Von magischen Äschen

4 02 2014

von Alex

In einem meiner letzten Beiträge habe ich von der winterlichen Fischerei auf Äschen berichtet. Wobei winterlich hier in 2013/14 lediglich meint, dass ich kalte Füße und eine rote Nase hatte. Denn wirklich winterlich, also so richtig mit Schnee und Eis und so, war es in den letzten Wochen/Monaten selbst in der tiefen Nordeifel nicht.

Dennoch hat auch diese nicht-so-richtig-winterliche Zeit etwas Besonderes. Der Fluss und sein Ufer scheinen in einen entspannten Halbschlaf gefallen zu sein und abgesehen von den durch Regenfälle schwankenden Pegeln ist es ruhig, auf den ersten Blick beinahe trostlos: Die karge und raue Landschaft, die laublosen und feuchten Bäume, der fehlende fröhliche Sing-Sang der Vögel und ein zumeist tiefhängender, grauer Himmel, der alles unter sich zu erdrücken scheint.

Aber manchmal, leider viel zu selten, reißt dieser triste Schleier auf. Die Sonne bahnt sich ihren Weg durchs Grau und alles wird ganz anders, beinahe ‚magisch‘. Das klare und kalte Wasser beginnt plötzlich in den hellsten Farben zu funkeln, die Schneeglöckchen leuchten zwischen den dunklen Tannen und die ersten winzigen Eintagsfliegen tanzen über die Wasseroberfläche. Und wenn man geduldig und aufmerksam am Ufer sitzt, dann darf man mit etwas Glück sogar eine ‚lady of the stream‘ beim vorsichtigen Steigen beobachten.

Genau solch einen ‚magischen‘ Moment erwischten Nino und ich, als wir vor ein paar Tagen spontan in die Eifel aufbrachen, statt uns ins Bellyboot zu schwingen und den niederländischen Hechten nachzustellen. Schon bei unserer Fahrt Richtung Süden wurden wir von der tief stehenden Sonne geblendet und wussten, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten – ganz gleich ob wir nun Äschen finden würden oder nicht. Noch auf dem steinigen Fußweg hinunter ins tiefe Tal versuchte ich unsere Hoffnungen und Erwartungen einzudämmen. „Wenn jeder von uns eine Äsche fängt bin ich vollkommen zufrieden, Hauptsache am Wasser!„, sagte ich zu Nino, der zu Besuch aus Frankfurt gekommen war und noch am Abend wieder abreisen musste.

Der Fluss führte eiskaltes Schmelzwasser und der erhöhte Pegel versprach eine schnelle und aktive Fischerei. Das Wasser war glasklar und auf dem Grund zeichneten sich die dunklen Schieferplatten deutlich ab, nur hier und da leuchtete ein gelber Kiesel. In den schattigen Ecken lag noch etwas Schnee und die Pfützen am Ufer waren mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Wir entschieden uns für einen Flussabschnitt, wo Tal und Nachmittagssonne auf einer Linie lagen. Denn nur hier erreichte das Licht die Sohle des Tals und wärmte Gesicht und Wasseroberfläche zugleich. Außerdem konnten wir dort trotz des erhöhten Pegels und einer schnellen Oberflächenströmung deutliche Vertiefungen im Flussgrund erkennen. Wir vermuteten, dass die Äschen am steinigen Grund klebten und entschieden uns für eine feine Nymphentechnik an der kurzen Leine, mit der man kontrolliert diese Rinnen erreichen konnte.

Ich fischte wieder mit meiner 10 ft. langen Guideline LeCie in Klasse 3, Nino hingegen eine LPXe mit 9 Füßen in der Klasse 5. Wir montierten einen Bissanzeiger aus farbigem Monofil am ca. 6 Meter langen Vorfach (dazu mehr im 2. Teil meines Artikels über Bissanzeiger) und entschieden uns für zwei unterschiedliche Nymphen aus den Restbeständen der letzten Saison: An den Springer kam eine 12er Nymphe mit 3,5mm Tungstenperle, einem gelblichen Körper aus ‚Polish Quill‚ und einem Schwanz aus Goldfasan. An den Point knüpfte ich eine schlichte 16er Pheasant-Tail mit 2,5mm Tungstenperle in pink, auf die wir uns letztlich Bisse erhofften.

Nino stand noch unter den Tannen am Ufer und bereitete dieses Setup vor, als ich mich bereits über die erste Äsche freuen durfte. Das ging ja viel schneller als zu erwarten war! Die Fahnenträgerin stand an der äußeren Strömungskante und hatte meine über den Flussgrund taumelnde PT bei der dritten, leicht verlangsamten Drift vorsichtig genommen. Der Biss war kaum zu sehen, lediglich ein leichter Impuls Dank gestrecktem Vorfach im Zeigefinger zu spüren. Und trotz der feinen Rute war der Drill der 35cm Äsche im schnellen Wasser (auch Dank 16er Monofil) überhaupt kein Problem und die Schönheit fand sich schnell und sicher in meinen nässen Händen wieder. Sie glänzte gewohnt silbrig, hatte aber einen beinahe schwarzen Rücken und am Bauch einen großen lila-roten Fleck. Bildhübsch! Besser konnte es für mich kaum werden.

Bevor ich mein Glück aber noch einmal versuchen durfte, war Nino erst einmal an der Reihe. Er begann mit der 5er Rute, wechselte dann aber schnell auf die 3er. Auch, um den Unterschied zwischen den beiden Rutentypen unter gleichen Bedingungen, bei gleicher Technik, gleichem Vorfachaufbau und mit gleichen Nymphen zu testen. Und tatsächlich, nur wenige Zentimeter flussaufwärts stand die nächste willige Fahnenträgerin und die filigrane LeCie bog sich abermals zum Halbkreis. Wieder war der Biss kaum zu sehen gewesen und wieder war es die einfache Fasanenschwanz, die uns eine wunderschöne Äsche bescherte.

In der Folge fingen wir in ein und derselben Rinne in kürzester Zeit noch ein paar weitere Äschen und fanden heraus, dass sie die Nahrung nicht nur grundnah nahmen, sondern auch aufsteigende Nymphen interessant fanden. Wir begannen unsere Driften zu verlängern, indem wir die Rute und den Bissanzeiger an uns vorbei stromabwärts führten, senkten die erhobene Spitze in der Geschwindigkeit des Wassers ab und ließen so am Ende die Nymphen ins Mittelwasser kommen. Gerade hier und mit diesem ‚Lift‘ fingen (und verloren) wir die schönsten Exemplare unseres kurzweiligen Nachmittags! Interessanterweise aber nicht auf die kleine PT, sondern auf die größere Imitation am Springer.

Nachdem wir die lange Rinne gründlich ausgefischt hatten, fischten wir noch kurz eine weitere, schnellere und wildere Passage. Hier standen die Äschen am strömungsärmeren Rand unter schützenden Ästen der Nadelbäume. Für uns bot sich nur hier da ein ‚Loch‘ im dichten Uferbewuchs, dies genügte aber, um die Nymphen in Position zu bringen und mit ganz flacher Rute auf Reise zu schicken.

Auf die Reise machten wir uns erst, als die schwächer werdende Sonne unseren Talabschnitt verließ und hinter den steilen Hügeln zu unserer Rechten verschwand. Unsere Zehen froren und schnell wurde es jetzt richtig kalt. Ganz anders wieder oben auf dem Kamm, als wir unseren Weg die Hänge hinauf gefunden hatten. Wir warfen noch ein paar letzte Blicke hinunter auf den dunklen Fluss und waren froh, ein paar ‚magische‘ Stunden an diesem nicht-so-richtig-winterlichen Winternachmittag erwischt zu haben.





