Wasser, wir brauchen Wasser

15 08 2013

von Alex

Während ich mich in einem meiner letzten Berichte Anfang Juli über die konstanten Wasserstände an Rur und in Ostbelgien noch gefreut habe, hat sich aus dieser „Freude“ mittlerweile ein kleiner Frust entwickelt. Naja, „Frust“ ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber die Pegel sind in den letzten Wochen permanent gefallen und haben sich nun bei absolutem Niedrigwasser eingependelt. Kurze Regenschauern hier und da ändern daran leider nichts. Die Rur hat derzeit an der Messstation in Dedenborn (warum ist die in Monschau eigentlich seit ein paar Wochen nicht mehr aktiv?!) meist weniger als 18 cm. Zudem ist das wenige Wasser auch noch glasklar – was die Fischerei bei strahlendem Wetter nicht gerade erleichtert. Insbesondere die größeren Bachforellen scheinen bei diesen Konditionen die meiste Zeit ihre Köpfe einzuziehen und sich unter Steinen zu verstecken. Zwar fängt man tagsüber mit laaaangen Vorfächern und tief sitzenden, kleineren Fliegenmustern noch einige Fische (Marc und ich waren in den lezten zwei Wochen zwei Mal für jeweils einen ganzen Tag in der Eifel und konnten uns über die Anzahl nicht beschweren), aber alles ü40 cm lässt sich nur zu bestimmten Tageszeiten und bei bestimmten Wetterverhältnissen blicken. Zudem hat man derzeit nicht dieses typische „Rur-Feeling“, dass die Farios scheinbar nur auf die Fliege warten. Mails, SMS von Freunden und Bekannten sowie Begegnungen mit anderen Fliegenfischern am Ufer, die von einer sehr schwierigen Fischerei berichten, wundern mich jedenfalls nicht.

Was allerdings weiterhin gut funktioniert ist das Nymphenfischen auf Äschen. Die Fahnenträgerinnen halten sich im Moment in den strömungsreichen, unruhigen und etwas tieferen Zügen auf und sind bei entsprechender Präsentation regelmässig – teils in stattlichen Größen – zu fangen. Dies gilt sowohl für die Rur als auch die meine belgischen Flüsse. Für die größeren Bachforellen muss man sich, wie oben angedeutet, allerdings etwas einfallen lassen, was mir bzw. uns in den letzten Wochen teilweise auch ganz gut gelungen ist. In den belgischen Ardennen konnte ich an einer „beschissenen“ Stelle (nicht wahr Lennet?) eine meiner bisher schwersten Rotgetupften in der diesjährigen Saison in Belgien überlisten. Auf ein kurzes Foto-Shooting hatte die kugelrunde Schönheit allerdings keine Lust, da half auch ein verfolgender Hechtsprung von mir in ihren stinkenden Pool nichts…

Einen Tag später durfte ich allerdings dafür eine sehr beeindruckende Bachforelle mit dem Blitz im Dunkeln einfangen. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an Peter für seine perfekte Landung! Dieser Fisch hätte niemals in meinen Kescher gepasst. Da muss definitiv ein größeres Modell von Brodin her (vielleicht der Gallatin?). Ich war jedenfalls seit langer Zeit nochmal richtig „baff“ ob der Statur und der Kopfgröße einer Forelle…So ein Prachtexemplar bewohnt das Gewässer mit Sicherheit schon ein paar Jährchen und weiß sich unter verschiedensten Bedingungen souverän zu behaupten. Ich hoffe das bleibt auch so!

Was ist sonst noch passiert? Ich gehe ab und an am Abend in den nahen Niederlanden ein wenig Hechtfischen, aber das Wasser in den Seen ist recht trüb. Bisher hatte ich dennoch in den meisten Fällen Glück und bin seltenst als Schneider wieder über die Grenze nach Hause gefahren. Spätestens im November werden dann hier auch wieder regelmässig die ersten größeren Exemplare zu sehen sein. Dann geht es nämlich mit einem bunten Mix aus Flybei und Troutstalking für eine ganze Woche nach Holland. Drei Boote warten darauf geentert zu werden 😉 Vielleicht zusätzlich auch die neue Version des Bellyboots „Drifter“ von Guideline, welches am Wochenende hier eintreffen wird und natürlich intensiv getestet werden will. Als erstes wohl an der Maas, denn da geht es in der nächsten Woche hin. Ich hoffe auf ein paar an der Oberfläche raubende Rapfen! Alles in allem: Ich freu mich auf die nächste Zeit am Wasser! Ob am Fluss, am See, in der Eifel, in Belgien, in den Niederlanden oder sonstwo. Gerade ist noch eine Einladung nach Rügen aufs Handy geflattert. Es wird Zeit, meine Urlaubstage nochmal zu zählen!

Nachtrag:

Meine Regentänze der lezten Tage haben Wirkung gezeigt, auch wenn sich die Pegel nach den paar kleineren Schauern noch nicht sonderlich beeindruckt gezeigt haben. Aber immerhin funktioniert die Messstation in Monschau wieder! Ich lege noch ein paar Tänze ein und hoffe, dass die 20-Zentimeter-Marke bald wieder geknackt sein wird. Drunter macht es tagsüber derzeit wenig Sinn. Da lohnt ein Abstecher nach Belgien schon eher. Am Sonntag konnte ich alleine im erste Pool 8 Forellen/Äschen landen.





Intensivkurs: Hecht in Holland (8./9. Dezember 2012)

9 10 2012

Die kalte Jahreszeit rückt unaufhaltsam mit großen Schritten näher und die Forellen gehen in ihre wohlverdiente Schonzeit. Für viele Fliegenfischer bricht nun eine lange Periode des ungeduldigen Wartens an. Nicht so für uns! Flybei goes Pike!

Im Dezember bieten Marc und ich einen zweitägigen Intensivkurs zum Thema „Hecht“ an. Am 8. und 9. Dezember werden wir in der Nähe von Alkmaar (Provinz Nordholland) unterschiedliche Kanäle und Seen vom Boot aus befischen. Aufgrund der geringen Wassertiefe und des im Winter klaren, sichtigen Wassers, sind die Binnengewässer vor Ort ideal für die Streamerfischerei auf Hecht geeignet.

Das labyrinthartige Poldergebiet ist uns seit vielen Jahren bestens vertraut, so dass wir das großflächige Areal mit den uns zur Verfügung stehenden Booten (Elektro- und Benzinmotor) flexibel und zielsicher befischen können. Freut Euch auf unzählige Standplätze, eine aktive und spannende Fischerei und plötzliche Attacken von Esox lucius dicht vor Euren Füßen!

Nahe des Wassers können wir Euch unterschiedliche freundliche, familiär geführte Pensionen (mit Einzel- und Doppelzimmern; Frühstück inkl.) empfehlen. Nach der ersten Hechtpirsch bieten wir Euch bei Interesse gerne eine Einführung in das Binden von Hechtstreamern an.

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Wenn Ihr Lust habt auf:

  • Zwei Tage geführtes und angeleitetes Fischen,
  • zwei Miet-Boote (Elektro- und Benzinmotor),
  • Leihgeräte bei Bedarf (Fliegenruten der Klassen 7-9, Fliegenrollen, Schnüre),
  • Verbrauchsmaterialien bei Bedarf (Streamer, Vorfächer) und
  • einen Bindekurs „Hechtstreamer“ (inkl. Materialien),

dann meldet Euch einfach bei uns!

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Der Kurs ist lediglich für zwei Personen konzipiert, so dass jeder von Euch den ganzen Tag optimal und individuell betreut werden kann! Benötigt wird lediglich der niederländische Visspass – der auch von uns im Vorfeld für Euch besorgt werden kann.

Bei Fragen zu unserem Intensivkurs könnt Ihr Euch gerne über das Kontaktformular an uns wenden.

Berichte und weitere Impressionen zum Hechtfischen in Holland findet Ihr hier.





