Auf engstem Raum

6 07 2014

von Alex

Nach Kursen auf Barbe und Forelle in den letzten Tagen, zog es mich gestern Abend selber auch noch einmal ganz kurz ans Wasser. Ich hatte vor zwei Wochen an einem schmalen Bach einen kleinen, sehr versteckten Pool entdeckt, den ich unbedingt noch einmal ausprobieren wollte. Bei meinem ersten Besuch gab es dort bereits einen 40+ Fisch und im Drill meinte ich, eine noch größere Bachforelle gesehen zu haben. Ich war mir aufgrund des schnellen Wassers allerdings nicht ganz sicher gewesen. Dies wollte ich unbedingt überprüfen.

Der Mini-Gumpen war etwa so breit wie tief und im vorderen Teil hatten sich viele, viele Äste angesammelt. Im hinteren Teil war die Uferseite komplett unterspült, und dichte, rote Wurzeln boten einen zweiten sicheren Standplatz. Insgesamt eine heikle Stelle, sollte man hier auf einen kräftigen Fisch treffen, denn auch die Strömung im Zulauf war äußerst stark.

Ich näherte mich dem Pool stromauf und ließ meine 16er Nymphe mit erhobenem Arm und einem fast gestreckten Vorfach kontrolliert in den Auslauf trudeln. Ich hatte mich entschieden, hier nur mit einer Nymphe zu fischen, denn einen möglichen Hänger des zweiten Musters im Drill wollte ich unbedingt vermeiden. Außerdem fischte ich mit einer 5x Vorfachspitze, für dieses kleine Gewässer und den niedrigen Pegel ansonsten etwas zu dick. Aber falls ich Kontakt bekommen sollte, musste sofort Gegendruck ausgeübt werden, um eine Flucht in die Äste oder die Wurzeln zu verhindern.

Schon bei der ersten Drift sah ich im klaren Wasser, dass sich eine stattliche Bachforelle, die ich zuvor nicht entdeckt hatte, obwohl ich mich auf maximal 3 Meter genähert hatte, vom Grund löste und meine Nymphe im Mittelwasser nahm. Ich zog sie schnell aus dem Pool und drillte sie kurz unterhalb aus. 42cm! Aber weder der Fisch den ich bereits kannte, noch der größere Fisch, der mir seitdem nicht aus dem Kopf gegangen war. Also ein zweiter Versuch.

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Ich wartete einen Moment und machte meine nächste Drift. Diesmal in die Mitte des Pools. Ich ließ die Nymphe mit der Strömung in Richtung Ufer und Wurzeln abtreiben, senkte sie leicht ab und bewegte sie in der Geschwindigkeit der Strömung in Richtung Auslauf. Eine zweite größere Bachforelle verließ das Wurzelwerk und folgte ihr, verpasste aber. Ich wartete nochmals ein paar Minuten, ließ die Forelle ihren Standplatz wieder einnehmen und wiederholte die Drift. Diesmal nahm sie! Auch hier das gleiche Spiel, ich versuchte den Fisch vom Zug stromauf abzuhalten und konnte sie wenig später im Auslauf auf engstem Raum unter den überhängenden Ästen landen. 43cm! Der mir bekannte Fisch von vor zwei Wochen.

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Abermals ein paar Minuten später war dann der Hotspot des Pools dran. Der Einlauf mit den vielen Ästen und der Kehrströmung, die sich oberhalb des Baumes mit den Wurzeln am Ufer gebildet hatte. Am erhobenen Arm platzierte ich die Nymphe über die schnelle Strömung hinweg in den ruhigen Bereich und unmittelbar war meine Rute das dritte Mal krumm. Ich merkte schnell, dass diese Forelle wesentlich größer war, denn sowohl der erste Schwall an der Oberfläche, als auch der Zug in Richtung Grund zeugten von immenser Kraft. Meiner 3er Rute wurde richtig gefordert. Mit der Cult im Halbkreis versuchte ich dem Fisch Paroli zu bieten und daran zu hindern, sich gegen die Strömung zu bewegen. Aber vergebens, er zog vom Auslauf, wohin ich ihn kurz dirigieren konnte, in Richtung Einlauf. Er wusste offenbar genau, dass er dort im dichten Unterwassergestrüpp angespülter Äste die besten Chancen hatte. Und die nutze er! Denn wenig später spürte ich, dass mein Vorfach einen Ast touchiert haben musste, die Bewegungen der Forelle waren nicht mehr zu spüren. Ein Hänger?! … Was jetzt?! Ich entschied mich für die positive Variante, hielt meine 10ft. Rute auf Spannung und kletterte in den Pool, die Rute weit hinter mir ausgestreckt. Wie befürchtet, hatte sich mein Vorfach um einen der vielen Äste gewickelt. Zum Glück war er recht dünn, so dass ich ihn schnell überbrechen konnte. Und da waren auch die Bewegungen des Fisches wieder, mein Schonhaken hatte gehalten. Glück gehabt! Direkt griff ich zum Kescher auf meinem Rücken und hielt ihn tief ins Wasser. Der Fisch hatte keine Möglichkeit mehr auszuweichen und fand sich in meinem Schonnetz wieder. Erleichterung! Der bisher herausfordernste Drill dieser Art mit vielen unangenehmen Entscheidungen in kürzester Zeit. Der Fisch war es allemal wert! Eine sehr alte Bachforelle, dunkel gefärbt, etwas aus dem Futter und mit einem großen, markanten Kopf. 54cm!

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Nach insgesamt vielleicht 20 Minuten und mit ein paar Schnappschüssen im Gepäck, machte ich mich durchs tiefe Unterholz auf den Weg zurück, um an anderer Stelle den Abend gemütlich mit der Trockenfliege ausklingen zu lassen.

Ich hoffe, dass Ihr ebenfalls ein schönes Wochenende mit hoffentlich ähnlich glücklich endenden Herausforderungen am Wasser hattet!

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Die erste Woche

22 03 2014

von Alex

Die erste Woche der Saison 2014 ist schon vorbei. Der passende Zeitpunkt, eine kurze Bilanz zu ziehen, bevor es morgen weitergeht. Ich war bisher 5 Mal am Wasser unterwegs, allerdings zuletzt immer nur für ein paar wenige Stündchen am Vor- oder Nachmittag.

Die Fischerei war dabei so abwechslungsreich, wie das launische Frühlingswetter. Mal konnte ich mit der Trockenfliege gezielt steigende Fische anwerfen, zuletzt regnete es teils heftig und die Temperaturen fielen auf 4 Grad – Kapputze tief ins nasse Gesicht, statt luftiges Shirt und Sonnenbad am Flussufer. Auch die verwendeten Muster und Geräte variierten mit den sich andauernd verändernden Bedingungen. Vorteil dieses ‚Aprilwetters‘ im März war aber immerhin, dass ich meine über den Winter getätigten Neuanschaffungen schon allesamt austesten konnte. Und was soll ich sagen? Unterm Strich bin ich hochzufrieden! Die Guideline ‚LeCie‘ #3 in 10ft. hatte ich ja bereits beim Äschenfischen als sehr feines und sensibles Stöckchen kennengelernt. Jetzt will ich mich kaum mehr von ihr trennen. Denn nicht nur zum Nymphen (selbst mit zwei schweren Mustern) ist sie hervorragend geeignet, nein, auch mit der Trockenfliege weiß sie zu begeistern. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die 58er vom letzten Wochenende mit einer spitzenbetonten 5er Rute höchstwahrscheinlich zu Beginn des Drills, bei der ersten Flucht oder dem ersten Sprung des Fisches, verloren hätte. Ich bin begeistert, wie sie einerseits die Kraft großer Fische abfedert und gleichzeitig andererseits genug Reserven besitzt, um ihnen ausreichend Paroli zu bieten. Ich bin sehr gespannt, ob sich die Rute auch im Wildwasser bei ähnlich großen Bachforellen behaupten kann.

Auch meine ’neue‘ gebrauchte ‚LeCie‘ 10 Fuß #6 ist in den letzten Tagen eingeweiht worden. Insbesondere dann griff ich zu ihr, wenn das Wasser sehr trüb war und ich auf Streamer umschwenken musste. Ein gewaltiger Unterschied zur Kompromisslösung einer 5er oder gar 4er Rute! Der Transport von Mustern auf Hakengröße 2 mit 5,5mm Tungstenperle und zusätzlicher Bleiwicklung gestaltet sich beinahe so leicht, wie die Präsentation einer kleinen Nymphe. Dennoch liegt sie federleicht in der Hand und das, obwohl ich meine ‚Haze‘ 6/8 draufgepackt habe. Einen Großteil dieses Good-Vibes-Feeling trägt aber mit Sicherheit auch die Guideline ‚4-Cast‚ bei, eine perfekte Wahl, wenn es um Würfe zwischen 8 und 16m Meter geht. Sie ist ein bisschen weniger aggressiv als die von mir so geschätzte ‚Presentation‘, fühlt sich aber Dank ihrer etwas längeren Keule dafür nicht nur im Nahbereich sehr wohl. Leerwürfe brauche ich dennoch so gut wie keine – und das ist doch die Hauptsache, denn nur die Fliege im Wasser kann auch fangen 😉 Ich spiele derzeit mit dem Gedanken, ob ich sie mir auch noch als Sinktip für den Fluss zulegen soll. Erfahrungsberichte hierzu habe ich bisher nicht gefunden, vielleicht kann ja jemand von Euch helfen?!

Ich könnte jetzt an dieser Stelle noch ein bisschen mehr Tackle-Talk betreiben, etwa über meine neuen Watklamotten aus dem Hause Vision. Denn ich habe mich über den Winter komplett neu eingekleidet, so dass ich nun eine zweite Garnitur besitze, auf die ich für Kurse oder aber für Spontanbesuche von Freunden zurückgreifen kann. Für welche Produkte des finnischen Herstellers ich mich genau entschieden habe, bringe ich aber lieber in Kürze mal in einem gesonderten Beitrag unter. Stattdessen gibt es abschließen hier und jetzt noch ein paar Bilder vom heutigen Nachmittag:

Ich war etwa 5 Stündchen hinter der Grenze und habe wieder die komplette Bandbreite erlebt, sowohl hinsichtlich des Wetters, als auch hinsichtlich der Fischerei. Begonnen habe ich bei angenehmen Temperaturen um die Mittagszeit mit der Trockenfliege. Wieder schlüpften hier und da größere Exemplare der ‚Baetis Rhodani‘ und ich konnte schnell einige Rotgetupfte bis 40cm überlisten. Als der Wind jedoch auffrischte, stellten die Fische prompt das Steigen konsequent ein und ich wechselte notgedrungen auf die Nymphe. Nur, um wenig später nach einem kräftigen Hagelschauer, Platzregen, einem Sturz des Thermometers auf nur 4 Grad und einer hastigen Flucht in eine nahegelegene Fritterie (zu deutsch: Pommesbude), nochmal abschließend den Streamer swingen zu lassen.

Dabei hatte ich dann den ersten Kontakt mit einer 70+ Forelle in diesem Jahr! Das ging schneller als erhofft, zumal ich in der braunsten Soße fischte. Der Fisch hatte offenbar gute Augen, denn er schoss aus seiner Uferdeckung auf den Zonker und zeigte mir nahe der Oberfläche seine silbrige Flanke. Massiv! Ich bin mir sicher, dass zwei Hände nicht gereicht hätten, um den gewaltigen Körper zu umgreifen. Leider (!!!) konnte ich es nicht ausprobieren, denn obwohl ich den Haken noch per erschrockenem Strip-Strike halbwegs setzen konnte – ehrlich gesagt hatte ich im Auslauf des Pools nicht mehr mit einem solchen Biss gerechnet und war mit den Gedanken schon beim nächsten Hotspot – stieg die beeindruckende Gestalt nach wenigen Sekunden im Drill aus. Ärgerlich! Aber immerhin weiß ich nun, wo ich beim nächsten Mal suchen muss.

Einen versöhnlichen Abschluss gab es dann aber doch noch, denn nicht nur die Sonne kam noch einmal hervor, sondern nur 20 Meter weiter flussabwärts stieg noch ein zweiter sehr schöner Fisch ein. Nach kurzem Drill fand sich die 55er Bafo sicher in meinem neuen Schonnetz (Modell ‚Trout Bum Holston‚ von Brodin), welches ich mir vor ein paar Wochen extra noch für die Pirsch auf Großforellen zugelegt hatte, wider und nur wenige Sekunden darauf, entließ ich sie behutsam zurück in ihre Freiheit. So soll das sein!

Die meisten von Euch wissen, dass ich ein Verfechter von Catch & Release bin und mich ungern auf Diskussionen hierzu einlasse. Insbesondere, wenn es um die Fischerei in Belgien oder Holland geht, wo diese Praktik gesetzlich legitimiert ist. Ganz unabhängig davon, sollte für uns alle stets der schonende Umgang mit dem Fisch im Vordergrund stehen. Einen sehr empfehlenswerten Artikel hierzu laß ich kürzlich auf Gink and Gasoline. Weitere wichtige Punkte dazu etwa auch hier bei Orvis.

Mal schauen wie das Wochenende morgen weitergeht. Wenn die Pegel der Rur über Nacht steigen sollten, werde ich es in der Eifel versuchen. Falls nicht, wird mir sicher etwas anderes einfallen. Dem Wetter bestimmt auch…

Sollte es Euch auch noch ans Wasser ziehen, wünsche ich Euch viel Vergnügen und Tight Lines! Vergesst die Watjacken nicht!

Alex





Es geht los!

14 03 2014

von Alex

Wir haben lange darauf gewartet: Die Saisoneröffnung! Dieses Wochenende starten die meisten von Euch ins Fliegenfischerjahr 2014. Die letzten Tage haben wir alle viel Zeit damit verbracht, unsere Sachen vorzubereiten, die letzten Lücken in unseren Fliegendosen zu füllen und uns in allen Facetten auszumalen, wie die ersten Stunden am Wasser wohl sein werden. Die Aussichten, dies gilt wohl für die meisten Gewässer unserer Region, sind aufgrund der sehr milden Temperaturen der letzten Zeit sehr gut. Die Forellen sind – wie ich vielerorts beobachtet habe – sehr aktiv und nehmen bereits die ersten, kleinen Eintagsfliegen von der Oberfläche. Regelmäßige Ringe sprechen für die ersten ausgeprägten Schlüpfe. Während wir im letzten Jahr bei erhöhtem Pegel und Schnee das erste Mal ins Rauschen des Flusses eingetaucht sind, erwartet uns diesmal (zumindest bei uns) ein recht niedriger Wasserstand – zu meinem Bedauern, liebe ich doch insbesondere die Fischerei im schnellen Wildwasser. Aber ich werde sicherlich auch bei diesen Bedingungen ein breites Grinsen auf dem Gesicht haben. Denn das wichtigste ist doch, dass wir unsere Freunde am Ufer wieder treffen, unsere über den Winter veränderten Gewässer neu entdecken können und wieder da sind, wo wir hingehören: in unseren Wathosen.

Für mich geht es in diesem Moment los. Meine Taschen stehen gepackt vor mir, das Auto ist aufgetankt. In 5 Minuten geht es in Richtung Belgien, um morgen in aller Früh die Nymphen zu wässern. Wohin es mich am Sonntag verschlägt ist noch unklar, vielleicht an die Rur, vielleicht bleibe ich aber auch in der Wallonie. Ich werde mich überraschen lassen und wünsche Euch, dass auch Ihr auf die ein oder andere Überraschung trefft – hoffentlich ist sie rotgetupft!

Einen ausführlichen Bericht zu meiner Saisoneröffnung, Bilder meiner aktuellen Fliegendosen und (hoffentlich) einige Fotos der ersten Bachforellen findet Ihr am Sonntagabend auf unserer Facebookseite oder am Montag hier auf FLY.BEI.

Tight Lines!

Euer Alex

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Saisonstart





Friday Night Movies #1

7 03 2014

von Alex

Als wären die letzten Wochen vor dem Saisonstart nicht schon immer „busy“ genug, geht es in diesem Jahr richtig drunter und drüber. Man könnte sagen, dass ich an allen Fronten kämpfe, oder zumindest an/auf ein paar Baustellen arbeite. Einige Eckdaten für Trips und Workshops sind noch zu fixieren, drei in Kürze anlaufende Flifi-Projekte verlangen meine Aufmerksamkeit und zwei neue Webseiten (ja, auch eine für FLY.BEI) wollen konzeptionalisiert, designed und umgesetzt werden (dazu bald mehr). Und da wartet auch noch ein ellenlanger Artikel zum Nymphenfischen mit Bissanzeiger darauf, endlich veröffentlicht zu werden. Und …. und… und… Nebenher muss auch noch eine Fliegendose bzw. gleich mehrere Fliegendosen befüllt werden. Eigentlich hatte ich mir dabei fest vorgenommen, meine Auswahl an Mustern noch weiter zu reduzieren. Ich weiß, dass ich mit 4-5 unterschiedlichen Fliegen erfolgreich übers Jahr kommen würde.  Aber wie das so ist, habe ich vor ein paar Wochen aus einer Laune heraus angefangen zu experimentieren. Insbesondere für Nymphen bin ich auf einige interessante Materialien gestoßen. Rausgekommen ist ein bunter Mix aus 300 vornehmlich schlanken Nymphen in den Größen 14 und 16. Nachdem ich vor wenigen Tagen in Belgien war und dort Bachforellen im klaren Wasser und bei sehr niedrigem Pegel habe Nymphen sehen, sind sogar noch ein paar Varianten gänzlich ohne Kopfbeschwerung hinzu gekommen. So etwas hat es Anfang der Saison bei mir noch nie gegeben! Sobald ich in der kommenden Woche meine neue Kamera – eine Sony Alpha 77 – erhalten habe, werde ich hier ein paar Fotos des fein säuberlich aufgereihten Bestandes posten. Da die neue Kamera überdies ausgezeichnete Videoqualitäten besitzt, wird es künftig auch Bindevideos zu sehen geben. Eine Fliege pro Monat habe ich mir vorgenommen. Dass sollte machbar sein, habe ich mich doch bei Mouche Passion ohnehin bereit erklärt, sechs saisonale Muster im Rahmen unserer Bindeabende in der Nähe von Eupen vorzustellen. Apropos Bindeabend: das erste Treffen des Aachener Fliegenfischerstammtischs (ich brauche noch immer eine passendere Bezeichnung hierfür) im Jahr 2014 liegt bereits ein paar Wochen zurück. Wir waren diesmal 12 Leute und das, obwohl einige noch kurzfristig absagen mussten. Besonders gefreut hat mich, dass wir ein paar neue Gesichter begrüßen durften und sich einige von ihnen direkt vom Fliegenbinden haben begeistern lassen. Ein nächstes Treffen schlage ich hiermit übrigens Ende März/Anfang April vor. Termine werde ich wieder per Mail und in der Gruppe auf Facebook vorschlagen. Falls Ihr Euch ebenfalls über Termine informieren lassen möchtet, schreibt mir einfach eine kurze Mail (kontakt@flybei.de) und ich setze Euch in unseren Mail-Verteiler. Jetzt aber endlich zum Titel und eigentlichen Thema dieses Postings: Friday Night Movies #1

Auf der Facebookseite von FLY.BEI versuche ich möglichst täglich ein Video zum Thema ‚Fliegenfischen‘ zu posten. Das klappt meistens auch ganz gut, haben doch sowohl Qualität als auch Menge dieser medialen Erzeugnisse in den letzten Jahren rasant zugenommen. Unter dem Motto Friday Night Movies werde ich eine Auswahl dieser Netzfunde nun wöchentlich ebenfalls hier posten, ggf. versehen mit ein paar Hintergrundinformationen zu den Videos. Anfangen möchte ich heute mit folgender Zusammenstellung und wünsche Euch an diesem Freitagabend viel Spaß beim Schauen:

.1. PIKE ON THE FLY

Diese Bilder wurden in den lezten Wochen und Monaten von Brian und Vincent gedreht und belegen eindrücklich, welch tolle Hechtreviere wir in unserer näheren Umgebung haben. Auch wenn die Fischerei auf den großen Gewässern nicht ganz einfach ist (Ortskenntnisse sind hier das A und O), ist die Fischerei vom Bellyboot und mit schwerem Gerät immer überaus interessant und spannend. An einem der lezten stürmischen Tage vor der Schonzeit war ich mit Vincent unterwegs und wir konnten einige sehr schöne und kampfstarke Hechte landen, darunter diese ‚Big Mama‘ mit 110cm für meinen niederländischen Freund!

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Vincent.

2. JAZZ AND FLYFISHING – S02 E01

Endlich ist sie da! Die zweite Staffel von Jazz and Fly Fishing. Wie immer gibt es nicht nur schöne Bilder, sondern auch gute Musik und Witz der symphatischen Skandinavier. Ich freu mich schon auf die nächsten Episoden!

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3. CASTING A VOICE

In diesem 35-minütigen Film geht es primär nicht ums Fliegenfischen, sondern insbesondere um die Verantwortung, die wir gegenüber unserer Umwelt und unseren Gewässern haben. Außerdem um das Engangement einiger Fliegenfischer, sich für den Erhalt dieser Gewässer und ihrer Bewohner einsetzen. Konkret, um den Skeena River als „the last bastion of wild steelhead.“

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4. OBSESSION

Um wilde Forellen geht es auch in diesem Video. Eindrücklich wird verdeutlicht, wie eine Vielzahl kleiner Faktoren darüber entscheiden, ob wir bei der Pirsch auf Großforellen letztlich erfolgreich sind oder nicht. Im letzten Jahr habe ich mir ebenfalls zu beinahe jedem Ausflug Notizen gemacht, solltet Ihr unbedingt auch einmal ausprobieren!

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5. FLY FISHING LAPLAND (PART 2)

Die Jungs von Rodtrip waren im lezten Jahr in Lappland unterwegs. Nach dem ersten Teil ihres dabei entstandenen Videos ist nun die zweite Hälfte erschienen. Ich habe Mathias und Jeremy von Rodtrip Ende Januar auf der Messe in Charleroi kennengelernt und werde ihnen sicherlich dieses Jahr noch das ein oder andere Mal über den Weg laufen.





FIPS-Mouche World Fly Fishing Championship 2013

14 08 2013

von Alex

Unter deutschen Fliegenfischern – so zumindest mein subjektiver Eindruck der letzten Jahre – sind Wettkämpfe innerhalb unserer Passion ein Streitthema. Ganz davon abgesehen, dass diese Form der kompetitiven Fischerei in Deutschland offizielle nicht gestattet ist (korrigiert mich bitte, wenn ich hier juristisch falsch liege), können viele schon aus idealistischen (?) Gründen dem Wetteifern und der sportlichen Auseinandersetzung zu Lasten des Fisches – so hier die Argumentation in den meisten Fällen – nichts, aber auch gar nichts abgewinnen. Fliegenfischen sollte vielmehr das individuelle Einfinden in die Natur und vielleicht so etwas wie ein meditatives „zu-sich-selbst-kommen“ sein. Dies ist zumindest meine zusammenfassende Interpretation vieler Beiträge in unterschiedlichen Foren oder auf anderen Plattformen.

Ich persönlich sehe hier jedoch gar keinen Widerspruch: An einem Tag kann ich ans Wasser gehen und im Rauschen des Flusses die Seele baumeln lassen, vom Alltag abschalten und mich über das regelmässige Steigen einer kleinen Bachforelle unter einem schützenden Ast erfreuen. Ja, selbst in diesem Zusammenhang könnte ich den Begriff „Sport“ für meine Tätigkeit verwenden und ihn etymologisch als „Zerstreuung“ (lateinisch: disportare) verstehen. An einem anderen Tag hingegen ist von Zerstreuung nicht die Rede. Da ziehe ich voller Tatendrang schon vor Sonnenaufgang ans Wasser und versuche bewusst, meine Techniken beim tiefen Nymphen zu verbessern oder in den Abendstunden besonders große und heikle Fische zu überlisten. In meinen Augen ist DAS dann schon eine spezifische Form des Wettkampfes (mit sich selbst) und eine sportliche Auslegung unsers Hobbys in einem zweiten Verständnis des Begriffs. Warum sollte man eine der beiden Verwendungsweisen „verurteilen“?

Für mich sind beide Verständnisse legitim! Und wenn ich Fliegenfischen im zweiten Verständnis ausüben möchte, dann ist der Schritt zur fairen Auseinandersetzung mit anderen nicht mehr weit. Da sehe ich keinen Unterschied zum Schachspielen oder Fußballspielen. Denn auch dies kann ich beides entweder bei einem kühlen Bierchen an einem lauen Sommerabend im Park tun, oder aber im Wettstreit mit anderen – das eine alleine, das andere im Team – und mich hierauf gezielt vorbereiten.

Auf einen solchen Punkt vorbereitet haben sich auch die 125 Fliegenfischer aus 27 unterschiedlichen Nationen, die bei der diesjährigen „Worl Fly Fishing Championship“ im Norden Norwegens zusammenkommen und sowohl am Fluss als auch am See in Einzel- und Teamwertungen (jedes Team besteht aus 5 Fischern und einem Kapitän) gegeneinander antreten. Nach den ersten Trainingstagen finden von heute an und noch bis zum 16. August insgesamt fünf unterschiedliche Einzelwettkämpfe statt, die jeweils drei Stunden dauern (3 x Fluss; 2x See). Die Ergebnisse und Statistiken werden dabei live vom Wasser ins Netz „getickert“ und man kann am Bildschirm verfolgen, „wer“ auf welchem Flussabschnitt oder am See gerade „wie“ abschneidet oder „abschneidert“. Neben dieser Form der Berichterstattung gibt es zusätzlich einen Kanal bei YouTube mit Interviews und Zusammenfassungen. Selbst im Fernsehen wird in vielen Ländern – so etwa in Norwegen, Schweden, Irland oder Tschechien – über dieses Event mehr oder weniger ausführlich und täglich berichtet.

Ich denke es ist beinahe überflüssig zu sagen, dass bei bei diesem Wettkampf widerhakenlos gefischt wird und alle Fische releast werden. Lange und unnötige „Foto-Shootings“ mit Äschen, Bachforellen oder Saiblingen wird es hier allein schon aus zeitlichen Gründen nicht geben. Ich selber war vor ein paar Jahren als Kontrolleur bei der belgischen Meisterschaft dabei und habe erlebt, wie verantwortungsvoll sich die meisten der Teilnehmer am Fluss bewegen und verhalten. Damals hatte ich das große Glück und durfte den amtierenden Meister der ersten Division Julien Lorquet, damals gerade einmal 18 Jahre und mittlerweile auch Mitglied des Nationalteams, begleiten. Ich überprüfte seine Fliegen und vermaß seine gelandeten Fische in einer bewässerten Vorrichtung. Warum vermessen? Ab einer bestimmten Größe bekommt jeder Wettkampfteilnehmer für jeden Fisch (je nach Spezies) und jeden Zentimeter eine bestimmte Anzahl von Punkten. Diese werden pro Wettkampfeinheit notiert und am Ende addiert. Hieraus ergibt sich letztlich die Gesamtwertung. Ich konnte jedenfalls an diesem Tag viel, sehr viel lernen. Nicht nur was die Wahl von Fliegenmustern, die Anwendung unterschiedlicher Präsentationstechniken und das sorgfältige und systematische Befischen eines Flussabschnittes betraf, sondern auch, dass „Wettkampffischen“ nicht heißt, weniger schonend mit dem Fluss und seinen Bewohnern umzugehen, nur weil man „Sport“ nicht als „Zerstreuung“ interpretiert.

Team Belgien

Für den Wettkampf in Norwegen drücke ich meine Daumen natürlich (!) dem belgischen Team um Kapitän Richard Franck. Für die Einzelwertung insbesondere David Dimarco, den ich als sehr symphatischen und reflektierten Fliegenfischer und ausgezeichneten Fliegenbinder kennengelernt habe. Tight Lines und bonne chance! Die belgische Équipe wird es allerdings schwer haben. Nicht, weil sie im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften nicht professionell gesponsored werden, sondern weil insbesondere die Tschechen, Slowaken und Skandinavier mit diesen Gewässertypen näher vertraut sind. Auch am See wird es vermutlich nicht leicht für die Belgier, denn die Vorbereitungen in den letzten Tagen hatten noch keine erfolgsversprechenden Taktiken hervorgebracht. Ich bin jedenfalls sehr gespannt! Auf meiner Facebook-Seite werde ich in den nächsten Tagen einige Zwischenstände aus Norwegen posten.

Links:

Nachtrag 1:

Der erste Wettkampftag ist vorbei. Bisher wurden sowohl am Fluss als auch am See nur sehr wenige Fische gefangen. Viele blieben Schneider, selbst auf den Sektoren I-III. Das belgische Team liegt mit 9940 Punkten im Mittelfeld. Allerdings können die Karten mit ein paar gelandeten Salmoniden schnell neu gemischt werden, denn hinter den Top5 liegen einige Mannschaften eng beisammen.
Einen Rückblick auf die ersten gefischten Sektoren und eine kurze Einführung in die Regeln und die befischten Gewässer gibt es jetzt auf YouTube:

Nachtrag 2:

Nicht vorenthalten möchte ich, dass im Netz auch kritische Töne zur WM in Norwegen laut werden. Nicht was den Wettkampf an sich betrifft, sondern vielmehr die Kooperation mit „Nova Sea“, dem größten Produzenten von Wildlachs im Norden Norwegens, wird scharf angegangen. Nähere Informationen und die Argumente der Kritiker findet Ihr hier. Ich kann die Einwände gegen eine solche Zusammenarbeit absolut nachvollziehen. Hier hat viellicht, wie leider so oft bei den Themen „Imagebildung“ und „Marketing“, jemand nicht genau aufgepasst oder sorgfältig recherchiert. Vielleicht, auch das natürlich nur eine Mutmaßung, hört ab einer gewissen Summe das Denken bei einigen sofort auf. Es wäre immerhin nicht das erste Mal, dass im Zusammenhang mit Sportereignissen ein fragwürdiger Sponsor seine Marke bzw. sein Unternehmen platziert. Von einem Boykott der Veranstaltung halte ich dennoch nichts. Da gibt es sicherlich andere, konstruktive Wege der Unmutsäußerung – so zumindest mein Empfinden im Moment.

Nachtrag 3:

Nach 4 von insgesamt 5 Sessions liegt der oben erwähnte Julien Lorquet (zumindest nach den bisher vorliegenden Ergebnissen) in der Einzelwertung auf dem dritten vierten Rang. Gratulation! Zwar hat er insgesamt gesehen nicht annähernd die meisten Fische landen können, aber er hat bisher auf allen Sektoren nicht ohne Bachforelle oder Äsche das Wasser verlassen. Dies ist bei einem solchen Wettkampf von besonderer Bedeutung, denn jeder „Capots“ – wie die Belgier sagen – bringt Strafpunkte und macht eine Platzierung im oberen Teilnehmerfeld unmöglich: Es kommt nicht auf die absolute Anzahl gefangener Fische an, sondern relativ gesehen, auf die meisten im direkten Vergleich zu den 24 anderen Fischern in der gleichen Session auf dem gleichen Sektor. Hieraus ergeben sich Punkte bzw. Platzierungen für einen Sektor. Diese werden am Ende aller 5 Sessions (nachdem jeder Teilnehmer alle 5 Sektoren gefischt hat) addiert. Auf Rang 1 liegt bisher ein Italiener, allerdings muss er noch Sektor III befischen, wo bisher die wenigsten Fische gefangen und sehr viele Teilnehmer geblankt haben. Julien muss heute Nachmittag noch auf dem kleinen See ran. Auch hier war die Fischerei bisher nicht leicht. Ich bin gespannt!

Nachtrag 4:

Mit 2 gefangenen Bachforellen am See hat sich Julien auf das Podest gefischt und die Bronze-Medallie nach Belgien, (genauer: in die Wallonie) geholt. Gratulation! Gold geht in diesem Jahr an Italien, Silber an Tschechien. In der Team-Wertung liegen hingegen die Tschechen vor den Italienern, gefolgt von Frankreich auf dem dritten Rang. Eine knapp 50-minütige Zusammenfassung des Wettkampfes findet Ihr hier:

Ich bin gespannt, ob der Veranstalter nach dem Event nun noch auf die Kritik am zweifelhaften Sponsoring durch „Nova Sea“ reagieren wird. Falls ich ein offizielles Statement im Netz verpasst haben sollte, könnt Ihr mich natürlich gerne darauf hinweisen 😉

 

 








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