Den Schonzeitkoller bekämpfen (1 von 2)

30 11 2010

Zwischen dem 15. Oktober und dem 15. März sind die meisten hiesigen Gewässer für das Fliegenfischen auf Salmoniden aus gutem Grund gesperrt. Es gibt zwar einige wenige Flüsse die in unseren Breitengraden eine gezielte winterliche Äschenfischerei erlauben, diese sind jedoch oftmals für Tageskartengäste nicht zugänglich. Daher möchte ich Euch – das Fliegenbinden muss ich ja wohl nicht extra erwähnen – in aller Kürze zwei attraktive Alternativen vorstellen, wie man den eigenen Schonzeitkoller aktiv und durchaus erfolgreich bekämpfen kann:

  1. Das Fliegenfischen auf Regenbogenforellen am See
  2. Das Fliegenfischen auf Hecht

Beides habe ich in diesem Monat wieder ausprobiert und kann rückblickend zufrieden feststellen: Beide Alternativen haben ihren eigenen Reiz. Aber der Reihe nach…obwohl: chronologisch ist es eigentlich nicht. Egal!

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1. Das Fliegenfischen auf Regenbogenforellen am See

Am vergangenen Wochenende war ich zusammen mit Daniel an einem See bei unseren niederländischen Nachbarn. Unsere an sich kurze Anreise dorthin gestaltete sich jedoch etwas mühsamer als zuvor geplant: Zum einen hatte Daniel seine Flossen vergessen und so mussten wir einen kleinen Umweg über Belgien einlegen um uns Marcs Fortbewegungsschuhwerk für das BellyBoot auszuleihen. (Leider konnte er uns nicht begleiten, aber einer muss ja die Rente für unsere älteren Freunde im Fliegenfischerclub berappen😉 Seine Wettkampf-Erfahrungen an stehenden Gewässer hätten uns an diesem kalten Wintertag sicher geholfen…) Zum anderen hatte ich vergessen Marcs Navi, trotz seiner mahnenden Worte am Vortag, über Nacht aufzuladen und so standen wir ohne Saft im Akku an der Autobahnauffahrt und mussten uns telefonisch eine Wegbeschreibung einholen.

Nachdem wir diese Hürden jedoch souverän gemeistert hatten, stand einem erfolgreichen Ausflug nichts mehr im Wege. Die Sonne schien vom blauen Himmel herab und nur wenige Wolken zogen von einem lauen Westwind getragen langsam ihre Bahnen über unseren Köpfen. Wir schälten uns in unsere Thermo-Unterwäsche und unsere Watbekleidung, nur um uns nach den ersten Leibesübungen an der Pumpe fürs BellyBoot schwitzend wieder – zumindest teilweise – zu entkleiden bzw. zu belüften. Irgendwann standen aber unsere stolzen Schlachtschiffe prall gefüllt und mit dem nötigen Zubehör (Kescher, Fliegendosen, Thermoskanne, Wurst und Waffeln) ausgestatt vor uns. Mit unseren Flossen watschelten wir ins Wasser und nahmen in den bequemen Sitzen kurz über der Wasseroberfläche Platz. Der See unter uns war klar, mit knapp 7 Grad aber entgegen unserer Befürchtungen nicht zuuuu kalt.

Wir ließen uns vom Wind gemächlich in Richtung des gegenüberliegenden Ufers treiben und boten unsere künstlichen Fliegen an: Daniel (6er Rute, 9ft.) einen Wooley Bugger an der Sinktip, ich einen Chiro (entsprechende Muster findet ihr z.b. in diesem älteren Blogeintrag) an der 7er Rute mit 10ft.. Während Daniel seinen Köder strippend horizontal durchs Wasser führte, ließ ich meine schlanke Nymphe passiv vom Wind treiben und hauchte ihr nur hier und da durch leichte Zupfbewegungen Leben ein. In der ersten Stunde tat sich nichts. Dann hatte Daniel einen Nachläufer von einem stattlichen Exemplar und ich zwei Bisse – einen vorsichtig und einen vehement – unmittelbar hintereinander: den zweiten kurz unterhalb der Oberfläche und nur 2m vor meinen Flossen. Ein schönes Schauspiel im glasklaren Nass.

Nach einer Stärkung mit W&W (Wurst und Waffel) konnte Daniel dann den ersten Fisch des Tages aufs BellyBoot hiefen. Wenig später hatte auch ich wieder Kontakt: Ich wollte mich zum Wasserlassen ins Gebüsch verabschieden und drehte meinem Schlachtschiff am Ufer gerade den Rücken zu, als meine Bremse laut aufschrie. Es folgte ein langer und spektakulärer Drill mit zirkusreifen Sprüngen meines flossentragenden Gegenübers. Was ein Dusel! Daniel – der ca. 200 m von mir entfernt seine Runden drehte – kam über Land in seinen Flossen angesprintet, nur um zu erleben, wie sich die riesige Regenbogenforelle ins Kraut verabschiedete. Schade!

Anschließend kehrte jedoch keine Ruhe mehr ein, denn die Fische zu unseren Füßen fingen aktiv an, nach kleinen schwarzen Käfern und braunen Eintagsfliegen zu steigen. Wir wechselten auf entsprechende Muster und erlebten bis zum Einsetzen der Dämmerung eine sehr aktive Fischerei mit aktiven und agressiven Regenbogenforellen zwischen 40 und  70 cm. Manche Duelle gingen verloren, manche konnten wir für uns entscheiden😉

In der plötzlich einbrechenden Dunkelheit packten wir unsere sieben Sachen und machten uns auf den kurzen Heimweg – diesmal ohne nennenswerte Hürden. Es sei denn man müsste an dieser Stellte erwähnen, dass mir ein leicht angetrunkener Holländer auf einem leeren Parkplatz eine Beule in mein Auto gefahren hat…

Im zweiten Teil von „Den Schonzeitkoller bekämpfen“ werfe ich dann einen Blick zurück auf meinen Hechttrip mit Marc. Auch hier haben wir vom Boot gefischt, allerdings mit beiden Beinen an Deck und komfortabel mit Motoren an Bug und Heck.

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Den Schonzeitkoller bekämpfen (1 von 2)


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2 responses

1 12 2010
Max

Hey Alex, schöner Bericht.
Schade um deinen verlorenen Riesen, aber ohne das würde die Fischerei ihren Reiz verlieren.
Ich kenne das nur zu gut, habe in NZ um einem Fisch fast zwei Wochen getrauert.
Freue mich schon auf deinen Bericht übers Hecht fischen.

1 12 2010
Alex

Hallo Max,

klar hätte ich den Fisch gerne kurz in den Händen gehalten, aber darum geht es beim Fischen ja eigentlich nicht. Getrauert habe ich hier keine Sekunde. Gerade auch nicht, weil es sich ja nicht um einen wilden Fisch handelt.

Getrauert habe ich dieses Jahr genau 4 Mal:

– 1.: Ostvoorne: nach 2 Tagen fischen bei starkem Nordwind und teilweise Regen bekomme ich einen Biss. Die ca. 65-70 cm Forelle schießt aus 30m auf mich zu, macht genau vor meinen Füßen eine Kurve, nimmt mir 50m Backing von der Rolle, springt einmal und verabschiedet sich. Ich sehe die Bilder noch genau vor mir.

– 2. Rur bei Monschau: siehe meinen Artikel „Die Geier“ (https://flybei.wordpress.com/2010/09/11/diese-geier/) eine Wahnsinns-Bafo, wilder Fisch, die größte die ich bisher dort gesehen habe. das dümmste: ein paar Wochen später habe ich sie nochmal verloren… war der fisch der mich am längsten verfolgt hat bzw. ich denke noch immer dran wenn ich an der stelle vorbeikomme

– 3. Holland: ein Hecht deutlich über 1m. Beim ersten Wurf kurz gehakt. Pause. Beim zweiten Wurf kommt er 15-20m bis ums Boot herum hinter meinem Streamer her und verabschiedet sich dann auf nimmer wiedersehen…

– 4. Rur bei Abenden: siehe https://flybei.wordpress.com/2010/07/11/regenbogenforelle/ die größte Regenbogenforelle die ich bisher live gesehen habe…nicht ganz so schlimm war es, weil ich kurz danach noch eine andere sehr stattliche fangen konnte, aber dennoch…habe noch lange dran gedacht.

Der Bericht über die Hechte kommt in Kürze
Grüße
Alex

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