Auf engstem Raum

6 07 2014

von Alex

Nach Kursen auf Barbe und Forelle in den letzten Tagen, zog es mich gestern Abend selber auch noch einmal ganz kurz ans Wasser. Ich hatte vor zwei Wochen an einem schmalen Bach einen kleinen, sehr versteckten Pool entdeckt, den ich unbedingt noch einmal ausprobieren wollte. Bei meinem ersten Besuch gab es dort bereits einen 40+ Fisch und im Drill meinte ich, eine noch größere Bachforelle gesehen zu haben. Ich war mir aufgrund des schnellen Wassers allerdings nicht ganz sicher gewesen. Dies wollte ich unbedingt überprüfen.

Der Mini-Gumpen war etwa so breit wie tief und im vorderen Teil hatten sich viele, viele Äste angesammelt. Im hinteren Teil war die Uferseite komplett unterspült, und dichte, rote Wurzeln boten einen zweiten sicheren Standplatz. Insgesamt eine heikle Stelle, sollte man hier auf einen kräftigen Fisch treffen, denn auch die Strömung im Zulauf war äußerst stark.

Ich näherte mich dem Pool stromauf und ließ meine 16er Nymphe mit erhobenem Arm und einem fast gestreckten Vorfach kontrolliert in den Auslauf trudeln. Ich hatte mich entschieden, hier nur mit einer Nymphe zu fischen, denn einen möglichen Hänger des zweiten Musters im Drill wollte ich unbedingt vermeiden. Außerdem fischte ich mit einer 5x Vorfachspitze, für dieses kleine Gewässer und den niedrigen Pegel ansonsten etwas zu dick. Aber falls ich Kontakt bekommen sollte, musste sofort Gegendruck ausgeübt werden, um eine Flucht in die Äste oder die Wurzeln zu verhindern.

Schon bei der ersten Drift sah ich im klaren Wasser, dass sich eine stattliche Bachforelle, die ich zuvor nicht entdeckt hatte, obwohl ich mich auf maximal 3 Meter genähert hatte, vom Grund löste und meine Nymphe im Mittelwasser nahm. Ich zog sie schnell aus dem Pool und drillte sie kurz unterhalb aus. 42cm! Aber weder der Fisch den ich bereits kannte, noch der größere Fisch, der mir seitdem nicht aus dem Kopf gegangen war. Also ein zweiter Versuch.

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Ich wartete einen Moment und machte meine nächste Drift. Diesmal in die Mitte des Pools. Ich ließ die Nymphe mit der Strömung in Richtung Ufer und Wurzeln abtreiben, senkte sie leicht ab und bewegte sie in der Geschwindigkeit der Strömung in Richtung Auslauf. Eine zweite größere Bachforelle verließ das Wurzelwerk und folgte ihr, verpasste aber. Ich wartete nochmals ein paar Minuten, ließ die Forelle ihren Standplatz wieder einnehmen und wiederholte die Drift. Diesmal nahm sie! Auch hier das gleiche Spiel, ich versuchte den Fisch vom Zug stromauf abzuhalten und konnte sie wenig später im Auslauf auf engstem Raum unter den überhängenden Ästen landen. 43cm! Der mir bekannte Fisch von vor zwei Wochen.

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Abermals ein paar Minuten später war dann der Hotspot des Pools dran. Der Einlauf mit den vielen Ästen und der Kehrströmung, die sich oberhalb des Baumes mit den Wurzeln am Ufer gebildet hatte. Am erhobenen Arm platzierte ich die Nymphe über die schnelle Strömung hinweg in den ruhigen Bereich und unmittelbar war meine Rute das dritte Mal krumm. Ich merkte schnell, dass diese Forelle wesentlich größer war, denn sowohl der erste Schwall an der Oberfläche, als auch der Zug in Richtung Grund zeugten von immenser Kraft. Meiner 3er Rute wurde richtig gefordert. Mit der Cult im Halbkreis versuchte ich dem Fisch Paroli zu bieten und daran zu hindern, sich gegen die Strömung zu bewegen. Aber vergebens, er zog vom Auslauf, wohin ich ihn kurz dirigieren konnte, in Richtung Einlauf. Er wusste offenbar genau, dass er dort im dichten Unterwassergestrüpp angespülter Äste die besten Chancen hatte. Und die nutze er! Denn wenig später spürte ich, dass mein Vorfach einen Ast touchiert haben musste, die Bewegungen der Forelle waren nicht mehr zu spüren. Ein Hänger?! … Was jetzt?! Ich entschied mich für die positive Variante, hielt meine 10ft. Rute auf Spannung und kletterte in den Pool, die Rute weit hinter mir ausgestreckt. Wie befürchtet, hatte sich mein Vorfach um einen der vielen Äste gewickelt. Zum Glück war er recht dünn, so dass ich ihn schnell überbrechen konnte. Und da waren auch die Bewegungen des Fisches wieder, mein Schonhaken hatte gehalten. Glück gehabt! Direkt griff ich zum Kescher auf meinem Rücken und hielt ihn tief ins Wasser. Der Fisch hatte keine Möglichkeit mehr auszuweichen und fand sich in meinem Schonnetz wieder. Erleichterung! Der bisher herausfordernste Drill dieser Art mit vielen unangenehmen Entscheidungen in kürzester Zeit. Der Fisch war es allemal wert! Eine sehr alte Bachforelle, dunkel gefärbt, etwas aus dem Futter und mit einem großen, markanten Kopf. 54cm!

