Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn

9 01 2014

von Alex

Frohes Neues! Bis wann ist es eigentlich üblich, dass man sich ein frohes Neues Jahr wünscht? Gibt es da irgendwelche Konventionen? Ab dem x. Januar ist Schluss! Ich weiß es nicht. Ich finde es jedenfalls durchaus noch angebracht, Euch auf diesem Wege einen guten Start in 2014 zu wünschen. Ich hoffe, dass Eure kleinen und großen Träume und Vorhaben – wie auch immer sie aussehen sollten – in Erfüllung gehen. Insbesondere hoffe ich, dass Ihr reichlich Zeit mit den Füßen im Wasser verbringen und Euch über den ein oder anderen Fisch, ob alleine oder mit Freunden freuen könnt!

Vielleicht habt Ihr Euch, wie ich auch, ebenfalls ein paar „konkrete Ziele“ gesteckt. Ich möchte in diesem Jahr z.B. ein europäisches Land besuchen, in dem ich bisher noch nicht gefischt habe. Ich bin mir noch nicht sicher wohin die Reise gehen wird, ich bin mir auch noch nicht sicher „wann“ und mit „wem“. Aber ich bin sicher, dass es großartig werden wird! Außerdem möchte ich in der kommenden Saison in Belgien eine wilde 70+ Bachforelle fangen. Ich weiß, dass es möglich ist und weiß wo es möglich ist. Im letzten Jahr hatte ich hierfür drei Chancen, die ich alle leider nicht nutzen konnte. In diesem Jahr werde ich mich gezielter vorbereiten und werde gerüstet sein. Hierfür habe ich mir z.B. eine bzw. zwei 6er Ruten zugelegt. Zum einen eine Guideline „LPXe“ und zum anderen eine gebrauchte „LeCie“. Ich bin gespannt auf den direkten Vergleich und natürlich auf die ersten Rotgetupften, die hoffentlich schon Mitte März den Blank ordentlich zum Biegen bringen werden. Ich habe mich bei der Rutenwahl bewusst wieder für ein 10ft. Modell entschieden, da ich hiermit nicht nur am Fluss unterwegs sein werde und dort die Schnurkontrolle auf größere Distanzen wesentlich leichter fällt, sondern auch am See fischen möchte. Meine 9ft. 5er hat mir zwar immer ganz gute Dienste geleistet, aber bei starkem Gegenwind in Ostvoorne macht die Klasse höher z.B. durchaus Sinn. Zudem lassen sich lange Nymphen-Vorfächer am Stillwasser dank der 30cm „mehr“ besser handhaben. Als Schnur habe ich mich schnell gegen eine „Presentation“ und nach langem hin und her zwischen einer „High Water“ und einer „4-Cast“ für letztgenannte aus dem Hause Guideline entschieden. Die „Presentation“ ist vielleicht für die Streamerfischerei am Fluss noch sehr gut geeignet, da sie schwere Tungstenköpfe problemlos ans andere Ufer befördert. Am See hat ihre kurze und knackige Keule aber schnell das Nachsehen wenn es darum geht, „weit“ raus zu kommen. Und manchmal muss es eben ein bisschen weiter sein 😉 Die „High Water“ hingegen hat genau hier ihre Vorteile, ihre 14m Keule ist aber vielleicht für manche Flussabschnitte etwas zu lang und ich bin kein Freund von Leerwürfen. Für die Trockenfliege mag die Schnur durchaus ok sein, aber der Gedanke an einen 5mm Tungstenkopf hat mich dann – neben dem recht happigen Anschaffungspreis von ca. 90 Euro – zur „4-Cast“ umschwenken lassen. Ihre Keule liegt mit etwa 11m zwischen den beiden anderen und ist vielleicht im Hinblick auf die beiden primären Einsatzgebiete der passende Kompromiss. Was nun noch fehlt ist eine Sinktip für die bestellte E-Spule. Hier bin ich mir noch unschlüssig ob ich (wie für meine 8er) zu einer „Sixth Sense“ von Airflo greifen soll, oder aber mit Blick auf breitere, tiefere Passagen am Fluss eher ein anderes Modell wählen soll (z.B. die „Streamer Max“ von Airflo). Falls Ihr einen konkreten Tipp für mich habt: Ich bin sehr interessiert und offen für Anregungen!

Ein weiteres Ziel – zumindest noch bis Ende Februar und somit bis zum Beginn der Hechtschonzeit – bleibt weiterhin der Meterhecht in der laufenden Saison. Mit den Stückzahlen seit September bin ich höchst zufrieden, gestern konnte ich in kurzer Zeit die Hechte 111 und 112 landen. Mit dem „Metern“ (ja, dieser neue Terminus hat sich mittlerweile in das Vokabular von Daniel und mir eingeschlichen) will es aber einfach nicht klappen. Dabei habe ich wirklich einige Mühen investiert und meine Tage am Wasser vor Sylvester noch auf 151 hochgeschraubt – somit mein bisher aktivstes Jahr überhaupt! Umso kurioser ist es, dass ein Bekannter, den ich kürzlich vom Spinn- zum Fliegenfischer bekehren konnte, prompt mit seinem ersten Hecht die magische Marke geknackt hat. Unverschämt, oder? Nein, es freut mich ungemein für ihn, da er zuletzt mit Wobbler, Jerk und Co meist leer ausgegangen ist. Außerdem zeigt es mir, dass die Chance auf eine Rasur an meinen Gewässern da ist und DAS ist doch schonmal beruhigend 😉

Noch ein Ziel ist weiterhin der stetige Ausbau meines Kurs- und Guidingangebotes. Es hat mich wahnsinnig gefreut, im letzten Jahr viele Neulinge ans Fliegenfischen heranführen zu dürfen, aber auch mit „alten Hasen“ an meinen Gewässern unterwegs gewesen zu sein. Es macht nicht nur unglaublich viel Spaß auch außerhalb der Universitätsgemäuer didaktisch aktiv zu sein, sondern ich lerne selber auch ungemein viel dazu, etwa über Methoden der Wissensvermittlung. Außerdem habe ich – insbesondere im Rahmen der mehrtägigen Trips – viele neue Bekanntschaften knüpfen und sehr interessante Menschen kennenlernen dürfen. Die Gruppe „Fliegenfischer“ in meinem iphone-Adressbuch ist jedenfalls stark gewachsen im letzten Jahr. Schön finde ich auch, dass der Kontakt mit den meisten bestehen blieb. Ich freue mich immer über jedes Foto Eurer gefangenen Fische oder über Eure kurzen Berichte vom Wasser – keep it coming! In 2014 möchte ich diesen Weg weitergehen und sehe den bereits fett markierten Kurs- und Guidingterminen in April, Mai und Juni mit Freude entgegen. Neben den Aktivitäten an heimischen Gewässern wird es auch wieder ins Ausland gehen, zum einen wieder mehrfach in die Niederlande, zum anderen aber auch wieder nach Österreich. Infos hierzu könnt Ihr jetzt schon per Mail erhalten oder aber in den kommenden Wochen/Monaten hier auf dem Blog. Darüber hinaus werde ich einen weiteren Trip anbieten, die Planungen laufen und sobald ich die Eckdaten habe, werde ich Euch informieren.

Von diesen Vorhaben abgesehen, werde ich hoffentlich im neuen Jahr ein ganz neues und facettenreiches Projekt auf die Beine stellen können. Hierzu kann ich leider noch nicht viel verraten, da ich noch Mitten in der Konzeption und in den Vorbereitungen stecke und einige Dinge noch nicht in trockenen Tüchern sind. Aber ich bin mit Eifer und Motivation dabei und hoffe, Euch bald mehr mitteilen zu können.

Mit Blick nach hinten auf die letzten Jahre und einem Blick nach vorne kann ich jetzt schon sagen, dass 2014 für mich persönlich das bisher spannendste werden wird. Zumindest DAS steht jetzt schon fest.

Werbeanzeigen




Bleistift vs. Besenstiel

13 12 2013

von Alex

Kennt Ihr das? Ihr fischt das halbe Jahr primär mit der leichten 5er oder 4er Rute am Fluss und geht dann auf die erste Hechtpirsch? Oder andersrum: Ihr stellt im Spätherbst regelmäßig den Hechten nach und habt dann doch noch einmal die Möglichkeit auf Winter-Äschen zu fischen? Nicht nur, dass die Gewässer und Techniken nicht vergleichbar sind. Nein, zu allererst sind es schon vor dem ersten Wurf die Ruten, an denen man große Unterschiede bemerkt. Zumindest ging es mir vor ein paar Tagen wieder so.

Nach fast 30 Ausflügen an Seen und Kanäle in den Niederlanden zog es mich aufgrund des strahlenden Sonnenscheins und eines interessanten Wasserstandes noch einmal für ein paar morgendliche Stunden an den Fluss. Aber nicht nur, weil die Bedingungen passend zu sein schienen machte ich mich auf den Weg in die kalte Eifel. Vorallem, weil ich endlich meine „neue alte“ Guideline LeCie in Klasse 3 testen wollte. Ich hatte das skandinavische Leichtgewicht mit 10ft. vor ein paar Wochen glücklicherweise von einem Bekannten erwerben können, bisher aber leider keine passende Gelegenheit gefunden, das nicht mehr produzierte Stöckchen intensiv auf seine Praxistauglichkeit hin zu untersuchen.

Und dann stand ich da. Bei -2 Grad, die gerade aufgegangene Sonne im Nacken, den knirschenden Bodenfrost unter den Watschuhen und mit diesem fast vergessenen Gefühl: Wie geil filigran kann Fliegenfischen eigentlich sein?! Natürlich waren es auch die spärliche 16er Nymphe und das feine Tippet, welche dieses Gefühl bereits beim Montieren mit den steifen Fingern in ein Lächeln auf meinem Gesicht verwandelten. Aber insbesondere die neue Rute war es, die mich stark an einen Bleistift oder einen Zauberstab in meiner Hand erinnerte. Und dabei ist meine neue Kombi für die Jagd auf Entenschnäbel schon sehr leicht gewählt und wesentlich sensibler, als noch das Besenstiel-Gespann aus Rute und Rolle zuvor. Und dennoch: Die 3er Rute in der Rechten ist doch etwas ganz, ganz, ganz anderes als eine 8er!

Leider verpufft dieser „aha-Effekt“ nach nur wenigen Minuten wieder, denn dann hat man sich an das federleichte Etwas schon gewöhnt. Und als wäre das nicht genug, fühlte ich mich beim Nymphenfischen seltsamerweise schnell wieder an den jährlichen Saisonstart erinnert. Denn nach nur einer Stunde merkte ich meine Schulter, wo ich doch bereits nach den ersten Ausflügen im März den ganzen Tag mühelos und ohne Pause mit erhobenem Arm fischen kann. Der menschliche Körper vergisst schnell (lernt zum Glück aber auch schnell wieder hinzu). Jeder Neuling beim Fliegenfischen und jeder, der mit diesen speziellen Techniken beim Trocken- oder Nymphenfischen zum ersten Mal in Berührung kommt, weiß wovon ich hier spreche 😉

Aber zurück zur Rute: Ich war begeistert! Noch einen Tick feinfühliger als meine 10 ft. Klasse 4 und gleichzeitig ebenwürdig beim Transport beschwerter Nymphen – selbst zwei gleichzeitig gefischte Tungstenköpfe mit 3,5mm und 3mm waren auf die kurzen Distanzen kein Problem! An den ruhigeren Passagen präsentierte die 3er hingegen ohne Mühen eine kleine Klinkhammer am Springer mit einer 14er oder 16er Nymphe am Point (auch hier Tungstenköpfe). Und abgesehen davon, war ich insbesondere von den Drilleigenschaften des langen Leichtgewichts fasziniert, verlor ich doch nur eine der Äschen nach dem sanften Take und dem Setzen des Hakens. Ich behaupte, dass es mit leichten Ruten gerade bei der Fischerei mit der Nymphe und beim Einsatz feiner Vorfächer wesentlich weniger Aussteiger gibt als beispielsweise mit einer sogenannten „Allround-Rute“. Achwas, das brauche ich gar nicht zu behaupten, ich denke, dass die meisten von Euch dies als gut begründete Feststellung so unterschreiben würden 🙂

