Es tut sich was am Wasser

9 04 2012

In der letzten Woche habe ich versucht, möglichst nahtlos an meinen Saisonstart-Marathon anzuknüpfen und konnte glücklicherweise wieder einige Zeit am Wasser verbringen. Dabei war ich – wie eigentlich bei den meisten Ausflügen bisher – nicht alleine unterwegs: Mit Marc habe ich einen kleinen Bach in der Eifel befischt, mit Lennet und Nino war ich nun zum wiederholten Male in der Wallonie (auch dort kommen die Fische so langsam endlich in Laune) und am heutigen Feiertag habe ich an der Seite von Ulf für ein paar regnerische Stunden keine Ostereier, sondern Großforellen in der Rur gesucht. Und das durchaus mit Erfolg! Ich durfte mich nach den schönen Flossenträgern der ersten 14 Tagen auch in Woche drei der Forellensaison 2012 wieder über zwei sehr stattliche Bewohner meines Lieblingsflusses freuen.

Eine weitere Rotgetupfte dieser Größenordnung, die ich aufgrund des leider immer noch sehr niedrigen Wasserstandes mit der Nymphe auf Sicht anwerfen konnte, kannte ihr Revier allerdings weit besser als ich und verabschiedete sich nach einer wilden Jagd stromab ins rettende Totholz unter Wasser. Ich hatte sie schon beim Saisonauftakt mit Marc an gleicher Stelle beobachtet und gehe davon aus, dass ich bestimmt noch eine Chance bekomme. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei 😉

So wie ich, musste auch Ulf heute nach einem kurzen Drill das schmerzliche Erlebnis eines schlaffen Vorfachs verdauen. Auch er beobachtete zuvor, wie sich die nymphende Bachforelle langsam vom Grund löste und das Hasenohr am Ende des Tipptes in ihrem weißen Maul verschwinden ließ. Anders als ihre kleineren Artgenossen, die durch Zirkusreife Sprungeinlagen begeisterten, orientierte sich auch diese Rotgetupfte gleichmässig in Richtung Flussgrund, bevor sie sich – vermutlich mit einem zwinkernden Auge – verabschiedete.

Zeit zum Trocknen der Watschuhe wird es aber keine geben, denn die nächsten Ausflüge sind bereits in Planung. Ein Höhepunkt wird, neben meinem ersten Besuch bei Daniel im nahen Ruhrgebiet, mit Sicherheit der mehrtägige Trip an die Ostsee sein. Genaueres dazu aber in Kürze hier 😉

Impressionen

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Saisoneröffnung – die erste Woche

25 03 2012

Die Forellensaison 2012 ist mittlerweile eine Woche und zwei Tage „alt“ bzw. jung. Zeit, eine kurze Bilanz zu ziehen und den Blick zurück auf die ersten ereignisreichen Stunden am Wasser zu werfen. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, denn es ist schon so viel passiert. Und dabei liegt noch das ganze Jahr vor mir…Also: einfach der Reihe nach!

Am 16. zog es Marc und mich an die Rur, um pünktlich um 6.30 Uhr bei Sonnenaufgang den Startschuss in unsere 4. gemeinsame Saison zu feiern. Unsere Nymphendosen waren bis unter den Deckel gefüllt und auch die ersten Trockenfliegen waren in den letzten Wochen der dunklen Jahreszeit schon eifrig gebunden worden. Der Pegel des glasklaren Eifelflusses lag bei 38cm und für den Nachmittag waren vom Wetterfrosch angenehme Temperaturen versprochen worden. Alles perfekt, oder?  Beinahe! Wären da nicht die -2° die uns im tiefen und gerade erst vom Frühnebel freigegebenen Rosental erwarteten. Keine dicke Jacke dabei und schon gar nicht an flauschige Handschuhe gedacht… warum auch, wenn man bei 7° von zu Hause aufbricht. Zu dumm außerdem, dass der örtliche Angelverein sich offenbar nicht bewusst war, üblicherweise die Pforten zum gepachteten Gewässer schon am 16.03. zu öffnen… Nach einem kurzen Telefonat trudelten dann aber – wenn auch mit ein wenig Verspätung – die  ersehnten Erlaubnisscheine bei der hilfsbereiten Bäckereifachverkäuferin ein und unsere Flugschnüre konnten endlich ganz offiziell gebadet werden. Neben uns konnten sich auch 7 Holländer nicht länger gedulden und hatten schon vor dem Wochenende ihren weiten Weg nach Monschau gefunden.

Foto 1 Auf die Plätze. Fertig. Los!

Erste Highlights des frostigen Vormittags waren neben der ersten Bachforelle des Jahres auf einen Bachflohkrebs zum einen eine kampfstarke Regenbognerin, die sich im Drill akrobatisch in die Lüfte schraubte und zum anderen Marcs hölzerne Begleiterin, die er sich von einem Freund aus dem Club Mouche Passion geborgt hatte; mein belgischer Freund hatte sich vorgenommen, die nächsten sieben Monate sein Glück „ausschließlich“ mit der Bambusrute zu versuchen. Da seine eigene Gespließte – die wir uns im vorletzten Jahr baugleich von Edgar Lange hatten aufbauen lassen – für die Rur jedoch deutlich zu kurz ist, kam das großzügige Angebot von George gerade Recht: ein ca. 8ft. langer Stecken (ich hoffe ihr hört meine Abneigung schon ein wenig raus), der sich meiner Meinung nach deutlich behäbiger bewegte, als meine fidele 81jährige Großmutter und außerdem schwerer war, als meine Einkaufstüte nach der jährlichen Fliegenfischermesse in Charlesroi. Die obendrauf weiche Spitze der Gerte ließ sich beim Werfen in etwa so präzise stoppen, wie ein hungriges Kleinkind in einem Süßigkeitenladen. Das i-Tüpfelchen setzte eine halbautomatische Rolle, die ich vor einiger Zeit für Marc in den USA ersteigert hatte, die vermutlich schon zwei Weltkriege erleben musste und für deren Handhabung man eine Gebrauchsanleitung benötigte. Spaß beiseite. Aber ein wenig Spott musste diese klassische Kombination dann doch ertragen, zumal die Fischerei damit – soweit ich das von meiner Flussseite beurteilen konnte – nicht gerade ein Zuckerschlecken zu sein schien. Meine stichelnden Worte in Richtung des schwabbeligen Kalbsschwanzes wurden von selbigem natürlich gerächt: An einer uns wohl bekannten Stelle hatten wir vier Bachforellen auf engstem Raum zwischen 30 und 40 Zentimeter ausgemacht. Wenig später zappelte, nach einem ersten Fehlbiss, eine farbenfrohe Rotgetupfte von Marc in meinem Kescher. Jetzt war ich an der Reihe…. Mein erster Wurf mit dem Objekt meines Mobbings:

  • Ein Leerwurf („Ohhh da braucht man ja tatsächlich eine extra Portion Zielwasser! “).
  • Eine dragfreie Drift („Wenigstens die Länge ist in Ordnung!“).
  • Eine Attacke aus dem Flachwasser („Da, die fast schwarze Bachforelle!“).
  • Ein sanfter Anhieb („Da fällt einem ja fast der Arm ab!“).
  • Und letztlich, ein offener Knoten am Ende des Tippets. Fliege ab. („Das kann doch nicht wahr sein!“)

Egal. Dumm gelaufen. Weitermachen. Zweiter Wurf, eine zweite 35er Bachforelle, das gleiche Ergebnis und eine zweite Trockenfliege, die ich nicht wieder sehen würde. Meine Theorie zu dieser skurilen Situation: Entweder wollte Marc mir eins für meine große Klappe auswischen – was ich aber nicht glaube – oder aber, und da bin ich mir ziemlich sicher, die belgische Bambusrute hat sich eiskalt bei mir gerächt. Ja, so wird’s gewesen sein!

Anschließend wechselten wir uns weiter mit dem Fischen stromauf ab, hauptsächlich nun allerdings mit meiner Rute, denn irgendwann merkte auch Marc das Gewicht in seiner ohnehin angeschlagenen Handballschulter. Tief geführte Moutardes lockten noch einige am Flussgrund stehende Bachforellen an die frische Luft und am frühen Abend durften wir uns völlig erschöpft, aber sehr glücklich über eine Saisoneröffnung nach Maß freuen.

Foto 2 Ein Fisch auf den Kalbsschwanz


Zeit sich auszuruhen blieb aber kaum, denn auch die nächsten Tage verbrachte ich an der Rur, einmal mit Fabian (Premiere für ihn in der Eifel) und noch ein zweites Mal mit Marc. Der Wasserstand war ein wenig gefallen, die Temperaturen ebenfalls, dafür regnete es zwischenzeitlich. Den Flussbewohnern schien es aber zu gefallen, denn bei meinem zweiten Besuch ging die erste Bachforelle ü40 ins Schonnetz. Ein weitere in dieser Größenordnung – auf eine Elk Hair Caddis – konnte ich hingegen leider nicht zu einem kurzen Fotoshooting überreden.

Foto 3 Die schönste Bafo des ersten Wochenendes

Unter der Woche zog es mich dann nach der Arbeit nach Belgien. Einmal pirschte ich alleine, einmal mit Lennet und einmal mit ihm und Jean – einem erfahrenen Fliegenfischer aus unserem Verein – durchs Unterholz des abwechslungsreichen Grenzflusses zwischen Eupen und Verviers. Die Highlights hier: eine 50er Bachforelle auf die Trockenfliege, die ich aufgrund eines aufgebogenen Hakens nicht landen konnte, ein ebenso großer, zwar gelandeter, aber dann doch zu fotoscheuer Fisch von Lennet und eine ü30 Äsche auf die leichte 16er Nymphe. Meine erste mäßige Fahnenträgerin an diesem Fluss. Ein gutes Zeichen, nachdem in die letzten zwei Jahre nur handlange Äschen ausmachen konnte.

Foto 4 Eine belgische Äsche

DAS Highlight der ersten Woche setzte aber dann mein letztes Gastspiel an der Rur: Neben den sommerlichen Temperaturen erwärmte zunächst eine 40er Bachforelle bei Niedrigwasser (nur noch knapp 20 Zentimeter laut Pegelstand) mein sonniges Gemüt. Damit aber noch laaaaange nicht genug. Denn der finale Paukenschlag der ersten Woche am Wasser im Jahr 2012 kam nur wenige Stunden später. Eine atemberaubend schöne, wilde Bachforelle, wie ich sie in diesem Fluss nicht jeden Tag, nicht jede Woche, nicht jeden Monat zu Gesicht bekomme! Das Kuriose dabei: während des Drills begleitete sie eine zweite Rotgetupfte, nur unwesentlich kleiner, und der kampfstarke Fisch am Ende meines Vorfachs versprühte aufgeregt seine Milch.

Foto 5 Eine wilde Bafo aus der Rur

Kann das mit der Milch zu dieser Zeit überhaupt (noch) sein? Habt Ihr schon einmal ähnliche Beobachtungen gemacht?

Saisoneröffnung – eine Woche am Wasser





Scale Magazine #4

1 03 2012

Gerade erreichte mich per Mail und Facebook die frohe Botschaft, dass die vierte Ausgabe des „Scale Magazine“ endlich draußen ist. Die in Hamburg publizierte Lektüre für lesehungrige Fliegenfischer ist sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zugänglich und spukt seit Mitte 2011 kostenfrei im Netz umher. Mittlerweile dürfen sich die ambitionierten Macher – dank über 2.000.000 Klicks – mit Stolz als Herausgeber des „erfolgreichsten europäische Spin- und Fliegenfischermagazin“ bezeichnen. Gratulation hierzu!

Ich habe bisher zwar nur kurz durch die aktuelle Ausgabe blättern können, aber die Artikel über Patagonien und die Äschenpirsch an der Glomma werde ich mir aber noch einmal in Ruhe genauer ansehen. Das solltet ihr natürlich auch tun, um die letzten Tage bis zum Saisonstart zu überbrücken 😉 Wo geht es denn bei Euch als erstes ans Wasser?





Fotorückblick III: Spätsommer in Österreich

28 02 2012

Wie schon in 2009 und 2010 war ich auch im letzten Spätsommer für eine Woche zu Gast bei Familie Kohlmayr in Untertauern, um im glasklaren Wasser der Taurach Bach- und Regenbogenforellen auf die Schuppen zu rücken. Diesmal begleitete mich mein Freund Marc, der zuvor noch nie in der Alpenregion gefischt hatte und für den auf 1800 Meter Höhe ein langersehnter Traum in Erfüllung gehen sollte: Äschen mit der Trockenfliege auf Sicht im Stillwasser überlisten.

Leider blieb mir diesmal eine Forelle ü60 cm vergönnt, auch wenn ich an drei Abenden kurz nach Einbruch der Dunkelheit im unteren Flusslauf eine dickbauchige Regenbognerin im Drill hatte, zweimal nach Bissen auf übergroße Streamer, einmal nach der spektakulären Attacke auf eine Maus aus Rehhaar, die über die Wellen der starken Strömung schlidderte.

Wie schon in den letzten Jahren konzentrierte ich mich aber vornehmlich auf den Flussabschnitt oberhalb des Hotels, auch wenn hier kleinere Examplare – hauptsächlich Rotgetupfte und Saiblinge – anzutreffen sind. Denn im Gegensatz zum unteren Teil der Taurach ist der kletteraffine Fliegenfischer hier oben meist vollkommen allein unterwegs (bzw. in unserem Fall: zu zweit). Mit einer verlässlich schwimmenden und im rauschenden Wasser gut sichtbaren Trockenfliege, zu unserer Überraschung war diesmal ein schwarzer Käfer eine der erfolgreichsten „Fliegen“ – kann man hier beinahe VOR und hinter jedem Stein einen dankbaren Abnehmer finden. Viel wichtiger als das passende Muster ist jedoch, auch darauf hatte ich in meinen vorherigen Beiträgen schon hingewiesen, die richtige Präsentation. Das bedeutet in den meisten Fällen eine vorzugsweise dragfrei Drift in den ruhigeren Randpassagen, in attraktiven Kehrwassern und an Strömungskanten.

Und wie schon bei meinen anderen Aufenthalten im Hause Kohlmayr konnte ich auch diesmal wieder – ob am Bindetisch oder am Wasser – neue Bekanntschaften knüpfen, die seitdem mit Besuchen an anderen Gewässern intensiviert werden. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Ulf für seine Einladung an sein abwechslungsreiches Hausgewässer in der Eifel!

Bevor ich Euch eine Auswahl der schönsten Schnappschüsse der wie immer viel zu schnell verfliegenden Woche präsentiere, ist es in meinen Augen fast überflüssig zu erwähnen, dass auch diesmal der Service im Hotel – insbesondere was die reichhaltige Verpflegung am Abend, ob im Hotel oder auf der Almhütte, angeht – ausgezeichnet war! Ebenso überflüssig ist wohl meine Vermutung, dass ich nicht das letzte Mal im Hause Kohlmayr gastiert habe. Der nächste Spätsommer kommt bestimmt 😉

Impressionen: Spätsommer in Österreich

 

Nachtrag:

Auf Vimeo findet sich übrigens ein schönes Video von Max, der nun bereits auch schon zwei Mal an der Taurach gefischt hat. Mittlerweile kenne ich beinahe alle Stellen der über 14km langen Strecke. Erschreckend 😉





Äschen sehen rot!

10 12 2010

Auf meiner Suche nach neuen Inspirationen für Fliegenmuster streune ich nicht nur durch Foren, Videoplattformen und Blogs, sondern auch immer wieder durch gut sortierte Shops für Fliegenfischer bzw. -binder. Umso mehr Fliegen im Angebot umso besser! Im mit über 900 Fliegen üppigen Sortiment von Rolf werde ich fast immer fündig und ertappe mich dabei, wie ich wenig später am Bindestock sitzend versuche, die virtuellen Fundstücke auf Basis der ausführlichen Beschreibungen und Bilder in die Realität zu holen.

Für meinen unmittelbar anstehenden Ausflug zum Äschenfischen habe ich mich auch wieder auf diese „Suchtaktik“ verlassen und bin – wie zu erwarten – nicht enttäuscht worden. Meine Suchkriterien waren vorher schon ziemlich eindeutig definiert: rot, groß, schwer! Für die winterliche Fischerei auf Äschen bei vielleicht widrigen Umständen (erhöhter Wasserstand, leichte Trübung, eingeschränktes Steigverhalten, …) erzielen oftmals gerade Fliegen auf Haken größer als „10“ (sogar rauf bis Hakengröße „2“) beachtliche Erfolge. Da die Fahnenträgerinnen sich in der kalten Jahreszeit nur ungern vom Grund lösen, empfiehlt sich je nach Gewässersituation außerdem eine Beschwerung mit Bleidraht und/oder Tungstenperle(n). Da wo erlaubt, kann auch eine Kombination aus einer schweren und einer leichten Nymphe, die z.B. taumelnd über dem Boden für Aufmerksamkeit sorgt, zum Einsatz kommen.

Auf die richtige Präsentation kommt es an! Während ich in den wärmeren Monaten auch leichte und kleine Nymphen an der langen Leine stromab serviere, greife ich im Winter und im Frühjahr gerne auf die Taktik der „kurzen Leine“ zurück: Die Fliege wird an einem langen Vorfach, ein durchgehendes Stück Monofil, mit einem Rollwurf stromauf geschlenzt. Der ausgestreckte Arm wird gehoben und die Rute parallel zur Wasseroberfläche gehalten. Die Nymphe sinkt schnell zum Grund und wird – einen Tick langsamer als die Fließgeschwindigkeit des Oberflächenwassers – in einer natürlichen Drift geführt. Die lose Schnur wird aufgenommen und mit einem Finger auf dem Blank ist das Rollen des Musters über den Gewässergrund deutlich spürbar. Ab und zu ein Hänger? Dann hast Du die richtige Tiefe! 😉 Ist die Nymphe auf meiner Höhe angekommen, senke ich die Rute leicht und erlaube dem Muster somit in einer freien Drift noch ein paar Meter flussabwärts zu treiben. Am Ende dieses flüssigen Bewegungsablaufs hebe ich die Rute, lasse die Nymphe aufsteigen und setze einen kleinen Anhieb, denn oftmals kommt gerade in dieser Phase der Biss! Diesen erspürt man oder aber man vertraut zusätzlich auf einen Bissanzeiger (z.B. ein Stück Backing mit zwei perfection loops ins Vorfach eingeschlauft). Es ist offensichtlich, dass bei dieser speziellen Fischerei eine leichtere und längere Rute, Marc fischt hierzu z.B. eine #3 in 9,6 ft., einige Vorteile hat.

Achja: Warum gerade die Farbe rot eine scheinbar magische Anziehung auf Äschen ausübt, ist meines Wissens noch nicht hinreichend erklärt worden. Wisst ihr hierzu mehr?

Wie dem auch sei… folgende Muster haben für die kommende Pirsch – hoffentlich bei Schnee – jedenfalls einen Platz in meiner Dose ergattern können. Ob die Äschen tatsächlich „rot gesehen“ und fleißig gebissen haben, werdet ihr natürlich hier in Kürze erfahren! Das fängigste Muster stelle ich dann auch nochmal im Detail vor. Bis dahin müssen diese Fotos genügen:






Rückblick Österreich – Teil XI: Mittersill Tag 4

4 12 2010

Nach unseren gemeinsamen Erlebnissen am abgelegenen Lenisee und der Bekanntschaft mit zwei stattlichen Bachforellen (etlichen Saiblingen), einer Murmeltierfamilie, einem Vogel und einiger Kühe, zog Anna am 4. Tag unseres Aufenthalts im Bräurup einen erkundenden Bummel durch die kleinen Lädchen und einladenden Cafés des Touristenörtchens einem Tag am rauschenden Wasser vor. Warum sich auch im teils stömenden Regen nach Draußen begeben, wenn man doch bei einem saftigen Stück Linzerschnitte ein spannendes Buch lesen kann?

Warum?

Darum! 😉

Also trennten sich an diesem verregneten Morgen unsere Wege. Ich hatte in der Dämmerung kurz vorm Frühstück einen vorsichtigen Blick von einer Brücke nahe des Hotels in die Salzach geworfen. Meine leise (oder naive) Hoffnung, vor unserer Abreise vielleicht doch noch diesen namhaften Fluss befischen zu können, wurde jedoch schnell „getrübt“. Wie zu erwarten war der vom nächtlichen Dauerregen gebeutelte Strom unter meinen Füßen braun wie Cappuccino. Aber – und diese Beobachtung ließ meine Laune prompt steigen – an der Stelle wo der Felberbach im Stadtkern in die Salzach mündete, erzeugte das klare Wasser des Baches einen ca. 5m breiten und entlang des Ufers ca. 20m langen, weit weniger trüben, Streifen. Fischbar!

Bild 1: Der Einlauf in die Salzach

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Schon am Buffet zwischen knackiger Semmel und gekochtem Ei machte ich mir Gedanken wie ich diese kurze Passage effektiv befischen könnte: Sowohl Bach als auch Fluss brachten ordentliche Wassermengen aus den Bergen mit sich. Ein schwerer und großer Streamer müsste, die Salzach stromab serviert, abgetrieben, in den klaren Streifen aufsteigend und am Ufer entlanggezupft, doch das Interesse größerer Fische wecken! Stück für Stück könnte man so den klaren Bereich abfischen. Gedacht, getan!

Ich kämpfte mich durch die dichten Büsche am Ufer zum kanalisierten Einlauf des Felberbaches. Auf meiner linken Seite die braune Salzach, auf meiner rechten Seite der klare Gebirgsbach. Perfekt. Meiner Gespließten wollte ich die kommende wenig sensible Fischerei mit einem Woolley Bugger, gebunden auf einen 6er Haken und mit Tungsten sowie Blei beschwert, wahrlich nicht zumuten. Sie durfte nach den zahlreichen Drills der letzten Tage ein verdientes Verschnaufpäuschen einlegen. Stattdessen meldete sich meine 5er Z-Axis zum Dienst. An die kurzkeulige WF-Schnur montierte ich ein recht kurzes, nur ca. 2,1 m langes Vorfach mit einer 0,24mm Spitze sowie ein 0,22mm Tippet. Das sollte genügen.

Systematisch arbeitete sich mein Kollege aus Chickabou stromabwärts durch den Streifen: Wurf, Mending, Abtreiben, Kontakt, Aufsteigen, Strippen.

BISS!

Zwar hatte ich mich darauf eingestellt, dass der Biss wahrscheinlich beim Aufsteigen des Streamers erfolgen würde, trotzdem wurde ich überrascht. Mein kurzer Anhieb – mehr ein Reflex – kam durch und das einsetzende Kreischen meiner Danielsson signalisierte mir, dass der Haken saß. Der Fisch am anderen Ende marschierte in die Salzach und von mir weg. Seit langem bekam ich noch einmal mein Backing zu Gesicht. Der zusätzliche Druck der Salzach, neben der eigentlichen Kraft des Fisches, war nun sehr deutlich spürbar. Jede noch so kurze Rast des Fisches versuchte ich mit einer kräftigen Pumpbewegung an der Kohlefasergerte und einem flotten Aufrollen der Schnur zu beantworten. Auf mein Vorfach war Verlass und so konnte ich den kampfstarken Salmoniden nach wenigen Minuten das erste Mal kurz unter der Oberfläche ausmachen. Ich stutzte kurz: Eine Regenbogenforelle war es definitiv nicht, ein Saibling auch nicht. Rote Punkte konnte ich aber auch nicht erspähen. Seltsam…

Kurze Zeit später hatte ich dann Gewissheit: meine agile Tanzpartnerin am anderen Ende der Schnur war eine wunderschöne Seeforelle mit dicken schwarzen Tupfen, einem strahlend gelben Bauch und großen Flossen.

Bild 2: Seeforelle aus der Salzach

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Nach einem kurzen Fotoshooting und einer kleinen Pause in meinen Händen im seichten Wasser des steinigen Ufers entließ ich den Fisch zurück in die Freiheit. Glücksgefühle die wohl jeder Fliegenfischer kennt.

Aus dem kurzen Tagtraum aufwachend realisierte ich, dass am anderen Ufer des Felberbaches, nur wenige Schritte von mir entfernt, ein Fliegenfischer in der Böschung stand und mir anscheinend zugesehen hatte. Mit einem Akzent – der ihn als Schweizer identifizierte – beglückwünschte er mich mit knappen Worten zu meinem Fang, um anschließend umso ausgiebiger seine Nymphen im klaren Streifen neben mir zu baden. Ich setzte mich ins feuchte Gras und beobachtete seine Technik. Er fischte mit zwei Nymphen und einem Bissanzeiger, einem leuchtenden Büschel „Yarn“. Am unteren Ende seines Vorfachs baumelte eine sehr große rote Nymphe, etw 50 cm darüber als Springer ein kleineres Muster, ähnlich einem pinken Gammarus. Er hatte es anscheinend gezielt auf Äschen abgesehen. Der Erfolg, eine Fahnenträgerin aus der Rinne vor ihm zu locken, blieb jedoch aus. Nach kurzer Zeit verschwand er , diesmal grußlos, zurück in die Büsche aus denen er gekommen war und ich setzte – wieder allein am Wasser – meine Fischerei fort. Beissfreudige Äschen standen offenbar nicht am Grund, stattdessen konnte mein Streamer aber weitere Saiblinge, Bachforellen und eine zweite Seeforelle ans triste Tageslicht befördern. Viel Fisch für ein kurzes Stück Wasser!

Bild 3: Schön gezeichneter Saibling

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Drei unterschiedliche Mitglieder der Salmonidenfamilie hatte ich an diesem Vormittag schon begrüßen dürfen. Warum nicht bis zum Abendbrot noch zwei fehlende Arten, eine Regenbogenforelle und eine Äsche, einladen? Ich suchte mir auf der Karte einen weiteren Zufluss in die Salzbach und schwang mich ins Auto. Nach 15 Minuten Fahrt Richtung Westen erreichte ich an einer großen Brücke den Einlauf des schmalen Stubachs. Auch er war klar und malte das gleiche Szenario in die Flusslandschaft wie weiter unten der Felberbach. Diesmal ließ ich meine Streamer jedoch im Dunkeln ihrer Dose versauern und pirtschte mich stattdessen stromaufwärts vor. Immer wieder fingen Forellen aufsteigende Insekten kurz unterhalb des Oberflächenfilms ab. Ich erinnerte mich an meine erfolgreiche Nassfliege vom Vortag – die ich zum Glück am Abend noch aus feinem Hasenohrdubbing und einer weichen Hennenhechel nachgebunden hatte. Vielleicht stieß auch hier das spärliche schwarze Muster auf nachhaltiges Interesse. Weil das Wasser jedoch schnellfließend und unruhig an mir vorbeirauschte, entließ ich die Fliege diesmal nicht alleine in die Fluten, sondern montierte als Bissanzeiger eine große, sehr große Sedge.

Bild 4: Eine erfolgreiche Kombination?

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Bereits die ersten langen Driften meines Duos schenkten mir Fischekontakte. Mein Bissanzeiger erfüllte dabei seine primäre Aufgabe mit Bravour, konnte selber allerdings keine Attacken verbuchen. Neugierig wechselte ich auf ein einzelnes, kleineres Trockenmuster. Ich wollte es genauer wissen: Bedienten sich die Flossenträger nur selektiv am reichhaltigen Buffet oder war meine Sedge einfach zu unattraktiv? Von kleineren Köcherfliegen über zierliche Eintagsfliegen bis hin zu winzigen Klinkhammern bot ich alles an was der mittlerweile dezimierte Restbestand meiner Dose hergab. Nichts. Nichts. Nichts. Gespannt wechselte ich zurück auf die Nassfliege. Etwa 20 cm unter der Oberfläche hinter der großen Sedge hertaumelnd steuerte sie auf mich zu. Tada! Da war der Biss. Sehr Interessant! Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bis hierhin nur sehr selten zur Nassfliege gegriffen habe. Vermutlich ein großer Fehler!

Achja, Regenbogenforellen und Äschen waren auch dabei, so dass ich am späten Nachmittag die fünf unterschiedlichen Arten hatte bewundern dürfen. Den fulminanten Schlusspunkt hinter diesen erkenntnisreichen Tag setzte übrigens eine Doublette (so nennen es zumindest die Belgier): Eine Bachforelle auf die nasse Erfolgsfliege und ein unersättlicher Saibling auf die große, sehr große Sedge. Geht doch!