Bitte ein Biss!

12 01 2014

von Fabian

Ich glaube, dass jeder in Deutschland lebende Fliegenfischer sich schon mal folgende Frage gestellt hat: Warum lebe ich in Deutschland und nicht in Skandinavien, in Kanada oder in NZ? Versteht mich nicht falsch, ich wohne gerne hier. Ich genieße es meine Familie und Freunde um mich zu haben und ich glaube, dass viele Menschen auf dieser Welt gerne in Deutschland leben würden. Aber wenn ich sehe an welchen Gewässern ich fische und wie diese durch den Menschen verändert worden sind, werde ich vom Fernweh befallen. Das schlimme dabei ist, dass die Fischerei vielerorts immer schlechter wird. Die Gründe hierfür sind vielfältig sind: Sie erstrecken sich von der Bestandsexplosion des Kormorans, über das mangelnde Verständnis von Anglern („Ich nehm den Fisch mit, die Karte war doch so teuer…“) bis hin zur immer stärkeren Belastung der Gewässer (z.B. Verschlammung infolge von Straßenabrieb). Mit verschiedenen Freunden und Bekannten habe ich in letzter Zeit darüber diskutiert, ob wir heute noch zum Fischen gehen würden, wenn die Fischerei in unserer Kindheit ebenso schlecht wie heute gewesen wäre. Der Mangel an Erfolgserlebnissen hat die meisten mit „Nein“ antworten lassen. Vielleicht habe ich auch einfach zu viele fischlose Stunden in den letzten 2 Wochen gehabt. Ich brauch einfach mal wieder einen Biss der mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Also bitte lieber Petrus, das nächste Mal bitte mal wieder etwas in diese Richtung:





Bleistift vs. Besenstiel

13 12 2013

von Alex

Kennt Ihr das? Ihr fischt das halbe Jahr primär mit der leichten 5er oder 4er Rute am Fluss und geht dann auf die erste Hechtpirsch? Oder andersrum: Ihr stellt im Spätherbst regelmäßig den Hechten nach und habt dann doch noch einmal die Möglichkeit auf Winter-Äschen zu fischen? Nicht nur, dass die Gewässer und Techniken nicht vergleichbar sind. Nein, zu allererst sind es schon vor dem ersten Wurf die Ruten, an denen man große Unterschiede bemerkt. Zumindest ging es mir vor ein paar Tagen wieder so.

Nach fast 30 Ausflügen an Seen und Kanäle in den Niederlanden zog es mich aufgrund des strahlenden Sonnenscheins und eines interessanten Wasserstandes noch einmal für ein paar morgendliche Stunden an den Fluss. Aber nicht nur, weil die Bedingungen passend zu sein schienen machte ich mich auf den Weg in die kalte Eifel. Vorallem, weil ich endlich meine „neue alte“ Guideline LeCie in Klasse 3 testen wollte. Ich hatte das skandinavische Leichtgewicht mit 10ft. vor ein paar Wochen glücklicherweise von einem Bekannten erwerben können, bisher aber leider keine passende Gelegenheit gefunden, das nicht mehr produzierte Stöckchen intensiv auf seine Praxistauglichkeit hin zu untersuchen.

Und dann stand ich da. Bei -2 Grad, die gerade aufgegangene Sonne im Nacken, den knirschenden Bodenfrost unter den Watschuhen und mit diesem fast vergessenen Gefühl: Wie geil filigran kann Fliegenfischen eigentlich sein?! Natürlich waren es auch die spärliche 16er Nymphe und das feine Tippet, welche dieses Gefühl bereits beim Montieren mit den steifen Fingern in ein Lächeln auf meinem Gesicht verwandelten. Aber insbesondere die neue Rute war es, die mich stark an einen Bleistift oder einen Zauberstab in meiner Hand erinnerte. Und dabei ist meine neue Kombi für die Jagd auf Entenschnäbel schon sehr leicht gewählt und wesentlich sensibler, als noch das Besenstiel-Gespann aus Rute und Rolle zuvor. Und dennoch: Die 3er Rute in der Rechten ist doch etwas ganz, ganz, ganz anderes als eine 8er!

