Rückblick Österreich – Teil XI: Mittersill Tag 4

4 12 2010

Nach unseren gemeinsamen Erlebnissen am abgelegenen Lenisee und der Bekanntschaft mit zwei stattlichen Bachforellen (etlichen Saiblingen), einer Murmeltierfamilie, einem Vogel und einiger Kühe, zog Anna am 4. Tag unseres Aufenthalts im Bräurup einen erkundenden Bummel durch die kleinen Lädchen und einladenden Cafés des Touristenörtchens einem Tag am rauschenden Wasser vor. Warum sich auch im teils stömenden Regen nach Draußen begeben, wenn man doch bei einem saftigen Stück Linzerschnitte ein spannendes Buch lesen kann?

Warum?

Darum!😉

Also trennten sich an diesem verregneten Morgen unsere Wege. Ich hatte in der Dämmerung kurz vorm Frühstück einen vorsichtigen Blick von einer Brücke nahe des Hotels in die Salzach geworfen. Meine leise (oder naive) Hoffnung, vor unserer Abreise vielleicht doch noch diesen namhaften Fluss befischen zu können, wurde jedoch schnell „getrübt“. Wie zu erwarten war der vom nächtlichen Dauerregen gebeutelte Strom unter meinen Füßen braun wie Cappuccino. Aber – und diese Beobachtung ließ meine Laune prompt steigen – an der Stelle wo der Felberbach im Stadtkern in die Salzach mündete, erzeugte das klare Wasser des Baches einen ca. 5m breiten und entlang des Ufers ca. 20m langen, weit weniger trüben, Streifen. Fischbar!

Bild 1: Der Einlauf in die Salzach

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Schon am Buffet zwischen knackiger Semmel und gekochtem Ei machte ich mir Gedanken wie ich diese kurze Passage effektiv befischen könnte: Sowohl Bach als auch Fluss brachten ordentliche Wassermengen aus den Bergen mit sich. Ein schwerer und großer Streamer müsste, die Salzach stromab serviert, abgetrieben, in den klaren Streifen aufsteigend und am Ufer entlanggezupft, doch das Interesse größerer Fische wecken! Stück für Stück könnte man so den klaren Bereich abfischen. Gedacht, getan!

Ich kämpfte mich durch die dichten Büsche am Ufer zum kanalisierten Einlauf des Felberbaches. Auf meiner linken Seite die braune Salzach, auf meiner rechten Seite der klare Gebirgsbach. Perfekt. Meiner Gespließten wollte ich die kommende wenig sensible Fischerei mit einem Woolley Bugger, gebunden auf einen 6er Haken und mit Tungsten sowie Blei beschwert, wahrlich nicht zumuten. Sie durfte nach den zahlreichen Drills der letzten Tage ein verdientes Verschnaufpäuschen einlegen. Stattdessen meldete sich meine 5er Z-Axis zum Dienst. An die kurzkeulige WF-Schnur montierte ich ein recht kurzes, nur ca. 2,1 m langes Vorfach mit einer 0,24mm Spitze sowie ein 0,22mm Tippet. Das sollte genügen.

Systematisch arbeitete sich mein Kollege aus Chickabou stromabwärts durch den Streifen: Wurf, Mending, Abtreiben, Kontakt, Aufsteigen, Strippen.

BISS!

Zwar hatte ich mich darauf eingestellt, dass der Biss wahrscheinlich beim Aufsteigen des Streamers erfolgen würde, trotzdem wurde ich überrascht. Mein kurzer Anhieb – mehr ein Reflex – kam durch und das einsetzende Kreischen meiner Danielsson signalisierte mir, dass der Haken saß. Der Fisch am anderen Ende marschierte in die Salzach und von mir weg. Seit langem bekam ich noch einmal mein Backing zu Gesicht. Der zusätzliche Druck der Salzach, neben der eigentlichen Kraft des Fisches, war nun sehr deutlich spürbar. Jede noch so kurze Rast des Fisches versuchte ich mit einer kräftigen Pumpbewegung an der Kohlefasergerte und einem flotten Aufrollen der Schnur zu beantworten. Auf mein Vorfach war Verlass und so konnte ich den kampfstarken Salmoniden nach wenigen Minuten das erste Mal kurz unter der Oberfläche ausmachen. Ich stutzte kurz: Eine Regenbogenforelle war es definitiv nicht, ein Saibling auch nicht. Rote Punkte konnte ich aber auch nicht erspähen. Seltsam…

Kurze Zeit später hatte ich dann Gewissheit: meine agile Tanzpartnerin am anderen Ende der Schnur war eine wunderschöne Seeforelle mit dicken schwarzen Tupfen, einem strahlend gelben Bauch und großen Flossen.

Bild 2: Seeforelle aus der Salzach

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Nach einem kurzen Fotoshooting und einer kleinen Pause in meinen Händen im seichten Wasser des steinigen Ufers entließ ich den Fisch zurück in die Freiheit. Glücksgefühle die wohl jeder Fliegenfischer kennt.

Aus dem kurzen Tagtraum aufwachend realisierte ich, dass am anderen Ufer des Felberbaches, nur wenige Schritte von mir entfernt, ein Fliegenfischer in der Böschung stand und mir anscheinend zugesehen hatte. Mit einem Akzent – der ihn als Schweizer identifizierte – beglückwünschte er mich mit knappen Worten zu meinem Fang, um anschließend umso ausgiebiger seine Nymphen im klaren Streifen neben mir zu baden. Ich setzte mich ins feuchte Gras und beobachtete seine Technik. Er fischte mit zwei Nymphen und einem Bissanzeiger, einem leuchtenden Büschel „Yarn“. Am unteren Ende seines Vorfachs baumelte eine sehr große rote Nymphe, etw 50 cm darüber als Springer ein kleineres Muster, ähnlich einem pinken Gammarus. Er hatte es anscheinend gezielt auf Äschen abgesehen. Der Erfolg, eine Fahnenträgerin aus der Rinne vor ihm zu locken, blieb jedoch aus. Nach kurzer Zeit verschwand er , diesmal grußlos, zurück in die Büsche aus denen er gekommen war und ich setzte – wieder allein am Wasser – meine Fischerei fort. Beissfreudige Äschen standen offenbar nicht am Grund, stattdessen konnte mein Streamer aber weitere Saiblinge, Bachforellen und eine zweite Seeforelle ans triste Tageslicht befördern. Viel Fisch für ein kurzes Stück Wasser!

Bild 3: Schön gezeichneter Saibling

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Drei unterschiedliche Mitglieder der Salmonidenfamilie hatte ich an diesem Vormittag schon begrüßen dürfen. Warum nicht bis zum Abendbrot noch zwei fehlende Arten, eine Regenbogenforelle und eine Äsche, einladen? Ich suchte mir auf der Karte einen weiteren Zufluss in die Salzbach und schwang mich ins Auto. Nach 15 Minuten Fahrt Richtung Westen erreichte ich an einer großen Brücke den Einlauf des schmalen Stubachs. Auch er war klar und malte das gleiche Szenario in die Flusslandschaft wie weiter unten der Felberbach. Diesmal ließ ich meine Streamer jedoch im Dunkeln ihrer Dose versauern und pirtschte mich stattdessen stromaufwärts vor. Immer wieder fingen Forellen aufsteigende Insekten kurz unterhalb des Oberflächenfilms ab. Ich erinnerte mich an meine erfolgreiche Nassfliege vom Vortag – die ich zum Glück am Abend noch aus feinem Hasenohrdubbing und einer weichen Hennenhechel nachgebunden hatte. Vielleicht stieß auch hier das spärliche schwarze Muster auf nachhaltiges Interesse. Weil das Wasser jedoch schnellfließend und unruhig an mir vorbeirauschte, entließ ich die Fliege diesmal nicht alleine in die Fluten, sondern montierte als Bissanzeiger eine große, sehr große Sedge.

Bild 4: Eine erfolgreiche Kombination?

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Bereits die ersten langen Driften meines Duos schenkten mir Fischekontakte. Mein Bissanzeiger erfüllte dabei seine primäre Aufgabe mit Bravour, konnte selber allerdings keine Attacken verbuchen. Neugierig wechselte ich auf ein einzelnes, kleineres Trockenmuster. Ich wollte es genauer wissen: Bedienten sich die Flossenträger nur selektiv am reichhaltigen Buffet oder war meine Sedge einfach zu unattraktiv? Von kleineren Köcherfliegen über zierliche Eintagsfliegen bis hin zu winzigen Klinkhammern bot ich alles an was der mittlerweile dezimierte Restbestand meiner Dose hergab. Nichts. Nichts. Nichts. Gespannt wechselte ich zurück auf die Nassfliege. Etwa 20 cm unter der Oberfläche hinter der großen Sedge hertaumelnd steuerte sie auf mich zu. Tada! Da war der Biss. Sehr Interessant! Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bis hierhin nur sehr selten zur Nassfliege gegriffen habe. Vermutlich ein großer Fehler!

Achja, Regenbogenforellen und Äschen waren auch dabei, so dass ich am späten Nachmittag die fünf unterschiedlichen Arten hatte bewundern dürfen. Den fulminanten Schlusspunkt hinter diesen erkenntnisreichen Tag setzte übrigens eine Doublette (so nennen es zumindest die Belgier): Eine Bachforelle auf die nasse Erfolgsfliege und ein unersättlicher Saibling auf die große, sehr große Sedge. Geht doch!

Bild 5: Eine Doublette auf das Duo

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Die anderen Tage in Mittersill:

Teil 8: Mittersill Tag 1

Teil 9: Mittersill Tag 2

Teil 10: Mittersill Tag 3

Teil 12: Mittersill Tag 5

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Impressionen Mittersill Tag 4



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