Mein Tipp daher für alle die noch nach dem passenden Tackle für nächste Saison suchen: Möchtet ihr gezielt mit der Nymphe an der kurzen Leine Fischen? Holt Euch eine leichte, mindestens 9,6 ft. lange Rute (Midflex schlägt hier Tipflex) in Klasse 3 oder 4! Lasst Eure 5er oder gar 6er Rute getrost zu Hause und erlebt eine unvergleichlich feinfühligere Fischerei am Fluss. Und keine Angst, Reserven haben auch diese Geräte „en masse“, so dass Salmoniden ü50 bei weitem keine unlösbare Aufgabe darstellen. Die größte Bachforelle in der letzten Saison an meiner Fario maß 58cm und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, sie nicht schnell und sicher ausdrillen zu können. Habt Vertrauen in Eure Rute, an ihr wird es mit Sicherheit nicht scheitern.

Apropos (ja, dieser Übergang liest sich jetzt vielleicht thematisch nicht ganz passend): Nach dem überraschenden Bruch des Handteils meiner 8er LPXe RS V2 habe ich innerhalb von nur wenigen Tagen ein neues Teil aus dem Hause Guideline bekommen. Da eine Rute normalerweise niemals an dieser Stelle brechen darf, wurde mir der Austausch nicht einmal in Rechnung gestellt. Natürlich gehört hier neben einer kundenfreundlichen Garantiepolitik auch ein kommunikativer Händler dazu. Mein Dank geht daher nicht nur nach Schweden, sondern zunächst nach Bedburg-Hau am Niederrhein und nach Peine für die schnelle und reibungslose Abwicklung. Ohne diesen vorbildlichen Service hätte ich die schönen Hechte der letzten Tage vermutlich nicht gefangen!

Ja, schön waren sie wirklich. Insbesondere zwei Exemplare ü80 cm, die ich wieder mit einem beschwerten Streamer im Barsch-Look verführen konnte. Wird Zeit, dass ich mich wieder mit Bucktail in weiß, grün und orange eindecke, denn der ein oder andere 6/0 und 4/0 Haken hat schon wieder meinen Bindestock verlassen. Dabei war ich doch gerade erst shoppen bzw. habe meine Weihnachts-Wunschliste abgehakt. Was drauf stand? Einiges! Dazu aber in einem späteren Beitrag mehr 😉

Die farbenfrohen Fotos dieser Galerie verdanke ich Max von Troutstalking.





Test: Ruten der Klasse #4

7 02 2013

von Alex

Anlass dieses Blogbeitrags ist eigentlich nur das Erscheinen des insgesamt dritten Rutentests auf Yellowstoneangler.com. Nachdem in den letzten zwei Jahren bereits ausführlich Ruten der Klasse #5 und #8 verglichen wurden, waren vor wenigen Wochen die Ruten der Klasse #4 dran. Wie immer finde ich das Vorgehen der Macher in vielerleri Hinsicht sehr plausibel: Insbesondere aufgrund der einheitlichen und nachvollziehbaren Kriterien besitzen die Vorstellungen der unterschiedlichen Produkte tatsächlich den Charakter eines „Tests“. Beim Lesen der Texte habe ich mir dann noch einmal vor Augen geführt, wie im deutschsprachigen Raum Produkte getestet werden und wieder gemerkt, dass ich mich hierüber in der Vergangenheit schon öfter geärgert habe – oder zumindest Kritikpunkte und Verbesserungspotential gesehen habe. Darüber nachdenkend bin ich dann zu diesem Text gekommen…

