Test: Ruten der Klasse #4

7 02 2013

von Alex

Anlass dieses Blogbeitrags ist eigentlich nur das Erscheinen des insgesamt dritten Rutentests auf Yellowstoneangler.com. Nachdem in den letzten zwei Jahren bereits ausführlich Ruten der Klasse #5 und #8 verglichen wurden, waren vor wenigen Wochen die Ruten der Klasse #4 dran. Wie immer finde ich das Vorgehen der Macher in vielerleri Hinsicht sehr plausibel: Insbesondere aufgrund der einheitlichen und nachvollziehbaren Kriterien besitzen die Vorstellungen der unterschiedlichen Produkte tatsächlich den Charakter eines „Tests“. Beim Lesen der Texte habe ich mir dann noch einmal vor Augen geführt, wie im deutschsprachigen Raum Produkte getestet werden und wieder gemerkt, dass ich mich hierüber in der Vergangenheit schon öfter geärgert habe – oder zumindest Kritikpunkte und Verbesserungspotential gesehen habe. Darüber nachdenkend bin ich dann zu diesem Text gekommen…

 

„Die Schonzeit bezeichnet den Zeitraum, in dem Fang und Tötung von Wild durch das Jagdgesetz verboten sind. […] In der Fischerei bezeichnet man allerdings als Schonzeit die Zeitspanne, in welcher die jeweiligen Fischarten laichen. Die Laichzeit ist von Art zu Art unterschiedlich, darum variieren die Schonzeiten über das ganze Jahr.“ (Wikipedia)

Wenn Fliegenfischer also im Winter von „Schonzeit“ sprechen, beziehen sie sich damit auf die Schonzeit der Forellen in den jeweiligen Regionen (z.B. in NRW: 20. Oktober bis einschließlich 15. März). Während die Rotgetupften sich also erholen dürfen, kann von einer „Schonung“ der Fischer hingegen während dieser Monate in keinster Weise die Rede sein. Weder die eigenen Nerven noch die eigene Geldbörse werden geschont: Zwar finden einige nach der Saison Ruhe während besinnlicher Stunden am Bindetisch, viele drängt es jedoch – obwohl draußen eisige Temperaten herrschen – immer wieder ins Freie, um Meerforelle, Hecht oder Huchen zu überlisten. Nebenbei wird dann auch noch – trotz der meist deutlich reduzierten Anzahl von Tagen am Wasser – das Konto strapaziert. Da werden Bindematerialien auf Messen gekauft oder im Internet bestellt (und zurück geschickt), da werden zahlreiche Informationen eingeholt und neue Gerätschaften angeschafft. Die meisten meiner Freunde treffe ich Mitte März dann mit neuen Ruten, Rollen, Wathosen, Watschuhen oder sonstigem (nützlichem oder weniger nützlichem) Zubehör am Flussufer.

Auf der Suche nach Informationen über eine etwaige neue Rute, zur Aufstockung des eigentlich bereits umfangreichen Sortiments in der eigenen Garage, vertrauen viele Fliegenfischer mittlerweile auf das Internet. Der Grund liegt wohl auch darin, dass es traurigerweise nur noch wenige Fachgeschäfte vor Ort gibt. Ich selber lebe beispielsweise leider in dieser Hinsicht in einem „schwarzen Loch“. Vielleicht liegt das Vertrauen in die (teils annonyme) Digitalität aber auch darin begründet, dass sich die Ratsuchenden „unabhängige“ Meinungen wünschen und sich nicht alleine auf die Anpreisungen der Händler – in ihrer Rolle als Verkäufer – stützen möchten. Eine Einstellung, die ich teilweise nachvollziehen kann. An dieser Stelle sei jedoch gleichzeitig betont, dass es durchaus auch zahlreiche Händler gibt, denen ich eine objektivere Sicht auf die Dinge zutraue. Händler, von denen ich weiß, dass Sie nicht nur „eine schnelle Mark“ machen möchten, sondern im Sinne einer nachhaltigen Kundenorientierung ehrliche Meinungen äußern und, hoffentlich vorrangig auf Basis von Erfahrungswerten, Verkaufsempfehlungen aussprechen. Meiner Ansicht nach ist dieser Weg der transparenten Kundenkommunikation ein wichtiger Stützpfeiler auf dem mittlerweile dicht besiedelten Markt der Fliegenfischerei und damit im fairen „Kampf“ um (Stamm-)Kunden.

Aber zurück zum Internet: Begibt man sich als Fliegenfischer(-neuling) auf die Suche nach einem Produkt ohne bereits sehr konkrete Vorstellungen zu haben – man weiß z. B. nur, dass es eine Rute der Klasse 4 sein soll – läuft man schnell Gefahr, von einer Informationsflut überrollt zu werden. Denn Meinungen gibt es in etwa so viele, wie Angebote in den zahlreichen Shops. Dabei scheint es gerade in den einzelnen Fachforen so zu sein, dass jeder die eigene Rute ohne Bedenken weiterempfehlen kann/möchte. Verständlich! Immerhin hat man sich selber für den Kauf der Rute entschieden. Geholfen wurde damit aber noch nicht. Daneben tummeln sich in diesen Teilöffentlichkeiten zum Glück aber auch jene, die z.B. durch unzählige Workshops, Kurse oder sonstige Tätigkeiten mit unterschiedlichen Gerätschaften in Kontakt gekommen sind. Aber woran soll man diese (verlässlichen) Beiträge erkennen, woran diese Personen festmachen? Hinzu kommt, dass einige dieser Experten so tief in der Materie sind, dass die Gefahr besteht, das Thema zu komplex anzugehen und im Endeffekt zu „verkomplizieren“. Es ist beeindruckend, die physikalischen Eigenschaften unterschiedlicher Blanks bei unterschiedlichen Belastungen differenzieren und beschreiben zu können. Meine ehrliche Anerkennung und volle Hochachtung. Auf manche wirkt diese Komplexität aber auch abschreckend. Das Stichwort lautet hier wie so oft „Adressatenorientierung“. Mit wem spreche ich? Welches Vorwissen ist vorhanden? Und natürlich: Was ist das eigentliche Anliegen des Ratsuchenden?

Über diese unterschiedlichen individuellen Einschätzungen hinaus, gibt es auch noch Produkttests. Teilweise finden sie sich in elektronischer Form den Fachforen angegliedert, teilweise werden sie aber auch im Rahmen klassischer Printerzeugnisse, also in Fachzeitschriften, kostenpflichtig anderen redaktionellen Artikeln zur Seite gestellt. Hierbei handelt es sich jedoch mehrheitlich nicht um „Tests“ im eigentlichen Sinne des Begriffs, sondern vielmehr um (teils sehr ausführliche und demnach durchaus auch informative) Produktbeschreibungen. Größtenteils wird aber diese primär deskriptive Textsorte von den meisten Autoren an vielen Stellen in Richtung einer persuasiven Textsorte – bis hin zur klassischen textbasierten Werbeanzeige – verlassen. Aus linguistischer Sicht manifestiert sich der Unterschied dieser Textsorten in einer Vielzahl sprachlicher Einheiten auf grammatischer und lexikalischer Ebene. Auf Wortbene gehören hierzu z.B. häufige Verwendung von Hochwertwörtern oder der gezielte Einsatz von Adjektiven bzw. Adverbien, mit denen die Eigenschaften eines Produkts nicht nur beschrieben, sondern insbesondere positiv konnotiert hervorgehoben werden sollen. Kritische Töne sind für das ungeschulte Auge und den weniger aufmerksamen Rezipienten nur schwer zu erkennen, lesen sich die (wenigen) weniger begeisterten „Tests“ doch eher wie Arbeitszeugnisse, in denen negative Wertungen nicht auftauchen dürfen und der Arbeitnehmer nur wohlwollend beurteilt werden darf. Auch dies ist letztlich nicht verwunderlich, werden die Forenbetreiber und Redaktionen doch für ihre Produkttests entweder von den Produzenten selber oder aber von den Zwischenhändlern gut bezahlt. Ohne Frage sind sich viele potentielle Käufer hierüber auch im Klaren und wissen die Tests reflektierend und sensibel zu behandeln. Stichwort: Medienkompetenz.

Was dennoch bleibt sind in meinen Augen zwei zentrale Versäumnisse der meisten „Tests“: Zum einen werden bei den meisten elektronischen Tests/Produktbeschreibungen/Produktempfehlungen/Werbetexten lediglich die aus dem Printbereich bekannten Ebenen „Bild“ und „Text“ verwendet. Ein großes Versäumnis in meinen Augen! Bieten sich doch gerade in Hypertexten mehr Möglichkeiten als in analogen medialen Umgebungen – z. B. die Einbettung von Videos oder der Einsatz von interaktiven Elementen in Sozialen Medien. Zum anderen fehlt es unterschiedlichen Produkttests in EINEM Medium (also beispielsweise in EINEM Forum oder in EINER Fachzeitschrift) oftmals an einheitlichen Testkriterien. Bei Rutentests meine ich hier natürlich nicht vordergründige Kriterien wie „Gewicht“, „Segmentierung“ oder „Preis“. Natürlich sind auch diese Angaben von Relevanz für einen etwaigen Kauf, sie finden sich aber auch schon auf den Webseiten der Hersteller. Was ich meine sind eindeutig definierte Kriterien die bei der späteren Verwendung der Produkte (z. B. der Rute) in der Praxis, also am Wasser, eine zentrale Rolle spielen. Ich will nicht lesen, dass eine Rute mit Nymphe, Streamer und Trockenfliege gefischt werden kann. Natürlich kann sie das! Aber ebenso natürlich gibt es von Rute zu Rute große Unterschiede in der Verwendung unterschiedler Köder und in der Anwendung unterschiedlicher Techniken. Ich will auch nicht lesen, dass der Tester die Schnur über die Rute bis ins Backing werfen kann. Natürlich kann ein sehr geübter Werfer das! Aber wo braucht man das? Wen interessiert das überhaupt? Mich jedenfalls nicht… Meiner Meinung nach sollten Tester im Internet – um über ihre Empfehlungen hinaus den Anschluss an die eigentliche Aufgabe dieser Textsorte wieder zu gewinnen – versuchen, mindestens in Hinblick auf diese zwei Aspekte ihre Tests zu ergänzen. (1.) Durch plausible, einheitliche und nachvollziehbare Kriterien wird eine Vergleichbarkeit gewährleistet. (2.) Die unterschiedlichen praktischen Einsatzmöglichkeiten des Geräts am Wasser sollten im Vodergrund stehen. Diese können durch den Einsatz medialer Möglichkeiten wie Videos zusätzlich veranschaulicht werden. Ich denke dass alleine hierdurch das Interesse und das Vertrauen vieler (neuer) Leser und somit potentieller Käufer gewonnen werden können.

Vor diesem Hintergrund abschließend nun noch der Hinweis auf den in meinen Augen – zumindest in vielerlei Hinsicht – positiv zu bewertenden neuen Test auf Yellowstoneangler (Ruten der Klasse #4). Natürlich handelt es sich bei den Machern gleichzeitig auch um die Betreiber eines Shops. Dennoch sind Aufbau, Durchführung und auch Ergebnisse des Tests (und somit auch die Informationen für den Leser) weitaus transparenter, als andere mir bekannte Beispiele. Zu betonen ist hier auch, dass es sich um mehrere Tester gehandelt hat, die die 20 Ruten unter verschiedenen Gesichtspunkten begutachtet haben. Was der Leser letztendlich also geliefert bekommt sind unterschiedliche Meinungen auf Basis gleicher Testkriterien.

Nun soll an dieser Stelle aber nicht der Eindruck entstehen, als müsse jeder, der auf der Suche nach einer Rute der Klasse #4, #5 oder #8 ist, nun den jeweiligen „Sieger“ in diesem fairen „Rennen“ kaufen. Nein, das ist nicht mein Anliegen. Daher verschone ich Euch auch mit einer Zusammenfassung des Tests an dieser Stelle. Vielmehr möchte ich gerade Neulingen den Rat geben, sich fundierte Informationen – aus unterschiedlichen Quellen – vor dem Kauf eines Produkts einzuholen und den oben kritisierten „Tests“ mit der selben Vorsicht und nüchternen Distanz zu begegnen, wie der Werbung für Zigaretten im Kino (etwas zugespitzt formuliert). Letztlich ist und bleibt die Wahl einer Rute oder anderer Produkte doch immer auch geprägt von den persönlichen (Design-)Vorlieben, der individuellen Nutzung und dem eigenen Geldbeutel eines jeden von uns. Und das ist auch gut so!

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Vorfächer von Stroft

14 03 2012

Als ich vor etwa einem halben Jahr erfahren habe, dass die in Deutschland ansässige Waku GmbH – bekannt für ihre Monofilschnur mit dem bei Fliegenfischern so bekannten Namen „Stroft“ – endlich gezogene, verjüngte Vorfächer auf den Markt bringen wird, war ich direkt angetan. Seit nunmehr einigen Jahren verwende ich ihr Material in vielen Einsatzgebieten als letzte Instanz zwischen mir und meiner Fliege. So stand schnell fest: die neuen Vorfächer von Stroft müssen ausprobiert werden! Nun habe ich pünktlich für den Saisonstart ein paar Exemplare in 9 und 12 ft. Länge auf meinem Schreibtisch liegen (im letzten Jahr bin ich leider nicht mehr dazu gekommen). Die Vorfächer werden auf einer großen Spule geliefert, ein Vorteil gegenüber vielen anderen Herstellern, wird auf diese Weise doch ein „memory effect“ reduziert. Dass die Spule zusätzlich in Plastik eingeschweißt wird, erschließt sich mir hingegen nicht. Dies war übrigens auch der Hauptkritikpunkt der 25 Tester, die das neue Produkt im letzten Jahr im Auftrag des Fliegenfischer-Forums ganz genau unter die Lupe und mit ans Wasser genommen haben. Die unterm Strich durchweg positiven Ergebnisse des Tests findet Ihr hier: http://fliegenfischer-forum.de/stroft4.html. Im Artikel wird überdies auf einen besonderen Service von Waku hingewiesen:

„Auf Basis der verfügbaren Vorfächer haben die Leute bei WAKU die enorme Zahl von über 1000 verschiedenen Vorschlägen und Möglichkeiten zur eigenen Vorfach-Zusammenstellung erarbeitet und veröffentlicht!“ (Fliegenfischer-Forum)

Das ganze nennt sich dann „Vorfachfinder“ und ist in der Tat für den etwas versierteren Fliegenfischer interessant. Denn im Hinblick auf die beiden Kriterien „Scheuchwirkung“ und „Streckverhalten“ lassen sich alle 44 Vorfächer mit dessen Hilfe individuell an die fischereilichen Gegebenheiten anpassen. In übersichtlichen .pdf-Dateien erhaltet Ihr per Mausklick detaillierte Anweisungen zum Kürzen bzw. Verlängern Eures Vorfachs. Ich persönlich entscheide so etwas letztlich jedoch lieber am Wasser als am heimischen Monitor: Lässt sich das Vorfach nicht in der von mir gewünschten Weise präsentieren, z.B. aufgrund von zu starkem Gegenwind, weil ich besonders schwere/leichte Fliegen verwende oder aber weil der Wasserstand zu niedrig und die Fischerei dadurch sehr heikel ist, kommen Nipper und Tippetmaterial zum Einsatz. Ein Blick in den Vorfachfinder sowie in die generellen Tipps zur Findung des geeigneten Vorfachs können aber sicher nicht schaden 😉

Am Freitag werde ich die Vorfächer jedenfalls das erste Mal an meine Flugschnur schlaufen und bin gespannt, wie sich meine Nymphen und Trockenfliegen zum Fisch bringen lassen. Meine Eindrücke werde ich natürlich in meinem Bericht zum Saisonstart unterbringen.

Abschließend würde ich von Euch noch gerne wissen, für welche Art von Vorfach ihr Euch entschieden habt? Gezogene, vorgefertigte Vorfächer? Wenn ja, mit zusätzlicher Vorfachspitze? Geflochtene Vorfächer? Oder knüpft Ihr ganz klassisch noch komplett selber?





Scale Magazine #4

1 03 2012

Gerade erreichte mich per Mail und Facebook die frohe Botschaft, dass die vierte Ausgabe des „Scale Magazine“ endlich draußen ist. Die in Hamburg publizierte Lektüre für lesehungrige Fliegenfischer ist sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zugänglich und spukt seit Mitte 2011 kostenfrei im Netz umher. Mittlerweile dürfen sich die ambitionierten Macher – dank über 2.000.000 Klicks – mit Stolz als Herausgeber des „erfolgreichsten europäische Spin- und Fliegenfischermagazin“ bezeichnen. Gratulation hierzu!

Ich habe bisher zwar nur kurz durch die aktuelle Ausgabe blättern können, aber die Artikel über Patagonien und die Äschenpirsch an der Glomma werde ich mir aber noch einmal in Ruhe genauer ansehen. Das solltet ihr natürlich auch tun, um die letzten Tage bis zum Saisonstart zu überbrücken 😉 Wo geht es denn bei Euch als erstes ans Wasser?





Produktkataloge – Information und Persuasion

11 01 2011

Gestern stöberte ich ein wenig gelangweilt bei Facebook nach Gruppen- und Infoseiten zu unserem Lieblingsthema. Dabei stieß ich über Umwege auf die Seite von Simms Fishing Products. Da Simms bereits 9.999 „Likes“ für sich verbuchen konnte, zögerte ich nicht lange und stimmte zu: Simms? Gefällt mir! Punktlandung. 10.000 mal den digitalen „Daumen hoch“. Jede Menge virtuelle Zustimmung für den Hersteller von Watklamotten aus dem Herzen Montanas.

Verwundert war ich hierüber allerdings kaum. Denn ich denke, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, dass es kaum einen Fliegenfischer zwischen hier und Bozeman gibt, der nicht schon einmal etwas über Simms gehört oder einen anderen Fliegenfischer mit einer entsprechenden Wathose oder -jacke am Wasser getroffen hat. Ich habe zwar leider keine verlässlichen Zahlen, aber ich bin mir sehr sicher: Simms ist im Bereich der funktionalen Bekleidung für Fliegenfischer mit Abstand Weltmarktführer. Aber was ist der Grund für diese Vormachtstellung? Liegt es an der verlässlichen Qualität und sauberen Verarbeitung der Produkte? Der am Wasser erprobten Funktionalität? Dem innovativen Design?

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Ich weiß nur, dass ich selber auch einige Produkte von Simms im Kofferraum meines Kombis liegen habe. Sei es meine Wathose, meine Watjacke, meine Watschuhe, meine Fleecehose oder meine hässliche gelbe Glückskappe – der Gewinn meines belgischen Freundes Ralf bei einem Bindewettbewerb; er wollte sie aufgrund der knalligen Farbe nicht tragen und schenkte sie mir: alle haben ihre speziellen Aufgaben im Dauereinsatz bisher mit Bravour erledigt und mich noch nie im Stich gelassen. Aber wie sind all diese Sachen in meinen Kofferraum gekommen? Am günstigen Preis liegt es sicher nicht! Ok, ich habe hier und da ein Schnäppchen gemacht, aber dennoch.

Ein Teil der Antwort liegt mit Sicherheit – neben der Qualität – auch im Image von Simms und ist den zahlreichen Marketingkampagnen geschuldet. Träger bzw. Medien dieser absatzsteigernden Strategien sind neben der eigenen Webseite, stimmungsvollen Bildanzeigen und „gesponsorten“ Videos in Online-Magazinen bestimmt auch die jährlichen Produktkataloge. Die neuste Ausgabe, für das junge Jahr 2011, ist erst vor ein paar Tagen im Internet als „e-catalog“ erschienen. Für einen fliegenfischenden Kommunikationswissenschaftler wie mich, der sich beruflich auch mit Werbung und Werbesprache beschäftigt, ist ein Blick in einen solchen Katalog doppelt interessant: Auf der einen Seite bietet er direkt und beschreibend „echte“ Information. Der potentielle Käufer wird über die Eigenschaften eines Produktes aufgeklärt. Auf der anderen Seite – und dieser Aspekt ist mindestens ebenso wichtig – versteht er es sowohl durch Sprache als auch (und vorallem) durch schwarz-weiß Fotos indirekt zu beeinflussen, oder zumindest, ein bestimmtes Gefühl zu erzeugen. Information und Persusion. Es wäre sicherlich interessant, diesen Katalog unter den zwei Gesichtspunkten einmal genauer zu analysieren.

(Natürlich kann ich mir auch die Kataloge von Sage, Hardy, Guideline, Vision oder oder oder anschauen. In meinen Augen hat aber kein Hersteller eine vergleichbare Sonderstellung auf dem Markt; apropos und nur zum Vergleich: Amerikas Rutenbauer Nr.1, Sage, hat nur knapp 2000 Facebook „likes“, Hardy aus England unter 400 „gefällt mir“)

Simms Produktkatalog – Information und Persuasion


Und auch wenn ich mir dieser persuasiven Strategien vollkommen bewusst bin und Kataloge normalerweise nur oberflächlich durchblätter: Wathose, -jacke und -schuhe sind trotzdem irgendwie in meinem Kofferraum gelandet… und dies ist sicherlich nicht den eifrigen Produkttests im Fliegenfischerforum zu verdanken.

Was denkt Ihr über dieses Thema? Warum entscheiden wir uns für bestimmte Produkte und lassen andere, vergleichbare Produkte links liegen? Rein rational auf Basis von Information und vor dem Hintergrund sachlicher Abwägung von Argumenten? Oder lassen wir uns – auch wenn wir es nicht immer zugeben wollen – doch auch ein bisschen um den Finger wickeln?

Würde mich freuen zu hören/zu lesen was Ihr hierüber denkt!





Duell der Allrounder

6 01 2011

Wie schon in den letzten Jahren, hat Yellowstone Angler George Anderson auch diesen kalten Winter Montanas genutzt, um einige 5er Ruten in 9 Fuß ausgiebig miteinander zu vergleichen. Unzählige dieser vermeintlichen „Allrounder“ – praktikabel sowohl für das Fischen mit der Trockenfliege als auch mit Nymphe(n) oder Streamer – tummeln sich auf dem dichten Rutenmarkt und buhlen um die Gunst der Fliegenfischer. Eine Kaufentscheidung fällt vielen, gerade Einsteigern, nicht gerade leicht. Wie auch? Die bunten Hochglanzkataloge der Hersteller und Verkäufer preisen ihre Produkte in den Himmel und suggerieren mühelose Wurfergebnisse und Fangerfolge. Fachmagazine – ob digital oder analog – verlieren leider selten ein kritisches Wort und in den zahlreichen Foren tummeln sich oftmals so viele Meinungen wie Nutzer. Zugegeben: Auch der Test von George Anderson ist natürlich stark subjektiv geprägt (Funktioniert Fliegenfischen/Fliegenwerfen überhaupt ohne eine eigene persönliche Empfindung?), aber dennoch bietet er zumindest einen fundierten (plausible Testkriterien) und direkten Vergleich zwischen den ausgewählten Ruten. 18 getestete Modelle an der Zahl.

Beim letzten Duell der Allrounder landete die von mir sehr gerne gefischte Z-Axis auf dem Siegerpodest. In diesem Jahr muss sich der mittlerweile gereifte Zögling der amerikanischen Rutenschmiede Sage (zumindest knapp) geschlagen geben und erhält die Silbermedaille. Gold geht in dieser Runde, hauptsächlich aufgrund einer besseren Performance bei sehr kurzen Wurfweiten, an das neue Flaggschiff aus dem Hause Hardy: die Zenith. Eine positive Überraschung im breiten Testfeld ist die neue, „günstige“ Passport von Winston: aufgrund ihres sehr überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnisses.

Eine Kaufentscheidung sollte freilich auf Basis eines solchen Tests nicht getroffen werden, aber er kann durchaus helfen, ein wenig Licht in das Dunkel des Rutenwaldes zu bringen. Den Weg zum Händler, um die potentiellen Kandidaten selber zu werfen, nimmt uns noch niemand ab. Auch die geliehenen Ruten vom Onlinehändler müssen wir eigenhändig unter die Lupe nehmen. Und das ist auch gut so! Denn Fliegenfischen/Fliegenwerfen hat in meinen Augen viel, sehr viel mit der persönlichen Empfindung zu tun.

Diese Empfindung, dieses Gespür, ja, diesen ganz eigenen, persönlichen Geschmack zu entwickeln und auch benennen zu können, ist ein langer Weg. Hier hilft nur der Gang ans Wasser oder auf die Wiese. Also los!

Testergebnisse 2011, von George Anderson

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5-Weight Shoot Outs:

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