Fotorückblick II: Holländische Hechte

15 02 2012

Im Spätherbst war ich – wie bereits einige Male zuvor – mit meinen Freunden aus Eupen und Umgebung in Nordholland unterwegs, um in kleinen Kanälen den Hechten mit der Fliege auf den torpedoförmigen Leib zu rücken. Wie schon im Februar präsentierte sich uns das stille Wasser größtenteils klar, der holländische Himmel über unseren Booten hingegen von dichten Wolken behangen. Am ersten Tag durften Marc und ich einen regelrechten „Run“ auf unsere größtenteils weißen Fliegen aus Bucktail und Kaninchenstreifen erleben: Jeder verzeichnete zwischen 20 und 30 Attacken! Es gab kaum eine aussichtsreiche Stelle, an der wir nicht auf einen aggressiv eingestellten Entenschnabel trafen. „Leider“ konnten wir nicht alle Angreifer auch zu einem kurzen Landgang überreden, aber immerhin hatten wir am Ende des Tages 16 Hechte ablichten dürfen. Am zweiten Tag zeigte sich uns das Labyrinth aus großen und kleinen Kanälen und mit hohem Schilf bewachsenen Seen von einer ganz anderen Seite: Der Wind hatte über Nacht seinen Dienst quittiert und der am Tag zuvor bedrohlich nach Regen aussehende Himmel war strahlend blau und klar. Für einen entspannten Sonntagsspaziergang mit Sicherheit das angenehmere Wetter, für die Hechte jedoch nicht. Am Ende des Tages konnte sich jeder von uns nur über einen gelandeten Hecht freuen, auch wenn ich einige Chancen mehr gehabt hätte. Es war wie verhext… Nichts desto weniger war der Kurztrip wieder eine wahre Freude. Und das nicht nur wegen der üppigen Essensschlachten am Abend, sondern vorallem auch, weil Joseph den größten Hecht seiner langen, sehr langen Fliegenfischer-Karriere fangen durfte: 122 cm! Die Metermarke habe ich immer noch nicht geknackt, aber wer weiß, dieses Jahr geht es mit Sicherheit auch wieder das ein oder andere Mal nach Nordholland 😉

 

Impressionen: Herbst-Hechte in Alkmaar





Eiskalte Füße, wir haben eiskalte Füße!

1 02 2011

Nach dem üblichen Semesterende-Stress der letzten Zeit (ganz vorbei ist er leider noch nicht), stand das letzte Wochenende noch einmal ganz im Zeichen der Fliege:

  • Samstag zog es Daniel und mich in die nahen Niederlande, um einen See zwischen Roermond und Eindhoven mit dem Bellyboot zu befischen.
  • Sonntag besuchten wir mit Freunden aus dem Club „Mouche Passion“ die jährlich stattfindende Fliegenfischermesse in Charleroi.

Von beiden Ausflügen haben wir einiges mitgenommen – eine Vielzahl kleiner Tütchen hier, 20 kalte Zehen dort.

Fangen wir an dieser Stellte mit den Zehen an: Das Thermometer stand bei -4°, die Frontscheibe war vereist und die Klimaanlage versuchte mit aller Kraft den eigenen Atem unsichbar werden zu lassen. Nach ein paar milderen Tagen hatte der Winter erneut mit kalter Faust zugeschlagen. Wenigstens war aber der Himmel wolkenfrei und strahlend blau, so dass eine schwache, tief stehende Sonne zumindest die Gedanken wärmer werden ließ. Daher versicherte ich mich noch einmal beim Pächter des Sees. Sicher ist Sicher. Ja, u kunt komen. Het meer is ijsvrij. Grünes Licht! Ab auf die Piste!

Nach einem längeren Stau erreichten wir gegen Mittag den großen Parkplatz vor dem kleinen Häuschen. Dort wartete bereits Sven, ein Fliegenfischer aus dem Raum Krefeld, auf uns. Ich kenne ihn von der Rur und auch ihm war es am Bindetisch scheinbar zu langweilig geworden. Wir pumpten unsere Bellyboote auf – die richtige Betätigung gegen die eisigen Temperaturen – und machten unsere Ruten fit. Beim letzten Mal hatte ich mit einer älteren Sage SP (Klasse 7, 9.6 ft.) gefischt. Da mir das Wechseln der Schnüre, um unterschiedliche Tiefen absuchen zu können, aber zu mühseelig war, nahm ich diesmal außerdem meine Z-Axis (Klasse 5, 9 ft.) mit an Bord. Sinkschnur mit Bobby auf der einen, Schwimmschnur mit Wooly Bugger auf der anderen. Die schlanken Chiros blieben erstmal in der Fliegendose.

