Vision: Fly vs. Jerk

30 01 2014

von Alex

Der Markt für Produkte und Dienstleistungen rund um das Thema ‚Fliegenfischen‘ ist in den letzten Jahren rasant gewachsen und wird von Produzenten, Herstellern, Händlern und vielen weiteren Akteuren gleichermaßen umkämpft. Ergebnis dieses ‚Kampfes‘ sind für den Endverbraucher – also uns Fliegenfischer – eine Fülle von Angeboten, aus denen es nicht immer ganz einfach ist auszuwählen. Um aus dieser Flut von Möglichkeiten herauszustechen und sich im Werbe-Dschugel Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen, sind moderne Formen des Marketings mittlerweile in vielen Köpfen der Macher hinter der Bühne angekommen und werden vor dem Vorhang, für uns Konsumenten, aufgeführt. Während es in den letzten Jahren vornehmlich noch amerikanische Firmen waren, die hierbei kreative und innovative Strategien entwickelt haben, gibt es in der jüngeren Vergangenheit insbesondere aus Skandinavien ebenfalls sehr interessante Ansätze.

Vision Fly Fishing (bzw. die aktuelle Kampagne des in Finnland sitzenden Herstellers) ist in diesem Zusammenhang ein sehr gutes Beispiel: Um die hauseigene Linie an Produkten für das Fliegenfischen auf Hecht zu promoten, haben sie bereits in den letzten Jahren in Kooperation mit Kanalgratis.se einen unterhaltsamen Wettkampf zwischen Fliegenfischern auf der einen und Spinnfischern auf der anderen Seite organisiert und im Internet in Form bewegter Bilder dokumentiert. Während die ersten Ausgaben jedoch noch in kürzeren und wenig aufwendigen Videos mündeten, ist 2014 eine weitaus komplexere 6-teilige Serie bei YouTube entstanden, die in Ablauf und Skript sogar eine gewisse Spannung erzeugen kann. Die einzelnen Episoden wurden Woche für Woche publiziert und von anderen medialen Formaten in den sozialen Medien (etwa auf Instagram oder Facebook) begleitet. Schnell waren zwischen 15.000 und 20.000 Klicks bei YouTube pro Folge verbucht. Beachtliche Zahlen! Ich bin mir sicher, dass auch die Verkaufszahlen der Big Daddys, der Venus Salzwasserruten, der neuen Watjacken und von vielen weiteren Produkten der aktuellen Kollektion davon beeinflusst werden.

Für alle, die das unterhaltsame Format ‚Fly vs. Jerk‚ (gedreht wurde hauptsächlich in Südschweden) bisher nicht gesehen haben, hier ein kurzes ‚About‘ und die Episoden 1 bis 6.

„In this Fly vs Jerk, Team Fly with Niklaus Bauer and Thomas Søbirk fishes against Team Jerk with Stefan „Trumman“ Trumstedt and Claes „Svartzonker“ Claesson in an epic battle between the two fishing styles. The teams have three days and are free to go wherever they want within Sweden and their mission is to catch as many and as big pikes as possible…“

Ganz nebenbei: Die Fischerei in den gezeigten Gewässern ist natürlich ebenfalls total beeindruckend! Nicht nur aufgrund der hohen Anzahl gefangener Fische, sondern insbesondere aufgrund der Fischdichte, der Kondition und Agression der Hechte gerät man ins Schwärmen – wie man vielleicht an meinen Postings auf Facebook gemerkt hat – und bekommt Fernweh. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass wir im Sommer auch wieder nach Skandinavien fahren werden? 😉 Dazu aber in einem anderen Beitrag mehr! Jetzt erstmal Zurücklehnen:

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Test: Ruten der Klasse #4

7 02 2013

von Alex

Anlass dieses Blogbeitrags ist eigentlich nur das Erscheinen des insgesamt dritten Rutentests auf Yellowstoneangler.com. Nachdem in den letzten zwei Jahren bereits ausführlich Ruten der Klasse #5 und #8 verglichen wurden, waren vor wenigen Wochen die Ruten der Klasse #4 dran. Wie immer finde ich das Vorgehen der Macher in vielerleri Hinsicht sehr plausibel: Insbesondere aufgrund der einheitlichen und nachvollziehbaren Kriterien besitzen die Vorstellungen der unterschiedlichen Produkte tatsächlich den Charakter eines „Tests“. Beim Lesen der Texte habe ich mir dann noch einmal vor Augen geführt, wie im deutschsprachigen Raum Produkte getestet werden und wieder gemerkt, dass ich mich hierüber in der Vergangenheit schon öfter geärgert habe – oder zumindest Kritikpunkte und Verbesserungspotential gesehen habe. Darüber nachdenkend bin ich dann zu diesem Text gekommen…

 

„Die Schonzeit bezeichnet den Zeitraum, in dem Fang und Tötung von Wild durch das Jagdgesetz verboten sind. […] In der Fischerei bezeichnet man allerdings als Schonzeit die Zeitspanne, in welcher die jeweiligen Fischarten laichen. Die Laichzeit ist von Art zu Art unterschiedlich, darum variieren die Schonzeiten über das ganze Jahr.“ (Wikipedia)

Wenn Fliegenfischer also im Winter von „Schonzeit“ sprechen, beziehen sie sich damit auf die Schonzeit der Forellen in den jeweiligen Regionen (z.B. in NRW: 20. Oktober bis einschließlich 15. März). Während die Rotgetupften sich also erholen dürfen, kann von einer „Schonung“ der Fischer hingegen während dieser Monate in keinster Weise die Rede sein. Weder die eigenen Nerven noch die eigene Geldbörse werden geschont: Zwar finden einige nach der Saison Ruhe während besinnlicher Stunden am Bindetisch, viele drängt es jedoch – obwohl draußen eisige Temperaten herrschen – immer wieder ins Freie, um Meerforelle, Hecht oder Huchen zu überlisten. Nebenbei wird dann auch noch – trotz der meist deutlich reduzierten Anzahl von Tagen am Wasser – das Konto strapaziert. Da werden Bindematerialien auf Messen gekauft oder im Internet bestellt (und zurück geschickt), da werden zahlreiche Informationen eingeholt und neue Gerätschaften angeschafft. Die meisten meiner Freunde treffe ich Mitte März dann mit neuen Ruten, Rollen, Wathosen, Watschuhen oder sonstigem (nützlichem oder weniger nützlichem) Zubehör am Flussufer.

Auf der Suche nach Informationen über eine etwaige neue Rute, zur Aufstockung des eigentlich bereits umfangreichen Sortiments in der eigenen Garage, vertrauen viele Fliegenfischer mittlerweile auf das Internet. Der Grund liegt wohl auch darin, dass es traurigerweise nur noch wenige Fachgeschäfte vor Ort gibt. Ich selber lebe beispielsweise leider in dieser Hinsicht in einem „schwarzen Loch“. Vielleicht liegt das Vertrauen in die (teils annonyme) Digitalität aber auch darin begründet, dass sich die Ratsuchenden „unabhängige“ Meinungen wünschen und sich nicht alleine auf die Anpreisungen der Händler – in ihrer Rolle als Verkäufer – stützen möchten. Eine Einstellung, die ich teilweise nachvollziehen kann. An dieser Stelle sei jedoch gleichzeitig betont, dass es durchaus auch zahlreiche Händler gibt, denen ich eine objektivere Sicht auf die Dinge zutraue. Händler, von denen ich weiß, dass Sie nicht nur „eine schnelle Mark“ machen möchten, sondern im Sinne einer nachhaltigen Kundenorientierung ehrliche Meinungen äußern und, hoffentlich vorrangig auf Basis von Erfahrungswerten, Verkaufsempfehlungen aussprechen. Meiner Ansicht nach ist dieser Weg der transparenten Kundenkommunikation ein wichtiger Stützpfeiler auf dem mittlerweile dicht besiedelten Markt der Fliegenfischerei und damit im fairen „Kampf“ um (Stamm-)Kunden.

Aber zurück zum Internet: Begibt man sich als Fliegenfischer(-neuling) auf die Suche nach einem Produkt ohne bereits sehr konkrete Vorstellungen zu haben – man weiß z. B. nur, dass es eine Rute der Klasse 4 sein soll – läuft man schnell Gefahr, von einer Informationsflut überrollt zu werden. Denn Meinungen gibt es in etwa so viele, wie Angebote in den zahlreichen Shops. Dabei scheint es gerade in den einzelnen Fachforen so zu sein, dass jeder die eigene Rute ohne Bedenken weiterempfehlen kann/möchte. Verständlich! Immerhin hat man sich selber für den Kauf der Rute entschieden. Geholfen wurde damit aber noch nicht. Daneben tummeln sich in diesen Teilöffentlichkeiten zum Glück aber auch jene, die z.B. durch unzählige Workshops, Kurse oder sonstige Tätigkeiten mit unterschiedlichen Gerätschaften in Kontakt gekommen sind. Aber woran soll man diese (verlässlichen) Beiträge erkennen, woran diese Personen festmachen? Hinzu kommt, dass einige dieser Experten so tief in der Materie sind, dass die Gefahr besteht, das Thema zu komplex anzugehen und im Endeffekt zu „verkomplizieren“. Es ist beeindruckend, die physikalischen Eigenschaften unterschiedlicher Blanks bei unterschiedlichen Belastungen differenzieren und beschreiben zu können. Meine ehrliche Anerkennung und volle Hochachtung. Auf manche wirkt diese Komplexität aber auch abschreckend. Das Stichwort lautet hier wie so oft „Adressatenorientierung“. Mit wem spreche ich? Welches Vorwissen ist vorhanden? Und natürlich: Was ist das eigentliche Anliegen des Ratsuchenden?

Über diese unterschiedlichen individuellen Einschätzungen hinaus, gibt es auch noch Produkttests. Teilweise finden sie sich in elektronischer Form den Fachforen angegliedert, teilweise werden sie aber auch im Rahmen klassischer Printerzeugnisse, also in Fachzeitschriften, kostenpflichtig anderen redaktionellen Artikeln zur Seite gestellt. Hierbei handelt es sich jedoch mehrheitlich nicht um „Tests“ im eigentlichen Sinne des Begriffs, sondern vielmehr um (teils sehr ausführliche und demnach durchaus auch informative) Produktbeschreibungen. Größtenteils wird aber diese primär deskriptive Textsorte von den meisten Autoren an vielen Stellen in Richtung einer persuasiven Textsorte – bis hin zur klassischen textbasierten Werbeanzeige – verlassen. Aus linguistischer Sicht manifestiert sich der Unterschied dieser Textsorten in einer Vielzahl sprachlicher Einheiten auf grammatischer und lexikalischer Ebene. Auf Wortbene gehören hierzu z.B. häufige Verwendung von Hochwertwörtern oder der gezielte Einsatz von Adjektiven bzw. Adverbien, mit denen die Eigenschaften eines Produkts nicht nur beschrieben, sondern insbesondere positiv konnotiert hervorgehoben werden sollen. Kritische Töne sind für das ungeschulte Auge und den weniger aufmerksamen Rezipienten nur schwer zu erkennen, lesen sich die (wenigen) weniger begeisterten „Tests“ doch eher wie Arbeitszeugnisse, in denen negative Wertungen nicht auftauchen dürfen und der Arbeitnehmer nur wohlwollend beurteilt werden darf. Auch dies ist letztlich nicht verwunderlich, werden die Forenbetreiber und Redaktionen doch für ihre Produkttests entweder von den Produzenten selber oder aber von den Zwischenhändlern gut bezahlt. Ohne Frage sind sich viele potentielle Käufer hierüber auch im Klaren und wissen die Tests reflektierend und sensibel zu behandeln. Stichwort: Medienkompetenz.

