Rückblick Juni und einige News

30 06 2014

von Alex

Mein letzer Post für FLY.BEI liegt schon wieder über 3 Wochen zurück. Verdammt! Ich komme derzeit einfach nicht hinterher, neben meinen Kursen und Guidings und natürlich meinen eigenen Ausflügen ans Wasser, alles Erlebte hier für mich – und natürlich für Euch – festzuhalten. Zum Glück gibt es Facebook, wo ich abends zwischen zwei schnellen Nymphen für den nächsten Tag noch einen kleinen Beitrag einschieben kann. Denn zu berichten gibt es einiges! Und das auf allen Ebenen:

Aus fischereilicher Sicht wüsste ich derzeit gar nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen. Ich könnte weit ausholen und würde vermutlich viele Superlative verwenden. Um es aber mal auf den Punkt zu bringen: Es ist mit Abstand meine bisher beste Forellensaison! Ich habe meine zu Beginn des Jahres formulierten persönlichen Ziele allesamt schon lange erreicht. Um ehrlich zu sein, bei weitem übertroffen. Beim Fussball würde man wohl sagen „Jetzt kann befreit aufgespielt werden.“ Auf das Fischen passt dieser Spruch jedoch nicht ganz, denn so etwas wie ‚Druck‘ habe ich noch nie verspürt. Das wäre ja auch das Ende! Das Fliegenfischen, der Fluss und die Fische sind neben meiner Familie meine wichtigsten Energiespender. Klingt ziemlich esoterisch, ist aber so. ‚Fliegenfischen‘ ist mehr als ein Hobby oder eine Freizeitbeschäftigung für mich. Diese Begriffe treffen es nicht ansatzweise. Es ist vielleicht so etwas wie eine ‚Passion‘ oder eine Leidenschaft. Aber auch das klingt zu schwach. Ich möchte nicht wissen, wie viele Stunden am Tag ich mich mit irgendeiner der unzähligen Facetten des Themas – auch ohne eine Wathose zu tragen – auseinandersetze. Hierin könnte vielleicht auch einer der Gründe für diese fantastische Saison liegen, denn ich versuche derzeit so viele Informationen wie nur möglich über Techniken und Taktiken zu sammeln, zu vergleichen und mit meinen persönlichen Erfahrungen vom Wasser zu konfrontieren.

Mein Fokus liegt dabei natürlich auf dem Nymphenfischen. Es ist ein unfassbar komplexes Feld und es gibt so viele unterschiedliche Stellräder, die justiert werden können. Ob es die Zusammenstellung des Vorfachs ist. Ob es die Auswahl der Nymphen ist. Ob es die Anordnung der Nymphen ist. Ob es die Präsentationstechnik ist. Ob es die Auswahl der Stellen ist. Ob es der Zielfisch ist. Neulich erwiderte jemand auf einen Beitrag von mir im Fliegenfischer Forum zum Thema ‚Nymphenvorfächer‘, dass das Vorfach (und einiges mehr) doch völlig überbewertet seien. Das wichtigste sei (Zitat) „das Handwerk“. Ich hatte keine Lust auf eine Diskussion, aber fragte mich noch ein paar Mal, was denn dieses „Handwerk“ eigentlich sein soll. Ich stelle mir darunter vor, zu wissen UND begründen zu können, ‚wann‘ ich ‚was‘ am Wasser mache und ‚wie‘ ich dieses ‚was‘ dann auch tatsächlich praktisch (möglichst effizient) umsetzen kann. Und dazu gehört definitiv auch so etwas wie der Aufbau eines auf die Präsentationstechnik, die Gewässerstruktur und die Auswahl der Nymphen abgestimmtes Vorfach. Zum „Handwerk“ eines Fliegenfischers gehört meiner Meinung nach weit weit mehr, als das bloße Beherrschen des Wurfes. Es ist alles, was den Fang eines Fisches beeinflusst. Gengug aber jetzt von diesem esoterischen und theoretischen Gedankengängen. Zurück zur Fischerei der letzten Wochen und zum eigentlichen Handwerk!

Kristof und ich haben in dieser Saison jede von uns gefangene Bachforelle sowie jede Äsche über 40cm fotografiert. Damit aber nicht genug, wir haben alle möglichen Daten zu den einzelnen Fängen und ihren Umständen gesammelt. Dabei sind schon jetzt einige interessante Erkenntnisse entstanden. Insbesondere, weil wir einige Fische schon aus unseren Fotoarchiven der letzten Jahre kannten, oder aber so viel Glück hatten, sie in der laufenden Saison wiederholt zu Gesicht bekommen zu haben. Eine im März gefangene 40+ Bachforelle war z.B. Ende Mai bereits fast 4cm gewachsen, eine 54er aus dem letzten Herbst maß nun schon stattliche 64cm. Andere waren hingegen in zwei Jahren kaum gewachsen. Von vielen Bachforellen konnten wir ihre Wege durchs Gewässer rekonstruieren, trafen sie an unterschiedlichen Stellen (abhängig vom Wasserstand) an. Auch das Fressverhalten bei unterschiedlichen Wasserständen und Wetterbedingungen ist interessant zu beobachten. Wann geht eine Großforelle auf abendliche Kleinfischjagd im flachen Uferbereich und wann zeichnet sie sanfte Ringe auf die Oberfläche? Gemeinsam haben wir in diesem Jahr nun eine hohe zweistellige Anzahl unterschiedlicher Salmoniden aus unterschiedlichen Flüssen in unserer Datenbank und hoffen, dass in den Monaten bis zur Schonzeit noch einige dazu kommen werden.

In der Gallerie unten seht ihr eine Auswahl der schönsten Fische der letzten Wochen. Die Zeichnungen und Körperformen sind so unterschiedlich, wie die Standplätze und Gewässer, wo sie gefangen wurden. An schmalen Flussläufen und aus deren kleinen Gumpen mit leichten Mustern hervorgenympht. In breiten Passagen mit gleichmäßiger Strömung auf Sicht mit der Trockenen überlistet. Oder aber in tiefen Rinnen mit schweren Jigs hartnäckig überredet. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie sich allesamt einige Jahre im jeweiligen Gewässer behaupten mussten und nicht ‚fettgezüchtet‘ besetzt wurden. Dies macht sich nicht nur in ihrem Aussehen, sondern vorranig auch in ihrer Kampfkraft bemerkbar! Vor ein paar Tagen war ich mit Lennet an einer für uns neuen Stelle unterwegs und wir konnten auf 100m Flusslauf Fisch auf Fisch fangen. Beim ersten besseren Exemplar knapp über 30cm war Lennet erstaunt, wie viel Energie die noch recht junge Rotgetupfte hatte, nur um wenig später die Rutenspitze der sensiblen ‚Cult‚ bis ins Handteil gebogen zu sehen und seine erste 40+ Bachforelle in diesem Jahr – nach spektakulärem Drill am Rande einer Baumwurzel auf engstem Raum – in den nassen Händen halten zu dürfen.

Lennet

(42cm – Und die 3er ‚Cult‚ im Halbkreis)

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In besonderer Erinnerung sind mir in den letzten Wochen vier Fische geblieben:

Den ersten in der Reihe hatten wir wochenlang ‚verfolgt‘ bzw. mehrmals Kontakt mit ihm gehabt. Das kräftige Männchen stand an einer sehr schwer zu befischenden Stelle mit ungleichen Strömungen und schlug uns drei Mal ein Schnippchen. Entweder, weil er mit heftigen Kopfstößen früh im Drill ausstieg, oder aber sich in das dichte Totholz seines Standplatzes kämpfte. Bei der vierten Begenung behielten wir die Oberhand und kannten seine Fluchtwege. Kristof parierte den ersten Marsch stromauf, ich stellte mich dem Fisch in den Weg, er kehrte um und zog in Richtung einer ruhig fließenderen Passage stromab. Dort war es dann kein Problem ihn auszudrillen und die schwere Köcherfliegennymphe behutsam aus seinem gewaltigen Maul – das insbesondere durch einen langen spitzen Zahn gekennzeichnet war – zu lösen.

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(Kräftiges Männchen – Wir nennen ihn ‚The Tooth‘)

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Der zweite Fisch von besonderer Bedeutung für mich war der erste auf meine neue MAG 3/4 mit 10ft. Der Tag war für Kristof und mich wohl auch wegen eines kühlen Nordwindes eher schleppend verlaufen und wir waren kurz davor, unsere Zelte am ausgewählten Flussabschnitt abzubrechen. Wir standen unterhalb einer langen Rinne, die wir bereits befischt hatten und aus der wir in der jüngeren Vergangenheit einige große Bachforellen und Äschen locken konnten. An diesem Tag hatten wir uns die Stelle aber rausgepickt, weil ich wenige Tage zuvor dort einen 14er Jig-Haken im Drill aufgebogen bekommen hatte. Ein gewaltiger Fisch zog mit meiner Nymphe stromauf, ohne sich mir zu zeigen und hinterließ mich und meinen offenen Hakenbogen vollkommen fassungslos. Dieses gewaltige Exemplar musste ich einfach sehen! Offenbar aber nicht an diesem Tag, denn wir hatten wirklich einiges probiert. Wir überlegten also, wohin es uns für den Abendsprung verschlagen sollte und noch während wir diskutierten und ich nebenbei mit einem Auge weiterfischte, überraschte mich aus dem Nichts ein satter Biss. Fast hätte ich den Anschlag versemmelt, aber etwas verspätet schien der Haken doch gepackt zu haben. Es folgte eine lange, lange Flucht stromabwärts und ein Spurt von mir und Kristof durchs bauchhohe Wasser. In einer ruhigeren Passage kescherte mein Freund den Fisch und ich eilte, die vielen Meter Schnur aufkurbelnd herbei. Eine der schönsten Bachforellen, die ich bisher gesehen habe. Sie hatte nur sehr wenige blasse rote Punkte und das erste woran ich dachte, als ich sie sah war: Neuseeland! Sie war hochrückig, hatte eine massive Schwanzflosse und war weitaus schwerer als einige längere Exemplare, die wir die Wochen zuvor gefangen hatten.

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(Neuseeland – Nur nicht so weit weg)

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Den dritten Fisch schenkte ich mir dann selber zu meinem Geburtstag. Wieder ein Männchen. Ich hatte die Forelle einige Wochen zuvor aus hoher Position gesehen, aber konnte sie damals nicht überlisten. An diesem Tag stimmte der Wasserstand für die Stelle, an der das Wasser in einer engen Kurve mit einem lauten Rauschen ans Ufer prallt. Bei etwas mehr Wasser vermutete ich den Fisch jedoch nicht in dieser starken Strömung am Kurveneinlauf, sondern etwas weiter hinten im Pool. Vielleicht geschützt, tief sitzend neben einem der großen Steine. Und so war es auch. Bereits eine der ersten Driften im ruhigeren Wasser brachte den erhofften Kontakt, noch bevor sich eine der vielen kleineren Rotgetupften im gemächlichen Auslauf meine Nymphe schnappen konnten. Zum Glück zog das torpedoförmige Männchen mit mir stromabwärts, denn in Richtung Kurveneingang hätte ich aufgrund des vielen Totholzes und sehr tiefen Wassers schlechte Karten gehabt. Zumal ich an diesem Tag ausnahmsweise alleine unterwegs war. In diesen Fällen ist es sonst oft ein taktischer Schachzug, dass der jeweils andere den Fisch schleunigst überholt, sich ihm in den Weg stellt, so zur Umkehr auffordert und im Endeffekt von den Gefahrenherden unter Wasser abhält. Alleine ist dies auch machbar, bedarf aber ein bisschen mehr Aufwand. Ich hätte am Fisch vorbei sprinten und dabei die Schnur auf Spannung halten müssen. Oberhalb von ihm hätte ich Druck ausüben müssen und ihn so als natürliche Reaktion in die Gegenrichtung bewegen können (Denn oftmals gilt: Übe ich zu Beginn des Drills Druck nach rechts aus, geht der Fisch nach links. Gleiches natürlich umgekehrt; Möchtet ihr also eine Großforelle unmittelbar nach dem Take vom Totholz fernhalten, kann es erfolgreich sein, ihn in Richtung des Totholzes zu ziehen. Er wird den Druck erwidern und in die Gegenrichtung schwimmen). Ich bin mir sicher, dass wir viele unserer Großforellen alleine und ohne diese Tricks nicht, oder vielleicht nur nach viel längeren und für den Fisch anstrengenderen Drills, gefangen hätten. Ein Freund mit einem großen Kescher, der genau weiß, was er machen soll ist einfach Gold wert!

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(Mein Geburtstagsgeschenk – An der neuen MAG 3/4 10ft.)

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Die vierte Forelle haben Kristof und ich uns hart erarbeitet und für sie einige Strapazen auf uns genommen. Kurz nach Sonnenaufgang erreichten wir bei Nieselregen, mit wenig Schlaf in den Knochen und nach einem längeren Fußmarsch die auf den ersten Blick unspektakuläre Stelle. Hier war in diesem Jahr mit Sicherheit noch nie oder nur wenig gefischt worden. Der Pegel war sehr niedrig und das Wasser floss hier flach und schnell an einer Baumwurzel vorbei. Unterhalb des Baums war ein kleiner Pool, maximal 2m lang und etwa einen Meter tief. Wir näherten uns ihm stromaufwärts, Kristof fischte vor mir mit zwei schwereren Nymphen, ich mit einer leichten Hasenohr auf einen 16er Haken hinterher. Er hatte die Stelle gefunden, also war dies mehr als fair 🙂 Wir fingen im Auslauf des Pools schnell einige Fische und näherten uns Drift für Drift dem Baum und seinem roten Wurzelwerk. Als Kristof vor mir die Stelle mit seinen schweren Nymphen ausgefischt hatte, platzierte ich meine Hasenohr an den Rand der Wurzeln und ließ sie an der kurzen Leine kontrolliert in das winzige Becken trudeln. Sofort kam der Biss! Der Fisch schoss stromauf in Richtung Rausche, Baum und Wurzeln, aber Kristof reagierte schnell. Er stellte sich in den flachen Bereich und der Fisch kehrte in den Pool zurück. Im Auslauf konnten wir ihn wenig später das erste Mal in voller Pracht bewundern und sahen im klaren Wasser seine Punkte leuchtend orange scheinen. Sie sahen aus, wie mit einem zu großen Pinsel und satter Farbe aufgetragen. Makellos!

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(Stealth Mode On – Vorsichtiges Anpirschen brachte dieses Prachtexemplar)

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Bevor ich diesen Artikel beende und überlege, welche Geschichte ich im hoffentlich schon morgen oder übermorgen erscheinenden nächsten Artikel auf FLY.BEI unterbringen werde, noch ein paar abschließende Ankündigungen – mit denen ich die Brücke zur Einleitung dieses Posts schlagen möchte. Zu berichten gibt es nämlich z.B. noch, dass ich im August und September zwei ganz besondere Kurse anbieten werde, auf die ich mich persönlich sehr freue. Hierzu hole ich mir Verstärkung aus Belgien, von bekannten Fliegenfischern, die schon viele Erfahrungen auf nationalen und internationalen Meisterschaften gesammelt und viele Erfolge erzielt haben. Eine einmalige Chance!

Am 17. August werden Philippe Hardy und ich unter dem Titel ‚Nymphing Master Class‚ einen vollen Tag ganz im Zeichen des ‚Euro Nymphings‘ und anderer erfolgreicher Nymphen-Techniken gestalten. Der Kurs richtet sich an Fortgeschrittene oder Neulinge, die sich intensiv mit dem Thema ‚Nymphenfischen‘ auseinandersetzen möchten und die wichtigsten Basics bereits sicher beherrschen. Abhängig von den Wetter- und Wasserbedingungen wird der Kurs entweder in der Eifel oder aber an einem von drei Flüssen in der Wallonie stattfinden. Die Anfahrt vom Dreiländerpunkt wird aber nicht länger als 60 Minuten betragen. Der Kurs ist für maximal 6 Personen ausgelegt, so dass wir Euch intensiv am Wasser begleiten und unterstützen können. Ich werde meinen Beitrag zum Workshop auf Deutsch gestalten, Philippe wird in Englisch unterrichten. Im Fokus stehen neben unterschiedlichen Präsentationstechniken natürlich das eigenständige Aufbauen von Vorfächern, das bewusste Einsätzen unterschiedlicher Muster, das Lesen des Gewässers und das besondere Werfen mit der Nymphe. Nähere Informationen zu diesem Workshop erhaltet ihr jetzt schon bei mir per Mail (kontakt@flybei.de), oder aber spätestens in einem eigenen Infotext, der in Kürze online gehen wird.

Philippe Hardy

(Nymphing Master Class – Workshop mit Philippe Hardy)

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Der Kurs im September (voraussichtlich an einem Tag des Wochenendes 20/21. September) steht unter dem gleichen Motto. Da ich aber hierzu noch ein paar Dinge abschließend abstimmen muss, kommen die konkreten Angaben erst in ein paar Tagen. Aber auch zu diesem Workshop könnt ihr Euch jetzt schon bei mir erkundigen. Ich gehe davon aus, dass die 6 Plätze auch hierzu rasch vergeben sein werden.

Was gibt es daneben sonst noch? Die ersten Hechttouren stehen an und auch die ersten Hechtkurse sind ebenfalls bereits geplant. Ab September (bei schlechtem Wetter auch schon ab Ende August) geht es regelmässig los! Bei Interesse einfach jetzt schon melden.

Hatte ich übrigens schon die neue FLY.BEI Webseite erwähnt? Auch darauf freue ich mich ganz besonderes. Sie geht ebenfalls in Kürze online und wird definitiv dazu beitragen, dass ich neben meiner Aktivität auf Facebook wieder etwas aktiver zum Schreiben komme. Daneben gibt es noch eine für mich persönlich sehr positive Neuigkeit, die ich Euch hoffentlich Ende der Woche mitteilen kann. Vorher werdet ihr aber nochmal hier von mir hören bzw. lesen, denn der gestrige Ausflug in die Eifel muss unbedingt festgehalten werden. (So etwas nennt man im Film einen Cliffhanger, oder?)

Bis dahin: Tight Lines!

Euer Alex

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1/3 und 2/3 und zwei Büsche

2 06 2014

von Alex

Ich bin heute früh aufgewacht und habe mit Blick auf den Kalender und die näherrückende Pfingswoche erschrocken realisiert, dass wir schon Juni haben. What?! Wie schnell sind denn bitte die letzten 11 Wochen vergangen? Ich weiß nicht wie es Euch ergeht, aber ich habe immer noch das Gefühl, als habe die Forellensaison 2014 eben erst begonnen. Es ist aber schon 1/3 um…

Dabei zeigen sich die im März noch trostlosen Flüsse und ihre kahlen Ufer doch schon seit einigen Wochen in lebendiger und grüner Pracht. Alleine dadurch hätte mir das rasante Fortschreiten der Jahreszeit ja wohl auffallen müssen. Oder zumindest dadurch, dass ich mich mittlerweile durch hohe Brennesseln kämpfen muss, um zu meinen Lieblingsstellen zu kommen. Auch die ersten Sonnenbrände sind eingefangen, weil ich beim ungedulgigen Verlassen des Hauses in der Morgendämmerung keinen Gedanken an die brütende Hitze unter der Nachmittagssonne verschenkt habe.

Vielleicht habe ich all das aber kaum bemerkt, weil sich die Fischerei seit dem Frühling nicht viel verändert hat. Wir kämpfen – mit einigen wenigen Tagen Ausnahme – seit Beginn mit Niedrigwasser. Tage, an denen ich mich stromauf durch die wilde Rur kämpfen musste? Fehlanzeige. Leider. Ein ähnliches Spiel an den Flüssen in der belgischen Wallonie. Die Fische scheint dies dort aber etwas weniger zu stören, sind sie seit März recht regelmässig bei meinen Besuchen gestiegen. Man muss sich nur die Zeit nehmen, sich sehr vorsichtig am Ufer bewegen und geduldig beobachten. Es ist verblüffend was passiert, wenn man sich einfach mal eine Viertelstunde geschützt in die Böschung setzt und still aufs Wasser schaut. Der Fluss beginnt sich langsam in eine Art Aquarium zu verwandeln. Aufgrund der niedrigen Pegel und des dadurch klareren Wassers sieht man mit etwas Konzentration auf den Flussgrund und dank einer guten Polbrille unfassbar viele Fische und darf Zeuge kleiner, spannender Geschichten sein. Ob es zwei Barben sind, die sich um einen großen Stein verfolgen und immer näher herankommen. Ob es die großen Döbel sind, die sich in der Mittagshitze träge unter den schattigen Büschen versammeln. Ob es die Schule von prachtvollen Äschen ist, aus der sich ab und an eine Fahnenträgerin löst und einen kleinen Ring auf die Oberfläche zeichnet. Oder aber ob es die 60+ Forelle ist, die am Abend langsam und vorsichtig am Ufer patroulliert, um dann blitzschnell – wie ein Hecht – in einen Schwarm Jungfische zu schießen.

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(Die erste Barbe 2014 – Auf Sicht gefangen)

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Eines der spannendsten Erlebnisse war in dieser Hinsicht sicherlich vor ein paar Tagen der Fang einer absoluten Prachtforelle. Ich war mit Kristof unterwegs und wir hatten uns für den Morgen einen sehr langsam fließenden Gewässerabschnitt ausgesucht. Der Fluss stand hier beinahe und nur an den wenigen Pollen auf der Oberfläche war eine langsame Strömung zu erahnen. Bei einem, zwei oder meinegwegen auch drei Schoko-Croissants begannen wir, die Stelle genauer unter die Lupe zu nehmen. Mit dem buttrigen Teiggebäck im Mund und den Händen seitlich am Gesicht versuchten wir uns auf den Flussgrund zu konzentrieren und mögliche Bewegungen wahrzunehmen. So arbeiteten wir uns systematisch stromauf vor. Beinahe zeitgleich sahen wir dann endlich etwas: Am gegenüberliegenden Ufer war ein heller Fleck im maximal knietiefen Wasser. Unmittelbar oberhalb eines versunkenen Astes und tief unter einem überhängenden Busch. Eine Forelle. Und was für eine! Zunächst schien sie recht regungslos, nur ab und an war eine leichte Bewegung ihrer Schwanzflosse auszumachen. Dann plötzlich ein Zucken ihres beeindruckenden Körpers und tatsächlich: Sie stieg auf, hinterließ nur einen winzigen Ring, der schnell vom Ufer verschluckt wurde und stellte sich wieder vor ihren Ast. Diskreter geht es nicht.

Da wir uns beide am Vortag schon jeweils über eine 50+ Bachforelle freuen durfte und somit keiner ’nachzulegen‘ hatte, spielten wir Schnick-Schnack-Schnuck (oder Stein-Schere-Papier, ganz wie ihr wollt). Dieses Spiel hatte sich bei vergleichbaren Fällen in den Vorwochen für uns etabliert. Außerdem macht es Spaß, steigert zusätzlich die Spannung und bei einem Sieg natürlich vorallem die Vorfreude auf die Präsentation der eigenen Fliege. Die erste Runde endete jedenfalls mit einem Unentschieden: Schere und Schere. Ich dachte ‚Ok, wenn er Schere hatte, dann nimmt er vielleicht jetzt etwas, was gegen die Schere verliert, weil er denkt, dass ich sicher nicht nochmal die Schere nehme und auf Stein oder Papier umsteige. Vielleicht nimmt er aber auch nochmal Schere und denkt, dass ich denke, dass er ja wohl nicht nochmal die Schere nimmt. Aber vielleicht… ach was solls: SCHERE!‘ Kristof hatte natürlich Stein und somit ging der Versuch, den stolzen Fisch zum Steigen zu bringen, an ihn.

Ich blieb mit einem stummen Schrei und geballten Fäusten in erhöhter Position am Ufer und mein belgischer Freund pirtschte sich mit einem breiten Grinsen und einem ‚The next one is for you.‚ langsam in Position, ohne natürlich auch nur einen Fuß ins Wasser zu setzen und den glatten Spiegel zu zerstören. Er knüpfte eine kleine Köcherfliege ans Vorfach, während ich die Videokamera aufbaute. In solchen Situationen zeigt sich wieder, warum es viele Vorteile hat zu zweit zu fischen, denn unten am Fluss konnte er den Fisch nicht mehr sehen. Von meinem erhöhten Standplatz aus konnte ich ihm hingegen genau beschreiben, wo die Rotgetupfte stand und ob seine Präsentation in Ordnung war. Und die war nicht leicht, denn es hieß etwa 15 Meter Distanz zu überbrücken und die CDC-Sedge kurz in der angedeuteten Kehrströmung zu halten, während die Flugschnur mit den Pollen stromab trieb. Keine einfach Aufgabe!

