Renaturierung von Fließgewässern

30 01 2014

von Fabian

Ein Großteil der in Deutschland vorhandenen Fließgewässer ist durch die menschliche Hand stark verändert. Veränderte Gewässer können zwar unter Umständen lokal größere Fische erzeugen (beispielsweise der tiefe Wehrgumpen) jedoch wird, um beim Thema Stauregelung zu bleiben, die Fließgeschwindigkeit der Flüsse reduziert. Eine Folge hiervon ist die Verschlammung und somit die Vernichtung potentieller Laichplätze und gleichzeitig ein Einschnitt in die Lebensräume von sauerstoffliebenden Insektenarten.

Aussicht auf Besserung verspricht die europäische Wasserrahmenrichtlinie, die vorsieht natürliche Gewässer in einen guten Zustand bzw. erheblich veränderte Gewässer unter Leitung der örtlichen Wasserwirtschaftsverwaltung zu einen guten ökologischen Potential zurückzuführen. Auch wenn sich über die Umsetzung der Richtlinie streiten lässt, ist dennoch der ganzheitliche Ansatz (Einbezug von biologischen, hydrodynamischen, chemischen und chemisch-physikalischen Komponenten) ein enormer Fortschritt.

Oftmals nehmen sich auch engagierte Fliegenfischer der Aufgabe selbst an und übernehmen somit bewusst oder unbewusst eine Art ‚Bachpatenschaft‘. In mühevoller und oftmals extrem zeitaufwendiger Arbeit werden in Bruthäusern der einheimische Forellenstamm nachgezogen, die Wiederansiedelung von Äschen vorangetrieben oder/und die Gewässerstruktur durch Einbringen von Totholz, Schaffung von Laichplätzen oder Uferaufbruch verbessert. Dabei sollte nicht vergessen sein, dass die Verantwortlichen oftmals einen nicht zu verachtenden Gelbetrag aus eigener Tasche zuschießen, um dem ursprünglichen Bild des Flusses wieder näherzukommen. All jenen Leuten möchte ich an dieser Stelle meinen Respekt aussprechen! Gerade vor diesem Hintergrund ist es schade, dass das Bild vom ‚Angler‘ in der Öffentlichkeit dermaßen schlecht ist. Aber das ist ein anderes Thema…

Als Handlungsanleitung für die verschiedenste Maßnahmen sind in diesen Zusammenhang folgende Schriften des Landesfischereiverbands Bayern zu empfehlen:

–          Lebensraum Fließgewässer – Restaurieren und Entwickeln

–          Die Restaurierung von Kieslaichplätzen

–          Äschenbesatz in bayerischen Gewässern

–          Fischaufstiegsanlagen in Bayern

–          Eingriffe in Fließgewässer

Der kostenfreie Download der Artikel ist hier möglich.

Leute, die mit dem Gedanken spielen, sich bei deratigen Projekten zu engagieren, kann ich nur folgendes raten: Macht es auf jeden Fall! Die Freuden Erfolge beobachten zu dürfen, wie zum Beispiel die neu geschaffene Kiesbank erstmals von einer Bachforelle angenommen wird, wiegen alle Arbeiten um Längen auf. Manch Freund von mir, ‚arbeitet‘ mehr am Bach, als dass er tatsächlich fischt. Aber soweit muss es nun ja auch nicht kommen 😉

Tight Lines

Fabian





Termin: Aachener-Fliegenfischer-Stammtisch

15 01 2014

von Alex

Noch genau zwei Monate!

„Was dann?“ mag der ein oder andere jetzt fragen. Na DANN ist das Warten für viele unter uns vorbei und die Forellensaison 2014 wird endlich eingeläutet – zumindest bei uns in NRW und an einigen Flüssen in der belgischen Wallonie. Die Vorbereitungen laufen bei vielen daher schon auf Hochtouren. Sie reichen von Besuchen unterschiedlicher Messeveranstaltungen und dem Kauf neuen Gerätes bis hin zu ausgedehnten abendlichen Stunden am Bindestock. Und da ich persönlich nicht unbedingt gerne alleine Binde und mich stattdessen lieber mit anderen austausche, habe ich im letzten Jahr versucht, ein (unregelmäßig stattfindendes) Treffen für Fliegenfischern aus Aachen und der Euregio zu organisieren.

Nach einer längeren Pause in der zweiten Hälfte der vergangenen Saison kommt es nun endlich zur nächsten Auflage: am 17.02.2014 laden wir alle Interessierten wieder herzlich ein, unsere Runde im Aachener Kapellchen zu vergrößern! Es wird gebunden, es wird gequatscht und die Vorfreude auf die neue Saison mit Gleichgesinnten geteilt. Es wird natürlich auch wieder gut gegessen und getrunken, denn das Kapellchen ist eine Bar/Pizzeria – im Herzen Burtscheids und mit optimaler Anbindung an die nahe Autobahn für Leute aus dem Aachener Umland oder aus Mönchengladbach, Köln und DDorf etc.

Wie gewohnt werden wir vor Ort wieder einen eigenen Raum (für max. 15 Personen) haben. Zwecks Planung bitte ich Euch daher, mir Euer Kommen unverbindlich im Vorhinein anzukündigen. Alternativ könnt Ihr Euch auch auf Facebook für die Veranstaltung eintragen: https://www.facebook.com/events/1409269882653013/

Bis dahin!

 

NACHTRAG (07.02.14):

Mittlerweile haben wir 13 Zusagen. Das freut mich sehr! Die beiden Plätze kriegen wir auch noch voll, oder?





Termin: Fête de la Pêche à la Mouche 2014 – Fliegenfischermesse

13 01 2014

von Alex

Es gibt nur wenige regelmässige Termine, abgesehen natürlich von Saisoneröffnung und -ende, die in meinem Terminkalender jährlich fett markiert sind. Einer dieser Termine ist jedoch stets das letzte Wochenende im Januar.

An zwei Tagen findet dann nahe der belgischen Stadt Charleroi die „Fête de la Pêche à la Mouche“ (19. Ausgabe) statt. Samstags und sonntags drängen sich weit über 6000 Besucher – hauptsächlich aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden (ein paar Deutsche sollen wohl auch hier und da zu hören sein) – durch zwei große Hallen, um insbesondere Bindematerialien unter die Lupe zu nehmen und sich über das neuste Tackle für die anstehende Saison zu informieren.

Genau hier unterscheidet sich die Messe von den eher überschaubaren, aber dafür umso persönlicheren Veranstaltungen von Händlern und Fachgeschäften. Diese locken Fliegenfischer nicht nur mit Ihrem Sortiment, sondern im besten Fall auch mit interessanten Vorträgen, Fliegenbindern und Wurfdemonstrationen in die eigenen vier Wände.  Letztgenanntes Rahmenprogramm sucht man in Charleroi nämlich vergeblich. Zwar tüddelt an einem Stand auch mal ein versierter Binder etwas auf den Haken, aber der Fokus liegt in Charleroi eindeutig auf dem Verkauf. Der Vorteil dieser Veranstaltungsform besteht demgegenüber darin, dass man sich so gut wie alle Materialien auf dem Markt – und dies ist meiner Meinung nach insbesondere für natürliche Bindeprodukte wie Federn, Felle etc. relevant – GENAU anschauen kann. Wer von Euch hat sich nicht schon einmal nach einer Online-Bestellung über ein zu kurzes Bucktail oder eine Packung zu „un-flauschiges“ CDC geärgert?! Glück hat hier nur, wer einen Händler des Vertrauens besitzt und sich darauf verlassen kann, dass die Rosinen aus dem Regal gepickt werden. Ja, so etwas soll es tatsächlich geben 😉

Neben diesem Aspekt bedeutet die Messe für mich persönlich aber auch, ganz unabhängig von ein paar Sachen die mit Sicherheit in meinem Rucksack landen werden, dass ich einen entspannten Tag mit Freunden erleben, bei einem Baguette mit „Filet Americain“  fachsimpeln und mich über Neuigkeiten der Vereine, Gewässer und Organisationen in den benachbarten Ländern informieren kann. Allen die hierauf ebenfalls Lust haben und sich ein Bild vom Fliegenfischen in Belgien machen möchten, empfehle ich die Messe in Charleroi daher mit Nachdruck!

Informationen „Fête de la Pêche à la Mouche“

  • Wann: 25.01.14 und 26.01.14
  • Wo: Rue du Président John Fitzgerald Kennedy, 150
    6250 Roselies (Aiseau-Presles), Belgien




Bitte ein Biss!

12 01 2014

von Fabian

Ich glaube, dass jeder in Deutschland lebende Fliegenfischer sich schon mal folgende Frage gestellt hat: Warum lebe ich in Deutschland und nicht in Skandinavien, in Kanada oder in NZ? Versteht mich nicht falsch, ich wohne gerne hier. Ich genieße es meine Familie und Freunde um mich zu haben und ich glaube, dass viele Menschen auf dieser Welt gerne in Deutschland leben würden. Aber wenn ich sehe an welchen Gewässern ich fische und wie diese durch den Menschen verändert worden sind, werde ich vom Fernweh befallen. Das schlimme dabei ist, dass die Fischerei vielerorts immer schlechter wird. Die Gründe hierfür sind vielfältig sind: Sie erstrecken sich von der Bestandsexplosion des Kormorans, über das mangelnde Verständnis von Anglern („Ich nehm den Fisch mit, die Karte war doch so teuer…“) bis hin zur immer stärkeren Belastung der Gewässer (z.B. Verschlammung infolge von Straßenabrieb). Mit verschiedenen Freunden und Bekannten habe ich in letzter Zeit darüber diskutiert, ob wir heute noch zum Fischen gehen würden, wenn die Fischerei in unserer Kindheit ebenso schlecht wie heute gewesen wäre. Der Mangel an Erfolgserlebnissen hat die meisten mit „Nein“ antworten lassen. Vielleicht habe ich auch einfach zu viele fischlose Stunden in den letzten 2 Wochen gehabt. Ich brauch einfach mal wieder einen Biss der mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Also bitte lieber Petrus, das nächste Mal bitte mal wieder etwas in diese Richtung:





Biber im Vormarsch

19 02 2013

von Fabian

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich das erste Mal im Jahr 2008 zur Maifliegenzeit in einer Flussbiegung der Wiesent stand und soweit es eben ging bewegungslos verharrte, in der Hoffnung, dass die Forellen trotz der Störung durch meinen Einstieg zu ihrem Steigrhythmus zurückfanden. Plötzlich kam aus dem angelandeten Totholz ein braunes Etwas auf mich zugeschwommen  und ich konnte gar nicht glauben, was ich da sah. Ein Biber! Und das in Deutschland und in freier Wildbahn (naja soweit es so etwas in Deutschland noch gibt). Bis zu diesen Zeitpunkt konnte ich Biber lediglich während meines Studienaufenthalts in Calgary (Canada) beobachten. Aber doch niemals bei uns! Abends zurück in der Unterkunft erzählte ich das Erlebte meinen Fischerfreunden. Im Nachhinein hätte ich das bleiben lassen sollen, weil ich dadurch sehr zu Belustigung des Abends beigetragen habe….

Fünf Jahre später ist die Situation eine komplett andere. Der Biber ist wieder in sehr vielen Bächen und Flüssen in Unterfranken heimisch. Im Jahr 2011 wurden im Regierungsbezirk Unteranken bereits 506 Biber gezählt, aufgeteilt auf 153 Reviere (LfU Bayern, 2012). Hält man sich vor Augen, dass Anfang der 90er Jahre erstmals wieder Biber aus Hessen eingewandert sind, wird klar, welche Bestandsexplosion seit dieser Zeit stattgefunden hat. Zurückzuführen ist das auf den konsequenten Artenschutz und das Fehlen der natürlichen Feinde Bär, Luchs und Wolf. Eigentlich immer das gleiche Bild, wenn der Mensch „regulierend“ in die Natur eingreift.

Aus fischereilicher Sicht ist die Ausbreitung des Bibers höchst erfreulich. Wie in Kurt Strauß‘ Artikel „Mehr Fische durch den Biber?“, erschienen in der Verbandszeitschrift „Fischerei in Baden-Württemberg“ Ausgabe 01/12, erläutert wird, tragen Biber nicht nur durch das Bauen von Biberdämmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur bei, sondern stellen auch durch das Einbringen von Totholz neue fischökologische Funktionsräume wie Laichplätze, Nahrungsräume, Jungfisch-, Winter- und Hochwassereinstände her.  So konnten bei elektrischen Probebefischungen eine bis zu 35 % höhere Fischdiversität im Bereich von Biberdämmen festgestellt werden (LFV Bayern, Lebensraum Fließgewässer –Restaurieren und Entwickeln, 2010). Bei Durchsicht der folgenden Bilder wird klar, dass wohl keine Renaturierungsmaßnahme eindrucksvoller und effektiver gestaltet werden kann.

Anzumerken ist, dass die Bilder aus dem Bereich der Sinn und Oberen Sinn stammen. Im abgebildeten Bereich ist der Freistaat Bayern Eigentümer des umliegenden Geländes. Aus diesem Grund und aus der Tatsache heraus, dass sich die Hochwassergefahr für die anliegenden Bewohner nicht durch die Biberdämme verschärft, ist es sogar erwünscht, dass der Biber ungestört baut. Denn durch diese „natürlichen Renaturierungsmaßnahmen“ wird dem Teilziel der europäischen Wasserrichtlinie – das Erreichen des guten ökologischen Zustands der Fließgewässer – nähergekommen.








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