Eine andere Rur

8 10 2010

Ich liebe DIE Rur. Ich liebe ihren wilden und durch unzählige Störsteine geprägten unwegsamen Charakter wenige Kilometer unterhalb ihrer Quelle im Hohen Venn. Ich liebe auch ihren natürlichen Mäanderverlauf, nachdem sie sich für einige Zeit im Rurstausee entspannt und ihren Weg zurück ins eigene Flussbett gefunden hat.

Vor ein paar Tagen habe ich einen weiteren Abschnitt der Rur kennen gerlernt: Über das Fliegenfischer Forum hat mich Christoph zu einem Besuch seiner Rur, der Rur bei Düren, eingeladen.

Bild 1: Der Verlauf der Rur

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Der ca. 16 km lange Abschnitt der Rur unterhalb von Kreuzau-Üdingen wird vom Kreisfischereiverein e.V. Düren (KFV) gepachtet und bewirtschaftet.  Der Verein beherbergt zwar nicht ausschließlich Fliegenfischer, etwa 70% des Fließgewässers sind jedoch der Fischerei mit der künstlichen Fliege vorbehalten. Der Rest darf auch mit Blinker und Co. sowie schmackhaften Würmern unsicher gemacht werden. Um seine Rute an besagtem Gewässer schwingen zu dürfen, bedarf es entweder einer gültigen Jahreskarte (nur in Verbindung mit einer Vereinsmitgliedschaft) oder man hat das Glück, einer der drei jährlich zugelassenen Gäste eines Mitglieds zu sein. Wie in meinem Fall…

Christoph hatte sich für meinen Besuch im Kreis Düren zwei Abschnitte der Rur ausgesucht:

Nachdem ich meinen Gastschein beim örtlichen Angelhändler erstanden hatte, befischten wir zunächst eine ca. 1km lange Passage am oberen Ende der Strecke, angefangen unterhalb einer großen Brücke, über eine erste Staustufe hinweg bis hin zu einem weiteren Wehr nach einem langen und tiefen, ruhigen Zug. Dieser konnte von uns nur bewatet werden, weil der Abfluss aus dem Stausee Obermaubach in der Nacht zuvor von 12 auf 6 Kubikmeter gesenkt worden war (aktuelle Abflussrate). Anschließend fuhren wir einige Kilometer stromabwärts und fischten unterhalb von drei, kurz aufeinander folgenden Wehren.

Während die Rur im ersten Abschnitt einen vornehmlich naturbelassenen Eindruck auf mich gemacht hat, wurde sie im zweiten Abschnitt teilweise durch ein künstliches, metallenes Flussufer begradigt. Ihr könnt Euch vorstellen welchen der beiden Abschnitte ich reizvoller fand😉

Bild 2: Unser Einstieg

Wir fischten stromabwärts, Christoph voraus und ich 50-100 m hinter ihm her. Da ich anfangs keine steigenden Fische ausmachen konnte, entschied ich mich dafür, einen schwarzen Wolley Bugger (den ich übrigens leicht abgewandelt nach dieser Anleitung binde) an der langen Leine an die Ufer zu servieren. Mit einigen Mendings ließ ich den widerhakenlosen Streamer kurz abtreiben, um ihn aus der Tiefe in einem Bogen in Richtung Flussmitte treiben zu lassen und ihm durch aktives Strippen Leben einzuhauchen. Bereits nach ein paar Würfen unter die dichten und weit überhängenden Bäume konnte ich die ersten vehemente (Fehl-)Bisse und eine erste farbenfrohe Regenbogenforelle in meinem Schonnetz verzeichnen.

Bild 3: Eine Refo auf den Woolley Bugger

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Anschließend wechselte ich immer wieder für wenige Würfe auf die Trockenfliege, konnte auf dem ruhig und gleichmäßig fließenden Stück die sporadisch steigenden Forellen aber nicht überreden, sich für meine Muster (Klinkhammer und kleine Eintagsfliegen) statt für das Original zu entscheiden. Erst unmittelbar unterhalb einer Staustufe konnte ich im schnellen und unruhigen Wasser eine Bachforelle von einer kleinen grünen Elk-Hair-Caddis überzeugen. Dies zeigte mir wieder: Bei der Präsentation der Trockenfliege an sich eher langsam und „monoton“ bewegenden, breiten Gewässern mit weiten Würfen und langen Drifts, gerade stromabwärts, kann ich sicher noch einiges dazu lernen!! Sobald das Wasser jedoch etwas schneller wurde, war ich wieder in meinem gewohnten Element und konnte einige schöne Regenbogenforellen und eine Bachforelle nach satten Bissen und wilden Drills aus der harten Strömung locken.

Bild 4: Schnelleres Wasser – hier fühle ich mich zu Haus

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Bild 5: Schön gezeichnete Refo

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Nach unserer kurzen Mittagspause offenbarte sich mir die Rur nach einer Zick-Zack-Fahrt über Schleichpfade weiter stromabwärts weniger natürlich, aber auch reizvoll. Der hier etwa 20 bis 25 m breite Fluss ergoss sich auf einem ca. 800m langen Abschnitt über drei Staustufen und bildete unmittelbar hinter den Wehren tiefe, ausgespülte Becken. Aus den ersten beiden Löchern konnte ich mit meinem Streamer keine Forelle zaubern, auch wenn sich bei meinem ersten Wurf am ersten Wehr eine sehr stattliche Regenbogenforelle kurz auf die Verfolgung meines Woolley Buggers – wie ich vom höher gelegenen Ufer aus beobachten konnte – gemacht hatte. Zu Schade! Der Fisch hatte sicher über 50 cm.

Dafür hatte ich an der dritten Staustufe mehr Glück: Nach einer ersten Attacke auf meine Fliege aus flauschigem Marabou und weicher Hennenhechel, konnte ich zwei Regenbogenforellen sicher landen. Die Bisse erfolgten wenige Meter unterhalb des Wehres, kamen aus dem Nichts und waren so brutal, dass es mir fast die Rute aus der Hand gerissen hätte. Auch der Drill war spektakulär: Sprünge, wilde Fluchten und eine Gerte, deren Spitze sich immer wieder blitzschnell in Richtung Wasseroberfläche neigte. Hätte man die Fische nicht wenig später in den Händen gehalten, hätte man sie sicher einige Zentimeter größer eingeschätzt. Auch wenn ich natürlich wilde Bachforellen mit ihrer schönen Zeichnung aus schwarzen und roten Tupfen jeder Regenbogenforelle, sei sie noch so groß, vorziehe, ist es immer wieder beeindruckend, wie viel Energie und Kraft diese bie uns nicht heimischen Forellen doch haben.

Bild 6: Eine wehrhafte Wehr-Forelle

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Den Schlusspunkt dieses Tages setzten eine letzte Regenbogenforelle, die ich unter einem Baumstamm am rechten Ufer vermutete und ein „Fast-Loch“ in Christophs Wathose. Ein hinterhältiger, spitzer Ast hatte ihm unter Wasser die oberste Schicht seiner Neoprenhose aufgerissen. Zum Glück noch trockenen Fußes stiegen wir nach einem langen und tiefen Staustück aus und verabschiedeten uns von der Rur, die sich mir an diesem Tag von einer ganz neuen Seite gezeigt hatte: Breiter, ruhiger und teilweise weniger natürlich als jene Abschnitte, die ich bisher befischt habe. Auch wenn der Befischungsdruck aufgrund der vielen Vereinsmitglieder sicherlich nicht gering ist und hier und da Forellen entnommen werden, erwartet den Besucher dennoch eine spannende und zugleich erholsame Fischerei. Die Rur ist um Düren herum ganz anders als in der Eifel Richtung Quelle, aber immer noch ein wunderschöner und abwechslungsreicher Fluss…

Es gibt eben nicht DIE Rur!

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Impressionen von der Rur bei Düren


 

 


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16 responses

8 10 2010
Jörg

Hi Alex,

schöner Bericht, langsam beneide ich Euch echt um die tollen Gewässer. Ich wohne hier in einer echten Fliegenfischer Wüste.

Viele Grüße
Jörg

8 10 2010
Alex

Hallo Jörg,

so viele Gewässer haben wir gar nicht. Aber die die wir haben sind wunderschön😉

Wo wohnst Du nochmal?

Viele Grüße
Alex

8 10 2010
Jörg

Hi Alex,
ich wohne in Mittelfranken im schönen Zenntal. Das nächste Forellen- oder Äschenwasser ist so um die 90km entfernt, zuviel um eben mal nach Feierabend schnell hinzufahren. Leider.

Viele Grüße
Jörg

8 10 2010
Ralf

Hallo Alex,

sehr schöner Bericht, da bekommt man ja richtig Lust zum fischen.

@Jörg: Was sind schon 90 Kilometer, an die Wiesent reisen Leute mit deutlich mehr Anreiseweg an!

Grüße
Ralf

8 10 2010
esflyfishing

Moin Alex,
sehr schöner Bericht, ich lese schon länger auf deiner Seite deswegen schreib ich jetzt mal.
Klasse Seite weiter so!

Gruß enrico

9 10 2010
Alex

Hallo Enrico,

danke für Dein Interesse. Freut mich!

Ich sehe, dass wir außer der Leidenschaft fürs Fliegenfischen noch etwas gemeinsam haben😉

Gruß
Alex

10 10 2010
Jörg

Hallo Alex, hallo Ralf,
versteht mich bitte nicht falsch, es geht mir nicht um die Fahrtstrecke, ich habe keine Jahreskarte an Pegnitz, Wiesent oder Püttlach. Der Umstand „Tageskarte“ ist das eigentliche Problem, die Pegnitz ist seit 1.10. für Tageskartenangler geschlossen, an Wiesent und Püttlach gibt es Tageskarten nur mit Übernachtung. Ansonsten fahre ich auch gerne mal 160 km an die Blau oder 300km an die Traun. Nur halt nicht spontan.
40km würd ich aber auch für 2 Stunden fischen in Kauf nehmen.
Viele Grüße
Jörg

4 01 2011
rwi

Hallo,ich befische die Rur seit über 45 Jahren.Damals war die Rur noch eine Kloake und die Fische nicht genießbar.Heute hat sich Sache zum Guten gewendet. Trotzdem noch eine Anmerkung: Wir, 4 Sportfreunde fahren während der Saison 2 mal wöchentlich zum Fischen. Unser Glück:35 km hin und 35 km zurück.Früher ein Vorzeigegewässer was Äschen betraf. Heute trotz umfangreichen Schonmaßnahmen, weniger gut. Insgesamt hat die Fangliste in 2010 weniger gut ausgesehen. Ich meine nicht die entnommenen Fische sondern die Gesamtfänge. Aber das wurde nicht nur in unserem Abschnitt beobachtet.Trotzdem ist jeder Tag am Wasser ein schöner Tag am Wasser.Rolf

4 01 2011
Alex

Hallo Rolf,

an welchem Abschnitt fischt ihr wenn ich fragen darf?

Viele Grüße
Alex

8 01 2011
rwi

Hallo Alex, wie Dir inzwischen bekannt ist, habe ich ein Faible für den Kormoran. Er kann nebenbei als Lieferant von Federn für das Fliegenbinden auch anderer Verwertung zugeführt werden. Und zwar wie folgt:
Vogel des Jahres 2010 zum Fressen gern aber auch in 2011.
Man nehme 2 Kormoranbrüstchen ohne Haut. In Sonnenblumenöl mit Rosmarin und Thymian einlegen.
Vor dem Braten abtupfen mit Salz und Pfeffer würzen. In der Pfanne in Sonnenblumenöl kräftig anbraten. Danach im Ofen bei 100 Grad ca. 10 Min. ziehen lassen.
Für die Sauce die zerkleinerten Teile wie Keule und Knochen anbraten. Grob gehackte Karotten und Lauch mit anbraten. Zwiebeln leicht anbräunen mit Tomatenmark und etwas Zucker weiterrösten. Den Fond mehrmals mit Rotwein ablöschen. Roter Portwein gibt der Sauce den gewissen Pfiff. Evtl etwas eindicken.
Dazu wird glaciertes Gemüse aus Karotten, Kolrabi und Schalotten empfohlen. Natürlich fehlen die Kartoffeln nicht.
Ein Spitzenkoch beschreibt den Geschmack wie folgt: Er erinnert an Täubchen mit einer leichten Lebernote.
Das Rezept kann auch unter Flifi 2-10 abgerufen werden.
Und nun der Aufruf. Helft mit den Vogel zu vertilgen.
RWI
NS.: Vielleicht sollte man mit der Zugabe von Thymian etwas vorsichtiger umgehen. Besonders wenn er in unserem Abschnitt der Rur zu Hause war. Er hat sich dort bestimmt an unseren Äschen vollgefressen.

8 01 2011
Alex

Hallo Rolf,

klingt lecker😉

Ein Sternekoch könnte vielleicht sogar einen leichten Nachgeschmack von „Blei“ entdecken😉

Danke für dieses ausgefallene Rezept. Im Fliegenfischer-Forum wird auch ab und an über dieses Thema gesprochen. In einem aktuellen Thread wird allerdings auch auf das Problem von Würmern im Kormoran hingewiesen: http://www.fliegenfischer-forum.de/flyfishing/kormoranueberfall-2010-2011-wie-ist-die-lage-bei-euch-t263288-s30.html

Das ist dann wiederum nicht so appetitlich.

Viele Grüße
Alex

10 01 2011
rwi

Ich freue mich über die Resonanz. Kormoran wird aber seit ewigen Zeiten z.B. in Polen tischfertig zubereitet. Was Würmer etc. betrifft – ein Hinweis –
auch im Fischfleisch sind oft „Lebewesen“ die uns nicht schmecken die aber durch Kochen oder Backen abgetötet werden. Man erinnert sich an die Zeit als in Filets (Seefisch) darauf hingewiesen wurde. Beim Kormoran sollen sich die „leckeren“ Dinge allerdings nicht im Fleisch sondern nur in den Verdauungsorganen zu finden sein und die werden ja bekanntlich nicht gegessen.RWI

10 01 2011
Alex

Hallo Rolf,

da hast Du natürlich Recht!

Grüße
Alex

11 01 2011
rwi

Hallo Alex, suhe Dir einmal den Artikel aus Stiftung Wasserlauf heraus. Thema Durchgängigkeit der Rur von Roermond bis …
Grüße Rolf

11 01 2011
Alex

Hallo Rolf,

super, danke! Bin gespannt.

Viele Grüße
Alex

25 02 2011
rolf

Hallo Alex, nachdem alles auf Werkeinstellung zurückgesetzt werden mußte, konnte ich nícht so wie ich gerne mocht. Ich bin heute auf Deine sehr schön aufgemachte S. gestoßen. Die Beiträge sind informativ und zeitnah. So wie man sich das immer wünscht.
Mach weiter so. Wir beim „Der Fliegenfischer“ Rur Gerd und ich bemühen uns ebenfalls ind das gleiche Horn zu blasen. Du hast es ja an meinen Beiträgen Kormoran gesehen.
Ich hoffe wir lernen uns einmal persönlich kennen.
Rolf

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