Nach einigen erfolgslosen Driften dann endlich eine Regung der Bachforelle. Allerdings nicht auf Kristofs Fliege. Weil die Forelle aber vermutlich schonmal auf dem Weg war, machte sie kehrt und steuerte langsam auf die ‚falsche‘ (also die ‚richtige‘; also die ‚künstliche‘) Köcherfliege zu, die etwa einen Meter seitlich vorbeitrieb. Das Gefühl in diesem Moment ist unfassbar! Du weißt, dass gleiche eine riesen Bachforelle Deine Trockene nehmen wird. Zig Dinge gehen Dir durch den Kopf. Wird sie überhaupt nehmen oder doch noch abdrehen? Bloß nicht zu schnell anschlagen! Wird das feine Tippet die erste Flucht überstehen? Wo ist mögliches Totholz im Wasser, das dem Fisch zum Vorteil sein und mir zum Verhängnis werden könnte?

Alles ging gut. Die Forelle schlürfte die Köcherfliege von der Oberfläche, der sanfte Anhieb saß, die ersten Kopfstöße und der erste Marsch flussaufwärts wurden von der sensiblen 4er Rute spielend abgefedert und auch der restliche Drill verlief problemlos. Ich packte meine Kamera ein, spurtete los und wenig später hatten wir die Bachforelle im Schonnetz. 64cm und mit einem dicken Hängebauch. Was für ein Fisch!

64er Bafo

(Ein Prachtexemplar – 64cm und ’still rising‘)

Nach der euphorischen Freude entfaltete sich bei mir anschließend die motivierende Aussicht, dass der nächste Flossenfund dieser Art ohne Schnick und Schnack und Schnuck dann an mich gehen sollte. Der Tag war ja noch lang und voller Möglichkeiten. So machten wir viele viele Kilometer vom Busch der 64er bei einem anderen Busch Bekanntschaft mit einer 46er Äsche sowie zwei ü50 Forellen. Dabei hatten wir es zunächst auf einen ganz anderen Fisch abgesehen. Und das kam so…

Ich stand im Wasser und war nach der Scheren-Falle am Morgen an der Reihe. Kristof robbte auf allen vieren vorsichtig am rechten Ufer, um einen Blick unter einen Busch zu werfen – wieder ein Busch. Ich hatte einige Wochen zuvor an diesem schattigen Unterstand schon gute Erfahrungen gemacht und wollte es auf einen zweiten Versuch, trotz eines langen Fußmarsches, unbedingt ankommen lassen. Kristof lag im Gras und sah nach einigen Augenblicken schon die Schwanzflosse einer Bachforelle. Kurz darauf bekam er den passenden Fisch zur Flosse zu Gesicht und schätze ihn auf ca. 40cm. Ich fing also an, meine Nymphen oberhalb des Busches zu platzieren und am langen Vorfach ganz natürlich stromab treiben zu lassen. Nichts! Bei jeder Drift näherte ich mich der steinernen Uferbefestigung ein paar Zentimeter und fing außerdem an, die Nymphen am Ende der Drift langsam aufsteigen zu lassen. Da kam der ersehnte Biss. Es war allerdings nicht die 40er-Bachforelle, sondern eine wunderschöne, kräftige Äsche.

Äsche

(Äsche – Auf eine aufsteigende Nymphe)

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Nach ihrem Release warteten wir ein paar Minuten und ließen die Stelle ruhen. Dann war Kristof an der Reihe. Nach etwa 10-15 Driften auch bei ihm ein Biss. Allerdings wieder nicht die Bachforelle, die er gesehen hatten, sondern ein weit größeres Exemplar von 52cm. Also nochmal ein paar Minuten warten. Die 40er musste ja noch da sein. Es war also wieder mein Turn und nochmals einige Präsentationen später war meine Rute erneut krumm. Das musste sie jetzt aber sein. Nein. Es war wieder nicht die 40er, sondern diesmal eine 55er Bachforelle! Wir waren baff und amüsiert zugleich. DAS hätten wir unter diesem kleinen Busch wirklich nicht erwartet…

Achja: Danach haben wir die Stelle und den Busch verlassen. Die 40er und ihre unvorsichtige Schwanzflosse hatten uns so viel Glück gebracht, da durfte sie an diesem sonnigen Mittag ruhig im Schatten bleiben. Außerdem lagen noch ein paar andere Büsche auf unserer Route für den Nachmittag. Davon aber beim nächsten Mal mehr.

 

Abschließend noch eine Auswahl weiterer Fotos der letzten Tage und Wochen – eine zweite Gallerie folgt in Kürze. Ich werde es leider zeitlich nicht schaffen, alle Fische mit der passenden Geschichte zu würdigen, obwohl ich mich an alle genau erinnere. Ich werde aber versuchen (ähnlich wie auf der FLY.BEI Facebookseite), künftig noch mehr Kurzberichte zu schreiben. Vielleicht schon ganz bald, denn die nächsten spannenden Trips stehen unmittelbar bevor. Es geht das erste Mal wieder auf Hecht und anschließend treffe ich Fabian, um mit ihm die Wiesent – hoffentlich zeitgleich mit einem schönen Maifliegenschlupf – zu befischen. Dazwischen werde ich mich natürlich um meine hiesigen Gewässer kümmern. Einer muss es ja machen 🙂 Und ich bin mir sicher, wenn ich drei Mal mit den Augen gezwinkert habe, ist das nächste Drittel der Forellensaison vorbei…

Ich hoffe, dass ihr das 1/3 ebenso genießen konntet und ich wünsche Euch für die restlichen 2/3 ‚Tight Lines‘!

Euer Alex

P.S. Vielelicht sehe ich ja den ein oder anderen von Euch heute Abend beim Stammtisch im Kapellchen. Würde mich freuen!

Impressionen der letzten Tage:





Aachener-Fliegenfischer-Stammtisch #3

14 05 2014

von Alex

Unser letztes Treffen liegt noch nicht lange zurück, da steht auch schon wieder der nächste Bindeabend bevor: bereits für Montag, den 2. Juni lade ich Euch ganz herzlich ins Aachener Kapellchen ein (hier gehts zu unserer Facebook-Veranstaltung). Wie gewohnt, kommen wir ab 19.00 Uhr zusammen, um uns bei einem kühlen Bier auszutauschen und/oder die ein oder andere Fliege zu binden.

Da es für mich eine Woche später an die Wiesent gehen wird, werde ich mir ein Maifliegenmuster überlegen. Inspiration habe ich bereits im kürzlich erschienenen Artikel auf Forelle und Äsche reichlich erhalten. Tankred stellt auf seinem Blog vier ganz unterschiedliche Muster vor, von denen sicher die ein oder andere Variation in meiner Dose landen und mich ins Frankenland begleiten wird. Sehr gut gefällen mir auch folgende Muster von Davie McPhail und Marc Petitjean, die für ihre Maifliegen mit reichlich CDC arbeiten.

Die erfolgreichsten Stunden mit Maifliegen am Wasser hatte ich bisher mit Mustern, die als ‚Spent‘ gebunden waren. Als ich mit Marc noch viel an den Ufern der Kyll unterwegs war, war diese Bindeweise – leicht gezupft präsentiert – oftmals nicht nur ein Garant für sehr agressive Bisse, sondern hat im Gegensatz zu buschigeren Mustern auch bei dünneren Vorfächern keinen Drall verursacht. Seit ich mich jedoch primär an den nördlichen Eifelgewässern und in der belgischen Wallonie rumtreibe, ist mir die Präsentation von Maifliegen vergönnt – zumindest haben wir hier kaum Schlüpfe von Ephemera danica.

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Neben dem Thema ‚Maifliege‘ wäre ich außerdem sehr an Euren Sedge-Mustern interessiert! Beim letzten Bindetreffen standen primär noch Nymphen kleiner Eintagsfliegen im Vordergrund, am Wasser sind mittlerweile aber bereits auch größere Caddis-Exemplare auszumachen, so dass es sich empfiehlt, diesen schleunigst auch am Bindetisch mehr Beachtung zu schenken. So besuchte ich gemeinsam mit den Jungs von Rodtrip am 1. Mai die belgische Amel (Amblève) und erlebte dort in der malerischen Umgebung der blauen Ardennen eine tolle Trockenfliegenfischerei auf Sicht. Hier waren es insbesondere graue Köcherfliegen (imitiert mit Hakengröße 14), die die Rotgetupften ihre steinigen Verstecke haben verlassen und zur Oberfläche hochschießen lassen.

Apropos Rodtrip. Wie einige vielleicht bereits auf Facebook gesehen haben, werde ich künftig für den aus Belgien stammenden Blog (mit internationaler Autoren-Beteiligung) einige Artikel zu vornehmlich technischen und taktischen Aspekten des Fliegenfischens beisteuern. Ich freue mich über diese herausfordernde Möglichkeit und die Chance, auf diesem Wege mit vielen neuen Fliegenfischern aus anderen Ländern in Kontakt zu kommen. Gleichzeitig sehe ich natürlich den vielen geplanten Ausflügen mit Freude entgegen 😉

 

rodtrip

 

 





Eine bunte Mischung

2 05 2014

von Alex

Der 1. Mai ist nicht nur in Deutschland ein Feiertag, sondern auch im benachbarten Belgien. Daher verabredete ich mich vor einigen Wochen für den gestrigen Donnerstag mit den Jungs von Rodtrip zum gemeinsamen Fischen. Mathias und Jeremy kommen aus dem wallnischen Teil Belgiens und sind regelmässig an vielen Gewässern unterwegs, die auch ich gerne besuche. Daher war es längst überfällig, dass wir einmal gemeinsam die Fliegen übers Wasser treiben ließen. Wir entschieden uns für den Besuche eines malerisch gelegenen Flüsschens in den Ardennen, der zum großen Teil durch ein unbesiedeltes Waldgebiet fließt, dessen Ufer hier und da aber auch von Wiesen und Feldern begleitet werden.Auf dem Hinweg zu unserem Treffpunkt machte ich allerdings noch kurz an einem anderen Gewässer Stop, um mich mit Kristof zu treffen. Er hatte wenige Tage zuvor seine 10ft. Rute gebrochen und jeder, der sich einmal an eine lange Rute zum Nymphenfischen gewöhnt hat weiß, dass man anschließend nicht mehr ohne möchte. Daher hatte ich für ihn eine Ersatzgerte dabei und wir nutzen die Gelegenheit, um zwischen zwei ‚Croissant Chocolat‘ ein wenig zu fischen. Innerhalb dieser halben Stunde ist dann folgendes passiert:Alles fing zunächst ganz harmlos an. Am gemächlichen Auslauf einer schnellen Rinne konnte ich direkt bei einer der ersten Driften eine schön Äsche auf einen Micro-Jig lmit silbernem Tungstenkopf fangen. Nur wenige Driten später dann an beinahe selber Stelle das „Biest“, jene 50cm Bachforelle vom Wochenende zuvor. Sie hatte sich nur wenige Meter flussabwärts einen neuen Standort gesucht. Nach einem kurzen Drill mit einigen Sprungeinlagen der dickbäuchigen Rotgetupften ging es dann für uns mit einer Regenbogenforelle weiter – an diesem Fluss eine absolute Rarität. So habe ich in den letzten Jahren dort gerade einmal drei Regenbogenforellen live erleben können. Mit dieser Überraschung nicht genug, denn nur wenig später war es eine Meerforelle, die für kurze Zeit unser Schonnetz belebte. Ich hatte schon davon gehört, dass viele, viele Kilometer flussabwärts Meerforellen regelmäßig gesichtet werden, niemals aber so weit oben. Zu guter letzt noch das i-Tüpfelchen: Kristof hatte einen kleinen Döbel im Drill (auch die sind sonst sehr selten anzutreffen) und kurz vor der Landung wurde der 30cm Fisch von einem Hecht mit knapp dreifacher Körperlänge attackiert! Hechte hatten wir hier noch nie zu Gesicht bekommen, ein paar Tage zuvor aber Gerüchte über einen Entenschnabel vernommen. An diesem ‚Anglerlatein‘ war wohl etwas dran 🙂 Gelandet wir den Hecht übrigens nicht. Nach kurzer Zeit schien ihm der seltsame Döbel wohl doch zu zappelig und er spuckte ihn einfach wieder aus und verschwand in den tiefen des Pools – der übrigens entstanden ist, weil deutsche Soldaten hier im Zweiten Weltkrieg eine Bombe haben fallen lassen. Ziel war eigentlich eine Brücke, ca. 50m flussaufwärts gewesen.Mit einem Lachen im Gesicht und einer bunten Mischung Fisch vor dem inneren Auge (Äsche, das „Biest“ sowie diverse kleinere Bafos, eine Regenbogenforelle, eine Meerforelle, ein Döbel und fast eine Hecht) machte ich mich dann schleunigst auf den Weg Richtung Ardennen, um dort auf Rodtrip (oder zumindest einen Teil des Teams) zu treffen.

