Saisoneröffnung – die erste Woche

25 03 2012

Die Forellensaison 2012 ist mittlerweile eine Woche und zwei Tage „alt“ bzw. jung. Zeit, eine kurze Bilanz zu ziehen und den Blick zurück auf die ersten ereignisreichen Stunden am Wasser zu werfen. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, denn es ist schon so viel passiert. Und dabei liegt noch das ganze Jahr vor mir…Also: einfach der Reihe nach!

Am 16. zog es Marc und mich an die Rur, um pünktlich um 6.30 Uhr bei Sonnenaufgang den Startschuss in unsere 4. gemeinsame Saison zu feiern. Unsere Nymphendosen waren bis unter den Deckel gefüllt und auch die ersten Trockenfliegen waren in den letzten Wochen der dunklen Jahreszeit schon eifrig gebunden worden. Der Pegel des glasklaren Eifelflusses lag bei 38cm und für den Nachmittag waren vom Wetterfrosch angenehme Temperaturen versprochen worden. Alles perfekt, oder?  Beinahe! Wären da nicht die -2° die uns im tiefen und gerade erst vom Frühnebel freigegebenen Rosental erwarteten. Keine dicke Jacke dabei und schon gar nicht an flauschige Handschuhe gedacht… warum auch, wenn man bei 7° von zu Hause aufbricht. Zu dumm außerdem, dass der örtliche Angelverein sich offenbar nicht bewusst war, üblicherweise die Pforten zum gepachteten Gewässer schon am 16.03. zu öffnen… Nach einem kurzen Telefonat trudelten dann aber – wenn auch mit ein wenig Verspätung – die  ersehnten Erlaubnisscheine bei der hilfsbereiten Bäckereifachverkäuferin ein und unsere Flugschnüre konnten endlich ganz offiziell gebadet werden. Neben uns konnten sich auch 7 Holländer nicht länger gedulden und hatten schon vor dem Wochenende ihren weiten Weg nach Monschau gefunden.

Foto 1 Auf die Plätze. Fertig. Los!

Erste Highlights des frostigen Vormittags waren neben der ersten Bachforelle des Jahres auf einen Bachflohkrebs zum einen eine kampfstarke Regenbognerin, die sich im Drill akrobatisch in die Lüfte schraubte und zum anderen Marcs hölzerne Begleiterin, die er sich von einem Freund aus dem Club Mouche Passion geborgt hatte; mein belgischer Freund hatte sich vorgenommen, die nächsten sieben Monate sein Glück „ausschließlich“ mit der Bambusrute zu versuchen. Da seine eigene Gespließte – die wir uns im vorletzten Jahr baugleich von Edgar Lange hatten aufbauen lassen – für die Rur jedoch deutlich zu kurz ist, kam das großzügige Angebot von George gerade Recht: ein ca. 8ft. langer Stecken (ich hoffe ihr hört meine Abneigung schon ein wenig raus), der sich meiner Meinung nach deutlich behäbiger bewegte, als meine fidele 81jährige Großmutter und außerdem schwerer war, als meine Einkaufstüte nach der jährlichen Fliegenfischermesse in Charlesroi. Die obendrauf weiche Spitze der Gerte ließ sich beim Werfen in etwa so präzise stoppen, wie ein hungriges Kleinkind in einem Süßigkeitenladen. Das i-Tüpfelchen setzte eine halbautomatische Rolle, die ich vor einiger Zeit für Marc in den USA ersteigert hatte, die vermutlich schon zwei Weltkriege erleben musste und für deren Handhabung man eine Gebrauchsanleitung benötigte. Spaß beiseite. Aber ein wenig Spott musste diese klassische Kombination dann doch ertragen, zumal die Fischerei damit – soweit ich das von meiner Flussseite beurteilen konnte – nicht gerade ein Zuckerschlecken zu sein schien. Meine stichelnden Worte in Richtung des schwabbeligen Kalbsschwanzes wurden von selbigem natürlich gerächt: An einer uns wohl bekannten Stelle hatten wir vier Bachforellen auf engstem Raum zwischen 30 und 40 Zentimeter ausgemacht. Wenig später zappelte, nach einem ersten Fehlbiss, eine farbenfrohe Rotgetupfte von Marc in meinem Kescher. Jetzt war ich an der Reihe…. Mein erster Wurf mit dem Objekt meines Mobbings:

  • Ein Leerwurf („Ohhh da braucht man ja tatsächlich eine extra Portion Zielwasser! “).
  • Eine dragfreie Drift („Wenigstens die Länge ist in Ordnung!“).
  • Eine Attacke aus dem Flachwasser („Da, die fast schwarze Bachforelle!“).
  • Ein sanfter Anhieb („Da fällt einem ja fast der Arm ab!“).
  • Und letztlich, ein offener Knoten am Ende des Tippets. Fliege ab. („Das kann doch nicht wahr sein!“)

Egal. Dumm gelaufen. Weitermachen. Zweiter Wurf, eine zweite 35er Bachforelle, das gleiche Ergebnis und eine zweite Trockenfliege, die ich nicht wieder sehen würde. Meine Theorie zu dieser skurilen Situation: Entweder wollte Marc mir eins für meine große Klappe auswischen – was ich aber nicht glaube – oder aber, und da bin ich mir ziemlich sicher, die belgische Bambusrute hat sich eiskalt bei mir gerächt. Ja, so wird’s gewesen sein!

Anschließend wechselten wir uns weiter mit dem Fischen stromauf ab, hauptsächlich nun allerdings mit meiner Rute, denn irgendwann merkte auch Marc das Gewicht in seiner ohnehin angeschlagenen Handballschulter. Tief geführte Moutardes lockten noch einige am Flussgrund stehende Bachforellen an die frische Luft und am frühen Abend durften wir uns völlig erschöpft, aber sehr glücklich über eine Saisoneröffnung nach Maß freuen.

Foto 2 Ein Fisch auf den Kalbsschwanz


Zeit sich auszuruhen blieb aber kaum, denn auch die nächsten Tage verbrachte ich an der Rur, einmal mit Fabian (Premiere für ihn in der Eifel) und noch ein zweites Mal mit Marc. Der Wasserstand war ein wenig gefallen, die Temperaturen ebenfalls, dafür regnete es zwischenzeitlich. Den Flussbewohnern schien es aber zu gefallen, denn bei meinem zweiten Besuch ging die erste Bachforelle ü40 ins Schonnetz. Ein weitere in dieser Größenordnung – auf eine Elk Hair Caddis – konnte ich hingegen leider nicht zu einem kurzen Fotoshooting überreden.

Foto 3 Die schönste Bafo des ersten Wochenendes

Unter der Woche zog es mich dann nach der Arbeit nach Belgien. Einmal pirschte ich alleine, einmal mit Lennet und einmal mit ihm und Jean – einem erfahrenen Fliegenfischer aus unserem Verein – durchs Unterholz des abwechslungsreichen Grenzflusses zwischen Eupen und Verviers. Die Highlights hier: eine 50er Bachforelle auf die Trockenfliege, die ich aufgrund eines aufgebogenen Hakens nicht landen konnte, ein ebenso großer, zwar gelandeter, aber dann doch zu fotoscheuer Fisch von Lennet und eine ü30 Äsche auf die leichte 16er Nymphe. Meine erste mäßige Fahnenträgerin an diesem Fluss. Ein gutes Zeichen, nachdem in die letzten zwei Jahre nur handlange Äschen ausmachen konnte.

Foto 4 Eine belgische Äsche

DAS Highlight der ersten Woche setzte aber dann mein letztes Gastspiel an der Rur: Neben den sommerlichen Temperaturen erwärmte zunächst eine 40er Bachforelle bei Niedrigwasser (nur noch knapp 20 Zentimeter laut Pegelstand) mein sonniges Gemüt. Damit aber noch laaaaange nicht genug. Denn der finale Paukenschlag der ersten Woche am Wasser im Jahr 2012 kam nur wenige Stunden später. Eine atemberaubend schöne, wilde Bachforelle, wie ich sie in diesem Fluss nicht jeden Tag, nicht jede Woche, nicht jeden Monat zu Gesicht bekomme! Das Kuriose dabei: während des Drills begleitete sie eine zweite Rotgetupfte, nur unwesentlich kleiner, und der kampfstarke Fisch am Ende meines Vorfachs versprühte aufgeregt seine Milch.

Foto 5 Eine wilde Bafo aus der Rur

Kann das mit der Milch zu dieser Zeit überhaupt (noch) sein? Habt Ihr schon einmal ähnliche Beobachtungen gemacht?

Saisoneröffnung – eine Woche am Wasser


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7 responses

25 03 2012
YARD FLY FISHING (@YARDFLYFISHING)

baaaam, die eine wilde Rur-BaFo ist ein richtiger Raeuber ! Der Unterkiefer ist ja nur so dafuer ausgelegt Maeuse zu schlucken. Sauber Alex !

p.s.: Warte noch auf meine Wathose, war aber heute das erste mal an der Wupper vom Ufer aus erkunden. Super schoene Strecken entdeckt und nur eine Mini-Bafo ausversehen beim einholen der Schnur.

Keep it coming & thx for sharing !
der woon

25 03 2012
Alex

Hej Woon,

statt Maus gab es nur eine 14er Nymphe😉

Bin gespannt auf Fotos von der Wupper.

Grüße aus Aachen
Alex

25 03 2012
Marc

Hallo,
die Eröffnung mit dir war wieder ein schönes Erlebnis,auch wenn ich nach 11 Stunden fischen nonstop ziemlich erledigt war.
Unser nächster Saison Höhepunkt steht ja schon bevor vier Tage Fliesstrammpler die Zweite,mit noch unbekannten Ziel und Zielfisch.
Gruß vom Belgier
Danke für die schöne Zeit

26 03 2012
freddy

hallo fybei’s, das war ja ein auftakt nach maß. schöne bilder, schöner bericht.

26 03 2012
Florian

Hallo Alex,
ich war auch letzte Woche Freitag an der Rur, konnte allerdings „nur“ so ca. 5 bis 6 kleinere und eine etwas bessere Bachforelle mit ca. 35 cm fangen. Allerdings bin ich auch komplett vom Campingplatz bis zum Glasmuseum durchgewatet und habe mich nicht so richtig auf eine Stelle konzentriert.
Das hol‘ ich am Mittwoch nach! Dann vielleicht auch mit 40+ BaFo und einer ReFo…

Gruß,
Flo

26 03 2012
Alex

hallo florian,

da hast du ja richtig meter gemacht. normalerweise reichen aber auch ein paar würfe pro stelle.

warst du schon öfter da?

grüsse
alex

26 03 2012
Florian

Hallo Alex,
ich war die letzten Jahre vielleicht 3-4 mal da,
seitdem ich vorletztes Jahr die Uni gewechselt habe, und jetzt die Oker im Harz quasi vor der Haustür hab hat mich der Fliegenfisch Virus wieder neu gepackt, und ich bin fast nur noch mit der Fliege unterwegs. In Niedersachsen ist erst am 1.4. Saisonbeginn, deswegen nutze ich die Chance hier beim „Heimatbesuch“ in Aachen schonmal ein Paar fliegen zu testen😉

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