Rückblick Österreich Teil VI: Untertauern Tag 6

30 09 2010

Schnell und unaufhaltsam rückte der Tag unserer Abreise aus dem erneut lieb gewonnenen Untertauern entgegen. Nur noch zwei Tage blieben Anna und mir, die frische Bergluft, das idyllische Panorama und natürlich das wilde Rauschen der Taurach zu genießen.

Bild 1: Auch bei schlechtem Wetter ein Traum

.

Um diese kostbare Zeit nicht untätig zu verschwenden, hatte ich mir meinen Tagesablauf sorgfältig geplant: Am Vormittag wollte mir Klaus den unteren Teil der Strecke und ein paar seiner Lieblingsspots zeigen, anschließend wollte Anna ihr neues Objektiv – welches sie von ihrem aufmerksamen Freund zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte😉 – testen und für den frühen Abend schließlich hatte ich zwei jungen Italienern, für die ich Tags zuvor zierliche Trockenfliegen für den Bergsee gebunden hatte – versprochen, ein paar nützliche Tipps für das Fliegenfischen im Gebirgsbach zu zeigen. Es gab also genug zu tun…

Nach dem reichhaltigen Frühstück – welches ich schon in Kürze schmerzlich vermissen sollte – „flitze“ ich auf dem Beifahrersitz von Klaus Sportwagen talwärts in Richtung Radstadt. Nach wenigen Kilometern bogen wir von der Landstraße scharf links ab und erreichten nach ein paar engen Kehren eine massive Holzbrücke, unter der sich in der Tiefe die Taurach von Becken zu Becken stürzte. Wir kletterten in unsere noch vom Vortag feuchten Wathosen (natürlich nur von Außen) und bereiteten unsere Ruten auf eine Pirsch mit der Trockenfliege vor. Auf Klaus „Warnung“ hin, wir könnten es an diesem Abschnitt mit größeren Kalibern zu tun bekommen, montierte ich eine 0,18er Vorfachspitze, bevor ich meine bisher sehr verlässliche Rehhaarsedge anknotete. Voller Vorfreude stiefelten wir durch den einsetzenden Regen los, zielstrebig stromaufwärts.

Bild 2: Die Verlängerung meines rechten und linken Armes

.

Mein ortskundiger Begleiter wies mich auf unserem Weg am Ufer entlang immer wieder auf die heimische Fauna am Wegesrand hin und erzählte mir von seinen zahlreichen Besuchen an dem schönen Fluss zu unserer Seite. Dabei machte er immer wieder Halt und zeigte mir aussichtsreiche Standplätze, aus denen er in den Vorjahren farbenfrohe Bachforellen gezaubert hatte. Ein paar Minuten später und einiges Wissen über wilde Orchideen reicher, hatten wir unser Ziel erreicht: Nach einer Linkskurve führte der steinige Uferweg etwa 200m schnurgerade auf eine Holzbrücke zu. Auch der Fluss wirkte hier wie eine Zielgerade beim Formel 1, soweit ich dies durch den dichten Bewuchs aus Bäumen und Sträuchern beurteilen konnte. Jedenfalls „wenig spektakulär“ in meinen Augen: keine Störsteine, kein Totholz, kein unterspültes Ufer, keine tiefen Becken, keine auffälligen Rinnen. Auf meine Frage, warum gerade hier große Forellen stehen würden, lenkte er schmunzelnd meinen Blick auf ein Häuschen am Hang auf der Gegenseite: eine Forellenzucht. Jetzt machte es bei mir „Klick“ und als ich den kleinen Zufluss in die Taurach, über den offenbar Innereien ins Wasser entsorgt und dort gierig von hunrigen Großforellen erwartet wurden, sah, schmunzelte auch ich.

Bei unserer Verabschiedung und einem kräftigen „Petri Heil“ hatte mir Klaus noch hinterhergerufen, dass einige der 70cm+ Regenbogner aus den Bilderrahmen im Foyer des Hotels hier gefangen wurden. Umso aufgeregter bahnte ich mir meinen Weg durch das widerspenstige Gestrüp am Ufer und tastete mich vorsichtig ins Wasser vor. Hier stehend ähnelte der Fluss noch stärker einer Zieldurchfahrt beim Autorennen, nur das hier Wasser und nicht Silberpfeile und Co. in einer ohrenbetörenden Geräuschkulisse rasant am Besucher vorbeischießt. Das Waten gegen den enormen Strömungsdruck erwies sich als mühseelig und auch das Werfen aufgrund der weit in die Flussmitte hineinragenden Äste als nicht ganz einfach. An Überkopfwürfe war nicht zu denken, dann schon eher die Rute flach und parallel zur Wasseroberfläche, noch besser aber Rollwürfe oder Switchcasts. So arbeitete ich mich langsam und vorsicht stromaufwärts vor, ohne dabei meine immer wieder auf mich zutreibende Sedge auch nur für eine Sekunde aus den Augen zu lassen.