Bild 5: Eine Doublette auf das Duo

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Die anderen Tage in Mittersill:

Teil 8: Mittersill Tag 1

Teil 9: Mittersill Tag 2

Teil 10: Mittersill Tag 3

Teil 12: Mittersill Tag 5

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Impressionen Mittersill Tag 4






Fliegen Swap „Äsche“ – meine Fliege

5 11 2010

Im Oktober nahm ich an einem „Fliegen Swap“ im Fliegenfischerforum teil. Die Idee dahinter ist schnell erklärt: Es finden sich einige interessierte Fliegenbinder und einigen sich auf ein Thema – hier: Äschenfliegen. Jeder Teilnehmer entscheidet sich für ein Muster und bindet entsprechend der Anzahl der Teilnehmer x Exemplare – hier: 10 Stück. Die 10 x 10 Fliegen werden von einem – dem sog. „Swap Master“, hier: Jörg – gesammelt und anschließend an alle verteilt. Jeder Teilnehmer wartet dann voller Spannung auf den Briefträger und darf sich nach wenigen Tagen über viele neue Muster freuen.

Da ich bisher meine schönsten Äschen mit der Nymphe gefangen habe, wollte ich den Forums-Kollegen die „Natalice“ vorstellen, eine geflochtene Nymphe – ich glaube ein französisches Muster, korrigiert mich bitte wenn ich hier falsch liege. Euch möchte ich natürlich die Bindeanleitung der Fliege – mit der ich auch gerne auf Bachforellen fische – nicht vorenthalten.

Bild 1: Natalice

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Material:

  • Haken: Kamasan B160 (#12, 14 od. 16)
  • Bindefaden: beige oder grau
  • Schwanz: Fasanenfeder
  • Körper: Glo Brite Floss (fluo orange und   fluo gelb)
  • Thorax: Hasenohrdubbing (natur)
  • Kopf: Tungstenperle (3,0 – 3,5 mm) Sonstiges: Bleidraht zur Beschwerung


Bindeanleitung :

  1. Widerhaken andrücken, Tungstenperle passend zum Haken aufziehen, Bleidraht auf dem Schenkel bis kurz vor den Hakenbogen wickeln und mit Sekundernkleber fixieren.
  2. Bleidraht hinter der Tungstenperle mit einer Zange flach drücken. Es entsteht ein leicht konischer Unterkörper.
  3. Bindefaden fixieren und 4-6 Fiebern der Fasanenstoßfeder als Schwanz einbinden.
  4. 2 Stränge Floss fluo orange und 2 Stränge Floss fluo gelb jeweils seitlich vom Hakenschenkel einbinden.
  5. Bindefaden nach vorne führen, Abschlussknoten machen und Bindefaden abschneiden.
  6. Haken aus dem Bindestock nehmen und drehen, d.h. mit der Hakenspitze voran in den Bindestock setzen.
  7. Körper flechten: Ausgangspunkt: Die 2 Stränge Floss orange (für die Oberseite) befinden sich links vom Haken in  der rechten Hand, die 2 Stränge Floss gelb (für die Unterseite) befinden sich rechts vom Haken in der linken Hand.  Flechttechnik: Floss orange wird über den Haken von links nach rechts geführt. Floss gelb wird über die 2 Stränge Floss orange gelegt und unter dem Haken nach links geführt. Floss orange wird über den Haken von rechts nach links geführt. Floss gelb wird über die 2 Stränge Floss orange unter dem Haken nach rechts geführt. Dabei die Stränge jeweils stramm halten und die Schneidepunkte der  Stränge möglichst auf der Kante des Körpers setzen. Körper gleichmäßig nach vorne flechten.
  8. Haken aus dem Bindestock nehmen und wieder normal in den Bindestock setzen. 4 Floss Enden mit Bindefaden abfangen und Floss Reste abschneiden.
  9. Hasenohrdubbing auf den Faden auftragen und mit wenigen Wicklungen hinter der Tungstenperle einbinden.
  10. Abschlussknoten machen und Hasenohrdubbing ausbürsten.
  11. Körper von oben und unten mit Sekundenkleber bestreichen. Fertig!

Die anderen Fliegen des Swaps könnt Ihr Euch im Übrigen auf den Seiten des Fliegenfischerforums ansehen. Viel Spaß beim Nachbinden!








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