Der Tanz der Regenbogenforelle

11 07 2010

Mittlerweile hat der Hochsommer Einzug in unsere mitteleuropäischen Gefilde erhalten und einige fischereiliche Veränderungen mit sich gebracht: Der Wasserstand hat in den letzten Wochen in vielen der von mir befischten Gewässer ein Minimum erreicht und der jährlich sehnlichst erwartete Besuch der Maifliegen hat seinen Zenit bereits seit einiger Zeit deutlich überschritten. Dafür haben nun andere Insekten die Aufmerksamkeit des Fliegenfischers auf sich gezogen. Ameisen sind in den Abendstunden zu Hauf am Wasser zu beobachten und an Streckenabschnitten mit anliegenden Wiesen sind Grashüpfer oftmals kein schlechter Tip. An der Rur kann man riesigen gelben Steinfliegen beim waghalsigen skaten über die Wasseroberfläche zuschauen und kleine Köcherfliegen belagern die vertrockneten Büsche am Flussufer. Es ergeben sich also auch bei hitzigen Temperaten, wenig Wasser und heiklen Forellen genügend Möglichkeiten für interessante und aufregende Stunden AM und – besonders erfrischend bei schwitzigen 34 Grad im Schatten – IM Wasser.

Foto 1: Bald sind sie wieder weg…

Wie man meinem eingeschränkten Blogverhalten in der letzten Zeit deutlich entnehmen kann, hatte ich auf der Arbeit offenbar einiges zu tun – das Semester neigt sich (endlich) dem Ende entgegen. Noch drei Wochen und es geht in den wohlverdienten Urlaub! Bevor ich Euch allerdings meine Pläne für die schönste Zeit des Jahres vorstelle, möchte ich meine letzten Besuche am Wasser kurz Revue passieren lassen und einige meiner Schnappschüsse zum besten geben.

Also, was habe ich die letzten drei Wochen gemacht? Viel unterwegs war ich unterm Strich leider nicht. Ich war mehrmals an der oberen Rur (mal solo, mal mit Marc, mal mit Daniel und Freunden aus dem Club) und darüber hinaus dreimal mit Ralph und Hubert an der unteren Rur bei Abenden.

„Die Rur entspringt im Naturpark Hohes Venn an der Botrange bei Sourbrodt in Belgien auf 660 m ü. NN. Nach ca. 15 km Flusslauf erreicht sie südlich von Monschau die deutsche Grenze und durchquert den Nationalpark Eifel. Am Flusskilometer 39 erreicht das Wasser der Rur den Rurstausee, den volumenmäßig zweitgrößten Stausee Deutschlands.“ (Quelle: Wikipedia)

Die Rur mündet bei Einruhr in den Rursee, um einige Kilometer später bei Heimbach ihren Weg zurück ins eigene Flussbett zu finden. Dort zeigt sie sich dem Fliegenfischer von einer ganz anderen – nicht weniger schönen – Seite als noch in Monschau. Während die Rur kurz nach dem Einlauf des Perlbachs oberhalb des Eifelstädtchens bis runter nach Einruhr durch sehr viele Störsteine und einen Charakter gekennzeichnet ist, der stark an einen Gebirgsfluss erinnert, fließt sie in Richtung Niedeggen vergleichsweise gleichmäßig dahin und macht sich richtig breit (an vielen Stellen etwa doppelt so breit wie oberhalb des Rursees). Der Wasserdruck wird durch den Stausee reguliert und das Wasser gefiltert, so dass man sich oftmals vorkommt als würde man in einem Aquarium stehen. Die leicht rötliche Färbung des Eifelflusses – verursacht durch den Eisengehalte des Bodens im Hohen Venn – ist hier nicht mehr zu erkennen.

