Stirnrunzeln

15 04 2014

von Alex

Mein April ist bisher ziemlich besch…eiden. Und dies hat rein gar nichts mit der Fischerei zu tun, denn die junge Saison ist bisher mit Abstand die beste der letzten Jahre (dazu später mehr). Nein, es sind die ’normalen‘ Dinge des Lebens, die meine Stirn derzeit wiederholt in Falten legen. Zum 1. Mai ziehen wir um, nur wenige Straßen weiter haben wir eine neue Bleibe gefunden. Warum sollte man auch aus Aachen verschwinden? Die Stadt liegt zwar nicht direkt am Fluss, aber dafür in der ‚Mitte‘ von allem, was das Fliegenfischerherz begehren kann. Nur wenige Straßen weiter bedeutet dennoch das volle Stress-Paket: Nachmieter suchen, unterschiedlichste Renovierungsarbeiten, unzählige Fahrten zu Baumärkten und Einrichtungshäusern, ausgedehnte Putz-Sessions (ich schwinge die Dampfente mittlerweile beinahe so routiniert wie meine Rute), logistische Herausforderungen, leidiger Papierkram und strapazierte Nerven…

In der kommenden Woche wird sich diese unangenehme Lage dann aber hoffentlich wieder etwas entspannt haben und ich komme nochmals länger an den Fluss. Über die Häufigkeit der Ausflüge seit Mitte März kann ich mich keineswegs beschweren, aber zuletzt waren es leider immer nur sehr kurze Stippvisiten in Eifel und Wallonie, die gerade so reichten, um 2-3 Stellen intensiv zu befischen. Dafür können sich die Ergebnisse allerdings sehen lassen! Der erste Monat ist bisher – in Abgleich mit meinen Notizen der letzten Jahre – der fischreichste, zumindest was den gezielten Fang von Großforellen angeht. Über Exemplare zwischen 40 cm und 60 cm durfte ich mich bisher in beinahe erschreckender Regelmässigkeit freuen. Insbesondere mit meinem belgischen Freund Kristof lief es fantastisch und er konnte bereits letzte Woche unser gemeinsames Ziel für 2014, die magische Marke von 70 cm, mit einer Punktlandung knacken, nachdem ich die Tage zuvor drei Kontakte an unterschiedlichen Stellen mit diesen Ausnahmefischen nicht verwerten konnte. Da gilt es gut aufzupassen, sich nicht an diese Erlebnisse und Fänge zu gewöhnen. Ich bin mir sicher, dass noch viele Wochen kommen werden, in denen ich unzählige Nymphen über den Grund rollen lassen werde und mich Haare raufend frage, wo sich denn die ganzen ‚Guden‘ (so würde mein fränkischer Freund Fabian jetzt wohl sagen) versteckt haben. Bis dahin heißt es aber noch: Fischen und Genießen!

Das Schönste an der ganzen Sache ist, dass ich bisher die meisten Bachforellen auf Sicht mit der Trockenfliege anfischen konnte. Und falls dies nicht der Fall war, dann waren einige Rotgetupfte glücklicherweise nach dem ‚hochwasserlosen‘ Winter noch an den ‚Hotspots‘ des Vorjahres anzutreffen – oder zumindest in der unmittelbaren Nähe. Dies gilt insbesondere für die Rur. Hier habe ich zwei Fische über 50 cm landen können, die ich aus 2013 kannte. Beide haben sich in der Zwischenzeit kaum verändert. Ganz anders eine Bachforelle, die ein Kursteilnehmer vor etwa 2 Wochen überlisten konnte: Sie maß exakt 60 cm und war so dunkle, wie ich es nie zuvor gesehen habe. Lediglich an der Unterseite war noch ein satter gelber Streifen. Zum Rücken hin ging die Pigmentierung in ein dunkles oliv und ein sattes schwarz über. Abgesehen von der Farbe kam sie mir aber direkt bekannt vor. Zuhause am Rechner stöberte ich also in meiner Fotosammlung und stolperte über eine Aufnahme von 2011. Der gleiche Fisch! Ganz eindeutig! Allerdings war er in der Zwischenzeit knapp 4 cm gewachsen und hatte sich eine Kurve weiter flussabwärts eingestellt. Schön zu sehen, dass er noch das Gewässer und nicht eine Kühltruhe sein zu Hause nennen darf.

Und damit komme ich zu einem Aspekt, über den ich schon lange nachgedacht habe und aus dem ich gewisse Konsequenzen für mich und FLY.BEI ziehen werde. Der traurige Hintergrund ist die in diesem Jahr sehr hohe Dichte an Schwarzanglern und ‚Petri-Jüngern‘, die alle Reglements der Gewässer und grundlegende Werte eines jeden gesunden Menschenverstandes bewusst mit Füßen treten. Beinahe jeder aus meinem Freundeskreis hat mir von Begegnungen mit Anglern berichtet, die an den von uns befischten Gewässern entweder gänzlich ohne Erlaubnisscheine unterwegs waren, oder aber trotz eindeutiger Vorgaben dennoch mit Spinn- oder sogar Lebenködern auf ‚Fly-Only-Strecken‘ zu Gange waren. In den Bäumen der Rur habe ich Spinner, Wobbler und Twister gefunden. Freunde entdeckten bei ihrem Ausflug gar ein Tandem aus Spinner und Streamer. An einem andere Fluss wurden Widerhaken nicht angedrückt, ‚No-Kill-Abschnitte‘ werden von Kochtopfanglern (der Ausdruck ist hier m.M.n. angebracht) heimgesucht. Auf höfliche Rückfragen wird meist patzig oder gar aggressiv reagiert, von Einsicht keine Spur! Das sogenannte i-Tüpfelchen für mich persönlich ist dabei allerdings, dass bei diesen Vergehen nun schon zwei Mal Angler aus Aachen (zum Glück gibt es bei uns, anders als in Belgien, Autokennzeichen die eindeutig auf den Wohnsitz schließen lassen) involviert waren. Als deutscher Staatsbürger, der sich aber sehr viel im euregionalen Grenzgebiet bewegt, muss ich mich hier nicht nur für diese ‚Landsleute‘ – wir genießen ohnehin nicht den besten Ruf in Belgien und Holland – schämen, sondern mir vielleicht auch als Blogger, der insbesondere über dieses Einzugsgebiet schreibt, einige Vorwürfe machen. Oder mir im Hinblick auf meine Arbeit hier zumindest kritische Fragen stellen:

  • Wie viele Informationen gebe ich auf dieser Seite an ein größtenteils annonymes Publikum weiter?
  • Wie genau schildere ich meine Erlebnisse?
  • Welche Fotos verwende ich, welche Fotos sollte ich besser nicht posten?
  • Welche Empfehlungen spreche ich aus, welche Ratschläge erteile ich?

Was hinter diesen und vielen weiteren Fragen steckt ist nicht die ‚Angst‘, dass andere Angler (ich grenze dies bewusst nicht auf Fliegenfischer ein) ‚meine‘ oder ‚unsere‘ Flüsse und Gewässer befischen. Im Gegenteil! Nur durch dieses Projekt hier bin ich mit vielen gleichgesinnten Fliegenfischern in Austausch getreten, es sind einige Bekanntschaften entstanden und feste Freundschaften gewachsen. Zudem habe ich mich auf unterschiedlichen Ebenen – natürlich auch fischereitechnisch – weiterentwickeln können. Es geht also vielmehr darum, dass die durch mich zur Verfügung gestellten Informationen für Dinge missbraucht werden können, mit denen ich mich nicht identifizieren kann und will. Und wenn dies darüber hinaus noch durch Personen aus meiner Heimatstadt geschieht, dann muss ich mir als bloggender Fliegenfischer hier einer gewissen Verantwortung bewusst werden. Ich werde daher künftig bei der Auswahl meiner Fotos und bei der Formulierung meiner Texte für FLY.BEI ein wenig mehr auf ‚Details‘ achten und eine Balance finden müssen.

Warum schreibe ich all das überhaupt? Ich könnte ja auch einfach unkommentiert auf diese Vorfälle reagieren und unbemerkt Konsequenzen für mich persönlich ziehen. Nunja, erstens, weil ich ziemlich sauer bin und meinem Ärger irgendwie Luft machen möchte. Zweitens, und dies ist der wichtigere Grund, um das Thema ‚Schwarzangler‘ generell hier noch einmal anzuschneiden. Zum Glück haben auch andere dies in der jüngeren Vergangenheit getan. Denn seit diesem Jahr gibt es endlich Gewässeraufseher an der Rur in Monschau. Es wurden zudem längst überfällige Schilder montiert, die darauf hinweisen, dass die „Fischerei ohne gültigen Fischereischein“ (diese Formulierung hätte noch eindeutiger gewählt werden können!) nicht gestattet ist. Auch in Ostbelgien werden an mehreren Flüssen nun regelmässig Kontrollen durchgeführt. Ich habe mittlerweile immer eine entsprechende Berechtigung bei mir. Die Frage, die ich jetzt hier aber zur Diskussion stellen möchte ist, wie man in konkreten Situationen reagieren kann/darf? Im Grunde haben wir kaum Möglichkeiten, das bewusste (!) Fehlverahlten anderer zu sanktionieren. Ein belgischer Freund im besten Rentenalter sprach bei einer Feierlichkeit in unserem Verein nach ein paar Gläsern Wein neulich davon, dass ein paar ‚Backpfeifen‘ immer noch die beste Lektion für solche Leute seien. Und auch wenn ich ihm lachend zugestimmt habe weiß ich doch, dass dies nicht der Weg ist. Daher Frage an Euch: Wie läuft es an Euren Gewässern? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? 

Ich würde mich wirklich freuen, hier ein paar Antworten zu lesen! Vielleicht könnt Ihr mir nicht bei meinem Umzug, aber zumindest bei diesem Stirnrunzeln helfen.








%d Bloggern gefällt das: