Rückblick Österreich – Teil II: Untertauern Tag 2

17 08 2010

Nachdem wir unseren ersten Tag spät am Abend in gemütlicher Runde am Bindetisch bei Radler und Elchhaar entspannt hatten ausklingen lassen, riss mich nur wenige Stunden später mein Wecker unsanft aus den süßesten Fliegenfischer-Träumen. Ein müder Blick verriet: es war gerade einmal 06.30 Uhr. Anstatt den lauten Störenfried jedoch wütend zum Schweigen zu bringen (oder wenigstens kurz zu ignorieren), war ich wenige Sekunden später bereits hellwach und voller Vorfreude in meiner Fleece-Unterhose auf dem Weg zum Auto um mich in die noch vom Vortag feuchte Wathose zu zwängen. Das ist Urlaub! Daniel und ich wollten die ruhigen Morgenstunden nutzen, um im Frühnebel eine kurze Pirsch zu unternehmen. Getreu dem Motto: die frühe Fliege fängt den Fisch.

Bild 1: Der Fluss schläft nie

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In der Nacht hatte es heftig geregnet und die Taurach offenbarte sich ihren ersten Besuchern gegenüber dem Vortag leicht erhöht und angetrübt. Für uns aber kein Grund, nicht mit der Trockenfliege die vor uns liegenden Stunden am Wasser einzuläuten. Wir entschieden uns die knapp bemessene Zeit bis zum gemeinsamen Frühstück mit unseren Freundinnen in der Nähe der Forellenzucht zu verbringen. Vom gestrigen Tag wussten wir, dass (stromaufwärts gesehen) die meisten Forellen die zahlreichen Unterstände der linken Uferseite bewohnten. Daher teilten wir uns diesmal die Randbereiche nicht erneut auf, sondern wechselten nach jedem Fisch die Seiten. Schon nach ein paar Würfen an die Böschung durften wir das erste Mal das Flussbett queren, denn ein farbenfroher Saibling konnte meiner am Abend zuvor gebundenen Elchhaar-Fliege nicht widerstehen.

Bild 2 & 3: Vom Drill in die Hand

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So rotierten wir bis zum Frühstück um 08:30 stromaufwärts durch die Taurach und fingen beide – auf beiden Seiten – schön gezeichnete und an den hellen Untergrund angepasste Bach- und Regenbogenforellen, denn im Gegensatz zu den meisten Hotelgästen waren einige der Salmoniden schon auf den Flossen.

Bild 4: Eine Bachforelle von der „guten“ Uferseite

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Nach einer ausgiebigen Stärkung am reichhaltigen Frühstücksbuffet – die Kohlmayrs verwöhnen ihre Gäste nicht nur mit Semmeln, Wurst und Käse, sondern auch mit frisch zubereitetem Rührei und kross gebratenen Würstchen oder unterschiedlichen Müslis und Obstsorten –  entschieden Daniel und ich uns dazu, mit unseren Streamern ein paar größere Flussbewohner aus ihren tiefen Schlupflöchern zu locken. Zumindest war dies unser Wunsch… Doch die Fischerei mit dem schwereren Gerät stromab erwies sich im Gegensatz zur feinen Präsentation mit der Trockenfliege stromauf, nicht nur als mühseelig (was z.T. sicher auch am erhöhten Wasserstand und dem einsetzenden Regen lag), sondern auch als weniger erfolgreich. Zwar fingen wir auch mit dieser Technik unsere Fische, aber es gingen uns aufgrund zahlreicher Fehlbisse – wohl auch bedingt durch den stark Wasserdruck – weit mehr Flossenträger durch die Lappen als mit der Trockenfliege.

Bild 5 & 6: Auch der Streamer bringt Fische

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Dafür macht man mit dem Streamer aber ab und zu interessante Bekanntschaften mit jenen Flussbewohnern, die man mit der Fischerei auf der Oberfläche nicht so oft zu Gesicht bekommt – und die einem noch lange in Erinnerung bleiben. Eine solche Bekanntschaft durfte ich machen, sogar zwei mal: Daniel hatte gerade eine stattliche Bachforelle gefangen, war nach seinem Drill, der ihn ein ganzes Stück flussabwärts gezogen hatte, die steile Uferböschung hochgeklettert und stand auf der ersten Fußgängerbrücke etwa 300 Meter unterhalb der Forellenzucht. Ich war im Wasser geblieben und fischte am rechten Ufer weiter. Unter der Brücke machte ich einen kurzen Wurf über die harte Strömung der Flussmitte und wollte meinen Woolley Bugger an mein Ufer treiben lassen. Dazu kam es aber nicht. Das schwarze Etwas aus Maraboufedern, einer Hennenhechel, schwarzem Ice-Dubbing, schwerem Bleidraht und einem fluo-gelben Tungstenkopf, gebunden auf einen 6er Haken, hatte erst wenige Meter gemacht und befand sich aufgrund des schnellen Wassers noch knapp unter der Oberfläche, als der wuchtige Kopf einer Regenbogenforelle das Wasser durchbrach und das Ende meines Vorfachs regelrecht inhalierte. Für etwa zwei Sekunden (die mir weit länger vorkamen) neigte sich meine Rute bis ins Handteil… dann riss das 0,18mm Vorfach. Verdammt! Viel zu dünn montiert! Ich hatte am Morgen versäumt stärkeres Tippetmaterial einzupacken und auf die knapp 4kg Tragkraft des japanischen „Super Elite Monofil“ vertraut. Daniel stand über mir auf der Brücke und hatte das Trauerspiel in einem Akt von oben beobachtet. „Ein riesen Fisch, weit über 60 cm.“ Doppelt ärgerlich! Er reichte mir seine 0,22mm Spule hinunter, ich montierte einen neuen Streamer und wiederholte nach ein paar aufmunternden Worten meines Begleiters die Präsentation. Wie bereits wenige Minuten zuvor, tauchte die Regenbogenforelle erneut aus der Strömung auf und schnappte nach meinem Streamer. Diesmal hielt das Vorfach, aber ich konnte den Haken nicht richtig setzen. Zwei mal hatte der Fisch also die Oberhand behalten…naja, es lagen ja noch ein paar Tage vor mir und ich wusste nun wo ich nach einem großen und gierigen Fisch zu suchen hatte.

Nach dieser Begegnung ließen wir uns noch eine Stunde einen knappen Kilometer weiter flussabwärts durch die Taurach treiben, bevor wir erneut auf die Trockenfliege wechselten um einige aussichtsreiche Stellen die wir zuvor mit dem Streamer befischt hatten noch einmal abzutasten.

 

Bilder 7 – 9: Auf die Trockenfliege reingefallen

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Da wir und die anderen Gäste von Familie Kohlmayr für den frühen Abend zum Spanferkelessen auf die Tauernkaralm eingeladen waren, gönnten wir den Forellen ab dem frühen Nachmittag ein wenig wohlverdiente Zeit zur Erholung von unseren verführerischen Mustern und unternahmen mit Michaela und Anna noch einen kurzen Abstecher zur Gnadenalm – dort bekommt man das beste Radler: Erfrischt nicht nur durch Zitrone, sondern auch dank Limette und Grapefruit. Damit war die Fischerei für den zweiten Tag unseres Aufenthalts in Untertauern aber nur FAST beendet, denn auf dem Weg zum schon seit acht Stunden sich geduldig über dem Feuer drehenden Ferkel, machten wir auf 1685 m kurz Stop, um mit kleinen CDC-Fliegen und Mosquitos die Saiblinge des im Nebel liegenden Tauernkarsees zu ärgern.

Bild 10: Der Tauernkarsee im Nebel

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Schlussendlich zogen uns Hunger und Kälte jedoch in die gut geheizte Stube der Tauernkaralm. Dort neigte sich der ereignisreiche zweite Tag unseres Urlaubs in gemütlicher Runde bei einer Portion (manche von uns schafften auch anderthalb Portionen) Schwein vom Spieß, Semmelknödel und Sauerkraut langsam dem Ende entgegen.

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Die anderen Tage

Teil 1: Untertauern Tag 1

Teil 3: Untertauern Tag 3

Teil 4: Untertauern Tag 4

Teil 5: Untertauern Tag 5

Teil 6: Untertauern Tag 6

Teil 7: Untertauern Tag 7 (von Anna)

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Impressionen Untertauern Tag 2


Aktionen

Information

4 responses

17 08 2010
Frank

Klasse – DANKE!

Dein Frank

17 08 2010
Jörg

Sehr schön, hast Du die 60er noch bekommen? Bin schon gespannt.
Grüße mir die Fotografin.

Viele Grüße

Jörg

17 08 2010
Alex

Hallo Jörg,

das darf ich noch nicht verraten😉 Grüße sind ausgerichtet!

Schöne Seite hast Du da. Werde ich regelmäßig vorbeischauen. Wollte in Kürze ja ohnehin mal einen kurzen Beitrag über deutschsprachige Blogs schreiben.

Viele Grüße
Alex

21 08 2010
Max

Sehr schöner Bericht.
Bin sehr auf die 60er gespannt, hoffe du konntest sie verhaften.

Gruß Max

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