Als ich mein wie ein Korken schwimmendes Muster gerade am linken Ufer unter einen tief hängenden Ast servierte hatte, kam aus dem scheinbaren Nichts heraus der erste Biss. Schon beim Anhieb war mir aber bewusst, dass ich am anderen Ende der Leine keinen der durch die Innereien seiner Artgenossen mopsig gewordenen Fische hatte. Stattdessen hatte sich ein hell gezeichneter Saibling meine Trockenfliege von der Oberfläche geschnappt. Auch nicht schlecht!

Bild 3: Konnte der Sedge nicht widerstehen

.

Auch die nachfolgenden Bach- und Regenbogenforellen, die ich aus der knietiefen Wasserautobahn empor locken konnte, kamen an die beinahe wie gemästet wirkenden Riesen aus der Hotellobby nicht heran. Klaus, der stromab gefischt hatte, stieß wenig später zu mir. Er hatte auch kein Glück, nicht einen Biss, gehabt. Ohne jedoch die Köpfe hängen zu lassen, fischten wir gemeinsam weiter. Diesmal erneut – wie am Vortag – gezielt auf Forellen, die wir vom erhöhten Ufer zuvor erspäht hatten. Auf diese Weise verging die Zeit wie im Flug und gegen Mittag brausten wir zurück in Richtung Hotel, wo seine Frau und meine Freundin bereits ungeduldig auf uns warteten.

Nach einer kleinen Stärkung für mich, schwang auch Anna sich in ihre Wathose und montierte ihr neues Tele- Makroobjektiv auf ihre Spiegelreflexkamera. Zeit für ein paar Fotos von Flora, Fauna, Wasser und Fischer!

Bild 4: Der Nachmittag kann kommen

.

Wir machten uns auf jenen Weg, den ich bereits am Vormittag in Richtung Tal zurückgelegt hatte, denn ich hatte noch ein paar vielversprechden Stellen vor Augen, die Klaus und ich nicht befischt hatten. Besonders angezogen wurde ich von einem großen Felsen, unmittelbar unterhalb der massiven Holzbrücke am Eingang eines tief wirkenden Pools. Hier musste eine stattliche Forelle ihr Zuhause haben! Am Parkplatz angekommen zog sich Anna aufgrund des erneut einsetzenden Regens ihre Watjacke an, ich ging schon einmal vor und kletterte hinab zum Wasser. Da war der Felsen. Ich schlich mich vorsichtig und geduckt von oberhalb an. Wo blieb Anna nur…egal: ein Wurf kann nicht schaden. Ich hätte warten sollen! Meine Trockenfliege hatte es sich gerade erst auf dem Kehrwasser hinter dem massiven Stein gemütlich gemacht, als eine riesige Bachforelle empor schoss und agressiv nach meiner Elk Hair Caddis schnappte. Als sie merkte, dass etwas mit ihrem vermeintlichen Opfer nicht stimmte, war es für sie bereits zu spät und daraufhin stürmte sie in die Mitte des Flusses, ins Herzen der Strömung. Dort machte sie einen ersten Sprung. Ich konnte parieren. Ein zweiter Sprung, auch auf diesen konnte ich reagieren. Beim dritten Sprung verabschiedete sie sich jedoch – wahrscheinlich mit einem Lächeln auf den Lippen – zurück in die Tiefe… Ich starrte ihr hinterher… Erst als Anna auf der Brücke über mir stehend fragte, was denn los sei, wichen meine Augen von der Stelle, an der ich die beinahe schwarze Bachforelle verloren hatte. Die spektakulären Sprünge hätten sicherlich ein paar sehenswerte Schnappschüsse hergegeben. Nächstes Mal würde ich mit meinem ersten Wurf warten…

Einige schöne Schnappschüsse sind an diesem verregneten Nachmittag bei der Einweihung des Geburtstagsgeschenks aber dann doch noch entstanden!


Bilder 5-7: Die ersten Schnappschüsse

.

Achja, anzumerken wäre noch, dass der Abend mit den beiden sympathischen Italienern leider nicht ganz so verlief, wie ich es mir erhofft hatte: Die Fliegenfischerneulinge taten sich bei der Umsetzung meiner Tipps ein wenig schwer und wirkten schon nach kurzer Zeit, vielleicht auch aufgrund des heftigen Regens, ein wenig demotiviert. Dass dem einen der beiden dann noch das Spitzenteil seiner neuen Loop Multi brach – er zog etwas barsch an der Flugleine, nachdem sich diese mehrfach um die Spitze der Rute gewickelt hatte – setzte dem ganzen die Krone auf…

.

Die anderen Tage

Teil 1: Untertauern Tag 1

Teil 2: Untertauern Tag 2

Teil 3: Untertauern Tag 3

Teil 4: Untertauern Tag 4

Teil 5: Untertauern Tag 5

Teil 7: Untertauern Tag 7 (von Anna)

.

.

Impressionen Untertauern Tag 6


Aktionen

Information

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: