Friday Night Movies #1

7 03 2014

von Alex

Als wären die letzten Wochen vor dem Saisonstart nicht schon immer „busy“ genug, geht es in diesem Jahr richtig drunter und drüber. Man könnte sagen, dass ich an allen Fronten kämpfe, oder zumindest an/auf ein paar Baustellen arbeite. Einige Eckdaten für Trips und Workshops sind noch zu fixieren, drei in Kürze anlaufende Flifi-Projekte verlangen meine Aufmerksamkeit und zwei neue Webseiten (ja, auch eine für FLY.BEI) wollen konzeptionalisiert, designed und umgesetzt werden (dazu bald mehr). Und da wartet auch noch ein ellenlanger Artikel zum Nymphenfischen mit Bissanzeiger darauf, endlich veröffentlicht zu werden. Und …. und… und… Nebenher muss auch noch eine Fliegendose bzw. gleich mehrere Fliegendosen befüllt werden. Eigentlich hatte ich mir dabei fest vorgenommen, meine Auswahl an Mustern noch weiter zu reduzieren. Ich weiß, dass ich mit 4-5 unterschiedlichen Fliegen erfolgreich übers Jahr kommen würde.  Aber wie das so ist, habe ich vor ein paar Wochen aus einer Laune heraus angefangen zu experimentieren. Insbesondere für Nymphen bin ich auf einige interessante Materialien gestoßen. Rausgekommen ist ein bunter Mix aus 300 vornehmlich schlanken Nymphen in den Größen 14 und 16. Nachdem ich vor wenigen Tagen in Belgien war und dort Bachforellen im klaren Wasser und bei sehr niedrigem Pegel habe Nymphen sehen, sind sogar noch ein paar Varianten gänzlich ohne Kopfbeschwerung hinzu gekommen. So etwas hat es Anfang der Saison bei mir noch nie gegeben! Sobald ich in der kommenden Woche meine neue Kamera – eine Sony Alpha 77 – erhalten habe, werde ich hier ein paar Fotos des fein säuberlich aufgereihten Bestandes posten. Da die neue Kamera überdies ausgezeichnete Videoqualitäten besitzt, wird es künftig auch Bindevideos zu sehen geben. Eine Fliege pro Monat habe ich mir vorgenommen. Dass sollte machbar sein, habe ich mich doch bei Mouche Passion ohnehin bereit erklärt, sechs saisonale Muster im Rahmen unserer Bindeabende in der Nähe von Eupen vorzustellen. Apropos Bindeabend: das erste Treffen des Aachener Fliegenfischerstammtischs (ich brauche noch immer eine passendere Bezeichnung hierfür) im Jahr 2014 liegt bereits ein paar Wochen zurück. Wir waren diesmal 12 Leute und das, obwohl einige noch kurzfristig absagen mussten. Besonders gefreut hat mich, dass wir ein paar neue Gesichter begrüßen durften und sich einige von ihnen direkt vom Fliegenbinden haben begeistern lassen. Ein nächstes Treffen schlage ich hiermit übrigens Ende März/Anfang April vor. Termine werde ich wieder per Mail und in der Gruppe auf Facebook vorschlagen. Falls Ihr Euch ebenfalls über Termine informieren lassen möchtet, schreibt mir einfach eine kurze Mail (kontakt@flybei.de) und ich setze Euch in unseren Mail-Verteiler. Jetzt aber endlich zum Titel und eigentlichen Thema dieses Postings: Friday Night Movies #1

Auf der Facebookseite von FLY.BEI versuche ich möglichst täglich ein Video zum Thema ‚Fliegenfischen‘ zu posten. Das klappt meistens auch ganz gut, haben doch sowohl Qualität als auch Menge dieser medialen Erzeugnisse in den letzten Jahren rasant zugenommen. Unter dem Motto Friday Night Movies werde ich eine Auswahl dieser Netzfunde nun wöchentlich ebenfalls hier posten, ggf. versehen mit ein paar Hintergrundinformationen zu den Videos. Anfangen möchte ich heute mit folgender Zusammenstellung und wünsche Euch an diesem Freitagabend viel Spaß beim Schauen:

.1. PIKE ON THE FLY

Diese Bilder wurden in den lezten Wochen und Monaten von Brian und Vincent gedreht und belegen eindrücklich, welch tolle Hechtreviere wir in unserer näheren Umgebung haben. Auch wenn die Fischerei auf den großen Gewässern nicht ganz einfach ist (Ortskenntnisse sind hier das A und O), ist die Fischerei vom Bellyboot und mit schwerem Gerät immer überaus interessant und spannend. An einem der lezten stürmischen Tage vor der Schonzeit war ich mit Vincent unterwegs und wir konnten einige sehr schöne und kampfstarke Hechte landen, darunter diese ‚Big Mama‘ mit 110cm für meinen niederländischen Freund!

