Es macht mich froh…

21 05 2014

von Alex

Es macht mich immer wieder froh zu sehen, wenn jemanden das Fliegenfischer-Fieber so richtig packt. Noch viel mehr freut es mich natürlich, wenn ich daran in irgendeiner Form beteiligt sein darf. So etwa geschehen vor ein paar Wochen in der Eifel, als Alex und Andi gemeinsam mit mir ihre ersten Schritte am Fluss unternommen haben. An solchen Tagen denke ich zurück an meine anfänglichen Erfahrungen mit der Fliegenrute und kann ihre Begeisterung und Motivation nur zu gut nachempfinden.

Ihre persönlichen Eindrücke zum Wochenende haben die beiden Frohnaturen nun auf ihrer Webseite veröffentlich, auf der sie ihren Einstieg in unsere Passion dokumentieren. Ich bedanke mich für die lustigen Stunden, wünsche Euch weiterhin viel Spaß am Wasser und allzeit Tight Lines!

Alex und Andi

(Alex und AndiDie ersten Schritte mit der Fliegenrute)

 

Gefreut hat mich ebenso das darauf folgende Kurswochenende: Hans-Jörg fischte bereits einige Jahre an der Unteren-Rur und kann schon lange nicht mehr als ‚Einsteiger‘ bezeichnet werden. Im Hinblick auf Techniken und Taktiken zum effektiven Befischen seines Hausgewässers hatte er allerdings noch einige offene Fragen und lud mich daher zu sich, in die Nähe der niederländischen Grenze, ein.  Ich kenne die Rur auch unterhalb des Eifel-Stausees, so weit flussab war ich selber allerdings bisher auch noch nicht an ihren Ufern unterwegs gewesen. Die von uns befischten Gewässerabschnitte suchte daher nicht ich, sondern mein ortskundiger Gastgeber aus. Ich steuerte lediglich meine Empfehlungen zum optimalen Umgang mit dem Gerät und den Gegebenheiten bei. Der Fokus musste meines erachtens dabei insbesondere auf Techniken zum tiefen Präsentieren der Nymphe liegen, denn die Rur war hier unten teils weit über 2m tief und zeichnete sich an den markanten und von Hans-Jörg ausgewählten Stellen durch eine flotte Oberflächenströmung aus. Schnell hatte er die wichtigsten Grundlagen verinnerlicht und schon nach kurzer Zeit drillte er vor den Augen eines erstaunten Ansitzanglers eine Barbe mit weit über 70cm – die sich nach einigen Minuten und vielen Fluchten leider zurück in die schützende Rinne verabschiedete. Der Frust über den verlorenen Prachtfisch währte aber nur kurz und sein konzentriertes Nymphen wurde mit einer weiteren Barbe über 70cm belohnt. Mit einem breiten Grinsen verabschiedeten wir den stattlichen Kämpfer. Ihm folgten nur wenig später eine weitere Barbe in dieser Größenordnung, Hans-Jörgs bisher größte Äsche mit knapp 40cm und seine erste Forelle am eigenen Gewässer überhaupt. Das alles mit den gleichen Nymphenmustern, dem gleichen Vorfachaufbau und der gleichen Präsentation. So einfach kann Fliegenfischen sein!

Ich bin mir sicher, dass Hans-Jörg an den kommenden Feierabenden einige weitere Barben, Döbel, Äschen oder auch Forellen wird überlisten können. Und gerade diese Ungewissheit, welcher Fisch als nächstes die Nymphe am Flussgrund nimmt, zeichnet für mich diese spannende Fischerei am Mischgewässer aus. Jedenfalls habe ich nach diesem Tag richtig Lust bekommen, es auch noch einmal auf Barben zu versuchen 🙂

Hans-Jörg

(Hans-Jörg – Eine 70+ Barbe aus der Unteren-Rur)

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Aachener-Fliegenfischer-Stammtisch #3

14 05 2014

von Alex

Unser letztes Treffen liegt noch nicht lange zurück, da steht auch schon wieder der nächste Bindeabend bevor: bereits für Montag, den 2. Juni lade ich Euch ganz herzlich ins Aachener Kapellchen ein (hier gehts zu unserer Facebook-Veranstaltung). Wie gewohnt, kommen wir ab 19.00 Uhr zusammen, um uns bei einem kühlen Bier auszutauschen und/oder die ein oder andere Fliege zu binden.

Da es für mich eine Woche später an die Wiesent gehen wird, werde ich mir ein Maifliegenmuster überlegen. Inspiration habe ich bereits im kürzlich erschienenen Artikel auf Forelle und Äsche reichlich erhalten. Tankred stellt auf seinem Blog vier ganz unterschiedliche Muster vor, von denen sicher die ein oder andere Variation in meiner Dose landen und mich ins Frankenland begleiten wird. Sehr gut gefällen mir auch folgende Muster von Davie McPhail und Marc Petitjean, die für ihre Maifliegen mit reichlich CDC arbeiten.

Die erfolgreichsten Stunden mit Maifliegen am Wasser hatte ich bisher mit Mustern, die als ‚Spent‘ gebunden waren. Als ich mit Marc noch viel an den Ufern der Kyll unterwegs war, war diese Bindeweise – leicht gezupft präsentiert – oftmals nicht nur ein Garant für sehr agressive Bisse, sondern hat im Gegensatz zu buschigeren Mustern auch bei dünneren Vorfächern keinen Drall verursacht. Seit ich mich jedoch primär an den nördlichen Eifelgewässern und in der belgischen Wallonie rumtreibe, ist mir die Präsentation von Maifliegen vergönnt – zumindest haben wir hier kaum Schlüpfe von Ephemera danica.

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Neben dem Thema ‚Maifliege‘ wäre ich außerdem sehr an Euren Sedge-Mustern interessiert! Beim letzten Bindetreffen standen primär noch Nymphen kleiner Eintagsfliegen im Vordergrund, am Wasser sind mittlerweile aber bereits auch größere Caddis-Exemplare auszumachen, so dass es sich empfiehlt, diesen schleunigst auch am Bindetisch mehr Beachtung zu schenken. So besuchte ich gemeinsam mit den Jungs von Rodtrip am 1. Mai die belgische Amel (Amblève) und erlebte dort in der malerischen Umgebung der blauen Ardennen eine tolle Trockenfliegenfischerei auf Sicht. Hier waren es insbesondere graue Köcherfliegen (imitiert mit Hakengröße 14), die die Rotgetupften ihre steinigen Verstecke haben verlassen und zur Oberfläche hochschießen lassen.

Apropos Rodtrip. Wie einige vielleicht bereits auf Facebook gesehen haben, werde ich künftig für den aus Belgien stammenden Blog (mit internationaler Autoren-Beteiligung) einige Artikel zu vornehmlich technischen und taktischen Aspekten des Fliegenfischens beisteuern. Ich freue mich über diese herausfordernde Möglichkeit und die Chance, auf diesem Wege mit vielen neuen Fliegenfischern aus anderen Ländern in Kontakt zu kommen. Gleichzeitig sehe ich natürlich den vielen geplanten Ausflügen mit Freude entgegen 😉

 

rodtrip

 

 





Eine bunte Mischung

2 05 2014

von Alex

Der 1. Mai ist nicht nur in Deutschland ein Feiertag, sondern auch im benachbarten Belgien. Daher verabredete ich mich vor einigen Wochen für den gestrigen Donnerstag mit den Jungs von Rodtrip zum gemeinsamen Fischen. Mathias und Jeremy kommen aus dem wallnischen Teil Belgiens und sind regelmässig an vielen Gewässern unterwegs, die auch ich gerne besuche. Daher war es längst überfällig, dass wir einmal gemeinsam die Fliegen übers Wasser treiben ließen. Wir entschieden uns für den Besuche eines malerisch gelegenen Flüsschens in den Ardennen, der zum großen Teil durch ein unbesiedeltes Waldgebiet fließt, dessen Ufer hier und da aber auch von Wiesen und Feldern begleitet werden.Auf dem Hinweg zu unserem Treffpunkt machte ich allerdings noch kurz an einem anderen Gewässer Stop, um mich mit Kristof zu treffen. Er hatte wenige Tage zuvor seine 10ft. Rute gebrochen und jeder, der sich einmal an eine lange Rute zum Nymphenfischen gewöhnt hat weiß, dass man anschließend nicht mehr ohne möchte. Daher hatte ich für ihn eine Ersatzgerte dabei und wir nutzen die Gelegenheit, um zwischen zwei ‚Croissant Chocolat‘ ein wenig zu fischen. Innerhalb dieser halben Stunde ist dann folgendes passiert:Alles fing zunächst ganz harmlos an. Am gemächlichen Auslauf einer schnellen Rinne konnte ich direkt bei einer der ersten Driften eine schön Äsche auf einen Micro-Jig lmit silbernem Tungstenkopf fangen. Nur wenige Driten später dann an beinahe selber Stelle das „Biest“, jene 50cm Bachforelle vom Wochenende zuvor. Sie hatte sich nur wenige Meter flussabwärts einen neuen Standort gesucht. Nach einem kurzen Drill mit einigen Sprungeinlagen der dickbäuchigen Rotgetupften ging es dann für uns mit einer Regenbogenforelle weiter – an diesem Fluss eine absolute Rarität. So habe ich in den letzten Jahren dort gerade einmal drei Regenbogenforellen live erleben können. Mit dieser Überraschung nicht genug, denn nur wenig später war es eine Meerforelle, die für kurze Zeit unser Schonnetz belebte. Ich hatte schon davon gehört, dass viele, viele Kilometer flussabwärts Meerforellen regelmäßig gesichtet werden, niemals aber so weit oben. Zu guter letzt noch das i-Tüpfelchen: Kristof hatte einen kleinen Döbel im Drill (auch die sind sonst sehr selten anzutreffen) und kurz vor der Landung wurde der 30cm Fisch von einem Hecht mit knapp dreifacher Körperlänge attackiert! Hechte hatten wir hier noch nie zu Gesicht bekommen, ein paar Tage zuvor aber Gerüchte über einen Entenschnabel vernommen. An diesem ‚Anglerlatein‘ war wohl etwas dran 🙂 Gelandet wir den Hecht übrigens nicht. Nach kurzer Zeit schien ihm der seltsame Döbel wohl doch zu zappelig und er spuckte ihn einfach wieder aus und verschwand in den tiefen des Pools – der übrigens entstanden ist, weil deutsche Soldaten hier im Zweiten Weltkrieg eine Bombe haben fallen lassen. Ziel war eigentlich eine Brücke, ca. 50m flussaufwärts gewesen.Mit einem Lachen im Gesicht und einer bunten Mischung Fisch vor dem inneren Auge (Äsche, das „Biest“ sowie diverse kleinere Bafos, eine Regenbogenforelle, eine Meerforelle, ein Döbel und fast eine Hecht) machte ich mich dann schleunigst auf den Weg Richtung Ardennen, um dort auf Rodtrip (oder zumindest einen Teil des Teams) zu treffen.

Unser gemeinsamer Tag in einem ruhig gelegenen Tal verlief gegen meinen ereignisreichen Morgen fast ‚unspektakulär‘. Wären da nicht die für diese Jahreszeit vielen Sedges auf dem Wasser gewesen! Wir konnte eine Reihe schöner Bachforellen gezielt mit der Trockenen anwerfen und auch deshalb ein paar nette Sequenzen mit unseren Videokameras einfangen. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt, sind die bisherigen Produktionen von Mathias und Jeremy doch allesamt sehr schön anzusehen und kurzweilig geschnitten. Der Tag war aber nicht nur deshalb etwas besonderes, sondern seit langem habe ich nochmal in einer malerischen Kulisse, fernab von Trubel und Hektik in aller Ruhe gefischt. Seitdem der Pegel der Rur eine dortige Fischerei kaum möglich (oder zumindest wenig attraktiv) macht, treibe ich mich die meiste Zeit an viel bevölkerten und überwiegend urban-geprägten Gewässern rum.

Auch die kommenden Tage wird es eher Wald statt Stadt geben, denn es geht in die Eifel. Ich bin sehr gespannt, ob sich der erste positive Eindruck meiner neuen Vision ‚Cult‘ (#3 10.8 ft.) bestätigt. Von der ‚Rulla‚ bin ich jedenfalls schon restlos begeistert. Ich habe das 2er-Modell gewählt und obwohl es eigentlich für Schnüre der Klasse 6-8 vorgesehen ist, balanciert die Rolle die lange Rute perfekt aus. Was die Fischerei angeht, bin ich hingegen noch ein wenig skeptisch. Leider haben die Regenfälle nicht wirklich gereicht, um die Pegel der nördlichen Eifelgewässer steigen zu lassen. Aber ich denke, dass es so oder so zwei ereignisreiche Tage werden und hoffe, dass Ihr auch ans Wasser kommt!

 

 





Stirnrunzeln

15 04 2014

von Alex

Mein April ist bisher ziemlich besch…eiden. Und dies hat rein gar nichts mit der Fischerei zu tun, denn die junge Saison ist bisher mit Abstand die beste der letzten Jahre (dazu später mehr). Nein, es sind die ’normalen‘ Dinge des Lebens, die meine Stirn derzeit wiederholt in Falten legen. Zum 1. Mai ziehen wir um, nur wenige Straßen weiter haben wir eine neue Bleibe gefunden. Warum sollte man auch aus Aachen verschwinden? Die Stadt liegt zwar nicht direkt am Fluss, aber dafür in der ‚Mitte‘ von allem, was das Fliegenfischerherz begehren kann. Nur wenige Straßen weiter bedeutet dennoch das volle Stress-Paket: Nachmieter suchen, unterschiedlichste Renovierungsarbeiten, unzählige Fahrten zu Baumärkten und Einrichtungshäusern, ausgedehnte Putz-Sessions (ich schwinge die Dampfente mittlerweile beinahe so routiniert wie meine Rute), logistische Herausforderungen, leidiger Papierkram und strapazierte Nerven…

In der kommenden Woche wird sich diese unangenehme Lage dann aber hoffentlich wieder etwas entspannt haben und ich komme nochmals länger an den Fluss. Über die Häufigkeit der Ausflüge seit Mitte März kann ich mich keineswegs beschweren, aber zuletzt waren es leider immer nur sehr kurze Stippvisiten in Eifel und Wallonie, die gerade so reichten, um 2-3 Stellen intensiv zu befischen. Dafür können sich die Ergebnisse allerdings sehen lassen! Der erste Monat ist bisher – in Abgleich mit meinen Notizen der letzten Jahre – der fischreichste, zumindest was den gezielten Fang von Großforellen angeht. Über Exemplare zwischen 40 cm und 60 cm durfte ich mich bisher in beinahe erschreckender Regelmässigkeit freuen. Insbesondere mit meinem belgischen Freund Kristof lief es fantastisch und er konnte bereits letzte Woche unser gemeinsames Ziel für 2014, die magische Marke von 70 cm, mit einer Punktlandung knacken, nachdem ich die Tage zuvor drei Kontakte an unterschiedlichen Stellen mit diesen Ausnahmefischen nicht verwerten konnte. Da gilt es gut aufzupassen, sich nicht an diese Erlebnisse und Fänge zu gewöhnen. Ich bin mir sicher, dass noch viele Wochen kommen werden, in denen ich unzählige Nymphen über den Grund rollen lassen werde und mich Haare raufend frage, wo sich denn die ganzen ‚Guden‘ (so würde mein fränkischer Freund Fabian jetzt wohl sagen) versteckt haben. Bis dahin heißt es aber noch: Fischen und Genießen!

Das Schönste an der ganzen Sache ist, dass ich bisher die meisten Bachforellen auf Sicht mit der Trockenfliege anfischen konnte. Und falls dies nicht der Fall war, dann waren einige Rotgetupfte glücklicherweise nach dem ‚hochwasserlosen‘ Winter noch an den ‚Hotspots‘ des Vorjahres anzutreffen – oder zumindest in der unmittelbaren Nähe. Dies gilt insbesondere für die Rur. Hier habe ich zwei Fische über 50 cm landen können, die ich aus 2013 kannte. Beide haben sich in der Zwischenzeit kaum verändert. Ganz anders eine Bachforelle, die ein Kursteilnehmer vor etwa 2 Wochen überlisten konnte: Sie maß exakt 60 cm und war so dunkle, wie ich es nie zuvor gesehen habe. Lediglich an der Unterseite war noch ein satter gelber Streifen. Zum Rücken hin ging die Pigmentierung in ein dunkles oliv und ein sattes schwarz über. Abgesehen von der Farbe kam sie mir aber direkt bekannt vor. Zuhause am Rechner stöberte ich also in meiner Fotosammlung und stolperte über eine Aufnahme von 2011. Der gleiche Fisch! Ganz eindeutig! Allerdings war er in der Zwischenzeit knapp 4 cm gewachsen und hatte sich eine Kurve weiter flussabwärts eingestellt. Schön zu sehen, dass er noch das Gewässer und nicht eine Kühltruhe sein zu Hause nennen darf.

Und damit komme ich zu einem Aspekt, über den ich schon lange nachgedacht habe und aus dem ich gewisse Konsequenzen für mich und FLY.BEI ziehen werde. Der traurige Hintergrund ist die in diesem Jahr sehr hohe Dichte an Schwarzanglern und ‚Petri-Jüngern‘, die alle Reglements der Gewässer und grundlegende Werte eines jeden gesunden Menschenverstandes bewusst mit Füßen treten. Beinahe jeder aus meinem Freundeskreis hat mir von Begegnungen mit Anglern berichtet, die an den von uns befischten Gewässern entweder gänzlich ohne Erlaubnisscheine unterwegs waren, oder aber trotz eindeutiger Vorgaben dennoch mit Spinn- oder sogar Lebenködern auf ‚Fly-Only-Strecken‘ zu Gange waren. In den Bäumen der Rur habe ich Spinner, Wobbler und Twister gefunden. Freunde entdeckten bei ihrem Ausflug gar ein Tandem aus Spinner und Streamer. An einem andere Fluss wurden Widerhaken nicht angedrückt, ‚No-Kill-Abschnitte‘ werden von Kochtopfanglern (der Ausdruck ist hier m.M.n. angebracht) heimgesucht. Auf höfliche Rückfragen wird meist patzig oder gar aggressiv reagiert, von Einsicht keine Spur! Das sogenannte i-Tüpfelchen für mich persönlich ist dabei allerdings, dass bei diesen Vergehen nun schon zwei Mal Angler aus Aachen (zum Glück gibt es bei uns, anders als in Belgien, Autokennzeichen die eindeutig auf den Wohnsitz schließen lassen) involviert waren. Als deutscher Staatsbürger, der sich aber sehr viel im euregionalen Grenzgebiet bewegt, muss ich mich hier nicht nur für diese ‚Landsleute‘ – wir genießen ohnehin nicht den besten Ruf in Belgien und Holland – schämen, sondern mir vielleicht auch als Blogger, der insbesondere über dieses Einzugsgebiet schreibt, einige Vorwürfe machen. Oder mir im Hinblick auf meine Arbeit hier zumindest kritische Fragen stellen:

  • Wie viele Informationen gebe ich auf dieser Seite an ein größtenteils annonymes Publikum weiter?
  • Wie genau schildere ich meine Erlebnisse?
  • Welche Fotos verwende ich, welche Fotos sollte ich besser nicht posten?
  • Welche Empfehlungen spreche ich aus, welche Ratschläge erteile ich?

Was hinter diesen und vielen weiteren Fragen steckt ist nicht die ‚Angst‘, dass andere Angler (ich grenze dies bewusst nicht auf Fliegenfischer ein) ‚meine‘ oder ‚unsere‘ Flüsse und Gewässer befischen. Im Gegenteil! Nur durch dieses Projekt hier bin ich mit vielen gleichgesinnten Fliegenfischern in Austausch getreten, es sind einige Bekanntschaften entstanden und feste Freundschaften gewachsen. Zudem habe ich mich auf unterschiedlichen Ebenen – natürlich auch fischereitechnisch – weiterentwickeln können. Es geht also vielmehr darum, dass die durch mich zur Verfügung gestellten Informationen für Dinge missbraucht werden können, mit denen ich mich nicht identifizieren kann und will. Und wenn dies darüber hinaus noch durch Personen aus meiner Heimatstadt geschieht, dann muss ich mir als bloggender Fliegenfischer hier einer gewissen Verantwortung bewusst werden. Ich werde daher künftig bei der Auswahl meiner Fotos und bei der Formulierung meiner Texte für FLY.BEI ein wenig mehr auf ‚Details‘ achten und eine Balance finden müssen.

Warum schreibe ich all das überhaupt? Ich könnte ja auch einfach unkommentiert auf diese Vorfälle reagieren und unbemerkt Konsequenzen für mich persönlich ziehen. Nunja, erstens, weil ich ziemlich sauer bin und meinem Ärger irgendwie Luft machen möchte. Zweitens, und dies ist der wichtigere Grund, um das Thema ‚Schwarzangler‘ generell hier noch einmal anzuschneiden. Zum Glück haben auch andere dies in der jüngeren Vergangenheit getan. Denn seit diesem Jahr gibt es endlich Gewässeraufseher an der Rur in Monschau. Es wurden zudem längst überfällige Schilder montiert, die darauf hinweisen, dass die „Fischerei ohne gültigen Fischereischein“ (diese Formulierung hätte noch eindeutiger gewählt werden können!) nicht gestattet ist. Auch in Ostbelgien werden an mehreren Flüssen nun regelmässig Kontrollen durchgeführt. Ich habe mittlerweile immer eine entsprechende Berechtigung bei mir. Die Frage, die ich jetzt hier aber zur Diskussion stellen möchte ist, wie man in konkreten Situationen reagieren kann/darf? Im Grunde haben wir kaum Möglichkeiten, das bewusste (!) Fehlverahlten anderer zu sanktionieren. Ein belgischer Freund im besten Rentenalter sprach bei einer Feierlichkeit in unserem Verein nach ein paar Gläsern Wein neulich davon, dass ein paar ‚Backpfeifen‘ immer noch die beste Lektion für solche Leute seien. Und auch wenn ich ihm lachend zugestimmt habe weiß ich doch, dass dies nicht der Weg ist. Daher Frage an Euch: Wie läuft es an Euren Gewässern? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? 

Ich würde mich wirklich freuen, hier ein paar Antworten zu lesen! Vielleicht könnt Ihr mir nicht bei meinem Umzug, aber zumindest bei diesem Stirnrunzeln helfen.





Friday Night Movies #1

7 03 2014

von Alex

Als wären die letzten Wochen vor dem Saisonstart nicht schon immer „busy“ genug, geht es in diesem Jahr richtig drunter und drüber. Man könnte sagen, dass ich an allen Fronten kämpfe, oder zumindest an/auf ein paar Baustellen arbeite. Einige Eckdaten für Trips und Workshops sind noch zu fixieren, drei in Kürze anlaufende Flifi-Projekte verlangen meine Aufmerksamkeit und zwei neue Webseiten (ja, auch eine für FLY.BEI) wollen konzeptionalisiert, designed und umgesetzt werden (dazu bald mehr). Und da wartet auch noch ein ellenlanger Artikel zum Nymphenfischen mit Bissanzeiger darauf, endlich veröffentlicht zu werden. Und …. und… und… Nebenher muss auch noch eine Fliegendose bzw. gleich mehrere Fliegendosen befüllt werden. Eigentlich hatte ich mir dabei fest vorgenommen, meine Auswahl an Mustern noch weiter zu reduzieren. Ich weiß, dass ich mit 4-5 unterschiedlichen Fliegen erfolgreich übers Jahr kommen würde.  Aber wie das so ist, habe ich vor ein paar Wochen aus einer Laune heraus angefangen zu experimentieren. Insbesondere für Nymphen bin ich auf einige interessante Materialien gestoßen. Rausgekommen ist ein bunter Mix aus 300 vornehmlich schlanken Nymphen in den Größen 14 und 16. Nachdem ich vor wenigen Tagen in Belgien war und dort Bachforellen im klaren Wasser und bei sehr niedrigem Pegel habe Nymphen sehen, sind sogar noch ein paar Varianten gänzlich ohne Kopfbeschwerung hinzu gekommen. So etwas hat es Anfang der Saison bei mir noch nie gegeben! Sobald ich in der kommenden Woche meine neue Kamera – eine Sony Alpha 77 – erhalten habe, werde ich hier ein paar Fotos des fein säuberlich aufgereihten Bestandes posten. Da die neue Kamera überdies ausgezeichnete Videoqualitäten besitzt, wird es künftig auch Bindevideos zu sehen geben. Eine Fliege pro Monat habe ich mir vorgenommen. Dass sollte machbar sein, habe ich mich doch bei Mouche Passion ohnehin bereit erklärt, sechs saisonale Muster im Rahmen unserer Bindeabende in der Nähe von Eupen vorzustellen. Apropos Bindeabend: das erste Treffen des Aachener Fliegenfischerstammtischs (ich brauche noch immer eine passendere Bezeichnung hierfür) im Jahr 2014 liegt bereits ein paar Wochen zurück. Wir waren diesmal 12 Leute und das, obwohl einige noch kurzfristig absagen mussten. Besonders gefreut hat mich, dass wir ein paar neue Gesichter begrüßen durften und sich einige von ihnen direkt vom Fliegenbinden haben begeistern lassen. Ein nächstes Treffen schlage ich hiermit übrigens Ende März/Anfang April vor. Termine werde ich wieder per Mail und in der Gruppe auf Facebook vorschlagen. Falls Ihr Euch ebenfalls über Termine informieren lassen möchtet, schreibt mir einfach eine kurze Mail (kontakt@flybei.de) und ich setze Euch in unseren Mail-Verteiler. Jetzt aber endlich zum Titel und eigentlichen Thema dieses Postings: Friday Night Movies #1

Auf der Facebookseite von FLY.BEI versuche ich möglichst täglich ein Video zum Thema ‚Fliegenfischen‘ zu posten. Das klappt meistens auch ganz gut, haben doch sowohl Qualität als auch Menge dieser medialen Erzeugnisse in den letzten Jahren rasant zugenommen. Unter dem Motto Friday Night Movies werde ich eine Auswahl dieser Netzfunde nun wöchentlich ebenfalls hier posten, ggf. versehen mit ein paar Hintergrundinformationen zu den Videos. Anfangen möchte ich heute mit folgender Zusammenstellung und wünsche Euch an diesem Freitagabend viel Spaß beim Schauen:

.1. PIKE ON THE FLY

Diese Bilder wurden in den lezten Wochen und Monaten von Brian und Vincent gedreht und belegen eindrücklich, welch tolle Hechtreviere wir in unserer näheren Umgebung haben. Auch wenn die Fischerei auf den großen Gewässern nicht ganz einfach ist (Ortskenntnisse sind hier das A und O), ist die Fischerei vom Bellyboot und mit schwerem Gerät immer überaus interessant und spannend. An einem der lezten stürmischen Tage vor der Schonzeit war ich mit Vincent unterwegs und wir konnten einige sehr schöne und kampfstarke Hechte landen, darunter diese ‚Big Mama‘ mit 110cm für meinen niederländischen Freund!

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Vincent.

2. JAZZ AND FLYFISHING – S02 E01

Endlich ist sie da! Die zweite Staffel von Jazz and Fly Fishing. Wie immer gibt es nicht nur schöne Bilder, sondern auch gute Musik und Witz der symphatischen Skandinavier. Ich freu mich schon auf die nächsten Episoden!

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3. CASTING A VOICE

In diesem 35-minütigen Film geht es primär nicht ums Fliegenfischen, sondern insbesondere um die Verantwortung, die wir gegenüber unserer Umwelt und unseren Gewässern haben. Außerdem um das Engangement einiger Fliegenfischer, sich für den Erhalt dieser Gewässer und ihrer Bewohner einsetzen. Konkret, um den Skeena River als „the last bastion of wild steelhead.“

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4. OBSESSION

Um wilde Forellen geht es auch in diesem Video. Eindrücklich wird verdeutlicht, wie eine Vielzahl kleiner Faktoren darüber entscheiden, ob wir bei der Pirsch auf Großforellen letztlich erfolgreich sind oder nicht. Im letzten Jahr habe ich mir ebenfalls zu beinahe jedem Ausflug Notizen gemacht, solltet Ihr unbedingt auch einmal ausprobieren!

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5. FLY FISHING LAPLAND (PART 2)

Die Jungs von Rodtrip waren im lezten Jahr in Lappland unterwegs. Nach dem ersten Teil ihres dabei entstandenen Videos ist nun die zweite Hälfte erschienen. Ich habe Mathias und Jeremy von Rodtrip Ende Januar auf der Messe in Charleroi kennengelernt und werde ihnen sicherlich dieses Jahr noch das ein oder andere Mal über den Weg laufen.





Bleistift vs. Besenstiel

13 12 2013

von Alex

Kennt Ihr das? Ihr fischt das halbe Jahr primär mit der leichten 5er oder 4er Rute am Fluss und geht dann auf die erste Hechtpirsch? Oder andersrum: Ihr stellt im Spätherbst regelmäßig den Hechten nach und habt dann doch noch einmal die Möglichkeit auf Winter-Äschen zu fischen? Nicht nur, dass die Gewässer und Techniken nicht vergleichbar sind. Nein, zu allererst sind es schon vor dem ersten Wurf die Ruten, an denen man große Unterschiede bemerkt. Zumindest ging es mir vor ein paar Tagen wieder so.