Unser gemeinsamer Tag in einem ruhig gelegenen Tal verlief gegen meinen ereignisreichen Morgen fast ‚unspektakulär‘. Wären da nicht die für diese Jahreszeit vielen Sedges auf dem Wasser gewesen! Wir konnte eine Reihe schöner Bachforellen gezielt mit der Trockenen anwerfen und auch deshalb ein paar nette Sequenzen mit unseren Videokameras einfangen. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt, sind die bisherigen Produktionen von Mathias und Jeremy doch allesamt sehr schön anzusehen und kurzweilig geschnitten. Der Tag war aber nicht nur deshalb etwas besonderes, sondern seit langem habe ich nochmal in einer malerischen Kulisse, fernab von Trubel und Hektik in aller Ruhe gefischt. Seitdem der Pegel der Rur eine dortige Fischerei kaum möglich (oder zumindest wenig attraktiv) macht, treibe ich mich die meiste Zeit an viel bevölkerten und überwiegend urban-geprägten Gewässern rum.

Auch die kommenden Tage wird es eher Wald statt Stadt geben, denn es geht in die Eifel. Ich bin sehr gespannt, ob sich der erste positive Eindruck meiner neuen Vision ‚Cult‘ (#3 10.8 ft.) bestätigt. Von der ‚Rulla‚ bin ich jedenfalls schon restlos begeistert. Ich habe das 2er-Modell gewählt und obwohl es eigentlich für Schnüre der Klasse 6-8 vorgesehen ist, balanciert die Rolle die lange Rute perfekt aus. Was die Fischerei angeht, bin ich hingegen noch ein wenig skeptisch. Leider haben die Regenfälle nicht wirklich gereicht, um die Pegel der nördlichen Eifelgewässer steigen zu lassen. Aber ich denke, dass es so oder so zwei ereignisreiche Tage werden und hoffe, dass Ihr auch ans Wasser kommt!

 

 





Stirnrunzeln

15 04 2014

von Alex

Mein April ist bisher ziemlich besch…eiden. Und dies hat rein gar nichts mit der Fischerei zu tun, denn die junge Saison ist bisher mit Abstand die beste der letzten Jahre (dazu später mehr). Nein, es sind die ’normalen‘ Dinge des Lebens, die meine Stirn derzeit wiederholt in Falten legen. Zum 1. Mai ziehen wir um, nur wenige Straßen weiter haben wir eine neue Bleibe gefunden. Warum sollte man auch aus Aachen verschwinden? Die Stadt liegt zwar nicht direkt am Fluss, aber dafür in der ‚Mitte‘ von allem, was das Fliegenfischerherz begehren kann. Nur wenige Straßen weiter bedeutet dennoch das volle Stress-Paket: Nachmieter suchen, unterschiedlichste Renovierungsarbeiten, unzählige Fahrten zu Baumärkten und Einrichtungshäusern, ausgedehnte Putz-Sessions (ich schwinge die Dampfente mittlerweile beinahe so routiniert wie meine Rute), logistische Herausforderungen, leidiger Papierkram und strapazierte Nerven…

In der kommenden Woche wird sich diese unangenehme Lage dann aber hoffentlich wieder etwas entspannt haben und ich komme nochmals länger an den Fluss. Über die Häufigkeit der Ausflüge seit Mitte März kann ich mich keineswegs beschweren, aber zuletzt waren es leider immer nur sehr kurze Stippvisiten in Eifel und Wallonie, die gerade so reichten, um 2-3 Stellen intensiv zu befischen. Dafür können sich die Ergebnisse allerdings sehen lassen! Der erste Monat ist bisher – in Abgleich mit meinen Notizen der letzten Jahre – der fischreichste, zumindest was den gezielten Fang von Großforellen angeht. Über Exemplare zwischen 40 cm und 60 cm durfte ich mich bisher in beinahe erschreckender Regelmässigkeit freuen. Insbesondere mit meinem belgischen Freund Kristof lief es fantastisch und er konnte bereits letzte Woche unser gemeinsames Ziel für 2014, die magische Marke von 70 cm, mit einer Punktlandung knacken, nachdem ich die Tage zuvor drei Kontakte an unterschiedlichen Stellen mit diesen Ausnahmefischen nicht verwerten konnte. Da gilt es gut aufzupassen, sich nicht an diese Erlebnisse und Fänge zu gewöhnen. Ich bin mir sicher, dass noch viele Wochen kommen werden, in denen ich unzählige Nymphen über den Grund rollen lassen werde und mich Haare raufend frage, wo sich denn die ganzen ‚Guden‘ (so würde mein fränkischer Freund Fabian jetzt wohl sagen) versteckt haben. Bis dahin heißt es aber noch: Fischen und Genießen!

Das Schönste an der ganzen Sache ist, dass ich bisher die meisten Bachforellen auf Sicht mit der Trockenfliege anfischen konnte. Und falls dies nicht der Fall war, dann waren einige Rotgetupfte glücklicherweise nach dem ‚hochwasserlosen‘ Winter noch an den ‚Hotspots‘ des Vorjahres anzutreffen – oder zumindest in der unmittelbaren Nähe. Dies gilt insbesondere für die Rur. Hier habe ich zwei Fische über 50 cm landen können, die ich aus 2013 kannte. Beide haben sich in der Zwischenzeit kaum verändert. Ganz anders eine Bachforelle, die ein Kursteilnehmer vor etwa 2 Wochen überlisten konnte: Sie maß exakt 60 cm und war so dunkle, wie ich es nie zuvor gesehen habe. Lediglich an der Unterseite war noch ein satter gelber Streifen. Zum Rücken hin ging die Pigmentierung in ein dunkles oliv und ein sattes schwarz über. Abgesehen von der Farbe kam sie mir aber direkt bekannt vor. Zuhause am Rechner stöberte ich also in meiner Fotosammlung und stolperte über eine Aufnahme von 2011. Der gleiche Fisch! Ganz eindeutig! Allerdings war er in der Zwischenzeit knapp 4 cm gewachsen und hatte sich eine Kurve weiter flussabwärts eingestellt. Schön zu sehen, dass er noch das Gewässer und nicht eine Kühltruhe sein zu Hause nennen darf.

Und damit komme ich zu einem Aspekt, über den ich schon lange nachgedacht habe und aus dem ich gewisse Konsequenzen für mich und FLY.BEI ziehen werde. Der traurige Hintergrund ist die in diesem Jahr sehr hohe Dichte an Schwarzanglern und ‚Petri-Jüngern‘, die alle Reglements der Gewässer und grundlegende Werte eines jeden gesunden Menschenverstandes bewusst mit Füßen treten. Beinahe jeder aus meinem Freundeskreis hat mir von Begegnungen mit Anglern berichtet, die an den von uns befischten Gewässern entweder gänzlich ohne Erlaubnisscheine unterwegs waren, oder aber trotz eindeutiger Vorgaben dennoch mit Spinn- oder sogar Lebenködern auf ‚Fly-Only-Strecken‘ zu Gange waren. In den Bäumen der Rur habe ich Spinner, Wobbler und Twister gefunden. Freunde entdeckten bei ihrem Ausflug gar ein Tandem aus Spinner und Streamer. An einem andere Fluss wurden Widerhaken nicht angedrückt, ‚No-Kill-Abschnitte‘ werden von Kochtopfanglern (der Ausdruck ist hier m.M.n. angebracht) heimgesucht. Auf höfliche Rückfragen wird meist patzig oder gar aggressiv reagiert, von Einsicht keine Spur! Das sogenannte i-Tüpfelchen für mich persönlich ist dabei allerdings, dass bei diesen Vergehen nun schon zwei Mal Angler aus Aachen (zum Glück gibt es bei uns, anders als in Belgien, Autokennzeichen die eindeutig auf den Wohnsitz schließen lassen) involviert waren. Als deutscher Staatsbürger, der sich aber sehr viel im euregionalen Grenzgebiet bewegt, muss ich mich hier nicht nur für diese ‚Landsleute‘ – wir genießen ohnehin nicht den besten Ruf in Belgien und Holland – schämen, sondern mir vielleicht auch als Blogger, der insbesondere über dieses Einzugsgebiet schreibt, einige Vorwürfe machen. Oder mir im Hinblick auf meine Arbeit hier zumindest kritische Fragen stellen:

  • Wie viele Informationen gebe ich auf dieser Seite an ein größtenteils annonymes Publikum weiter?
  • Wie genau schildere ich meine Erlebnisse?
  • Welche Fotos verwende ich, welche Fotos sollte ich besser nicht posten?
  • Welche Empfehlungen spreche ich aus, welche Ratschläge erteile ich?

Was hinter diesen und vielen weiteren Fragen steckt ist nicht die ‚Angst‘, dass andere Angler (ich grenze dies bewusst nicht auf Fliegenfischer ein) ‚meine‘ oder ‚unsere‘ Flüsse und Gewässer befischen. Im Gegenteil! Nur durch dieses Projekt hier bin ich mit vielen gleichgesinnten Fliegenfischern in Austausch getreten, es sind einige Bekanntschaften entstanden und feste Freundschaften gewachsen. Zudem habe ich mich auf unterschiedlichen Ebenen – natürlich auch fischereitechnisch – weiterentwickeln können. Es geht also vielmehr darum, dass die durch mich zur Verfügung gestellten Informationen für Dinge missbraucht werden können, mit denen ich mich nicht identifizieren kann und will. Und wenn dies darüber hinaus noch durch Personen aus meiner Heimatstadt geschieht, dann muss ich mir als bloggender Fliegenfischer hier einer gewissen Verantwortung bewusst werden. Ich werde daher künftig bei der Auswahl meiner Fotos und bei der Formulierung meiner Texte für FLY.BEI ein wenig mehr auf ‚Details‘ achten und eine Balance finden müssen.

Warum schreibe ich all das überhaupt? Ich könnte ja auch einfach unkommentiert auf diese Vorfälle reagieren und unbemerkt Konsequenzen für mich persönlich ziehen. Nunja, erstens, weil ich ziemlich sauer bin und meinem Ärger irgendwie Luft machen möchte. Zweitens, und dies ist der wichtigere Grund, um das Thema ‚Schwarzangler‘ generell hier noch einmal anzuschneiden. Zum Glück haben auch andere dies in der jüngeren Vergangenheit getan. Denn seit diesem Jahr gibt es endlich Gewässeraufseher an der Rur in Monschau. Es wurden zudem längst überfällige Schilder montiert, die darauf hinweisen, dass die „Fischerei ohne gültigen Fischereischein“ (diese Formulierung hätte noch eindeutiger gewählt werden können!) nicht gestattet ist. Auch in Ostbelgien werden an mehreren Flüssen nun regelmässig Kontrollen durchgeführt. Ich habe mittlerweile immer eine entsprechende Berechtigung bei mir. Die Frage, die ich jetzt hier aber zur Diskussion stellen möchte ist, wie man in konkreten Situationen reagieren kann/darf? Im Grunde haben wir kaum Möglichkeiten, das bewusste (!) Fehlverahlten anderer zu sanktionieren. Ein belgischer Freund im besten Rentenalter sprach bei einer Feierlichkeit in unserem Verein nach ein paar Gläsern Wein neulich davon, dass ein paar ‚Backpfeifen‘ immer noch die beste Lektion für solche Leute seien. Und auch wenn ich ihm lachend zugestimmt habe weiß ich doch, dass dies nicht der Weg ist. Daher Frage an Euch: Wie läuft es an Euren Gewässern? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? 

Ich würde mich wirklich freuen, hier ein paar Antworten zu lesen! Vielleicht könnt Ihr mir nicht bei meinem Umzug, aber zumindest bei diesem Stirnrunzeln helfen.








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