Was dennoch bleibt sind in meinen Augen zwei zentrale Versäumnisse der meisten „Tests“: Zum einen werden bei den meisten elektronischen Tests/Produktbeschreibungen/Produktempfehlungen/Werbetexten lediglich die aus dem Printbereich bekannten Ebenen „Bild“ und „Text“ verwendet. Ein großes Versäumnis in meinen Augen! Bieten sich doch gerade in Hypertexten mehr Möglichkeiten als in analogen medialen Umgebungen – z. B. die Einbettung von Videos oder der Einsatz von interaktiven Elementen in Sozialen Medien. Zum anderen fehlt es unterschiedlichen Produkttests in EINEM Medium (also beispielsweise in EINEM Forum oder in EINER Fachzeitschrift) oftmals an einheitlichen Testkriterien. Bei Rutentests meine ich hier natürlich nicht vordergründige Kriterien wie „Gewicht“, „Segmentierung“ oder „Preis“. Natürlich sind auch diese Angaben von Relevanz für einen etwaigen Kauf, sie finden sich aber auch schon auf den Webseiten der Hersteller. Was ich meine sind eindeutig definierte Kriterien die bei der späteren Verwendung der Produkte (z. B. der Rute) in der Praxis, also am Wasser, eine zentrale Rolle spielen. Ich will nicht lesen, dass eine Rute mit Nymphe, Streamer und Trockenfliege gefischt werden kann. Natürlich kann sie das! Aber ebenso natürlich gibt es von Rute zu Rute große Unterschiede in der Verwendung unterschiedler Köder und in der Anwendung unterschiedlicher Techniken. Ich will auch nicht lesen, dass der Tester die Schnur über die Rute bis ins Backing werfen kann. Natürlich kann ein sehr geübter Werfer das! Aber wo braucht man das? Wen interessiert das überhaupt? Mich jedenfalls nicht… Meiner Meinung nach sollten Tester im Internet – um über ihre Empfehlungen hinaus den Anschluss an die eigentliche Aufgabe dieser Textsorte wieder zu gewinnen – versuchen, mindestens in Hinblick auf diese zwei Aspekte ihre Tests zu ergänzen. (1.) Durch plausible, einheitliche und nachvollziehbare Kriterien wird eine Vergleichbarkeit gewährleistet. (2.) Die unterschiedlichen praktischen Einsatzmöglichkeiten des Geräts am Wasser sollten im Vodergrund stehen. Diese können durch den Einsatz medialer Möglichkeiten wie Videos zusätzlich veranschaulicht werden. Ich denke dass alleine hierdurch das Interesse und das Vertrauen vieler (neuer) Leser und somit potentieller Käufer gewonnen werden können.

Vor diesem Hintergrund abschließend nun noch der Hinweis auf den in meinen Augen – zumindest in vielerlei Hinsicht – positiv zu bewertenden neuen Test auf Yellowstoneangler (Ruten der Klasse #4). Natürlich handelt es sich bei den Machern gleichzeitig auch um die Betreiber eines Shops. Dennoch sind Aufbau, Durchführung und auch Ergebnisse des Tests (und somit auch die Informationen für den Leser) weitaus transparenter, als andere mir bekannte Beispiele. Zu betonen ist hier auch, dass es sich um mehrere Tester gehandelt hat, die die 20 Ruten unter verschiedenen Gesichtspunkten begutachtet haben. Was der Leser letztendlich also geliefert bekommt sind unterschiedliche Meinungen auf Basis gleicher Testkriterien.

Nun soll an dieser Stelle aber nicht der Eindruck entstehen, als müsse jeder, der auf der Suche nach einer Rute der Klasse #4, #5 oder #8 ist, nun den jeweiligen „Sieger“ in diesem fairen „Rennen“ kaufen. Nein, das ist nicht mein Anliegen. Daher verschone ich Euch auch mit einer Zusammenfassung des Tests an dieser Stelle. Vielmehr möchte ich gerade Neulingen den Rat geben, sich fundierte Informationen – aus unterschiedlichen Quellen – vor dem Kauf eines Produkts einzuholen und den oben kritisierten „Tests“ mit der selben Vorsicht und nüchternen Distanz zu begegnen, wie der Werbung für Zigaretten im Kino (etwas zugespitzt formuliert). Letztlich ist und bleibt die Wahl einer Rute oder anderer Produkte doch immer auch geprägt von den persönlichen (Design-)Vorlieben, der individuellen Nutzung und dem eigenen Geldbeutel eines jeden von uns. Und das ist auch gut so!








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