Ein kurzes Vergnügen

2 07 2014

von Alex

Oft habe ich die letzten Wochen die Pegel der Eifelgewässer beobachtet, in regelmässigen Abständen mit Spannung die entsprechenden Webseiten (z.B. hier) angesteuert. Meist wurde ich enttäuscht! Auch wenn hier und da mal ein paar Tropfen fielen, saugten die knochigen Böden schnell jedes Wasser auf. Fluss und Fisch gingen meist leer aus.

Am vergangenen Wochenende gab es dann endlich nochmal eine Dauerdusche mit Auswirkungen auf unsere hiesigen Gewässer. Am Freitagabend fing es wie angekündigt, aber für uns doch überraschend, an. Kristof und ich waren in der Wallonie unterwegs und zur abendlichen Primetime zogen sich die Wolken über unseren Köpfen merklich zu. Ein frischer Wind kam auf, der die freie Drift unsere Nymphen zunehmend beeinträchtigte. Innerhalb kürzester Zeit war das meiste Licht um uns herum verschluckt und die tiefstehende Sonne gänzlich verschwunden. Mit Gänsehaut auf den freien Armen und lauter werdendem Gewittergrollen im Nacken, hatte ich das Glück, innerhalb kurzer Zeit noch zwei schöne 40er im tiefen Auslauf eines langgezogenen Pools zu fangen, bevor wir in aller Eile zu unseren Autos rannten. Dort angekommen setze ein heftiger Schauer ein, welcher den breiten und klaren Fluss vor uns innerhalb kürzester Zeit in eine braune Suppe verwandelte. Aus unserer Sicht hätte dieses Schauspiel noch zwei Stunden warten können, aber unterm Strich und im Interesse des Flusses waren wir erleichtert: Endlich Wasser! Denn selbst an diesem größeren Gewässer war der Pegel in den letzten Wochen dramatisch gefallen und die dadurch fischereilich interessanten (und vorallem fischigen) Stellen rar, sie mussten gesucht oder gezielt angesteuert werden.

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Letzte Bafo vor dem Sturm

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Auf dem Heimweg durch die zunehmende Dunkelheit kamen mir beim monotonen Geräusch meiner hart arbeitenden Scheibenwischer zwei Dinge in den Kopf:

1. Der morgige Kurs an der Unteren-Rur muss verschoben werden. Nach einem solchen Gewitter ist der Fluss für mindestens 2 Tage nicht interessant.

2. Auch die für Sonntag angesetzte Clubausfahrt mit meinen Freunden von Mouche Passion an die luxemburgische Sauer (Semois) steht auf der Kippe.

Am freien Samstag holte ich daraufhin ein paar Erkundigungen ein und nach einigen Überlegungen entschieden Marc und ich für die Gruppe, den seit langem geplanten Trip nach Luxemburg kurzfristig abzublasen. Schon mit dem Hintergedanken an die Obere-Rur,  waren wir hierrüber aber nicht sonderlich enttäuscht. Denn der Eifelfluss ist gegenüber heftigen Regengüssen relativ unanfällig und gerade bei erhöhtem Pegel und leichter Sedimentierung ein lohnenswertes Ziel.

Und so standen ein paar Frühaufsteher von Mouche Passion am Sonntagmorgen am Fluss. Leicht angetrübt war er, sehr gut! Der Pegel war allerdings binnen 48 Stunden Niederschlag nur 8cm gestiegen und damit immer noch relativ niedrig. Aber: Allemal besser als 95% der vorherigen Tage dieser Saison. Die Vorfreude auf die gemeinsame Fischerei und das Rauschen im Ohr war dementsprechend groß, als Marc und ich unsere Nymphen ans Vorfach knüpften. Noch während mein langjähriger Mentor sein Setup fertig montierte, passierte dann das, was ich mir für diesen Tag erträumt hatte: eine große, wilde Bachforelle! Sie nahm meine ‚Moutarde‘ im schnellen Wasser an der Kante eines großen Felsens. Das Wasser hat hier den mächtigen Stein grundnah ein ganzes Stück ausgespült, eine schmale Passage zwischen der leicht schäumenden Hauptströmung und dem schwarzen Riesen ist deutlich langsamer fließend. Ein idealer Standplatz!

Genau hierhin hatte ich meine Nymphe platziert und mit hoch erhobener Rute und lockerem Vorfach schnell absinken lassen. Die gelb/oliv-farbene Imitation einer Köcherfliege erreichte etwas oberhalb des Hotspots den Grund und taumelte an der unterspülten Kante des Steines vorbei. Am Ende der Drift spürte ich den ersehnten Impuls im Zeigenfinger auf dem Rutenblank und ein leichtes Zucken meines fluofarbenen Monofil-Bissanzeigers unterstützte meine Warnehmung: ein Biss. Der sanfte Anhieb saß, Marc blickte auf und ich konnte ihm direkt versichern, dass ein guter Fisch die tiefgeführte Nymphe genommen haben musste. Den regelmäßigen Kopfstößen zu Folge war sie definitiv über 40cm. Ab etwa dieser Größe fangen Bachforellen meiner Erfahrung nach an, sich in der frühen Drillphase ganz speziell zu verhalten und zu bewegen. Und insbesondere die Kopfbewegungen sind es, die sie von kleineren Exemplaren unterscheiden. Ähnlich wie bei einem Hecht ist dieser anfängliche Versuch, dem Druck mittels horizontaler Kopfbewegungen zu entgehen, deutlich spürbar. Als ich sie wenig später aus der Strömung dirigiert und mit der 3er Rute und dank 16er Tippet das erste Mal an die Oberfläche geholt hatte, meinte Marc lachend nur: „Die ist aber deutlich größer als vierzig!“ Und in der Tat, die Rotgetupfte war wirklich ein stattliches Exemplar und die bisher größte an dieser Stelle. Sie zog mich noch 20 Meter flussabwärts, versuchte immer wieder mit einem heftigen Schwanzschlag in Richtung Grund zu ziehen, hatte aber in der hier ruhig fließenden Strömung keine Möglichkeit mehr, noch die Oberhand in der Endphase des Drills zu gewinnen. Gerade dieses ‚letzte Aufbäumen‘ hatte Kristof und mich in den letzten zwei Wochen gleich zwei Mal gute, sehr gute Fische gekostet. Diesmal jedoch nicht! Denn wenig später lag die Bachforelle sicher in meinem Schonnetz. Was für ein Start in den Tag, den Marc mit einem „Dann kannst Du ja jetzt Schluss machen!“ kommentierte.

