Es geht los!

14 03 2014

von Alex

Wir haben lange darauf gewartet: Die Saisoneröffnung! Dieses Wochenende starten die meisten von Euch ins Fliegenfischerjahr 2014. Die letzten Tage haben wir alle viel Zeit damit verbracht, unsere Sachen vorzubereiten, die letzten Lücken in unseren Fliegendosen zu füllen und uns in allen Facetten auszumalen, wie die ersten Stunden am Wasser wohl sein werden. Die Aussichten, dies gilt wohl für die meisten Gewässer unserer Region, sind aufgrund der sehr milden Temperaturen der letzten Zeit sehr gut. Die Forellen sind – wie ich vielerorts beobachtet habe – sehr aktiv und nehmen bereits die ersten, kleinen Eintagsfliegen von der Oberfläche. Regelmäßige Ringe sprechen für die ersten ausgeprägten Schlüpfe. Während wir im letzten Jahr bei erhöhtem Pegel und Schnee das erste Mal ins Rauschen des Flusses eingetaucht sind, erwartet uns diesmal (zumindest bei uns) ein recht niedriger Wasserstand – zu meinem Bedauern, liebe ich doch insbesondere die Fischerei im schnellen Wildwasser. Aber ich werde sicherlich auch bei diesen Bedingungen ein breites Grinsen auf dem Gesicht haben. Denn das wichtigste ist doch, dass wir unsere Freunde am Ufer wieder treffen, unsere über den Winter veränderten Gewässer neu entdecken können und wieder da sind, wo wir hingehören: in unseren Wathosen.

Für mich geht es in diesem Moment los. Meine Taschen stehen gepackt vor mir, das Auto ist aufgetankt. In 5 Minuten geht es in Richtung Belgien, um morgen in aller Früh die Nymphen zu wässern. Wohin es mich am Sonntag verschlägt ist noch unklar, vielleicht an die Rur, vielleicht bleibe ich aber auch in der Wallonie. Ich werde mich überraschen lassen und wünsche Euch, dass auch Ihr auf die ein oder andere Überraschung trefft – hoffentlich ist sie rotgetupft!

Einen ausführlichen Bericht zu meiner Saisoneröffnung, Bilder meiner aktuellen Fliegendosen und (hoffentlich) einige Fotos der ersten Bachforellen findet Ihr am Sonntagabend auf unserer Facebookseite oder am Montag hier auf FLY.BEI.

Tight Lines!

Euer Alex

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Saisonstart

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Saisonstart an der Rur

17 03 2011

Endlich, endlich, endlich: Mitte März! Ein Feiertag im Kalender jedes (hiesigen) Fliegenfischers. Zumindest all derer, die wie ich der traurigen 5. Jahreszeit – der sogenannten Schonzeit – mehr als überdrüssig geworden sind und mit brennendem Herzen ans/ins Wasser drängen um sich abzukühlen. Obwohl die ersten Tage der neuen Forellensaison nicht gerade für spektakuläre Fänge oder ihre optimalen Wetter- und Wasserbedingungen bekannt sind, konnte Marc und mich nichts aufhalten. Und das war auch gut so, dazu aber in ein paar Zeilen mehr:

Pünktlich um 7.30 Uhr standen wir in der Bäckerei des noch seelig schlummernden Monschaus, um die ersten Tageskarten im Jahr 2011 in Empfang zu nehmen. Mit vollen Fliegendosen und mit allem ausgestatt was man für einen langen Tag an der frischen Luft so braucht (reichlich Capri Sonne und belgischen Süßspeisen mit politisch nicht ganz korrekten Namen), hatte die Rur uns wenig später endlich wieder. Ich meine aus ihrem heiteren Rauschen entnommen zu haben, dass sie sich auch freute mich endlich wieder zu sehen 😉

Bild 1: Unser zweiter gemeinsamer Saisonstart

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Einziger kleiner Wehrmutstropfen an diesem Morgen: Meine an den Füßlingen zerschlissen Wathose war noch nicht aus dem europäischen Simms Hauptquartier in Norwegen zurückgekehrt. (kurzer erklärender Exkurs hierzu: meine Beschwerde über die ramponierten Füßlinge nach einem Jahr Dauereinsatz wurde von Seiten des Herstellers mit dem Tipp „nach dem Fischen trocknen“ erwiedert. Meine Rückfrage, was man denn machen soll, wenn die Hose ständig nass, weil in Benutzung ist, wurde ebenfalls freundlich beantwortet: „Dann wenigstens hängend lagern.“ Ok. Nehm ich mir zu Herzen. Bisher lag sie immer im Auto, frische Luft bekam sie ja doch alle zwei Tage genug.)

So durfte meine alte Wathose noch einmal Ihren Dienst antreten und ich war gespannt, ob sie noch dicht war. War sie. Glück gehabt. Wir fischten wie immer gemeinsam flussaufwärts, einer am linken Ufer einer auf der gegenüberliegenden Seite. Das Wasser zwischen unseren Beinen war schnappsklar, eiskalt und für Mitte März erstaunlich flach. Selbst während der heißen Sommermonate im vergangenen Jahr führte das Gewässer mehr Wasser. Aber, beschweren wollten wir uns nicht. Besser Niedrigwasser als kaffee-braunes Hochwasser wie vor exakt 12 Monaten.

Bild 2: Niedrigwasser an der Rur

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Die ersten 200m tat sich wenig, oder besser: nichts. Weder mein Bachflohkrebs in orange noch meine optimistisch angeknüpfte grüne Köcherfliege stießen auf euphorische Gegenliebe. Kein Fisch war zu sehen, kein Fisch huschte vor unseren Schritten auf dem steinigen Grund, vor unseren dunklen Schatten auf der Oberfläche oder unserer stromauf präsentierten Flugschnur davon. Der eisige Fluss schien wie ausgestorben. Erst 200m weiter, am Eingang zur Stadt, durften wir aufatmen: die ersten Bachforellen der Saison! Die Rotgetupften waren offenbar noch wenig aktiv und saßen tief in den zahlreichen Löchern der Mauern, weit unter ausgespülten Steinen und am Grund der Rillen zwischen den schwarzen Schiefersteinen. Genaue Präsentationen waren gefragt. So stellten sich aber regelmäßig Erfolge ein und in der Stadt hatten wir die ersten Salmoniden gleichzeitig am Band. Selbst auf die Trockenfliege fing ich – obwohl nur vereinzelt Köcherfliegen auszumachen waren – einige der dunkel gefärbten Schönheiten.

Als wir schon dachten „Erstaunlich gut für einen Saisonauftakt!“ kam es noch besser: Marc war gerade dabei seine Nymphe zu wechseln, als ich meine gut sichtbare Elkhair Caddis einige Meter vor seine Füße an den Beginn einer längeren Rinne platzierte. Sie trieb auf den tüddelnden Marc zu, kam aber nicht besonders weit. Denn ein großer, länglicher Kopf durchbrach die Wasseroberfläche, stellte sich ihr in den Weg und nahm das vermeintliche Insekt mit aller Wucht und einem verräterischen Geräusch, dass das sensible Gehör jedes Fliegenfischers unmittelbar anspricht. Marc blickte auf und sah zum einen ein grinsendes „mich“ am anderen Ufer und eine das Wasser durchpflügende Schwanzflosse unmittelbar vor ihm. Der sanfte Anhieb der Rute hatte gesessen und der Fisch zog einige Meter flussaufwärts davon. Meine Bremse surrte und spielte die schönste Melodie die ich in den vergangenen Monaten gehört hatte. Taktikwechsel meines Gegenübers: Nach dem strammen aber kurzen Marsch bergan ließ sie sich flussabwärts treiben. Ich konnte ihr aufgrund des niedrigen Wasserstandes glücklicherweise folgen und dirigierte sie in seichtere und strömungsärmere Regionen. Wenig später lagen wir uns in den Armen. Marc und ich versteht sich. Die Bachforelle lag hingegen sicher in seinem Schonnetz. Ein wunderschöner, dunkel gezeichneter und vor allem wilder Fisch (es werden dort nur Brutfische der Ur-Eifel-Forelle besetzt) mit wenigen hell-roten Punkten und einem dicken Bauch. An schmackhafter Nahrung schien es in den letzten kalten Wochen nicht gemangelt zu haben. Wir hätten zu gerne gewusst, welche Köstlichkeiten sich der Athlet einverleibt hatte, Insekten waren dies jedenfalls nicht ausschließlich gewesen…

Bilder 3-4: Der Fisch des Tages mit knapp 50cm

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Glücklich und erleichtert – erleichtert, weil ich im vergangen Jahr dort zwei große Fische bei Hochwasser verloren hatte und mir nicht sicher war, ob sie den anstrengenden Drill in den tosenden Fluten unbeschadet überstanden hatten – fischten wir bis zum frühen Nachmittag weiter. Wir überlisteten weiterhin schöne, wenn auch deutlich kleine Forellen (auch eine kampfstarke Regenbogenforelle konnte der Trockenfliege nicht wiederstehen) und genossen die Ruhe des üblicherweise von Touristen bevölkerten Städtchens. Lediglich eine Gruppe Fliegenfischer aus Limburg kreuzte unseren Weg. Alle drei hatten bis dato aber nur eine Forelle fangen können.

Bild 5: Eine wilde Bachforelle

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Nach einer stärkenden Currywurst, die einem an einem solchen Tag wie das Menu eines Sternekochs auf der Zunge zergeht, fischten wir am Nachmittag noch der Einlauf eines kleinen Bachs. Dass sogar unsere Gespließten bei der Saisoneröffnung zum Einsatz kommen würden, hätten wir wenige Wochen zuvor wahrlich nicht geglaubt… Marc fing für das kleine, wilde Gewässer einen echten Riesen und mit Rückenschmerzen aber einem Lächeln auf den trockenen Lippen machten wir uns am frühen Abend auf den kurzen Heimweg. Kann ein Start ins Jahr besser verlaufen?

Impressionen Saisoneröffnung:








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