Taurach August 2012

7 08 2012

Wie ich in meinem letzten Beitrag über die Pongauer Taurach abschließend vermutet habe, sollte mein dritter Besuch in Untertauern nicht für lange Zeit der letzte gewesen sein: Auch in diesem Sommer zog es mich – diesmal allerdings recht spontan, ungeplant und eigentlich ohne passende Fliegen in der Box – wieder in den kleinen Ort etwa 70 km südlich von Salzburg. Im Gegensatz zu den Urlauben zuvor jedoch ohne fischende Begleitung in Form von Marc oder Daniel. Dafür aber mit junger Verstärkung im geländetauglichen Kinderwagen. Diese Neuerung brachte auch einen Umzug vom Hotel ins gegenüberliegende Appartment-Haus mit sich, welches aber ebenfalls ohne Einschränkungen zu empfehlen ist. Vorzüglich gespeist oder besser „geschmaust“ wurde weiterhin selbstverständlich im Restaurant. Die vorhanden Kochlöffel blieben zwar nicht unangesabbert, doch letztlich unbenutzt…

Auch meine Ausflüge ans Wasser passten sich den neuen Verhältnissen an: statt sowohl vorm Frühstück sowie nach Semmeln mit Rührei durch die Schluchten im oberen Flusslauf zu klettern und noch nach dem Menu am Abend die Großforellen beim Hammerwirt zu ärgern, konzentrierte ich mich bei meinen Kurztrips auf die fischreichen Abschnitte in der Nähe des Kinderparadises bzw. Wilparks. Denn wenn man(n) mal wieder die Zeit vergisst oder sich die Haare raufend einer ü50 Regenbognerin 30 Minuten lang den überschaubaren Inhalt der eigenen Fliegendose serviert (um sie dann nach einer viel zu kurzen Rutenkrümmung in die Fluten abtauchend zu verabschieden), dann ist man(n) mit einem kurzen Dauerlauf meist noch innerhalb der akademischen Viertelstunde am vereinbarten Treffpunkt. Ein zweiter Vorteil: beim Aprés-Radler-Spaziergang mit Kinderwagen am Ufer entlang, können die nächsten aussichtsreichen Stellen entdeckt oder von erhöhter Position einzelne Flossenträger ausgemacht (und später selbstverständlich angefischt) werden. Bei dieser Praxis ist es nicht verwunderlich, dass ich nach einer Woche beinahe jeden wichtigen Stein, jede interessante Kehrströmung, jeden Pool, jede Rinne und viele der zahlreichen Unterstände auf einer Strecke von etwa 2km genau kannte – leider nicht jeden Unterstand: meine größte Regenbogenforelle, beinahe vollkommen weiß und mit beeindruckenden 60cm, suchte nach einem beinahe anstrengenden und ermüdenden Drill in der harten Strömung letzlich entschlossen Zuflucht im Totholz unter einem Felsvorsprung… ETWAS mehr Glück, aber tatsächlich auch nur ETWAS mehr Glück, hatte ich mit einem ähnlich großen Kaliber ein paar Kurven weiter stromauf: hatte ich den sanften Stieg der Regenbogenforelle am Vortag auf meinen Käfer noch verpasst, konnte ich sehen, wie sie leicht nach links zur Strömungskante ausscherte und meine Nymphe (am erfolgreichsten war unterm Strich wieder einmal die „Moutarde„) ohne zu zögern nahm. Diesmal passte der Anhieb und nach etwa 5 Minuten hatte ich die helle Schönheit am Rand meines Holzkechers. Problem: sie passte nicht rein! Dieses „Problem“ hatte ich im Frühjahr bereits mit ein paar großen Bachforellen an der Rur. Im Unterschied zu den Rotgetupften aus der Eifel wollte sich dieses österreichische Exemplar  jedoch nicht für mich verbiegen und plumpste mit einem „pfiati“ aus dem Schonnetz ins seichte Wasser vor meine Watschuhe…

Insgesamt war die Fischerei auch bei meinem vierten Besuch bei Familie Kohlmayr wieder ausgezeichnet. Mit einer entsprechenden Taktik sind über 50 Salmoniden am Tag keine Schwierigkeit. Den teils nörgelnden (oder frustrierten?) Reden anderer Fliegenfischer die ich am Wasser traf kann ich mich nicht anschließen! Stattdessen kann ich mich – wie bei meinen anderen Berichten – nur wiederholen: Mit einer schlecht schwimmenden Trockenfliege ohne Sichthilfe oder einer zu leichten Nymphe ohne Bissanzeiger stromabwärts präsentiert, fängt man an der Taurach nunmal wenige Fische. Natürlich ist auch ein Service in Richtung Tal möglich, dann aber vorsichtig pirschend insbesondere an den Randbereichen oder mit längerer Leine eine Sedge von einem Ufer zum anderen schliddernd – worauf ich spektakuläre Attacken und zahlreiche schöne Bach- und Regenbogenforellen verbuchen konnte. Bei der Wahl der Fliegen war ich, auch aufgrund der fehlenden geselligen Abende am Bindetisch im Hotel, eher wenig experimentierfreudig. Warum auch? Die von mir an der Rur verwendeten Muster funktionierten auch hier wunderbar: grüne und braune Sedges mit Elchhaar auf widerhakenlose „TMC 103 BL“ der Größen 11 und 13, die etwas kleinere Admas (Parachute) und für die vorsichtigen Fische winzige, schwarze Klinkhammer (Größe 20). Dazu noch ein paar große Käfer aus schwarzem Schaumstoff und schlichte, in gedeckten Farben gehaltene Nymphen mit Tungstenköpfen in den Größen 10, 12 und 14. Hier sei noch darauf hingewiesen, dass schwarze Köpfe wesentlich besser angenommen wurden, als Goldköpfe!

Der letzte Umstand kann mit dem auf diesem Flussabschnitt (und auch nur auf diesem Teilstück!) recht hohen Befischungsdruck zusammenhängen: Während ich mir die insgesamt 18km in den ersten zwei Tagen nur mit einer vierköpfigen Gruppe ambitionierter, junger Fliegenfischer vom Bodensee teilte und mir eine Begegnung mit Gleichgesinnten hier und da beinahe gewünscht hätte, waren später Franzosen, Italiener, Engländer, Schweizer, Österreicher und Deutsche am Wasser unterwegs. Interessante Gespräche ergaben sich jedoch kaum, stattdessen scheint es für viele beinahe selbstverständlich, 50m oberhalb des eigenen Standplatzes ins Wasser zu steigen und flussab zu fischen oder mit der Sonne im Rücken sogar den selben Pool (nur eben von oben) in Angriff zu nehmen – und das alles ohne ein Wort… Wenn man dann am abendlichen Buffet mit einem Ohr noch Klagen über fehlenden Fangerfolg vernehmen muss, dann klatscht man sich (natürlich nur innerlich) an den Kopf. Zum Glück aber, ist dieser Typ Fliegenfischer eher die Ausnahme als die Regel! Denn sonst wäre ich die kommenden Spätsommer-Wochenenden alleine am Fluss und nicht mit Freunden, die ich ohne das Fliegenfischen vielleicht nie kennengelernt hätte.





Fotorückblick III: Spätsommer in Österreich

28 02 2012

Wie schon in 2009 und 2010 war ich auch im letzten Spätsommer für eine Woche zu Gast bei Familie Kohlmayr in Untertauern, um im glasklaren Wasser der Taurach Bach- und Regenbogenforellen auf die Schuppen zu rücken. Diesmal begleitete mich mein Freund Marc, der zuvor noch nie in der Alpenregion gefischt hatte und für den auf 1800 Meter Höhe ein langersehnter Traum in Erfüllung gehen sollte: Äschen mit der Trockenfliege auf Sicht im Stillwasser überlisten.

Leider blieb mir diesmal eine Forelle ü60 cm vergönnt, auch wenn ich an drei Abenden kurz nach Einbruch der Dunkelheit im unteren Flusslauf eine dickbauchige Regenbognerin im Drill hatte, zweimal nach Bissen auf übergroße Streamer, einmal nach der spektakulären Attacke auf eine Maus aus Rehhaar, die über die Wellen der starken Strömung schlidderte.

Wie schon in den letzten Jahren konzentrierte ich mich aber vornehmlich auf den Flussabschnitt oberhalb des Hotels, auch wenn hier kleinere Examplare – hauptsächlich Rotgetupfte und Saiblinge – anzutreffen sind. Denn im Gegensatz zum unteren Teil der Taurach ist der kletteraffine Fliegenfischer hier oben meist vollkommen allein unterwegs (bzw. in unserem Fall: zu zweit). Mit einer verlässlich schwimmenden und im rauschenden Wasser gut sichtbaren Trockenfliege, zu unserer Überraschung war diesmal ein schwarzer Käfer eine der erfolgreichsten „Fliegen“ – kann man hier beinahe VOR und hinter jedem Stein einen dankbaren Abnehmer finden. Viel wichtiger als das passende Muster ist jedoch, auch darauf hatte ich in meinen vorherigen Beiträgen schon hingewiesen, die richtige Präsentation. Das bedeutet in den meisten Fällen eine vorzugsweise dragfrei Drift in den ruhigeren Randpassagen, in attraktiven Kehrwassern und an Strömungskanten.

Und wie schon bei meinen anderen Aufenthalten im Hause Kohlmayr konnte ich auch diesmal wieder – ob am Bindetisch oder am Wasser – neue Bekanntschaften knüpfen, die seitdem mit Besuchen an anderen Gewässern intensiviert werden. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Ulf für seine Einladung an sein abwechslungsreiches Hausgewässer in der Eifel!

Bevor ich Euch eine Auswahl der schönsten Schnappschüsse der wie immer viel zu schnell verfliegenden Woche präsentiere, ist es in meinen Augen fast überflüssig zu erwähnen, dass auch diesmal der Service im Hotel – insbesondere was die reichhaltige Verpflegung am Abend, ob im Hotel oder auf der Almhütte, angeht – ausgezeichnet war! Ebenso überflüssig ist wohl meine Vermutung, dass ich nicht das letzte Mal im Hause Kohlmayr gastiert habe. Der nächste Spätsommer kommt bestimmt 😉

Impressionen: Spätsommer in Österreich

 

Nachtrag:

Auf Vimeo findet sich übrigens ein schönes Video von Max, der nun bereits auch schon zwei Mal an der Taurach gefischt hat. Mittlerweile kenne ich beinahe alle Stellen der über 14km langen Strecke. Erschreckend 😉





Rückblick Österreich – Teil XII: Mittersill Tag 5

15 12 2010

Ihr kennt das Gefühl: Ein Tag auf der Arbeit kann sich lang ziehen wie Kaugummi zwischen der eigenen Schuhsohle und dem heißen Asphalt. Ein zwei wöchiger Urlaub hingegen vergeht „wie im Flug“, oder noch schlimmer „wie ein Wimpernschlag“ und eh man sich versieht, steht man schon wieder mit dem Auto im Stau auf der Heimreise. Dabei war man doch eigentlich gerade erst angekommen, hatte gerade erst begonnen den Alltagsstress hinter sich zu lassen, hatte sich gerade erst an die zu kurzen Hotelbetten gewöhnt… So oder so ähnlich erging es auch Anna und mir in unserem diesjährigen Österreichurlaub. Viel zu schnell klopfte der letzte Tag mit all seinen uns offen stehenden Möglichkeiten an unsere Zimmertür. Aufstehen, raus aus den Federn! rief er uns zu. Wir folgten seinem Ruf.

Nachdem uns das launische und zumeist verregnete Wetter zuvor schon einmal einen Strich durch unsere Rechnung bzw. unseren Ausflug zur Krimmler Ache gemacht hatte, standen die Vorzeichen am Morgen unseres letzten Tages im Bräurup deutlich besser: Ein Blick aus dem Fenster auf die noch verschlafenen Straßen Mittersills ließ uns in Windeseile zum Frühstücksbuffet und wenig später zum hoteleigenen Fischershop eilen – der Himmel war klar. Da außerdem keine Pfützen im Licht der frühen Sonne unter den eben erst erloschenen Laternen glitzerten, musste die Nacht trocken geblieben sein. Vielleicht auch an der Krimmler Ache!? Nach einem kurzen, mir aber sehr lang vorkommenden Telefonat zwischen Hotelmitarbeiter und Taxifahrerin hatten wir Gewissheit und bekamen grünes Licht: Der Fluss oberhalb der Krimmler Wasserfälle war nur minimal angetrübt und für den Tagesverlauf waren keine weiteren Regenfälle gemeldet.

Nur 45 Minuten später traten wir zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen die kurvenreiche Fahrt hinauf zum Plateau der Krimmler Ache an. Mit uns an Bord des Bergtaxis: drei plappernde Spanier, zwei stille Briten (samt Guide) sowie unsere freundliche Chaffeurin. Da eine Stunde nach uns noch eine zweite Busbesatzung hinauf kommen sollte, wurde unterwegs bereits der mäandernde Verlauf des Wiesenflusses „aufgeteilt“. In feinstem Österreichisch wurden wir gefragt Wo wollst denn fischn? – als Markierungen in der Landschaft dienten hierbei Hütten, Stallungen und Höfe. Da wir keine Vorlieben hatten, wie auch auch, wir kannten den Fluss ja noch gar nicht, „erhielten“ wir am Ende einen etwa 2 km langen Abschnitt oberhalb der Romantik Alm. Der Name klang zumindest schonmal gut 😉 Vor uns fischten die Spanier, noch weiter flussaufwärts die beiden Briten und in Richtung der Wasserfälle sollten die später eintreffenden Nachrücker ihr Glück versuchen. Nachdem noch ein Treffpunkt für den späten Nachmittag vereinbart wurde, durften wir uns endlich – alleine – der idyllischen Bergkulisse widmen.

Die Landschaft um uns herum wirkte wie von einem zum „Kitsch“ veranlagten Künstler auf die Leinwand gezaubert: Hohe Ketten aus massivem Gestein, dunkle Tannenwälder zu ihren Füßen, saftig grüne Wiesen und seelig grasende Kühe, die mit ihren um den Hals hängenden Glocken die natürliche Musik der gleichmäßig rauschenden Krimmler Ache untermalten.

Bilder 1 & 2: Eine perfekte Kulisse

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Die Krimmler Ache hier oben hatte wenig Gefälle und schlängelte sich gemütlich in großen und breiten Schlingen stromabwärts in Richtung der tosenden Wasserfälle. Perfekte Bedingungen für Anna: Eine mittelschnell Strömung, ein gleichmäßiger Untergrund aus feinem Kies und wenig hinderlicher Uferbewuchs.

Gemeinsam fischten wir stromauf. Zunächst probierte ich es mit kleinen Köcherfliegen, dann mit filigranen Eintagsfliegen. Alle Muster fanden jedoch ihren Weg über die Wasseroberfläche unbehellig zu mir zurück, obwohl ich mir sicher war hier muss Fisch stehen. Als wir zum wiederholten Male bemerkten, dass große schwarze Fliegen ans uns vorbeitrieben, wechselte ich auf das Imitat einer Weißdornfliege. Diese Fliege hatte ich noch von einem Ausflug nach Ostvoorne im Mai in meiner Dose. Üblicherweise schlüpft sie wesentlicher früher im Jahr, aber ein Versuch konnte ja nicht schaden. Ich warf die gleiche Stelle wie zuvor an und unmittelbar nach dem sanften Aufsetzen der „Bibio“ nahm ein Saibling das jahreszeitlich fehlplatzierte Muster.

Bild 3: Saibling aus der Krimmler Ache

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Zufall? Eher nicht! Denn auch die kommenden aussichtsreichen Stellen passierten wir nicht, ohne mit Hilfe der schwarzen Weißdornfliege eine helle Bach- oder Regenbogenforelle zum Vorschein zu bringen. Während ich das rechte Ufer systematisch befischte, arbeitete Anna sich Stück für Stück am linken Ufer stromaufwärts. Beide durften wir in unterhaltender Regelmäßigkeit beobachten, wie die Salmoniden aus dem Nichts auftauchten, um entweder die lebenden Exemplare oder aber unsere Immitationen sanft in die Tiefe zu schlürfen. Teilweise war der Insekten-Verkehr auf Wasserobefläche so dicht, dass sich die Fische durch ihr regelmäßiges Steigverhalten „verrieten“ und wir sie gezielt anwerfen konnten. Eine schöne Abwechslung gegenüber der abtastenden Pocket-Fischerei im tosenden Gebirgsbach der Vortage. Auch die Einladung der teilweise breiten Krimmler Ache zu weiten Würfen, Mendings und diversen Trickwürfen nahm ich gerne an. Meine Gespließte – die bisher am Wasser selten Weiten jenseits der 10m meistern musste – bewältigte aber auch diese Anforderungen mit Bravour. Mein Dank noch einmal an Edgar Lange für dieses hölzerne Allroundtalent!

Bild 4: 7.3 Fuß in Aktion

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Während Anna mit der schnellen Taurach noch so Ihre kleinen Probleme gehabt hatte und die überaus aktive Fischerei der kurzen Würfe anfangs noch nicht automatisiert von der (Ruten- und Schnur-)Hand ging, schien sie sich hier oben weit wohler zu fühlen. Die teilweise sanft auslaufenden Kiesufer gestalteten das Waten angenehm und so konnte sie sich entspannt auf den Rhythmus ihres Wurfs und die Präsentation der eigenen Fliege konzentrieren. Eine Stelle der Krimmer Ache zog sie dabei für einige Zeit in den Bann. Anna gab ihr den treffenden Namen „Karussel-Buffet“. Hier teilte sich der Fluss  kurzzeitig und bildete in der Mitte seines Bettes eine schmale und längliche Insel aus weißen Steinen. Hinter der Insel fanden die beiden Arme wieder zusammen und es enstand eine sehr große Kehrströmung. Auf diesem „Karussel“ tanzten unzählige Insekten einen gemächlich kreisenden Walzer und einige faule Forellen saßen am reich gedeckten „Buffet“ und stiegen nach Belieben um sich die schuppigen Bäuche voll zu schlagen. Eine Forelle nach der anderen fand ihren Weg zu Annas schwarzem Beitrag auf dem Speiseplan, in ihren Kescher, ihre Hände und wieder zurück ins nass-kühle Element. Werfen – Anschlagen – Drillen – Keschern: alles lief hier wie am Flugschnürchen. Fast zu einfach 😉

Bild 5: Das Karussel-Buffet

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Ganz anders schien es den Spaniern ergangen zu sein, denn sie kamen flussabwärts gewandert, schauten uns eine Weile zu und stiegen anschließend nur 30m oberhalb von uns ins Wasser ein. Aber auch hier wollte es für sie nicht so recht laufen bzw. schwimmen, denn obwohl zu dritt, konnten wir nur selten beobachten, dass sie sich ihre Ruten für kurze Zeit krümmten. Den selektiven Appetit der Fische konnten sie offenbar nicht durch ein passendes Muster stillen. Dem einen Leid – dem andern Freud: Wir fischten hinter ihnen her und mussten irgendwann unsere zerzausten Fliegen gegen neue, unbeschadete Exemplare austauschen. Ansonsten hätte man sie am heimischen Bindestock nicht mehr retten können. Interessant dabei war jedoch, dass nur eine meiner beiden Imitationen der Weißdornfliege überschwänglich mit offen Flossen empfangen wurde. Faszinierend, wie kleinste Unterschiede in der Größe oftmals einen gewaltigen Unterschied aus Sicht des Fisches ausmachen können.

Viel zu schnell verstrich die Zeit am Wasser und irgendwann erspähten wir in der Ferne den roten Bulli den staubigen Schotterweg entlangrollen. Mit einem leicht wehmütigen Blick über die Schulter kletterten wir in die Enge unseres Bergtaxis. Die Spanier saßen schon drin – sie hatten schon einige Zeit vor uns das Fischen eingestellt und waren in Richtung Tal verschwunden. Auf der kurvigen Rückfahrt waren die Drei weit weniger gesprächig. Hinter ihnen saßen wie am Morgen die Briten, erneut mit stiller Miene. Ich sank in die Tiefe meines durchgesessenen Sitzes, machte eine ernüchternde Bestandsaufnahme meiner durch den langen Urlaub gebeutelten Fliegendosen und ließ den ereignisreichen Tag vor meinen Augen Revue passieren. Mit Sicherheit eines der schönsten Gewässer die wir befischten hatten. Der einzige kleine Wehrmutstropfen: die 17 Euro pro Person für die Anfahrt hinauf aufs Plateau der Krimmler Ache.

Auf dem Parkplatz des Hotels traf ich den ersten Deutschen während unserers Aufenthalts im Bräurup. Wie wir besuchte auch er das erste Mal die zahlreichen Gewässer in Mittersills Umgebung. Er hatte am Vortag die Krimmler Ache besucht und fragte mich in einem Dialekt der ihn als Sachse identifizierte: Hattest Du zum Glück auch eine Weißdornfliege dabei? Lachend nickte ich. Der letzte Ausflug unseres Urlaubs lag hinter uns.

Nach dem Abendessen – Hirschgulasch mit Rotkohl für mich, Käsespätzle für Anna – horchten wir noch einige Stunden in unsere Kissen, bis wir uns in der Nacht still, aber nicht heimlich (ohne unsere Zeche zu prellen) aus unserer Unterkunft schlichen: rein ins Auto, rauf auf die Bahn und ab Richtung Norden. Es war an der Zeit ein erstes Fazit und einen vorsichtigen Vergleich zwischen den zwei gänzlich unterschiedlichen Wochen unseres Urlaubs zu ziehen. Ich könnte nun allerlei Gründe für oder gegen eines der beiden Urlaubsziele finden. Dies spare ich mir aber noch für einen letzten Beitrag über unsere zwei Wochen in Österreich 😉

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Die anderen Tage in Mittersill:

Teil 8: Mittersill Tag 1

Teil 9: Mittersill Tag 2

Teil 10: Mittersill Tag 3

Teil 11: Mittersill Tag 4



Impressionen von der Krimmler Ache :





Rückblick Österreich – Teil XI: Mittersill Tag 4

4 12 2010

Nach unseren gemeinsamen Erlebnissen am abgelegenen Lenisee und der Bekanntschaft mit zwei stattlichen Bachforellen (etlichen Saiblingen), einer Murmeltierfamilie, einem Vogel und einiger Kühe, zog Anna am 4. Tag unseres Aufenthalts im Bräurup einen erkundenden Bummel durch die kleinen Lädchen und einladenden Cafés des Touristenörtchens einem Tag am rauschenden Wasser vor. Warum sich auch im teils stömenden Regen nach Draußen begeben, wenn man doch bei einem saftigen Stück Linzerschnitte ein spannendes Buch lesen kann?

Warum?

Darum! 😉

Also trennten sich an diesem verregneten Morgen unsere Wege. Ich hatte in der Dämmerung kurz vorm Frühstück einen vorsichtigen Blick von einer Brücke nahe des Hotels in die Salzach geworfen. Meine leise (oder naive) Hoffnung, vor unserer Abreise vielleicht doch noch diesen namhaften Fluss befischen zu können, wurde jedoch schnell „getrübt“. Wie zu erwarten war der vom nächtlichen Dauerregen gebeutelte Strom unter meinen Füßen braun wie Cappuccino. Aber – und diese Beobachtung ließ meine Laune prompt steigen – an der Stelle wo der Felberbach im Stadtkern in die Salzach mündete, erzeugte das klare Wasser des Baches einen ca. 5m breiten und entlang des Ufers ca. 20m langen, weit weniger trüben, Streifen. Fischbar!

Bild 1: Der Einlauf in die Salzach

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Schon am Buffet zwischen knackiger Semmel und gekochtem Ei machte ich mir Gedanken wie ich diese kurze Passage effektiv befischen könnte: Sowohl Bach als auch Fluss brachten ordentliche Wassermengen aus den Bergen mit sich. Ein schwerer und großer Streamer müsste, die Salzach stromab serviert, abgetrieben, in den klaren Streifen aufsteigend und am Ufer entlanggezupft, doch das Interesse größerer Fische wecken! Stück für Stück könnte man so den klaren Bereich abfischen. Gedacht, getan!

Ich kämpfte mich durch die dichten Büsche am Ufer zum kanalisierten Einlauf des Felberbaches. Auf meiner linken Seite die braune Salzach, auf meiner rechten Seite der klare Gebirgsbach. Perfekt. Meiner Gespließten wollte ich die kommende wenig sensible Fischerei mit einem Woolley Bugger, gebunden auf einen 6er Haken und mit Tungsten sowie Blei beschwert, wahrlich nicht zumuten. Sie durfte nach den zahlreichen Drills der letzten Tage ein verdientes Verschnaufpäuschen einlegen. Stattdessen meldete sich meine 5er Z-Axis zum Dienst. An die kurzkeulige WF-Schnur montierte ich ein recht kurzes, nur ca. 2,1 m langes Vorfach mit einer 0,24mm Spitze sowie ein 0,22mm Tippet. Das sollte genügen.

Systematisch arbeitete sich mein Kollege aus Chickabou stromabwärts durch den Streifen: Wurf, Mending, Abtreiben, Kontakt, Aufsteigen, Strippen.

BISS!

Zwar hatte ich mich darauf eingestellt, dass der Biss wahrscheinlich beim Aufsteigen des Streamers erfolgen würde, trotzdem wurde ich überrascht. Mein kurzer Anhieb – mehr ein Reflex – kam durch und das einsetzende Kreischen meiner Danielsson signalisierte mir, dass der Haken saß. Der Fisch am anderen Ende marschierte in die Salzach und von mir weg. Seit langem bekam ich noch einmal mein Backing zu Gesicht. Der zusätzliche Druck der Salzach, neben der eigentlichen Kraft des Fisches, war nun sehr deutlich spürbar. Jede noch so kurze Rast des Fisches versuchte ich mit einer kräftigen Pumpbewegung an der Kohlefasergerte und einem flotten Aufrollen der Schnur zu beantworten. Auf mein Vorfach war Verlass und so konnte ich den kampfstarken Salmoniden nach wenigen Minuten das erste Mal kurz unter der Oberfläche ausmachen. Ich stutzte kurz: Eine Regenbogenforelle war es definitiv nicht, ein Saibling auch nicht. Rote Punkte konnte ich aber auch nicht erspähen. Seltsam…

Kurze Zeit später hatte ich dann Gewissheit: meine agile Tanzpartnerin am anderen Ende der Schnur war eine wunderschöne Seeforelle mit dicken schwarzen Tupfen, einem strahlend gelben Bauch und großen Flossen.

Bild 2: Seeforelle aus der Salzach

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Nach einem kurzen Fotoshooting und einer kleinen Pause in meinen Händen im seichten Wasser des steinigen Ufers entließ ich den Fisch zurück in die Freiheit. Glücksgefühle die wohl jeder Fliegenfischer kennt.

Aus dem kurzen Tagtraum aufwachend realisierte ich, dass am anderen Ufer des Felberbaches, nur wenige Schritte von mir entfernt, ein Fliegenfischer in der Böschung stand und mir anscheinend zugesehen hatte. Mit einem Akzent – der ihn als Schweizer identifizierte – beglückwünschte er mich mit knappen Worten zu meinem Fang, um anschließend umso ausgiebiger seine Nymphen im klaren Streifen neben mir zu baden. Ich setzte mich ins feuchte Gras und beobachtete seine Technik. Er fischte mit zwei Nymphen und einem Bissanzeiger, einem leuchtenden Büschel „Yarn“. Am unteren Ende seines Vorfachs baumelte eine sehr große rote Nymphe, etw 50 cm darüber als Springer ein kleineres Muster, ähnlich einem pinken Gammarus. Er hatte es anscheinend gezielt auf Äschen abgesehen. Der Erfolg, eine Fahnenträgerin aus der Rinne vor ihm zu locken, blieb jedoch aus. Nach kurzer Zeit verschwand er , diesmal grußlos, zurück in die Büsche aus denen er gekommen war und ich setzte – wieder allein am Wasser – meine Fischerei fort. Beissfreudige Äschen standen offenbar nicht am Grund, stattdessen konnte mein Streamer aber weitere Saiblinge, Bachforellen und eine zweite Seeforelle ans triste Tageslicht befördern. Viel Fisch für ein kurzes Stück Wasser!

Bild 3: Schön gezeichneter Saibling

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Drei unterschiedliche Mitglieder der Salmonidenfamilie hatte ich an diesem Vormittag schon begrüßen dürfen. Warum nicht bis zum Abendbrot noch zwei fehlende Arten, eine Regenbogenforelle und eine Äsche, einladen? Ich suchte mir auf der Karte einen weiteren Zufluss in die Salzbach und schwang mich ins Auto. Nach 15 Minuten Fahrt Richtung Westen erreichte ich an einer großen Brücke den Einlauf des schmalen Stubachs. Auch er war klar und malte das gleiche Szenario in die Flusslandschaft wie weiter unten der Felberbach. Diesmal ließ ich meine Streamer jedoch im Dunkeln ihrer Dose versauern und pirtschte mich stattdessen stromaufwärts vor. Immer wieder fingen Forellen aufsteigende Insekten kurz unterhalb des Oberflächenfilms ab. Ich erinnerte mich an meine erfolgreiche Nassfliege vom Vortag – die ich zum Glück am Abend noch aus feinem Hasenohrdubbing und einer weichen Hennenhechel nachgebunden hatte. Vielleicht stieß auch hier das spärliche schwarze Muster auf nachhaltiges Interesse. Weil das Wasser jedoch schnellfließend und unruhig an mir vorbeirauschte, entließ ich die Fliege diesmal nicht alleine in die Fluten, sondern montierte als Bissanzeiger eine große, sehr große Sedge.

Bild 4: Eine erfolgreiche Kombination?

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Bereits die ersten langen Driften meines Duos schenkten mir Fischekontakte. Mein Bissanzeiger erfüllte dabei seine primäre Aufgabe mit Bravour, konnte selber allerdings keine Attacken verbuchen. Neugierig wechselte ich auf ein einzelnes, kleineres Trockenmuster. Ich wollte es genauer wissen: Bedienten sich die Flossenträger nur selektiv am reichhaltigen Buffet oder war meine Sedge einfach zu unattraktiv? Von kleineren Köcherfliegen über zierliche Eintagsfliegen bis hin zu winzigen Klinkhammern bot ich alles an was der mittlerweile dezimierte Restbestand meiner Dose hergab. Nichts. Nichts. Nichts. Gespannt wechselte ich zurück auf die Nassfliege. Etwa 20 cm unter der Oberfläche hinter der großen Sedge hertaumelnd steuerte sie auf mich zu. Tada! Da war der Biss. Sehr Interessant! Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bis hierhin nur sehr selten zur Nassfliege gegriffen habe. Vermutlich ein großer Fehler!

Achja, Regenbogenforellen und Äschen waren auch dabei, so dass ich am späten Nachmittag die fünf unterschiedlichen Arten hatte bewundern dürfen. Den fulminanten Schlusspunkt hinter diesen erkenntnisreichen Tag setzte übrigens eine Doublette (so nennen es zumindest die Belgier): Eine Bachforelle auf die nasse Erfolgsfliege und ein unersättlicher Saibling auf die große, sehr große Sedge. Geht doch!

Bild 5: Eine Doublette auf das Duo

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Die anderen Tage in Mittersill:

Teil 8: Mittersill Tag 1

Teil 9: Mittersill Tag 2

Teil 10: Mittersill Tag 3

Teil 12: Mittersill Tag 5

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Impressionen Mittersill Tag 4






Rückblick Österreich – Teil X: Mittersill Tag 3

19 11 2010

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  • 7.00 Uhr: Der Wecker klingelt. Raus aus den Feder. Ein prüfender Blick aus dem Fenster. Die Straße vor dem Hotel ist nass. Ein prüfender Blick in den Himmel. Die Wolken sind dunkel.
  • 7.30 Uhr: Frisch geduscht am Frühstücksbuffet. Müsli mit Joghurt, danach Ei, Brot, Käse. Dazu ein Kakao. Gestärkt in den Tag.
  • 8.00 Uhr: Raus aus dem Gewölbekeller. Rüber zum Fishershop. Den Guide löchern. Wie sind Bedingungen an der Krimmler Ache. Daumen drücken!
  • 8.05 Uhr: Vorsichtiges Aufatmen! Die Taxifahrerin gibt grünes Licht. Krimmler Ache leicht trüb aber fischbar.
  • 8.15 Uhr: Ortsausfahrt Mittersill. Treffpunkt in Krimml mit der Taxifahrerin in 30 Minuten.
  • 8.45 Uhr: Endlich im Taxi. 34 Euro leichter. Mit uns zwei Franzosen. Der Berg ruft!
  • 9.15 Uhr: Kacke! Es gießt aus Eimern. Krimmler Ache ist braun. Zurück ins Tal.
  • 9.45 Uhr: Danke an die Taxifahrerin. 34 Euro schwerer. Notiz an mich, morgen Trinkgeld erhöhen.

 

Unsere erste Tat, nach dem kurzen Ritt im Taxi die Kurven zur Krimmler Ache hinauf (und hinab), war der Gang zurück ins Hotel. Anna hatte sich am Morgen eine Tageskarte gekauft, die wir in der Hoffnung auf besseres Wetter am nächsten Tag zurückgaben. Die Dame an der Empfangstheke war freundlich und kulant und so konnten wir wenig später einen neuen Plan für den noch jungen Tag vor uns schmieden: Wandern (Alex & Anna), Fischen (Alex), Fotografieren (Anna), Lesen (Anna) und Faulenzen (Anna). Wir erkundigten uns beim auskunftsfreudigen Guide über mögliche – fischbare – Ausweichgewässer und entschieden uns kurzerhand für den angeblich wetterunanfälligen Amerbach, den wir bereits zwei Tage zuvor kurz begutachtet hatten. Besonders interessant erschien uns in seinem Streckenverlauf in Richtung Mittersill ein Abschnitt zwischen Elisabethsee (1444m) und Lenisee (1547m), kurz unterhalb des Tauerntunnels via Italia.

Nur 30 Minuten später parkten wir unser Auto an der steilen Bergstraße und spazierten gemütlich zum Elisabethsee, an dessen Ufer es sich seelig grasende Milchkühe gemütlich gemacht hatten.

Bild 1: Kühe am Elisabethsee

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Das Wetter hier oben war weitaus freundlicher als unten im Tal. Anna verlor sich zwischen Schnappschüssen von Flora und Faune und ich mich im Rhythmus der ersten Würfe mit meiner Gespließten. Schnell konnte ich dem schnappsklaren See vor mir für einen kurzen Moment erste farbenfrohe Saiblinge entlocken. Meine schwarze CDC-Fliege, spärlich gebunden auf einen 18er Haken, war für die Salmoniden mit dem markanten weißen Streifen an der Flosse anscheinend zu verlockend.

Bild 2: Auf eine schwarze CDC reingefallen

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Da mich die Fischerei an stehenden Gewässern – zumindest vom Ufer aus – aber nur selten lange fesseln kann, machten wir uns zwei Kapitel aus Annas Buch später auf, den Amerbach und den Wanderweg zu seiner Seite zu erkunden. Wir spazierten über saftige Wiesen und durch dichte Nadelwälder. Hier und da stießen wir auf den munter plätschernden Wasserlauf, um die verlockend aussehenden Stellplätze anzufischen.

Bild 3: Der Amerbach

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Gegen Mittag erreichten wir den Lenisee. Der Lenisee ist eigentlich gar kein See. Vielmehr verbreitet sich das Bett des Amerbaches um ein Vielfaches, wodurch sich seine Fließgeschwindigkeit stark verringert. Vorsichtig pirschten wir uns am Ufer entlang. Schon aus der Ferne konnte man in einer langsamen, tiefen Passage einige Saiblinge ausmachen. Anna machte es sich auf einem Stein bequem und ich präsentierte meine Trockenfliege(n) so sanft wie möglich oberhalb der scheuen Flossenträger. Die Anzahl ausprobierter Fliegen wuchs von Minute zu Minute und mit ihr verringerte sich der Platz auf meinem die Tage zuvor leergebliebenen Patch an der Wathose. Mein Vorfach wurde immer länger und die Tippetspitze immer dünner. Eine Herausforderung gegenüber der Fischerei im schnellen Sturzbach die Tage zuvor! Irgendwann hatte ich dann die richtige Kombination aus Vorfach und Fliege gefunden, um die wählerischen Saiblinge zu überlisten: Ein hoher Stoppunkt, ein vorsichtiges Ablegen des Vorfachs, ein sanfter Biss, ein vorsichtiger Anschlag und behutsam aus dem Schwarm. Warten. Warten. Warten. Ein hoher Stoppunkt…

Bild 4: Ungewohnt weite und sanfte Würfe am Bach

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Meter um Meter arbeitete ich mich am Ufer stromaufwärts und erspähte zwei große Bachforellen, die ihren Standplatz neben einem großen Felsen zwischen den zahlreichen Saiblingen behaupteten. Gezielt versuchte ich die beiden rotgetupften Exemplare anzuwerfen. Im Gegensatz zu ihren schon sehr vorsichtigen Genossen, schienen diese beiden Professoren aber genau zu wissen, was auf der Wasseroberfläche an ihnen vorbeitrieb. Die beiden Bachforellen zeigten keinerlei Anzeichen, sich von ihrem sicheren und geschützten Platz entfernen zu wollen. Meine Trockenfliegen und leichten Nymphen gaben ihr Bestes, konnten den beiden aber nich einmal ein müdes Lächeln abgewinnen. Beinahe am Rande der Verzweiflung tüddelte ich eine winzige, schwarze Nassfliege – die eigentlich nur aus Bindefaden und einer weichen Hechel bestand – ans Vorfach. Der erste Wurf. Wie ein Blitz schoss die größere Bachforelle ins Mittelwasser empor und nahm ohne zu Zögern mein zaghaftes Angebot an!

Bild 5: Endlich, die launische Bachforelle

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Ein heißer Tanz an meiner Bambusrute begann, der den ganzen zuvor ruhig schlummernden Pool aufmischte. Mehrere Minuten lang zog die Bachforelle wild ihre Bahnen kreuz und quer durchs glasklare Wasser. Ein schönes Schauspiel! Irgendwann entschied sich sich zielstrebig stromauf zu flüchten und ich, um mein zartes 10er Vorfach zitternd, folgte ihr wie ein Schatten.

Bild 6: Endlich an der Oberfläche

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Langsam aber ließ ihre Entschlossenheit nach und ich konnte ihren Kopf erstmals an die Wasseroberfläche holen. Mit letzten verärgerten Schwanzschlägen sorgte sie für Unruhe. Dann war es es plötzlich ganz still… Die Spannung im Vorfach war weg. Der Fisch auch. Der Haken aufgebogen. Ich betrübt. Hatte ich einen Fehler gemacht???

Anna munterte mich auf. Sie hatte in der Zwischenzeit ebenfalls eine besondere Begegnung gemacht. Zum einen mit einer dreiköpfigen Murmeltierfamilie und zum anderen mit einem jungen, zutraulichen Vogel, den sie aber nicht benennen konnte (vielleicht könnt ihr ja helfen!).

Bild 7 & 8: Annas Begegnungen

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Nach dieser wohltuenden Aufmunterung hatten sowohl ich als auch der Pool sich wieder beruhigt. Ein skeptischer Blick zum Fels und ja, die andere Bachforelle – zwar etwas kleiner als die erste – war noch da. Einen Vorteil hatte die Story ohne Happy Ende von vorhin zumindest: Ich wusste auf welches Muster die Rotgetupften fliegen. Ich positionierte mich wieder am Ufer und bat Anna mit Ihrer Kamera in der Nähe zu bleiben. Und tatsächlich, bereits beim ersten Wurf mit der schwarzen Nassfliege stieg die zweite Bachforelle empor und leitete das zweite Tänzchen an diesem Nachmittag ein. Diesmal mit einem glücklichen Ende für mich – und auch für den Fisch, der nach einem kurzen Fotoshooting zurück in sein Element durfte.

Bild 9 & 10: Die zweite Bachforelle

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Als Schlusspunkt hinter diesen Höhepunkt setzte ein Nieselregen von den Bergen her kommend ein. Die Murmeltierfamilie verkroch sich in Ihrer Höhle zwischen ein paar großen Felsen, der Vogel verabschiedete sich in die Lüfte und wir schlenderten zufrieden zurück zu unserem Auto. Obwohl uns die Krimmler Ache versucht hatte ein Schnippchen zu schlagen, war dieser Tag einer der schönsten des gesamten Urlaubs!

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Die anderen Tage in Mittersill:

Teil 8: Mittersill Tag 1

Teil 9: Mittersill Tag 2

Teil 11: Mittersill Tag 4

Teil 12: Mittersill Tag 5

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Impressionen Mittersill Tag 3








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