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Erster Fisch des Tages

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Nachtürlich tat ich das nicht und so wechselten wir uns – wie wir es immer tun – ab: Ein Fisch er, ein Fisch ich. Geteilte Freude über gefangene Fische, ein paar bissige Kommentare bei verlorenen Fischen. Viel zu selten hatten wir dies in der laufenden Saison tun können. Eigentlich war es mit Ausnahme ein paar weniger Stunden in Belgien und einem Ausflug mit unseren seit kurzem motorisierten Bellybooten das erste Mal, dass wir uns mit dem Ausblick auf einen ganzen Tag gemeinsam stromauf vorarbeiteten. Aufgrund des aber immer noch recht niedrigen Pegels von 20cm gingen wir unsere Flusswanderung etwas selektiver als üblich an. Besuchten nur die wirklich guten und strömungsreichen Stellen. Entsprechend hoch war dann auch der Kontakt mit etwas größeren Fischen, die – so unsere schnelle Erkenntnis – nur darauf gewartet hatten, dass sie ihre steinigen Verstecke nochmals verlassen durften. Allerdings hatten die meisten ein paar Gramm zu wenig auf den Rippen. Dies war nicht verwunderlich, denn bei klarem Niedrigwasser verharren diese Exemplare über weite Strecken des Tages unter schützenden Kanten und gehen nur sporadisch auf Beutezug im nahrungsreicheren Freiwasser. So auch der letzte Fisch des Tages, der nach dem furiosen Auftakt am frühen Morgen der zweite war, der die 50er Marke knacken konnte und sich in einer schnellen Rausche eingestellt hatte.

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Der letzte Fisch des Tages

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Leider wird auch er in den kommenden Tagen keine Gelegenheit bekommen, sich den Bauch weiter vollzuschlagen und seinen Körper dem großen Kopf anzugleichen. Denn der Pegel ist bereits im Laufe des Tages schnell gesunken und binnen der folgenden 24 Stunden nach unserem Besuch an der Rur wieder auf seinen alten Stand gefallen. Die blau gezeichnete Wasserlinie auf der seitdem regelmässig von mir besuchten Webseite klebt erneut am unteren Ende meines Bildschirms. Mein Warten auf den nächsten Regen beginnt nun von vorne.

Euch wünsche ich, dass ihr nicht so lange warten müsst, bis ihr Euer Lieblingsgewässer wieder befischen könnt!

Tight Lines!

Euer Alex

 

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Rückblick Juni und einige News

30 06 2014

von Alex

Mein letzer Post für FLY.BEI liegt schon wieder über 3 Wochen zurück. Verdammt! Ich komme derzeit einfach nicht hinterher, neben meinen Kursen und Guidings und natürlich meinen eigenen Ausflügen ans Wasser, alles Erlebte hier für mich – und natürlich für Euch – festzuhalten. Zum Glück gibt es Facebook, wo ich abends zwischen zwei schnellen Nymphen für den nächsten Tag noch einen kleinen Beitrag einschieben kann. Denn zu berichten gibt es einiges! Und das auf allen Ebenen:

Aus fischereilicher Sicht wüsste ich derzeit gar nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen. Ich könnte weit ausholen und würde vermutlich viele Superlative verwenden. Um es aber mal auf den Punkt zu bringen: Es ist mit Abstand meine bisher beste Forellensaison! Ich habe meine zu Beginn des Jahres formulierten persönlichen Ziele allesamt schon lange erreicht. Um ehrlich zu sein, bei weitem übertroffen. Beim Fussball würde man wohl sagen „Jetzt kann befreit aufgespielt werden.“ Auf das Fischen passt dieser Spruch jedoch nicht ganz, denn so etwas wie ‚Druck‘ habe ich noch nie verspürt. Das wäre ja auch das Ende! Das Fliegenfischen, der Fluss und die Fische sind neben meiner Familie meine wichtigsten Energiespender. Klingt ziemlich esoterisch, ist aber so. ‚Fliegenfischen‘ ist mehr als ein Hobby oder eine Freizeitbeschäftigung für mich. Diese Begriffe treffen es nicht ansatzweise. Es ist vielleicht so etwas wie eine ‚Passion‘ oder eine Leidenschaft. Aber auch das klingt zu schwach. Ich möchte nicht wissen, wie viele Stunden am Tag ich mich mit irgendeiner der unzähligen Facetten des Themas – auch ohne eine Wathose zu tragen – auseinandersetze. Hierin könnte vielleicht auch einer der Gründe für diese fantastische Saison liegen, denn ich versuche derzeit so viele Informationen wie nur möglich über Techniken und Taktiken zu sammeln, zu vergleichen und mit meinen persönlichen Erfahrungen vom Wasser zu konfrontieren.

Mein Fokus liegt dabei natürlich auf dem Nymphenfischen. Es ist ein unfassbar komplexes Feld und es gibt so viele unterschiedliche Stellräder, die justiert werden können. Ob es die Zusammenstellung des Vorfachs ist. Ob es die Auswahl der Nymphen ist. Ob es die Anordnung der Nymphen ist. Ob es die Präsentationstechnik ist. Ob es die Auswahl der Stellen ist. Ob es der Zielfisch ist. Neulich erwiderte jemand auf einen Beitrag von mir im Fliegenfischer Forum zum Thema ‚Nymphenvorfächer‘, dass das Vorfach (und einiges mehr) doch völlig überbewertet seien. Das wichtigste sei (Zitat) „das Handwerk“. Ich hatte keine Lust auf eine Diskussion, aber fragte mich noch ein paar Mal, was denn dieses „Handwerk“ eigentlich sein soll. Ich stelle mir darunter vor, zu wissen UND begründen zu können, ‚wann‘ ich ‚was‘ am Wasser mache und ‚wie‘ ich dieses ‚was‘ dann auch tatsächlich praktisch (möglichst effizient) umsetzen kann. Und dazu gehört definitiv auch so etwas wie der Aufbau eines auf die Präsentationstechnik, die Gewässerstruktur und die Auswahl der Nymphen abgestimmtes Vorfach. Zum „Handwerk“ eines Fliegenfischers gehört meiner Meinung nach weit weit mehr, als das bloße Beherrschen des Wurfes. Es ist alles, was den Fang eines Fisches beeinflusst. Gengug aber jetzt von diesem esoterischen und theoretischen Gedankengängen. Zurück zur Fischerei der letzten Wochen und zum eigentlichen Handwerk!

Kristof und ich haben in dieser Saison jede von uns gefangene Bachforelle sowie jede Äsche über 40cm fotografiert. Damit aber nicht genug, wir haben alle möglichen Daten zu den einzelnen Fängen und ihren Umständen gesammelt. Dabei sind schon jetzt einige interessante Erkenntnisse entstanden. Insbesondere, weil wir einige Fische schon aus unseren Fotoarchiven der letzten Jahre kannten, oder aber so viel Glück hatten, sie in der laufenden Saison wiederholt zu Gesicht bekommen zu haben. Eine im März gefangene 40+ Bachforelle war z.B. Ende Mai bereits fast 4cm gewachsen, eine 54er aus dem letzten Herbst maß nun schon stattliche 64cm. Andere waren hingegen in zwei Jahren kaum gewachsen. Von vielen Bachforellen konnten wir ihre Wege durchs Gewässer rekonstruieren, trafen sie an unterschiedlichen Stellen (abhängig vom Wasserstand) an. Auch das Fressverhalten bei unterschiedlichen Wasserständen und Wetterbedingungen ist interessant zu beobachten. Wann geht eine Großforelle auf abendliche Kleinfischjagd im flachen Uferbereich und wann zeichnet sie sanfte Ringe auf die Oberfläche? Gemeinsam haben wir in diesem Jahr nun eine hohe zweistellige Anzahl unterschiedlicher Salmoniden aus unterschiedlichen Flüssen in unserer Datenbank und hoffen, dass in den Monaten bis zur Schonzeit noch einige dazu kommen werden.

