Stirnrunzeln

15 04 2014

von Alex

Mein April ist bisher ziemlich besch…eiden. Und dies hat rein gar nichts mit der Fischerei zu tun, denn die junge Saison ist bisher mit Abstand die beste der letzten Jahre (dazu später mehr). Nein, es sind die ’normalen‘ Dinge des Lebens, die meine Stirn derzeit wiederholt in Falten legen. Zum 1. Mai ziehen wir um, nur wenige Straßen weiter haben wir eine neue Bleibe gefunden. Warum sollte man auch aus Aachen verschwinden? Die Stadt liegt zwar nicht direkt am Fluss, aber dafür in der ‚Mitte‘ von allem, was das Fliegenfischerherz begehren kann. Nur wenige Straßen weiter bedeutet dennoch das volle Stress-Paket: Nachmieter suchen, unterschiedlichste Renovierungsarbeiten, unzählige Fahrten zu Baumärkten und Einrichtungshäusern, ausgedehnte Putz-Sessions (ich schwinge die Dampfente mittlerweile beinahe so routiniert wie meine Rute), logistische Herausforderungen, leidiger Papierkram und strapazierte Nerven…

In der kommenden Woche wird sich diese unangenehme Lage dann aber hoffentlich wieder etwas entspannt haben und ich komme nochmals länger an den Fluss. Über die Häufigkeit der Ausflüge seit Mitte März kann ich mich keineswegs beschweren, aber zuletzt waren es leider immer nur sehr kurze Stippvisiten in Eifel und Wallonie, die gerade so reichten, um 2-3 Stellen intensiv zu befischen. Dafür können sich die Ergebnisse allerdings sehen lassen! Der erste Monat ist bisher – in Abgleich mit meinen Notizen der letzten Jahre – der fischreichste, zumindest was den gezielten Fang von Großforellen angeht. Über Exemplare zwischen 40 cm und 60 cm durfte ich mich bisher in beinahe erschreckender Regelmässigkeit freuen. Insbesondere mit meinem belgischen Freund Kristof lief es fantastisch und er konnte bereits letzte Woche unser gemeinsames Ziel für 2014, die magische Marke von 70 cm, mit einer Punktlandung knacken, nachdem ich die Tage zuvor drei Kontakte an unterschiedlichen Stellen mit diesen Ausnahmefischen nicht verwerten konnte. Da gilt es gut aufzupassen, sich nicht an diese Erlebnisse und Fänge zu gewöhnen. Ich bin mir sicher, dass noch viele Wochen kommen werden, in denen ich unzählige Nymphen über den Grund rollen lassen werde und mich Haare raufend frage, wo sich denn die ganzen ‚Guden‘ (so würde mein fränkischer Freund Fabian jetzt wohl sagen) versteckt haben. Bis dahin heißt es aber noch: Fischen und Genießen!

Das Schönste an der ganzen Sache ist, dass ich bisher die meisten Bachforellen auf Sicht mit der Trockenfliege anfischen konnte. Und falls dies nicht der Fall war, dann waren einige Rotgetupfte glücklicherweise nach dem ‚hochwasserlosen‘ Winter noch an den ‚Hotspots‘ des Vorjahres anzutreffen – oder zumindest in der unmittelbaren Nähe. Dies gilt insbesondere für die Rur. Hier habe ich zwei Fische über 50 cm landen können, die ich aus 2013 kannte. Beide haben sich in der Zwischenzeit kaum verändert. Ganz anders eine Bachforelle, die ein Kursteilnehmer vor etwa 2 Wochen überlisten konnte: Sie maß exakt 60 cm und war so dunkle, wie ich es nie zuvor gesehen habe. Lediglich an der Unterseite war noch ein satter gelber Streifen. Zum Rücken hin ging die Pigmentierung in ein dunkles oliv und ein sattes schwarz über. Abgesehen von der Farbe kam sie mir aber direkt bekannt vor. Zuhause am Rechner stöberte ich also in meiner Fotosammlung und stolperte über eine Aufnahme von 2011. Der gleiche Fisch! Ganz eindeutig! Allerdings war er in der Zwischenzeit knapp 4 cm gewachsen und hatte sich eine Kurve weiter flussabwärts eingestellt. Schön zu sehen, dass er noch das Gewässer und nicht eine Kühltruhe sein zu Hause nennen darf.

