Rückblick Österreich – Teil X: Mittersill Tag 3

19 11 2010

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  • 7.00 Uhr: Der Wecker klingelt. Raus aus den Feder. Ein prüfender Blick aus dem Fenster. Die Straße vor dem Hotel ist nass. Ein prüfender Blick in den Himmel. Die Wolken sind dunkel.
  • 7.30 Uhr: Frisch geduscht am Frühstücksbuffet. Müsli mit Joghurt, danach Ei, Brot, Käse. Dazu ein Kakao. Gestärkt in den Tag.
  • 8.00 Uhr: Raus aus dem Gewölbekeller. Rüber zum Fishershop. Den Guide löchern. Wie sind Bedingungen an der Krimmler Ache. Daumen drücken!
  • 8.05 Uhr: Vorsichtiges Aufatmen! Die Taxifahrerin gibt grünes Licht. Krimmler Ache leicht trüb aber fischbar.
  • 8.15 Uhr: Ortsausfahrt Mittersill. Treffpunkt in Krimml mit der Taxifahrerin in 30 Minuten.
  • 8.45 Uhr: Endlich im Taxi. 34 Euro leichter. Mit uns zwei Franzosen. Der Berg ruft!
  • 9.15 Uhr: Kacke! Es gießt aus Eimern. Krimmler Ache ist braun. Zurück ins Tal.
  • 9.45 Uhr: Danke an die Taxifahrerin. 34 Euro schwerer. Notiz an mich, morgen Trinkgeld erhöhen.

 

Unsere erste Tat, nach dem kurzen Ritt im Taxi die Kurven zur Krimmler Ache hinauf (und hinab), war der Gang zurück ins Hotel. Anna hatte sich am Morgen eine Tageskarte gekauft, die wir in der Hoffnung auf besseres Wetter am nächsten Tag zurückgaben. Die Dame an der Empfangstheke war freundlich und kulant und so konnten wir wenig später einen neuen Plan für den noch jungen Tag vor uns schmieden: Wandern (Alex & Anna), Fischen (Alex), Fotografieren (Anna), Lesen (Anna) und Faulenzen (Anna). Wir erkundigten uns beim auskunftsfreudigen Guide über mögliche – fischbare – Ausweichgewässer und entschieden uns kurzerhand für den angeblich wetterunanfälligen Amerbach, den wir bereits zwei Tage zuvor kurz begutachtet hatten. Besonders interessant erschien uns in seinem Streckenverlauf in Richtung Mittersill ein Abschnitt zwischen Elisabethsee (1444m) und Lenisee (1547m), kurz unterhalb des Tauerntunnels via Italia.

Nur 30 Minuten später parkten wir unser Auto an der steilen Bergstraße und spazierten gemütlich zum Elisabethsee, an dessen Ufer es sich seelig grasende Milchkühe gemütlich gemacht hatten.

Bild 1: Kühe am Elisabethsee

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Das Wetter hier oben war weitaus freundlicher als unten im Tal. Anna verlor sich zwischen Schnappschüssen von Flora und Faune und ich mich im Rhythmus der ersten Würfe mit meiner Gespließten. Schnell konnte ich dem schnappsklaren See vor mir für einen kurzen Moment erste farbenfrohe Saiblinge entlocken. Meine schwarze CDC-Fliege, spärlich gebunden auf einen 18er Haken, war für die Salmoniden mit dem markanten weißen Streifen an der Flosse anscheinend zu verlockend.

Bild 2: Auf eine schwarze CDC reingefallen

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Da mich die Fischerei an stehenden Gewässern – zumindest vom Ufer aus – aber nur selten lange fesseln kann, machten wir uns zwei Kapitel aus Annas Buch später auf, den Amerbach und den Wanderweg zu seiner Seite zu erkunden. Wir spazierten über saftige Wiesen und durch dichte Nadelwälder. Hier und da stießen wir auf den munter plätschernden Wasserlauf, um die verlockend aussehenden Stellplätze anzufischen.

Bild 3: Der Amerbach

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Gegen Mittag erreichten wir den Lenisee. Der Lenisee ist eigentlich gar kein See. Vielmehr verbreitet sich das Bett des Amerbaches um ein Vielfaches, wodurch sich seine Fließgeschwindigkeit stark verringert. Vorsichtig pirschten wir uns am Ufer entlang. Schon aus der Ferne konnte man in einer langsamen, tiefen Passage einige Saiblinge ausmachen. Anna machte es sich auf einem Stein bequem und ich präsentierte meine Trockenfliege(n) so sanft wie möglich oberhalb der scheuen Flossenträger. Die Anzahl ausprobierter Fliegen wuchs von Minute zu Minute und mit ihr verringerte sich der Platz auf meinem die Tage zuvor leergebliebenen Patch an der Wathose. Mein Vorfach wurde immer länger und die Tippetspitze immer dünner. Eine Herausforderung gegenüber der Fischerei im schnellen Sturzbach die Tage zuvor! Irgendwann hatte ich dann die richtige Kombination aus Vorfach und Fliege gefunden, um die wählerischen Saiblinge zu überlisten: Ein hoher Stoppunkt, ein vorsichtiges Ablegen des Vorfachs, ein sanfter Biss, ein vorsichtiger Anschlag und behutsam aus dem Schwarm. Warten. Warten. Warten. Ein hoher Stoppunkt…

Bild 4: Ungewohnt weite und sanfte Würfe am Bach

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Meter um Meter arbeitete ich mich am Ufer stromaufwärts und erspähte zwei große Bachforellen, die ihren Standplatz neben einem großen Felsen zwischen den zahlreichen Saiblingen behaupteten. Gezielt versuchte ich die beiden rotgetupften Exemplare anzuwerfen. Im Gegensatz zu ihren schon sehr vorsichtigen Genossen, schienen diese beiden Professoren aber genau zu wissen, was auf der Wasseroberfläche an ihnen vorbeitrieb. Die beiden Bachforellen zeigten keinerlei Anzeichen, sich von ihrem sicheren und geschützten Platz entfernen zu wollen. Meine Trockenfliegen und leichten Nymphen gaben ihr Bestes, konnten den beiden aber nich einmal ein müdes Lächeln abgewinnen. Beinahe am Rande der Verzweiflung tüddelte ich eine winzige, schwarze Nassfliege – die eigentlich nur aus Bindefaden und einer weichen Hechel bestand – ans Vorfach. Der erste Wurf. Wie ein Blitz schoss die größere Bachforelle ins Mittelwasser empor und nahm ohne zu Zögern mein zaghaftes Angebot an!

Bild 5: Endlich, die launische Bachforelle

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Ein heißer Tanz an meiner Bambusrute begann, der den ganzen zuvor ruhig schlummernden Pool aufmischte. Mehrere Minuten lang zog die Bachforelle wild ihre Bahnen kreuz und quer durchs glasklare Wasser. Ein schönes Schauspiel! Irgendwann entschied sich sich zielstrebig stromauf zu flüchten und ich, um mein zartes 10er Vorfach zitternd, folgte ihr wie ein Schatten.

Bild 6: Endlich an der Oberfläche

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Langsam aber ließ ihre Entschlossenheit nach und ich konnte ihren Kopf erstmals an die Wasseroberfläche holen. Mit letzten verärgerten Schwanzschlägen sorgte sie für Unruhe. Dann war es es plötzlich ganz still… Die Spannung im Vorfach war weg. Der Fisch auch. Der Haken aufgebogen. Ich betrübt. Hatte ich einen Fehler gemacht???

Anna munterte mich auf. Sie hatte in der Zwischenzeit ebenfalls eine besondere Begegnung gemacht. Zum einen mit einer dreiköpfigen Murmeltierfamilie und zum anderen mit einem jungen, zutraulichen Vogel, den sie aber nicht benennen konnte (vielleicht könnt ihr ja helfen!).

Bild 7 & 8: Annas Begegnungen

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Nach dieser wohltuenden Aufmunterung hatten sowohl ich als auch der Pool sich wieder beruhigt. Ein skeptischer Blick zum Fels und ja, die andere Bachforelle – zwar etwas kleiner als die erste – war noch da. Einen Vorteil hatte die Story ohne Happy Ende von vorhin zumindest: Ich wusste auf welches Muster die Rotgetupften fliegen. Ich positionierte mich wieder am Ufer und bat Anna mit Ihrer Kamera in der Nähe zu bleiben. Und tatsächlich, bereits beim ersten Wurf mit der schwarzen Nassfliege stieg die zweite Bachforelle empor und leitete das zweite Tänzchen an diesem Nachmittag ein. Diesmal mit einem glücklichen Ende für mich – und auch für den Fisch, der nach einem kurzen Fotoshooting zurück in sein Element durfte.

Bild 9 & 10: Die zweite Bachforelle

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Als Schlusspunkt hinter diesen Höhepunkt setzte ein Nieselregen von den Bergen her kommend ein. Die Murmeltierfamilie verkroch sich in Ihrer Höhle zwischen ein paar großen Felsen, der Vogel verabschiedete sich in die Lüfte und wir schlenderten zufrieden zurück zu unserem Auto. Obwohl uns die Krimmler Ache versucht hatte ein Schnippchen zu schlagen, war dieser Tag einer der schönsten des gesamten Urlaubs!

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Die anderen Tage in Mittersill:

Teil 8: Mittersill Tag 1

Teil 9: Mittersill Tag 2

Teil 11: Mittersill Tag 4

Teil 12: Mittersill Tag 5

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Impressionen Mittersill Tag 3


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2 responses

19 11 2010
Ralf

Hallo Alex, hallo Anna,

es ist schön, dass Ihr uns Leser auf diese Reise mitnehmt. Ich erinnere mich nur zu gerne an meinen Besuch im Bräurup.

Die Fische sind wirklich sehr, sehr wählerisch. Insbesondere die Krimmler Ache hatte es mir angetan.

LG
Ralf

30 10 2012
Götz

Ein sehr angenehmer Bericht ohne Anglerlatein…. Tolle Bilder … Ich könnte so losfahren…

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