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Nach insgesamt vielleicht 20 Minuten und mit ein paar Schnappschüssen im Gepäck, machte ich mich durchs tiefe Unterholz auf den Weg zurück, um an anderer Stelle den Abend gemütlich mit der Trockenfliege ausklingen zu lassen.

Ich hoffe, dass Ihr ebenfalls ein schönes Wochenende mit hoffentlich ähnlich glücklich endenden Herausforderungen am Wasser hattet!

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„Enough is enough“

14 09 2013

von Alex

Es ist Samstag, Wochenende. Regen prasselt gegen die Scheibe über dem Bett. Drinnen ist es gemütlich und warm, draußen nicht. Der Bindestock zu weit vom Bett entfernt. Aber der Laptop ist in Reichweite. Zeit für ein paar Videos! Zwei davon möchte ich Euch ans Herz legen. Das eine ist recht neu und fragt „When ist enough enough?“. Es dokumentiert die durch Wasserkraftwerke verursachten Veränderungen des berühmten McCloud Rivers an der amerikanischen Westküste. Das andere ist schon etwas älter, bisher aber an mir vorbei gegangen. Thematisiert wird die besondere Beziehung und Freundschaft zweier Fliegenfischer. Erwärmend bei dem herbstlichen Wetter und den konstant fallenden Temperaturen.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende, ob im warmen Zuhause oder draußen am Wasser!

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Frontsidefly: Slovenia

15 07 2013

von Alex

Immer wenn ich mit Lennet fischen gehe frage ich „Und, coole neue Videos?“. Meinstenst sagt er dann „Jo!“. Und manchmal stelle ich seine Empfehlung dann anschließend hier online. Zum Beispiel heute. Das neue Video von Frontsidefly: 20 Minuten Slowenien. Viel Pläsier!





DoD Diaries

16 01 2013

von Alex

Lennet hat mich heute auf den sehr ansprechenden Blog „Frontsidefly“ aufmerksam gemacht. Obwohl ich mich – seinem Ratschlag folgend – von hinten zu den aktuellen Beiträgen hätte vorarbeiten sollen, habe ich mir direkt einmal den neusten Artikel bzw. das neuste Video angeschaut. In diesem geht es um den Trip einiger Freunde an abgelegene Flüsse Nord-Skandinaviens. Nicht, dass das Video durch zahlreich gefangene Großforellen oder spektakuläre Drills bestechen würde, nein. In ruhigen Bildern wird vielmehr ein Gefühl wiedergegeben, an das ich mich gerne zurück erinnere: Im letzten Sommer waren Nino, Fabian, Lennet und ich bis in die späten Abendstunden oft zusammen am Wasser unterwegs, haben steigende Fische beobachtet, uns Taktiken zurecht gelegt und unzählige Fliegen genässt. Manchmal, nicht immer, konnten wir die Ziele unserer Begierde dabei auch verführen. DAS war aber letztlich nicht ausschlaggebend für eine gute gemeinsame Zeit. Leider haben sich unsere Wege mittlerweile ein wenig zerstreut, Fabian ist zurück in seine fränkische Heimat, Lennet ist zum Studieren in die Niederlande gegangen. Dennoch: auch in diesem Jahr werden wir uns – wenn auch nicht so oft – für ein paar gemeinsame Ausflüge an unsere heimischen Flüsse wieder treffen. Vielleicht klappt es endlich auch mit einem Urlaub in Norwegen oder Slowenien. Egal was wir am Ende machen, ich freue mich schon darauf!

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Achja: DoD bedeutet im übrigen „Dry or Die“ – beschreibt also das ausnahmslose Fischen mit der Trockenfliege.





Fernweh lässt grüßen!!

8 01 2013

von Fabian

Kennt Ihr das auch? Man kommt in der kalten Jahreszeit nach Hause, es ist bereits wieder so dunkel wie zu dem Zeitpunkt, als man in der Früh die Wohnung verlassen hat. Fischen ist unter der Woche für die meisten dementsprechend unmöglich. Das einzige was bleibt, um seinem Hobby zu frönen, ist das Fliegenbinden oder sich im Netz auf die Suche nach Clips über das Fliegenfischen in einer spektakulären Umgebung zu begeben.  So dachte wohl auch ein sehr guter Freund von mir. Hier ist das Ergebnis seiner Suche. Wie Lennet – in meinen Augen ganz zu recht – behauptet, sind diese Produktionen seit langem die Besten!

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Nehmt Euch unbedingt die Zeit und ladet die Videos in HD-Qualität. Es lohnt sich!

Weitere Videos von „Montana Wild Productions“ findet ihr hier.





Kleiner Bach – Große Forellen

7 01 2013

von Alex

Auf dem informativen (Finest-)Blog von Jan Pieter bin soeben auf folgendes Video gestoßen, das ich Euch auf keinen Fall vorenthalten möchte. Ich liebe die herausfordernde Fischerei an kleinen, bewachsenen Bächen. Oftmals erlebt man mit der Trockenfliege gerade an diesen wenig befischten und schwer zugänglichen Gewässern die schönsten Überraschungen.





Die letzten Wochen an der Rur

12 10 2012

In den letzten Wochen ist der bunte Herbst – meine liebste Jahreszeit – langsam aber stetig ins obere Rurtal eingezogen. Während die ersten Ausflüge an die Eifel-Rur noch von Sonnenschein und Niedrigwasser geprägt waren, stieg der Pegel nach teils heftigen Regenschauern von 20 auf über 80 Zentimeter an. Glücklicherweise konnte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch viele Stunden am Wasser verbringen. Selten war ich dabei alleine unterwegs: Mit Fabian habe ich vor seinem Um- bzw. Rückzug in die fränkische Heimat noch einmal unser Lieblingsstück der Rur befischt und zahlreiche Äschen von einer leichten 16er Nymphe mit pinkfarbenem Köpfchen überzeugen können. Auch mit Tankred war ich bei den letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Jahres am Ufer des abwechslungsreichen Eifelflusses unterwegs und habe hauptsächlich den tief stehenden Fahnenträgerinnen nachgestellt. Ich bin gespannt, was der fliegenfischende Blogger bzw. bloggende Fliegenfischer aus Köln in Kürze über unsere gemeinsamen Ausflüge auf seiner informativen Seite „Forelle und Äsche“ berichten wird. Nicht mehr ganz so erfreulich – und damit beziehe ich mich selbstverständlich ausschließlich auf die Wetterbedingungen – erging es anschließend Bernd. Bei fallenden Temperaturen und ersten längeren Schauern konnte der wissbegierige und motivierte Einsteiger nach einem Wurfkurs nun endlich seine ersten Bachforellen und Äschen, sowohl auf Trockenfliegen als auch auf Nymphen, landen. Mittlerweile hat er seine ersten eigenen Muster gebunden und ich habe gehört, dass ein weiterer Bindestock auf dem Weg in Richtung Dreiländereck ist 😉

Auch der Kurs mit Dirk und Sören war von heftigen Regenfällen begleitet. Und obwohl der Wasserstand auf den ersten Blick mit knapp über 30cm ideal schien, waren die Rotgetupften aufgrund der über den Tag rasch zunehmenden Trübung nicht in bester Beißlaune. Selten sind solche Tage an der Rur, aber es gibt sie. Denn meiner Erfahrung nach ist ein leicht getrübtes Wasser auf diesem Flussabschnitt kein Grund aus der Wathose zu schlüpfen. Eher im Gegenteil! Dennoch: hier und da durften wir sowohl Bachforellen als auch – für den von uns befischten Parcours – sehr selten aufzuspürende Äschen kurz in unseren feuchten Händen halten. Nur der sonst typische „Rur-Effekt“ war eben nicht zu spüren: an beinahe jeder aussichtsreichen Stelle lauert ein Fisch, der sich, eine saubere Präsentation vorausgesetzt, aufgrund der schnellen Strömung eher für als gegen das über ihm vorbei treibende Insektenimitat entscheidet. Ich hoffe (und bin mir ziemlich sicher), dass sich die beiden noch vor der anstehenden Schonzeit hiervon überzeugen können. Dann aber mit selbstgebundenen Nymphen, denn auch die beiden Aachener haben in der Zwischenzeit ihre ersten (Dirk) bzw. weitere (Sören) Erfahrungen im Fliegenbinden gesammelt und gesehen, dass man mit wenigen Mitteln bereits eine Vielzahl ansprechender Muster kreieren kann.

Das nächste Guiding an der Rur schien hingegen ziemlich herausfordernd zu werden: Das hatte nichts mit Björn zu tun, der bereits beim gemeinsamen Binden von Nymphen ein aufmerksames Interesse bewiesen hatte. Nein, ein Wasserstand von knapp über 50 cm erwartete mich und den Ex-Eupener, der seine ersten Schritte in der Rur bereits Anfang des Jahres gemacht hatte. Fünfzig Zentimeter hören sich zunächst nicht besonders beeindruckend an, wer aber einmal unter diesen Konditionen den wilden Eifelfluss befischt hat weiß, dass dies eine sehr aufmerksame und aktive Fischerei verlangt, die nichts mehr mit der entspannten und feinen Präsentation einer Trockenfliege zu tun hat. Und wer mich kennt weiß außerdem, dass ich solche Bedingungen liebe 😉 Nachdem das Thermometer endlich über den Nullpunkt geklettert war und sich die Sonne ihren Weg über die steilen Berge ins Tal gebahnt hatte, fingen wir an vielen Stellen gleich mehrere Bachforellen – zu unserer Überraschung teilweise sogar auf die Trockene, eine gut schwimmende Elk-Hair-Caddis. Ein spektakulärer Höhepunkt unter den vielen anderen schönen Momenten am Wasser war aber wohl der Drill einer ü50er: Wir befischten eine schmale, tiefe Rinne mit einer starken Oberflächenströmung. An beiden Strömungskanten bilden sich hier zum steinigen Ufer hin gleichmäßige Kehrströmungen. Gute Standplätze für eine Bachforelle, oder? Ja, auf das linke Ufer trifft diese Einschätzung auch stets zu und so überraschte es mich nicht, dass Björn gleich zwei Bachforellen hier zum Biss verleiten konnten. Am rechten Ufer hingegen hatte ich nie einen Fisch fangen dürfen – das erzählte ich meinem Begleiter auch. Björn bestand trotzdem darauf, dass ich meine Tungstennymphe am langen Arm über die Strömung in die kleine Tasche servierte. Kaum hatte der Bachflohkrebs die dunkle Oberfläche berührt, wurde das kreisende Wasser von einem Schwall durchbrochen. Bereits da war klar, dass es sich um eine große Bachforelle handeln musste. Dass es ein Exemplar jenseits der 50 cm war, war spätestens dann klar, als ich dem Fisch flussabwärts in den Pool am Ende der Rinne folgen musste. Hier war nach zwei Luftsprüngen und dem mehrfachen Versuch einer aggressiven Flucht unter die tief hängenden Äste zweier Bäume aber noch lange nicht Schluss. Denn obwohl ich Vertrauen in mein Gerät hatte und versuchte den Drill schnell zu beenden, musste ich meinem Bachflohkrebs noch etwa 100m weiter flussabwärts durch die Fluten folgen bis mein Kescher endlich (erfolgreich) zum Einsatz kam. Das auf dem Weg bis zur Landung in der Wathose gesammelte Wasser nahm ich dafür gerne in Kauf 😉

Zeit zum Trocknen will ich meiner strapazierten Wathose aber nicht geben, immerhin steht die Schonzeit vor der Tür. Darum geht es am Wochenende auch wieder in Richtung Eifel, die letzten Tage der Saison wollen genossen werden. Ich hoffe, dass Wetter und Pegel für mich und Nino mitspielen. Und wenn nicht? Was solls! Hauptsache raus, raus ans Wasser. Falls es Euch auch zum Rauschen zieht wünsche ich Euch einen gute Zeit. Genießt den Herbst!








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