DIESE Rur ist in mehrere Streckenabschnitte unterteilt, die bis kurz vor Düren von privaten Pächtern bewirtschaftet werden und nur mit einer Jahreskarte befischt werden dürfen. Hubert und Ralph haben eine Jahreskarte für einen Streckenabschnitt um Abenden herum, einem kleinen Touristen-Dörfchen mit vielen Fachwerkhäusern, urigen Wirtshäusern und einer Konditorei in der es angeblich den besten Kuchen der Eifel gibt. Als ihr Gast war ich nun drei mal dort und konnte mich von ihren Schwärmerein mit meinen eigenen Augen überzeugen: Der Fischbestand – Bachforellen, Regenbogenforellen und vereinzelt vorkommende Äschen – ist ausgesprochen dicht und mit ein wenig Geschick und Glück hat man gute Chancen auf kampfstarke Salmoniden weit jenseits der 40 cm.

Foto 2: Wilde Bachforelle aus der Rur

Nachdem ich bei meinen ersten zwei Besuchen sowohl mit der Trockenfliege als auch mit Streamer und Nymphe sehr viel schöne Rotgetupfte überlisten konnte, mir aber ein Kontakt mit den größeren Flussbewohner nicht vergönnt war, war es am gestrigen Samstag endlich so weit: Bei tropisch schwülen 32 Grad über und kühlen 9-10 Grad im Wasser, ging ich das erste mal auf Tuchfühlung mit zwei größeren Exemplaren. Wie es dazu kam ist (schnell) erzählt:

Ich fischte mit der Trockenfliege und hatte schon einige Bachforellen bis ca. 35 cm und eine Äsche gefangen. Hubert hingegen hatte sich für die Nymphe entschieden und auch schon die ein oder andere Flussbewohnerin für kurze Zeit aus ihrem Element entführt. Wir fischten nah beisammen und genossen die Stille, die vom gleichmäßigen Rauschen des Flusses zusätzlich untermalt wurde.

Fotos 3-5: Catch and Release

Plötzlich rief mich mein belgischer Gastgeber aufgeregt und lauthals zu sich. Als ich zu ihm kam, hatte er eine Forelle von ca. 25 cm an der Leine. Wenig spektakulär im ersten Augenblick. Allerdings war die Rotgetupfte nicht allein. Sie wurde von einer Regenbogenforelle verfolgt, nein gejagt! Der Fisch maß schätzungsweise 65 cm und war ein Koloss im Vergleich zu seinem kleineren Artgenossen. Nachdem wir das Spiel ein paar Sekunden erstaunt und fassungslos beobachten durften verschwand die Forelle zurück in ihren Standplatz. Was jetzt passierte kann sich jeder Fliegenfischer denken: Da wir genau beobachtet hatten wohin der Regenbogner abgetaucht war, versuchte Hubert Wurf um Wurf den Räuber mit seinen Nymphenmustern zu verführen. Leider vergebens! Ich trennte mich unterdessen – immer wieder wie gebannt auf das schwarze Loch im Flussgrund starrend – von meiner zierlichen Köcherfliege am 12er Vorfach und knüpfte einen mit Tungsten beschwerten Woolley Bugger ans 18er Monofil. Hubert überließ mir das Feld und schon beim zweiten Wurf war sie wieder da! Sie schoss aus ihrem Unterstand und verfolgte meinen Streamer – den ich von oberhalb quer stromab geworfen und durch das schwarze Loch hatte taumeln lassen. Fixiert auf das schwarze Etwas aus Marabou und Hennenhecheln sah ich wie sie endlich zupackt. Ich schrie „YESSSSSSS“ um noch im selben Atemzug „ARRRGH“ zu stöhnen. So schnell wie meine Rute krumm war, war sie wieder gerade. Chance verpasst……egal! Mund abputzen und weiter fischen!

Nach ein paar Stunden des Werfens und Fangens stromauf hatten wir uns auf den Rückweg zum Auto gemacht und fischten die gleichen Stellen noch einmal ab. Schon 100 m oberhalb des Tatorts der Attacke stieg das Adrenalin. Wie beim ersten Besuch der Stelle fing Hubert auch diesmal eine kleinere Forelle. Und wie auf Kommando war auch die große Regenbogenforelle wieder da. Auch diesmal jagte sie den Fisch im Drill. Allerdings blieben auch diesmal die anschließenden Verführungsversuche mit der Nymphe vergebens. Wieder Zeit für meinen Streamer! Was soll ich sagen…wie beim ersten Mal machte sich die atheltisch geformte, silbrige Gestalt auf den Weg durch die harte Strömung um die vermeintliche Beute zu verfolgen. Wie beim ersten Mal biss sie zu und wie beim ersten Mal unterbrachen meine lauten Schreie die Stille, die anschließend wieder nur vom Rauschen des Wassers untermalt wurde.

Zwei mal hatte sie unser Duell also gewonnen und das viel zu kurze Tänzchen an meiner Rute für sich entschieden. Für mich Grund genug, ein weiteres Aufeinandertreffen auf einen anderen Tag zu verschieben. Dass ich nur wenige Meter flussabwärts allerdings zu einem weiteren Tanz aufgefordert werden sollte, wusste ich hier noch nicht…

Kurz vor unserem schattigen Parkplatz machte die Rur eine Linkskurve und hatte eine tiefe Rinne kurz vorm rechten Ufer ins Flussbett gefressen. Direkt am Ufer war eine Kehrströmung mit einem großzügigen ruhigen Bereich. Ein idealer Standplatz für eine große Forelle. Hubert fischte kurz hinter mir und rief mir zu „Hier habe ich schonmal eine große Regenbogenforelle verpasst“. Ich erwiederte etwas wie „Ja, sieht gut aus“, platzierte meinen Streamer direkt neben die starke Hauptströmung und zog ihn durch das ruhige Kehrwasser. Etwas silbriges blitzte auf und nahm meinen Woolley Bugger mit Gewalt, so dass es mir fast die Rute aus der Hand riss. Eine Regenbogenforelle! Eine große! Die Forelle schoss durch die starke Strömung stromab und ich hatte Mühe sie in Richtung des anderen Ufers ins seichtere Wasser zu lotsen.

Foto 6: Im Drill mit der Regenbogenforelle

Ich verfolgte sie einige Meter flussabwärts und dirigierte sie mit meiner krummen Gerte in die flache Uferzone. Nach mehreren wütenden Fluchten griff ich ihren Schwanz und hielt SIE in den nassen Händen: Ein Prachtexemplar mit kräftigen Flossen, einem agressiv wirkenden Kieferbau und unzähligen schwarzen Punkten auf der wunderschön rot gezeichneten Flanke. Mit bestem Dank für das muntere und heiße Tänzchen (definitiv kein langsamer Walzer) entließ ich sie schnell zurück in ihr nasses und kühles Element.

Foto 7-8: Schöne Färbung!

Nach diesem aufregenden Schlusspunkt des Tages erreichten wir „erschöpft“ – aber dennoch entspannt und glücklich – das Auto und machten uns auf den kurzen Weg zurück durch das schöne Rurtaal in Richtung Heimat.

Was ich an dieser Stelle vielleicht noch erwähnen sollte ist, dass ich ab nächstem Jahr glücklicherweise ebenfalls in den Genuss kommen werde, diesen Abschnitt der Rur an allen 365 Tagen befischen zu dürfen! Ralph und Hubert haben beim Pächter ein gutes Wort für mich eingelegt, so dass ich mir ab Januar die Fischerei an diesem traumhaften Gewässer mit einer handvoll Gleichgesinnter teilen darf. Vielen Dank noch einmal hierfür und auf viele weitere Tänzchen!

Hier noch ein paar Schnappschüsse (zum Öffnen der Galerie einfach draufklicken):


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One response

22 11 2010
Angeln Rezepte Fische

Hallo, tolle Foto Serie, ausgezeichneter Bericht. Gruß Peter

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