Fotorückblick II: Holländische Hechte

15 02 2012

Im Spätherbst war ich – wie bereits einige Male zuvor – mit meinen Freunden aus Eupen und Umgebung in Nordholland unterwegs, um in kleinen Kanälen den Hechten mit der Fliege auf den torpedoförmigen Leib zu rücken. Wie schon im Februar präsentierte sich uns das stille Wasser größtenteils klar, der holländische Himmel über unseren Booten hingegen von dichten Wolken behangen. Am ersten Tag durften Marc und ich einen regelrechten „Run“ auf unsere größtenteils weißen Fliegen aus Bucktail und Kaninchenstreifen erleben: Jeder verzeichnete zwischen 20 und 30 Attacken! Es gab kaum eine aussichtsreiche Stelle, an der wir nicht auf einen aggressiv eingestellten Entenschnabel trafen. „Leider“ konnten wir nicht alle Angreifer auch zu einem kurzen Landgang überreden, aber immerhin hatten wir am Ende des Tages 16 Hechte ablichten dürfen. Am zweiten Tag zeigte sich uns das Labyrinth aus großen und kleinen Kanälen und mit hohem Schilf bewachsenen Seen von einer ganz anderen Seite: Der Wind hatte über Nacht seinen Dienst quittiert und der am Tag zuvor bedrohlich nach Regen aussehende Himmel war strahlend blau und klar. Für einen entspannten Sonntagsspaziergang mit Sicherheit das angenehmere Wetter, für die Hechte jedoch nicht. Am Ende des Tages konnte sich jeder von uns nur über einen gelandeten Hecht freuen, auch wenn ich einige Chancen mehr gehabt hätte. Es war wie verhext… Nichts desto weniger war der Kurztrip wieder eine wahre Freude. Und das nicht nur wegen der üppigen Essensschlachten am Abend, sondern vorallem auch, weil Joseph den größten Hecht seiner langen, sehr langen Fliegenfischer-Karriere fangen durfte: 122 cm! Die Metermarke habe ich immer noch nicht geknackt, aber wer weiß, dieses Jahr geht es mit Sicherheit auch wieder das ein oder andere Mal nach Nordholland 😉

 

Impressionen: Herbst-Hechte in Alkmaar





Den Schonzeitkoller bekämpfen (2 von 2)

4 12 2010

In meinem ersten Teil von „Den Schonzeitkoller bekämpfen“ fischte ich mit Daniel aus dem Bellyboot auf Regenbogenforellen in den nahen Niederlanden. Im zweiten Teil geht es nun ebenfalls in unser käseerzeugendes Nachbarland, allerdings bis beinahe an die Nordsee: in die Nähe von Alkmaar in der Provinz Nordholland. Wie bereits im Spätsommer – und auch schon im letzten Jahr (Pike on The Fly Teil 1-4) – waren wir wieder zu Gast in dieser wasserreichen Gegend nur unmittelbar über dem Meeresspiegel. Zusammen mit Freunden aus dem Club „Mouche Passion“ behausten Marc und ich ein gemütliches 8-Betten-Häuschen im Bungalowpark Vlietlanden.

Für diejeniegen unter Euch die mit dem Gedanken spielen die Kanäle und Seen dort oben einmal unsicher machen zu wollen, habe ich die wichtigsten Informationen, Adressen etc. als Download zusammengestellt. Über Feedback oder Ergänzungsvorschläge freue ich mich natürlich!

Download – Pike on The Fly

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Während Hubert, Joseph, Jean und Wolfgang bereits vier Tage vor uns die Reise Richtung Alkmaar angetreten waren, mussten Marc und ich hufescharrend warten, bis alle todo-Listen auf der Arbeit sorgsam abgehakt waren. Pflichtbewusste Schreibtischtäter hier, glückliche und freie Rentner da. So ist das Leben…Leider konnte Ralf, der unsere Bootsbesatzung kompletieren sollte, kurzfristig nicht mitkommen. Vor unsere Abreise telefonierte ich noch einmal mit dem immer gut gelaunten Hechtspezi und er erlaubte mir, die für ihn reservierten Hechte fangen zu dürfen. An dieser Stelle muss ich kurz erklärend hinzufügen, dass in den letzten Jahren jener Fliegenfischer mit den meisten Hechten ein goldenes Schnappsgläschen, als Ersatz für einen Wanderpokal, sorgsam verwalten und natürlich als Trinkgefäß für wärmende und alkoholische Flüssigkeiten nutzen durfte. Dies war zuletzt mehrfach Ralf gewesen. Das gönnerhafte Angebot nahm ich daher natürlich umso dankbarer an 😉

Das freundschaftliche Rennen (ich bitte den ironischen Unterton mitzulesen ;)) um den goldenen Pokal zwischen mir und Marc, der zuletzt jeweils knapp den zweiten Platz auf dem Treppchen hinter Ralf belegt hatte, konnte losgehen! Auf der ersten Etappe saß der belgische Titelaspirant am Steuer. Im letzten Jahr hätte ihn diese verantwortungsvolle Tätigkeit ins Heck verschlagen, in diesem Jahr hatten wir aber einen zweiten Elektromotor am Bug befestigt: kein nötiges und umständliches Umgreifen während des Werfens mehr!

Wir fischten in einem großflächigen Wohngebiet in Langedijk und suchten systematisch nach den typischen Hechtstandplätzen; Schilfkanten, Stege, Bootshäuser, Buchten, Seerosenfelder. Ein starker Wind versuchte unsere Bucktailfliegen aus ihren geraden Bahnen durch die Luft zu werfen, konnte aber nicht verhindern, dass bei der Zielanfahrt sechs Hechte unser Boot kurz von Innen hatten bewundern dürfen. Vier für mich, zwei für Marc. Schnapsglas ich komme! Unseren Freunden – die den Tag in Vlietlanden verbracht hatten – war das Glück leider weit weniger holt gewesen. Dennoch war die Stimmung beim gemeinschaftlichen Abendessen (noch einmal Dank an Ralf für die schmackhafte Bolognese) heiter und nicht wolkig.

Bild 1: So kanns weitergehen

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Zur zweiten Etappe ging neben unserem Boot nur noch der schwimmende Luxusliner von Joseph an den Start, denn Wolfgang und Jean hatten ihre Zelte bereits abgebrochen. Nun war es an mir die Geschicke für die vor uns liegenden Stunden in die Hand zu nehmen und uns durch das Labyrinth aus Kanälen und Seen zu navigieren. Im letzten Jahr hatte meine Wenigkeit diese Aufgabe zweimal mehr schlecht als recht erledigt, zumindest hatte ich es nicht geschafft, mich gleichzeitig ums Boot zu kümmern und einen Hecht überlisten zu können. Diesmal – entweder beflügelt durch Ralfs Segen oder vielleicht doch nur aufgrund der neuen Anordnung der Motoren – verlief in meiner Rolle als Kapitän alles wie am Fliegenschnürchen: vier Hechte durfte ich ins Logbuch eintragen. Leider auch einen Schneider für Marc. Macht unterm Strich 6:2, Führung ausgebaut. Die stichelnden Bemerkungen in Richtung meines ersten Matrosen gingen noch flüssiger von meinen Lippen, weil Marc eine Vielzahl von Bissen verzeichnen und mehrere Drills verbuchen konnte, ohne jedoch einen einzigen Hecht zu einem Landgang überreden zu können 😉

Bild 2: Ein Teil des Irrgartens

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Glück ist eine launische Prostituierte! Erklärung? Bitte: Schon bei der nächsten Etappe durch Wind, nein Sturm entlang der Häuserreihen Vlietlandens wendete sich das Blatt: 1:0 für Marc. Dabei hätten es so viele Hechte auf beiden Seiten sein MÜSSEN. Es war wie verhext. Unzählige Angriffe auf unsere Streamer, heftige Kopfstöße am anderen Ende der Sinktip und doch am Ende eine schlaffe Leine und eine verdutzte und zerzauste Braut am Wirbel. Alleine der Rückweg zu unserem hauseigenen Steg war symptomatisch für die Stunden zuvor: Ich hatte in einer Sackgasse zwei Hechte verpasst, einmal an einer Schilfkante und einmal unter einem kleinen Steg. Wir gönnten den Entenschnäbel eine Verschnaufpause und kehrten später an den Ort der beiden Attentate auf meinen weißen Kaninchenstreamer zurück. Ich stand hinten im Boot. Marc saß am Motor. Wir bogen in die Wasserstraße ein und ich warf meine Fliege ans Schilf. Strippen. Strippen. Wie auf Kommando schoss der Hecht aus der Dunkelheit empor und stürzte sich auf den Eindringling. Schon wieder verpasst. Egal! Einer kommt ja noch. Am Ende der Sackgasse wendete Marc unseren Kahn und fuhr mich in die kleine Bucht. Da war die hölzerne Bootsanlegestelle. Ich platzierte mein Muster auf dem Steg, zupfte es vorsichtig an die Kante und ließ es mit einem „Plumps“ ins klare Wasser klatschen. Strippen. Strippen. Biss! Ein kurzes Zappeln am Ende der Intermediate und weg war der blitzschnell Stoßräuber. So in etwa erging es uns den ganzen Tag. Das i-Tüpfelchen auf diese beiden Demütigungen setzte dann beim Zurücksetzen aus der „cul-de-sac“ widerrum der erste Hecht: Er verabschiedete sich von uns (scheinbar grinsend) mit einem dritten Biss. Dieser Spaßvogel…

Der guten Laune an Bord konnten aber auch diese raffinierten Flossenträger keinen Strich durch die Rechnung machen. Außerdem waren wir heilfroh darüber, bei einem waghalsigen Manäver über den großen See nach Onderdijk nicht Schiffbruch erlitten zu haben (auch wenn die hohen Wellen krampfhaft versucht hatten unsere Nussschale in ihre feuchte Gewalt zu bringen).

Bild 3: Marcs zaghafte Aufholjagd

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Mit einer 6:3-Führung leuteten wir im Naturschutzgebiet von Langedijk die finale Etappe ein. Ich konnte die goldenen Umrisse des Kelches schon deutlich erkennen – beinahe berühren… Doch nichts da! Marc rüttelte mich aus meinen schönsten Träumen und zauberte mir zu allem Übel auch noch Schweißtröpfchen auf die Stirn: Entlang der Schilfkanten des großen und kleinen Sees sowie durch die unzähligen Kanäle näherte er sich Hecht um Hecht.  Er saß mir im Genick, ich konnte seinen Atem – Snickers, vorweihnachtlicher Lebkuchen und Eierlikör – in meinem Nacken. Den Verfolger im Rückspiegel beobachtend, konzentriert am Motor sitzend und gegen den starken Wind arbeitend berappelte ich mich jedoch und servierte meine Braut Wurf um Wurf ins dichte Röhricht. Und auch bei mir blieb die 8er Rute diesmal länger krumm als am Vortag. Wir erlebten die schönsten Stunden dieses Ausflugs und fingen gemeinsam 10 Hechte.

Achja, sie verteilten sich übrigens 6:4.

6:4 für wen? Marc durfte sich über 6 Entenschnäbel freuen, ich mich zum Abschluss des Tages allerdings über das größte Exemplar und damit gleichzeit über den Gewinn des goldenen Schnappsgläschens. Hauch-hauchdünn: mit einer Flossenlänge in Führung überquerte ich die Ziellinie. 10:9.

Entsprechend beflügelt und betört sank ich Abends in meinen Beifahrersitz…so ähnlich musste sich Sebastian Vettel gefühlt haben 😉

„Vettel“ ist übrigens nicht nicht nur Name des neuen F1 Weltmeisters, sondern auch die treffende Bezeichnung für eine alte Dame mit hässlichem Äußeren und einem verdorbenen Charakter. Das aber nur als Info.

Bilder 4 & 5: Hechte aus dem Schilf gezaubert

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Auch wenn dieser Ausflug nicht von spektakulären Pleiten, Pech und Pannen oder einem Hecht über 1m geprägt war wie jener im vergangenen Jahr, haben wir in letzter Zeit doch noch oft über die kurze Zeit in Nordholland gesprochen: Zwar hatte Marc in den letzten 8 Jahren in diesem Gebiet schon mehr Hechte fangen können (dies verriet ihm ein kleines geheimnisvoll wirkendes Notizbuch aus seinem Bindeschrank), aber noch nie konnten so viele Bisse gezählt werden. Entgegen der wehmütigen Klagen über den Rückgang der Fischbestände ist dies ein Fakt, der uns für unseren nächsten Besuch in den Niederlanden optimistisch stimmt.