Und damit komme ich zu einem Aspekt, über den ich schon lange nachgedacht habe und aus dem ich gewisse Konsequenzen für mich und FLY.BEI ziehen werde. Der traurige Hintergrund ist die in diesem Jahr sehr hohe Dichte an Schwarzanglern und ‚Petri-Jüngern‘, die alle Reglements der Gewässer und grundlegende Werte eines jeden gesunden Menschenverstandes bewusst mit Füßen treten. Beinahe jeder aus meinem Freundeskreis hat mir von Begegnungen mit Anglern berichtet, die an den von uns befischten Gewässern entweder gänzlich ohne Erlaubnisscheine unterwegs waren, oder aber trotz eindeutiger Vorgaben dennoch mit Spinn- oder sogar Lebenködern auf ‚Fly-Only-Strecken‘ zu Gange waren. In den Bäumen der Rur habe ich Spinner, Wobbler und Twister gefunden. Freunde entdeckten bei ihrem Ausflug gar ein Tandem aus Spinner und Streamer. An einem andere Fluss wurden Widerhaken nicht angedrückt, ‚No-Kill-Abschnitte‘ werden von Kochtopfanglern (der Ausdruck ist hier m.M.n. angebracht) heimgesucht. Auf höfliche Rückfragen wird meist patzig oder gar aggressiv reagiert, von Einsicht keine Spur! Das sogenannte i-Tüpfelchen für mich persönlich ist dabei allerdings, dass bei diesen Vergehen nun schon zwei Mal Angler aus Aachen (zum Glück gibt es bei uns, anders als in Belgien, Autokennzeichen die eindeutig auf den Wohnsitz schließen lassen) involviert waren. Als deutscher Staatsbürger, der sich aber sehr viel im euregionalen Grenzgebiet bewegt, muss ich mich hier nicht nur für diese ‚Landsleute‘ – wir genießen ohnehin nicht den besten Ruf in Belgien und Holland – schämen, sondern mir vielleicht auch als Blogger, der insbesondere über dieses Einzugsgebiet schreibt, einige Vorwürfe machen. Oder mir im Hinblick auf meine Arbeit hier zumindest kritische Fragen stellen:

  • Wie viele Informationen gebe ich auf dieser Seite an ein größtenteils annonymes Publikum weiter?
  • Wie genau schildere ich meine Erlebnisse?
  • Welche Fotos verwende ich, welche Fotos sollte ich besser nicht posten?
  • Welche Empfehlungen spreche ich aus, welche Ratschläge erteile ich?

Was hinter diesen und vielen weiteren Fragen steckt ist nicht die ‚Angst‘, dass andere Angler (ich grenze dies bewusst nicht auf Fliegenfischer ein) ‚meine‘ oder ‚unsere‘ Flüsse und Gewässer befischen. Im Gegenteil! Nur durch dieses Projekt hier bin ich mit vielen gleichgesinnten Fliegenfischern in Austausch getreten, es sind einige Bekanntschaften entstanden und feste Freundschaften gewachsen. Zudem habe ich mich auf unterschiedlichen Ebenen – natürlich auch fischereitechnisch – weiterentwickeln können. Es geht also vielmehr darum, dass die durch mich zur Verfügung gestellten Informationen für Dinge missbraucht werden können, mit denen ich mich nicht identifizieren kann und will. Und wenn dies darüber hinaus noch durch Personen aus meiner Heimatstadt geschieht, dann muss ich mir als bloggender Fliegenfischer hier einer gewissen Verantwortung bewusst werden. Ich werde daher künftig bei der Auswahl meiner Fotos und bei der Formulierung meiner Texte für FLY.BEI ein wenig mehr auf ‚Details‘ achten und eine Balance finden müssen.

Warum schreibe ich all das überhaupt? Ich könnte ja auch einfach unkommentiert auf diese Vorfälle reagieren und unbemerkt Konsequenzen für mich persönlich ziehen. Nunja, erstens, weil ich ziemlich sauer bin und meinem Ärger irgendwie Luft machen möchte. Zweitens, und dies ist der wichtigere Grund, um das Thema ‚Schwarzangler‘ generell hier noch einmal anzuschneiden. Zum Glück haben auch andere dies in der jüngeren Vergangenheit getan. Denn seit diesem Jahr gibt es endlich Gewässeraufseher an der Rur in Monschau. Es wurden zudem längst überfällige Schilder montiert, die darauf hinweisen, dass die „Fischerei ohne gültigen Fischereischein“ (diese Formulierung hätte noch eindeutiger gewählt werden können!) nicht gestattet ist. Auch in Ostbelgien werden an mehreren Flüssen nun regelmässig Kontrollen durchgeführt. Ich habe mittlerweile immer eine entsprechende Berechtigung bei mir. Die Frage, die ich jetzt hier aber zur Diskussion stellen möchte ist, wie man in konkreten Situationen reagieren kann/darf? Im Grunde haben wir kaum Möglichkeiten, das bewusste (!) Fehlverahlten anderer zu sanktionieren. Ein belgischer Freund im besten Rentenalter sprach bei einer Feierlichkeit in unserem Verein nach ein paar Gläsern Wein neulich davon, dass ein paar ‚Backpfeifen‘ immer noch die beste Lektion für solche Leute seien. Und auch wenn ich ihm lachend zugestimmt habe weiß ich doch, dass dies nicht der Weg ist. Daher Frage an Euch: Wie läuft es an Euren Gewässern? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? 

Ich würde mich wirklich freuen, hier ein paar Antworten zu lesen! Vielleicht könnt Ihr mir nicht bei meinem Umzug, aber zumindest bei diesem Stirnrunzeln helfen.

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Warnung: Kanurennen an der Rur

1 03 2013

von Alex

Ich bin empört! In freudiger Erwartung des 16.03.2013 – dem offiziellen Start in die Forellensaison in NRW – musste ich nun mit Schrecken feststellen, dass ausgerechnet an jenem Wochenende das jährliche Kanurennen in Monschau ausgetragen wird. Das bedeutet, dass man an der gesamten Oberen-Rur (unterhalb der Perlbachtalsperre) mit etwa 50-60 cm mehr Wasser rechnen muss. Die Schleusen der Perlbachtalsperre werden am Samstag und Sonntag extra für die Kanuten geöffnet, so dass vom Perlbach bis ins Rosenthal ein Mindestwasserstand für ein Wildwasserrennen gewährleistet werden kann. Dieser deutlich erhöhte Wasserstand macht sich dann natürlich bis zum Eintritt des Flusses in den Rursee bei Einruhr etliche Kilometer stromabwärts bemerkbar. Das wars dann wohl mit einem entspannten Saisonstart bei einem Pegel um die 30 cm…





Beitrag im WDR: Entlang der Rur in sechs Tagen

27 02 2013

von Alex

Am letzten Wochenende (Sonntag, 24.02.13, 20:15 Uhr) wurde im WDR im Rahmen der Sendung Wunderschön! ein 90-minütiger Beitrag über die Rur ausgestrahlt. Unter dem Titel „Entlang der Rur in sechs Tagen“ konnten die Zuschauer vor dem Fernseher die beiden Protagonisten auf dem Radweg entlang des Flusses, von seiner Quelle im belgischen Teil des Hohen Venns bis zur Mündung in die Maas im niederländischen Roermond, begleiten.

Obwohl ich kein Freund dieser Form der Fortbewegung bin – mein letzter freiwilliger Ausflug auf einem Drahtesel liegt mittlerweile über 4 Jahre zurück – hatte die Sendung auch für mich einiges zu bieten: Zum einen Wissenswertes über die kleinen und größeren Städte entlang der Rur und ihre traditionellen Eigen- und Besonderheiten und zum anderen Interessantes über den Fluss als Lebens- und Erholungsraum. So waren für uns Fliegenfischer insbesondere zwei Themen besonders reizvoll. Zunächst eine kurze Einführung in das Insektenaufkommen des Flusses kurz unterhalb des Rursees und informative Erläuterungen hinsichtlich der Bedeutung unterschiedlicher Insektenarten als Indikatoren für die Wasserqualität (Minute 23). Anschließend wurde weiter stromabwärts in Richtung Düren das Fliegenfischen als eine besonders naturnahe und entspannende Form der Fischerei von Buchautor Werner Berens vorgestellt. Dabei waren nicht nur die bereits recht ansprechenden Rollwürfe der wissbegierigen Moderatorin, sondern auch der an einem Baum befestigte Bindestock als temporärer und spontaner Ersatz zum heimischen Bindetisch hübsch anzusehen (Minute 49). Auf diese Idee bin ich noch gar nicht gekommen! Werde ich mal ausprobieren.

Wer den Beitrag im WDR über unsere Rur vom Venn bis zur Maas verpasst hat, der hat glücklicherweise noch die Möglichkeit, die ganze Sendung in der Mediathek online anzuschauen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Wunderschön! – Entlang der Rur in sechs Tagen. Unterwegs mit Tamina Kallert.

 

Nachtrag:

Und wo wir gerade beim Thema „Fernsehen“ sind. Im Sommer werde ich dann vielleicht im WDR in einem Beitrag über das Fliegenfischen zu sehen sein. Genaueres hierzu erfahrt Ihr in Kürze.





Webcam statt Pegelstand?

6 01 2013

von Alex

Wer gerne an der Rur fischt kennt auch die besten Anlaufstellen im Netz, um den aktuellen Pegelstand des abwechslungsreichen Eifelflusses zu überprüfen (für die Stadt Monschau zum Beispiel hier). Ein Blick auf diese digitalen Wasserstandsmeldungen alleine genügt aber manchmal nicht, um die Fischbarkeit des Gewässers genauer einzuschätzen zu können. Nicht, dass ich mich von angetrübtem Wasser abschrecken ließe – nein, ich habe schon viele erfolgreiche Tage bei widrigen Bedingungen erlebt – aber schaden können nähere Informationen über die genauen Verhältnisse vor Ort sicher nicht. Und da ich leider keine Großtante dort unten im Tal wohnen habe, die mir mit einem schnellen Blick aus dem Fenster ein „GO“ geben könnte, war ich umso mehr erfreut, als ich von Björn über die Webcam des Café Oebel im Stadtzentrum erfahren habe. Die Webcam ist auf den Markt sowie die Rur gerichtet, schießt alle 5 Minuten ein aktuelles Bild und lädt dieses ins Internet – also eine Art „Beinahe-Live-Stream“ über das Treiben vor dem Café und auf dem Wasser. Soweit so gut. Klickt man nun aber auf das aktuelle Bild und kopiert die erscheinende Adressezeile (z.B.: http://www.monschau.de/detailbild.php?image=/webcam_image.php?image=webcam_monschau_6_1520_big.jpg) in ein neues Fenster des Webbrowsers, ergeben sich tolle Möglichkeiten!

Die letzten fünf Ziffern stehen nämlich für den Tag (0 = Sonntag; 1 = Montag; 6 = Samstag usw.) sowie die Uhrzeit (1520 = 15:20 Uhr). Man kann durch eine Veränderung dieser Zahlenkombination also den Wasserstand der vergangenen Woche im Fünf-Minuten-Takt nachvollziehen!

Ein Beispiel:

Die Endung „3_1015_big.jpg“ würde ein Bild vom Mittwoch um 10:15 Uhr liefern.