Leider verpufft dieser „aha-Effekt“ nach nur wenigen Minuten wieder, denn dann hat man sich an das federleichte Etwas schon gewöhnt. Und als wäre das nicht genug, fühlte ich mich beim Nymphenfischen seltsamerweise schnell wieder an den jährlichen Saisonstart erinnert. Denn nach nur einer Stunde merkte ich meine Schulter, wo ich doch bereits nach den ersten Ausflügen im März den ganzen Tag mühelos und ohne Pause mit erhobenem Arm fischen kann. Der menschliche Körper vergisst schnell (lernt zum Glück aber auch schnell wieder hinzu). Jeder Neuling beim Fliegenfischen und jeder, der mit diesen speziellen Techniken beim Trocken- oder Nymphenfischen zum ersten Mal in Berührung kommt, weiß wovon ich hier spreche 😉

Aber zurück zur Rute: Ich war begeistert! Noch einen Tick feinfühliger als meine 10 ft. Klasse 4 und gleichzeitig ebenwürdig beim Transport beschwerter Nymphen – selbst zwei gleichzeitig gefischte Tungstenköpfe mit 3,5mm und 3mm waren auf die kurzen Distanzen kein Problem! An den ruhigeren Passagen präsentierte die 3er hingegen ohne Mühen eine kleine Klinkhammer am Springer mit einer 14er oder 16er Nymphe am Point (auch hier Tungstenköpfe). Und abgesehen davon, war ich insbesondere von den Drilleigenschaften des langen Leichtgewichts fasziniert, verlor ich doch nur eine der Äschen nach dem sanften Take und dem Setzen des Hakens. Ich behaupte, dass es mit leichten Ruten gerade bei der Fischerei mit der Nymphe und beim Einsatz feiner Vorfächer wesentlich weniger Aussteiger gibt als beispielsweise mit einer sogenannten „Allround-Rute“. Achwas, das brauche ich gar nicht zu behaupten, ich denke, dass die meisten von Euch dies als gut begründete Feststellung so unterschreiben würden 🙂

Mein Tipp daher für alle die noch nach dem passenden Tackle für nächste Saison suchen: Möchtet ihr gezielt mit der Nymphe an der kurzen Leine Fischen? Holt Euch eine leichte, mindestens 9,6 ft. lange Rute (Midflex schlägt hier Tipflex) in Klasse 3 oder 4! Lasst Eure 5er oder gar 6er Rute getrost zu Hause und erlebt eine unvergleichlich feinfühligere Fischerei am Fluss. Und keine Angst, Reserven haben auch diese Geräte „en masse“, so dass Salmoniden ü50 bei weitem keine unlösbare Aufgabe darstellen. Die größte Bachforelle in der letzten Saison an meiner Fario maß 58cm und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, sie nicht schnell und sicher ausdrillen zu können. Habt Vertrauen in Eure Rute, an ihr wird es mit Sicherheit nicht scheitern.

Apropos (ja, dieser Übergang liest sich jetzt vielleicht thematisch nicht ganz passend): Nach dem überraschenden Bruch des Handteils meiner 8er LPXe RS V2 habe ich innerhalb von nur wenigen Tagen ein neues Teil aus dem Hause Guideline bekommen. Da eine Rute normalerweise niemals an dieser Stelle brechen darf, wurde mir der Austausch nicht einmal in Rechnung gestellt. Natürlich gehört hier neben einer kundenfreundlichen Garantiepolitik auch ein kommunikativer Händler dazu. Mein Dank geht daher nicht nur nach Schweden, sondern zunächst nach Bedburg-Hau am Niederrhein und nach Peine für die schnelle und reibungslose Abwicklung. Ohne diesen vorbildlichen Service hätte ich die schönen Hechte der letzten Tage vermutlich nicht gefangen!

Ja, schön waren sie wirklich. Insbesondere zwei Exemplare ü80 cm, die ich wieder mit einem beschwerten Streamer im Barsch-Look verführen konnte. Wird Zeit, dass ich mich wieder mit Bucktail in weiß, grün und orange eindecke, denn der ein oder andere 6/0 und 4/0 Haken hat schon wieder meinen Bindestock verlassen. Dabei war ich doch gerade erst shoppen bzw. habe meine Weihnachts-Wunschliste abgehakt. Was drauf stand? Einiges! Dazu aber in einem späteren Beitrag mehr 😉

Die farbenfrohen Fotos dieser Galerie verdanke ich Max von Troutstalking.





Winter is coming

7 12 2013

von Alex

In meinen letzten Beiträgen auf FLY.BEI habe ich von der herbstlichen Äschenfischerei an Rur und den ersten dichten Laubteppichen bei der ufernahen Hechtpirsch berichtet. Nun hat es gerade eben das erste Mal seit März wieder geschneit: Winter is Coming! Das eine hat mit dem anderen erst einmal wenig zu tun. Bei näherer Betrachtung geben mir diese beiden Umstände jedoch mindestens in zweierlei Hinsicht zu bedenken:

1. Wenn ich mit den Fingern auf dem Touchpad nur wenig nach unten scrollen muss, um hier über das Nymphenfischen auf Salmoniden zu lesen, dann habe ich in letzter Zeit diesen Blog (zumindest was das Verfassen von längeren Artikeln angeht) durchaus vernachlässigt. Stimmt! Auch wenn das natürlich nicht heißt, dass ich meine Erlebnisse nicht festgehalten hätte, denn die aufmerksamen Leser von FLY.BEI wissen mittlerweile, dass sich ein regelmäßiger Blick auf unsere Facebook-Seite durchaus lohnen kann. Zumindest dort schaffe ich es in kurzer Abfolge und mit knappen Worten (und Bildern) vom Wasser zu berichten und auf Dinge in unserem kleinen FF-Kosmos hinzuweisen, die mich interessieren und Euch vielleicht interessieren könnten.

2. Neben der Tatsache, dass ich also etwas schreibfaul war, bedeuten die Schneeflocken vor meinem Fenster unmissverständlich, dass nun die Schritte in Richtung Jahresende immer größer werden und die fischereilichen Möglichkeiten in unseren Regionen damit stetig schrumpfen. Und wenn ich zurückschaue, dann war es in den letzten Jahren stets der Dezember, in dem ich die wenigstens Stunden draußen verbracht habe. Dieser statistischen Korrelation (Monat X -> X Fischtage) möchte ich mich aber in diesem Jahr nicht hingeben. Im Gegenteil! Trotz widriger Bedingungen und teils sehr niedrigen Temperaturen war ich in den letzten Tagen und Wochen viel, sehr viel unterwegs und habe fest vor, die 150 Tage am Wasser vor Sylvester noch zu knacken (und mit etwas Glück auch noch Hecht Nr. 100 seit September zu Gesicht zu bekommen).

Was habe ich gemacht? Zunächst gastierte ich für eine Woche in den Niederlanden (sowohl in Nord- als auch in Südholland) und habe dort versucht endlich den ersten Meterhecht seit Januar zu erwischen und mich dadurch mit einer befreienden Rasur zu belohnen. Vorweg: Es hat nicht gereicht. Der elektrische Haarschneider blieb unberührt, wie so viele andere Sachen auch, in meiner Reisetasche. Dennoch hatten wir wieder einmal eine sehr gute gemeinsame Zeit, denn wie sagt man(n): Größe ist nicht alles!

DAS war jetzt gerade der mieseste Wortwitz, wenn man es überhaupt so nennen darf, in 4 langen Jahren FLY.BEI. Ja, stimmt. Am 18.11.2013 ist unser Baby 4 Jahre alt geworden. Habe ich natürlich auch vergessen hier zu erwähnen. Happy Birthday, alles Gute nachträglich und so! Für einen Kurzpost bei Facebook hatte ich mal ein paar Statistiken gesammelt: 4 Jahre, 180 Beiträge, 335.000 Besucher und fast 500 Kommentare. Im ostbelgischen Eupen würde man jetzt sagen „Mercie, wa!“ Nein, im Ernst: Vielen Dank für das rege Interesse an diesem Projekt! Auf die nächsten Jahre!

Aber jetzt zurück: Die Fänge in den Poldern waren – zumindest was die Anzahl der Entenschnäbel anging – für mich sehr zufriedenstellend und die aktive Fischerei in den schmalen Kanälen vom Boot wieder einmal sehr abwechslungsreich. Nicht nur durfte ich mich über den kurzen Landgang von 32 Hechten freuen, auch hatte ich das Glück, zwei sehr schöne Exemplare von 86cm und 87cm bewundern zu können. Bei meinen Begleitern lief es leider nicht ganz so gut, sie hatten aber auch keinen Rebound Perch am Start 😉 Ich möchte nicht behaupten, dass alles an diesem Barschimitat aus Bucktail gelegen hat, aber selten habe ich Hechte zwei-, drei- oder viermal hintereinander einen Streamer attackieren sehen. Generell haben sich die Hechte in der Zeit unseres Aufenthalts teils sehr „zickig“ benommen. Verbuchten wir an einem Tag neben zahlreichen gelandeten Hechten noch weit über 20 nicht verwertete Bisse, war 24 Stunden später absolute Flaute angesagt. Ich habe immer wieder den Eindruck, dass Esox Lucius wesentlich feinfühliger auf (Wetter-)Bedingungen reagiert als andere Arten, etwa Bachforellen. Man könnte vielleicht so weit gehen und behaupten, dass sich die Hechte eher „digital“ und die Rotgetupften eher „analog“ verhalten. Hechte fressen (und wir fangen) oder sie fressen halt nicht (und wir fangen nicht). Bei Bachforellen hingegen gibt es dieses kollektive „entweder oder“ so nicht. Klar, wir alle erleben überragende und weniger euphorische Tage im Fluss, aber zumindest an den von mir befischten Fließgewässern brauche ich nie befürchten, ohne Kontakt zu bleiben. Bei den Bachforellen gibt es ganz bestimmt keine Absprachen im Sinne von „Dem zeigen wir heute mal die kalte Schulter bzw. Flosse.“ Anders sieht es da eben bei der dicken Diva names Snoek aus. Wiederholt haben wir in der Zeit unseres Aufenthalts die gleichen Stellen sorgfältig abgefischt und während zunächst das Wasser tot zu sein schien, lauerte nur einen Bindeabend später an beinahe jedem aussichtsreichen Standplatz ein williger Hecht. Verrückt!

DAS ist aber nicht nur verrückt, sondern kann in der Tat auch zermürbend sein. Wichtig ist deshalb, dass man dran bleibt, dass die eigene Motivation oben bleibt, dass man – auch über Stunden ohne „Belohnung“ – sorgfältig und konzentriert weiterfischt. Wurf um Wurf, Strip um Strip. An weniger ereignisreichen Tagen schallte daher von Daniel oder mir in unregelmäßigen Abständen ein plötzliches „Push Dich!“ über die Polder. Mit Fabian hilft manchmal auch ein beschwörendes „Hecht, Hecht, Hecht!“ im Takt des monotonen Strip-Rhythmus. Hier und da fangen meine Streamer auch an zu reden, ich denke sie möchten nicht verantwortlich gemacht oder zur Rechenschaft gezogen werden, zumindest betonen sie zumeist, dass SIE ihr Bestes geben. In den häufigsten Fällen glaube ich ihnen das auch 😉

Neben diesen Auf und Abs in den Poldern haben es mir zuletzt wiederholt unterschiedliche grenznahe Seen in den Niederlanden angetan. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich mittlerweile einen ordentlichen Teil der nördlichen Maasplassen bei Roermond erkundet habe, auch wenn es noch Jahre dauern wird, das gesamte wasserreiche Areal kennenzulernen. Zumal auch hier die äußeren Bedingungen unmittelbaren Einfluss auf den Erfolg – ob vom Bellyboot oder vom Ufer – haben und nicht jeder Ausflug gleich verläuft. Höhepunkt war sicherlich ein sonniger, fast windstiller Morgen (!), an dem ich auf nur 30m vier Hechte über 75cm landen konnte und noch mehrere Attacken verpasste. Leider ist dabei auch meine kürzlich erworbene Guideline LPXe RS V2 zu Bruch gegangen. Aber noch mit den Watschuhen im Schlamm feststeckend rief ich Jan Pieter von Finest Fly Fishing an und schon einen Tag später war das neue Teil auf dem Weg nach Aachen. Das nenn ich einen vorbildlichen Service und echte Kundenorientierung!

Apropos Finest Fly Fishing: Vor etwa 3 Wochen fand unter der Regie von Jan Pieter und seinem Vater der zweite Niederrheinische Fliegenfischertag (NFFT) in Bedburg-Hau statt (einen bebilderten Rückblick auf das perfekt organisierte Event findet Ihr z.B. hier). Neben vielen namhaften Werfern und Bindern aus dem In- und Ausland war ich eingeladen worden, um über die Fischerei in Eifel (Rur) und Wallonie zu sprechen. Natürlich kam ich dieser Einladung gerne nach! Zwar halte ich wöchentlich Vorlesungen und bin das Reden vor großen Gruppen gewohnt, aber bisher hatte ich nie – außer natürlich hier auf FLY.BEI oder bei meinen Kursen am Wasser – die Gelegenheit, mein Wissen über das Fliegenfischen an mir unbekannte Personen zu vermitteln. Eine besondere Herausforderung! Ich fragte ein paar Kumpels, was sie denn von einem Vortrag erwarten würden, setze mich an den Laptop und fing an, ein Konzept zu erstellen. Schnell merkte ich, dass in vielen Punkten kaum ein Unterschied zu einem wissenschaftlichen Vortrag an der Uni besteht, außer vielleicht, dass die Thematik ein bisschen interessanter ist 😉

So stellt ich am frühen Samstagnachmittag zunächst meine Ausgangsthese in den gut gefüllten (Vortrags-)Raum bei Finest Fly Fishing: „Das Wasser bestimmt, nicht Du!“ Anschließend diskutierte ich mit den Zuhörern Argumente die dafür sprechen, dass die spezifischen Gewässerstrukturen der Rur inen unmittelbaren Einfluss auf viele der zu berücksichtigenden Parameter der Fischerei haben und sich Erfolg oder Misserfolg maßgeblich an der Umsetzung dieser Parameter messen lassen. Meiner Meinung nach gehören hierzu nicht nur das passende Equipment und Tackle, sondern insbesondere auch die verwendeten (Präsentations-)Techniken und die eingesetzten Trockenfliegen und Nymphenmuster. Ganz abgesehen von der grundlegenden Fähigkeit, die sehr unterschiedlichen Flussläufe lesen und die möglichen Standplätze der Fische bestimmen zu können.

Wenn die Zeit es zulässt werde ich versuchen diesen Vortrag zu verschriftlichen und Euch hier zu präsentieren. Eigentlich ist jetzt doch die beste Zeit für so was, oder? Immerhin wirds jetzt immer kälter und ungemütlicher draußen. Winter is coming!








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