 

„Die Schonzeit bezeichnet den Zeitraum, in dem Fang und Tötung von Wild durch das Jagdgesetz verboten sind. […] In der Fischerei bezeichnet man allerdings als Schonzeit die Zeitspanne, in welcher die jeweiligen Fischarten laichen. Die Laichzeit ist von Art zu Art unterschiedlich, darum variieren die Schonzeiten über das ganze Jahr.“ (Wikipedia)

Wenn Fliegenfischer also im Winter von „Schonzeit“ sprechen, beziehen sie sich damit auf die Schonzeit der Forellen in den jeweiligen Regionen (z.B. in NRW: 20. Oktober bis einschließlich 15. März). Während die Rotgetupften sich also erholen dürfen, kann von einer „Schonung“ der Fischer hingegen während dieser Monate in keinster Weise die Rede sein. Weder die eigenen Nerven noch die eigene Geldbörse werden geschont: Zwar finden einige nach der Saison Ruhe während besinnlicher Stunden am Bindetisch, viele drängt es jedoch – obwohl draußen eisige Temperaten herrschen – immer wieder ins Freie, um Meerforelle, Hecht oder Huchen zu überlisten. Nebenbei wird dann auch noch – trotz der meist deutlich reduzierten Anzahl von Tagen am Wasser – das Konto strapaziert. Da werden Bindematerialien auf Messen gekauft oder im Internet bestellt (und zurück geschickt), da werden zahlreiche Informationen eingeholt und neue Gerätschaften angeschafft. Die meisten meiner Freunde treffe ich Mitte März dann mit neuen Ruten, Rollen, Wathosen, Watschuhen oder sonstigem (nützlichem oder weniger nützlichem) Zubehör am Flussufer.

Auf der Suche nach Informationen über eine etwaige neue Rute, zur Aufstockung des eigentlich bereits umfangreichen Sortiments in der eigenen Garage, vertrauen viele Fliegenfischer mittlerweile auf das Internet. Der Grund liegt wohl auch darin, dass es traurigerweise nur noch wenige Fachgeschäfte vor Ort gibt. Ich selber lebe beispielsweise leider in dieser Hinsicht in einem „schwarzen Loch“. Vielleicht liegt das Vertrauen in die (teils annonyme) Digitalität aber auch darin begründet, dass sich die Ratsuchenden „unabhängige“ Meinungen wünschen und sich nicht alleine auf die Anpreisungen der Händler – in ihrer Rolle als Verkäufer – stützen möchten. Eine Einstellung, die ich teilweise nachvollziehen kann. An dieser Stelle sei jedoch gleichzeitig betont, dass es durchaus auch zahlreiche Händler gibt, denen ich eine objektivere Sicht auf die Dinge zutraue. Händler, von denen ich weiß, dass Sie nicht nur „eine schnelle Mark“ machen möchten, sondern im Sinne einer nachhaltigen Kundenorientierung ehrliche Meinungen äußern und, hoffentlich vorrangig auf Basis von Erfahrungswerten, Verkaufsempfehlungen aussprechen. Meiner Ansicht nach ist dieser Weg der transparenten Kundenkommunikation ein wichtiger Stützpfeiler auf dem mittlerweile dicht besiedelten Markt der Fliegenfischerei und damit im fairen „Kampf“ um (Stamm-)Kunden.