Ein guter Anhaltspunkt für den Pegelstand ist ganz nun ganz unten links in der Ecke „versteckt“. Bei Niedrigwasser erscheint dort ganz klar ein Betonklotz mit einem Gulli-Deckel im Wasser. Ab etwa 40cm verschwindet er unter die Wasseroberfläche, ab etwa 50cm, bei trübem Mittelwasser oder aber bei Hochwasser ist er nicht mehr zu sehen. Ein weit besserer Indikator für die Fischbarkeit als ein alleiniger Blick auf den Pegelstand! Meiner Erfahrung nach ist ein Fischen bis maximal 50cm machbar (aber herausfordernd), bei mehr Wasser wird es aber sehr, sehr anstrengend und an einigen Abschnitten aufgrund der Bodenstruktur und der Strömungsverhältnisse gefährlich.

Wenn ihr also das nächste Mal fischen geht, schaut doch einfach mal auf den Betonklotz und den Gulli-Deckel! Das Café Oebel (früher Hirsch) freut sich über Eure Klicks 😉





Die letzten Wochen an der Rur

12 10 2012

In den letzten Wochen ist der bunte Herbst – meine liebste Jahreszeit – langsam aber stetig ins obere Rurtal eingezogen. Während die ersten Ausflüge an die Eifel-Rur noch von Sonnenschein und Niedrigwasser geprägt waren, stieg der Pegel nach teils heftigen Regenschauern von 20 auf über 80 Zentimeter an. Glücklicherweise konnte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch viele Stunden am Wasser verbringen. Selten war ich dabei alleine unterwegs: Mit Fabian habe ich vor seinem Um- bzw. Rückzug in die fränkische Heimat noch einmal unser Lieblingsstück der Rur befischt und zahlreiche Äschen von einer leichten 16er Nymphe mit pinkfarbenem Köpfchen überzeugen können. Auch mit Tankred war ich bei den letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Jahres am Ufer des abwechslungsreichen Eifelflusses unterwegs und habe hauptsächlich den tief stehenden Fahnenträgerinnen nachgestellt. Ich bin gespannt, was der fliegenfischende Blogger bzw. bloggende Fliegenfischer aus Köln in Kürze über unsere gemeinsamen Ausflüge auf seiner informativen Seite „Forelle und Äsche“ berichten wird. Nicht mehr ganz so erfreulich – und damit beziehe ich mich selbstverständlich ausschließlich auf die Wetterbedingungen – erging es anschließend Bernd. Bei fallenden Temperaturen und ersten längeren Schauern konnte der wissbegierige und motivierte Einsteiger nach einem Wurfkurs nun endlich seine ersten Bachforellen und Äschen, sowohl auf Trockenfliegen als auch auf Nymphen, landen. Mittlerweile hat er seine ersten eigenen Muster gebunden und ich habe gehört, dass ein weiterer Bindestock auf dem Weg in Richtung Dreiländereck ist 😉

Auch der Kurs mit Dirk und Sören war von heftigen Regenfällen begleitet. Und obwohl der Wasserstand auf den ersten Blick mit knapp über 30cm ideal schien, waren die Rotgetupften aufgrund der über den Tag rasch zunehmenden Trübung nicht in bester Beißlaune. Selten sind solche Tage an der Rur, aber es gibt sie. Denn meiner Erfahrung nach ist ein leicht getrübtes Wasser auf diesem Flussabschnitt kein Grund aus der Wathose zu schlüpfen. Eher im Gegenteil! Dennoch: hier und da durften wir sowohl Bachforellen als auch – für den von uns befischten Parcours – sehr selten aufzuspürende Äschen kurz in unseren feuchten Händen halten. Nur der sonst typische „Rur-Effekt“ war eben nicht zu spüren: an beinahe jeder aussichtsreichen Stelle lauert ein Fisch, der sich, eine saubere Präsentation vorausgesetzt, aufgrund der schnellen Strömung eher für als gegen das über ihm vorbei treibende Insektenimitat entscheidet. Ich hoffe (und bin mir ziemlich sicher), dass sich die beiden noch vor der anstehenden Schonzeit hiervon überzeugen können. Dann aber mit selbstgebundenen Nymphen, denn auch die beiden Aachener haben in der Zwischenzeit ihre ersten (Dirk) bzw. weitere (Sören) Erfahrungen im Fliegenbinden gesammelt und gesehen, dass man mit wenigen Mitteln bereits eine Vielzahl ansprechender Muster kreieren kann.

