Biber im Vormarsch

19 02 2013

von Fabian

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich das erste Mal im Jahr 2008 zur Maifliegenzeit in einer Flussbiegung der Wiesent stand und soweit es eben ging bewegungslos verharrte, in der Hoffnung, dass die Forellen trotz der Störung durch meinen Einstieg zu ihrem Steigrhythmus zurückfanden. Plötzlich kam aus dem angelandeten Totholz ein braunes Etwas auf mich zugeschwommen  und ich konnte gar nicht glauben, was ich da sah. Ein Biber! Und das in Deutschland und in freier Wildbahn (naja soweit es so etwas in Deutschland noch gibt). Bis zu diesen Zeitpunkt konnte ich Biber lediglich während meines Studienaufenthalts in Calgary (Canada) beobachten. Aber doch niemals bei uns! Abends zurück in der Unterkunft erzählte ich das Erlebte meinen Fischerfreunden. Im Nachhinein hätte ich das bleiben lassen sollen, weil ich dadurch sehr zu Belustigung des Abends beigetragen habe….

Fünf Jahre später ist die Situation eine komplett andere. Der Biber ist wieder in sehr vielen Bächen und Flüssen in Unterfranken heimisch. Im Jahr 2011 wurden im Regierungsbezirk Unteranken bereits 506 Biber gezählt, aufgeteilt auf 153 Reviere (LfU Bayern, 2012). Hält man sich vor Augen, dass Anfang der 90er Jahre erstmals wieder Biber aus Hessen eingewandert sind, wird klar, welche Bestandsexplosion seit dieser Zeit stattgefunden hat. Zurückzuführen ist das auf den konsequenten Artenschutz und das Fehlen der natürlichen Feinde Bär, Luchs und Wolf. Eigentlich immer das gleiche Bild, wenn der Mensch „regulierend“ in die Natur eingreift.

Aus fischereilicher Sicht ist die Ausbreitung des Bibers höchst erfreulich. Wie in Kurt Strauß‘ Artikel „Mehr Fische durch den Biber?“, erschienen in der Verbandszeitschrift „Fischerei in Baden-Württemberg“ Ausgabe 01/12, erläutert wird, tragen Biber nicht nur durch das Bauen von Biberdämmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur bei, sondern stellen auch durch das Einbringen von Totholz neue fischökologische Funktionsräume wie Laichplätze, Nahrungsräume, Jungfisch-, Winter- und Hochwassereinstände her.  So konnten bei elektrischen Probebefischungen eine bis zu 35 % höhere Fischdiversität im Bereich von Biberdämmen festgestellt werden (LFV Bayern, Lebensraum Fließgewässer –Restaurieren und Entwickeln, 2010). Bei Durchsicht der folgenden Bilder wird klar, dass wohl keine Renaturierungsmaßnahme eindrucksvoller und effektiver gestaltet werden kann.

Anzumerken ist, dass die Bilder aus dem Bereich der Sinn und Oberen Sinn stammen. Im abgebildeten Bereich ist der Freistaat Bayern Eigentümer des umliegenden Geländes. Aus diesem Grund und aus der Tatsache heraus, dass sich die Hochwassergefahr für die anliegenden Bewohner nicht durch die Biberdämme verschärft, ist es sogar erwünscht, dass der Biber ungestört baut. Denn durch diese „natürlichen Renaturierungsmaßnahmen“ wird dem Teilziel der europäischen Wasserrichtlinie – das Erreichen des guten ökologischen Zustands der Fließgewässer – nähergekommen.


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