Pike on the Fly – Teil 3

20 11 2009

„Hechtfischen ist harte Arbeit…“

Hatten wir während unserer ersten Ausfahrten das Kanalsystem des Ferienparks unsicher gemacht und den oftmals gelangweilt anmutenden Schleppanglern mit ihren Rappell-Wobblern (ehhhh ich meine natürlich Rapala-Wobblern) den ein oder anderen schönen Hecht vor der Nase wegschnappen können, fiel unsere Wahl für die nächsten Touren auf ein anderes Gewässer. Bereits in aller Früh machten wir uns auf den etwa 30 minütigen Weg Richtung Broek op Langedijk. Bevor ich jedoch über unsere Pirsch dort berichte und darüber wie es dazu kommen konnte, dass ich beinahe in Unterhose am Motor saß und Marc ohne Schuh einen Meterhecht fing, noch ein kurzes Wort zu besagtem Boot.

Wie bereits erwähnt, hatten wir schon nach unserer ersten Tour schmerzhafte Verluste in Form der Antriebsschraube unseres Elektromotors zu verzeichnen. Als wäre dies nicht schon Aufregung genug gewesen, hätten wir am zweiten Tag dann beinahe unser ganzes Boot (samt dem neuen Ersatzteil) verloren. Dies sogar auf zwei unterschiedliche Art und Weisen. Erstens: Als ich in der Dämmerung in die Küche kam und durch die Terassentür ins Halbdunkle tappste um Temperatur und Windstärke zu begutachten, staunte ich nicht schlecht. Marc und Ralf brausten gerade in Schlafanzügen in Ralfs Boot davon.  Erste Spekulationen, dass die beiden vielleicht Brötchen holen oder sich nur sportlich in den Tag stürzen wollten, wurden mit einem zweiten Blick in Richtung unseres Ankerplatzes im Keim erstickt: Marcs Boot war weg! Wilde Spekulationen, dass entweder verbitterte Spinnfischer unser Boot entführt haben könnten oder sich unser fahrbarer Untersatz unfreiwillig auf einer langen Reise ohne Wiederkehr Richtung Osteuropa befand, wurden zum Glück recht schnell verworfen. Der Sturm in der Nacht hatte das Seil mit dem das Boot am Steg befestigt war offenbar gelöst und die Nussschale auf Wanderschaft geschickt. Da ich das Boot am Abend zuvor vertaut hatte, hatte ich natürlich ein schlechtes Gewissen. Ich sah mich schon den  provokanten Sticheleien der anderen für den Rest des Tages ausgesetzt, da durfte ich zu meiner Erleichterung feststellen, dass besagtes Seil noch an seinem angedachten Platz, nämlich am Steg, befestigt war. Glück für mich, jemand anders (nämlich derjenige der den Knoten im Boot „verbrochen“ hatte) durfte den Spott ernten 😉

Ganz ohne Spott kam aber auch ich an diesem Morgen nicht davon und damit wären wir beim Zweitens: Nachdem Marc und Ralf das hilfslos dahin treibende Boot gefunden und wir das gute Stück auf den Hänger verladen hatten, konnte es endlich los gehen. Wir kamen jedoch nur ein paar Meter voran, denn ein erster Kontrollblick in den Rückspiegel ließ etwas Wichtiges vermissen, unser Boot (nebst Anhänger). Offenbar war ich während der Montage des Anhängers mit meinen Gedanken schon bei den Hechten, denn Hänger und Boot hatten sich bereits nach ein paar Reifenumdrehungen verabschiedet und standen alleingelassen mitten auf der Straße. Jetzt hatte auch ich mir einige stichelnde Bemerkungen verdient. Gleiches Recht für alle…

Letztendlich kamen wir aber ALLE vollständig und unbeschadet an der ramponierten Bootsrampe in der kleine Gemeinde der Provinz Nordholland an. Die Gemeinde Langedijk ist rund um das sogenannte „Reich der Tausend Inseln“ aufgebaut und besteht aus fünf kleinen Gartenbau-Dörfern. Zwischen diesen Dörfern erstrecken sich unzählige Kanäle sowie mehrere Seen als landschaftlich einladende Teile eines Naturschutzgebietes. Aufgrund der für Schleppangler engen Wasserwege versprachen wir uns einen geringeren Befischungsdruck und zahlreiche Unterstände für Hechte unter Bootshäusern und Stegen sowie an den Schilfkanten der kleineren Seen. Unsere erste Ausfahrt durch das Kanalsystem verlief relativ unspektakulär: Bereits nach kurzer Zeit konnte ich die Attacke eines Entenschnabels auf meinen schwarzen Streamer verbuchen, seinen Angriff aber nicht verwerten. In der Folge konnte wir einige nicht ganz uninteressierte Hechte beobachten, sie aber nicht dazu verleiten einen kurzen Abstecher in unser Boot zu machen. Auffällig war, dass sich die Standplätze der Räuber ähnelten. Beinahe alle Hechte die wir zu Gesicht bekamen hielten sich in den schmalen und durch Kleinfische dicht besiedelten Wasserwegen auf. Zusätzlich stellten wir fest, dass insbesondere Bootshäuser deren Holzverkleidungen bis beinahe an die Wasserkante reichten gerne von Hechten bewohnt wurden.

Wir suchten fortan also nach vergleichbaren Stellen in dem fast undurchschaubaren Wasserlabyrinth. An einem dieser Bootshäuser machte ich dann erneut Kontakt mit einem Esox. Ich warf meinen an diesem Tag und bis zu diesem Zeitpunkt weitestgehend unbeachteten Streamer etwa 12 Meter an die Kante eines Bootshauses, ließ ihn kurz absinken und begann ihn langsam auf mich zu zu strippen. Das einen Kleinfisch imitierende Etwas aus Bucktail und Flash hatte gerade erst 2 Meter hinter sich gebracht, da tauchte in seinem Rückspiegel ein am Bootshaus auf Beute lauernder Räuber auf. Ich erhöhte aufgeregt die Geschwindigkeit. Der hungrige Verfolger tat das Gleiche und hielt den Abstand zu seiner hilflosen Beute konstant bei etwa einem Meter. Ich erinnerte mich an den ersten Tag und die Szene, als ich den Hecht auf dem kürzesten Weg am Boot vorbei und zum Heck gelenkt hatte. Diesmal wollte ich es anders machen. Ich entschied mich dafür den langen Weg zu wählen, also am Bug des Bootes vorbei und dann ums Boot herum zum hinteren Teil. Erneut die letzten Zentimeter meiner Reichweite vor Augen erhöhte ich noch einmal die Geschwindigkeit. In aller letzter Sekunde macht der Stoßräuber seinem Namen alle Ehre und griff endlich an. Marc, der am Motor genau über dem Schauspiel stand, schrie „Anschlagen“. Ich schlug an und für etwa 2 Sekunden war meine Rute so wie sie sein soll – krumm. Leider konnte ich den Haken aber nicht richtig setzen und so verabschiedete sich der Hecht mit einem breiten Grinsen zurück in seinen Unterstand. Wir hatten also weiterhin zwei Schneider an Bord.

Nach einer stärkenden Suppe (die sich dank der genialen Idee des Steuermanns elegant aus dem Boot zu pinkeln in großen Teilen vom Gaskocher in den Innenraum des Bootes verabschiedete und unserer Schnur für den Rest des Tages eine Fett-Pflege bescherte) konnten wir endlich die ersten zählbaren Erfolge verzeichnen: Wir navigierten unser Boot in eine schmale Sackgasse an einem Bootshaus vorbei. Der Abstand zwischen mir und dem aussichtsreichen Hechtstandplatz war nur unbedeutend größer als die Länge meiner Rute. Ich konnte genau beobachten wie mein Streamer an der Unterkante des Bootshauses entlang tänzelte, da schnellte aus dem Dunkeln ein Hecht empor. Total erschrocken riss ich meine Rute hoch und spürte den Widerstand des Angreifers. Nach einem kurzen Drill auf engstem Raum konnte ich endlich den ersten Gast des Tages an Bord begrüßen! Die Freude über den langersehnten Kurzzeitbesucher war so groß, dass der Ausschank des Kapitäns diesmal besonders spendabel ausfiel.

(Entschneidert #1 – Ein Bootshausbewohner beim Landgang)

Anschließend machten wir uns auf den Rückweg zur Rampe, nicht jedoch ohne vorher noch einen kurzen Zwischenstop an genau dem Bootshaus zu machen, an dem ich vormittags einen schönen Hecht verpasst hatte. Wie einige Stunden zuvor warf ich erneut an die Kante zwischen Steg und Haus, in der Hoffnung, dass der Hecht an seinen alten Standplatz zurückgekehrt war. Leider vergebens. Marc hingegen bot seinen Streamer ein paar Meter weiter an einem Seerosenfeld auf der gegenüberliegenden Seite der kleinen Bucht an. Bereits sein zweiter Wurf brachte den lang ersehnten Biss und die Gewissheit, an diesem Tag nicht ohne einen Hecht in den Händen gehalten zu haben ins Bett gehen zu müssen. Es stimmt: Manchmal – oder besser: oftmals – ist Hechtfischen harte Arbeit!

(Entschneidert #2 – Der Hecht vom Vormittag?!)

Letzter Tag: Auf unserer zweiten Tour durch die Wasserstraßen von Broek op Langedijk sollte ich nun im Heck des Bootes das Ruder bzw. die Motoren in die Hand nehmen. Meine Rolle als Kapitän stand jedoch unter keinem guten Stern, denn wie auch am Tag zuvor gab es zunächst erste Hürden zu überwinden: Vor der Abfahrt am Ferienhaus hatte ich noch daran gedacht nachzuschauen, ob Wathose und Watschuhe ordnungsgemäß im Kofferraum verstaut waren, dann jedoch (tragischerweise) vergessen. Am Wasser angekommen und voller Vorfreude auf den letzten Tag unseres Trips, musste ich dann feststellen, dass die Bekleidung die mich bis dahin zuverlässig vor dem über weite Strecken anhaltenden Regen geschützt hatte, nicht da war. Nun stand ich da ich armer Tor…in langer Unterhose und mit Sportschuhen. Marc konnte sich natürlich einen bissigen Kommentar nicht verkneifen, musste aber im selben Augenblick ernüchtend feststellen, dass er seine Gummistiefel vergessen hatte und nur in Hausschuhen unterwegs war. Tja, das hat man dann davon…Letztendlich musste Ralf für unsere Schusseligkeit herhalten: Marc bekam seine Sportschuhe und ich seine Jeans. Bekleidet wie Spontan-Angelausflügler starteten wir in unsere letzte Hechtpirsch.

Zwar hatte ich zuvor schonmal im Ferienpark am Steuer gesessen, die Navigation durch die hier kleineren Kanäle gestaltete sich aber als weitaus schwieriger. Erst jetzt stellte ich fest, welch Geschick und Routine Marc zuvor bewiesen hatte – Lenken und Werfen gleichzeitig. Um es auf den Punkt zu bringen: viel gefischt habe ich am letzten Tag nicht, dafür habe ich als Kapitän aber nicht gänzlich versagt, denn Marcs Wunsch nach etlichen Stunden ohne nennenswerten Kontakt mit einem Hecht – „Jetzt bring mich dahin wo Fische sind“ – konnte ich voll und ganz erfüllen. Nachdem wir an einem Bootshaus  (es gehört übrigens einer Dame die sich dort in den letzten Jahren wiederholt in Unterwäsche gezeigt hatte) einen kleineren Esox verpasst hatten, steuerte ich gezielt eine einladende Bucht am Eingang des Naturschutzgebietes an. Wir hatten gerade geankert und ich zu meiner Rute gegriffen um auch noch einmal zu fischen, da war Marcs Rute mehr als krumm. Ich schaute etwa 3 Meter vor unserem Boot in die Tiefe und traute meinen Augen kaum. Nach einer kurzen  und heftigen Flucht in Richtung Schilf drillte Marc einen Baumstamm in Richtung Oberfläche. Nein, es war kein Baumstamm, es war ein Hecht. Ein Hecht mit einem Umfang den ich bis dahin noch nicht gesehen hatte. Der Räuber wand sich am Ende des Hardmonos hin und her, den Streamer in seinem Mundwinkel und seine Kiemen weit aufgestellt. Mit offenem Mund nahm ich den großen Meerforellenkescher und bereits beim ersten Versuch konnten wir den Riesen sicher landen und gemeinsam an Bord hiefen. Wir waren aus dem Häuschen. Der Hecht maß über einen Meter und wir schätzten ihn auf über 8 kg! Obwohl Marc schon größere Hechte mit der Fliege gefangen hatte, hatte dieses Weibchen den größten Bauchumfang. Es sah aus, als hätte sich die alte Dame zum Frühstück zwei Enten gegönnt. Gerade wollte sich Marc mit seinem Prachtfang im Arm für ein kurzes Fotoshooting in Szene setzen, da verabschiedete sich der Fisch mit einem Sprung ins Wasser und hinterließ zwei verdutzte, aber überglückliche Fliegenfischer und ein Boot voller Hechtschleim. Schade ums Foto, aber das Bild wie der Hecht das erste Mal an die Oberfläche kam werde ich nicht so schnell vergessen.

Nach diesem Erlebnis konnte es nicht mehr besser werden. Marc fing zwar noch einen Hecht, aber unsere Gedanken kreisten in den nächsten Stunden des öfteren um die dicke Hechtdame und die kleine Bucht die sie bewohnte.

(Schade – Gerne hätten wir seine Mutter zum Fotoshooting da behalten)

Mit einem Schneider für den Kapitän im Heck und einem Meterhecht für Marc im Bug endete also unser letzter Ausflug durch die verzweigten Kanäle Nordhollands. Ein wenig wehmütig verluden wir am Abend unser Boot und verbrachten ein letztes Essen gemeinsam mit Joseph, Hubert und Ralf, denen es in den letzten Tagen sicher ähnlich ergangen ist wie uns: viel Wasser das es zu befahren, viel Wind den es zu durchwerfen und viel Regen den es auszuhalten galt. Die Bekanntschaft die wir dabei mit einigen formschönen Hechten machen durften ist natürlich auch nicht zu verachten ;).

Im Rückblick auf diese erholsamen aber auch anstrengenden Tage bleibt dann doch weit mehr als die knappe Zusammenfassung „Ein Boot – zwei Männer – elf Hechte…“


Fortsetzung folgt… Pike on The Fly – Teil 4


Vorschau:

  • Informationen über die Gewässer
  • Informationen über das Ferienhaus
  • Informationen über die Fischereilizenz
  • Rückblick auf den erfolgreichsten Streamer






Pike on the Fly – Teil 3

20 11 2009

„Hechtfischen ist harte Arbeit…“

Hatten wir während unserer ersten Ausfahrten das Kanalsystem des Ferienparks unsicher gemacht und den oftmals gelangweilt anmutenden Schleppanglern mit ihren Rappell-Wobblern (ehhhh ich meine natürlich Rapala-Wobblern) den ein oder anderen schönen Hecht vor der Nase wegschnappen können, fiel unsere Wahl für die nächsten Touren auf ein anderes Gewässer. Bereits in aller Früh machten wir uns auf den etwa 30 minütigen Weg Richtung Broek op Langedijk. Bevor ich jedoch über unsere Pirsch dort berichte und darüber wie es dazu kommen konnte, dass ich beinahe in Unterhose am Motor saß und Marc ohne Schuh einen Meterhecht fing, noch ein kurzes Wort zu besagtem Boot.

Wie bereits erwähnt, hatten wir schon nach unserer ersten Tour schmerzhafte Verluste in Form der Antriebsschraube unseres Elektromotors zu verzeichnen. Als wäre dies nicht schon Aufregung genug gewesen, hätten wir am zweiten Tag dann beinahe unser ganzes Boot (samt dem neuen Ersatzteil) verloren. Dies sogar auf zwei unterschiedliche Art und Weisen. Erstens: Als ich in der Dämmerung in die Küche kam und durch die Terassentür ins Halbdunkle tappste um Temperatur und Windstärke zu begutachten, staunte ich nicht schlecht. Marc und Ralf brausten gerade in Schlafanzügen in Ralfs Boot davon. Erste Spekulationen, dass die beiden vielleicht Brötchen holen oder sich nur sportlich in den Tag stürzen wollten, wurden mit einem zweiten Blick in Richtung unseres Ankerplatzes im Keim erstickt: Marcs Boot war weg! Wilde Spekulationen, dass entweder verbitterte Spinnfischer unser Boot entführt haben könnten oder sich unser fahrbarer Untersatz unfreiwillig auf einer langen Reise ohne Wiederkehr Richtung Osteuropa befand, wurden zum Glück recht schnell verworfen. Der Sturm in der Nacht hatte das Seil mit dem das Boot am Steg befestigt war offenbar gelöst und die Nussschale auf Wanderschaft geschickt. Da ich das Boot am Abend zuvor vertaut hatte, hatte ich natürlich ein schlechtes Gewissen. Ich sah mich schon den provokanten Sticheleien der anderen für den Rest des Tages ausgesetzt, da durfte ich zu meiner Erleichterung feststellen, dass besagtes Seil noch an seinem angedachten Platz, nämlich am Steg, befestigt war. Glück für mich, jemand anders (nämlich derjenige der den Knoten im Boot „verbrochen“ hatte) durfte den Spott ernten 😉

Ganz ohne Spott kam aber auch ich an diesem Morgen nicht davon und damit wären wir beim Zweitens: Nachdem Marc und Ralf das hilfslos dahin treibende Boot gefunden und wir das gute Stück auf den Hänger verladen hatten, konnte es endlich los gehen. Wir kamen jedoch nur ein paar Meter voran, denn ein erster Kontrollblick in den Rückspiegel ließ etwas Wichtiges vermissen, unser Boot (nebst Anhänger). Offenbar war ich während der Montage des Anhängers mit meinen Gedanken schon bei den Hechten, denn Hänger und Boot hatten sich bereits nach ein paar Reifenumdrehungen verabschiedet und standen alleingelassen mitten auf der Straße. Jetzt hatte auch ich mir einige stichelnde Bemerkungen verdient. Gleiches Recht für alle…

Letztendlich kamen wir aber ALLE vollständig und unbeschadet an der ramponierten Bootsrampe in der kleine Gemeinde der Provinz Nordholland an. Die Gemeinde Langedijk ist rund um das sogenannte „Reich der Tausend Inseln“ aufgebaut und besteht aus fünf kleinen Gartenbau-Dörfern. Zwischen diesen Dörfern erstrecken sich unzählige Kanäle sowie mehrere Seen als landschaftlich einladende Teile eines Naturschutzgebietes. Aufgrund der für Schleppangler engen Wasserwege versprachen wir uns einen geringeren Befischungsdruck und zahlreiche Unterstände für Hechte unter Bootshäusern und Stegen sowie an den Schilfkanten der kleineren Seen. Unsere erste Ausfahrt durch das Kanalsystem verlief relativ unspektakulär: Bereits nach kurzer Zeit konnte ich die Attacke eines Entenschnabels auf meinen schwarzen Streamer verbuchen, seinen Angriff aber nicht verwerten. In der Folge konnte wir einige nicht ganz uninteressierte Hechte beobachten, sie aber nicht dazu verleiten einen kurzen Abstecher in unser Boot zu machen. Auffällig war, dass sich die Standplätze der Räuber ähnelten. Beinahe alle Hechte die wir zu Gesicht bekamen hielten sich in den schmalen und durch Kleinfische dicht besiedelten Wasserwegen auf. Zusätzlich stellten wir fest, dass insbesondere Bootshäuser deren Holzverkleidungen bis beinahe an die Wasserkante reichten gerne von Hechten bewohnt wurden.

Wir suchten fortan also nach vergleichbaren Stellen in dem fast undurchschaubaren Wasserlabyrinth. An einem dieser Bootshäuser machte ich dann erneut Kontakt mit einem Esox. Ich warf meinen an diesem Tag und bis zu diesem Zeitpunkt weitestgehend unbeachteten Streamer etwa 12 Meter an die Kante eines Bootshauses, ließ ihn kurz absinken und begann ihn langsam auf mich zu zu strippen. Das einen Kleinfisch imitierende Etwas aus Bucktail und Flash hatte gerade erst 2 Meter hinter sich gebracht, da tauchte in seinem Rückspiegel ein am Bootshaus auf Beute lauernder Räuber auf. Ich erhöhte aufgeregt die Geschwindigkeit. Der hungrige Verfolger tat das Gleiche und hielt den Abstand zu seiner hilflosen Beute konstant bei etwa einem Meter. Ich erinnerte mich an den ersten Tag und die Szene, als ich den Hecht auf dem kürzesten Weg am Boot vorbei und zum Heck gelenkt hatte. Diesmal wollte ich es anders machen. Ich entschied mich dafür den langen Weg zu wählen, also am Bug des Bootes vorbei und dann ums Boot herum zum hinteren Teil. Erneut die letzten Zentimeter meiner Reichweite vor Augen erhöhte ich noch einmal die Geschwindigkeit. In aller letzter Sekunde macht der Stoßräuber seinem Namen alle Ehre und griff endlich an. Marc, der am Motor genau über dem Schauspiel stand, schrie „Anschlagen“. Ich schlug an und für etwa 2 Sekunden war meine Rute so wie sie sein soll – krumm. Leider konnte ich den Haken aber nicht richtig setzen und so verabschiedete sich der Hecht mit einem breiten Grinsen zurück in seinen Unterstand. Wir hatten also weiterhin zwei Schneider an Bord.

Nach einer stärkenden Suppe (die sich dank der genialen Idee des Steuermanns elegant aus dem Boot zu pinkeln in großen Teilen vom Gaskocher in den Innenraum des Bootes verabschiedete und unserer Schnur für den Rest des Tages eine Fett-Pflege bescherte) konnten wir endlich die ersten zählbaren Erfolge verzeichnen: Wir navigierten unser Boot in eine schmale Sackgasse an einem Bootshaus vorbei. Der Abstand zwischen mir und dem aussichtsreichen Hechtstandplatz war nur unbedeutend größer als die Länge meiner Rute. Ich konnte genau beobachten wie mein Streamer an der Unterkante des Bootshauses entlang tänzelte, da schnellte aus dem Dunkeln ein Hecht empor. Total erschrocken riss ich meine Rute hoch und spürte den Widerstand des Angreifers. Nach einem kurzen Drill auf engstem Raum konnte ich endlich den ersten Gast des Tages an Bord begrüßen! Die Freude über den langersehnten Kurzzeitbesucher war so groß, dass der Ausschank des Kapitäns diesmal besonders spendabel ausfiel.

(Entschneidert #1 – Ein Bootshausbewohner beim Landgang)

Anschließend machten wir uns auf den Rückweg zur Rampe, nicht jedoch ohne vorher noch einen kurzen Zwischenstop an genau dem Bootshaus zu machen, an dem ich vormittags einen schönen Hecht verpasst hatte. Wie einige Stunden zuvor warf ich erneut an die Kante zwischen Steg und Haus, in der Hoffnung, dass der Hecht an seinen alten Standplatz zurückgekehrt war. Leider vergebens. Marc hingegen bot seinen Streamer ein paar Meter weiter an einem Seerosenfeld auf der gegenüberliegenden Seite der kleinen Bucht an. Bereits sein zweiter Wurf brachte den lang ersehnten Biss und die Gewissheit, an diesem Tag nicht ohne einen Hecht in den Händen gehalten zu haben ins Bett gehen zu müssen. Es stimmt: Manchmal – oder besser: oftmals – ist Hechtfischen harte Arbeit!

(Entschneidert #2 – Der Hecht vom Vormittag?!)

Letzter Tag: Auf unserer zweiten Tour durch die Wasserstraßen von Broek op Langedijk sollte ich nun im Heck des Bootes das Ruder bzw. die Motoren in die Hand nehmen. Meine Rolle als Kapitän stand jedoch unter keinem guten Stern, denn wie auch am Tag zuvor gab es zunächst erste Hürden zu überwinden: Vor der Abfahrt am Ferienhaus hatte ich noch daran gedacht nachzuschauen, ob Wathose und Watschuhe ordnungsgemäß im Kofferraum verstaut waren, dann jedoch (tragischerweise) vergessen. Am Wasser angekommen und voller Vorfreude auf den letzten Tag unseres Trips, musste ich dann feststellen, dass die Bekleidung die mich bis dahin zuverlässig vor dem über weite Strecken anhaltenden Regen geschützt hatte, nicht da war. Nun stand ich da ich armer Tor…in langer Unterhose und mit Sportschuhen. Marc konnte sich natürlich einen bissigen Kommentar nicht verkneifen, musste aber im selben Augenblick ernüchtend feststellen, dass er seine Gummistiefel vergessen hatte und nur in Hausschuhen unterwegs war. Tja, das hat man dann davon…Letztendlich musste Ralf für unsere Schusseligkeit herhalten: Marc bekam seine Sportschuhe und ich seine Jeans. Bekleidet wie Spontan-Angelausflügler starteten wir in unsere letzte Hechtpirsch.

Zwar hatte ich zuvor schonmal im Ferienpark am Steuer gesessen, die Navigation durch die hier kleineren Kanäle gestaltete sich aber als weitaus schwieriger. Erst jetzt stellte ich fest, welch Geschick und Routine Marc zuvor bewiesen hatte – Lenken und Werfen gleichzeitig. Um es auf den Punkt zu bringen: viel gefischt habe ich am letzten Tag nicht, dafür habe ich als Kapitän aber nicht gänzlich versagt, denn Marcs Wunsch nach etlichen Stunden ohne nennenswerten Kontakt mit einem Hecht – „Jetzt bring mich dahin wo Fische sind“ – konnte ich voll und ganz erfüllen. Nachdem wir an einem Bootshaus (es gehört übrigens einer Dame die sich dort in den letzten Jahren wiederholt in Unterwäsche gezeigt hatte) einen kleineren Esox verpasst hatten, steuerte ich gezielt eine einladende Bucht am Eingang des Naturschutzgebietes an. Wir hatten gerade geankert und ich zu meiner Rute gegriffen um auch noch einmal zu fischen, da war Marcs Rute mehr als krumm. Ich schaute etwa 3 Meter vor unserem Boot in die Tiefe und traute meinen Augen kaum. Nach einer kurzen und heftigen Flucht in Richtung Schilf drillte Marc einen Baumstamm in Richtung Oberfläche. Nein, es war kein Baumstamm, es war ein Hecht. Ein Hecht mit einem Umfang den ich bis dahin noch nicht gesehen hatte. Der Räuber wand sich am Ende des Hardmonos hin und her, den Streamer in seinem Mundwinkel und seine Kiemen weit aufgestellt. Mit offenem Mund nahm ich den großen Meerforellenkescher und bereits beim ersten Versuch konnten wir den Riesen sicher landen und gemeinsam an Bord hiefen. Wir waren aus dem Häuschen. Der Hecht maß über einen Meter und wir schätzten ihn auf über 8 kg! Obwohl Marc schon größere Hechte mit der Fliege gefangen hatte, hatte dieses Weibchen den größten Bauchumfang. Es sah aus, als hätte sich die alte Dame zum Frühstück zwei Enten gegönnt. Gerade wollte sich Marc mit seinem Prachtfang im Arm für ein kurzes Fotoshooting in Szene setzen, da verabschiedete sich der Fisch mit einem Sprung ins Wasser und hinterließ zwei verdutzte, aber überglückliche Fliegenfischer und ein Boot voller Hechtschleim. Schade ums Foto, aber das Bild wie der Hecht das erste Mal an die Oberfläche kam werde ich nicht so schnell vergessen.

Nach diesem Erlebnis konnte es nicht mehr besser werden. Marc fing zwar noch einen Hecht, aber unsere Gedanken kreisten in den nächsten Stunden des öfteren um die dicke Hechtdame und die kleine Bucht die sie bewohnte.

(Schade – Gerne hätten wir seine Mutter zum Fotoshooting da behalten)

Mit einem Schneider für den Kapitän im Heck und einem Meterhecht für Marc im Bug endete also unser letzter Ausflug durch die verzweigten Kanäle Nordhollands. Ein wenig wehmütig verluden wir am Abend unser Boot und verbrachten ein letztes Essen gemeinsam mit Joseph, Hubert und Ralf, denen es in den letzten Tagen sicher ähnlich ergangen ist wie uns: viel Wasser das es zu befahren, viel Wind den es zu durchwerfen und viel Regen den es auszuhalten galt. Die Bekanntschaft die wir dabei mit einigen formschönen Hechten machen durften ist natürlich auch nicht zu verachten ;).

Im Rückblick auf diese erholsamen aber auch anstrengenden Tage bleibt dann doch weit mehr als die knappe Zusammenfassung „Ein Boot – zwei Männer – elf Hechte…“


Fortsetzung folgt… Pike on The Fly – Teil 4


Vorschau:

  • Informationen über die Gewässer
  • Informationen über das Ferienhaus
  • Informationen über die Fischereilizenz
  • Rückblick auf den erfolgreichsten Streamer






Pike on the Fly – Teil 2

18 11 2009


„Ein Boot – zwei Männer – elf Hechte…“

So oder so ähnlich könnte die kurze Version eines Rückblicks auf mein Wochenende aussehen. Da die ereignisreichen Tage in der Provinz Nordholland aber weit mehr verdienen als dieser knappen Worte, möchte ich es auf keinen Fall dabei belassen.

Genau genommen ist obige Zusammenfassung auch nicht ganz korrekt, denn ich war nicht nur mit Marc unterwegs. Auch seine FreundeRalf, Joseph und Hubert (ebenfalls Mitglieder im Club de Pêche à la Mouche Verviers oder kurz Mouche Passion) hatten sich – ihre Boote im Schlepptau – auf den 300km langen Weg in die Nähe von Alkmaar begeben um den Hechten mit der Fliege nachzustellen. Untergebracht waren wir für die kurze Zeit unseres Aufenthalts in einem kleinen, schlichten aber dennoch gemütlich eingerichteten Bungalow in einem Ferienpark etwa 30 km von Alkmaar entfernt (ein Haus für 6-8 Personen kostet in der Nebensaison pro Woche etwa 350 Euro). Wie jedes andere Haus vor Ort verfügte auch unseres über einen eigenen Bootssteg und war somit an das Kanalsystem des Parks sowie der umliegenden Dörfer angeschlossen.

Unmittelbar nach unserer Ankunft machten wir uns mit unserem frisch erworbenen Vispas (die Fischereilizenz kostet 25 Euro und ist für das laufende Kalenderjahr gültig) voller Spannung, zugleich jedoch die kleinen Sorgen des Alltags langsam hinter uns lassend, auf unsere erste Erkundungstour durch das labyrinthartige Netz aus schmalen Kanälen, offenen Seen und kleinen Häfen. Da Marc in den vergangenen Jahren schon des öfteren in diesem Ferienpark untergebracht war, steuerte er vom Heck des kleinen Bootes aus zielstrebig die ersten aussichtsreichen Hechtstandplätze an. Ich hingegen durfte zunächst im vorderen Teil des Bootes auf einem bequemen Drehstuhl Platz nehmen und mich voll und ganz auf die Präsentation meiner Fliege unter überhängende Bäume, an Schilfkanten sowie unter Bootsstege konzentrieren.

Es klangen mir noch die weisen Worte meines Kapitäns bei unserer Abfahrt in den Ohren Hechtangeln ist harte Arbeit, da war meine Rute nach wenigen Würfen an unserem ersten Ankerplatz bereits krumm. Obwohl das Wasser nur etwa 1.5 m tief und nicht sonderlich trüb war, habe ich die blitzartige Attacke auf meinen zügig gestrippten Streamer aus schwarzem Bucktail nicht richtig wahrgenommen. Das erste was ich sah war ein grün-gelbes Etwas, das am Ende des Vorfachs aus Hardmono meine neue Rute das erste Mal auf die Probe stellte. Trotz des Überraschungseffekts auf seiner Seite konnte ich den wütenden Fluchtversuch des Angreifer ins nahe Unterholz erfolgreich parieren. So durfte ich wenig später meinen ersten auf eine Fliege gefangenen Hecht voller Stolz und Freude in den Händen halten.

(Entjungfert – mein erster Hecht mit der Fliege)

Wie es die Tradition auf Marcs Boot vorschreibt, wurde der knapp 75 cm große Fisch mit bestem Dank und einem kleinen Abschiedsküsschen zurück in sein Element entlassen und anschließend von der Besatzung gebührend begossen.

Mit einem breiten Grinsen auf dem nassen Gesicht machten wir uns anschließend im mittlerweile strömenden Regen daran, eine lange Baumreihe am Ufer des Kanals zu befischen. Als hätte mein erster Hecht seinen Kollegen unter Wasser Bescheid gegeben, dass oben ein nasser Junge freudig darauf wartet Bekanntschaft mit der Familie der Entenschnäbel zu machen, erbarmte sich bereits 50 Meter weiter ein zweiter Esox und ließ sich von mir zum Anbiss verleiten. Weniger geschockt als noch beim ersten Biss, aber dennoch nicht weniger glücklich über den schönen Fang, waren wir nach einem zügigen Drill und erfolgreicher Handlandung für kurze Zeit wieder zu dritt im Boot.

(Hecht ahoi – kurz zu dritt an Bord)

Zwei schöne Hechte in so kurzer Zeit und das ausgerechnet vom Neuling an Bord! Keine Frage, dass Marc sich anschließend einige freundschaftliche Sticheleien gefallen lassen musste. Unbeeindruckt jedoch von meinen übermütigen Versuchen ihn aus dem Konzept zu bringen, konterte er wenig später  mehr als souverän und entschneiderte sich mit einem formschönen Hecht. Der im Schilf lauernde noch junge Räuber konnte einem Streamer aus silbernem Flashabou nicht widerstehen und wurde für seinen jugendlichen Leichtsinn mit einem kurzen Landgang „bestraft“. Natürlich durfte aber auch dieser etwa 60 cm große Bursche nach einem kurzen Fotoshooting wieder schwimmen um fleißig weiter zu wachsen.

(Entschneidert – Marc und sein erster Hecht)

War es mir bis dahin vergönnt einen Hecht bei seiner Attacke zu sehen, durfte ich an unserem nächsten Ankerplatz eben dieses Schauspiel beobachten: Nach einem gefühlvollen Wurf meines bis dahin erfolgreichen Streamers unter einen Busch sah ich, wie ein schöner Hecht sich meinem Köder ohne den sichtbaren Einsatz seiner Rücken- oder Schwanzflossen näherte. Aufgeregt erhöhte ich die Geschwindigkeit mit der ich meinen Streamer auf mich zu strippte. Der Hecht behielt einen kleinen Abstand konstant bei und bewegte sich ohne Hast und scheinbar unbeobachtet im Rücken seiner Beute. Am Boot angekommen setzte sich dieser „Tanz“ zwischen Jäger und Gejagtem fort. Der Hecht zeigte keinerlei Scheu vor uns oder unserem grünen Unterbau und verfolgte meinen Streamer ums Boot bis zu den Motoren. Gerade hatte ich die Möglichkeiten meiner Reichweite ausgeschöpft, da kam die Attacke. Leider konnte ich seinen plötzlichen Vorstoß aber nicht verwerten. Dennoch, ein beeindruckendes Erlebnis!

Am gegenüberliegenden Ufer mussten wir uns dann erneut geschlagen geben: Zwar schien sich auch hier ein Esox für unsere Streamer zu interessieren, keiner von uns konnte jedoch den heftigen Biss auf seinen Streamer nach einem Parallelwurf zur Schilfkante verwerten und die Rute für länger als eine Sekunde im krummen Zustand halten. Schade, unserem Gefühl nach zu urteilen sicher ein größeres Exemplar!

Zeit zu hadern blieb uns trotz dieser verpassten Möglichkeiten jedoch kaum, denn noch am Ende der langen Baumreihe durften Marc und ich unsere Gäste vier und fünf in unserem Boot begrüßen. Wie es sich für gute Gastgeber gehört, ließen wir uns nicht lumpen und schenkten auch diesmal ein paar weitere schmackhafte Tröpfchen aus.

(Hoch die Tassen – ein gerngesehener Gast an Bord)

Nach diesem ereignis- und fischreichen Einstand unternahmen wir anschließend noch einen Streifzug durch das Kanalsystem eines nahegelegenes Dorfes, konnten aber trotz der guten Erfahrungen die Marc dort in den vergangenen Jahren gemacht hatte, keine weiteren – zumindest keine weiteren willigen – Hechte ausmachen. Abgerundet wurde das Ende des Tages dann noch mit dem Verlust der Antriebsschraube unseres Elektromotors. Da hat wohl ein gewitzter Hecht die Nase voll gehabt und die Mutter gelöst. Zum Glück konnten wir aber am Abend noch Ersatz in einem Bootsgeschäft bekommen, denn nur mit einem Benzinmotor ausgerüstet wäre das Navigieren in den schmalen Kanälen zu schwierig gewesen, zumal ich nun an der Reihe war das verantwortungsvolle Amt des Kapitäns zu übernehmen.

Fortsetzung folgt… Pike on the Fly – Teil 3


Vorschau:

  • ich im Heck ohne Hose
  • Marc am Bug ohne Schuhe, dafür mit dem Meterhecht








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