Produktkataloge – Information und Persuasion

11 01 2011

Gestern stöberte ich ein wenig gelangweilt bei Facebook nach Gruppen- und Infoseiten zu unserem Lieblingsthema. Dabei stieß ich über Umwege auf die Seite von Simms Fishing Products. Da Simms bereits 9.999 „Likes“ für sich verbuchen konnte, zögerte ich nicht lange und stimmte zu: Simms? Gefällt mir! Punktlandung. 10.000 mal den digitalen „Daumen hoch“. Jede Menge virtuelle Zustimmung für den Hersteller von Watklamotten aus dem Herzen Montanas.

Verwundert war ich hierüber allerdings kaum. Denn ich denke, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, dass es kaum einen Fliegenfischer zwischen hier und Bozeman gibt, der nicht schon einmal etwas über Simms gehört oder einen anderen Fliegenfischer mit einer entsprechenden Wathose oder -jacke am Wasser getroffen hat. Ich habe zwar leider keine verlässlichen Zahlen, aber ich bin mir sehr sicher: Simms ist im Bereich der funktionalen Bekleidung für Fliegenfischer mit Abstand Weltmarktführer. Aber was ist der Grund für diese Vormachtstellung? Liegt es an der verlässlichen Qualität und sauberen Verarbeitung der Produkte? Der am Wasser erprobten Funktionalität? Dem innovativen Design?

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Ich weiß nur, dass ich selber auch einige Produkte von Simms im Kofferraum meines Kombis liegen habe. Sei es meine Wathose, meine Watjacke, meine Watschuhe, meine Fleecehose oder meine hässliche gelbe Glückskappe – der Gewinn meines belgischen Freundes Ralf bei einem Bindewettbewerb; er wollte sie aufgrund der knalligen Farbe nicht tragen und schenkte sie mir: alle haben ihre speziellen Aufgaben im Dauereinsatz bisher mit Bravour erledigt und mich noch nie im Stich gelassen. Aber wie sind all diese Sachen in meinen Kofferraum gekommen? Am günstigen Preis liegt es sicher nicht! Ok, ich habe hier und da ein Schnäppchen gemacht, aber dennoch.

Ein Teil der Antwort liegt mit Sicherheit – neben der Qualität – auch im Image von Simms und ist den zahlreichen Marketingkampagnen geschuldet. Träger bzw. Medien dieser absatzsteigernden Strategien sind neben der eigenen Webseite, stimmungsvollen Bildanzeigen und „gesponsorten“ Videos in Online-Magazinen bestimmt auch die jährlichen Produktkataloge. Die neuste Ausgabe, für das junge Jahr 2011, ist erst vor ein paar Tagen im Internet als „e-catalog“ erschienen. Für einen fliegenfischenden Kommunikationswissenschaftler wie mich, der sich beruflich auch mit Werbung und Werbesprache beschäftigt, ist ein Blick in einen solchen Katalog doppelt interessant: Auf der einen Seite bietet er direkt und beschreibend „echte“ Information. Der potentielle Käufer wird über die Eigenschaften eines Produktes aufgeklärt. Auf der anderen Seite – und dieser Aspekt ist mindestens ebenso wichtig – versteht er es sowohl durch Sprache als auch (und vorallem) durch schwarz-weiß Fotos indirekt zu beeinflussen, oder zumindest, ein bestimmtes Gefühl zu erzeugen. Information und Persusion. Es wäre sicherlich interessant, diesen Katalog unter den zwei Gesichtspunkten einmal genauer zu analysieren.

(Natürlich kann ich mir auch die Kataloge von Sage, Hardy, Guideline, Vision oder oder oder anschauen. In meinen Augen hat aber kein Hersteller eine vergleichbare Sonderstellung auf dem Markt; apropos und nur zum Vergleich: Amerikas Rutenbauer Nr.1, Sage, hat nur knapp 2000 Facebook „likes“, Hardy aus England unter 400 „gefällt mir“)

Simms Produktkatalog – Information und Persuasion


Und auch wenn ich mir dieser persuasiven Strategien vollkommen bewusst bin und Kataloge normalerweise nur oberflächlich durchblätter: Wathose, -jacke und -schuhe sind trotzdem irgendwie in meinem Kofferraum gelandet… und dies ist sicherlich nicht den eifrigen Produkttests im Fliegenfischerforum zu verdanken.

Was denkt Ihr über dieses Thema? Warum entscheiden wir uns für bestimmte Produkte und lassen andere, vergleichbare Produkte links liegen? Rein rational auf Basis von Information und vor dem Hintergrund sachlicher Abwägung von Argumenten? Oder lassen wir uns – auch wenn wir es nicht immer zugeben wollen – doch auch ein bisschen um den Finger wickeln?

Würde mich freuen zu hören/zu lesen was Ihr hierüber denkt!








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