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Vincent.

2. JAZZ AND FLYFISHING – S02 E01

Endlich ist sie da! Die zweite Staffel von Jazz and Fly Fishing. Wie immer gibt es nicht nur schöne Bilder, sondern auch gute Musik und Witz der symphatischen Skandinavier. Ich freu mich schon auf die nächsten Episoden!

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3. CASTING A VOICE

In diesem 35-minütigen Film geht es primär nicht ums Fliegenfischen, sondern insbesondere um die Verantwortung, die wir gegenüber unserer Umwelt und unseren Gewässern haben. Außerdem um das Engangement einiger Fliegenfischer, sich für den Erhalt dieser Gewässer und ihrer Bewohner einsetzen. Konkret, um den Skeena River als „the last bastion of wild steelhead.“

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4. OBSESSION

Um wilde Forellen geht es auch in diesem Video. Eindrücklich wird verdeutlicht, wie eine Vielzahl kleiner Faktoren darüber entscheiden, ob wir bei der Pirsch auf Großforellen letztlich erfolgreich sind oder nicht. Im letzten Jahr habe ich mir ebenfalls zu beinahe jedem Ausflug Notizen gemacht, solltet Ihr unbedingt auch einmal ausprobieren!

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5. FLY FISHING LAPLAND (PART 2)

Die Jungs von Rodtrip waren im lezten Jahr in Lappland unterwegs. Nach dem ersten Teil ihres dabei entstandenen Videos ist nun die zweite Hälfte erschienen. Ich habe Mathias und Jeremy von Rodtrip Ende Januar auf der Messe in Charleroi kennengelernt und werde ihnen sicherlich dieses Jahr noch das ein oder andere Mal über den Weg laufen.

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Von magischen Äschen

4 02 2014

von Alex

In einem meiner letzten Beiträge habe ich von der winterlichen Fischerei auf Äschen berichtet. Wobei winterlich hier in 2013/14 lediglich meint, dass ich kalte Füße und eine rote Nase hatte. Denn wirklich winterlich, also so richtig mit Schnee und Eis und so, war es in den letzten Wochen/Monaten selbst in der tiefen Nordeifel nicht.

Dennoch hat auch diese nicht-so-richtig-winterliche Zeit etwas Besonderes. Der Fluss und sein Ufer scheinen in einen entspannten Halbschlaf gefallen zu sein und abgesehen von den durch Regenfälle schwankenden Pegeln ist es ruhig, auf den ersten Blick beinahe trostlos: Die karge und raue Landschaft, die laublosen und feuchten Bäume, der fehlende fröhliche Sing-Sang der Vögel und ein zumeist tiefhängender, grauer Himmel, der alles unter sich zu erdrücken scheint.

Aber manchmal, leider viel zu selten, reißt dieser triste Schleier auf. Die Sonne bahnt sich ihren Weg durchs Grau und alles wird ganz anders, beinahe ‚magisch‘. Das klare und kalte Wasser beginnt plötzlich in den hellsten Farben zu funkeln, die Schneeglöckchen leuchten zwischen den dunklen Tannen und die ersten winzigen Eintagsfliegen tanzen über die Wasseroberfläche. Und wenn man geduldig und aufmerksam am Ufer sitzt, dann darf man mit etwas Glück sogar eine ‚lady of the stream‘ beim vorsichtigen Steigen beobachten.

Genau solch einen ‚magischen‘ Moment erwischten Nino und ich, als wir vor ein paar Tagen spontan in die Eifel aufbrachen, statt uns ins Bellyboot zu schwingen und den niederländischen Hechten nachzustellen. Schon bei unserer Fahrt Richtung Süden wurden wir von der tief stehenden Sonne geblendet und wussten, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten – ganz gleich ob wir nun Äschen finden würden oder nicht. Noch auf dem steinigen Fußweg hinunter ins tiefe Tal versuchte ich unsere Hoffnungen und Erwartungen einzudämmen. „Wenn jeder von uns eine Äsche fängt bin ich vollkommen zufrieden, Hauptsache am Wasser!„, sagte ich zu Nino, der zu Besuch aus Frankfurt gekommen war und noch am Abend wieder abreisen musste.

Der Fluss führte eiskaltes Schmelzwasser und der erhöhte Pegel versprach eine schnelle und aktive Fischerei. Das Wasser war glasklar und auf dem Grund zeichneten sich die dunklen Schieferplatten deutlich ab, nur hier und da leuchtete ein gelber Kiesel. In den schattigen Ecken lag noch etwas Schnee und die Pfützen am Ufer waren mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Wir entschieden uns für einen Flussabschnitt, wo Tal und Nachmittagssonne auf einer Linie lagen. Denn nur hier erreichte das Licht die Sohle des Tals und wärmte Gesicht und Wasseroberfläche zugleich. Außerdem konnten wir dort trotz des erhöhten Pegels und einer schnellen Oberflächenströmung deutliche Vertiefungen im Flussgrund erkennen. Wir vermuteten, dass die Äschen am steinigen Grund klebten und entschieden uns für eine feine Nymphentechnik an der kurzen Leine, mit der man kontrolliert diese Rinnen erreichen konnte.

Ich fischte wieder mit meiner 10 ft. langen Guideline LeCie in Klasse 3, Nino hingegen eine LPXe mit 9 Füßen in der Klasse 5. Wir montierten einen Bissanzeiger aus farbigem Monofil am ca. 6 Meter langen Vorfach (dazu mehr im 2. Teil meines Artikels über Bissanzeiger) und entschieden uns für zwei unterschiedliche Nymphen aus den Restbeständen der letzten Saison: An den Springer kam eine 12er Nymphe mit 3,5mm Tungstenperle, einem gelblichen Körper aus ‚Polish Quill‚ und einem Schwanz aus Goldfasan. An den Point knüpfte ich eine schlichte 16er Pheasant-Tail mit 2,5mm Tungstenperle in pink, auf die wir uns letztlich Bisse erhofften.

Nino stand noch unter den Tannen am Ufer und bereitete dieses Setup vor, als ich mich bereits über die erste Äsche freuen durfte. Das ging ja viel schneller als zu erwarten war! Die Fahnenträgerin stand an der äußeren Strömungskante und hatte meine über den Flussgrund taumelnde PT bei der dritten, leicht verlangsamten Drift vorsichtig genommen. Der Biss war kaum zu sehen, lediglich ein leichter Impuls Dank gestrecktem Vorfach im Zeigefinger zu spüren. Und trotz der feinen Rute war der Drill der 35cm Äsche im schnellen Wasser (auch Dank 16er Monofil) überhaupt kein Problem und die Schönheit fand sich schnell und sicher in meinen nässen Händen wieder. Sie glänzte gewohnt silbrig, hatte aber einen beinahe schwarzen Rücken und am Bauch einen großen lila-roten Fleck. Bildhübsch! Besser konnte es für mich kaum werden.

Bevor ich mein Glück aber noch einmal versuchen durfte, war Nino erst einmal an der Reihe. Er begann mit der 5er Rute, wechselte dann aber schnell auf die 3er. Auch, um den Unterschied zwischen den beiden Rutentypen unter gleichen Bedingungen, bei gleicher Technik, gleichem Vorfachaufbau und mit gleichen Nymphen zu testen. Und tatsächlich, nur wenige Zentimeter flussaufwärts stand die nächste willige Fahnenträgerin und die filigrane LeCie bog sich abermals zum Halbkreis. Wieder war der Biss kaum zu sehen gewesen und wieder war es die einfache Fasanenschwanz, die uns eine wunderschöne Äsche bescherte.

In der Folge fingen wir in ein und derselben Rinne in kürzester Zeit noch ein paar weitere Äschen und fanden heraus, dass sie die Nahrung nicht nur grundnah nahmen, sondern auch aufsteigende Nymphen interessant fanden. Wir begannen unsere Driften zu verlängern, indem wir die Rute und den Bissanzeiger an uns vorbei stromabwärts führten, senkten die erhobene Spitze in der Geschwindigkeit des Wassers ab und ließen so am Ende die Nymphen ins Mittelwasser kommen. Gerade hier und mit diesem ‚Lift‘ fingen (und verloren) wir die schönsten Exemplare unseres kurzweiligen Nachmittags! Interessanterweise aber nicht auf die kleine PT, sondern auf die größere Imitation am Springer.

Nachdem wir die lange Rinne gründlich ausgefischt hatten, fischten wir noch kurz eine weitere, schnellere und wildere Passage. Hier standen die Äschen am strömungsärmeren Rand unter schützenden Ästen der Nadelbäume. Für uns bot sich nur hier da ein ‚Loch‘ im dichten Uferbewuchs, dies genügte aber, um die Nymphen in Position zu bringen und mit ganz flacher Rute auf Reise zu schicken.

Auf die Reise machten wir uns erst, als die schwächer werdende Sonne unseren Talabschnitt verließ und hinter den steilen Hügeln zu unserer Rechten verschwand. Unsere Zehen froren und schnell wurde es jetzt richtig kalt. Ganz anders wieder oben auf dem Kamm, als wir unseren Weg die Hänge hinauf gefunden hatten. Wir warfen noch ein paar letzte Blicke hinunter auf den dunklen Fluss und waren froh, ein paar ‚magische‘ Stunden an diesem nicht-so-richtig-winterlichen Winternachmittag erwischt zu haben.





Bleistift vs. Besenstiel

13 12 2013

von Alex

Kennt Ihr das? Ihr fischt das halbe Jahr primär mit der leichten 5er oder 4er Rute am Fluss und geht dann auf die erste Hechtpirsch? Oder andersrum: Ihr stellt im Spätherbst regelmäßig den Hechten nach und habt dann doch noch einmal die Möglichkeit auf Winter-Äschen zu fischen? Nicht nur, dass die Gewässer und Techniken nicht vergleichbar sind. Nein, zu allererst sind es schon vor dem ersten Wurf die Ruten, an denen man große Unterschiede bemerkt. Zumindest ging es mir vor ein paar Tagen wieder so.

Nach fast 30 Ausflügen an Seen und Kanäle in den Niederlanden zog es mich aufgrund des strahlenden Sonnenscheins und eines interessanten Wasserstandes noch einmal für ein paar morgendliche Stunden an den Fluss. Aber nicht nur, weil die Bedingungen passend zu sein schienen machte ich mich auf den Weg in die kalte Eifel. Vorallem, weil ich endlich meine „neue alte“ Guideline LeCie in Klasse 3 testen wollte. Ich hatte das skandinavische Leichtgewicht mit 10ft. vor ein paar Wochen glücklicherweise von einem Bekannten erwerben können, bisher aber leider keine passende Gelegenheit gefunden, das nicht mehr produzierte Stöckchen intensiv auf seine Praxistauglichkeit hin zu untersuchen.

Und dann stand ich da. Bei -2 Grad, die gerade aufgegangene Sonne im Nacken, den knirschenden Bodenfrost unter den Watschuhen und mit diesem fast vergessenen Gefühl: Wie geil filigran kann Fliegenfischen eigentlich sein?! Natürlich waren es auch die spärliche 16er Nymphe und das feine Tippet, welche dieses Gefühl bereits beim Montieren mit den steifen Fingern in ein Lächeln auf meinem Gesicht verwandelten. Aber insbesondere die neue Rute war es, die mich stark an einen Bleistift oder einen Zauberstab in meiner Hand erinnerte. Und dabei ist meine neue Kombi für die Jagd auf Entenschnäbel schon sehr leicht gewählt und wesentlich sensibler, als noch das Besenstiel-Gespann aus Rute und Rolle zuvor. Und dennoch: Die 3er Rute in der Rechten ist doch etwas ganz, ganz, ganz anderes als eine 8er!

Leider verpufft dieser „aha-Effekt“ nach nur wenigen Minuten wieder, denn dann hat man sich an das federleichte Etwas schon gewöhnt. Und als wäre das nicht genug, fühlte ich mich beim Nymphenfischen seltsamerweise schnell wieder an den jährlichen Saisonstart erinnert. Denn nach nur einer Stunde merkte ich meine Schulter, wo ich doch bereits nach den ersten Ausflügen im März den ganzen Tag mühelos und ohne Pause mit erhobenem Arm fischen kann. Der menschliche Körper vergisst schnell (lernt zum Glück aber auch schnell wieder hinzu). Jeder Neuling beim Fliegenfischen und jeder, der mit diesen speziellen Techniken beim Trocken- oder Nymphenfischen zum ersten Mal in Berührung kommt, weiß wovon ich hier spreche 😉

Aber zurück zur Rute: Ich war begeistert! Noch einen Tick feinfühliger als meine 10 ft. Klasse 4 und gleichzeitig ebenwürdig beim Transport beschwerter Nymphen – selbst zwei gleichzeitig gefischte Tungstenköpfe mit 3,5mm und 3mm waren auf die kurzen Distanzen kein Problem! An den ruhigeren Passagen präsentierte die 3er hingegen ohne Mühen eine kleine Klinkhammer am Springer mit einer 14er oder 16er Nymphe am Point (auch hier Tungstenköpfe). Und abgesehen davon, war ich insbesondere von den Drilleigenschaften des langen Leichtgewichts fasziniert, verlor ich doch nur eine der Äschen nach dem sanften Take und dem Setzen des Hakens. Ich behaupte, dass es mit leichten Ruten gerade bei der Fischerei mit der Nymphe und beim Einsatz feiner Vorfächer wesentlich weniger Aussteiger gibt als beispielsweise mit einer sogenannten „Allround-Rute“. Achwas, das brauche ich gar nicht zu behaupten, ich denke, dass die meisten von Euch dies als gut begründete Feststellung so unterschreiben würden 🙂

Mein Tipp daher für alle die noch nach dem passenden Tackle für nächste Saison suchen: Möchtet ihr gezielt mit der Nymphe an der kurzen Leine Fischen? Holt Euch eine leichte, mindestens 9,6 ft. lange Rute (Midflex schlägt hier Tipflex) in Klasse 3 oder 4! Lasst Eure 5er oder gar 6er Rute getrost zu Hause und erlebt eine unvergleichlich feinfühligere Fischerei am Fluss. Und keine Angst, Reserven haben auch diese Geräte „en masse“, so dass Salmoniden ü50 bei weitem keine unlösbare Aufgabe darstellen. Die größte Bachforelle in der letzten Saison an meiner Fario maß 58cm und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, sie nicht schnell und sicher ausdrillen zu können. Habt Vertrauen in Eure Rute, an ihr wird es mit Sicherheit nicht scheitern.

Apropos (ja, dieser Übergang liest sich jetzt vielleicht thematisch nicht ganz passend): Nach dem überraschenden Bruch des Handteils meiner 8er LPXe RS V2 habe ich innerhalb von nur wenigen Tagen ein neues Teil aus dem Hause Guideline bekommen. Da eine Rute normalerweise niemals an dieser Stelle brechen darf, wurde mir der Austausch nicht einmal in Rechnung gestellt. Natürlich gehört hier neben einer kundenfreundlichen Garantiepolitik auch ein kommunikativer Händler dazu. Mein Dank geht daher nicht nur nach Schweden, sondern zunächst nach Bedburg-Hau am Niederrhein und nach Peine für die schnelle und reibungslose Abwicklung. Ohne diesen vorbildlichen Service hätte ich die schönen Hechte der letzten Tage vermutlich nicht gefangen!

Ja, schön waren sie wirklich. Insbesondere zwei Exemplare ü80 cm, die ich wieder mit einem beschwerten Streamer im Barsch-Look verführen konnte. Wird Zeit, dass ich mich wieder mit Bucktail in weiß, grün und orange eindecke, denn der ein oder andere 6/0 und 4/0 Haken hat schon wieder meinen Bindestock verlassen. Dabei war ich doch gerade erst shoppen bzw. habe meine Weihnachts-Wunschliste abgehakt. Was drauf stand? Einiges! Dazu aber in einem späteren Beitrag mehr 😉

Die farbenfrohen Fotos dieser Galerie verdanke ich Max von Troutstalking.





Der Meter-Bart

9 11 2013

von Alex

Die Forellensaison 2013 liegt nun bereits ein paar Wochen hinter uns. Wie die Zeit wieder verflogen ist! Ich erinnere mich noch genau an den kühlen Start im März bei leichtem Schneefall und an die ersten großen rotgetupften Fettflossen auf Nymphe und Streamer im eiskalten Wasser der belgischen Wallonie. Glück hat, wer jetzt noch an bestimmten Gewässern gezielt auf Äschen fischen darf. Ich versuche – wenn Pegel und Herbstwetter mitspielen – dies an unterschiedlichen Strecken in D und B zu tun, aber nicht mehr in der Regelmässigkeit der letzten Monate. Denn für mich, und wohl auch die meisten Fliegenfischer unter Euch, gibt es ein Widersehen mit den Salmoniden unserer Regionen erst wieder im Frühjahr nächsten Jahres. Die Fischerei auf Äschen vom verschneiten Ufer aus werde ich aber hoffentlich noch vorher erleben dürfen 😉

Rückblickend kann ich sagen, dass dieses Jahr aus fischereilicher Sicht unterm Strich für mich das beste bisher überhaupt war. Auch wenn die Wasserstände sehr unkonstant waren, habe ich so viele stattliche Bachforellen wie nie zuvor fangen dürfen. Über 20 Forellen hatten die Marke von 50cm überschritten, drei davon waren größer als 60cm. Auch die Äschenpopulationen der von mir befischten Gewässer haben sich weiter stark verbessert, dies belegen zahlreiche Fahnenträgerinnen über 40cm in meinen Augen eindrücklich. Zudem ist es schön zu sehen, dass die 3-jährigen Äschen mittlerweile selbstständig einen gesunden Nachwuchs im Gewässer produzieren können.

Seit Ende September/Mitte Oktober steht nun aber ein anderer Fisch im Fokus meines Interesses: wie in der Vergangenheit widme ich einen Großteil meiner freien Stunden in der kalten Jahreszeit Esox lucius. Ich kann es nicht anders sagen: Hechtfischen macht süchtig! Ich weiß nicht ganz genau woran es liegt, aber im Vergleich zu einem Ausflug an Rur oder in die Wallonie, ist die Vorfreude auf einen Hechttrip (und seien es nur 2-3 Stunden vor oder nach der Arbeit) immer besonders groß. Vielleicht liegt es an der Unberechenbarkeit der Hechte. Wenn ich in den Fluss steige weiß ich in etwa was mich erwarten und wie der Tag verlaufen wird. Richtige Überraschungen gibt es selten. Gerade zum Ende der Saison ertappe ich mich ab und an dabei, dass insbesondere das Fischen mit der Nymphe auf mich wie eine Art entspanntes „Routine-Programm“ wirkt. In beinahe meditativer Gelassenheit bewege ich mich stromaufwärts und fische Drift um Drift, wiederhole immer wieder die gleichen Bewegungsabläufe. Ganz anders das Hechtfischen. Ich vergleiche es gerne mit einer Fahrt in der Geisterbahn oder mit dem Schauen eines Horrorfilms: Du weißt, dass jederzeit etwas Plötzliches passieren kann, was Dich mit rücksichtsloser Entschlossenheit vom Sofa oder hier, aus der monotonen Bewegung des Strippens, reißen wird. Was Du aber nicht weißt ist, „wann“ es passieren wird. Dies resultiert meines Erachtens in einer unberechenbaren Spannungskurve und erzeugt eine ungewisse Atmosphäre, die ich bei keiner anderen Fischerei auf hemische Fische bisher erlebt habe. Es ist also vielleicht eine Sucht oder besser, eine aktive Suche nach einem plötzlichen Adrenalinausstoß – auch wenn dieser bei mir in den letzten Jahren mit Sicherheit etwas nachgelassen hat.

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96cm Kraft

Diese nervenkitzelnde „Fahrt in der Geisterbahn“ führte mich in den letzten Wochen an unterschiedliche Seen und Poldergewässer, vornehmlich in den nahen Niederlanden. Zwar ist das System des niederländischen Vispass auf den ersten Blick nicht ganz leicht zu verstehen (dazu in einem kommenden Beitrag mehr), aber für ein relativ geringes Budget stehen dem Fliegenfischer nach anfänglicher Orientierungsphase unzählige Gewässer zur Verfügung. Ich habe mittlerweile eine Sammlung von drei Lizenzen unterschiedlicher Provinzen (zzgl. Karten kleinerer Vereine) und könnte Jahre damit verbringen, alle aussichtsstreichen Wasser zu erforschen. Gefischt habe ich während meiner Besuche entweder gemeinsam mit Marc von unserem immer weiter aufgerüsteten DIY-Boot, oder aber watend im flachen Uferbereich. Mit den zunehmend fallenden Temperaturen ziehen die Hechte in den Seen jedoch immer mehr in die etwas tieferen Bereiche. Daher throne ich derzeit am liebsten gemütlich auf meinem neuen Bellyboot. Die Fischerei ist nicht nur sehr entspannt und ich habe im Vergleich zum „normalen“ Boot das Gefühl, noch dichter am Fisch zu sein, sondern auch die Scheuchwirkung ist sehr gering und ich habe unbeschränkte Möglichkeiten des Ein-/Ausstiegs ins Gewässer. Dies ist gerade an den Maasplassen interessant, denn die meisten Bootsrampen sind gebührenpflichtig (zwischen 5 und 18 Euro) und einige fischreiche Seen sind gar nicht erst an den Juliankanal bzw. die Maas angeschlossen.

Warum ein neues Bellyboot? Ich hatte doch bereits eines. Absolut richtig, aber zum einen haben sämtliche Reißverschlüsse meines alten, bedingt durch das Salzwasser vor Rügen und in Ostvoorne, mittlerweile ihren Dienst quittiert und zum anderen habe ich nun mit einem zweiten Boot die Möglichkeit, meine Hechtkurse und Workshops in den Niederlanden noch flexibler gestalten und weitere Gewässer anbieten zu können. Ich habe mich wie vor einigen Jahren wieder für das Guideline „Drifter“ entschieden, allerdings für die aktualisierte Version des Modells. Es ist meiner Meinung nach nicht nur optisch ansprechender, sondern hat auch in Sachen „Funktion“ eine Generalüberholung erhalten (zu den Unterschieden der beiden Modelle mehr in einem künftigen Beitrag). Fest steht, dass ich diesmal sorgfältiger darauf achten werde, nach jedem Kontakt mit Salzwasser das Boot gründlich zu reinigen 😉 In den kommenden Tagen wird das Drifter noch um eine Halterung für meinen Fishfinder (samt Batterie) und ein Stativ für meine Hero3 ergänzt. Auch denke ich über größere Flossen nach, nachdem ich zwei Mal mit Vincent von 0031 Flyfishing (sehr empfehlenswerter Blog!) fischen war und er mit seinen Flossen wesentlich schneller und entspannter unterwegs war.

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Entspanntes Fischen vom Bellyboot

Bisher habe ich mich vom Bellyboot an den Seen hauptsächlich auf die Uferzonen und die offensichtlichen Kanten konzentrieren müssen. Mit dem Echolot werde ich künftig aber auch die tieferen Regionen gezielt befischen und nach großen Räubern in der Nähe von Schwärmen kleinerer Fische Aussschau halten können. Für diese Taktik werde ich mir noch eine neue Sinkschnur zulegen, denn meine alte hat nach dem mehrmaligen Kontakt mit Schiffsschrauben nicht nur zahlreiche Macken, sondern auch grundsätzlich ein Sinkverhalten, welches kein perfektes Führen des Streamers erlaubt. Statt sich in einer geraden Linie auf Tiefe zu bringen, entwickelt die Schnur einen Bauch der beim Strippen das unwohle Gefühl verursacht, lediglich in diesen Bauch zu strippen. Vom Pulsieren meines Köders spüre ich, im Gegensatz zum Fischen mit der Schwimmschnur, gar nichts! Abhilfe soll hier die Sixth Sense Di7 von Airflo schaffen. Ich habe sie auf Vincents Rute geworfen und war begeistert! Die Sinkschnur zeigt Dank der sog. „density compensation“ keinen oben beschriebenen Effekt und besitzt zudem einen kaum dehnbaren Schnurkern, der das Setzen des Hakens selbst in 3-5 Meter Tiefe ermöglicht.

Apropos Tackle: Wer Flybei auf Facebook folgt (und noch regelmässiger informiert wird) hat mitbekommen, dass ich in diesem Jahr – seit langem – noch einmal einige Anschaffungen getätigt habe. Dies betrifft auch das Hechtfischen, denn mit der Guideline LPXe RS V2 in Klasse 8, allerdings in der blauen Variante, wurde meine Sage XI2 nach einigen Jahren treuer Dienste abgelöst. Im Vergleich zur Sage besitzt die Guideline ein wesentlich geringeres „gefühltes“ Wurfgewicht und eine sensiblere Spitze, welche das Laden der Rute insbesondere auf kurze Distanzen (z.B. in Poldergewässern) unterstützt. Auch bei der Rolle wollte ich Gewicht einsparen und habe meine Danielsson LW 6nine durch eine Guideline Haze V2 ersetzt. Ich besitze die Rolle mittlerweile in drei Größen und bin von Technik und Design absolut begeistert! Als Schwimmschnur war ich lange zwischen einer Guideline Bullet und einer Guideline Pike hin und her gerissen, habe mich letzten Endes aufgrund der noch kürzeren und agressiveren Keule aber für die Bullet (in Klasse 9) entschieden. Um die „Pike“ bin ich aber dann doch nicht ganz drumrum gekommen, denn sie bestückt nun eine E-Spule, allerdings als Sinktip. Eine fantastische Schnur von der ich restlos begeistert bin und nicht verstehen kann, warum ich so wenig darüber gelesen habe. Sie wirft sich so bequem wie eine Schwimmschnur und fühlt sich in der Führung des Streamers auch beinahe so an. Mit dem gewichtigen Unterschied, dass sie eine etwa 3 Meter lange bzw. kurze sinkende Keule (ich habe die SINK3, also 3 Inch/Sekunde, gewählt) und eine intermediale Runningline besitzt. Wenn man den Streamer damit unmittelbar nach dem Aufsetzen einstrippt, fischt man lediglich 50cm bis 100cm unter der Oberfläche. Wartet man jedoch ein klein wenig, kann man Tiefen bis maximal 3 Meter abdecken, ohne dabei den unmittelbaren Kontakt zum Streamer zu verlieren. Gerade bei starkem Wind und Wellengang, oder bei herbstlichem Laub auf dem Wasser meine derzeit erste Wahl und eine ideale Lösung zwischen Schwimm- und klassischer Sinkschnur. Ein weiterer Vorteil: Ich kann beinahe unbeschwerte Streamer, die sich noch leichter werfen lassen, im Gegensatz zur Fischerei mit der Schwimmschnur etwas weiter unter der Oberfläche anbieten. Dies ist an den flachen Poldergewässern in der kürzeren Vergangenheit sehr häufig erfolgreich gewesen.

Ohnehin ist die Fischerei auf Hecht bisher überaus positiv gelaufen, was gewiss auch am passenden Hechtwetter der letzten Wochen liegen mag. So konnte ich seit Ende der Forellensaison bisher 47 Hechte verbuchen – und selbstverständlich schonend, fehlende Widerhaken machen es möglich, releasen. Darunter waren natürlich einige Hechte unter 70cm aber auch ein paar über 80cm und ein sehr stattliches Exemplar von 96cm Länge. Leider hat dieses wohlgenährte Weibchen mich aber noch nicht von meinem Vollbart befreit, denn der wird erst wieder gestutzt, wenn die Metermarke geknackt ist. Obwohl… mittlerweile habe ich mich schon ein wenig dran gewöhnt. Einen „Meter-Bart“ wird es aber hoffentlich nicht geben. Der Winter ist ja noch lang und es sind bereits einige Trips geplant.





DVD: The Rivers of Wallonia

16 09 2013

von Alex

Die belgische Wallonie hat zahlreiche abwechslungsreiche Fließgewässer zu bieten. Einige hiervon habe ich in den letzten Jahren befischen dürfen, aber alle kenne ich noch lange nicht. Die im Januar 2014 erscheinende DVD The Rivers of Wallonia stellt insgesamt 33 unterschiedliche Flüsse vor und berichtet in über 3-stündiger Spielzeit von der tollen Fischerei in den belgischen Ardennen und in Ostbelgien. Zusätzlich warten einige klassische belgische Fliegenmuster darauf nachgebunden zu werden. Der Doppel-DVD liegen zudem umfangreiche Kartenmaterialien und GPS-Daten für die Planung kommender Trips ans Wasser bei. Ein Must-Have also für jeden, der seine Fliegenrute in der Wallonie schwingen möchte! Und keine Angst, es gibt Untertitel auch in Deutsch 😉

Ich kann den Release rechtzeitig vor der kommenden Saison jedenfalls kaum erwarten!

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Teaser The Rivers of Wallonia (2014)

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„Enough is enough“

14 09 2013

von Alex

Es ist Samstag, Wochenende. Regen prasselt gegen die Scheibe über dem Bett. Drinnen ist es gemütlich und warm, draußen nicht. Der Bindestock zu weit vom Bett entfernt. Aber der Laptop ist in Reichweite. Zeit für ein paar Videos! Zwei davon möchte ich Euch ans Herz legen. Das eine ist recht neu und fragt „When ist enough enough?“. Es dokumentiert die durch Wasserkraftwerke verursachten Veränderungen des berühmten McCloud Rivers an der amerikanischen Westküste. Das andere ist schon etwas älter, bisher aber an mir vorbei gegangen. Thematisiert wird die besondere Beziehung und Freundschaft zweier Fliegenfischer. Erwärmend bei dem herbstlichen Wetter und den konstant fallenden Temperaturen.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende, ob im warmen Zuhause oder draußen am Wasser!

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„Ich imitiere eine Trockenfliege“

24 08 2013

von Alex

Vor wenigen Minuten rief mich meine Mutter an. „Du warst gestern im Fernsehen, beim WDR!“ sagt sie durch den Hörer. „Achwas!“, sage ich am anderen Ende. Die Ausstrahlung der Sendung Wir sind NRW mit dem euregionalen Themenschwerpunkt Dreiländereck hatte ich vollkommen vergessen. Bereits im Juni wurden Marc und ich von einem Team des Lokalsenders an der Rur besucht. Christian Dassel und seine Kameramänner begleiteten uns einen sonnigen Tag lang durch den Fluss, der in Belgien entspringt und nach zahlreichen Kilometern durch die deutsche Eifel die Grenze in die nahen Niederlande überquert.

Die mittlerweile in der Mediathek wartende Folge wird aus fischereilicher Sicht ab Minute 29 interessant, dann schwingen wir uns nämlich in unsere Wathosen und tauchen ein ins Rauschen der Eifel-Rur. Es ist schon interessant zu sehen, was aus mehreren Stunden Videomaterial am Ende geworden ist. Meine Liebesbekundungen an den Fluss und seine Bewohner sowie meine philosophischen Ergüsse zum Fliegenfischen haben leider keinen Platz gefunden 😉

Dafür aber ein Spruch, der viel eher in die Outtakes gehört hätte: „Ich imitiere eine Trockenfliege“. Aber wer weiß, Vielleicht versuche ich das im nächsten Karneval einmal. Unabhängig davon habe ich jedenfalls mit der Trockenfliege (so zumindest die Interpretation des Kommentators), neben der Stein-, Köcher- und Eintagsfliege eine neue Ordnung von Fluginsekten benannt. Jemand müsste also bitte die Entomologie für Fliegenfischer entsprechend ergänzen. Danke! 😉

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