Test: Ruten der Klasse #4

7 02 2013

von Alex

Anlass dieses Blogbeitrags ist eigentlich nur das Erscheinen des insgesamt dritten Rutentests auf Yellowstoneangler.com. Nachdem in den letzten zwei Jahren bereits ausführlich Ruten der Klasse #5 und #8 verglichen wurden, waren vor wenigen Wochen die Ruten der Klasse #4 dran. Wie immer finde ich das Vorgehen der Macher in vielerleri Hinsicht sehr plausibel: Insbesondere aufgrund der einheitlichen und nachvollziehbaren Kriterien besitzen die Vorstellungen der unterschiedlichen Produkte tatsächlich den Charakter eines „Tests“. Beim Lesen der Texte habe ich mir dann noch einmal vor Augen geführt, wie im deutschsprachigen Raum Produkte getestet werden und wieder gemerkt, dass ich mich hierüber in der Vergangenheit schon öfter geärgert habe – oder zumindest Kritikpunkte und Verbesserungspotential gesehen habe. Darüber nachdenkend bin ich dann zu diesem Text gekommen…

 

„Die Schonzeit bezeichnet den Zeitraum, in dem Fang und Tötung von Wild durch das Jagdgesetz verboten sind. […] In der Fischerei bezeichnet man allerdings als Schonzeit die Zeitspanne, in welcher die jeweiligen Fischarten laichen. Die Laichzeit ist von Art zu Art unterschiedlich, darum variieren die Schonzeiten über das ganze Jahr.“ (Wikipedia)

Wenn Fliegenfischer also im Winter von „Schonzeit“ sprechen, beziehen sie sich damit auf die Schonzeit der Forellen in den jeweiligen Regionen (z.B. in NRW: 20. Oktober bis einschließlich 15. März). Während die Rotgetupften sich also erholen dürfen, kann von einer „Schonung“ der Fischer hingegen während dieser Monate in keinster Weise die Rede sein. Weder die eigenen Nerven noch die eigene Geldbörse werden geschont: Zwar finden einige nach der Saison Ruhe während besinnlicher Stunden am Bindetisch, viele drängt es jedoch – obwohl draußen eisige Temperaten herrschen – immer wieder ins Freie, um Meerforelle, Hecht oder Huchen zu überlisten. Nebenbei wird dann auch noch – trotz der meist deutlich reduzierten Anzahl von Tagen am Wasser – das Konto strapaziert. Da werden Bindematerialien auf Messen gekauft oder im Internet bestellt (und zurück geschickt), da werden zahlreiche Informationen eingeholt und neue Gerätschaften angeschafft. Die meisten meiner Freunde treffe ich Mitte März dann mit neuen Ruten, Rollen, Wathosen, Watschuhen oder sonstigem (nützlichem oder weniger nützlichem) Zubehör am Flussufer.

Auf der Suche nach Informationen über eine etwaige neue Rute, zur Aufstockung des eigentlich bereits umfangreichen Sortiments in der eigenen Garage, vertrauen viele Fliegenfischer mittlerweile auf das Internet. Der Grund liegt wohl auch darin, dass es traurigerweise nur noch wenige Fachgeschäfte vor Ort gibt. Ich selber lebe beispielsweise leider in dieser Hinsicht in einem „schwarzen Loch“. Vielleicht liegt das Vertrauen in die (teils annonyme) Digitalität aber auch darin begründet, dass sich die Ratsuchenden „unabhängige“ Meinungen wünschen und sich nicht alleine auf die Anpreisungen der Händler – in ihrer Rolle als Verkäufer – stützen möchten. Eine Einstellung, die ich teilweise nachvollziehen kann. An dieser Stelle sei jedoch gleichzeitig betont, dass es durchaus auch zahlreiche Händler gibt, denen ich eine objektivere Sicht auf die Dinge zutraue. Händler, von denen ich weiß, dass Sie nicht nur „eine schnelle Mark“ machen möchten, sondern im Sinne einer nachhaltigen Kundenorientierung ehrliche Meinungen äußern und, hoffentlich vorrangig auf Basis von Erfahrungswerten, Verkaufsempfehlungen aussprechen. Meiner Ansicht nach ist dieser Weg der transparenten Kundenkommunikation ein wichtiger Stützpfeiler auf dem mittlerweile dicht besiedelten Markt der Fliegenfischerei und damit im fairen „Kampf“ um (Stamm-)Kunden.

Aber zurück zum Internet: Begibt man sich als Fliegenfischer(-neuling) auf die Suche nach einem Produkt ohne bereits sehr konkrete Vorstellungen zu haben – man weiß z. B. nur, dass es eine Rute der Klasse 4 sein soll – läuft man schnell Gefahr, von einer Informationsflut überrollt zu werden. Denn Meinungen gibt es in etwa so viele, wie Angebote in den zahlreichen Shops. Dabei scheint es gerade in den einzelnen Fachforen so zu sein, dass jeder die eigene Rute ohne Bedenken weiterempfehlen kann/möchte. Verständlich! Immerhin hat man sich selber für den Kauf der Rute entschieden. Geholfen wurde damit aber noch nicht. Daneben tummeln sich in diesen Teilöffentlichkeiten zum Glück aber auch jene, die z.B. durch unzählige Workshops, Kurse oder sonstige Tätigkeiten mit unterschiedlichen Gerätschaften in Kontakt gekommen sind. Aber woran soll man diese (verlässlichen) Beiträge erkennen, woran diese Personen festmachen? Hinzu kommt, dass einige dieser Experten so tief in der Materie sind, dass die Gefahr besteht, das Thema zu komplex anzugehen und im Endeffekt zu „verkomplizieren“. Es ist beeindruckend, die physikalischen Eigenschaften unterschiedlicher Blanks bei unterschiedlichen Belastungen differenzieren und beschreiben zu können. Meine ehrliche Anerkennung und volle Hochachtung. Auf manche wirkt diese Komplexität aber auch abschreckend. Das Stichwort lautet hier wie so oft „Adressatenorientierung“. Mit wem spreche ich? Welches Vorwissen ist vorhanden? Und natürlich: Was ist das eigentliche Anliegen des Ratsuchenden?

Über diese unterschiedlichen individuellen Einschätzungen hinaus, gibt es auch noch Produkttests. Teilweise finden sie sich in elektronischer Form den Fachforen angegliedert, teilweise werden sie aber auch im Rahmen klassischer Printerzeugnisse, also in Fachzeitschriften, kostenpflichtig anderen redaktionellen Artikeln zur Seite gestellt. Hierbei handelt es sich jedoch mehrheitlich nicht um „Tests“ im eigentlichen Sinne des Begriffs, sondern vielmehr um (teils sehr ausführliche und demnach durchaus auch informative) Produktbeschreibungen. Größtenteils wird aber diese primär deskriptive Textsorte von den meisten Autoren an vielen Stellen in Richtung einer persuasiven Textsorte – bis hin zur klassischen textbasierten Werbeanzeige – verlassen. Aus linguistischer Sicht manifestiert sich der Unterschied dieser Textsorten in einer Vielzahl sprachlicher Einheiten auf grammatischer und lexikalischer Ebene. Auf Wortbene gehören hierzu z.B. häufige Verwendung von Hochwertwörtern oder der gezielte Einsatz von Adjektiven bzw. Adverbien, mit denen die Eigenschaften eines Produkts nicht nur beschrieben, sondern insbesondere positiv konnotiert hervorgehoben werden sollen. Kritische Töne sind für das ungeschulte Auge und den weniger aufmerksamen Rezipienten nur schwer zu erkennen, lesen sich die (wenigen) weniger begeisterten „Tests“ doch eher wie Arbeitszeugnisse, in denen negative Wertungen nicht auftauchen dürfen und der Arbeitnehmer nur wohlwollend beurteilt werden darf. Auch dies ist letztlich nicht verwunderlich, werden die Forenbetreiber und Redaktionen doch für ihre Produkttests entweder von den Produzenten selber oder aber von den Zwischenhändlern gut bezahlt. Ohne Frage sind sich viele potentielle Käufer hierüber auch im Klaren und wissen die Tests reflektierend und sensibel zu behandeln. Stichwort: Medienkompetenz.

Was dennoch bleibt sind in meinen Augen zwei zentrale Versäumnisse der meisten „Tests“: Zum einen werden bei den meisten elektronischen Tests/Produktbeschreibungen/Produktempfehlungen/Werbetexten lediglich die aus dem Printbereich bekannten Ebenen „Bild“ und „Text“ verwendet. Ein großes Versäumnis in meinen Augen! Bieten sich doch gerade in Hypertexten mehr Möglichkeiten als in analogen medialen Umgebungen – z. B. die Einbettung von Videos oder der Einsatz von interaktiven Elementen in Sozialen Medien. Zum anderen fehlt es unterschiedlichen Produkttests in EINEM Medium (also beispielsweise in EINEM Forum oder in EINER Fachzeitschrift) oftmals an einheitlichen Testkriterien. Bei Rutentests meine ich hier natürlich nicht vordergründige Kriterien wie „Gewicht“, „Segmentierung“ oder „Preis“. Natürlich sind auch diese Angaben von Relevanz für einen etwaigen Kauf, sie finden sich aber auch schon auf den Webseiten der Hersteller. Was ich meine sind eindeutig definierte Kriterien die bei der späteren Verwendung der Produkte (z. B. der Rute) in der Praxis, also am Wasser, eine zentrale Rolle spielen. Ich will nicht lesen, dass eine Rute mit Nymphe, Streamer und Trockenfliege gefischt werden kann. Natürlich kann sie das! Aber ebenso natürlich gibt es von Rute zu Rute große Unterschiede in der Verwendung unterschiedler Köder und in der Anwendung unterschiedlicher Techniken. Ich will auch nicht lesen, dass der Tester die Schnur über die Rute bis ins Backing werfen kann. Natürlich kann ein sehr geübter Werfer das! Aber wo braucht man das? Wen interessiert das überhaupt? Mich jedenfalls nicht… Meiner Meinung nach sollten Tester im Internet – um über ihre Empfehlungen hinaus den Anschluss an die eigentliche Aufgabe dieser Textsorte wieder zu gewinnen – versuchen, mindestens in Hinblick auf diese zwei Aspekte ihre Tests zu ergänzen. (1.) Durch plausible, einheitliche und nachvollziehbare Kriterien wird eine Vergleichbarkeit gewährleistet. (2.) Die unterschiedlichen praktischen Einsatzmöglichkeiten des Geräts am Wasser sollten im Vodergrund stehen. Diese können durch den Einsatz medialer Möglichkeiten wie Videos zusätzlich veranschaulicht werden. Ich denke dass alleine hierdurch das Interesse und das Vertrauen vieler (neuer) Leser und somit potentieller Käufer gewonnen werden können.

Vor diesem Hintergrund abschließend nun noch der Hinweis auf den in meinen Augen – zumindest in vielerlei Hinsicht – positiv zu bewertenden neuen Test auf Yellowstoneangler (Ruten der Klasse #4). Natürlich handelt es sich bei den Machern gleichzeitig auch um die Betreiber eines Shops. Dennoch sind Aufbau, Durchführung und auch Ergebnisse des Tests (und somit auch die Informationen für den Leser) weitaus transparenter, als andere mir bekannte Beispiele. Zu betonen ist hier auch, dass es sich um mehrere Tester gehandelt hat, die die 20 Ruten unter verschiedenen Gesichtspunkten begutachtet haben. Was der Leser letztendlich also geliefert bekommt sind unterschiedliche Meinungen auf Basis gleicher Testkriterien.

Nun soll an dieser Stelle aber nicht der Eindruck entstehen, als müsse jeder, der auf der Suche nach einer Rute der Klasse #4, #5 oder #8 ist, nun den jeweiligen „Sieger“ in diesem fairen „Rennen“ kaufen. Nein, das ist nicht mein Anliegen. Daher verschone ich Euch auch mit einer Zusammenfassung des Tests an dieser Stelle. Vielmehr möchte ich gerade Neulingen den Rat geben, sich fundierte Informationen – aus unterschiedlichen Quellen – vor dem Kauf eines Produkts einzuholen und den oben kritisierten „Tests“ mit der selben Vorsicht und nüchternen Distanz zu begegnen, wie der Werbung für Zigaretten im Kino (etwas zugespitzt formuliert). Letztlich ist und bleibt die Wahl einer Rute oder anderer Produkte doch immer auch geprägt von den persönlichen (Design-)Vorlieben, der individuellen Nutzung und dem eigenen Geldbeutel eines jeden von uns. Und das ist auch gut so!

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Künstlich oder Natürlich? Oder beides?

17 01 2013

von Alex

Im Oktober, November und Dezember 2012 sowie in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres war ich einige Male unterwegs, um „Esox lucius“ zu begegnen. Die Hechtstreamer – als attraktive Vermittler dieser Rendezvous – kleideten sich dabei entweder ganz in Bucktail oder in Kaninchen (Zonkerstrips). Auf den Einsatz von Marabou habe ich – zum Entsetzen von Lennet – bisher gänzlich verzichtet. Warum weiß ich gar nicht so genau, schön aussehen tun die buschigen Exemplare allemal. Vielleicht aufgrund der Vorstellung, dass sich ein Hechtmaul mit aller Entschlossenheit in diesen zarten Federn verbeißt? Wahrscheinlich bin ich aber einfach nur zu faul um zu testen, wie lange ein solcher, in meinen Augen „sensibler“, Streamer seine reizende Form behält.

Künstliche Materialien kamen am Bindetisch auch nur hier und da (und außerdem sehr spärlich) zum Einsatz. Mein nachhaltiges Vertrauen aus diesem großen Warensegment hat bisher lediglich das in unterschiedlichen Farbvarianten erhältliche „Flashabou“ gewonnen. Die Farbe „Pearl“ ist hier mein absoluter Favorit! Mithin konnten sich bisher auch die promineten „Lametta-Bomber“ – zumindest für die hiesigen Gewässer – nicht in meine Fliegendose vorarbeiten. Aufgrund unterschiedlicher Berichte im Netz habe ich auf Rügen hingegen Flash-Streamer gezielt getestet, konnte aber keinen Vorteil gegenüber meinen üblichen Varianten aus Bucktail bemerken. Ganz offensichtlich fehlt es hier aber noch an Praxis vor Ort. Ein weiterer Trip an die Ostsee sollte daher schleunigste geplant werden 😉

Beim Betrachten dieses Videos bin ich aber auf den Geschmack gekommen mich künftig mehr mit einem bestimmten künstlichen Material auseinander zu setzen. Je nach Hersteller gibt es im Handel unterschiedliche Bezeichnungen für diese an „Perückenhaar“ erinnernden feinen Fäden. Ich weiß jedenfalls wonach ich suchen muss, wenn es in etwa einer Woche nach Charleroi zur diesjährigen “Fête de la Pêche à la Mouche“ geht.

Empfohlen sei an dieser Stelle noch einmal der – leider schon lange nicht mehr aktualisierte – Blog „Pike Flyfishing Articles„. Hier gibt es sehr viele Imperssionen für unzählige neue, ausgefallene Muster. (Auch wenn ich letztlich noch immer denke, dass Hechte vorrangig „Lust“ haben müssen und die Führung und Bewegung des Streamers wichtiger sind als das eigentliche Muster. Und außerhalb des Wassers spielt beim Fliegenfischer das Vertrauen in seine Fliege eine enorme Rolle… Aber damit würde ich hier jetzt ein ganzes Fass aufmachen, denn DAS gilt in meinen Augen nicht nur für die Fischerei auf Hecht, sondern auch auf Forelle.)

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Abschließend würde ich von Euch noch gerne wissen:





Fête de la Pêche à la Mouche 2013 – Fliegenfischermesse

5 01 2013

von Alex

Zum mittlerweile 18. Mal findet Ende Januar (26./27. Januar) die „Fête de la Pêche à la Mouche“ statt – eine jährliche Messe für Fliegenfischer nahe der belgischen Stadt Charleroi. In meinen Augen kein Ersatz, aber doch eine sehr sinnvolle Ergänzung zu den in Deutschland weit verbreiteten aber eher überschaubaren Messen unterschiedlicher Händler und Fachgeschäfte. Denn während die Veranstaltungen bekannter Onlineshops zwar durch eine private, persönliche Atmosphäre, eine meist gute Beratung und ein oftmals breites Tagesprogramm (Wurfvorführungen, Vorträge etc.) punkten, bestechen die Großveranstaltungen in Belgien, Holland oder Frankreich vorrangig durch ihre riesige Auswahl von Materialien. Hier findet man (fast) alles, was das Herz eines bindenden Fliegenfischers begehrt! In Charleroi z.B. bieten weit über 100 Aussteller an ihren Ständen Felle, Federn, Haare und sonstige Materialien an, von deren Qualität man sich gewöhnlich erst nach einer Online-Bestellung und der teils kostspieligen Lieferung an den heimischen Bindetisch überzeugen kann. Auch für diejeniegen, die Anfang des Jahres neue Anschaffungen wie Ruten, Rollen, Schnüre, Bekleidung oder Zubehör tätigen wollen, sei die Messe wärmstens empfohlen – zudem viele Händler an Messetagen attraktive Rabatte gewähren.

Ich werde mich in diesem Jahr allerdings auf ein paar wenige Materialien beschränken. Natürlich liebäugle ich immer noch mit einer 10 Fuß Rute Klasse 4 zum Nymphenfischen, natürlich würde ich mich vor einer kurzen Bachrute der Klasse 3 für Trockenfliegen nicht verschließen, natürlich hätte ich immer noch gerne eine zweite, kürzere Hechtrute, natürlich hätte ich auch nichts gegen zwei weitere Ersatzspulen für meine Salzwasserrolle… aber wirklich notwendig sind diese Anschaffungen nicht. Dennoch, mein letzter Kauf – eine Abel Super 5N – liegt mittlerweile auch schon zwei Jahre zurück… ach wir werden sehen was die Messe bringt 😉 Ich freue mich jedenfalls wieder auf den Besuch in Charleroi! Auch, weil ich wie in den vergangenen Jahren, mit ein paar Freunden durch die Reihen streifen, stöbern und fachsimpeln kann.

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Informationen „La Fête de la Pêche à la Mouche„:

  • Wann: 26.01.13 und 27.01.13
  • Wo: Rue du Président John Fitzgerald Kennedy, 150
    6250 Roselies (Aiseau-Presles), Belgien




CDC Elk Hair Caddis

29 03 2012

Auf dem regelmäßig aktualisierten Blog von Marc Fauvet (The Limp Cobra) bin ich auf ein Bindevideo des Niederländers Hans Weilenmann gestoßen. Er zeigt, wie mit nur einer CDC-Feder und ein wenig Elchhaar eine sehr simple aber doch ansprechende Köcherfliege gebunden werden kann. Die anderen Videos von Tightline Productions sind übrigens auch sehr empfehlenswert!

Ich binde meine CDC-Caddis ähnlich, allerdings ein wenig buschiger und mit Sichthilfe. Für meine belgischen Lieblingsflüsse ist dieses spärliche Muster aber mit Sicherheit sehr gut geeignet. Noch vor zwei Tagen habe ich kurz nach Einbruch der Dunkelheit mit einer ebenfalls sehr leicht zu bindenden Variante der „Jack Sedge“ zwei Bachforellen überlisten können: das geschlidderte Insekt stromabwärts präsentiert ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch äußerst attraktiv für die Rotgetupften. Ich freue mich schon auf den Sommer, wenn mit dieser Taktik auch größere Forellen zu einer agressiven Attacke verleitet werden können.





Saisoneröffnung – die erste Woche

25 03 2012

Die Forellensaison 2012 ist mittlerweile eine Woche und zwei Tage „alt“ bzw. jung. Zeit, eine kurze Bilanz zu ziehen und den Blick zurück auf die ersten ereignisreichen Stunden am Wasser zu werfen. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, denn es ist schon so viel passiert. Und dabei liegt noch das ganze Jahr vor mir…Also: einfach der Reihe nach!

Am 16. zog es Marc und mich an die Rur, um pünktlich um 6.30 Uhr bei Sonnenaufgang den Startschuss in unsere 4. gemeinsame Saison zu feiern. Unsere Nymphendosen waren bis unter den Deckel gefüllt und auch die ersten Trockenfliegen waren in den letzten Wochen der dunklen Jahreszeit schon eifrig gebunden worden. Der Pegel des glasklaren Eifelflusses lag bei 38cm und für den Nachmittag waren vom Wetterfrosch angenehme Temperaturen versprochen worden. Alles perfekt, oder?  Beinahe! Wären da nicht die -2° die uns im tiefen und gerade erst vom Frühnebel freigegebenen Rosental erwarteten. Keine dicke Jacke dabei und schon gar nicht an flauschige Handschuhe gedacht… warum auch, wenn man bei 7° von zu Hause aufbricht. Zu dumm außerdem, dass der örtliche Angelverein sich offenbar nicht bewusst war, üblicherweise die Pforten zum gepachteten Gewässer schon am 16.03. zu öffnen… Nach einem kurzen Telefonat trudelten dann aber – wenn auch mit ein wenig Verspätung – die  ersehnten Erlaubnisscheine bei der hilfsbereiten Bäckereifachverkäuferin ein und unsere Flugschnüre konnten endlich ganz offiziell gebadet werden. Neben uns konnten sich auch 7 Holländer nicht länger gedulden und hatten schon vor dem Wochenende ihren weiten Weg nach Monschau gefunden.

Foto 1 Auf die Plätze. Fertig. Los!

Erste Highlights des frostigen Vormittags waren neben der ersten Bachforelle des Jahres auf einen Bachflohkrebs zum einen eine kampfstarke Regenbognerin, die sich im Drill akrobatisch in die Lüfte schraubte und zum anderen Marcs hölzerne Begleiterin, die er sich von einem Freund aus dem Club Mouche Passion geborgt hatte; mein belgischer Freund hatte sich vorgenommen, die nächsten sieben Monate sein Glück „ausschließlich“ mit der Bambusrute zu versuchen. Da seine eigene Gespließte – die wir uns im vorletzten Jahr baugleich von Edgar Lange hatten aufbauen lassen – für die Rur jedoch deutlich zu kurz ist, kam das großzügige Angebot von George gerade Recht: ein ca. 8ft. langer Stecken (ich hoffe ihr hört meine Abneigung schon ein wenig raus), der sich meiner Meinung nach deutlich behäbiger bewegte, als meine fidele 81jährige Großmutter und außerdem schwerer war, als meine Einkaufstüte nach der jährlichen Fliegenfischermesse in Charlesroi. Die obendrauf weiche Spitze der Gerte ließ sich beim Werfen in etwa so präzise stoppen, wie ein hungriges Kleinkind in einem Süßigkeitenladen. Das i-Tüpfelchen setzte eine halbautomatische Rolle, die ich vor einiger Zeit für Marc in den USA ersteigert hatte, die vermutlich schon zwei Weltkriege erleben musste und für deren Handhabung man eine Gebrauchsanleitung benötigte. Spaß beiseite. Aber ein wenig Spott musste diese klassische Kombination dann doch ertragen, zumal die Fischerei damit – soweit ich das von meiner Flussseite beurteilen konnte – nicht gerade ein Zuckerschlecken zu sein schien. Meine stichelnden Worte in Richtung des schwabbeligen Kalbsschwanzes wurden von selbigem natürlich gerächt: An einer uns wohl bekannten Stelle hatten wir vier Bachforellen auf engstem Raum zwischen 30 und 40 Zentimeter ausgemacht. Wenig später zappelte, nach einem ersten Fehlbiss, eine farbenfrohe Rotgetupfte von Marc in meinem Kescher. Jetzt war ich an der Reihe…. Mein erster Wurf mit dem Objekt meines Mobbings:

  • Ein Leerwurf („Ohhh da braucht man ja tatsächlich eine extra Portion Zielwasser! “).
  • Eine dragfreie Drift („Wenigstens die Länge ist in Ordnung!“).
  • Eine Attacke aus dem Flachwasser („Da, die fast schwarze Bachforelle!“).
  • Ein sanfter Anhieb („Da fällt einem ja fast der Arm ab!“).
  • Und letztlich, ein offener Knoten am Ende des Tippets. Fliege ab. („Das kann doch nicht wahr sein!“)

Egal. Dumm gelaufen. Weitermachen. Zweiter Wurf, eine zweite 35er Bachforelle, das gleiche Ergebnis und eine zweite Trockenfliege, die ich nicht wieder sehen würde. Meine Theorie zu dieser skurilen Situation: Entweder wollte Marc mir eins für meine große Klappe auswischen – was ich aber nicht glaube – oder aber, und da bin ich mir ziemlich sicher, die belgische Bambusrute hat sich eiskalt bei mir gerächt. Ja, so wird’s gewesen sein!

Anschließend wechselten wir uns weiter mit dem Fischen stromauf ab, hauptsächlich nun allerdings mit meiner Rute, denn irgendwann merkte auch Marc das Gewicht in seiner ohnehin angeschlagenen Handballschulter. Tief geführte Moutardes lockten noch einige am Flussgrund stehende Bachforellen an die frische Luft und am frühen Abend durften wir uns völlig erschöpft, aber sehr glücklich über eine Saisoneröffnung nach Maß freuen.

Foto 2 Ein Fisch auf den Kalbsschwanz


Zeit sich auszuruhen blieb aber kaum, denn auch die nächsten Tage verbrachte ich an der Rur, einmal mit Fabian (Premiere für ihn in der Eifel) und noch ein zweites Mal mit Marc. Der Wasserstand war ein wenig gefallen, die Temperaturen ebenfalls, dafür regnete es zwischenzeitlich. Den Flussbewohnern schien es aber zu gefallen, denn bei meinem zweiten Besuch ging die erste Bachforelle ü40 ins Schonnetz. Ein weitere in dieser Größenordnung – auf eine Elk Hair Caddis – konnte ich hingegen leider nicht zu einem kurzen Fotoshooting überreden.

Foto 3 Die schönste Bafo des ersten Wochenendes

Unter der Woche zog es mich dann nach der Arbeit nach Belgien. Einmal pirschte ich alleine, einmal mit Lennet und einmal mit ihm und Jean – einem erfahrenen Fliegenfischer aus unserem Verein – durchs Unterholz des abwechslungsreichen Grenzflusses zwischen Eupen und Verviers. Die Highlights hier: eine 50er Bachforelle auf die Trockenfliege, die ich aufgrund eines aufgebogenen Hakens nicht landen konnte, ein ebenso großer, zwar gelandeter, aber dann doch zu fotoscheuer Fisch von Lennet und eine ü30 Äsche auf die leichte 16er Nymphe. Meine erste mäßige Fahnenträgerin an diesem Fluss. Ein gutes Zeichen, nachdem in die letzten zwei Jahre nur handlange Äschen ausmachen konnte.

Foto 4 Eine belgische Äsche

DAS Highlight der ersten Woche setzte aber dann mein letztes Gastspiel an der Rur: Neben den sommerlichen Temperaturen erwärmte zunächst eine 40er Bachforelle bei Niedrigwasser (nur noch knapp 20 Zentimeter laut Pegelstand) mein sonniges Gemüt. Damit aber noch laaaaange nicht genug. Denn der finale Paukenschlag der ersten Woche am Wasser im Jahr 2012 kam nur wenige Stunden später. Eine atemberaubend schöne, wilde Bachforelle, wie ich sie in diesem Fluss nicht jeden Tag, nicht jede Woche, nicht jeden Monat zu Gesicht bekomme! Das Kuriose dabei: während des Drills begleitete sie eine zweite Rotgetupfte, nur unwesentlich kleiner, und der kampfstarke Fisch am Ende meines Vorfachs versprühte aufgeregt seine Milch.

Foto 5 Eine wilde Bafo aus der Rur

Kann das mit der Milch zu dieser Zeit überhaupt (noch) sein? Habt Ihr schon einmal ähnliche Beobachtungen gemacht?

Saisoneröffnung – eine Woche am Wasser





Vorfächer von Stroft

14 03 2012

Als ich vor etwa einem halben Jahr erfahren habe, dass die in Deutschland ansässige Waku GmbH – bekannt für ihre Monofilschnur mit dem bei Fliegenfischern so bekannten Namen „Stroft“ – endlich gezogene, verjüngte Vorfächer auf den Markt bringen wird, war ich direkt angetan. Seit nunmehr einigen Jahren verwende ich ihr Material in vielen Einsatzgebieten als letzte Instanz zwischen mir und meiner Fliege. So stand schnell fest: die neuen Vorfächer von Stroft müssen ausprobiert werden! Nun habe ich pünktlich für den Saisonstart ein paar Exemplare in 9 und 12 ft. Länge auf meinem Schreibtisch liegen (im letzten Jahr bin ich leider nicht mehr dazu gekommen). Die Vorfächer werden auf einer großen Spule geliefert, ein Vorteil gegenüber vielen anderen Herstellern, wird auf diese Weise doch ein „memory effect“ reduziert. Dass die Spule zusätzlich in Plastik eingeschweißt wird, erschließt sich mir hingegen nicht. Dies war übrigens auch der Hauptkritikpunkt der 25 Tester, die das neue Produkt im letzten Jahr im Auftrag des Fliegenfischer-Forums ganz genau unter die Lupe und mit ans Wasser genommen haben. Die unterm Strich durchweg positiven Ergebnisse des Tests findet Ihr hier: http://fliegenfischer-forum.de/stroft4.html. Im Artikel wird überdies auf einen besonderen Service von Waku hingewiesen:

„Auf Basis der verfügbaren Vorfächer haben die Leute bei WAKU die enorme Zahl von über 1000 verschiedenen Vorschlägen und Möglichkeiten zur eigenen Vorfach-Zusammenstellung erarbeitet und veröffentlicht!“ (Fliegenfischer-Forum)

Das ganze nennt sich dann „Vorfachfinder“ und ist in der Tat für den etwas versierteren Fliegenfischer interessant. Denn im Hinblick auf die beiden Kriterien „Scheuchwirkung“ und „Streckverhalten“ lassen sich alle 44 Vorfächer mit dessen Hilfe individuell an die fischereilichen Gegebenheiten anpassen. In übersichtlichen .pdf-Dateien erhaltet Ihr per Mausklick detaillierte Anweisungen zum Kürzen bzw. Verlängern Eures Vorfachs. Ich persönlich entscheide so etwas letztlich jedoch lieber am Wasser als am heimischen Monitor: Lässt sich das Vorfach nicht in der von mir gewünschten Weise präsentieren, z.B. aufgrund von zu starkem Gegenwind, weil ich besonders schwere/leichte Fliegen verwende oder aber weil der Wasserstand zu niedrig und die Fischerei dadurch sehr heikel ist, kommen Nipper und Tippetmaterial zum Einsatz. Ein Blick in den Vorfachfinder sowie in die generellen Tipps zur Findung des geeigneten Vorfachs können aber sicher nicht schaden 😉

Am Freitag werde ich die Vorfächer jedenfalls das erste Mal an meine Flugschnur schlaufen und bin gespannt, wie sich meine Nymphen und Trockenfliegen zum Fisch bringen lassen. Meine Eindrücke werde ich natürlich in meinem Bericht zum Saisonstart unterbringen.

Abschließend würde ich von Euch noch gerne wissen, für welche Art von Vorfach ihr Euch entschieden habt? Gezogene, vorgefertigte Vorfächer? Wenn ja, mit zusätzlicher Vorfachspitze? Geflochtene Vorfächer? Oder knüpft Ihr ganz klassisch noch komplett selber?








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