Nach fast 30 Ausflügen an Seen und Kanäle in den Niederlanden zog es mich aufgrund des strahlenden Sonnenscheins und eines interessanten Wasserstandes noch einmal für ein paar morgendliche Stunden an den Fluss. Aber nicht nur, weil die Bedingungen passend zu sein schienen machte ich mich auf den Weg in die kalte Eifel. Vorallem, weil ich endlich meine „neue alte“ Guideline LeCie in Klasse 3 testen wollte. Ich hatte das skandinavische Leichtgewicht mit 10ft. vor ein paar Wochen glücklicherweise von einem Bekannten erwerben können, bisher aber leider keine passende Gelegenheit gefunden, das nicht mehr produzierte Stöckchen intensiv auf seine Praxistauglichkeit hin zu untersuchen.

Und dann stand ich da. Bei -2 Grad, die gerade aufgegangene Sonne im Nacken, den knirschenden Bodenfrost unter den Watschuhen und mit diesem fast vergessenen Gefühl: Wie geil filigran kann Fliegenfischen eigentlich sein?! Natürlich waren es auch die spärliche 16er Nymphe und das feine Tippet, welche dieses Gefühl bereits beim Montieren mit den steifen Fingern in ein Lächeln auf meinem Gesicht verwandelten. Aber insbesondere die neue Rute war es, die mich stark an einen Bleistift oder einen Zauberstab in meiner Hand erinnerte. Und dabei ist meine neue Kombi für die Jagd auf Entenschnäbel schon sehr leicht gewählt und wesentlich sensibler, als noch das Besenstiel-Gespann aus Rute und Rolle zuvor. Und dennoch: Die 3er Rute in der Rechten ist doch etwas ganz, ganz, ganz anderes als eine 8er!

Leider verpufft dieser „aha-Effekt“ nach nur wenigen Minuten wieder, denn dann hat man sich an das federleichte Etwas schon gewöhnt. Und als wäre das nicht genug, fühlte ich mich beim Nymphenfischen seltsamerweise schnell wieder an den jährlichen Saisonstart erinnert. Denn nach nur einer Stunde merkte ich meine Schulter, wo ich doch bereits nach den ersten Ausflügen im März den ganzen Tag mühelos und ohne Pause mit erhobenem Arm fischen kann. Der menschliche Körper vergisst schnell (lernt zum Glück aber auch schnell wieder hinzu). Jeder Neuling beim Fliegenfischen und jeder, der mit diesen speziellen Techniken beim Trocken- oder Nymphenfischen zum ersten Mal in Berührung kommt, weiß wovon ich hier spreche 😉

Aber zurück zur Rute: Ich war begeistert! Noch einen Tick feinfühliger als meine 10 ft. Klasse 4 und gleichzeitig ebenwürdig beim Transport beschwerter Nymphen – selbst zwei gleichzeitig gefischte Tungstenköpfe mit 3,5mm und 3mm waren auf die kurzen Distanzen kein Problem! An den ruhigeren Passagen präsentierte die 3er hingegen ohne Mühen eine kleine Klinkhammer am Springer mit einer 14er oder 16er Nymphe am Point (auch hier Tungstenköpfe). Und abgesehen davon, war ich insbesondere von den Drilleigenschaften des langen Leichtgewichts fasziniert, verlor ich doch nur eine der Äschen nach dem sanften Take und dem Setzen des Hakens. Ich behaupte, dass es mit leichten Ruten gerade bei der Fischerei mit der Nymphe und beim Einsatz feiner Vorfächer wesentlich weniger Aussteiger gibt als beispielsweise mit einer sogenannten „Allround-Rute“. Achwas, das brauche ich gar nicht zu behaupten, ich denke, dass die meisten von Euch dies als gut begründete Feststellung so unterschreiben würden 🙂

Mein Tipp daher für alle die noch nach dem passenden Tackle für nächste Saison suchen: Möchtet ihr gezielt mit der Nymphe an der kurzen Leine Fischen? Holt Euch eine leichte, mindestens 9,6 ft. lange Rute (Midflex schlägt hier Tipflex) in Klasse 3 oder 4! Lasst Eure 5er oder gar 6er Rute getrost zu Hause und erlebt eine unvergleichlich feinfühligere Fischerei am Fluss. Und keine Angst, Reserven haben auch diese Geräte „en masse“, so dass Salmoniden ü50 bei weitem keine unlösbare Aufgabe darstellen. Die größte Bachforelle in der letzten Saison an meiner Fario maß 58cm und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, sie nicht schnell und sicher ausdrillen zu können. Habt Vertrauen in Eure Rute, an ihr wird es mit Sicherheit nicht scheitern.

Apropos (ja, dieser Übergang liest sich jetzt vielleicht thematisch nicht ganz passend): Nach dem überraschenden Bruch des Handteils meiner 8er LPXe RS V2 habe ich innerhalb von nur wenigen Tagen ein neues Teil aus dem Hause Guideline bekommen. Da eine Rute normalerweise niemals an dieser Stelle brechen darf, wurde mir der Austausch nicht einmal in Rechnung gestellt. Natürlich gehört hier neben einer kundenfreundlichen Garantiepolitik auch ein kommunikativer Händler dazu. Mein Dank geht daher nicht nur nach Schweden, sondern zunächst nach Bedburg-Hau am Niederrhein und nach Peine für die schnelle und reibungslose Abwicklung. Ohne diesen vorbildlichen Service hätte ich die schönen Hechte der letzten Tage vermutlich nicht gefangen!

Ja, schön waren sie wirklich. Insbesondere zwei Exemplare ü80 cm, die ich wieder mit einem beschwerten Streamer im Barsch-Look verführen konnte. Wird Zeit, dass ich mich wieder mit Bucktail in weiß, grün und orange eindecke, denn der ein oder andere 6/0 und 4/0 Haken hat schon wieder meinen Bindestock verlassen. Dabei war ich doch gerade erst shoppen bzw. habe meine Weihnachts-Wunschliste abgehakt. Was drauf stand? Einiges! Dazu aber in einem späteren Beitrag mehr 😉

Die farbenfrohen Fotos dieser Galerie verdanke ich Max von Troutstalking.