Aber zurück zum Internet: Begibt man sich als Fliegenfischer(-neuling) auf die Suche nach einem Produkt ohne bereits sehr konkrete Vorstellungen zu haben – man weiß z. B. nur, dass es eine Rute der Klasse 4 sein soll – läuft man schnell Gefahr, von einer Informationsflut überrollt zu werden. Denn Meinungen gibt es in etwa so viele, wie Angebote in den zahlreichen Shops. Dabei scheint es gerade in den einzelnen Fachforen so zu sein, dass jeder die eigene Rute ohne Bedenken weiterempfehlen kann/möchte. Verständlich! Immerhin hat man sich selber für den Kauf der Rute entschieden. Geholfen wurde damit aber noch nicht. Daneben tummeln sich in diesen Teilöffentlichkeiten zum Glück aber auch jene, die z.B. durch unzählige Workshops, Kurse oder sonstige Tätigkeiten mit unterschiedlichen Gerätschaften in Kontakt gekommen sind. Aber woran soll man diese (verlässlichen) Beiträge erkennen, woran diese Personen festmachen? Hinzu kommt, dass einige dieser Experten so tief in der Materie sind, dass die Gefahr besteht, das Thema zu komplex anzugehen und im Endeffekt zu „verkomplizieren“. Es ist beeindruckend, die physikalischen Eigenschaften unterschiedlicher Blanks bei unterschiedlichen Belastungen differenzieren und beschreiben zu können. Meine ehrliche Anerkennung und volle Hochachtung. Auf manche wirkt diese Komplexität aber auch abschreckend. Das Stichwort lautet hier wie so oft „Adressatenorientierung“. Mit wem spreche ich? Welches Vorwissen ist vorhanden? Und natürlich: Was ist das eigentliche Anliegen des Ratsuchenden?

Über diese unterschiedlichen individuellen Einschätzungen hinaus, gibt es auch noch Produkttests. Teilweise finden sie sich in elektronischer Form den Fachforen angegliedert, teilweise werden sie aber auch im Rahmen klassischer Printerzeugnisse, also in Fachzeitschriften, kostenpflichtig anderen redaktionellen Artikeln zur Seite gestellt. Hierbei handelt es sich jedoch mehrheitlich nicht um „Tests“ im eigentlichen Sinne des Begriffs, sondern vielmehr um (teils sehr ausführliche und demnach durchaus auch informative) Produktbeschreibungen. Größtenteils wird aber diese primär deskriptive Textsorte von den meisten Autoren an vielen Stellen in Richtung einer persuasiven Textsorte – bis hin zur klassischen textbasierten Werbeanzeige – verlassen. Aus linguistischer Sicht manifestiert sich der Unterschied dieser Textsorten in einer Vielzahl sprachlicher Einheiten auf grammatischer und lexikalischer Ebene. Auf Wortbene gehören hierzu z.B. häufige Verwendung von Hochwertwörtern oder der gezielte Einsatz von Adjektiven bzw. Adverbien, mit denen die Eigenschaften eines Produkts nicht nur beschrieben, sondern insbesondere positiv konnotiert hervorgehoben werden sollen. Kritische Töne sind für das ungeschulte Auge und den weniger aufmerksamen Rezipienten nur schwer zu erkennen, lesen sich die (wenigen) weniger begeisterten „Tests“ doch eher wie Arbeitszeugnisse, in denen negative Wertungen nicht auftauchen dürfen und der Arbeitnehmer nur wohlwollend beurteilt werden darf. Auch dies ist letztlich nicht verwunderlich, werden die Forenbetreiber und Redaktionen doch für ihre Produkttests entweder von den Produzenten selber oder aber von den Zwischenhändlern gut bezahlt. Ohne Frage sind sich viele potentielle Käufer hierüber auch im Klaren und wissen die Tests reflektierend und sensibel zu behandeln. Stichwort: Medienkompetenz.

Was dennoch bleibt sind in meinen Augen zwei zentrale Versäumnisse der meisten „Tests“: Zum einen werden bei den meisten elektronischen Tests/Produktbeschreibungen/Produktempfehlungen/Werbetexten lediglich die aus dem Printbereich bekannten Ebenen „Bild“ und „Text“ verwendet. Ein großes Versäumnis in meinen Augen! Bieten sich doch gerade in Hypertexten mehr Möglichkeiten als in analogen medialen Umgebungen – z. B. die Einbettung von Videos oder der Einsatz von interaktiven Elementen in Sozialen Medien. Zum anderen fehlt es unterschiedlichen Produkttests in EINEM Medium (also beispielsweise in EINEM Forum oder in EINER Fachzeitschrift) oftmals an einheitlichen Testkriterien. Bei Rutentests meine ich hier natürlich nicht vordergründige Kriterien wie „Gewicht“, „Segmentierung“ oder „Preis“. Natürlich sind auch diese Angaben von Relevanz für einen etwaigen Kauf, sie finden sich aber auch schon auf den Webseiten der Hersteller. Was ich meine sind eindeutig definierte Kriterien die bei der späteren Verwendung der Produkte (z. B. der Rute) in der Praxis, also am Wasser, eine zentrale Rolle spielen. Ich will nicht lesen, dass eine Rute mit Nymphe, Streamer und Trockenfliege gefischt werden kann. Natürlich kann sie das! Aber ebenso natürlich gibt es von Rute zu Rute große Unterschiede in der Verwendung unterschiedler Köder und in der Anwendung unterschiedlicher Techniken. Ich will auch nicht lesen, dass der Tester die Schnur über die Rute bis ins Backing werfen kann. Natürlich kann ein sehr geübter Werfer das! Aber wo braucht man das? Wen interessiert das überhaupt? Mich jedenfalls nicht… Meiner Meinung nach sollten Tester im Internet – um über ihre Empfehlungen hinaus den Anschluss an die eigentliche Aufgabe dieser Textsorte wieder zu gewinnen – versuchen, mindestens in Hinblick auf diese zwei Aspekte ihre Tests zu ergänzen. (1.) Durch plausible, einheitliche und nachvollziehbare Kriterien wird eine Vergleichbarkeit gewährleistet. (2.) Die unterschiedlichen praktischen Einsatzmöglichkeiten des Geräts am Wasser sollten im Vodergrund stehen. Diese können durch den Einsatz medialer Möglichkeiten wie Videos zusätzlich veranschaulicht werden. Ich denke dass alleine hierdurch das Interesse und das Vertrauen vieler (neuer) Leser und somit potentieller Käufer gewonnen werden können.

Vor diesem Hintergrund abschließend nun noch der Hinweis auf den in meinen Augen – zumindest in vielerlei Hinsicht – positiv zu bewertenden neuen Test auf Yellowstoneangler (Ruten der Klasse #4). Natürlich handelt es sich bei den Machern gleichzeitig auch um die Betreiber eines Shops. Dennoch sind Aufbau, Durchführung und auch Ergebnisse des Tests (und somit auch die Informationen für den Leser) weitaus transparenter, als andere mir bekannte Beispiele. Zu betonen ist hier auch, dass es sich um mehrere Tester gehandelt hat, die die 20 Ruten unter verschiedenen Gesichtspunkten begutachtet haben. Was der Leser letztendlich also geliefert bekommt sind unterschiedliche Meinungen auf Basis gleicher Testkriterien.

Nun soll an dieser Stelle aber nicht der Eindruck entstehen, als müsse jeder, der auf der Suche nach einer Rute der Klasse #4, #5 oder #8 ist, nun den jeweiligen „Sieger“ in diesem fairen „Rennen“ kaufen. Nein, das ist nicht mein Anliegen. Daher verschone ich Euch auch mit einer Zusammenfassung des Tests an dieser Stelle. Vielmehr möchte ich gerade Neulingen den Rat geben, sich fundierte Informationen – aus unterschiedlichen Quellen – vor dem Kauf eines Produkts einzuholen und den oben kritisierten „Tests“ mit der selben Vorsicht und nüchternen Distanz zu begegnen, wie der Werbung für Zigaretten im Kino (etwas zugespitzt formuliert). Letztlich ist und bleibt die Wahl einer Rute oder anderer Produkte doch immer auch geprägt von den persönlichen (Design-)Vorlieben, der individuellen Nutzung und dem eigenen Geldbeutel eines jeden von uns. Und das ist auch gut so!








%d Bloggern gefällt das: