Hechtfischen in Franken

10 01 2013

von Fabian

Ich persönlich kann der kälteren Jahreszeit nur wenig abgewinnen:  Die Abende an denen ich mit Freunden nach der Arbeit bis in die Nacht mit Caddis-Imitationen den großen Bachforellen nachstellen konnte – und das im luftigen Shirt – sind mittlerweile nicht viel mehr, als blasse Erinnerungen. Auch die selbstverständlich notwendige, aber dennoch langandauernde und unsere Geduld strapazierende Schonzeiten für unsere Salmoniden wirkt sich nicht gerade förderlich auf mein Gesamtbefinden aus😉
Ein Lichtblick während dieser tristen Phase des Wartens auf den März ist jedoch die sehr gute Fischerei auf Hecht! Das spärliche Nahrungsangebot und das stark aufgeklarte Wasser in vielen Stillgewässern bieten beste Grundvoraussetzungen für eine spannende Streamerfischerei.

Da ich aus beruflichen Gründen wieder zurück nach Hause ins Frankenland gekommen bin, stehen mir hier mit dem Main und den angeschlossenen Baggerseen fantastische Anlaufstellen für das Hechtfischen zur Verfügung. Trotz der zahlreichen, ganz unterschiedlichen Möglichkeiten wählte ich für einen meiner ersten Ausflüge das Vereinsgewässer des SV Kitzingen. Der durch Sandabbau entstandene See, welcher eine Größe von ca. 20 Hektar aufweist, verfügt über einen offenen Zugang zum Main. Jährlich ist zu beobachten, dass bei Abnahme der Wassertemperatur Weißfischschwärme zum Überwintern vom Main in den See wandern. Und wo Futterfisch vorhanden ist, stellen sich bekanntlich ja auch schnell die Räuber ein.

Nachteilig an diesen See erscheint jedoch der enorme Angeldruck, der durch die teilweise Gestattung des Fischens vom Boot und die Duldung des Campierens an den Ufern bedingt ist. Infolge dessen steht fest, dass sich die Raubfische stets auf dem neusten Stand der Technik bezüglich Spinn- und Gummiköder befinden. Kurzum: Die Hechte haben bereits einiges gesehen und sind dementsprechend vorsichtig. Jedoch wurden die Hechte meines Wissens nach bisher nicht oder zumindest kaum mit Streamern befischt, weshalb ich im Vorfeld sehr optimistisch war.

Ich selbst habe den See während meiner Abizeit intensiv befischt und bin entsprechend mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut. Als Startpunkt meiner Pirsch wählte ich daher einen großen Flachwasserbereich mit einer Tiefe von ca. 1,2m. Der Flachwasserbereich endet jedoch mit einer Kante, an der die Gewässersohle nahezu abrupt auf 3m abfällt. HOTSPOT! Da ich weder ein Belly- noch ein Ruderboot zur Hand hatte, musste ich mich watend entlang des Seeufers fortbewegen. Obwohl ich – wenn es ums Fischen geht – kein Probleme habe früh aufzustehen, begann ich erst um kurz nach 8.30 Uhr mit dem Fischen. Meiner Erfahrung nach lohnt sich die Fischerei auf Hecht in der Morgendämmerung ebenso wenig wie bei Einbruch der Dunkelheit. Für mich ist die verheißungsvollste Zeit zwischen Vormittag und Mittag.

Es dauerte exakt fünf Würfe bevor der erste Hecht vor meinen Füssen den Bucktail Streamer attackierte. Aufgrund der harten Switches beim Einstrippen, die zu einem ständigen seitlichen Ausbrechens des Streamers führen und dementsprechend magisch auf Hechte wirken, sind jedoch Fehlbisse unumgänglich. Wie auch in diesem Fall (Nebenbei bemerkt ist es ja auch gerade dieses seitliche Ausbrechen, das Jerkbaits aus dem Spinnfischbereich so fängig machen). Trotz einer kurze Pause und wiederholter Verführungsversuche konnte ich den Hecht kein zweites Mal zur Attacke überreden. Egal, denn die Motivation war jetzt natürlich grenzenlos.

Trotz intensiven Fischens verliefen die nächsten zwei Stunden jedoch ohne Aktion, bis ich 50 Meter neben meinem Standplatz einen Fisch beim Rauben beobachten konnte. Anhand der Größe der flüchtenden Fische schien ein starker Fisch in Fresslaune zu sein. Schnell machte ich mich zur Stelle auf und platzierte meinen Streamer exakt an den Ort der beobachteten Aktion. Als mein Streamer in mein Sichtfeld gelangte, sah ich einen Hecht folgen – ohne dass dieser jedoch zupackte. Sofort hörte ich mit dem Strippen auf und ließ den Streamer einfach zwei Sekunden stehen. Anders als herkömmliche Kunstköder – und das ist ein sehr großer Vorteil – behält der Streamer nahezu seine Position und sinkt nur langsam dem Grund entgegen. Der Hecht beobachtete zunächst ruhig, um im Moment des nächsten Strips schlagartig zuzupacken. Was dann folgte, war Adrenalin pur! Am Ende konnte ich einen wunderschönen Hecht landen und ihn nach ein paar Fotos schonend releasen.
Im Anschluss konnte ich in den nächsten drei Stunden noch drei weitere Hechte landen, jedoch kam keiner an die Größe des Ersten heran. Interessant war, dass an diesem Tag, trotz der zahlreichen weiteren Spinnfischer vor Ort, keiner auch nur einen Hecht fangen konnte.
Folgendes meine ich aus diesem Fischtag gelernt zu haben:

  1. In stark befischten Gewässern können Streamer aufgrund der variablen Führung, wie beispielsweise das Stehenlassen, vorteilhaft gegenüber üblichen Kunstködern sein vorausgesetzt das Wasser ist nicht zu tief.
  2. Harte Strips, die ein Ausbrechen des Streamers zur Folge haben, sind sehr effektiv. Grund hierfür ist, dass Hechte vorzugsweise ihre Beutefische von der Seite     attackieren. Wird einem nachlaufenden Hecht plötzlich die Breitseite des Streamer angeboten, steigen die Chancen für einen Biss erheblich. Unterstützen kann man das seitliche Ausbrechen des Streamers bereits beim Binden, indem man Kettenaugen schräg einbindet.
  3. Streamer gefertigt aus Bucktail, sind aufgrund ihres geringen Materialbedarfs und der geringen Wasseraufnahme, besonders bei Gewässern mit wenig Freiraum zum Werfen, besser geeignet als Streamer aus Marabou  oder Kaninchen. Bei der Verwendung geeigneter Keulenschnüre sind aufgrund des geringen Eigengewichts kaum Leerwürfe notwendig, um den Streamer auf Weite zu bringen.
  4. Es lohnt sich stets die unmittelbaren Uferbereiche abzufischen, auch wenn diese eine Wassertiefe von 50cm nicht überschreiten. Dazu empfiehlt es sich, sich ganz vorsichtig dem Ufer zu nähern und die ersten Würfe bereits mit einem großzügigen Abstand zum Ufer anzusetzen.
  5. Die besten Hechtstreamer aus Bucktail bindet immer noch Marc😉

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One response

10 01 2013
Göttgens Marc

Danke für die Blumen🙂
Gruss vom Belgier

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