Ein kurzes Vergnügen

2 07 2014

von Alex

Oft habe ich die letzten Wochen die Pegel der Eifelgewässer beobachtet, in regelmässigen Abständen mit Spannung die entsprechenden Webseiten (z.B. hier) angesteuert. Meist wurde ich enttäuscht! Auch wenn hier und da mal ein paar Tropfen fielen, saugten die knochigen Böden schnell jedes Wasser auf. Fluss und Fisch gingen meist leer aus.

Am vergangenen Wochenende gab es dann endlich nochmal eine Dauerdusche mit Auswirkungen auf unsere hiesigen Gewässer. Am Freitagabend fing es wie angekündigt, aber für uns doch überraschend, an. Kristof und ich waren in der Wallonie unterwegs und zur abendlichen Primetime zogen sich die Wolken über unseren Köpfen merklich zu. Ein frischer Wind kam auf, der die freie Drift unsere Nymphen zunehmend beeinträchtigte. Innerhalb kürzester Zeit war das meiste Licht um uns herum verschluckt und die tiefstehende Sonne gänzlich verschwunden. Mit Gänsehaut auf den freien Armen und lauter werdendem Gewittergrollen im Nacken, hatte ich das Glück, innerhalb kurzer Zeit noch zwei schöne 40er im tiefen Auslauf eines langgezogenen Pools zu fangen, bevor wir in aller Eile zu unseren Autos rannten. Dort angekommen setze ein heftiger Schauer ein, welcher den breiten und klaren Fluss vor uns innerhalb kürzester Zeit in eine braune Suppe verwandelte. Aus unserer Sicht hätte dieses Schauspiel noch zwei Stunden warten können, aber unterm Strich und im Interesse des Flusses waren wir erleichtert: Endlich Wasser! Denn selbst an diesem größeren Gewässer war der Pegel in den letzten Wochen dramatisch gefallen und die dadurch fischereilich interessanten (und vorallem fischigen) Stellen rar, sie mussten gesucht oder gezielt angesteuert werden.

09

Letzte Bafo vor dem Sturm

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Auf dem Heimweg durch die zunehmende Dunkelheit kamen mir beim monotonen Geräusch meiner hart arbeitenden Scheibenwischer zwei Dinge in den Kopf:

1. Der morgige Kurs an der Unteren-Rur muss verschoben werden. Nach einem solchen Gewitter ist der Fluss für mindestens 2 Tage nicht interessant.

2. Auch die für Sonntag angesetzte Clubausfahrt mit meinen Freunden von Mouche Passion an die luxemburgische Sauer (Semois) steht auf der Kippe.

Am freien Samstag holte ich daraufhin ein paar Erkundigungen ein und nach einigen Überlegungen entschieden Marc und ich für die Gruppe, den seit langem geplanten Trip nach Luxemburg kurzfristig abzublasen. Schon mit dem Hintergedanken an die Obere-Rur,  waren wir hierrüber aber nicht sonderlich enttäuscht. Denn der Eifelfluss ist gegenüber heftigen Regengüssen relativ unanfällig und gerade bei erhöhtem Pegel und leichter Sedimentierung ein lohnenswertes Ziel.

Und so standen ein paar Frühaufsteher von Mouche Passion am Sonntagmorgen am Fluss. Leicht angetrübt war er, sehr gut! Der Pegel war allerdings binnen 48 Stunden Niederschlag nur 8cm gestiegen und damit immer noch relativ niedrig. Aber: Allemal besser als 95% der vorherigen Tage dieser Saison. Die Vorfreude auf die gemeinsame Fischerei und das Rauschen im Ohr war dementsprechend groß, als Marc und ich unsere Nymphen ans Vorfach knüpften. Noch während mein langjähriger Mentor sein Setup fertig montierte, passierte dann das, was ich mir für diesen Tag erträumt hatte: eine große, wilde Bachforelle! Sie nahm meine ‚Moutarde‘ im schnellen Wasser an der Kante eines großen Felsens. Das Wasser hat hier den mächtigen Stein grundnah ein ganzes Stück ausgespült, eine schmale Passage zwischen der leicht schäumenden Hauptströmung und dem schwarzen Riesen ist deutlich langsamer fließend. Ein idealer Standplatz!

Genau hierhin hatte ich meine Nymphe platziert und mit hoch erhobener Rute und lockerem Vorfach schnell absinken lassen. Die gelb/oliv-farbene Imitation einer Köcherfliege erreichte etwas oberhalb des Hotspots den Grund und taumelte an der unterspülten Kante des Steines vorbei. Am Ende der Drift spürte ich den ersehnten Impuls im Zeigenfinger auf dem Rutenblank und ein leichtes Zucken meines fluofarbenen Monofil-Bissanzeigers unterstützte meine Warnehmung: ein Biss. Der sanfte Anhieb saß, Marc blickte auf und ich konnte ihm direkt versichern, dass ein guter Fisch die tiefgeführte Nymphe genommen haben musste. Den regelmäßigen Kopfstößen zu Folge war sie definitiv über 40cm. Ab etwa dieser Größe fangen Bachforellen meiner Erfahrung nach an, sich in der frühen Drillphase ganz speziell zu verhalten und zu bewegen. Und insbesondere die Kopfbewegungen sind es, die sie von kleineren Exemplaren unterscheiden. Ähnlich wie bei einem Hecht ist dieser anfängliche Versuch, dem Druck mittels horizontaler Kopfbewegungen zu entgehen, deutlich spürbar. Als ich sie wenig später aus der Strömung dirigiert und mit der 3er Rute und dank 16er Tippet das erste Mal an die Oberfläche geholt hatte, meinte Marc lachend nur: „Die ist aber deutlich größer als vierzig!“ Und in der Tat, die Rotgetupfte war wirklich ein stattliches Exemplar und die bisher größte an dieser Stelle. Sie zog mich noch 20 Meter flussabwärts, versuchte immer wieder mit einem heftigen Schwanzschlag in Richtung Grund zu ziehen, hatte aber in der hier ruhig fließenden Strömung keine Möglichkeit mehr, noch die Oberhand in der Endphase des Drills zu gewinnen. Gerade dieses ‚letzte Aufbäumen‘ hatte Kristof und mich in den letzten zwei Wochen gleich zwei Mal gute, sehr gute Fische gekostet. Diesmal jedoch nicht! Denn wenig später lag die Bachforelle sicher in meinem Schonnetz. Was für ein Start in den Tag, den Marc mit einem „Dann kannst Du ja jetzt Schluss machen!“ kommentierte.

01

Erster Fisch des Tages

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Nachtürlich tat ich das nicht und so wechselten wir uns – wie wir es immer tun – ab: Ein Fisch er, ein Fisch ich. Geteilte Freude über gefangene Fische, ein paar bissige Kommentare bei verlorenen Fischen. Viel zu selten hatten wir dies in der laufenden Saison tun können. Eigentlich war es mit Ausnahme ein paar weniger Stunden in Belgien und einem Ausflug mit unseren seit kurzem motorisierten Bellybooten das erste Mal, dass wir uns mit dem Ausblick auf einen ganzen Tag gemeinsam stromauf vorarbeiteten. Aufgrund des aber immer noch recht niedrigen Pegels von 20cm gingen wir unsere Flusswanderung etwas selektiver als üblich an. Besuchten nur die wirklich guten und strömungsreichen Stellen. Entsprechend hoch war dann auch der Kontakt mit etwas größeren Fischen, die – so unsere schnelle Erkenntnis – nur darauf gewartet hatten, dass sie ihre steinigen Verstecke nochmals verlassen durften. Allerdings hatten die meisten ein paar Gramm zu wenig auf den Rippen. Dies war nicht verwunderlich, denn bei klarem Niedrigwasser verharren diese Exemplare über weite Strecken des Tages unter schützenden Kanten und gehen nur sporadisch auf Beutezug im nahrungsreicheren Freiwasser. So auch der letzte Fisch des Tages, der nach dem furiosen Auftakt am frühen Morgen der zweite war, der die 50er Marke knacken konnte und sich in einer schnellen Rausche eingestellt hatte.

07

Der letzte Fisch des Tages

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Leider wird auch er in den kommenden Tagen keine Gelegenheit bekommen, sich den Bauch weiter vollzuschlagen und seinen Körper dem großen Kopf anzugleichen. Denn der Pegel ist bereits im Laufe des Tages schnell gesunken und binnen der folgenden 24 Stunden nach unserem Besuch an der Rur wieder auf seinen alten Stand gefallen. Die blau gezeichnete Wasserlinie auf der seitdem regelmässig von mir besuchten Webseite klebt erneut am unteren Ende meines Bildschirms. Mein Warten auf den nächsten Regen beginnt nun von vorne.

Euch wünsche ich, dass ihr nicht so lange warten müsst, bis ihr Euer Lieblingsgewässer wieder befischen könnt!

Tight Lines!

Euer Alex

 


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