Ob ich dann meinen Titel verteidigen kann? Abwarten. Erstmal muss ich mir den „Wanderpokal“ von Ralf besorgen. Mal schauen ob er ihn überhaupt rausrückt…

 

  • Download: Fliegenfischen in Nordholland

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Den Schonzeitkoller bekämpfen (2 von 2)






Black and White for Pike

11 10 2010

Meine Forellensaison 2010 geht, wie Eure wahrscheinlich auch, in dieser Woche in ihre finale Runde: Am 15. Oktober werden die meisten hiesigen Fließgewässer geschlossen und die Salmoniden ziehen sich in ihre wohlverdiente Schonzeit zurück, um sich auf ihr jährliches Laichgeschäft und somit die Erhaltung der eigenen Art zu konzentrieren – an einem meiner Lieblingsflüsse werden z.B. gar keine Forellen besetzt, dennoch hat das Gewässer einen sehr guten Fischbestand. Die Zeit den schönen Stunden am Wasser hinterher zu trauern ist aber NOCH nicht ganz gekommen, denn zum einen standen am Wochenende die letzten längeren Touren auf dem Terminkalender und zum anderen werde ich an den kommenden Abenden versuchen, die letzten schwachen Sonnenstrahlen mit der Rute in der Hand auszunutzen.

Außerdem gibt es ja auch noch andere interessante Betätigungsfelder für jene, die am unheilbaren Virus „Fliegenfischen“ erkrankt sind und auch in der kälteren Jahreszeit nicht die Finger und Füße still halten können: allen voran das Hechtfischen! Nach dem eher spärlich ausgefallenen Bericht über meinen Kurztrip nach Holland vor ein paar Wochen, habe ich einige Mails erhalten (danke dafür!), mit der Bitte, Fotos und eine kurze Bindeanleitung meiner Fliegen online zu stellen. Dieser Bitte möchte ich an dieser Stelle – und in den nächsten Wochen – gerne nachkommen:

Vor ein paar Tagen haben Hubert, Marc und ich uns getroffen, um für unsere bald anstehende Tour durch die Kanäle der Provinz Nordholland ein paar Hechtmuster zu binden. Während Mr. President unseres belgischen Clubs „Mouche Passion“ mit Bucktail in gelb, grün und pink experimentiert hat, haben Marc und ich weniger tief in die Farbkiste gegriffen und uns auf schlichte Fliegen in schwarz und weiß konzentriert.

Diese beiden unterschiedlichen Muster, Braut und Bräutigam, haben am Ende jenes Abends ihren Weg aus meinem Bindestock in meine Streamerbox (bisher eine ausgediente Tupperdose) gefunden:

Bilder 1-3: Hechthochzeit in schwarz und weiß

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Die Hechtstreamer in den Hochzeitsfarben schwarz und weiß sind jeweils gebunden auf einen Haken der Größe 2/0.

Bindeanleitung: Der Bräutigam

1. Der schwarze Bindefaden wird mitsamt eines Stücks Monofil für den Krautschutz auf dem Hakenschenkel fixiert.

2. Aus einem weiteren Stück Monofil wird am Hakenbogen eine steife Schlaufe als Verlängerung des Hakenschenkels gebildet und mit Sekundenkleber zusätzlich fixiert. (Die Schlaufe verhindert, dass Zonkerstrip und Flashabou sich im Haken verheddern).

3. Auf das Ende des Hakenschenkels werden einige Fiebern Bucktail in schwarz gebunden und mit Sekundenkleber fixiert. Der Bindefaden wird nach vorne geführt.

4. Kettenaugen werden als Beschwerung per Achterwicklung eingebunden und anschließend mit Sekundenkleber fixiert.

Bild 4: Schritte 1-4

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5. Vier weiche, schwarze Hennenhecheln werden am Ende des Hakenschenkels fixiert, zwei auf jeder Seite. Die Hecheln sollen unter Wasser eine Art „Pump-Bewegung“ während der Stops wischen den Strips erzeugen.

6. Einige Fäden holographisches Flashabou in der Farbe „multicolor“ werden – in etwa so lang wie die Hecheln – auf dem Hakenschenkel fixiert.

Bild 5: Schritte 5+6

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7. Der Bindefaden wird nach vorne geführt und ein schwarzer Zonkerstrip hinter den Kettenaufen fixiert. Er sollte in etwa bis zum Ende der Hennenhecheln reichen. Über dem Zonkerstrip werden einige Fäden holographisches Flashabou in der Farbe „multicolor“ und einige schwarze Fiebern Bucktail gebunden.

8. Das Monofil für den Krautschutz wird nach vorne geführt (die sich bildende steife Schlaufe sollte recht gerade unter dem Hakenschenkel liegen) und unter den Kettenaugen fixiert. Der Faden wird am Kopf mit einigen Knoten fixiert und zusätzlich mit Sekundenkleber gesichert. Fertig ist der Bräutigam!

Bild 6: Schritte 7+8

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Bindeanleitung: Die Braut

1. Siehe Schritte 1-4 beim Bräutigam (hier nur mit einem weißen Bindefaden und weißem Bucktail).

2. Am Ende des Hakenschenkels wird ein weißer Zonkerstrip eingebunden und mit Sekundenkleber fixiert.

3. Über dem Zonkerstrip werden einige holographische Flashfäden in „pearl“ eingebunden.

4. Der Bindefaden wird nach vorne geführt. Hinter den Kettenaugen wird ein zweiter Zonkerstrip eingebunden. Er sollte in etwa bis zum Ende des ersten Zonkerstrips reichen.

5. Über dem zweiten Zonkerstrip werden einige weitere Flashfäden sowie etwas weißes Bucktail eingebudnen.

6. Siehe Bräutigam Schritt 8.

Bild 7: Die fertige Braut

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Viel Spaß beim Nachbinden von Braut und Bräutigam!





Truite et Brochet

23 09 2010

Bei dem Titel würde sich mir – als regelmäßigem Besucher dieses Blogs – die Frage stellen: Warum so französisch? War der fliegenfischende Betreiber schon wieder im Urlaub in Frankreich und hat diesmal gefischt? Nein, war er nicht. Er war allerdings (zumindest teilweise) in französischsprachiger Begleitung am Wasser:

Zum einen stand die zweite Ausfahrt des belgischen Fliegenfischer-Clubs „Mouche Passion“ auf dem Programmplan für die bald endende Forellensaison 2010. Zum anderen freuen sich einige Mitglieder des „Club Pêche Mouche des Cantons de l’Est“ auf den in Kürze erneut stattfindenden Hechttrip nach Holland (über den ich im November 2009 in vier Teilen ausführlich berichtet habe) und um die Beißlaune der Entenschnäbel vorab zu testen, war ich mit Joseph für eine Stippvisite in Broek op Langedijk.

  • Clubausfahrt an die Rur

Nachdem ich bei meinen letzten Besuchen an der Rur ein wenig „Pech“ mit dem Landen von zwei sehr, sehr großen Bachforellen hatte (Die Geier, big fish = big fly) , war mir das „Glück“ diesmal hold und ich durfte mich neben einer Vielzahl kleinerer Artgenossen über ein weiteres stattliches Exemplar aus dem Eifelfluss freuen. Marc meinte nach der Landung übrigens treffend, dass ich die letzten Male kein „Pech“ gehabt habe, sondern „Glück“, dass ich überhaupt eine der selten gefangenen großen Bachforellen ans Band bekommen konnte. So kann man es auch sehen… Jedenfalls hätte ich es ohne meinen belgischen Freund wahrscheinlich auch diesmal nicht geschafft, denn der kampfstarke Bachbewohner gestaltete den Drill in der schnellen Strömung alles andere als gemütlich: Wir – d.h. ich an der Rute und Marc seine Rute zurücklassend am Kescher – mussten auch diesmal meiner Trockenfliege im Maul der Bachforelle über 100 Meter über die glitschigen Felsen und das unwegsame Flussbett bis hin zu einer seichteren Stelle folgen. Nach ein paar letzten Fluchten konnten wir meine verführerische Rehhaarsedge aber letztendlich behutsam aus dem Mundwinkel des Fisches befreien und zurück in die sichere Fliegendose packen.

Bild 1: Nach einer Verfolgungsjagd über Stock und Stein

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Bild 2: Zurück ins Wasser

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Bild 3: Nach der seelischen auch die körperliche Belohnung

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  • Stippvisite in Broek op Langedijk

Ebenso erfolgreich gestaltete sich auch mein nächstes Highlight auf dem Terminkalender: Waren Joseph und ich uns über den Ausgang unseres Kurztrips in die Provinz Nordholland bei unserer nächtlichen Abreise aus Eupen ein wenig unsicher (Hubert konnte wenige Tage zuvor trotz konzentrierter Fischerei mit der Fliege nur wenige Hechte zu einem Landgang überreden), war ich, nachdem wir unser Boot wieder sicher auf dem Anhänger vertäut hatten, sehr zufrieden: 12 Hechte waren bei wechselhaftem Wetter, noch trübem Wasser und vielen Algen ein sehr schönes Ergebnis! Dem konnte auch mein dort oben sehr ortskundiger belgischer Freund – der mich wie ein Navi zielsicher durch das riesige Labyrinth aus Wasserstraßen manövrierte – zustimmen. Wir haben also – über die schönen Zeit abseits des Wassers hinaus – allen Grund, uns auf unseren längeren Aufenthalt in der Nähe von Medemblik im Spätherbst, über den ich dann auch wieder ausführlich berichten werde, zu freuen!

Bild 1: Entschneidert!

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Bild 2: Auf Sicht gefangen

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Galerie Truite et Brochet:

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Pike on the Fly – Teil 4

25 11 2009

Wie angekündigt möchte ich den letzten Teil meines Berichts über das Fliegenfischen auf Hecht in Nordholland dazu nutzen, einige (hoffentlich) hilfreiche Informationen über Gewässer, Unterkunft, Fischereilizenz, Bootsvermietung, Ausrüstung und fängige Fliegen zusammenzustellen.

Gewässer

In den vier Tagen, die wir in der Provinz Nordholland verbracht haben, befischten wir zwei unterschiedliche Kanalsysteme: An den ersten zwei Tagen (Pike on the Fly – Teil 2) hatten wir es zum einen auf die Hechte im Bungalowpark De Vlietlanden abgesehen und zum anderen den umliegenden Dörfern Medemblik (im Norden) und Onderdijk (im Sünden) einen Besuch abgestattet. Die Wasserstraßen beider Dörfer direkt an den Bungalowpark angeschlossen. In Medemblik empfehlen sich vorrangig der Hafen sowie der Umgehungskanal des Hafenbereichs. Die anderen Wasserwege sind weniger aussichtsreich. In Onderdijk wurden in den letzten Jahren haupsächlich in der Nähe der Kirche einige größere Hechte gefangen. In diesem Jahr haben wir die aussichtsreichen Stellen an den alten, verrosteten Booten im Dorfzentrum allerdings als Schneider verlassen.

Im Bungalowpark schafft man es an einem Tag kaum alle Kanäle gründlich zu befischen. Vor Ort wird man schnell sehen, das prinzipiell jeder Steg, jedes Schilfufer und jeder überhängende Baum ein potentieller Hechtstandplatz ist. Ralf hat über mehrere Jahre hinweg auf einer Karte jene Stellen markiert, an denen er erfolgreich war. Die Karte war angeblich irgendwann nicht mehr aussagekräftig, da fast überall ein Kreuzchen war… Die Wahl fällt also nicht ganz leicht. Es empfiehlt sich jedoch, nicht zu lange an einer Stelle zu verharren. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Bisse meistens bei den ersten 5 Würfen an einen potentiellen Hechtstandplatz verbucht werden konnten. Aber natürlich macht letztendlich erst der Versuch kluch…

An den letzten zwei Tagen (Pike on the Fly Teil 3) waren wir dann in Langedijk. Das Dorf liegt etwa 25 km westlich vom Bungalowpark und ist über eine Schnellstraße gut erreichbar. Die kleine, alte Bootsrampe vor Ort ist nicht leicht zu finden. In Langedijk empfehlen sich zum einen zwei Wohngebiete – nördlich und südlich des großen Sees – und zum anderen das nahe Naturschutzgebiet sowie der angrenzede Museumsbereich. In den Wohngebieten haben sich insbesondere Bootshäuser sowie Stege als Hechtstandplätze erwiesen. Im Naturschutzgebiet waren kleine – durch Schilfkanten abgegrenzte Buchten – von Entenschnäbeln bewohnt. Wichtig ist hier noch anzumerken, dass das Naturschutzgebiet nur mit einem Elektromotor befahren werden darf. Dieser ist jedoch – meiner Meinung nach – ohnehin unerlässlich um in den engen Zufahrten zu Bootshäusern navigieren zu können und sich langsam und möglichst geräuschlos einem potentiellen Hechtstandplatz zu nähern.