In der Gallerie unten seht ihr eine Auswahl der schönsten Fische der letzten Wochen. Die Zeichnungen und Körperformen sind so unterschiedlich, wie die Standplätze und Gewässer, wo sie gefangen wurden. An schmalen Flussläufen und aus deren kleinen Gumpen mit leichten Mustern hervorgenympht. In breiten Passagen mit gleichmäßiger Strömung auf Sicht mit der Trockenen überlistet. Oder aber in tiefen Rinnen mit schweren Jigs hartnäckig überredet. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie sich allesamt einige Jahre im jeweiligen Gewässer behaupten mussten und nicht ‚fettgezüchtet‘ besetzt wurden. Dies macht sich nicht nur in ihrem Aussehen, sondern vorranig auch in ihrer Kampfkraft bemerkbar! Vor ein paar Tagen war ich mit Lennet an einer für uns neuen Stelle unterwegs und wir konnten auf 100m Flusslauf Fisch auf Fisch fangen. Beim ersten besseren Exemplar knapp über 30cm war Lennet erstaunt, wie viel Energie die noch recht junge Rotgetupfte hatte, nur um wenig später die Rutenspitze der sensiblen ‚Cult‚ bis ins Handteil gebogen zu sehen und seine erste 40+ Bachforelle in diesem Jahr – nach spektakulärem Drill am Rande einer Baumwurzel auf engstem Raum – in den nassen Händen halten zu dürfen.

Lennet

(42cm – Und die 3er ‚Cult‚ im Halbkreis)

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In besonderer Erinnerung sind mir in den letzten Wochen vier Fische geblieben:

Den ersten in der Reihe hatten wir wochenlang ‚verfolgt‘ bzw. mehrmals Kontakt mit ihm gehabt. Das kräftige Männchen stand an einer sehr schwer zu befischenden Stelle mit ungleichen Strömungen und schlug uns drei Mal ein Schnippchen. Entweder, weil er mit heftigen Kopfstößen früh im Drill ausstieg, oder aber sich in das dichte Totholz seines Standplatzes kämpfte. Bei der vierten Begenung behielten wir die Oberhand und kannten seine Fluchtwege. Kristof parierte den ersten Marsch stromauf, ich stellte mich dem Fisch in den Weg, er kehrte um und zog in Richtung einer ruhig fließenderen Passage stromab. Dort war es dann kein Problem ihn auszudrillen und die schwere Köcherfliegennymphe behutsam aus seinem gewaltigen Maul – das insbesondere durch einen langen spitzen Zahn gekennzeichnet war – zu lösen.

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(Kräftiges Männchen – Wir nennen ihn ‚The Tooth‘)

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Der zweite Fisch von besonderer Bedeutung für mich war der erste auf meine neue MAG 3/4 mit 10ft. Der Tag war für Kristof und mich wohl auch wegen eines kühlen Nordwindes eher schleppend verlaufen und wir waren kurz davor, unsere Zelte am ausgewählten Flussabschnitt abzubrechen. Wir standen unterhalb einer langen Rinne, die wir bereits befischt hatten und aus der wir in der jüngeren Vergangenheit einige große Bachforellen und Äschen locken konnten. An diesem Tag hatten wir uns die Stelle aber rausgepickt, weil ich wenige Tage zuvor dort einen 14er Jig-Haken im Drill aufgebogen bekommen hatte. Ein gewaltiger Fisch zog mit meiner Nymphe stromauf, ohne sich mir zu zeigen und hinterließ mich und meinen offenen Hakenbogen vollkommen fassungslos. Dieses gewaltige Exemplar musste ich einfach sehen! Offenbar aber nicht an diesem Tag, denn wir hatten wirklich einiges probiert. Wir überlegten also, wohin es uns für den Abendsprung verschlagen sollte und noch während wir diskutierten und ich nebenbei mit einem Auge weiterfischte, überraschte mich aus dem Nichts ein satter Biss. Fast hätte ich den Anschlag versemmelt, aber etwas verspätet schien der Haken doch gepackt zu haben. Es folgte eine lange, lange Flucht stromabwärts und ein Spurt von mir und Kristof durchs bauchhohe Wasser. In einer ruhigeren Passage kescherte mein Freund den Fisch und ich eilte, die vielen Meter Schnur aufkurbelnd herbei. Eine der schönsten Bachforellen, die ich bisher gesehen habe. Sie hatte nur sehr wenige blasse rote Punkte und das erste woran ich dachte, als ich sie sah war: Neuseeland! Sie war hochrückig, hatte eine massive Schwanzflosse und war weitaus schwerer als einige längere Exemplare, die wir die Wochen zuvor gefangen hatten.

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(Neuseeland – Nur nicht so weit weg)

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Den dritten Fisch schenkte ich mir dann selber zu meinem Geburtstag. Wieder ein Männchen. Ich hatte die Forelle einige Wochen zuvor aus hoher Position gesehen, aber konnte sie damals nicht überlisten. An diesem Tag stimmte der Wasserstand für die Stelle, an der das Wasser in einer engen Kurve mit einem lauten Rauschen ans Ufer prallt. Bei etwas mehr Wasser vermutete ich den Fisch jedoch nicht in dieser starken Strömung am Kurveneinlauf, sondern etwas weiter hinten im Pool. Vielleicht geschützt, tief sitzend neben einem der großen Steine. Und so war es auch. Bereits eine der ersten Driften im ruhigeren Wasser brachte den erhofften Kontakt, noch bevor sich eine der vielen kleineren Rotgetupften im gemächlichen Auslauf meine Nymphe schnappen konnten. Zum Glück zog das torpedoförmige Männchen mit mir stromabwärts, denn in Richtung Kurveneingang hätte ich aufgrund des vielen Totholzes und sehr tiefen Wassers schlechte Karten gehabt. Zumal ich an diesem Tag ausnahmsweise alleine unterwegs war. In diesen Fällen ist es sonst oft ein taktischer Schachzug, dass der jeweils andere den Fisch schleunigst überholt, sich ihm in den Weg stellt, so zur Umkehr auffordert und im Endeffekt von den Gefahrenherden unter Wasser abhält. Alleine ist dies auch machbar, bedarf aber ein bisschen mehr Aufwand. Ich hätte am Fisch vorbei sprinten und dabei die Schnur auf Spannung halten müssen. Oberhalb von ihm hätte ich Druck ausüben müssen und ihn so als natürliche Reaktion in die Gegenrichtung bewegen können (Denn oftmals gilt: Übe ich zu Beginn des Drills Druck nach rechts aus, geht der Fisch nach links. Gleiches natürlich umgekehrt; Möchtet ihr also eine Großforelle unmittelbar nach dem Take vom Totholz fernhalten, kann es erfolgreich sein, ihn in Richtung des Totholzes zu ziehen. Er wird den Druck erwidern und in die Gegenrichtung schwimmen). Ich bin mir sicher, dass wir viele unserer Großforellen alleine und ohne diese Tricks nicht, oder vielleicht nur nach viel längeren und für den Fisch anstrengenderen Drills, gefangen hätten. Ein Freund mit einem großen Kescher, der genau weiß, was er machen soll ist einfach Gold wert!

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(Mein Geburtstagsgeschenk – An der neuen MAG 3/4 10ft.)

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Die vierte Forelle haben Kristof und ich uns hart erarbeitet und für sie einige Strapazen auf uns genommen. Kurz nach Sonnenaufgang erreichten wir bei Nieselregen, mit wenig Schlaf in den Knochen und nach einem längeren Fußmarsch die auf den ersten Blick unspektakuläre Stelle. Hier war in diesem Jahr mit Sicherheit noch nie oder nur wenig gefischt worden. Der Pegel war sehr niedrig und das Wasser floss hier flach und schnell an einer Baumwurzel vorbei. Unterhalb des Baums war ein kleiner Pool, maximal 2m lang und etwa einen Meter tief. Wir näherten uns ihm stromaufwärts, Kristof fischte vor mir mit zwei schwereren Nymphen, ich mit einer leichten Hasenohr auf einen 16er Haken hinterher. Er hatte die Stelle gefunden, also war dies mehr als fair 🙂 Wir fingen im Auslauf des Pools schnell einige Fische und näherten uns Drift für Drift dem Baum und seinem roten Wurzelwerk. Als Kristof vor mir die Stelle mit seinen schweren Nymphen ausgefischt hatte, platzierte ich meine Hasenohr an den Rand der Wurzeln und ließ sie an der kurzen Leine kontrolliert in das winzige Becken trudeln. Sofort kam der Biss! Der Fisch schoss stromauf in Richtung Rausche, Baum und Wurzeln, aber Kristof reagierte schnell. Er stellte sich in den flachen Bereich und der Fisch kehrte in den Pool zurück. Im Auslauf konnten wir ihn wenig später das erste Mal in voller Pracht bewundern und sahen im klaren Wasser seine Punkte leuchtend orange scheinen. Sie sahen aus, wie mit einem zu großen Pinsel und satter Farbe aufgetragen. Makellos!

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(Stealth Mode On – Vorsichtiges Anpirschen brachte dieses Prachtexemplar)

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Bevor ich diesen Artikel beende und überlege, welche Geschichte ich im hoffentlich schon morgen oder übermorgen erscheinenden nächsten Artikel auf FLY.BEI unterbringen werde, noch ein paar abschließende Ankündigungen – mit denen ich die Brücke zur Einleitung dieses Posts schlagen möchte. Zu berichten gibt es nämlich z.B. noch, dass ich im August und September zwei ganz besondere Kurse anbieten werde, auf die ich mich persönlich sehr freue. Hierzu hole ich mir Verstärkung aus Belgien, von bekannten Fliegenfischern, die schon viele Erfahrungen auf nationalen und internationalen Meisterschaften gesammelt und viele Erfolge erzielt haben. Eine einmalige Chance!

Am 17. August werden Philippe Hardy und ich unter dem Titel ‚Nymphing Master Class‚ einen vollen Tag ganz im Zeichen des ‚Euro Nymphings‘ und anderer erfolgreicher Nymphen-Techniken gestalten. Der Kurs richtet sich an Fortgeschrittene oder Neulinge, die sich intensiv mit dem Thema ‚Nymphenfischen‘ auseinandersetzen möchten und die wichtigsten Basics bereits sicher beherrschen. Abhängig von den Wetter- und Wasserbedingungen wird der Kurs entweder in der Eifel oder aber an einem von drei Flüssen in der Wallonie stattfinden. Die Anfahrt vom Dreiländerpunkt wird aber nicht länger als 60 Minuten betragen. Der Kurs ist für maximal 6 Personen ausgelegt, so dass wir Euch intensiv am Wasser begleiten und unterstützen können. Ich werde meinen Beitrag zum Workshop auf Deutsch gestalten, Philippe wird in Englisch unterrichten. Im Fokus stehen neben unterschiedlichen Präsentationstechniken natürlich das eigenständige Aufbauen von Vorfächern, das bewusste Einsätzen unterschiedlicher Muster, das Lesen des Gewässers und das besondere Werfen mit der Nymphe. Nähere Informationen zu diesem Workshop erhaltet ihr jetzt schon bei mir per Mail (kontakt@flybei.de), oder aber spätestens in einem eigenen Infotext, der in Kürze online gehen wird.

Philippe Hardy

(Nymphing Master Class – Workshop mit Philippe Hardy)

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Der Kurs im September (voraussichtlich an einem Tag des Wochenendes 20/21. September) steht unter dem gleichen Motto. Da ich aber hierzu noch ein paar Dinge abschließend abstimmen muss, kommen die konkreten Angaben erst in ein paar Tagen. Aber auch zu diesem Workshop könnt ihr Euch jetzt schon bei mir erkundigen. Ich gehe davon aus, dass die 6 Plätze auch hierzu rasch vergeben sein werden.

Was gibt es daneben sonst noch? Die ersten Hechttouren stehen an und auch die ersten Hechtkurse sind ebenfalls bereits geplant. Ab September (bei schlechtem Wetter auch schon ab Ende August) geht es regelmässig los! Bei Interesse einfach jetzt schon melden.

Hatte ich übrigens schon die neue FLY.BEI Webseite erwähnt? Auch darauf freue ich mich ganz besonderes. Sie geht ebenfalls in Kürze online und wird definitiv dazu beitragen, dass ich neben meiner Aktivität auf Facebook wieder etwas aktiver zum Schreiben komme. Daneben gibt es noch eine für mich persönlich sehr positive Neuigkeit, die ich Euch hoffentlich Ende der Woche mitteilen kann. Vorher werdet ihr aber nochmal hier von mir hören bzw. lesen, denn der gestrige Ausflug in die Eifel muss unbedingt festgehalten werden. (So etwas nennt man im Film einen Cliffhanger, oder?)

Bis dahin: Tight Lines!

Euer Alex

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Von magischen Äschen

4 02 2014

von Alex

In einem meiner letzten Beiträge habe ich von der winterlichen Fischerei auf Äschen berichtet. Wobei winterlich hier in 2013/14 lediglich meint, dass ich kalte Füße und eine rote Nase hatte. Denn wirklich winterlich, also so richtig mit Schnee und Eis und so, war es in den letzten Wochen/Monaten selbst in der tiefen Nordeifel nicht.

Dennoch hat auch diese nicht-so-richtig-winterliche Zeit etwas Besonderes. Der Fluss und sein Ufer scheinen in einen entspannten Halbschlaf gefallen zu sein und abgesehen von den durch Regenfälle schwankenden Pegeln ist es ruhig, auf den ersten Blick beinahe trostlos: Die karge und raue Landschaft, die laublosen und feuchten Bäume, der fehlende fröhliche Sing-Sang der Vögel und ein zumeist tiefhängender, grauer Himmel, der alles unter sich zu erdrücken scheint.

Aber manchmal, leider viel zu selten, reißt dieser triste Schleier auf. Die Sonne bahnt sich ihren Weg durchs Grau und alles wird ganz anders, beinahe ‚magisch‘. Das klare und kalte Wasser beginnt plötzlich in den hellsten Farben zu funkeln, die Schneeglöckchen leuchten zwischen den dunklen Tannen und die ersten winzigen Eintagsfliegen tanzen über die Wasseroberfläche. Und wenn man geduldig und aufmerksam am Ufer sitzt, dann darf man mit etwas Glück sogar eine ‚lady of the stream‘ beim vorsichtigen Steigen beobachten.

Genau solch einen ‚magischen‘ Moment erwischten Nino und ich, als wir vor ein paar Tagen spontan in die Eifel aufbrachen, statt uns ins Bellyboot zu schwingen und den niederländischen Hechten nachzustellen. Schon bei unserer Fahrt Richtung Süden wurden wir von der tief stehenden Sonne geblendet und wussten, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten – ganz gleich ob wir nun Äschen finden würden oder nicht. Noch auf dem steinigen Fußweg hinunter ins tiefe Tal versuchte ich unsere Hoffnungen und Erwartungen einzudämmen. „Wenn jeder von uns eine Äsche fängt bin ich vollkommen zufrieden, Hauptsache am Wasser!„, sagte ich zu Nino, der zu Besuch aus Frankfurt gekommen war und noch am Abend wieder abreisen musste.

Der Fluss führte eiskaltes Schmelzwasser und der erhöhte Pegel versprach eine schnelle und aktive Fischerei. Das Wasser war glasklar und auf dem Grund zeichneten sich die dunklen Schieferplatten deutlich ab, nur hier und da leuchtete ein gelber Kiesel. In den schattigen Ecken lag noch etwas Schnee und die Pfützen am Ufer waren mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Wir entschieden uns für einen Flussabschnitt, wo Tal und Nachmittagssonne auf einer Linie lagen. Denn nur hier erreichte das Licht die Sohle des Tals und wärmte Gesicht und Wasseroberfläche zugleich. Außerdem konnten wir dort trotz des erhöhten Pegels und einer schnellen Oberflächenströmung deutliche Vertiefungen im Flussgrund erkennen. Wir vermuteten, dass die Äschen am steinigen Grund klebten und entschieden uns für eine feine Nymphentechnik an der kurzen Leine, mit der man kontrolliert diese Rinnen erreichen konnte.

Ich fischte wieder mit meiner 10 ft. langen Guideline LeCie in Klasse 3, Nino hingegen eine LPXe mit 9 Füßen in der Klasse 5. Wir montierten einen Bissanzeiger aus farbigem Monofil am ca. 6 Meter langen Vorfach (dazu mehr im 2. Teil meines Artikels über Bissanzeiger) und entschieden uns für zwei unterschiedliche Nymphen aus den Restbeständen der letzten Saison: An den Springer kam eine 12er Nymphe mit 3,5mm Tungstenperle, einem gelblichen Körper aus ‚Polish Quill‚ und einem Schwanz aus Goldfasan. An den Point knüpfte ich eine schlichte 16er Pheasant-Tail mit 2,5mm Tungstenperle in pink, auf die wir uns letztlich Bisse erhofften.

Nino stand noch unter den Tannen am Ufer und bereitete dieses Setup vor, als ich mich bereits über die erste Äsche freuen durfte. Das ging ja viel schneller als zu erwarten war! Die Fahnenträgerin stand an der äußeren Strömungskante und hatte meine über den Flussgrund taumelnde PT bei der dritten, leicht verlangsamten Drift vorsichtig genommen. Der Biss war kaum zu sehen, lediglich ein leichter Impuls Dank gestrecktem Vorfach im Zeigefinger zu spüren. Und trotz der feinen Rute war der Drill der 35cm Äsche im schnellen Wasser (auch Dank 16er Monofil) überhaupt kein Problem und die Schönheit fand sich schnell und sicher in meinen nässen Händen wieder. Sie glänzte gewohnt silbrig, hatte aber einen beinahe schwarzen Rücken und am Bauch einen großen lila-roten Fleck. Bildhübsch! Besser konnte es für mich kaum werden.

Bevor ich mein Glück aber noch einmal versuchen durfte, war Nino erst einmal an der Reihe. Er begann mit der 5er Rute, wechselte dann aber schnell auf die 3er. Auch, um den Unterschied zwischen den beiden Rutentypen unter gleichen Bedingungen, bei gleicher Technik, gleichem Vorfachaufbau und mit gleichen Nymphen zu testen. Und tatsächlich, nur wenige Zentimeter flussaufwärts stand die nächste willige Fahnenträgerin und die filigrane LeCie bog sich abermals zum Halbkreis. Wieder war der Biss kaum zu sehen gewesen und wieder war es die einfache Fasanenschwanz, die uns eine wunderschöne Äsche bescherte.

In der Folge fingen wir in ein und derselben Rinne in kürzester Zeit noch ein paar weitere Äschen und fanden heraus, dass sie die Nahrung nicht nur grundnah nahmen, sondern auch aufsteigende Nymphen interessant fanden. Wir begannen unsere Driften zu verlängern, indem wir die Rute und den Bissanzeiger an uns vorbei stromabwärts führten, senkten die erhobene Spitze in der Geschwindigkeit des Wassers ab und ließen so am Ende die Nymphen ins Mittelwasser kommen. Gerade hier und mit diesem ‚Lift‘ fingen (und verloren) wir die schönsten Exemplare unseres kurzweiligen Nachmittags! Interessanterweise aber nicht auf die kleine PT, sondern auf die größere Imitation am Springer.

Nachdem wir die lange Rinne gründlich ausgefischt hatten, fischten wir noch kurz eine weitere, schnellere und wildere Passage. Hier standen die Äschen am strömungsärmeren Rand unter schützenden Ästen der Nadelbäume. Für uns bot sich nur hier da ein ‚Loch‘ im dichten Uferbewuchs, dies genügte aber, um die Nymphen in Position zu bringen und mit ganz flacher Rute auf Reise zu schicken.

Auf die Reise machten wir uns erst, als die schwächer werdende Sonne unseren Talabschnitt verließ und hinter den steilen Hügeln zu unserer Rechten verschwand. Unsere Zehen froren und schnell wurde es jetzt richtig kalt. Ganz anders wieder oben auf dem Kamm, als wir unseren Weg die Hänge hinauf gefunden hatten. Wir warfen noch ein paar letzte Blicke hinunter auf den dunklen Fluss und waren froh, ein paar ‚magische‘ Stunden an diesem nicht-so-richtig-winterlichen Winternachmittag erwischt zu haben.





Nymphenfischen – ein kontroverses Thema (TEIL1)

23 01 2014

von Alex

Hin und wieder (früher noch wesentlich häufiger) verschlägt es mich in der Mittagspause, wenn gerade kein schöner Kurzfilm zur Hand ist, in unterschiedliche Foren zum Thema ‚Fliegenfischen‘. Dort interessieren mich neben den immer wiederkehrenden Diskussionen über neues Tackle insbesondere solche Threads, in denen es um Techniken und Taktiken am Wasser geht. Neulich erst fand ich wieder einen Post, der meine Aufmerksamkeit erregte. Es ging (bzw. ‚es geht‘, denn die Diskussion wird dort vermutlich weiterhin hitzig geführt) um das Fischen mit der Nymphe. Eine komplexe Facette des Fliegenfischens, die mich besonders fasziniert und sowohl in der Theorie als auch in der Praxis fesselt. In diesem Zusammenhang wurde ausgangs gefragt, ob die Verwendung eines Bissanzeigers sinnvoll sei und falls ja, welcher Bissanzeiger verwendet werden solle.

Zwei auf den ersten Blick unschuldige, kurze und eindeutige Fragen, die allerdings vor Ort eine 8-seitige, kontroverse Debatte nach sich zogen. Zunächst spielte ich mit dem Gedanken, meine ganz subjektive Meinung gepaart mit einigen eher objektiven Gesichtspunkten in aller Kürze nahtlos in die restlichen Reaktionen der Forumsnutzer einzureihen. Beim Verfassen meiner Antwort merkte ich aber schnell, dass die beiden Fragen nicht so flux und einfach geklärt werden konnten. Außerdem juckte es mich in den Fingern zusätzlich auch einen kritischen Kommentar zur Art und Weise des – für mich – wenig konstruktiv geführten Diskurses abzugeben. Da die Mittagspause hierfür aber bei weitem nicht ausreichte entschloss ich mich, statt eines Posts im Forum, einfach einen Artikel auf FLY.BEI zur Beantwortung dieser beiden Fragen zu erarbeiten (was ich hiermit nun z.T. auch schon getan habe). Zudem hoffe ich natürlich, dass das Thema ‚Nymphenfischen‚ auch für einige von Euch von Interesse ist.

Vorweg 1: Beantworten kann ich die beiden Fragen hier letztlich auch nicht, aber die von mir diskutierten Aspekte sind zumindest Bestandteile einer möglichen Antwort, die ich beispielsweise im Rahmen meiner Nymphen-Kurse unmittelbar am Wasser zu formulieren versuche.

Vorweg 2: Da ich mit Fabian und Lennet interessante und anregende Gedankenaustausche zu dieser Thematik hatte – beide haben hier eine etwas andere Sicht als ich – und diese ebenfalls gerne einfließen lassen möchte, wird dieser Artikel zwei-, nein sogar drei-geteilt. Dreigeteilt deswegen, weil ich nach meinem Fazit im zweiten Teil abschließend an dieser Stelle noch einen sehr erfahrenen Nymphenfischer zu Wort kommen lassen möchte. Eine Prämiere für FLY.BEI sozusagen, denn ein Interview hat es hier noch nicht gegeben. Auf das Gespräch mit Philippe Hardy, mehrmaliger belgischer Meister im Fliegenfischen am Fluss und See, freue ich mich jetzt schon und ich bin gespannt, was er im Hinblick auf das Nymphenfischen zu erzählen hat.

Dies hier ist also TEIL 1, verstanden und zu lesen als mein Beitrag zum Thread (wenn auch nicht im Thread gepostet). Dieser erste Teil wird widerum in Kürze durch TEIL 2 thematisch fortgeführt und durch das Interview in TEIL 3 ergänzt werden.

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TEIL1: Nymphenfischen mit ‚externen‘ Bissanzeigern

Ich verfolge Diskussionen wie diese hier (Das Nymphenfischen mit/ohne Bissanzeiger und wenn ‚ja‘, mit welchem?) immer mit großem Interesse, da aus meiner Sicht aus einigen Richtungen leider keine Argumente vorgetragen werden, sondern lediglich persönliche Einstellungen zur Thematik zum Ausdruck kommen. Das endet dann schnell in kleinen persönlichen Off-Topic Schamützeln, ironischen oder sarkastischen Bermerkungen die schnell missverstanden werden können etc. Zur eigentlich interessanten, weil kontroversen Ausgangsfrage wird sachlich aber im Grunde nicht mehr viel beigetragen. Dies liegt offensichtlich daran, dass bei diesem (und vielen anderen Themen) ‚Fliegenfischer-Welten‘ aufeinander prallen.

Im Extremfall stehen, metaphorisch gesprochen, in der einen ‚Ringecke‘ jene Fliegenfischer, für die das Fliegenfischen darin besteht, mit einer Gespließten und einer Trockenfliege an einem englischen Chalkstream zu fischen. In der anderen Ecke hingegen diejeniegen, für die Fliegenfischen auch darin bestehen kann, möglichst effektiv Bachforellen/Äschen mit gleich mehreren Tungsten-Nymphen (momöglich noch im Rahmen eines Wettkampfes) zu überlisten.

Effektivität, nur um nicht missverstanden zu werden, messe ich hier am Verhältnis von fressenden Fischen zu gefangenen Fischen. Wenn ich z.B. aus einer Rinne 10 von insgesamt 15 aktiven Fischen fange bin ich effektiver als jmd. der 5 der 15 fangen kann (Das ich dabei auch mehr oder weniger effizient sein kann, werde ich später versuchen zu klären).

Aber bitte nicht missverstehen: Dies heißt nicht, dass der mit den 10 gefangenen Fischen der ‚bessere‘ Fliegenfischer ist. Es geht in diesem Zusammenhang auch nicht um mögliche Mutmaßungen, dass sich für den effektiven Fliegenfischer z.B. ein Tag am Wasser nur durch die Anzahl der gefangenen Fische auszeichne. Es geht weiterhin nicht um das subjektive Empfinden von Spaß am Fliegenfischen, welches als subjektiver Maßstab zur kritischen Bewertung dieser Effektivität führen könnte. Es geht auch nicht darum, dass es sich der effektive Fliegenfischer in der Wahl seiner Methoden zu einfach mache, statt sich auf die Suche nach einer wirklichen Herausforderung in der Verführung des Fisches zu begeben. Nein! Es geht letztlich hier nur um eine urteilsfreie Auseinandersetzung mit der Frage: Wie komme ich zum nymphenden Zielfisch? Und um unterschiedliche Wege zum Zielfisch im Hinblick auf ihre Vor- und Nachteile vergleichen zu können, benötige ich ein möglichst objektives Kriterium. Und genau dies erfüllt die Effektivität im oben genannten Verständnis. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber jetzt zurück zu den beiden ‚Ringecken‘ und den unterschiedlichen ‚Fliegenfischer-Welten‘: Natürlich habe ich für beide Standpunkte Verständnis und an unterschiedlichen Tagen ordne ich mich auf dieser Skala (mit unglaublich vielen anderen Postionen zwischen den beiden skizzierten Polen) an ganz unterschiedlichen Stellen an. Wichtig ist mir nur – und das ist die grundsätzliche Gefahr dieser Diskussionen – dass in den individuellen Beurteilungen nicht mit ‚richtig‘ und ‚falsch‘ oder ‚gut‘ und ’schlecht‘ gearbeitet wird. Dies führt nicht weiter! Meiner Meinung nach haben alle Techniken ihre Berechtigung, solange sie fischgerecht ausgeführt werden. In der Praxis kommt es letztlich doch nur darauf an, was der einzelne Fliegenfischer möchte und wo er sich selber auf der Skala – sobald er am Wasser steht – verorten möchte.

