Saisoneröffnung 2014

19 03 2014

von Alex

Wir haben heute den 19.03. und die Saisoneröffnung 2014 ist damit bereits seit ein paar Tagen ‚Geschichte‘. Höchste Zeit also, eine kleine Geschichte über sie zu schreiben, eine Geschichte mit einigen ‚Ups‘ and ‚Downs‘ und einer Fischerei, die ich so nicht erwartet hätte. Aber der Reihe nach, solche Geschichten wollen ja von A bis Z erzählt werden:

Bereits am Freitagabend machte ich mich auf den kurzen Weg Richtung Ostbelgien, denn in diesem Jahr öffneten die Flüsse ihre Pforten ausnahmsweise vor der Rur, schon am 15.03. bzw. laut Reglement am „3. Samstag des Monats“. An den Flüssen NRWs hingegen endete die Schonzeit (wie immer) erst am 16.03. Es lag also ein Wochenende mit vielen Möglichkeiten vor mir.

Mein Plan sah vor, am Vorabend der ‚Ouverture‘ noch einmal den Wasserstand vor Ort zu überprüfen, mich mit meinem belgischen Freund Kristof zu treffen und bei einer ersten belgischen Fritte – der noch einige weitere folgen sollten – eine Reihenfolge der von uns befischten Spots für den Samstag festzulegen. Außerdem wollten wir uns über Taktiken und Techniken für das niedrige und klare Wasser des Flusses – der um diese Jahreszeit meist 20cm mehr führte und leicht angetrübt war – austauschen. Für den Sonntag ließ ich mir dann die Option offen, einen zweiten Tag in der Wallonie zu verbringen, oder aber in Richtung Eifel aufzubrechen und den Fluss zu wechseln.

Wir entschieden uns dafür, unsere Route am frühen, sehr frühen Morgen – nach einer eisigen und ungemütlichen Nacht im Auto – im unteren Teil der bewatbaren Strecke zu starten.

‚Bewatbar‚ meint, dass das Waten dort erlaubt ist. Bis zum 1. Samstag im Juni (bis zur sog. ‚Großen Eröffnung‘) darf an den meisten Flüssen größtenteils nämlich nur vom Ufer gefischt werden. Möchte man weiter flussabwärts fischen, so muss man sich am Ufer bewegen und muss auf Beschwerung jeglicher Art verzichten – dies sollte für uns noch relevant werden.

Wir konzentrierten uns ausschließlich auf solche Spots, von denen wir mit Gewissheit wussten, dass hier in der Vergangenheit oftmals große Bachforellen auf Beute gelauert hatten und versuchten zunächst, diese mit Zonker-Streamern aus dem dichten Wurzelwerk und aus dem Schutz der tiefen Gumpen zu locken. Ohne Erfolg! Das Wasser war hier vermutlich doch zu niedrig und zu klar, um mit dieser plumpen Taktik erfolgreich zu sein. Daher sattelte ich schnell um, wechselte von der 6er auf die 3er Rute und begann, mich nymphend stromaufwärts in Richtung der nächsten aussichtsreichen Stellen zu bewegen. Auf dem Weg dorthin fing ich meine ersten Bachforellen um die 30cm, wobei einige durch Attacken des Kormorans gezeichnet waren.

Saisonstart03

Bild 1: Dem Kormoran entkommen

Den nächsten Hotspot vor dem inneren Auge – eine kurze Folge aus zwei Pools und einer langen, tiefen Rinne – bog ich um die letzte Flussbiegung und voilà: der erste Fliegenfischer kam uns entgegen. Zut! Mais, c’est la vie… Ein Befischen der von ihm passierten Stellen schien wenig aussichtsreich, war der Flussgrund doch vornehmlich lehmig und der Abschnitt daher nicht nur bereits beackert, sondern auch durch aufgewühltes Sediment mit Sicherheit eingetrübt. Also Kehrtwende, zurück zum Auto und weiter im Plan.

Dass wir diesen allerdings wohl schnell verwerfen müssten, merkten wir spätestens auf unserer kurzen Fahrt flussaufwärts: An jedem Sektor sahen wir zahlreiche geparkte Autos am Straßenrand und ganze Scharen von Fliegenfischern im/am Wasser. In den letzten Jahren sah dies noch gänzlich anders aus, allerdings hatten wir zumeist auch Temperaturen um den Gefrierpunkt und auf den ersten Blick weitaus schlechtere Wasserbedingungen gehabt. Der plötzliche Wetterumschwung Ende der Woche, hin zu kühlerer Luft und leichtem Sprühregen, konnte nach den beinahe sommerlichen Tagen offenbar kaum jemanden davon abhalten, loszuziehen. Ärgerlich, aber natürlich durchaus verständlich…

Bei unserem zweiten Hotspot angekommen sahen wir zu unserer Ernüchterung dann in unmittelbarer Nähe vier Personen in ihre Wathosen schlüpfen und sich darauf vorbereiten, in ihre Saisoneröffnung zu starten. Ein schneller Blick ins Wasser setzte dann noch einen drauf: fünf Spinnfischer, die ihre Blinker, Wobbler und Co durch die fischreiche Rinne jagten. Spätenstens hier wussten wir, dass der Tag vor uns sehr ‚tough‘ werden würde und wir an den zugänglichen Abschnitten des Flusses wohl kaum mehr Stellen finden würden, die noch nicht befischt worden waren. Keine schönen Aussichten! Schnell schmiedeten wir also Plan B, der längere Märsche zu Fuß durchs teils dichte Unterholz umfasste, aber zumindest auch die motivierende Aussicht, nicht Nr. 3, 4 oder 5 in der Reihe zu sein. Diese Entscheidung sollte sich auszahlen! Denn in der Folge verbrachten wir zwar weniger Zeit im Wasser als ursprünglich geplant, konnten dafür aber auch die ersten Bachforellen bis 40cm landen, darunter eine stattliche Rotgetupfte für Kristof von 49cm.

Am Frühabend erlebten wir dann sogar noch einen Schlupf kleiner, oliv-farbener Eintagsfliegen und ich durfte mich über die ersten Fische auf die Trockene freuen. So etwas hatte es in den letzten Jahren am 1. Tag auch noch nicht gegeben! Erfolgreich war hier insbesondere eine simple Hasenohr, lediglich bestehend aus etwas grobem Dubbing und einer feinen Goldrippung, gebunden auf einen 19er Schonhaken. Keine Hechel, kein Flügel, kein Schwänzchen. Unscheinbar und schlecht schwimmend, für selektive Bachforellen aber eine sehr gute Wahl. Mit dieser Fliege am dünnen Tippet war der Höhepunkt des Schlupfes, dass ich aus erhöhter Position eine Bachforelle von ca. 50cm beim regelmässigen Steigen beobachten durfte. Anschließend bestand die Herausforderung darin, den Fisch zwischen zwei Krautfahnen und in einer langsameren Passage an der anderen Flusseite mit einer dragfreien Drift zu überzeugen. Es kam jedoch nicht nur auf eine saubere Präsentation über etwa 13 Meter an, sondern auch darauf, den richtigen ‚Rythmus‘ des Fisches, das richtige Intervall seines Steigverhaltens zu finden. Nach etwa 10 Versuchen gelang es mir dann endlich seinen Ansprüchen zu genügen und ich durfte erleben, wie die knapp unter der Oberfläche stehende Bachforelle ihren Kopf leicht zur Seite schwenkte, sich ein paar Zentimeter empor bewegte und meine winzige Hasenohr einschlürfte. Der sanfte Anschlag passte, der dünne Haken schien zu sitzen, löste sich dann allerdings schnell nach einem Sprung des Fisches und seiner anschließenden Flucht ins Grün.

Nach diesem Erlebnis brachte bei Einbruch der Dunkelheit und bei Fritte Nr. 2 der erste Tag der Saisoneröffnung mindestens drei Erkenntnisse:

1. Kein ‚großer‘ gelandeter Fisch für mich.

2. Unfassbar viele Angler, ein damit verbundener hoher Befischungsdruck (nach 32 Personen hörten wir auf zu zählen) und die Gewissheit, dass ein Großteil der Strecke vom ‚who is who‘ der belgischen Fliegenfischerszene besucht worden war.

3. Hier und da bereits regelmäßig steigende Forellen und teils große Exemplare der ‚baetis rhodani‘.

Insbesondere die dritte Erkenntnis ließ mich nach einer zweiten unruhigen Nacht und einer sich zwischenzeitlich ankündigenden Migräne (gegen die Kristofs ‚Wunderpille‘ allerdings schnelle Hilfe brachte) in Belgien verweilen. Obwohl es verlockend schien, den Sonntag bei weniger Trubel entspannt an der Rur zu verbringen, gab es die attraktive Aussicht, eine Großforelle auf Sicht mit der Trockenfliege zu fangen. Vorausgesetzt natürlich, wir konnten erneut einen Schlupf abpassen und einen Abschnitt finden, der nicht schon x-fach befischt worden war.

Wir konzentrierten uns daher am Sonntag auf Teile des Flusses, die für die Fischerei mit Nymphe und Streamer unattraktiv erschienen und von denen wir uns deshalb erhofften, dass hier am Vortag weniger los gewesen war. Und tatsächlich, am späten Vormittag war es so weit: Wieder saßen die ersten Rhodanis auf der Wasseroberfläche und die ersten Ringe zeichneten sich deutlich in der gleichmäßigen und ruhigen Strömung ab. Wir warfen allerdings nicht jeden steigenden Fisch an, sondern hielten Ausschau nach kleinen Ringen und somit sanft und vorsichtig steigenden Fischen – oftmals größere Exemplare. Schnell waren die ersten Bachforellen gefangen, diesmal auf Eintagsfliegenmuster in Größe 16, gebunden mit Quill-Körpern (entweder so oder so), einem Schwänzchen aus Coq de Leon und CDC-Flügeln. Etwas weiter stromab das gleiche Spiel, auch hier viele Fische auf engstem Raum und somit die Herausforderung, selektiv die ‚besseren‘ Flossenträger am Stieg zu erkennen. Schnell zogen mich die Ringe einer Forelle am gegenüberliegenden Ufer in den Bann. Dort befand sich ein Busch mit weit aufs Wasser ragenden Zweigen, im Wasser außerdem jede Menge angeschwemmtes Totholz – ein idealer Standplatz. Ich entschied mich für eine kleine Klinkhammer (#20), gebunden ebenfalls mit einem schlanken, oliv-farbenen Körper und einer spärlichen CDC-Hechel. Bereits die erste saubere Drift, stromabwärts serviert, schien die Rotgetupfte zu interessieren und als sie sich mit der Fliege stromabwärts treiben ließ, erkannte ich ihre Ausmaße: ein Prachtfisch! Schon als sie zum Take ansetzte, rief ich Kristof. Es folgte ein langer Drill mit zwei beeindruckenden Sprüngen zu Beginn und einigen Fluchten stromauf und stromab. Meine 3er Rute federte die Fluchten, trotz des feinen Tippets, jedoch souverän ab und nach wenigen Minuten, konnte Kristof den Fisch sicher landen.

Saisonstart05

Bild 2: 58cm auf die Trockenfliege

Er maß 58 cm, war schlank gebaut, hatte einen kleinen Kopf, eine leich-rötliche Grundfärbung und die für den Fluss typische, blaue Wangenzeichnung. Ein Traumfisch und mein persönlicher Rekord auf die Trockenfliege in Ostbelgien. Und das am 2. Tag der neuen Saison! Ich setzte ihn schonend zurück und schnell verschwand er im klaren Wasser in Richtung seines Totholzes.

Nach diesem Erlebnis saßen wir eine Weile still am Ufer und konnten es nicht fassen. Nur ab und an gaben wir mit einem breiten Grinsen ein leises „58 on a dry…“ von uns. Da der Schlupf aber noch immer im Gange war, rafften wir uns motiviert wieder auf und pirschten uns am Ufer weiter flussabwärts entlang. Ein paar hundert Meter unterhalb erreichten wir die nächste ruhige Passage und auch hier konnten wir aus sicherer Entfernung unterschiedliche Ringe ausmachen. Wieder waren zwei dabei, die von größeren Fischen zu stammen schienen. Der erste Fisch verwehrte sich unserer Fliege mehrfach, der andere hingegen konnte nicht widerstehen und nahm direkt. Was dann folgte war eine Wiederholung des ersten Tanzes, mit dem Unterschied, dass dieser Bachforelle im direkten Vergleich ein paar Zentimeter fehlten: 54 cm!

Nicht nur wir lachten jetzt, sondern auch die Sonne kam zuvor, nachdem sie sich den ganzen (Vor-)Mittag hinter dichten Wolken versteckt gehalten hatte. Jetzt gab es nicht nur eine Trockenfischerei, sondern auch noch eine Trockenfischerei im T-Shirt. Was für ein Tag! Mit dem Wetterumschwung ebbte jedoch gleichzeitig der Schlupf stark ab und wenig später schien das Wasser wie ‚tot‘. Kaum zu glauben, dass wenige Minuten zuvor hier große Bachforellen regelmässig gestiegen waren. Bis zum Abend fischten wir daher anschließend wieder vorwiegend schnellere Passagen und fingen mit der Nymphe noch einige Rotgetupfte bis 35cm, größere Exemplare konnte wir nicht mehr ausfindig machen. Aber das wäre des Guten dann auch zuviel gewesen😉

Den Abend ließen wir bei belgischer Fritte Nr. 3 und einem kühlen Jupiler in der Sonne ausklingen und trafen noch einige weitere Bekannte, die sich ebenfalls dazu entschieden hatten, den Tag mit einer lokalen Spezialität zu beenden. Jeder erzählte von seinen Erlebnissen der beiden Tage und alle waren sich einig, dass dies eine ganz besondere Saisoneröffnung gewesen war. Mit vielen ‚Downs‘ (viele Angler), aber auch vielen ‚Ups‘ – allen voran der Möglichkeit, bereits Mitte März steigende Fische mit der Trockenfliege zu verführen. Fliegenfischerherz, was willst Du mehr?!

Ich hoffe, dass Ihr auch ein paar schöne Stunden am Wasser verbracht habt und bin gespannt darauf, Eure Geschichten zu hören!

Tight Lines.

Alex

Saisonstart01

Saisonstart02

Saisonstart04


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4 responses

19 03 2014
Alex

Hallo Detlef,

da hast Du Recht. Gibt in Kürze mehr Fotos.

Grüsse

19 03 2014
Bernd

Hi Alex,

wieder mal ein vorzüglicher Bericht. Du solltest darüber nachdenken das mit dem Schreiben beruflich zu machen🙂

Lg Bernd

19 03 2014
Alex

Hi Bernd,

wenn Du in Deiner Firma jmd brauchst, ab September bin ich frei😉

Grüsse!

19 03 2014
SvenOstermann

Geglückter Saisonstart, PH!

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