Ich habe bei Youtube noch ein ganz nettes Video über Langedijk – genauer Broek op Langedijk – gefunden. Das Video vermittelt schonmal einen ganz guten Eindruck von der Umgebung und den Gewässern.

Unterkunft

Adresse vom Bungalowpark De Vlietlanden

De Vlietlanden
Droge Wijmersweg 5
1693 HP Wervershoof

Untergebracht waren wir für die Zeit unseres Aufenthalts in einem Bungalow des Typs De Kleine Vliet. Der Preis pro Woche in der Nebensaison inklusive aller Nebenkosten beträgt ca. 350 Euro. Das schlicht eingerichtete Ferienhaus hat drei Schlafzimmer mit Doppelbetten und bietet bis zu 6 Personen Platz. Angenehm ist das vom Bad getrennte WC sowie die geräumige Wohnküche mit einem großen Tisch. Hieran können 6 Personen ohne Probleme Fliegenbinden. Jeder Bungalow verfügt über einen eigenen Bootsanlegeplatz. Nähere Informationen über die unterschiedlichen Bungalows sowie aktuelle Preislisten und aussagekräftige Fotos findet man auf den informativen Webseiten des Ferienparks. Wichtig ist vielleicht noch anzumerken, dass man mindestens ein verlängertes Wochenende – d.h. 3 Nächte von Freitag bis Montag – buchen muss. Für kürzere Aufenthalte empfiehlt sich dann eher eine Pension in Langedijk. Andere Orte in der nahen Umgebung der hier beschriebenen Gewässer sind weniger sinnvoll, da diese – meines Wissens nach – über keine eigenen Bootsrampen verfügen.

Fischereilizenz

Um in den hier beschriebenen Gewässern fischen zu dürfen, benötigen Fliegenfischer (und natürlich auch alle anderen Angler) über 15 Jahre die sogenannte Noord-Holland POS visvergunning. Den Schein gibt es zusammen mit einem umfangreichen Informationsblat sowie einer übersichtlichen Karte der Wasserwege für 25 Euro an der Rezeption des Bungalowparks. Der Schein berechtigt zum Fichen mit maximal zwei Ruten und ist für das laufende Kalenderjahr gültig. Die Schonzeit für Hechte erstreckt sich vom 1. März bis zum 30. Juni. Zu beachten ist unbedingt, dass in den Gewässern des Ferienparks Catch and Release vorgeschrieben ist!

weitere Informationen: snoekvissen.nl

Bootsvermietung

Für das Fliegenfischen auf Hecht in den Gewässern des Bungalowparks De Vlietlanden, den umliegenden Seen und Kanälen sowie in den Wohn- und Naturschutzgebieten von Langedijk ist ein Boot (mit Benzin- und  Elektromotor) in meinen Augen unverzichtbar. Dies hat zwei Gründe: Zum einen sind die Entfernungen riesig. Man würde sehr viel länger brauchen um von einem zum anderen potentiellen Hechtstandplatz zu kommen. Zum anderen liegen viele der guten Plätze (Bootshäuser, Stege etc.) an den Gärten von Privathäusern. Hier käme man ohne einen fahrbaren Untersatz gar nicht ran.

Es gibt im Bungalowpark die Möglichkeit Boote zu mieten. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob auch Boote mit Elektromotoren angeboten werden. Hier müsste man beim Betreiber nochmal nachfragen. Die Preise schwanken je nach Größe und Leistung des Motors zwischen zwischen 45 € und 60 € pro Tag bzw. zwischen 200 € und 265 € pro Woche.

weitere Informationen: snoekvissen.nl

Ausrüstung

Empfehlen würde ich für das Fliegenfischen in den hier angesprochenen Kanälen eine Rute der Klasse 7 bis 8. Für die Hechte reicht im Grunde eine 7er locker aus, um größere Fliegen aber an den Seen auch über eine größere Distanz gegen den Wind bequem zu bewegen, würde ich zu einer 8er raten. Ich persönlich würde eine „schnelle“ Rute bevorzugen, da in den Kanälen die Fliege oftmals auf sehr kurze Distanz präsentiert werden muss. Hier empfand ich eine Rute die einen langsameren Wurfrhythmus erfordert als weit weniger angenehm. Da man – insbesondere in den Einfahrten zu Bootshäusern – auf engstem Raum werfen muss, rate ich zu einer Rute mit 8-9ft.

Da die Gewässer maximal 2m tief sind, die Fliege an vielen Stellen aber dennoch sehr zügig auf Tiefe gebracht werden muss (Bootshäuser, Stege, kleine Buchten auf kurze Distanz angefischt) würde ich vornehmlich mit einer Sinkschnur fischen. Lediglich für Popper würde ich zu einer Schwimmschnur raten. Unser selbsgebautes Vorfach bestand in beiden Fällen aus einem ca. 80cm langen Stück 60er Monofil und einem ebenfalls ca. 80 cm langen Stück Hardmono.

Was benötigt man sonst noch? Neben Rute, Rolle (ist auch hier im Grunde nur ein Schnurbehälter) und Schnur sollte man unbedingt einen großen Kescher bei sich führen. Kleinere Hechte kann man aus dem Boot zwar auch bequem per Hand landen, größere und schwerere Exemplare sind aber im Netz besser aufgehoben. Darüber hinaus sollte man natürlich eine Rachensperre und eine lange Lösezange bei sich führen.

Fliegen

Unsere Fliegen bestanden vorrangig aus:

  • Bucktail (schwarz, weiß, grün, pink)
  • Flashabou (silber, multicolour)
  • Zonkerstrips (schwarz, braun)

Als Beschwerung dienten Kettenaugen. Da die Gewässer (aufgrund der noch recht hohen Wassertemperatur) relativ viele Algen etc. aufwiesen, haben wir mit Hilfe von 50er Monofil einen Krautschutz eingebunden. In den Kanälen hat sich eine Größe von etwa 8 bis 12 cm als fängig herausgestellt. Dies mag dem ein oder anderen vielleicht „zu klein“ vorkommen, ist aber aufgrund der geringen Wassertiefe, der kurzen Wurfdistanz und dem recht klaren Wasser absolut ausreichend. In den Seen kann man natürlich auch auf 15 bis 20 cm hoch gehen. Hiermit haben wir aber keine Erfahrungen gemacht.

Einige unserer Fliegen habe ich ja bereits im Bericht Hechtstreamer vorgestellt. Die fängigste Fliege des Wochenendes möchte ich Euch zum Abschluss aber natürlich nicht vorenthalten.

(Fängig – Der Gewinner des Wochenendes)

Bindeanleitung

  1. Auf den Haken der Größe 2/0 wird das Monofil für den Krautschutz mit der Grundwicklung fixiert.
  2. Eine steife Schlaufe aus Monofil wird als Verlängerung des Hakenschenkels eingebunden. (Die Schlaufe soll verhindern, dass sich der Zonkerstrip im Haken verfängt.)
  3. An das Ende des Hakenschenkels wird ein schmaler Streifen schwarzes Bucktail eingebunden.
  4. Über das Bucktail wird eine erste dünne Lage Flashabou in der Farbe multicolour eingebunden.
  5. Die Kettenaugen werden mittels Achterwicklung fixiert.
  6. Hinter den Kettenaugen wird der Zonkerstrip fixiert. (Er sollte etwas kürzer sein als das Flashabou, dies erzeugt ein schöneres Spiel im Wasser.)
  7. Über den Zonkerstrip wird eine zweite dünne Lage Flashabou sowie eine zweite dünne Lage Bucktail eingebunden.
  8. Als letztes wird eine letzte dünne Lage Flashabou eingebunden.
  9. Der Krautschutz aus Monofil wird unterhalb der Kettenaugen an den Haken gebunden.
  10. Der Streamer wird am Kopf mit Lack oder Sekundenkleber gesichert und mit einem Kopfknoten abgeschlossen.

Viel Spaß beim Nachbinden!








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