Im Folgenden beziehe ich mich also auf einen Fliegenfischer, für den es keine ‚richtigen‘ und ‚falschen‘ Techniken beim Fischen mit der Nymphe gibt, der sich bei der Wahl seiner Methode aber für jene entscheidet, die an seinem Gewässer (im Rahmen der vorgeschriebenen Gewässerordnung, also z.B. die mögliche Begrenzung auf einen Haken) möglichst effektiv ist. Zunächst einmal ist seine Entscheidung für die Nymphe in den meisten Situationen effektiv, denn Bachforellen und insbesondere Äschen nehmen den Großteil ihrer Nahrung unter der Oberfläche auf. Auch wenn diese Aussage wie ein immerkluger Allgemeinplatz klingt, so ist sie doch für die meisten Gewässertypen und viele Situationen nachweislich zutreffend – so gerne ich auch mit der Trockenfliege fische…

Der erste (und wichtigste) Faktor in der Wahl der geeigneten Nymphentechnik ist meines Erachtens die Gewässerstruktur. Für ein schnelles Pocket-Water mit vielen unterschiedlichen Strömungen und „kleinen“ Standplätzen (strömungsarme Taschen, Mikro-Pools, kurze Rinnen, Kehrströmungen etc.), in denen nur wenige Fische gleichzeitig Platz finden, sind bestimmte Nymphentechniken – und damit auch bestimmte Bissanzeiger – sinnvoller als andere. Für ein gleichmäßig fließendes Gewässer, wo hingegen viele Fische in einer langen und tiefen Rinne Platz finden, können ganz andere Nymphentechniken und Bissanzeiger erfolgreich sein. Warum dies so ist wird sich spätestens in TEIL 2 zeigen.

Zwei Techniken die mit einem Bissanzeiger arbeiten möchte ich vergleichen. In beiden Fällen wird in der Regel (Ausnahmen gibt es in der Praxis natürlich immer) stromaufwärts gefischt, da diese Bewegungsrichtung im Fluss zumeist zwei Vorteile besitzt: (1.) eine geringere Scheuchwirkung (Sichtfeld des Fisches, aufgewirbeltes Sediment etc.) und (2.) eine ‚leichter‚ umzusetzende freie d.h. natürliche Drift der Nymphe. Mit ‚leichter‚ meine ich hier u.a., dass es vielen Fliegenfischern (so meine Erfahrung) leichter fällt Flugschnur und Vorfach in der Fließgeschwindigkeit des Gewässers aufzunehmen, statt sie stromabwärts ständig nachzufüttern. Dieser Aspekt von ‚leicht‘ wäre also ein möglicher Bestandteil von Effizienz, nicht Effektivität. Denn Effizienz wird bestimmt durch das Erreichen des gewünschten Ergebnis bzw. Ziels mit möglichst geringem Aufwand.

Die erste der beiden Fragen im Ausgangspost (Warum ein Bissanzeiger?) möchte ich eingangs nur ganz kurz, pragmatisch und vermutlich zu oberflächlich beantworten, denn viel wichtiger und interessanter erscheint mir doch die zweite Frage (Welcher Bissanzeiger?). Die Verwendung eines Bissanzeigers  – abgesehen von einem ggf. leicht veränderten Wurfgefühl – hat auf einer wertfreien/sachlichen Ebene und für einen effektiven und zugleich effizienten Fliegenfischer keinen Nachteil! Natürlich kann auch die Flugschnur auf der Wasseroberfläche (was aber, wie weiter unten gezeigt werden wird, u.U. vermieden werden sollte) einen Biss anzeigen. Natürlich gibt es auch Nymphentechniken die stromabwärts ausgeführt werden und bei denen sich die Fische fast selbst haken, aber diese zwei Optionen ohne Bissanzeiger besitzen keine Vorteile gegenüber der Verwendung von Bissanzeigern in den nun beschriebenen Formen:

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Technik I: Ein ‚externer‘ Bissanzeiger

Mit ‚extern‘ meine ich hier solche Bissanzeiger, die nachträglich an das Vorfach angebracht werden können. Das kann z.B. in Anlehnung an amerikanische oder auch neuseeländische ‚Indicator Rigs‘ eine gut schwimmende Trockenfliege sein, ein Bündel gefetteter (synthetischer) Fasern oder auch ein Bissanzeiger aus Schaumstoff oder einem anderen schwimmfähigen Material (z.B. sog. ‚Rugbys‘). Auf mit Luft gefüllte und an Wasserkugeln erinnernde Bissanzeiger möchte ich hier aufgrund einer persönlichen Abneigung nicht eingehen.

Es gibt Vor- und Nachteile dieser drei Typen und wenn erlaubt, würde der an Effektivität und Effizienz orientierte Fliegenfischer vermutlich auf die Trockenfliege zurückgreifen. Dies hat mindestens 9 Gründe:

  • 1. Die Trockenfliege lässt sich gut werfen.
  • 2. Sie setzt sanft auf und hat eine geringe Scheuchwirkung.
  • 3. Sie besitzt abhängig vom gewählten Muster gute Schwimmeigenschaften.
  • 4. Sie kann schnell montiert werden.
  • 5. Sie zeigt – wenn der Springer kurz genug montiert wurde – den Biss eindeutig und schnell (d.h. also zuverlässig) an.
  • 6. Davon abgesehen ist das Schwimmverahlten der Trockenfliege nicht nur ein guter Indikator für eine saubere Drift (Dreggen/Furchen wird leicht erkannt), sondern kann…
  • 7. … dem Gewässertyp und Insektenaufkommen entsprechend flexibel angepasst werden: Brauche ich an schnellen Passagen bei einem guten Bestand an Köcherfliegen eine hoch-schwimmende und im wilden Wasser erkennbare Elk-Hair-Caddis mit Sichthilfe, oder reicht eine kleine, unauffällige und tief-sitzende Klinkhammer für gleichmäßig-strömende Stellen?
  • 8. Darüber hinaus wird ein zweiter Beißpunkt (selbst wenn die Trockenfliege aufgrund des Gewichts der Nymphe absäuft) angeboten und es kann dadurch zusätzlich aktiv nach ’steiglustigen‘ Fischen gesucht werden. Für den effektiven Fliegenfischer ist dieser letztgenannte Aspekt natürlich durchaus auch von Interesse  – und kann u.U. sogar dazu führen, gänzlich auf die Nymphe zu verzichten.
  • 9. Ein letzter Vorteil  gegenüber den anderen ‚externen‘ Bissanzeigern: Sinkt die Trockenfliege wiederholt und nachhaltig ab (was vielleicht sogar zu Bissen größerer Fische führen kann) bedeutet dies ggf. nicht nur, dass ihre Tragfähigkeit für die gewählte Nymphe und/oder Fließgeschwindigkeit nicht ausreicht, sondern auch, dass die Nymphe „tiefer fischen möchte als es die Trockenfliege erlaubt“. Bei sehr aktiven Fischen – die sich vom Grund lösen und für die Nahrungsaufnahme bis ins Mittelwasser aufsteigen – muss dies nicht zwangsläufig etwas ausmachen. Der effektive Fliegenfischer wird hier aber vermutlich den Abstand zwischen Trockenfliege und Nymphe anpassen, indem er das Monofil zwischen Trockenfliege (am Springer) und Nymphe (am Point) verlängert, oder im Falle wiederholter Hänger verkürzt. Ein Bissanzeiger aus Schaumstoff sollte hinsichtlich dieses Punktes folgerichtig auch nie so groß gewählt werden, dass er diesen „Fehler im System“ nicht auch anzeigen kann. Meiner Meinung nach sollte der externe Bissanzeiger also die Nymphe nicht gänzlich und unter allen Umständen tragen können!

Nachteile besitzt die Trockenfliege gegenüber den beiden anderen Typen von externen Bissanzeigern aber natürlich auch, insbesondere im Hinblick auf einen Aspekt des letztgenannten Punktes: Die meisten externen Bissanzeiger lassen sich auf dem Vorfach mühelos verschieben, die Trockenfliege nicht! Dieser offensichtliche Vorteil von Faserbündel und Schaumstoff-Bissanzeiger kann jedoch meines Erachtens nur durch „Faulheit“ des Fliegenfischers zum Tragen kommen und wiegt die oben genannten 9 Gründe „pro Trockenfliege“ objektiv nicht im Geringsten auf.

Alle externen Bissanzeiger (und wenn erlaubt eben die Trockenfliege) werden nun stromäufwärts serviert. Dabei ist es notwendig, dass Trockenfliege und Nymphe in einer Strömung fischen. Dies ist der wichtigste Punkt beim Fischen mit externen Bissanzeigern, denn befinden sich Trockenfliege und Nymphe in unterschiedlichen Strömungen, so können grundsätzlich 2 Dinge passieren, die der effektive Fliegenfischer vermeiden möchte:

Fall 1: Die Trockenfliege befindet sich in einer schnelleren Strömung als die Nymphe. In diesem Fall wird die Nymphe – ausreichende Schwimmfähigkeit und Tragfähigkeit der Trockenfliege vorausgesetzt – in Richtung der schnelleren Strömung mitgerissen. Eine natürliche Drift ist offensichtlich nicht gegeben.

Fall 2: Die Trockenfliege befindet sich in einer langsameren Strömung als die Nymphe. In diesem Fall – wieder ausreichende Schwimmfähigkeit und Tragfähigkeit der Trockenfliege vorausgesetzt – wird die Nymphe gebremst und steigt auf. Auch hier haben wir keine natürliche Drift – die oftmals eher nahe des Flussgrundes verortert werden kann.

Je nacht Verhältnis von (1.) Tragfähigkeit/Schwimmfähigkeit von Trockenfliege auf der einen Seite und (2.) Gewicht der Nymphe auf der anderen Seite ergeben sich bei unterschiedlichen Strömungsgeschwindigkeiten hier unterschiedliche Ergebnisse, wovon die beiden beschriebenen Fälle nur die „Extreme“ darstellen. Dabei ist der Fall 2 weniger fatal als Fall 1, denn in bestimmten Situationen sind es gerade aufsteigende Nymphen, die zum Biss führen. Unabhängig davon steht jedoch für die meisten Situationen fest: Trockenfliege und Nymphe sollten idealerweise in der gleichen Strömung angeboten werden um eine natürliche Drift der Nymphe zu gewährleisten.

Neben den beiden Faktoren ‚Trockenfliege‘ und ‚Nymphe‘ haben zudem das Vorfach und die Flugschnur als zwei weitere Parameter Einfluss auf die freie Drift – zumindest wenn sich beide auf der Wasseroberfläche befinden! Im ‚worst case‘ habe ich 3 unterschiedliche Anker (Flugschnur, Vorfach, Trockenfliege), die das für den Fliegenfischer unsichtbare Verhalten der Nymphe unter Wasser beeinflussen und von ihm zu kontrollieren sind. Nicht ohne Grund fischen pragmatisch orientierte, effiziente Fliegenfischer an Gewässern mit unterschiedlichen Strömungsverhältnissen auf kurze Distanzen mit einem erhobenem Arm und trotz starkem Uferbewuchs mit einer langen Rute. Die viel zitierte Faustregel „Kleiner Bach, kleine Rute!“ stimmt meines Erachtens nur in wenigen Fällen, denn durch diese zwei einfachen Maßnahmen (Wahl der Rute + Rutenhaltung) werden auf einfache Art und Weise zumindest Flugschnur und Vorfach so weit es geht „aus dem Spiel“ der Strömung genommen. Der effiziente Fliegenfischer – der sich also fragt, was ihn leichter und mit weniger Aufwand zum Ziel führt – verzichtet somit auf das aufwendige Menden der Flugschnur oder das Nutzen von Trickwürfen.

Soweit so gut. Zeit für ein kurzes Zwischenfazit:

Objektiv gesehen (ohne wertende subjektive Beurteilungen und persönliche Einstellungen aus den Ringecken) gibt es für einen an Effektivität orientierten Fliegenfischer keinen Grund auf einen Bissanzeiger zu verzichten. Für die Wahl ‚externe‘ Bissanzeiger gibt es viele gute Gründe. Insbesondere die Trockenfliege als externer Bissanzeiger ist dabei von besonderem Interesse.

Allerdings besitzen externe Bissanzeiger (ja, auch die Trockenfliege) je nach Gewässerstruktur auch einige Nachteile gegenüber anderen Bissanzeigern, die ich in TEIL 2 dieses Artikels als ‚intern‘ bezeichnen werde. Ich werde versuchen zu zeigen, dass es für den effektiven Fliegenfischer sinnvoll sein kann, je nach Situation zwischen externen und internen Bissanzeigern zu wechseln und er bewusst entscheiden können sollte, wann er welche Möglichkeit zur Anwendung bringt.








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