Der Meter-Bart

9 11 2013

von Alex

Die Forellensaison 2013 liegt nun bereits ein paar Wochen hinter uns. Wie die Zeit wieder verflogen ist! Ich erinnere mich noch genau an den kühlen Start im März bei leichtem Schneefall und an die ersten großen rotgetupften Fettflossen auf Nymphe und Streamer im eiskalten Wasser der belgischen Wallonie. Glück hat, wer jetzt noch an bestimmten Gewässern gezielt auf Äschen fischen darf. Ich versuche – wenn Pegel und Herbstwetter mitspielen – dies an unterschiedlichen Strecken in D und B zu tun, aber nicht mehr in der Regelmässigkeit der letzten Monate. Denn für mich, und wohl auch die meisten Fliegenfischer unter Euch, gibt es ein Widersehen mit den Salmoniden unserer Regionen erst wieder im Frühjahr nächsten Jahres. Die Fischerei auf Äschen vom verschneiten Ufer aus werde ich aber hoffentlich noch vorher erleben dürfen 😉

Rückblickend kann ich sagen, dass dieses Jahr aus fischereilicher Sicht unterm Strich für mich das beste bisher überhaupt war. Auch wenn die Wasserstände sehr unkonstant waren, habe ich so viele stattliche Bachforellen wie nie zuvor fangen dürfen. Über 20 Forellen hatten die Marke von 50cm überschritten, drei davon waren größer als 60cm. Auch die Äschenpopulationen der von mir befischten Gewässer haben sich weiter stark verbessert, dies belegen zahlreiche Fahnenträgerinnen über 40cm in meinen Augen eindrücklich. Zudem ist es schön zu sehen, dass die 3-jährigen Äschen mittlerweile selbstständig einen gesunden Nachwuchs im Gewässer produzieren können.

Seit Ende September/Mitte Oktober steht nun aber ein anderer Fisch im Fokus meines Interesses: wie in der Vergangenheit widme ich einen Großteil meiner freien Stunden in der kalten Jahreszeit Esox lucius. Ich kann es nicht anders sagen: Hechtfischen macht süchtig! Ich weiß nicht ganz genau woran es liegt, aber im Vergleich zu einem Ausflug an Rur oder in die Wallonie, ist die Vorfreude auf einen Hechttrip (und seien es nur 2-3 Stunden vor oder nach der Arbeit) immer besonders groß. Vielleicht liegt es an der Unberechenbarkeit der Hechte. Wenn ich in den Fluss steige weiß ich in etwa was mich erwarten und wie der Tag verlaufen wird. Richtige Überraschungen gibt es selten. Gerade zum Ende der Saison ertappe ich mich ab und an dabei, dass insbesondere das Fischen mit der Nymphe auf mich wie eine Art entspanntes „Routine-Programm“ wirkt. In beinahe meditativer Gelassenheit bewege ich mich stromaufwärts und fische Drift um Drift, wiederhole immer wieder die gleichen Bewegungsabläufe. Ganz anders das Hechtfischen. Ich vergleiche es gerne mit einer Fahrt in der Geisterbahn oder mit dem Schauen eines Horrorfilms: Du weißt, dass jederzeit etwas Plötzliches passieren kann, was Dich mit rücksichtsloser Entschlossenheit vom Sofa oder hier, aus der monotonen Bewegung des Strippens, reißen wird. Was Du aber nicht weißt ist, „wann“ es passieren wird. Dies resultiert meines Erachtens in einer unberechenbaren Spannungskurve und erzeugt eine ungewisse Atmosphäre, die ich bei keiner anderen Fischerei auf hemische Fische bisher erlebt habe. Es ist also vielleicht eine Sucht oder besser, eine aktive Suche nach einem plötzlichen Adrenalinausstoß – auch wenn dieser bei mir in den letzten Jahren mit Sicherheit etwas nachgelassen hat.

Hechtwetter_00

96cm Kraft

Diese nervenkitzelnde „Fahrt in der Geisterbahn“ führte mich in den letzten Wochen an unterschiedliche Seen und Poldergewässer, vornehmlich in den nahen Niederlanden. Zwar ist das System des niederländischen Vispass auf den ersten Blick nicht ganz leicht zu verstehen (dazu in einem kommenden Beitrag mehr), aber für ein relativ geringes Budget stehen dem Fliegenfischer nach anfänglicher Orientierungsphase unzählige Gewässer zur Verfügung. Ich habe mittlerweile eine Sammlung von drei Lizenzen unterschiedlicher Provinzen (zzgl. Karten kleinerer Vereine) und könnte Jahre damit verbringen, alle aussichtsstreichen Wasser zu erforschen. Gefischt habe ich während meiner Besuche entweder gemeinsam mit Marc von unserem immer weiter aufgerüsteten DIY-Boot, oder aber watend im flachen Uferbereich. Mit den zunehmend fallenden Temperaturen ziehen die Hechte in den Seen jedoch immer mehr in die etwas tieferen Bereiche. Daher throne ich derzeit am liebsten gemütlich auf meinem neuen Bellyboot. Die Fischerei ist nicht nur sehr entspannt und ich habe im Vergleich zum „normalen“ Boot das Gefühl, noch dichter am Fisch zu sein, sondern auch die Scheuchwirkung ist sehr gering und ich habe unbeschränkte Möglichkeiten des Ein-/Ausstiegs ins Gewässer. Dies ist gerade an den Maasplassen interessant, denn die meisten Bootsrampen sind gebührenpflichtig (zwischen 5 und 18 Euro) und einige fischreiche Seen sind gar nicht erst an den Juliankanal bzw. die Maas angeschlossen.

Warum ein neues Bellyboot? Ich hatte doch bereits eines. Absolut richtig, aber zum einen haben sämtliche Reißverschlüsse meines alten, bedingt durch das Salzwasser vor Rügen und in Ostvoorne, mittlerweile ihren Dienst quittiert und zum anderen habe ich nun mit einem zweiten Boot die Möglichkeit, meine Hechtkurse und Workshops in den Niederlanden noch flexibler gestalten und weitere Gewässer anbieten zu können. Ich habe mich wie vor einigen Jahren wieder für das Guideline „Drifter“ entschieden, allerdings für die aktualisierte Version des Modells. Es ist meiner Meinung nach nicht nur optisch ansprechender, sondern hat auch in Sachen „Funktion“ eine Generalüberholung erhalten (zu den Unterschieden der beiden Modelle mehr in einem künftigen Beitrag). Fest steht, dass ich diesmal sorgfältiger darauf achten werde, nach jedem Kontakt mit Salzwasser das Boot gründlich zu reinigen 😉 In den kommenden Tagen wird das Drifter noch um eine Halterung für meinen Fishfinder (samt Batterie) und ein Stativ für meine Hero3 ergänzt. Auch denke ich über größere Flossen nach, nachdem ich zwei Mal mit Vincent von 0031 Flyfishing (sehr empfehlenswerter Blog!) fischen war und er mit seinen Flossen wesentlich schneller und entspannter unterwegs war.

Hechtwetter_10

Entspanntes Fischen vom Bellyboot

Bisher habe ich mich vom Bellyboot an den Seen hauptsächlich auf die Uferzonen und die offensichtlichen Kanten konzentrieren müssen. Mit dem Echolot werde ich künftig aber auch die tieferen Regionen gezielt befischen und nach großen Räubern in der Nähe von Schwärmen kleinerer Fische Aussschau halten können. Für diese Taktik werde ich mir noch eine neue Sinkschnur zulegen, denn meine alte hat nach dem mehrmaligen Kontakt mit Schiffsschrauben nicht nur zahlreiche Macken, sondern auch grundsätzlich ein Sinkverhalten, welches kein perfektes Führen des Streamers erlaubt. Statt sich in einer geraden Linie auf Tiefe zu bringen, entwickelt die Schnur einen Bauch der beim Strippen das unwohle Gefühl verursacht, lediglich in diesen Bauch zu strippen. Vom Pulsieren meines Köders spüre ich, im Gegensatz zum Fischen mit der Schwimmschnur, gar nichts! Abhilfe soll hier die Sixth Sense Di7 von Airflo schaffen. Ich habe sie auf Vincents Rute geworfen und war begeistert! Die Sinkschnur zeigt Dank der sog. „density compensation“ keinen oben beschriebenen Effekt und besitzt zudem einen kaum dehnbaren Schnurkern, der das Setzen des Hakens selbst in 3-5 Meter Tiefe ermöglicht.

Apropos Tackle: Wer Flybei auf Facebook folgt (und noch regelmässiger informiert wird) hat mitbekommen, dass ich in diesem Jahr – seit langem – noch einmal einige Anschaffungen getätigt habe. Dies betrifft auch das Hechtfischen, denn mit der Guideline LPXe RS V2 in Klasse 8, allerdings in der blauen Variante, wurde meine Sage XI2 nach einigen Jahren treuer Dienste abgelöst. Im Vergleich zur Sage besitzt die Guideline ein wesentlich geringeres „gefühltes“ Wurfgewicht und eine sensiblere Spitze, welche das Laden der Rute insbesondere auf kurze Distanzen (z.B. in Poldergewässern) unterstützt. Auch bei der Rolle wollte ich Gewicht einsparen und habe meine Danielsson LW 6nine durch eine Guideline Haze V2 ersetzt. Ich besitze die Rolle mittlerweile in drei Größen und bin von Technik und Design absolut begeistert! Als Schwimmschnur war ich lange zwischen einer Guideline Bullet und einer Guideline Pike hin und her gerissen, habe mich letzten Endes aufgrund der noch kürzeren und agressiveren Keule aber für die Bullet (in Klasse 9) entschieden. Um die „Pike“ bin ich aber dann doch nicht ganz drumrum gekommen, denn sie bestückt nun eine E-Spule, allerdings als Sinktip. Eine fantastische Schnur von der ich restlos begeistert bin und nicht verstehen kann, warum ich so wenig darüber gelesen habe. Sie wirft sich so bequem wie eine Schwimmschnur und fühlt sich in der Führung des Streamers auch beinahe so an. Mit dem gewichtigen Unterschied, dass sie eine etwa 3 Meter lange bzw. kurze sinkende Keule (ich habe die SINK3, also 3 Inch/Sekunde, gewählt) und eine intermediale Runningline besitzt. Wenn man den Streamer damit unmittelbar nach dem Aufsetzen einstrippt, fischt man lediglich 50cm bis 100cm unter der Oberfläche. Wartet man jedoch ein klein wenig, kann man Tiefen bis maximal 3 Meter abdecken, ohne dabei den unmittelbaren Kontakt zum Streamer zu verlieren. Gerade bei starkem Wind und Wellengang, oder bei herbstlichem Laub auf dem Wasser meine derzeit erste Wahl und eine ideale Lösung zwischen Schwimm- und klassischer Sinkschnur. Ein weiterer Vorteil: Ich kann beinahe unbeschwerte Streamer, die sich noch leichter werfen lassen, im Gegensatz zur Fischerei mit der Schwimmschnur etwas weiter unter der Oberfläche anbieten. Dies ist an den flachen Poldergewässern in der kürzeren Vergangenheit sehr häufig erfolgreich gewesen.

Ohnehin ist die Fischerei auf Hecht bisher überaus positiv gelaufen, was gewiss auch am passenden Hechtwetter der letzten Wochen liegen mag. So konnte ich seit Ende der Forellensaison bisher 47 Hechte verbuchen – und selbstverständlich schonend, fehlende Widerhaken machen es möglich, releasen. Darunter waren natürlich einige Hechte unter 70cm aber auch ein paar über 80cm und ein sehr stattliches Exemplar von 96cm Länge. Leider hat dieses wohlgenährte Weibchen mich aber noch nicht von meinem Vollbart befreit, denn der wird erst wieder gestutzt, wenn die Metermarke geknackt ist. Obwohl… mittlerweile habe ich mich schon ein wenig dran gewöhnt. Einen „Meter-Bart“ wird es aber hoffentlich nicht geben. Der Winter ist ja noch lang und es sind bereits einige Trips geplant.








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