Wir ließen uns vom leichten Wind etwa 20m vom Ufer entfernt treiben und fischten gründlich alle Richtungen um uns herum ab. Nichts! Bei unserem letzten Besuch im Dezember war den ganzen Tag über noch relativ viel Oberflächenaktivität zu beobachten und sogar kleine schwarze Fliegen unterwegs gewesen. Diesmal lag der See wie versteinert vor uns. Nur unser gelegentliches Paddeln unterbrach die Stille des Wassers unter uns. Langsam kroch die Kälte in die Zehen…da halfen auch die Paddelpausen zum Heben der Flossen in die wärmeren Wasserschichten nicht mehr viel. Die erste Stunde verging ohne Fischkontakt. Ich hatte mittlerweile unterschiedliche Fliegen auf beiden Ruten ausprobiert. Stationär, langsam geführt, schnell geführt. Keine Reaktionen von Seiten der Flossenträger. Dann wechselte Daniel auf einen schwarzen String Leech und hatte umgehend Erfolg: ein harter Biss auf den lebhaften Streamer, einige kurze Fluchten in die dunkle Tiefe unters Boot, eine sichere Landung und schon war die erste Regenbogenforelle des Nachmittags bereit für ein kurzes Fotoshooting.

Bilder 1-3: Daniels Refo

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Zufall? Auch ich wechselte auf das verführerisch im Wasser tanzende Modell.

Entgegen des Uhrzeigersinns paddelten wir weiter. Und nur wenige Minuten später zuckte es dann auch in meiner Rute. Allerdings nur kurz. Ein vorsichtiger Biss, der sich mehr wie zaghafter, schüchterner Annäherungsversuch als eine agressive Attacke anfühlte. Schade! Aber immerhin ein Lebenszeichen und Grund genug, um mich noch einmal aus meiner gemütlich hängenden Sitzposition – die an einen nassen Kartoffelsack erinnern musste – nach vorne aufzurichten.

Bei den nächsten konzentrierten Würfen verringerte ich die Strip-Geschwindigkeit. Und wieder: tok! tok! Das Ende der Schwimmschnur blieb stehen. Ich zog an der sich leicht kringelnden Leine. Der Anhieb saß. Der Fisch zog mir einige Meter Schnur von der schnurrenden Rolle, mal linksherum, mal rechtsherum. Ich folgte ihm mit Rutenspitze und Boot und dirigierte ihn kontrolliert an die Oberfläche. Als ich das erste Mal einen Blick auf Größe und Erscheinung meines Gegenübers werfen konnte, war ich überrascht: Ein Braun marmorierter Rücken? Bauchflossen in rot-orange mit weißem Rand? Ein Saibling! Bis dahin wusste ich gar nicht, dass der See neben Regenbogenforellen auch andere Salmoniden beheimatete. Als der Fettflossenträger kurz vor meinen Füßen war, wurde mir allerdings ein wenig mulmig. Der wird kaum in meinen Kescher passen! Um den Kopf des Saiblings lenken zu können, hob ich die Rute am ausgestreckten Arm so weit es ging. So gerade passte er in meinen Brodin und machte es sich im feuchten Schonnetz gemütlich (Habt ihr vielleicht einen Tipp für ein größeres Modell mit gummiertem Netz?)

Bilder 4-6: Der Saibling

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Nach diesen schönen Begegnungen, die uns die Eiswürfel bzw. Zehen in unseren Watschuhen kurz vergessen ließen, machten wir einen Pitstiop in der warmen Stube des Pächters, stärkten uns mit halb gefrorenen „Salami-Dauerkauern“ und verabschiedeten uns von Sven. Er hatte zwar warme Füße – war er doch auf einer schwimmenden Plattform unterwegs gewesen -, aber leider keinen Fischkontakt gehabt.

Bild 7: Langsam zieht Nebel auf

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Gestärkt (aber nicht wirklich aufgewärmt) drehten wir im aufkommenden Nebel ein paar letzte Runden auf dem See. Als die Sonne wenig später jedoch hinter dem Bäumen im Horizont versank und sich an unseren Rutenringen immer schneller hartnäckige Eiszapfen bildeten, brachen wir unsere Zelte bzw. Iglus ab und machten uns auf die kurze Heimreise in Richtung Aachen.

Ein erholsamer Tag lag hinter uns. Ok. Zugegeben: Bei Minusgraden stundenlang paddelnd und dennoch an den Zehen frierend zwei Fische zu fangen ist nicht unbedingt jedermans Vorstellung eines „erfolreichen Angeltages“. Aber immerhin waren wir wieder einmal zusammen an der frischen Luft gewesen und haben Schlaufen in die Luft gezeichnet. Und sind es nicht letztlich auch diese Dinge, auf die es beim Fliegenfischen ankommt?

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Impressionen vom See:





Den Schonzeitkoller bekämpfen (2 von 2)

4 12 2010

In meinem ersten Teil von „Den Schonzeitkoller bekämpfen“ fischte ich mit Daniel aus dem Bellyboot auf Regenbogenforellen in den nahen Niederlanden. Im zweiten Teil geht es nun ebenfalls in unser käseerzeugendes Nachbarland, allerdings bis beinahe an die Nordsee: in die Nähe von Alkmaar in der Provinz Nordholland. Wie bereits im Spätsommer – und auch schon im letzten Jahr (Pike on The Fly Teil 1-4) – waren wir wieder zu Gast in dieser wasserreichen Gegend nur unmittelbar über dem Meeresspiegel. Zusammen mit Freunden aus dem Club „Mouche Passion“ behausten Marc und ich ein gemütliches 8-Betten-Häuschen im Bungalowpark Vlietlanden.

Für diejeniegen unter Euch die mit dem Gedanken spielen die Kanäle und Seen dort oben einmal unsicher machen zu wollen, habe ich die wichtigsten Informationen, Adressen etc. als Download zusammengestellt. Über Feedback oder Ergänzungsvorschläge freue ich mich natürlich!

Download – Pike on The Fly

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Während Hubert, Joseph, Jean und Wolfgang bereits vier Tage vor uns die Reise Richtung Alkmaar angetreten waren, mussten Marc und ich hufescharrend warten, bis alle todo-Listen auf der Arbeit sorgsam abgehakt waren. Pflichtbewusste Schreibtischtäter hier, glückliche und freie Rentner da. So ist das Leben…Leider konnte Ralf, der unsere Bootsbesatzung kompletieren sollte, kurzfristig nicht mitkommen. Vor unsere Abreise telefonierte ich noch einmal mit dem immer gut gelaunten Hechtspezi und er erlaubte mir, die für ihn reservierten Hechte fangen zu dürfen. An dieser Stelle muss ich kurz erklärend hinzufügen, dass in den letzten Jahren jener Fliegenfischer mit den meisten Hechten ein goldenes Schnappsgläschen, als Ersatz für einen Wanderpokal, sorgsam verwalten und natürlich als Trinkgefäß für wärmende und alkoholische Flüssigkeiten nutzen durfte. Dies war zuletzt mehrfach Ralf gewesen. Das gönnerhafte Angebot nahm ich daher natürlich umso dankbarer an 😉

Das freundschaftliche Rennen (ich bitte den ironischen Unterton mitzulesen ;)) um den goldenen Pokal zwischen mir und Marc, der zuletzt jeweils knapp den zweiten Platz auf dem Treppchen hinter Ralf belegt hatte, konnte losgehen! Auf der ersten Etappe saß der belgische Titelaspirant am Steuer. Im letzten Jahr hätte ihn diese verantwortungsvolle Tätigkeit ins Heck verschlagen, in diesem Jahr hatten wir aber einen zweiten Elektromotor am Bug befestigt: kein nötiges und umständliches Umgreifen während des Werfens mehr!

Wir fischten in einem großflächigen Wohngebiet in Langedijk und suchten systematisch nach den typischen Hechtstandplätzen; Schilfkanten, Stege, Bootshäuser, Buchten, Seerosenfelder. Ein starker Wind versuchte unsere Bucktailfliegen aus ihren geraden Bahnen durch die Luft zu werfen, konnte aber nicht verhindern, dass bei der Zielanfahrt sechs Hechte unser Boot kurz von Innen hatten bewundern dürfen. Vier für mich, zwei für Marc. Schnapsglas ich komme! Unseren Freunden – die den Tag in Vlietlanden verbracht hatten – war das Glück leider weit weniger holt gewesen. Dennoch war die Stimmung beim gemeinschaftlichen Abendessen (noch einmal Dank an Ralf für die schmackhafte Bolognese) heiter und nicht wolkig.

Bild 1: So kanns weitergehen

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Zur zweiten Etappe ging neben unserem Boot nur noch der schwimmende Luxusliner von Joseph an den Start, denn Wolfgang und Jean hatten ihre Zelte bereits abgebrochen. Nun war es an mir die Geschicke für die vor uns liegenden Stunden in die Hand zu nehmen und uns durch das Labyrinth aus Kanälen und Seen zu navigieren. Im letzten Jahr hatte meine Wenigkeit diese Aufgabe zweimal mehr schlecht als recht erledigt, zumindest hatte ich es nicht geschafft, mich gleichzeitig ums Boot zu kümmern und einen Hecht überlisten zu können. Diesmal – entweder beflügelt durch Ralfs Segen oder vielleicht doch nur aufgrund der neuen Anordnung der Motoren – verlief in meiner Rolle als Kapitän alles wie am Fliegenschnürchen: vier Hechte durfte ich ins Logbuch eintragen. Leider auch einen Schneider für Marc. Macht unterm Strich 6:2, Führung ausgebaut. Die stichelnden Bemerkungen in Richtung meines ersten Matrosen gingen noch flüssiger von meinen Lippen, weil Marc eine Vielzahl von Bissen verzeichnen und mehrere Drills verbuchen konnte, ohne jedoch einen einzigen Hecht zu einem Landgang überreden zu können 😉

Bild 2: Ein Teil des Irrgartens

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Glück ist eine launische Prostituierte! Erklärung? Bitte: Schon bei der nächsten Etappe durch Wind, nein Sturm entlang der Häuserreihen Vlietlandens wendete sich das Blatt: 1:0 für Marc. Dabei hätten es so viele Hechte auf beiden Seiten sein MÜSSEN. Es war wie verhext. Unzählige Angriffe auf unsere Streamer, heftige Kopfstöße am anderen Ende der Sinktip und doch am Ende eine schlaffe Leine und eine verdutzte und zerzauste Braut am Wirbel. Alleine der Rückweg zu unserem hauseigenen Steg war symptomatisch für die Stunden zuvor: Ich hatte in einer Sackgasse zwei Hechte verpasst, einmal an einer Schilfkante und einmal unter einem kleinen Steg. Wir gönnten den Entenschnäbel eine Verschnaufpause und kehrten später an den Ort der beiden Attentate auf meinen weißen Kaninchenstreamer zurück. Ich stand hinten im Boot. Marc saß am Motor. Wir bogen in die Wasserstraße ein und ich warf meine Fliege ans Schilf. Strippen. Strippen. Wie auf Kommando schoss der Hecht aus der Dunkelheit empor und stürzte sich auf den Eindringling. Schon wieder verpasst. Egal! Einer kommt ja noch. Am Ende der Sackgasse wendete Marc unseren Kahn und fuhr mich in die kleine Bucht. Da war die hölzerne Bootsanlegestelle. Ich platzierte mein Muster auf dem Steg, zupfte es vorsichtig an die Kante und ließ es mit einem „Plumps“ ins klare Wasser klatschen. Strippen. Strippen. Biss! Ein kurzes Zappeln am Ende der Intermediate und weg war der blitzschnell Stoßräuber. So in etwa erging es uns den ganzen Tag. Das i-Tüpfelchen auf diese beiden Demütigungen setzte dann beim Zurücksetzen aus der „cul-de-sac“ widerrum der erste Hecht: Er verabschiedete sich von uns (scheinbar grinsend) mit einem dritten Biss. Dieser Spaßvogel…

Der guten Laune an Bord konnten aber auch diese raffinierten Flossenträger keinen Strich durch die Rechnung machen. Außerdem waren wir heilfroh darüber, bei einem waghalsigen Manäver über den großen See nach Onderdijk nicht Schiffbruch erlitten zu haben (auch wenn die hohen Wellen krampfhaft versucht hatten unsere Nussschale in ihre feuchte Gewalt zu bringen).

Bild 3: Marcs zaghafte Aufholjagd

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Mit einer 6:3-Führung leuteten wir im Naturschutzgebiet von Langedijk die finale Etappe ein. Ich konnte die goldenen Umrisse des Kelches schon deutlich erkennen – beinahe berühren… Doch nichts da! Marc rüttelte mich aus meinen schönsten Träumen und zauberte mir zu allem Übel auch noch Schweißtröpfchen auf die Stirn: Entlang der Schilfkanten des großen und kleinen Sees sowie durch die unzähligen Kanäle näherte er sich Hecht um Hecht.  Er saß mir im Genick, ich konnte seinen Atem – Snickers, vorweihnachtlicher Lebkuchen und Eierlikör – in meinem Nacken. Den Verfolger im Rückspiegel beobachtend, konzentriert am Motor sitzend und gegen den starken Wind arbeitend berappelte ich mich jedoch und servierte meine Braut Wurf um Wurf ins dichte Röhricht. Und auch bei mir blieb die 8er Rute diesmal länger krumm als am Vortag. Wir erlebten die schönsten Stunden dieses Ausflugs und fingen gemeinsam 10 Hechte.

Achja, sie verteilten sich übrigens 6:4.

6:4 für wen? Marc durfte sich über 6 Entenschnäbel freuen, ich mich zum Abschluss des Tages allerdings über das größte Exemplar und damit gleichzeit über den Gewinn des goldenen Schnappsgläschens. Hauch-hauchdünn: mit einer Flossenlänge in Führung überquerte ich die Ziellinie. 10:9.

Entsprechend beflügelt und betört sank ich Abends in meinen Beifahrersitz…so ähnlich musste sich Sebastian Vettel gefühlt haben 😉

„Vettel“ ist übrigens nicht nicht nur Name des neuen F1 Weltmeisters, sondern auch die treffende Bezeichnung für eine alte Dame mit hässlichem Äußeren und einem verdorbenen Charakter. Das aber nur als Info.

Bilder 4 & 5: Hechte aus dem Schilf gezaubert

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Auch wenn dieser Ausflug nicht von spektakulären Pleiten, Pech und Pannen oder einem Hecht über 1m geprägt war wie jener im vergangenen Jahr, haben wir in letzter Zeit doch noch oft über die kurze Zeit in Nordholland gesprochen: Zwar hatte Marc in den letzten 8 Jahren in diesem Gebiet schon mehr Hechte fangen können (dies verriet ihm ein kleines geheimnisvoll wirkendes Notizbuch aus seinem Bindeschrank), aber noch nie konnten so viele Bisse gezählt werden. Entgegen der wehmütigen Klagen über den Rückgang der Fischbestände ist dies ein Fakt, der uns für unseren nächsten Besuch in den Niederlanden optimistisch stimmt.

Ob ich dann meinen Titel verteidigen kann? Abwarten. Erstmal muss ich mir den „Wanderpokal“ von Ralf besorgen. Mal schauen ob er ihn überhaupt rausrückt…

 

  • Download: Fliegenfischen in Nordholland

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Den Schonzeitkoller bekämpfen (2 von 2)









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