Das nächste Guiding an der Rur schien hingegen ziemlich herausfordernd zu werden: Das hatte nichts mit Björn zu tun, der bereits beim gemeinsamen Binden von Nymphen ein aufmerksames Interesse bewiesen hatte. Nein, ein Wasserstand von knapp über 50 cm erwartete mich und den Ex-Eupener, der seine ersten Schritte in der Rur bereits Anfang des Jahres gemacht hatte. Fünfzig Zentimeter hören sich zunächst nicht besonders beeindruckend an, wer aber einmal unter diesen Konditionen den wilden Eifelfluss befischt hat weiß, dass dies eine sehr aufmerksame und aktive Fischerei verlangt, die nichts mehr mit der entspannten und feinen Präsentation einer Trockenfliege zu tun hat. Und wer mich kennt weiß außerdem, dass ich solche Bedingungen liebe 😉 Nachdem das Thermometer endlich über den Nullpunkt geklettert war und sich die Sonne ihren Weg über die steilen Berge ins Tal gebahnt hatte, fingen wir an vielen Stellen gleich mehrere Bachforellen – zu unserer Überraschung teilweise sogar auf die Trockene, eine gut schwimmende Elk-Hair-Caddis. Ein spektakulärer Höhepunkt unter den vielen anderen schönen Momenten am Wasser war aber wohl der Drill einer ü50er: Wir befischten eine schmale, tiefe Rinne mit einer starken Oberflächenströmung. An beiden Strömungskanten bilden sich hier zum steinigen Ufer hin gleichmäßige Kehrströmungen. Gute Standplätze für eine Bachforelle, oder? Ja, auf das linke Ufer trifft diese Einschätzung auch stets zu und so überraschte es mich nicht, dass Björn gleich zwei Bachforellen hier zum Biss verleiten konnten. Am rechten Ufer hingegen hatte ich nie einen Fisch fangen dürfen – das erzählte ich meinem Begleiter auch. Björn bestand trotzdem darauf, dass ich meine Tungstennymphe am langen Arm über die Strömung in die kleine Tasche servierte. Kaum hatte der Bachflohkrebs die dunkle Oberfläche berührt, wurde das kreisende Wasser von einem Schwall durchbrochen. Bereits da war klar, dass es sich um eine große Bachforelle handeln musste. Dass es ein Exemplar jenseits der 50 cm war, war spätestens dann klar, als ich dem Fisch flussabwärts in den Pool am Ende der Rinne folgen musste. Hier war nach zwei Luftsprüngen und dem mehrfachen Versuch einer aggressiven Flucht unter die tief hängenden Äste zweier Bäume aber noch lange nicht Schluss. Denn obwohl ich Vertrauen in mein Gerät hatte und versuchte den Drill schnell zu beenden, musste ich meinem Bachflohkrebs noch etwa 100m weiter flussabwärts durch die Fluten folgen bis mein Kescher endlich (erfolgreich) zum Einsatz kam. Das auf dem Weg bis zur Landung in der Wathose gesammelte Wasser nahm ich dafür gerne in Kauf 😉

Zeit zum Trocknen will ich meiner strapazierten Wathose aber nicht geben, immerhin steht die Schonzeit vor der Tür. Darum geht es am Wochenende auch wieder in Richtung Eifel, die letzten Tage der Saison wollen genossen werden. Ich hoffe, dass Wetter und Pegel für mich und Nino mitspielen. Und wenn nicht? Was solls! Hauptsache raus, raus ans Wasser. Falls es Euch auch zum Rauschen zieht wünsche ich Euch einen gute Zeit. Genießt den Herbst!





Fotorückblick: Rur im Juni

11 07 2012

Im Juni habe ich wieder einige Tage an der Rur verbracht. Zusammen mit Marc, Fabian, Lennet und Andi habe ich unterschiedliche, teils für uns neue Abschnitte des Eifelflusses befischt. Die ganz großen Bachforellen sind in den letzten Tagen zwar ausgeblieben bzw. haben es nicht in mein Schonnetz geschafft – alleine mit Marc habe ich zwei stattliche Exemplare an einem Nachmittag verloren – aber beklagen möchte ich mich dennoch nicht 😉 Freuen durften wir uns auch über einige Äschen, die wir mit der Nymphe (einem pinken Tungstenkopf scheinen sie einfach nicht widerstehen zu können) überlisten konnten. Es ist schön zu sehen, dass die Fahnenträgerinnen mittlerweile wieder stärker in der Rur vertreten sind!

Auch in Belgien lief es für mich und die anderen nicht schlecht – ganz vorne liegt bei uns wohl derzeit Marian mit einer 56 cm Bachforelle. Fotos von den letzten Ausflügen ans meist trübe Wasser (teilweise für wenige Stunden nach Feierabend) versuche ich nachzuliefern. Ich hatte, aus bekannten Gründen, leider die letzten Male keine Kamera dabei…

Bis dahin: hier ein paar Schnappschüsse von der Rur.





Es tut sich was am Wasser

9 04 2012

In der letzten Woche habe ich versucht, möglichst nahtlos an meinen Saisonstart-Marathon anzuknüpfen und konnte glücklicherweise wieder einige Zeit am Wasser verbringen. Dabei war ich – wie eigentlich bei den meisten Ausflügen bisher – nicht alleine unterwegs: Mit Marc habe ich einen kleinen Bach in der Eifel befischt, mit Lennet und Nino war ich nun zum wiederholten Male in der Wallonie (auch dort kommen die Fische so langsam endlich in Laune) und am heutigen Feiertag habe ich an der Seite von Ulf für ein paar regnerische Stunden keine Ostereier, sondern Großforellen in der Rur gesucht. Und das durchaus mit Erfolg! Ich durfte mich nach den schönen Flossenträgern der ersten 14 Tagen auch in Woche drei der Forellensaison 2012 wieder über zwei sehr stattliche Bewohner meines Lieblingsflusses freuen.

Eine weitere Rotgetupfte dieser Größenordnung, die ich aufgrund des leider immer noch sehr niedrigen Wasserstandes mit der Nymphe auf Sicht anwerfen konnte, kannte ihr Revier allerdings weit besser als ich und verabschiedete sich nach einer wilden Jagd stromab ins rettende Totholz unter Wasser. Ich hatte sie schon beim Saisonauftakt mit Marc an gleicher Stelle beobachtet und gehe davon aus, dass ich bestimmt noch eine Chance bekomme. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei 😉

So wie ich, musste auch Ulf heute nach einem kurzen Drill das schmerzliche Erlebnis eines schlaffen Vorfachs verdauen. Auch er beobachtete zuvor, wie sich die nymphende Bachforelle langsam vom Grund löste und das Hasenohr am Ende des Tipptes in ihrem weißen Maul verschwinden ließ. Anders als ihre kleineren Artgenossen, die durch Zirkusreife Sprungeinlagen begeisterten, orientierte sich auch diese Rotgetupfte gleichmässig in Richtung Flussgrund, bevor sie sich – vermutlich mit einem zwinkernden Auge – verabschiedete.

Zeit zum Trocknen der Watschuhe wird es aber keine geben, denn die nächsten Ausflüge sind bereits in Planung. Ein Höhepunkt wird, neben meinem ersten Besuch bei Daniel im nahen Ruhrgebiet, mit Sicherheit der mehrtägige Trip an die Ostsee sein. Genaueres dazu aber in Kürze hier 😉

Impressionen








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