Vier Forellenleben – Annas erster Blogbeitrag

19 09 2010

Vor einigen Tagen bin ich von Alex auf den SpiegelOnline-Artikel „Fliegenfischen für Anfänger: Zieh Leine, Angler!“ von Ulrike Schäfer aufmerksam gemacht worden. Dort beschreibt die Journalistin ihre ersten Fliegenfischerfahrungen. Nun ist es ja – wie der aufmerksame Leser bereits weiß – auch noch nicht so lange her, dass ich (vor etwa einem Jahr) meine ersten Tapser durch fließende Gewässer gemacht habe. Ich las den Artikel also interessiert und suchte nach Parallelen. Einige Aussagen machten mich jedoch ein wenig stutzig. Es war ein bißchen wie diese Finde-den-Fehler-Bilder. Ich möchte jetzt aber gar nicht darauf herumreiten, dass sich der Fisch in den Händen der bekennenden Anfängerin „warm und weich“ anfühlte (vielleicht hatte sie eiskalte Hände) und das die Fliegenfischerin die Angel nach dem Fisch warf (ein einmaliges Vergnügen), denn eigentlich habe ich mich trotzdem ein bißchen mit der Dame verbunden gefühlt.🙂

Bild 1: Norwegen 2009

Enttäuscht war ich allerdings von den Forenbeiträgen zum Artikel. Ohne rechten Bezug zum Text begann eine von hauptsächlich Nicht-Fliegenfischern geführte Grundsatzdiskussion über Catch & Release. Meine Gedanken dazu haben mich auf eine Kurzgeschichte gebracht und Alex schlug vor sie hier als 50sten Beitrag zu veröffentlichen. Es war nämlich einmal eine kleine Forelle, die vor die Wahl gestellt wurde:

„Liebe kleine Forelle, du darfst nun selbst entscheiden, welches dieser vier Leben du haben möchtest.

Deine erste Option ist das Leben in einem Bach. Es ist ein schöner, an manchen Stellen wild über Steine sprudelnder und an anderen Stellen ruhig fließender breiter Bach mit vielen Unterständen an den Rändern. Durch die Kraft des Wassers wirst du es allerdings nicht so leicht haben. Du musst gute Steine oder Äste finden, hinter denen du im Kehrwasser auf leckere Insekten warten kannst. Manchmal wird es Futter im Überfluß geben und manchmal wirst du hungern müssen, so dass du nicht wählerisch sein darfst. Insbesondere, wenn du noch so klein bist wie jetzt, werden die großen Forellen die dort schon leben, eine Gefahr für dich darstellen und die guten Futterplätze im Bach werden belegt sein. Du musst also geduldig und hartnäckig sein. Es wird dir auch hin und wieder mal passieren, dass du eine Fliege fängst und plötzlich ein Ruck durch deinen Körper geht. Du wirst gegen eine unbekannte Macht kämpfen und mutig in die Strömung schwimmen oder einen kleinen Sprung wagen. Dabei wird es dir ab und an gelingen durch eine geschickte Bewegung, die ziehende Macht loszuwerden. Andere Male, besonders wenn du noch klein bist, wirst du aber schnell müde werden und dich ziehen lassen. Eine feuchte Hand wird dich vorsichtig greifen und dich an die Luft befördern, so dass du nach Luft schnappst. Eine andere Hand wird den Haken aus deiner Lippe entfernen – sofern dieser nicht im Netz, in dem du gelandet bist, schon durch dein heftiges Zappeln von alleine rausgefallen ist – und das Entfernen des Hakens wird sich evtl. nicht so angenehm anfühlen. Du wirst hören wie dein Schuppenmuster bewundert wird und es wird ein Klicken und ein Blitzen geben und dann wirst du plötzlich wieder das Wasser an deinem Bauch spüren. Die Hand wird dich noch etwas halten, obwohl du vollständig im Wasser bist, damit dein müder Körper nicht davontreibt und dann wirst du dich aber zusammenreissen und schnell das Weite suchen, um dich in sicherer Distanz auszuruhen. Nach und nach wirst du dicker und größer werden und kannst dir bessere Futterstellen suchen. Du wirst stark sein und kannst dich dann sogar in tieferen Löchern verstecken. Nur noch ganz selten wirst du auf diese mächtigen Insekten oder bunten Fischchen hereinfallen, die dich in jüngeren Jahren an die Luft beförderten. Du isst nun auch nicht nur noch die kleinen Insekten, sondern ab und an auch mal einen kleinere Kollegen oder eine Kollegin, die dir zu nahe gekommen ist. Irgendwann wird allerdings auch dein Leben zuende sein. Du wirst vielleicht irgendwann krank oder von einem anderen Fisch oder einem Vogel verletzt und gefressen. Das ist die erste Option.

Bild 2: Option 1

Die zweite Option gleicht der ersten sehr. Aber das erste Mal, wenn du diese Macht der seltsamen Fliege in deinem Körper spürst und du eine bestimmte Größe erreicht hast, wird auch das letzte Mal sein. Denn die Hand, die dich aus dem Wasser nimmt, hat nicht vor, dich zurückzusetzen. Das Letzte, was du spühren wirst, ist ein kräftiger Schlag in den Nacken. Vielleicht landest du dann abends in einer Pfanne oder in einem Backofen. Vielleicht auch erstmal in einer Tiefkühltruhe. Letzteres ist sehr wahrscheinlich, denn einige deiner Kolleginnen sind kurz nach dir zwischen die Bierflaschen in der Kühlbox gequetscht worden.

Bild 3: Option 2 (via flickr by badkleinkirchheim)

Die dritte Option ist, dass du in einem monotonen Becken lebst in dem hunderte von anderen Forellen Flanke an Flanke leben, die fast genauso alt und so groß sind wie du. Du wirst dich nicht viel bewegen müssen, weil das Essen direkt und immer pünktlich zu dir kommt. Du wirst träge sein, weil es keine Strömung gibt und daher wirst du schnell zunehmen. Nach einer Weile wirst du mit vielen deiner Kolleginnen mit einem Netz eingesammelt werden. Dann wirst du dich ein bisschen wehren und dich wundern. Dein Leben wird dann nicht mehr lange dauern. Du wirst dann bald in einer Kühltheke zum Verkauf liegen. Oder es passiert Option Nummer Vier.

Bild 4: Option 3 (via flickr by badkleinkirchheim)

Bei der vierten Option wirst du in einen kleinen See verlegt, der interessanterweise auch Angelpuff genannt wird. In diesem See gibt es viel bunt glitzerndes Kaugummie-Zeug, was für dich sehr ansprechend aussieht. Wenn du schlau bist rührst du es aber nicht an, selbst wenn es an deiner Nase vorbeitaumelt. Wenn du dann aber doch nicht wiederstehen kannst, dann ergeht es dir wie in der zweiten Option.

So nun musst du dich entscheiden, liebe kleine Forelle, welches Leben würdest du bevorzugen?“


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3 responses

20 09 2010
Hans

ja ja wenn ich mir den Fotothread von Flickr ansehe, muss ich leider wiedermal mit dem Kopf schütteln. Schade das die Waidgerechtigkeit nicht so weit geht, wie es sich ein macher Fliegenfischer gerne vorstellen würde.
Vielmehr finde ich es Schade das gerade ihr diese Fotos verwendet oder zumindest Auszugsweise.
Zitat:
„Das Letzte, was du spühren wirst, ist ein kräftiger Schlag in den Nacken.“

Diese zwei Forellen haben niemals eine Beteubung oder ein Waidgerechtes Abtöten erleben dürfen, das erkennt man sehr gut aus den Foto´s und ich bin mir auch sehr sicher das kein Kiemenstich gemacht wurde !!!!!

Soviel dann zu dem Thema, und aus meiner Sicht TOTAL daneben !

22 09 2010
Alex

Hallo Hans,

ich bin vollkommen Deiner Meinung, dass diese Fische keine waidgerechte Behandlung erfahren haben. Aber warum sollten die Fotos deswegen nicht verwendet werden? Sie sind ja hier in einen anderen Kontext eingebunden. Auf die Fotosammlung bei Flickr wird ja nur aus rechtlichen Gründen (copyright) verlinkt.

Was genau ist für dich daneben? Das Thema waidgerechte Behandlung? Die unterschiedliche Handhabe von gefangenen Fischen? Ich verstehe deinen Kommentar leider nicht ganz. Vielleicht kannst Du mir helfen.

Viele Grüße
Alex

23 09 2010
Frank

Lieber Hans,

Anna und Alex illustrieren mit diesen Bildern ja eben einen Umgang mit Fischen, den sie selbst niemals pflegen würden! Die wunderschön gemachten Beiträge dieses Blogs beweisen doch an allen Ecken und Enden die Liebe der beiden zur Natur und die Fairness gegenüber den Fischen. Heftig zu kritisieren, ohne genau gelesen zu haben – eben das ist aus meiner Sicht „TOTAL daneben“.

Dein Frank

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