Eine bunte Mischung

2 05 2014

von Alex

Der 1. Mai ist nicht nur in Deutschland ein Feiertag, sondern auch im benachbarten Belgien. Daher verabredete ich mich vor einigen Wochen für den gestrigen Donnerstag mit den Jungs von Rodtrip zum gemeinsamen Fischen. Mathias und Jeremy kommen aus dem wallnischen Teil Belgiens und sind regelmässig an vielen Gewässern unterwegs, die auch ich gerne besuche. Daher war es längst überfällig, dass wir einmal gemeinsam die Fliegen übers Wasser treiben ließen. Wir entschieden uns für den Besuche eines malerisch gelegenen Flüsschens in den Ardennen, der zum großen Teil durch ein unbesiedeltes Waldgebiet fließt, dessen Ufer hier und da aber auch von Wiesen und Feldern begleitet werden.Auf dem Hinweg zu unserem Treffpunkt machte ich allerdings noch kurz an einem anderen Gewässer Stop, um mich mit Kristof zu treffen. Er hatte wenige Tage zuvor seine 10ft. Rute gebrochen und jeder, der sich einmal an eine lange Rute zum Nymphenfischen gewöhnt hat weiß, dass man anschließend nicht mehr ohne möchte. Daher hatte ich für ihn eine Ersatzgerte dabei und wir nutzen die Gelegenheit, um zwischen zwei ‚Croissant Chocolat‘ ein wenig zu fischen. Innerhalb dieser halben Stunde ist dann folgendes passiert:Alles fing zunächst ganz harmlos an. Am gemächlichen Auslauf einer schnellen Rinne konnte ich direkt bei einer der ersten Driften eine schön Äsche auf einen Micro-Jig lmit silbernem Tungstenkopf fangen. Nur wenige Driten später dann an beinahe selber Stelle das „Biest“, jene 50cm Bachforelle vom Wochenende zuvor. Sie hatte sich nur wenige Meter flussabwärts einen neuen Standort gesucht. Nach einem kurzen Drill mit einigen Sprungeinlagen der dickbäuchigen Rotgetupften ging es dann für uns mit einer Regenbogenforelle weiter – an diesem Fluss eine absolute Rarität. So habe ich in den letzten Jahren dort gerade einmal drei Regenbogenforellen live erleben können. Mit dieser Überraschung nicht genug, denn nur wenig später war es eine Meerforelle, die für kurze Zeit unser Schonnetz belebte. Ich hatte schon davon gehört, dass viele, viele Kilometer flussabwärts Meerforellen regelmäßig gesichtet werden, niemals aber so weit oben. Zu guter letzt noch das i-Tüpfelchen: Kristof hatte einen kleinen Döbel im Drill (auch die sind sonst sehr selten anzutreffen) und kurz vor der Landung wurde der 30cm Fisch von einem Hecht mit knapp dreifacher Körperlänge attackiert! Hechte hatten wir hier noch nie zu Gesicht bekommen, ein paar Tage zuvor aber Gerüchte über einen Entenschnabel vernommen. An diesem ‚Anglerlatein‘ war wohl etwas dran 🙂 Gelandet wir den Hecht übrigens nicht. Nach kurzer Zeit schien ihm der seltsame Döbel wohl doch zu zappelig und er spuckte ihn einfach wieder aus und verschwand in den tiefen des Pools – der übrigens entstanden ist, weil deutsche Soldaten hier im Zweiten Weltkrieg eine Bombe haben fallen lassen. Ziel war eigentlich eine Brücke, ca. 50m flussaufwärts gewesen.Mit einem Lachen im Gesicht und einer bunten Mischung Fisch vor dem inneren Auge (Äsche, das „Biest“ sowie diverse kleinere Bafos, eine Regenbogenforelle, eine Meerforelle, ein Döbel und fast eine Hecht) machte ich mich dann schleunigst auf den Weg Richtung Ardennen, um dort auf Rodtrip (oder zumindest einen Teil des Teams) zu treffen.

Unser gemeinsamer Tag in einem ruhig gelegenen Tal verlief gegen meinen ereignisreichen Morgen fast ‚unspektakulär‘. Wären da nicht die für diese Jahreszeit vielen Sedges auf dem Wasser gewesen! Wir konnte eine Reihe schöner Bachforellen gezielt mit der Trockenen anwerfen und auch deshalb ein paar nette Sequenzen mit unseren Videokameras einfangen. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt, sind die bisherigen Produktionen von Mathias und Jeremy doch allesamt sehr schön anzusehen und kurzweilig geschnitten. Der Tag war aber nicht nur deshalb etwas besonderes, sondern seit langem habe ich nochmal in einer malerischen Kulisse, fernab von Trubel und Hektik in aller Ruhe gefischt. Seitdem der Pegel der Rur eine dortige Fischerei kaum möglich (oder zumindest wenig attraktiv) macht, treibe ich mich die meiste Zeit an viel bevölkerten und überwiegend urban-geprägten Gewässern rum.

Auch die kommenden Tage wird es eher Wald statt Stadt geben, denn es geht in die Eifel. Ich bin sehr gespannt, ob sich der erste positive Eindruck meiner neuen Vision ‚Cult‘ (#3 10.8 ft.) bestätigt. Von der ‚Rulla‚ bin ich jedenfalls schon restlos begeistert. Ich habe das 2er-Modell gewählt und obwohl es eigentlich für Schnüre der Klasse 6-8 vorgesehen ist, balanciert die Rolle die lange Rute perfekt aus. Was die Fischerei angeht, bin ich hingegen noch ein wenig skeptisch. Leider haben die Regenfälle nicht wirklich gereicht, um die Pegel der nördlichen Eifelgewässer steigen zu lassen. Aber ich denke, dass es so oder so zwei ereignisreiche Tage werden und hoffe, dass Ihr auch ans Wasser kommt!

 

 





Was für ein Wochenende!

28 04 2014

von Alex

Da meine präferierten ‚Hausgewässer‘ derzeit entweder kaum Wasser führen, oder aber am Wochenende von Anglern total überrannt werden, habe ich für mich zum Teil neue Abschnitte und Gewässer erkundet. Hierfür hätte ich mir keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können!

Zum Wochenendbeginn waren die Fische ‚aus dem Häuschen‘. Es schien, als wäre jeder Fisch im Fluss u40cm in einen Fressrausch verfallen und auf den Flossen. In 7 Stunden schaffte ich gerade einmal ca. 1km Strecke und durfte mich über so viele Bachforellen wie niemals zuvor freuen. Ich habe in den letzten Jahren an unterschiedlichsten Gewässern schon einiges erlebt, aber DAS hat alles getoppt. Dabei war das Besondere, dass viele der Rotgetupften meine Nymphen nicht nur in der DeadDrift, sondern oftmals im Swing oder sogar knapp unter der Oberfläche leicht gezupft nahmen. Das ganze während eines langen und ausgeprägten Schlupfes kleiner, sehr dunkler Eintagsfliegen. Hätte ich entsprechende Nassfliegen dabei gehabt, wäre es mit Sicherheit noch leichter gefallen. Nur die großen Bachforellen ü40cm zeigten sich von diesem Schauspiel relativ wenig beeindruckt. Sie waren auch am Grund nicht so richtig aus der Reserve zu locken. Dies trübte meine Laune aber nicht im geringsten. DAS war wirklich ein Tag aus dem Fliegenfischer-Bilderbuch, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Samstag ging es dann ähnlich abwechslungsreich weiter. Die Fische waren weiterhin aktiv und diesmal waren auch wieder ein paar stattlichere Rotgetupfte für kurze Zeit im Schonnetz. Darunter eine richtige „Schönheit“ von 50cm mit perfektem Körperbau und farbenfrohem Schuppenkleid. Nur 200m weiter machte ich hingegen Bekanntschaft mit dem „Biest“. Der Fisch hatte nicht nur eine bullige Statur, sondern fiel leider insbesondere durch seinen deformierten Kiefer (Spinner?) auf. Schön zu sehen, dass er dennoch vor Kraft strotze.

Zum Ausklang dieses Wochenendes war ich gestern dann nur kurz unterwegs, um nochmals andere Abschnitte und Spots zu begutachten. Gefischt habe ich deshalb nur noch sporadisch,  durfte mich aber dennoch über ein paar schöne Bachforellen freuen.

Da ich nun zu Beginn der Woche sehr beschäftigt bin, wäre es doch ideal, wenn Petrus uns mal ein bisschen Regen schenken würde. Die trockenen Böden würden sich freuen! Die Fische sicher auch. Das nächste Wochenden steht mit dem Feiertag ja auch quasi schon wieder vor der Tür und es gäbe nichts Schöneres, als endlich nochmal im schnellen Wasser eine buschige Trockenfliege zu präsentieren 😉





Die erste Woche

22 03 2014

von Alex

Die erste Woche der Saison 2014 ist schon vorbei. Der passende Zeitpunkt, eine kurze Bilanz zu ziehen, bevor es morgen weitergeht. Ich war bisher 5 Mal am Wasser unterwegs, allerdings zuletzt immer nur für ein paar wenige Stündchen am Vor- oder Nachmittag.

Die Fischerei war dabei so abwechslungsreich, wie das launische Frühlingswetter. Mal konnte ich mit der Trockenfliege gezielt steigende Fische anwerfen, zuletzt regnete es teils heftig und die Temperaturen fielen auf 4 Grad – Kapputze tief ins nasse Gesicht, statt luftiges Shirt und Sonnenbad am Flussufer. Auch die verwendeten Muster und Geräte variierten mit den sich andauernd verändernden Bedingungen. Vorteil dieses ‚Aprilwetters‘ im März war aber immerhin, dass ich meine über den Winter getätigten Neuanschaffungen schon allesamt austesten konnte. Und was soll ich sagen? Unterm Strich bin ich hochzufrieden! Die Guideline ‚LeCie‘ #3 in 10ft. hatte ich ja bereits beim Äschenfischen als sehr feines und sensibles Stöckchen kennengelernt. Jetzt will ich mich kaum mehr von ihr trennen. Denn nicht nur zum Nymphen (selbst mit zwei schweren Mustern) ist sie hervorragend geeignet, nein, auch mit der Trockenfliege weiß sie zu begeistern. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die 58er vom letzten Wochenende mit einer spitzenbetonten 5er Rute höchstwahrscheinlich zu Beginn des Drills, bei der ersten Flucht oder dem ersten Sprung des Fisches, verloren hätte. Ich bin begeistert, wie sie einerseits die Kraft großer Fische abfedert und gleichzeitig andererseits genug Reserven besitzt, um ihnen ausreichend Paroli zu bieten. Ich bin sehr gespannt, ob sich die Rute auch im Wildwasser bei ähnlich großen Bachforellen behaupten kann.

Auch meine ’neue‘ gebrauchte ‚LeCie‘ 10 Fuß #6 ist in den letzten Tagen eingeweiht worden. Insbesondere dann griff ich zu ihr, wenn das Wasser sehr trüb war und ich auf Streamer umschwenken musste. Ein gewaltiger Unterschied zur Kompromisslösung einer 5er oder gar 4er Rute! Der Transport von Mustern auf Hakengröße 2 mit 5,5mm Tungstenperle und zusätzlicher Bleiwicklung gestaltet sich beinahe so leicht, wie die Präsentation einer kleinen Nymphe. Dennoch liegt sie federleicht in der Hand und das, obwohl ich meine ‚Haze‘ 6/8 draufgepackt habe. Einen Großteil dieses Good-Vibes-Feeling trägt aber mit Sicherheit auch die Guideline ‚4-Cast‚ bei, eine perfekte Wahl, wenn es um Würfe zwischen 8 und 16m Meter geht. Sie ist ein bisschen weniger aggressiv als die von mir so geschätzte ‚Presentation‘, fühlt sich aber Dank ihrer etwas längeren Keule dafür nicht nur im Nahbereich sehr wohl. Leerwürfe brauche ich dennoch so gut wie keine – und das ist doch die Hauptsache, denn nur die Fliege im Wasser kann auch fangen 😉 Ich spiele derzeit mit dem Gedanken, ob ich sie mir auch noch als Sinktip für den Fluss zulegen soll. Erfahrungsberichte hierzu habe ich bisher nicht gefunden, vielleicht kann ja jemand von Euch helfen?!

Ich könnte jetzt an dieser Stelle noch ein bisschen mehr Tackle-Talk betreiben, etwa über meine neuen Watklamotten aus dem Hause Vision. Denn ich habe mich über den Winter komplett neu eingekleidet, so dass ich nun eine zweite Garnitur besitze, auf die ich für Kurse oder aber für Spontanbesuche von Freunden zurückgreifen kann. Für welche Produkte des finnischen Herstellers ich mich genau entschieden habe, bringe ich aber lieber in Kürze mal in einem gesonderten Beitrag unter. Stattdessen gibt es abschließen hier und jetzt noch ein paar Bilder vom heutigen Nachmittag:

Ich war etwa 5 Stündchen hinter der Grenze und habe wieder die komplette Bandbreite erlebt, sowohl hinsichtlich des Wetters, als auch hinsichtlich der Fischerei. Begonnen habe ich bei angenehmen Temperaturen um die Mittagszeit mit der Trockenfliege. Wieder schlüpften hier und da größere Exemplare der ‚Baetis Rhodani‘ und ich konnte schnell einige Rotgetupfte bis 40cm überlisten. Als der Wind jedoch auffrischte, stellten die Fische prompt das Steigen konsequent ein und ich wechselte notgedrungen auf die Nymphe. Nur, um wenig später nach einem kräftigen Hagelschauer, Platzregen, einem Sturz des Thermometers auf nur 4 Grad und einer hastigen Flucht in eine nahegelegene Fritterie (zu deutsch: Pommesbude), nochmal abschließend den Streamer swingen zu lassen.

Dabei hatte ich dann den ersten Kontakt mit einer 70+ Forelle in diesem Jahr! Das ging schneller als erhofft, zumal ich in der braunsten Soße fischte. Der Fisch hatte offenbar gute Augen, denn er schoss aus seiner Uferdeckung auf den Zonker und zeigte mir nahe der Oberfläche seine silbrige Flanke. Massiv! Ich bin mir sicher, dass zwei Hände nicht gereicht hätten, um den gewaltigen Körper zu umgreifen. Leider (!!!) konnte ich es nicht ausprobieren, denn obwohl ich den Haken noch per erschrockenem Strip-Strike halbwegs setzen konnte – ehrlich gesagt hatte ich im Auslauf des Pools nicht mehr mit einem solchen Biss gerechnet und war mit den Gedanken schon beim nächsten Hotspot – stieg die beeindruckende Gestalt nach wenigen Sekunden im Drill aus. Ärgerlich! Aber immerhin weiß ich nun, wo ich beim nächsten Mal suchen muss.

Einen versöhnlichen Abschluss gab es dann aber doch noch, denn nicht nur die Sonne kam noch einmal hervor, sondern nur 20 Meter weiter flussabwärts stieg noch ein zweiter sehr schöner Fisch ein. Nach kurzem Drill fand sich die 55er Bafo sicher in meinem neuen Schonnetz (Modell ‚Trout Bum Holston‚ von Brodin), welches ich mir vor ein paar Wochen extra noch für die Pirsch auf Großforellen zugelegt hatte, wider und nur wenige Sekunden darauf, entließ ich sie behutsam zurück in ihre Freiheit. So soll das sein!

Die meisten von Euch wissen, dass ich ein Verfechter von Catch & Release bin und mich ungern auf Diskussionen hierzu einlasse. Insbesondere, wenn es um die Fischerei in Belgien oder Holland geht, wo diese Praktik gesetzlich legitimiert ist. Ganz unabhängig davon, sollte für uns alle stets der schonende Umgang mit dem Fisch im Vordergrund stehen. Einen sehr empfehlenswerten Artikel hierzu laß ich kürzlich auf Gink and Gasoline. Weitere wichtige Punkte dazu etwa auch hier bei Orvis.

Mal schauen wie das Wochenende morgen weitergeht. Wenn die Pegel der Rur über Nacht steigen sollten, werde ich es in der Eifel versuchen. Falls nicht, wird mir sicher etwas anderes einfallen. Dem Wetter bestimmt auch…

Sollte es Euch auch noch ans Wasser ziehen, wünsche ich Euch viel Vergnügen und Tight Lines! Vergesst die Watjacken nicht!

Alex





Saisoneröffnung 2014

19 03 2014

von Alex

Wir haben heute den 19.03. und die Saisoneröffnung 2014 ist damit bereits seit ein paar Tagen ‚Geschichte‘. Höchste Zeit also, eine kleine Geschichte über sie zu schreiben, eine Geschichte mit einigen ‚Ups‘ and ‚Downs‘ und einer Fischerei, die ich so nicht erwartet hätte. Aber der Reihe nach, solche Geschichten wollen ja von A bis Z erzählt werden:

Bereits am Freitagabend machte ich mich auf den kurzen Weg Richtung Ostbelgien, denn in diesem Jahr öffneten die Flüsse ihre Pforten ausnahmsweise vor der Rur, schon am 15.03. bzw. laut Reglement am „3. Samstag des Monats“. An den Flüssen NRWs hingegen endete die Schonzeit (wie immer) erst am 16.03. Es lag also ein Wochenende mit vielen Möglichkeiten vor mir.

Mein Plan sah vor, am Vorabend der ‚Ouverture‘ noch einmal den Wasserstand vor Ort zu überprüfen, mich mit meinem belgischen Freund Kristof zu treffen und bei einer ersten belgischen Fritte – der noch einige weitere folgen sollten – eine Reihenfolge der von uns befischten Spots für den Samstag festzulegen. Außerdem wollten wir uns über Taktiken und Techniken für das niedrige und klare Wasser des Flusses – der um diese Jahreszeit meist 20cm mehr führte und leicht angetrübt war – austauschen. Für den Sonntag ließ ich mir dann die Option offen, einen zweiten Tag in der Wallonie zu verbringen, oder aber in Richtung Eifel aufzubrechen und den Fluss zu wechseln.

Wir entschieden uns dafür, unsere Route am frühen, sehr frühen Morgen – nach einer eisigen und ungemütlichen Nacht im Auto – im unteren Teil der bewatbaren Strecke zu starten.

‚Bewatbar‚ meint, dass das Waten dort erlaubt ist. Bis zum 1. Samstag im Juni (bis zur sog. ‚Großen Eröffnung‘) darf an den meisten Flüssen größtenteils nämlich nur vom Ufer gefischt werden. Möchte man weiter flussabwärts fischen, so muss man sich am Ufer bewegen und muss auf Beschwerung jeglicher Art verzichten – dies sollte für uns noch relevant werden.

Wir konzentrierten uns ausschließlich auf solche Spots, von denen wir mit Gewissheit wussten, dass hier in der Vergangenheit oftmals große Bachforellen auf Beute gelauert hatten und versuchten zunächst, diese mit Zonker-Streamern aus dem dichten Wurzelwerk und aus dem Schutz der tiefen Gumpen zu locken. Ohne Erfolg! Das Wasser war hier vermutlich doch zu niedrig und zu klar, um mit dieser plumpen Taktik erfolgreich zu sein. Daher sattelte ich schnell um, wechselte von der 6er auf die 3er Rute und begann, mich nymphend stromaufwärts in Richtung der nächsten aussichtsreichen Stellen zu bewegen. Auf dem Weg dorthin fing ich meine ersten Bachforellen um die 30cm, wobei einige durch Attacken des Kormorans gezeichnet waren.

Saisonstart03

Bild 1: Dem Kormoran entkommen

Den nächsten Hotspot vor dem inneren Auge – eine kurze Folge aus zwei Pools und einer langen, tiefen Rinne – bog ich um die letzte Flussbiegung und voilà: der erste Fliegenfischer kam uns entgegen. Zut! Mais, c’est la vie… Ein Befischen der von ihm passierten Stellen schien wenig aussichtsreich, war der Flussgrund doch vornehmlich lehmig und der Abschnitt daher nicht nur bereits beackert, sondern auch durch aufgewühltes Sediment mit Sicherheit eingetrübt. Also Kehrtwende, zurück zum Auto und weiter im Plan.

Dass wir diesen allerdings wohl schnell verwerfen müssten, merkten wir spätestens auf unserer kurzen Fahrt flussaufwärts: An jedem Sektor sahen wir zahlreiche geparkte Autos am Straßenrand und ganze Scharen von Fliegenfischern im/am Wasser. In den letzten Jahren sah dies noch gänzlich anders aus, allerdings hatten wir zumeist auch Temperaturen um den Gefrierpunkt und auf den ersten Blick weitaus schlechtere Wasserbedingungen gehabt. Der plötzliche Wetterumschwung Ende der Woche, hin zu kühlerer Luft und leichtem Sprühregen, konnte nach den beinahe sommerlichen Tagen offenbar kaum jemanden davon abhalten, loszuziehen. Ärgerlich, aber natürlich durchaus verständlich…

Bei unserem zweiten Hotspot angekommen sahen wir zu unserer Ernüchterung dann in unmittelbarer Nähe vier Personen in ihre Wathosen schlüpfen und sich darauf vorbereiten, in ihre Saisoneröffnung zu starten. Ein schneller Blick ins Wasser setzte dann noch einen drauf: fünf Spinnfischer, die ihre Blinker, Wobbler und Co durch die fischreiche Rinne jagten. Spätenstens hier wussten wir, dass der Tag vor uns sehr ‚tough‘ werden würde und wir an den zugänglichen Abschnitten des Flusses wohl kaum mehr Stellen finden würden, die noch nicht befischt worden waren. Keine schönen Aussichten! Schnell schmiedeten wir also Plan B, der längere Märsche zu Fuß durchs teils dichte Unterholz umfasste, aber zumindest auch die motivierende Aussicht, nicht Nr. 3, 4 oder 5 in der Reihe zu sein. Diese Entscheidung sollte sich auszahlen! Denn in der Folge verbrachten wir zwar weniger Zeit im Wasser als ursprünglich geplant, konnten dafür aber auch die ersten Bachforellen bis 40cm landen, darunter eine stattliche Rotgetupfte für Kristof von 49cm.

Am Frühabend erlebten wir dann sogar noch einen Schlupf kleiner, oliv-farbener Eintagsfliegen und ich durfte mich über die ersten Fische auf die Trockene freuen. So etwas hatte es in den letzten Jahren am 1. Tag auch noch nicht gegeben! Erfolgreich war hier insbesondere eine simple Hasenohr, lediglich bestehend aus etwas grobem Dubbing und einer feinen Goldrippung, gebunden auf einen 19er Schonhaken. Keine Hechel, kein Flügel, kein Schwänzchen. Unscheinbar und schlecht schwimmend, für selektive Bachforellen aber eine sehr gute Wahl. Mit dieser Fliege am dünnen Tippet war der Höhepunkt des Schlupfes, dass ich aus erhöhter Position eine Bachforelle von ca. 50cm beim regelmässigen Steigen beobachten durfte. Anschließend bestand die Herausforderung darin, den Fisch zwischen zwei Krautfahnen und in einer langsameren Passage an der anderen Flusseite mit einer dragfreien Drift zu überzeugen. Es kam jedoch nicht nur auf eine saubere Präsentation über etwa 13 Meter an, sondern auch darauf, den richtigen ‚Rythmus‘ des Fisches, das richtige Intervall seines Steigverhaltens zu finden. Nach etwa 10 Versuchen gelang es mir dann endlich seinen Ansprüchen zu genügen und ich durfte erleben, wie die knapp unter der Oberfläche stehende Bachforelle ihren Kopf leicht zur Seite schwenkte, sich ein paar Zentimeter empor bewegte und meine winzige Hasenohr einschlürfte. Der sanfte Anschlag passte, der dünne Haken schien zu sitzen, löste sich dann allerdings schnell nach einem Sprung des Fisches und seiner anschließenden Flucht ins Grün.

Nach diesem Erlebnis brachte bei Einbruch der Dunkelheit und bei Fritte Nr. 2 der erste Tag der Saisoneröffnung mindestens drei Erkenntnisse:

1. Kein ‚großer‘ gelandeter Fisch für mich.

2. Unfassbar viele Angler, ein damit verbundener hoher Befischungsdruck (nach 32 Personen hörten wir auf zu zählen) und die Gewissheit, dass ein Großteil der Strecke vom ‚who is who‘ der belgischen Fliegenfischerszene besucht worden war.

3. Hier und da bereits regelmäßig steigende Forellen und teils große Exemplare der ‚baetis rhodani‘.

Insbesondere die dritte Erkenntnis ließ mich nach einer zweiten unruhigen Nacht und einer sich zwischenzeitlich ankündigenden Migräne (gegen die Kristofs ‚Wunderpille‘ allerdings schnelle Hilfe brachte) in Belgien verweilen. Obwohl es verlockend schien, den Sonntag bei weniger Trubel entspannt an der Rur zu verbringen, gab es die attraktive Aussicht, eine Großforelle auf Sicht mit der Trockenfliege zu fangen. Vorausgesetzt natürlich, wir konnten erneut einen Schlupf abpassen und einen Abschnitt finden, der nicht schon x-fach befischt worden war.

Wir konzentrierten uns daher am Sonntag auf Teile des Flusses, die für die Fischerei mit Nymphe und Streamer unattraktiv erschienen und von denen wir uns deshalb erhofften, dass hier am Vortag weniger los gewesen war. Und tatsächlich, am späten Vormittag war es so weit: Wieder saßen die ersten Rhodanis auf der Wasseroberfläche und die ersten Ringe zeichneten sich deutlich in der gleichmäßigen und ruhigen Strömung ab. Wir warfen allerdings nicht jeden steigenden Fisch an, sondern hielten Ausschau nach kleinen Ringen und somit sanft und vorsichtig steigenden Fischen – oftmals größere Exemplare. Schnell waren die ersten Bachforellen gefangen, diesmal auf Eintagsfliegenmuster in Größe 16, gebunden mit Quill-Körpern (entweder so oder so), einem Schwänzchen aus Coq de Leon und CDC-Flügeln. Etwas weiter stromab das gleiche Spiel, auch hier viele Fische auf engstem Raum und somit die Herausforderung, selektiv die ‚besseren‘ Flossenträger am Stieg zu erkennen. Schnell zogen mich die Ringe einer Forelle am gegenüberliegenden Ufer in den Bann. Dort befand sich ein Busch mit weit aufs Wasser ragenden Zweigen, im Wasser außerdem jede Menge angeschwemmtes Totholz – ein idealer Standplatz. Ich entschied mich für eine kleine Klinkhammer (#20), gebunden ebenfalls mit einem schlanken, oliv-farbenen Körper und einer spärlichen CDC-Hechel. Bereits die erste saubere Drift, stromabwärts serviert, schien die Rotgetupfte zu interessieren und als sie sich mit der Fliege stromabwärts treiben ließ, erkannte ich ihre Ausmaße: ein Prachtfisch! Schon als sie zum Take ansetzte, rief ich Kristof. Es folgte ein langer Drill mit zwei beeindruckenden Sprüngen zu Beginn und einigen Fluchten stromauf und stromab. Meine 3er Rute federte die Fluchten, trotz des feinen Tippets, jedoch souverän ab und nach wenigen Minuten, konnte Kristof den Fisch sicher landen.

Saisonstart05

Bild 2: 58cm auf die Trockenfliege

Er maß 58 cm, war schlank gebaut, hatte einen kleinen Kopf, eine leich-rötliche Grundfärbung und die für den Fluss typische, blaue Wangenzeichnung. Ein Traumfisch und mein persönlicher Rekord auf die Trockenfliege in Ostbelgien. Und das am 2. Tag der neuen Saison! Ich setzte ihn schonend zurück und schnell verschwand er im klaren Wasser in Richtung seines Totholzes.

Nach diesem Erlebnis saßen wir eine Weile still am Ufer und konnten es nicht fassen. Nur ab und an gaben wir mit einem breiten Grinsen ein leises „58 on a dry…“ von uns. Da der Schlupf aber noch immer im Gange war, rafften wir uns motiviert wieder auf und pirschten uns am Ufer weiter flussabwärts entlang. Ein paar hundert Meter unterhalb erreichten wir die nächste ruhige Passage und auch hier konnten wir aus sicherer Entfernung unterschiedliche Ringe ausmachen. Wieder waren zwei dabei, die von größeren Fischen zu stammen schienen. Der erste Fisch verwehrte sich unserer Fliege mehrfach, der andere hingegen konnte nicht widerstehen und nahm direkt. Was dann folgte war eine Wiederholung des ersten Tanzes, mit dem Unterschied, dass dieser Bachforelle im direkten Vergleich ein paar Zentimeter fehlten: 54 cm!

Nicht nur wir lachten jetzt, sondern auch die Sonne kam zuvor, nachdem sie sich den ganzen (Vor-)Mittag hinter dichten Wolken versteckt gehalten hatte. Jetzt gab es nicht nur eine Trockenfischerei, sondern auch noch eine Trockenfischerei im T-Shirt. Was für ein Tag! Mit dem Wetterumschwung ebbte jedoch gleichzeitig der Schlupf stark ab und wenig später schien das Wasser wie ‚tot‘. Kaum zu glauben, dass wenige Minuten zuvor hier große Bachforellen regelmässig gestiegen waren. Bis zum Abend fischten wir daher anschließend wieder vorwiegend schnellere Passagen und fingen mit der Nymphe noch einige Rotgetupfte bis 35cm, größere Exemplare konnte wir nicht mehr ausfindig machen. Aber das wäre des Guten dann auch zuviel gewesen 😉

Den Abend ließen wir bei belgischer Fritte Nr. 3 und einem kühlen Jupiler in der Sonne ausklingen und trafen noch einige weitere Bekannte, die sich ebenfalls dazu entschieden hatten, den Tag mit einer lokalen Spezialität zu beenden. Jeder erzählte von seinen Erlebnissen der beiden Tage und alle waren sich einig, dass dies eine ganz besondere Saisoneröffnung gewesen war. Mit vielen ‚Downs‘ (viele Angler), aber auch vielen ‚Ups‘ – allen voran der Möglichkeit, bereits Mitte März steigende Fische mit der Trockenfliege zu verführen. Fliegenfischerherz, was willst Du mehr?!

Ich hoffe, dass Ihr auch ein paar schöne Stunden am Wasser verbracht habt und bin gespannt darauf, Eure Geschichten zu hören!

Tight Lines.

Alex

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Es geht los!

14 03 2014

von Alex

Wir haben lange darauf gewartet: Die Saisoneröffnung! Dieses Wochenende starten die meisten von Euch ins Fliegenfischerjahr 2014. Die letzten Tage haben wir alle viel Zeit damit verbracht, unsere Sachen vorzubereiten, die letzten Lücken in unseren Fliegendosen zu füllen und uns in allen Facetten auszumalen, wie die ersten Stunden am Wasser wohl sein werden. Die Aussichten, dies gilt wohl für die meisten Gewässer unserer Region, sind aufgrund der sehr milden Temperaturen der letzten Zeit sehr gut. Die Forellen sind – wie ich vielerorts beobachtet habe – sehr aktiv und nehmen bereits die ersten, kleinen Eintagsfliegen von der Oberfläche. Regelmäßige Ringe sprechen für die ersten ausgeprägten Schlüpfe. Während wir im letzten Jahr bei erhöhtem Pegel und Schnee das erste Mal ins Rauschen des Flusses eingetaucht sind, erwartet uns diesmal (zumindest bei uns) ein recht niedriger Wasserstand – zu meinem Bedauern, liebe ich doch insbesondere die Fischerei im schnellen Wildwasser. Aber ich werde sicherlich auch bei diesen Bedingungen ein breites Grinsen auf dem Gesicht haben. Denn das wichtigste ist doch, dass wir unsere Freunde am Ufer wieder treffen, unsere über den Winter veränderten Gewässer neu entdecken können und wieder da sind, wo wir hingehören: in unseren Wathosen.

Für mich geht es in diesem Moment los. Meine Taschen stehen gepackt vor mir, das Auto ist aufgetankt. In 5 Minuten geht es in Richtung Belgien, um morgen in aller Früh die Nymphen zu wässern. Wohin es mich am Sonntag verschlägt ist noch unklar, vielleicht an die Rur, vielleicht bleibe ich aber auch in der Wallonie. Ich werde mich überraschen lassen und wünsche Euch, dass auch Ihr auf die ein oder andere Überraschung trefft – hoffentlich ist sie rotgetupft!

Einen ausführlichen Bericht zu meiner Saisoneröffnung, Bilder meiner aktuellen Fliegendosen und (hoffentlich) einige Fotos der ersten Bachforellen findet Ihr am Sonntagabend auf unserer Facebookseite oder am Montag hier auf FLY.BEI.

Tight Lines!

Euer Alex

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Saisonstart








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