Form der Fischerei an der Rur erleben dürfen.

Ein Rückblick in Bildern:


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