Produktkataloge – Information und Persuasion

11 01 2011

Gestern stöberte ich ein wenig gelangweilt bei Facebook nach Gruppen- und Infoseiten zu unserem Lieblingsthema. Dabei stieß ich über Umwege auf die Seite von Simms Fishing Products. Da Simms bereits 9.999 „Likes“ für sich verbuchen konnte, zögerte ich nicht lange und stimmte zu: Simms? Gefällt mir! Punktlandung. 10.000 mal den digitalen „Daumen hoch“. Jede Menge virtuelle Zustimmung für den Hersteller von Watklamotten aus dem Herzen Montanas.

Verwundert war ich hierüber allerdings kaum. Denn ich denke, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, dass es kaum einen Fliegenfischer zwischen hier und Bozeman gibt, der nicht schon einmal etwas über Simms gehört oder einen anderen Fliegenfischer mit einer entsprechenden Wathose oder -jacke am Wasser getroffen hat. Ich habe zwar leider keine verlässlichen Zahlen, aber ich bin mir sehr sicher: Simms ist im Bereich der funktionalen Bekleidung für Fliegenfischer mit Abstand Weltmarktführer. Aber was ist der Grund für diese Vormachtstellung? Liegt es an der verlässlichen Qualität und sauberen Verarbeitung der Produkte? Der am Wasser erprobten Funktionalität? Dem innovativen Design?

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Ich weiß nur, dass ich selber auch einige Produkte von Simms im Kofferraum meines Kombis liegen habe. Sei es meine Wathose, meine Watjacke, meine Watschuhe, meine Fleecehose oder meine hässliche gelbe Glückskappe – der Gewinn meines belgischen Freundes Ralf bei einem Bindewettbewerb; er wollte sie aufgrund der knalligen Farbe nicht tragen und schenkte sie mir: alle haben ihre speziellen Aufgaben im Dauereinsatz bisher mit Bravour erledigt und mich noch nie im Stich gelassen. Aber wie sind all diese Sachen in meinen Kofferraum gekommen? Am günstigen Preis liegt es sicher nicht! Ok, ich habe hier und da ein Schnäppchen gemacht, aber dennoch.

Ein Teil der Antwort liegt mit Sicherheit – neben der Qualität – auch im Image von Simms und ist den zahlreichen Marketingkampagnen geschuldet. Träger bzw. Medien dieser absatzsteigernden Strategien sind neben der eigenen Webseite, stimmungsvollen Bildanzeigen und „gesponsorten“ Videos in Online-Magazinen bestimmt auch die jährlichen Produktkataloge. Die neuste Ausgabe, für das junge Jahr 2011, ist erst vor ein paar Tagen im Internet als „e-catalog“ erschienen. Für einen fliegenfischenden Kommunikationswissenschaftler wie mich, der sich beruflich auch mit Werbung und Werbesprache beschäftigt, ist ein Blick in einen solchen Katalog doppelt interessant: Auf der einen Seite bietet er direkt und beschreibend „echte“ Information. Der potentielle Käufer wird über die Eigenschaften eines Produktes aufgeklärt. Auf der anderen Seite – und dieser Aspekt ist mindestens ebenso wichtig – versteht er es sowohl durch Sprache als auch (und vorallem) durch schwarz-weiß Fotos indirekt zu beeinflussen, oder zumindest, ein bestimmtes Gefühl zu erzeugen. Information und Persusion. Es wäre sicherlich interessant, diesen Katalog unter den zwei Gesichtspunkten einmal genauer zu analysieren.

(Natürlich kann ich mir auch die Kataloge von Sage, Hardy, Guideline, Vision oder oder oder anschauen. In meinen Augen hat aber kein Hersteller eine vergleichbare Sonderstellung auf dem Markt; apropos und nur zum Vergleich: Amerikas Rutenbauer Nr.1, Sage, hat nur knapp 2000 Facebook „likes“, Hardy aus England unter 400 „gefällt mir“)

Simms Produktkatalog – Information und Persuasion


Und auch wenn ich mir dieser persuasiven Strategien vollkommen bewusst bin und Kataloge normalerweise nur oberflächlich durchblätter: Wathose, -jacke und -schuhe sind trotzdem irgendwie in meinem Kofferraum gelandet… und dies ist sicherlich nicht den eifrigen Produkttests im Fliegenfischerforum zu verdanken.

Was denkt Ihr über dieses Thema? Warum entscheiden wir uns für bestimmte Produkte und lassen andere, vergleichbare Produkte links liegen? Rein rational auf Basis von Information und vor dem Hintergrund sachlicher Abwägung von Argumenten? Oder lassen wir uns – auch wenn wir es nicht immer zugeben wollen – doch auch ein bisschen um den Finger wickeln?

Würde mich freuen zu hören/zu lesen was Ihr hierüber denkt!





Duell der Allrounder

6 01 2011

Wie schon in den letzten Jahren, hat Yellowstone Angler George Anderson auch diesen kalten Winter Montanas genutzt, um einige 5er Ruten in 9 Fuß ausgiebig miteinander zu vergleichen. Unzählige dieser vermeintlichen „Allrounder“ – praktikabel sowohl für das Fischen mit der Trockenfliege als auch mit Nymphe(n) oder Streamer – tummeln sich auf dem dichten Rutenmarkt und buhlen um die Gunst der Fliegenfischer. Eine Kaufentscheidung fällt vielen, gerade Einsteigern, nicht gerade leicht. Wie auch? Die bunten Hochglanzkataloge der Hersteller und Verkäufer preisen ihre Produkte in den Himmel und suggerieren mühelose Wurfergebnisse und Fangerfolge. Fachmagazine – ob digital oder analog – verlieren leider selten ein kritisches Wort und in den zahlreichen Foren tummeln sich oftmals so viele Meinungen wie Nutzer. Zugegeben: Auch der Test von George Anderson ist natürlich stark subjektiv geprägt (Funktioniert Fliegenfischen/Fliegenwerfen überhaupt ohne eine eigene persönliche Empfindung?), aber dennoch bietet er zumindest einen fundierten (plausible Testkriterien) und direkten Vergleich zwischen den ausgewählten Ruten. 18 getestete Modelle an der Zahl.

Beim letzten Duell der Allrounder landete die von mir sehr gerne gefischte Z-Axis auf dem Siegerpodest. In diesem Jahr muss sich der mittlerweile gereifte Zögling der amerikanischen Rutenschmiede Sage (zumindest knapp) geschlagen geben und erhält die Silbermedaille. Gold geht in dieser Runde, hauptsächlich aufgrund einer besseren Performance bei sehr kurzen Wurfweiten, an das neue Flaggschiff aus dem Hause Hardy: die Zenith. Eine positive Überraschung im breiten Testfeld ist die neue, „günstige“ Passport von Winston: aufgrund ihres sehr überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnisses.

Eine Kaufentscheidung sollte freilich auf Basis eines solchen Tests nicht getroffen werden, aber er kann durchaus helfen, ein wenig Licht in das Dunkel des Rutenwaldes zu bringen. Den Weg zum Händler, um die potentiellen Kandidaten selber zu werfen, nimmt uns noch niemand ab. Auch die geliehenen Ruten vom Onlinehändler müssen wir eigenhändig unter die Lupe nehmen. Und das ist auch gut so! Denn Fliegenfischen/Fliegenwerfen hat in meinen Augen viel, sehr viel mit der persönlichen Empfindung zu tun.

Diese Empfindung, dieses Gespür, ja, diesen ganz eigenen, persönlichen Geschmack zu entwickeln und auch benennen zu können, ist ein langer Weg. Hier hilft nur der Gang ans Wasser oder auf die Wiese. Also los!

Testergebnisse 2011, von George Anderson

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5-Weight Shoot Outs:

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Wunschliste: (wasserdichter) HD-Camcorder

9 12 2010

Nachdem ich Annas Kamera im vorletzten Jahr unfreiwillig auf den Grund der belgischen Ourthe versenkt habe, flatterte nach langem hin und her vor einem Jahr ein Amazon Päkchen ins Haus: eine wasserdichte Digi-Cam – eine Canon D10. Vorbei die Zeiten der Angst, dass die teure und empfindliche Elektronik Spritzwasser abgekommt oder bei einem kühlen Vollbad (dreimal auf Holz klopfen) vollends getränkt wird. An meiner Wathose baumelnd begleitet mich die Knipse seither an alle Gewässer und hält schöne Momente und Fische über und unter Wasser für mich fest. Die Qualität der Schnappschüsse kommt zwar bei weitem nicht an die Ergebniss Annas Spiegelreflex heran, unterm Strich bin ich mit den Fotos aber zufrieden.

Nun würde ich im kommenden Jahr aber gerne auch Videos erstellen (und nachträglich bearbeiten). Hierfür ist die Canon leider nicht geeignet, nicht gedacht. Es stellt sich mir daher die Frage: Welcher Camcorder soll es sein? Gerne würde ich Videos in HD-Qualität produzieren. Ein weiterer Aspekt wäre die Frage nach der Empfindlichkeit gegenüber Wasser. Da es mich auch bei schlechtem Wetter ans Wasser zieht, sollte der Camcorder entweder etwas „vertragen können“ oder aber – das wäre die sicherere Alternative – direkt wasserdicht sein. Da ich mich in diesem technischen Bereich gar nicht auskenne, habe ich mich im Internet ein wenig umgeschaut und bin schnell auf folgenden Winzling gestoßen: die GoPro Hero. Die Kamera ist handlich, wasserdicht und kann in hochauflösender HD Qualität aufzeichnen. Der Preis ist dabei auch „ok“.

Daruafhin habe ich ein wenig weiter im Netz gestöbert und zahlreiche Videos wie diese gefunden:

In einigen Testberichten habe ich gelesen, dass die Kamera über Wasser gute Ergebnisse liefert, unter Wasser aber starke Qualitätseinbußen erkennen lässt. Unterschiedliche „Fixes“ für dieses Problem gibt es aber anscheinend auch schon. Zum Beispiel von den Jungs von Jazz and Flyfishing oder auch hier. Der Vorher-Nachher-Effekt spricht für sich:

Jetzt stellen sich mir die Fragen:

Kaufen und ausprobieren?

Gibt es Alternativen?

Habt ihr eigene Erfahrungen mit HD-Camcordern?

Ich würde mich freuen, wenn Ihr ein paar Tipps für mich hättet. Ich entschädige Euch dafür im nächsten Jahr dann mit einigen schönen Videos 😉





Flyhappening in Putte – ein kurzer Rückblick

6 12 2010

Zurück aus Putte. Unbeschadet! Wenn man einmal von unseren Geldbörsen absieht…

„Unbeschadet“ betone ich deshalb, weil wir auf unserer knapp zweistündigen Rückfahrt am frühen Sonntagnachmittag mit 30 cm Neuschnee auf den belgischen Autobahnen zu kämpfen hatten. Auf meinen zum Minivan umfunktionierten Kombi war jedoch wie immer Verlass und er brachte seine 7 Insassen sicher und warm, manch einem zu warm, zurück in die Heimat – also das deutschsprachige Ostbelgien hier und das grenznahe Aachen dort.

Im Gepäck: zahlreiche Beutelchen mit Bindematerialien. Denn gerade für diejenigen unter uns, die Ihre Fliegen am liebsten selber herstellen und aus dieser Tätigkeit gar ein eigenes Hobby neben dem Fischen machen, hatte die Messe in Putte, entschuldigung: das „Fly Happening“, einiges zu bieten. Insgesamt drei Hallen warteten an diesem Wochenende auf die mit Winterreifen ausgestatteten Fliegenfischer aus Belgien, Holland, Luxemburg, Frankreich, Deutschland und …

Insgesamt drei Hallen wurden im Gemeindezentrum beschlagnahmt und zum Leben erweckt:

  • In einer ersten Halle – zum Glück beheizt – waren zahlreiche Verkaufstände untergebracht. Das Angebot war gut, aber noch überschaubar. Zwar deutlich umfangreicher als auf einer normalen „Hausmesse“, aber eben nicht so umfangreich wie beispielsweise auf den Messen in Charleroi (am letzten Wochenende im Januar) oder etwa in Paris. Was mir persönlich beispielsweise gefehlt hat waren Rutenbauer, auch von Gespließten, oder Anbieter antiker Schätzchen etc. Auch die Franzosen von JMC waren nicht vor Ort, ein üblicherweise beeindruckendes Sortiment. Im Bereich der Bindematerialien fehlte mir ein mit CDC-Federn prall gefüllter Stand. Auch besondere Bindematerialien wie z.B. Aalhaut habe ich nur bei sehr wenigen Anbietern gefunden. Meine virtuelle Wunschliste konnte ich dennoch fast ganz abhaken.
  • In einer zweiten Halle waren Catering, Fliegenbinder und Reiseanbieter untergebracht. Die Prieise für Speisen und Getränke bewegten sich im angenehmen Bereich und mit einem schmackhaften Hamburger bewaffnet machte das Zuschauen beim Erstellen kleinster Trockenfliegen, buschiger Hechtstreamer oder realistischer Steinfliegen doppelt Spaß. Überrascht und erfreut war ich darüber, dass mich zwei Fliegenbinder (ich glaube aus den Niederlanden) auf meinen Blog, meine Berichte und Fotos angesprochen haben. Apropos „Bericht“: der holländische Eigentümer des Sees an dem ich vor kurzem mit Daniel gefischt habe (Bericht: Den Schonzeitkoller bekämpfen 1 von 2) war ebenfalls vor Ort werbend aktiv. Bei ihm konnte man als Messeaktion Erlaubsnisscheine zum halben Preis erstehen. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass wir in Anbetracht des noch langen Winters natürlich zugeschlagen haben. Bericht folgt also.
  • In einer dritten Halle – leider unbeheizt – wurden regelmäßig Wurfdemonstrationen durchgeführt. Gerade für diejenigen, die sich „schnuppernd“ auf der Messe bewegten ein tolles Angebot, konnte man an einem kleinen Becken doch selber einmal probieren, wie es sich anfühlt, eine Schlaufe in die Luft zu zeichnen. Tipps und Tricks konnten sich aber natürlich auch die älteren Hasen im Geschäft abschauen. Man lernt ja nie aus!

Unterm Strich hat mir die Veranstaltung gut gefallen, auch wenn Sie von der Größe und der Reichhaltigkeit des Angebots mit der im Januar stattfindenen Messe in Charleroi nicht ganz mithalten kann. Positiv hieran war jedoch gleichzeitig, dass das Fly Happening in Putte nicht überlaufen war. Man konnte sich alles in Ruhe anschauen ohne ständig Angst haben zu müssen, einen Stand zu blockieren. Ob die Aussteller dies auch so gesehen haben wage ich jedoch zu bezweifeln 😉

Von den angebotenen Produkten haben mich insbesondere die Artikel von IMAGO begeistert. Eine kleine Firma aus Skandinavien mit einer begrüßenswerten Philosophie zum Fliegenfischen im Allgemein wie zum Thema „Tackle“ im Speziellen. Das rabenschwarze Bellyboot mit den funktionellen Gimmicks sowie die aus dem Tauchsport stammenden Flossen hätten mal ein wenig früher auf den Markt kommen sollen…Auch die (Hüft-)Wathosen und Watjacken der schwedischen Firma machten einen hochdurchdachten Eindruck. Ich habe mir die Watjacke mehrere Minuten angeschaut und immer wieder kleine Details – die nur durch eine lange Erfahrung am Wasser ins Design einfließen können – gefunden. Leider, leider war die in Kürze erscheinende Rutenserie noch nicht mit von der Partie. Die hätte ich gerne einmal geworfen!

Um zum Abschluss auch noch etwas negatives anzumerken: Schade war hingegen  – und dies hat mit der Messe eigentlich nichts zu tun – , dass ich zwei „virtuelle Bekannte“ aus dem Fliegenfischer Forum nur kurz gesehen und gesprochen habe. Denn so viel Platz zwischen und an den Ständen gab es dann doch nicht, als dass man sich alle Nase lang in die Arme gelaufen wäre.

Nachtrag

Gerade habe ich meine Mitbringsel aus Putte ausgepackt und einsortiert. Warum Euch bei der Gelegenheit nicht noch kurz zeigen, was den Weg aus Belgien auf meinen Schreibtisch gefunden hat.

Wie ihr seht, zum einen vornehmlich Materialien um den Rücken von beispielsweise Bachflohkrebsen zu gestalten, zum anderen ein paar Haken. Ich werde in nächster Zeit mal ein wenig mit den japanischen „Matzo“ experimentieren. Sie machen auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck und sind preislich ziemlich attraktiv. Im Fliegenfischer Forum wurden sie vor kurzem übrigens als „sehr empfehlenswert“ befunden 😉

Bild 1: Meine Einkaufstüte

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Es erwarten Euch die kommenden Tage und Wochen also eine Reihe von Beiträgen zum Fliegenbinden. Diese werden unter dem Titel „Tagebuch einer Fliegendose“ laufen. Ich werde Euch regelmäßig über den systematischen Aufbau meiner Nymphen-, Trockenfliegen- und Streamerbox auf dem Laufenden halten, begleitet von einigen Anleitungen und Fotos. Ich werde zu jedem Muster Serien aus 6 Exemplaren binden. Das ganze wahrscheinlich in 2 oder 3 Ausführungen – unterschiedliche Größen und Gewichte. Einiges zu tun… Marc hat die letzten Tage schonmal vorgelegt und liegt ca. 50 Nymphen in Führung. Den kriege ich aber noch!

Dies ist btw das bisherige, überschaubare Ergebnis nach den ersten zwei Abenden am Bindestock (lediglich Schnappschüsse mit der kleinen Digicam).

Bilder 2 & 3: Tagebuch einer Fliegendose

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Im Moment befindet sich das intime Grüppchen noch in einer zweiseitigen Dose, wird aber hoffentlich bald in eine vierseitige (mit jeweils 8 Reihen) umziehen 😉





Rückblick Österreich – Teil XI: Mittersill Tag 4

4 12 2010

Nach unseren gemeinsamen Erlebnissen am abgelegenen Lenisee und der Bekanntschaft mit zwei stattlichen Bachforellen (etlichen Saiblingen), einer Murmeltierfamilie, einem Vogel und einiger Kühe, zog Anna am 4. Tag unseres Aufenthalts im Bräurup einen erkundenden Bummel durch die kleinen Lädchen und einladenden Cafés des Touristenörtchens einem Tag am rauschenden Wasser vor. Warum sich auch im teils stömenden Regen nach Draußen begeben, wenn man doch bei einem saftigen Stück Linzerschnitte ein spannendes Buch lesen kann?

Warum?

Darum! 😉

Also trennten sich an diesem verregneten Morgen unsere Wege. Ich hatte in der Dämmerung kurz vorm Frühstück einen vorsichtigen Blick von einer Brücke nahe des Hotels in die Salzach geworfen. Meine leise (oder naive) Hoffnung, vor unserer Abreise vielleicht doch noch diesen namhaften Fluss befischen zu können, wurde jedoch schnell „getrübt“. Wie zu erwarten war der vom nächtlichen Dauerregen gebeutelte Strom unter meinen Füßen braun wie Cappuccino. Aber – und diese Beobachtung ließ meine Laune prompt steigen – an der Stelle wo der Felberbach im Stadtkern in die Salzach mündete, erzeugte das klare Wasser des Baches einen ca. 5m breiten und entlang des Ufers ca. 20m langen, weit weniger trüben, Streifen. Fischbar!

Bild 1: Der Einlauf in die Salzach

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Schon am Buffet zwischen knackiger Semmel und gekochtem Ei machte ich mir Gedanken wie ich diese kurze Passage effektiv befischen könnte: Sowohl Bach als auch Fluss brachten ordentliche Wassermengen aus den Bergen mit sich. Ein schwerer und großer Streamer müsste, die Salzach stromab serviert, abgetrieben, in den klaren Streifen aufsteigend und am Ufer entlanggezupft, doch das Interesse größerer Fische wecken! Stück für Stück könnte man so den klaren Bereich abfischen. Gedacht, getan!

Ich kämpfte mich durch die dichten Büsche am Ufer zum kanalisierten Einlauf des Felberbaches. Auf meiner linken Seite die braune Salzach, auf meiner rechten Seite der klare Gebirgsbach. Perfekt. Meiner Gespließten wollte ich die kommende wenig sensible Fischerei mit einem Woolley Bugger, gebunden auf einen 6er Haken und mit Tungsten sowie Blei beschwert, wahrlich nicht zumuten. Sie durfte nach den zahlreichen Drills der letzten Tage ein verdientes Verschnaufpäuschen einlegen. Stattdessen meldete sich meine 5er Z-Axis zum Dienst. An die kurzkeulige WF-Schnur montierte ich ein recht kurzes, nur ca. 2,1 m langes Vorfach mit einer 0,24mm Spitze sowie ein 0,22mm Tippet. Das sollte genügen.

Systematisch arbeitete sich mein Kollege aus Chickabou stromabwärts durch den Streifen: Wurf, Mending, Abtreiben, Kontakt, Aufsteigen, Strippen.

BISS!

Zwar hatte ich mich darauf eingestellt, dass der Biss wahrscheinlich beim Aufsteigen des Streamers erfolgen würde, trotzdem wurde ich überrascht. Mein kurzer Anhieb – mehr ein Reflex – kam durch und das einsetzende Kreischen meiner Danielsson signalisierte mir, dass der Haken saß. Der Fisch am anderen Ende marschierte in die Salzach und von mir weg. Seit langem bekam ich noch einmal mein Backing zu Gesicht. Der zusätzliche Druck der Salzach, neben der eigentlichen Kraft des Fisches, war nun sehr deutlich spürbar. Jede noch so kurze Rast des Fisches versuchte ich mit einer kräftigen Pumpbewegung an der Kohlefasergerte und einem flotten Aufrollen der Schnur zu beantworten. Auf mein Vorfach war Verlass und so konnte ich den kampfstarken Salmoniden nach wenigen Minuten das erste Mal kurz unter der Oberfläche ausmachen. Ich stutzte kurz: Eine Regenbogenforelle war es definitiv nicht, ein Saibling auch nicht. Rote Punkte konnte ich aber auch nicht erspähen. Seltsam…

Kurze Zeit später hatte ich dann Gewissheit: meine agile Tanzpartnerin am anderen Ende der Schnur war eine wunderschöne Seeforelle mit dicken schwarzen Tupfen, einem strahlend gelben Bauch und großen Flossen.

Bild 2: Seeforelle aus der Salzach

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Nach einem kurzen Fotoshooting und einer kleinen Pause in meinen Händen im seichten Wasser des steinigen Ufers entließ ich den Fisch zurück in die Freiheit. Glücksgefühle die wohl jeder Fliegenfischer kennt.

Aus dem kurzen Tagtraum aufwachend realisierte ich, dass am anderen Ufer des Felberbaches, nur wenige Schritte von mir entfernt, ein Fliegenfischer in der Böschung stand und mir anscheinend zugesehen hatte. Mit einem Akzent – der ihn als Schweizer identifizierte – beglückwünschte er mich mit knappen Worten zu meinem Fang, um anschließend umso ausgiebiger seine Nymphen im klaren Streifen neben mir zu baden. Ich setzte mich ins feuchte Gras und beobachtete seine Technik. Er fischte mit zwei Nymphen und einem Bissanzeiger, einem leuchtenden Büschel „Yarn“. Am unteren Ende seines Vorfachs baumelte eine sehr große rote Nymphe, etw 50 cm darüber als Springer ein kleineres Muster, ähnlich einem pinken Gammarus. Er hatte es anscheinend gezielt auf Äschen abgesehen. Der Erfolg, eine Fahnenträgerin aus der Rinne vor ihm zu locken, blieb jedoch aus. Nach kurzer Zeit verschwand er , diesmal grußlos, zurück in die Büsche aus denen er gekommen war und ich setzte – wieder allein am Wasser – meine Fischerei fort. Beissfreudige Äschen standen offenbar nicht am Grund, stattdessen konnte mein Streamer aber weitere Saiblinge, Bachforellen und eine zweite Seeforelle ans triste Tageslicht befördern. Viel Fisch für ein kurzes Stück Wasser!

Bild 3: Schön gezeichneter Saibling

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Drei unterschiedliche Mitglieder der Salmonidenfamilie hatte ich an diesem Vormittag schon begrüßen dürfen. Warum nicht bis zum Abendbrot noch zwei fehlende Arten, eine Regenbogenforelle und eine Äsche, einladen? Ich suchte mir auf der Karte einen weiteren Zufluss in die Salzbach und schwang mich ins Auto. Nach 15 Minuten Fahrt Richtung Westen erreichte ich an einer großen Brücke den Einlauf des schmalen Stubachs. Auch er war klar und malte das gleiche Szenario in die Flusslandschaft wie weiter unten der Felberbach. Diesmal ließ ich meine Streamer jedoch im Dunkeln ihrer Dose versauern und pirtschte mich stattdessen stromaufwärts vor. Immer wieder fingen Forellen aufsteigende Insekten kurz unterhalb des Oberflächenfilms ab. Ich erinnerte mich an meine erfolgreiche Nassfliege vom Vortag – die ich zum Glück am Abend noch aus feinem Hasenohrdubbing und einer weichen Hennenhechel nachgebunden hatte. Vielleicht stieß auch hier das spärliche schwarze Muster auf nachhaltiges Interesse. Weil das Wasser jedoch schnellfließend und unruhig an mir vorbeirauschte, entließ ich die Fliege diesmal nicht alleine in die Fluten, sondern montierte als Bissanzeiger eine große, sehr große Sedge.

Bild 4: Eine erfolgreiche Kombination?

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Bereits die ersten langen Driften meines Duos schenkten mir Fischekontakte. Mein Bissanzeiger erfüllte dabei seine primäre Aufgabe mit Bravour, konnte selber allerdings keine Attacken verbuchen. Neugierig wechselte ich auf ein einzelnes, kleineres Trockenmuster. Ich wollte es genauer wissen: Bedienten sich die Flossenträger nur selektiv am reichhaltigen Buffet oder war meine Sedge einfach zu unattraktiv? Von kleineren Köcherfliegen über zierliche Eintagsfliegen bis hin zu winzigen Klinkhammern bot ich alles an was der mittlerweile dezimierte Restbestand meiner Dose hergab. Nichts. Nichts. Nichts. Gespannt wechselte ich zurück auf die Nassfliege. Etwa 20 cm unter der Oberfläche hinter der großen Sedge hertaumelnd steuerte sie auf mich zu. Tada! Da war der Biss. Sehr Interessant! Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bis hierhin nur sehr selten zur Nassfliege gegriffen habe. Vermutlich ein großer Fehler!

Achja, Regenbogenforellen und Äschen waren auch dabei, so dass ich am späten Nachmittag die fünf unterschiedlichen Arten hatte bewundern dürfen. Den fulminanten Schlusspunkt hinter diesen erkenntnisreichen Tag setzte übrigens eine Doublette (so nennen es zumindest die Belgier): Eine Bachforelle auf die nasse Erfolgsfliege und ein unersättlicher Saibling auf die große, sehr große Sedge. Geht doch!

Bild 5: Eine Doublette auf das Duo

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Die anderen Tage in Mittersill:

Teil 8: Mittersill Tag 1

Teil 9: Mittersill Tag 2

Teil 10: Mittersill Tag 3

Teil 12: Mittersill Tag 5

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Impressionen Mittersill Tag 4









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