Pike on the Fly – Teil 4

25 11 2009

Wie angekündigt möchte ich den letzten Teil meines Berichts über das Fliegenfischen auf Hecht in Nordholland dazu nutzen, einige (hoffentlich) hilfreiche Informationen über Gewässer, Unterkunft, Fischereilizenz, Bootsvermietung, Ausrüstung und fängige Fliegen zusammenzustellen.

Gewässer

In den vier Tagen, die wir in der Provinz Nordholland verbracht haben, befischten wir zwei unterschiedliche Kanalsysteme: An den ersten zwei Tagen (Pike on the Fly – Teil 2) hatten wir es zum einen auf die Hechte im Bungalowpark De Vlietlanden abgesehen und zum anderen den umliegenden Dörfern Medemblik (im Norden) und Onderdijk (im Sünden) einen Besuch abgestattet. Die Wasserstraßen beider Dörfer direkt an den Bungalowpark angeschlossen. In Medemblik empfehlen sich vorrangig der Hafen sowie der Umgehungskanal des Hafenbereichs. Die anderen Wasserwege sind weniger aussichtsreich. In Onderdijk wurden in den letzten Jahren haupsächlich in der Nähe der Kirche einige größere Hechte gefangen. In diesem Jahr haben wir die aussichtsreichen Stellen an den alten, verrosteten Booten im Dorfzentrum allerdings als Schneider verlassen.

Im Bungalowpark schafft man es an einem Tag kaum alle Kanäle gründlich zu befischen. Vor Ort wird man schnell sehen, das prinzipiell jeder Steg, jedes Schilfufer und jeder überhängende Baum ein potentieller Hechtstandplatz ist. Ralf hat über mehrere Jahre hinweg auf einer Karte jene Stellen markiert, an denen er erfolgreich war. Die Karte war angeblich irgendwann nicht mehr aussagekräftig, da fast überall ein Kreuzchen war… Die Wahl fällt also nicht ganz leicht. Es empfiehlt sich jedoch, nicht zu lange an einer Stelle zu verharren. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Bisse meistens bei den ersten 5 Würfen an einen potentiellen Hechtstandplatz verbucht werden konnten. Aber natürlich macht letztendlich erst der Versuch kluch…

An den letzten zwei Tagen (Pike on the Fly Teil 3) waren wir dann in Langedijk. Das Dorf liegt etwa 25 km westlich vom Bungalowpark und ist über eine Schnellstraße gut erreichbar. Die kleine, alte Bootsrampe vor Ort ist nicht leicht zu finden. In Langedijk empfehlen sich zum einen zwei Wohngebiete – nördlich und südlich des großen Sees – und zum anderen das nahe Naturschutzgebiet sowie der angrenzede Museumsbereich. In den Wohngebieten haben sich insbesondere Bootshäuser sowie Stege als Hechtstandplätze erwiesen. Im Naturschutzgebiet waren kleine – durch Schilfkanten abgegrenzte Buchten – von Entenschnäbeln bewohnt. Wichtig ist hier noch anzumerken, dass das Naturschutzgebiet nur mit einem Elektromotor befahren werden darf. Dieser ist jedoch – meiner Meinung nach – ohnehin unerlässlich um in den engen Zufahrten zu Bootshäusern navigieren zu können und sich langsam und möglichst geräuschlos einem potentiellen Hechtstandplatz zu nähern.

Ich habe bei Youtube noch ein ganz nettes Video über Langedijk – genauer Broek op Langedijk – gefunden. Das Video vermittelt schonmal einen ganz guten Eindruck von der Umgebung und den Gewässern.

Unterkunft

Adresse vom Bungalowpark De Vlietlanden

De Vlietlanden
Droge Wijmersweg 5
1693 HP Wervershoof

Untergebracht waren wir für die Zeit unseres Aufenthalts in einem Bungalow des Typs De Kleine Vliet. Der Preis pro Woche in der Nebensaison inklusive aller Nebenkosten beträgt ca. 350 Euro. Das schlicht eingerichtete Ferienhaus hat drei Schlafzimmer mit Doppelbetten und bietet bis zu 6 Personen Platz. Angenehm ist das vom Bad getrennte WC sowie die geräumige Wohnküche mit einem großen Tisch. Hieran können 6 Personen ohne Probleme Fliegenbinden. Jeder Bungalow verfügt über einen eigenen Bootsanlegeplatz. Nähere Informationen über die unterschiedlichen Bungalows sowie aktuelle Preislisten und aussagekräftige Fotos findet man auf den informativen Webseiten des Ferienparks. Wichtig ist vielleicht noch anzumerken, dass man mindestens ein verlängertes Wochenende – d.h. 3 Nächte von Freitag bis Montag – buchen muss. Für kürzere Aufenthalte empfiehlt sich dann eher eine Pension in Langedijk. Andere Orte in der nahen Umgebung der hier beschriebenen Gewässer sind weniger sinnvoll, da diese – meines Wissens nach – über keine eigenen Bootsrampen verfügen.

Fischereilizenz

Um in den hier beschriebenen Gewässern fischen zu dürfen, benötigen Fliegenfischer (und natürlich auch alle anderen Angler) über 15 Jahre die sogenannte Noord-Holland POS visvergunning. Den Schein gibt es zusammen mit einem umfangreichen Informationsblat sowie einer übersichtlichen Karte der Wasserwege für 25 Euro an der Rezeption des Bungalowparks. Der Schein berechtigt zum Fichen mit maximal zwei Ruten und ist für das laufende Kalenderjahr gültig. Die Schonzeit für Hechte erstreckt sich vom 1. März bis zum 30. Juni. Zu beachten ist unbedingt, dass in den Gewässern des Ferienparks Catch and Release vorgeschrieben ist!

weitere Informationen: snoekvissen.nl

Bootsvermietung

Für das Fliegenfischen auf Hecht in den Gewässern des Bungalowparks De Vlietlanden, den umliegenden Seen und Kanälen sowie in den Wohn- und Naturschutzgebieten von Langedijk ist ein Boot (mit Benzin- und  Elektromotor) in meinen Augen unverzichtbar. Dies hat zwei Gründe: Zum einen sind die Entfernungen riesig. Man würde sehr viel länger brauchen um von einem zum anderen potentiellen Hechtstandplatz zu kommen. Zum anderen liegen viele der guten Plätze (Bootshäuser, Stege etc.) an den Gärten von Privathäusern. Hier käme man ohne einen fahrbaren Untersatz gar nicht ran.

Es gibt im Bungalowpark die Möglichkeit Boote zu mieten. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob auch Boote mit Elektromotoren angeboten werden. Hier müsste man beim Betreiber nochmal nachfragen. Die Preise schwanken je nach Größe und Leistung des Motors zwischen zwischen 45 € und 60 € pro Tag bzw. zwischen 200 € und 265 € pro Woche.

weitere Informationen: snoekvissen.nl

Ausrüstung

Empfehlen würde ich für das Fliegenfischen in den hier angesprochenen Kanälen eine Rute der Klasse 7 bis 8. Für die Hechte reicht im Grunde eine 7er locker aus, um größere Fliegen aber an den Seen auch über eine größere Distanz gegen den Wind bequem zu bewegen, würde ich zu einer 8er raten. Ich persönlich würde eine „schnelle“ Rute bevorzugen, da in den Kanälen die Fliege oftmals auf sehr kurze Distanz präsentiert werden muss. Hier empfand ich eine Rute die einen langsameren Wurfrhythmus erfordert als weit weniger angenehm. Da man – insbesondere in den Einfahrten zu Bootshäusern – auf engstem Raum werfen muss, rate ich zu einer Rute mit 8-9ft.

Da die Gewässer maximal 2m tief sind, die Fliege an vielen Stellen aber dennoch sehr zügig auf Tiefe gebracht werden muss (Bootshäuser, Stege, kleine Buchten auf kurze Distanz angefischt) würde ich vornehmlich mit einer Sinkschnur fischen. Lediglich für Popper würde ich zu einer Schwimmschnur raten. Unser selbsgebautes Vorfach bestand in beiden Fällen aus einem ca. 80cm langen Stück 60er Monofil und einem ebenfalls ca. 80 cm langen Stück Hardmono.

Was benötigt man sonst noch? Neben Rute, Rolle (ist auch hier im Grunde nur ein Schnurbehälter) und Schnur sollte man unbedingt einen großen Kescher bei sich führen. Kleinere Hechte kann man aus dem Boot zwar auch bequem per Hand landen, größere und schwerere Exemplare sind aber im Netz besser aufgehoben. Darüber hinaus sollte man natürlich eine Rachensperre und eine lange Lösezange bei sich führen.

Fliegen

Unsere Fliegen bestanden vorrangig aus:

  • Bucktail (schwarz, weiß, grün, pink)
  • Flashabou (silber, multicolour)
  • Zonkerstrips (schwarz, braun)

Als Beschwerung dienten Kettenaugen. Da die Gewässer (aufgrund der noch recht hohen Wassertemperatur) relativ viele Algen etc. aufwiesen, haben wir mit Hilfe von 50er Monofil einen Krautschutz eingebunden. In den Kanälen hat sich eine Größe von etwa 8 bis 12 cm als fängig herausgestellt. Dies mag dem ein oder anderen vielleicht „zu klein“ vorkommen, ist aber aufgrund der geringen Wassertiefe, der kurzen Wurfdistanz und dem recht klaren Wasser absolut ausreichend. In den Seen kann man natürlich auch auf 15 bis 20 cm hoch gehen. Hiermit haben wir aber keine Erfahrungen gemacht.

Einige unserer Fliegen habe ich ja bereits im Bericht Hechtstreamer vorgestellt. Die fängigste Fliege des Wochenendes möchte ich Euch zum Abschluss aber natürlich nicht vorenthalten.

(Fängig – Der Gewinner des Wochenendes)

Bindeanleitung

  1. Auf den Haken der Größe 2/0 wird das Monofil für den Krautschutz mit der Grundwicklung fixiert.
  2. Eine steife Schlaufe aus Monofil wird als Verlängerung des Hakenschenkels eingebunden. (Die Schlaufe soll verhindern, dass sich der Zonkerstrip im Haken verfängt.)
  3. An das Ende des Hakenschenkels wird ein schmaler Streifen schwarzes Bucktail eingebunden.
  4. Über das Bucktail wird eine erste dünne Lage Flashabou in der Farbe multicolour eingebunden.
  5. Die Kettenaugen werden mittels Achterwicklung fixiert.
  6. Hinter den Kettenaugen wird der Zonkerstrip fixiert. (Er sollte etwas kürzer sein als das Flashabou, dies erzeugt ein schöneres Spiel im Wasser.)
  7. Über den Zonkerstrip wird eine zweite dünne Lage Flashabou sowie eine zweite dünne Lage Bucktail eingebunden.
  8. Als letztes wird eine letzte dünne Lage Flashabou eingebunden.
  9. Der Krautschutz aus Monofil wird unterhalb der Kettenaugen an den Haken gebunden.
  10. Der Streamer wird am Kopf mit Lack oder Sekundenkleber gesichert und mit einem Kopfknoten abgeschlossen.

Viel Spaß beim Nachbinden!

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Pike on the Fly – Teil 3

20 11 2009

„Hechtfischen ist harte Arbeit…“

Hatten wir während unserer ersten Ausfahrten das Kanalsystem des Ferienparks unsicher gemacht und den oftmals gelangweilt anmutenden Schleppanglern mit ihren Rappell-Wobblern (ehhhh ich meine natürlich Rapala-Wobblern) den ein oder anderen schönen Hecht vor der Nase wegschnappen können, fiel unsere Wahl für die nächsten Touren auf ein anderes Gewässer. Bereits in aller Früh machten wir uns auf den etwa 30 minütigen Weg Richtung Broek op Langedijk. Bevor ich jedoch über unsere Pirsch dort berichte und darüber wie es dazu kommen konnte, dass ich beinahe in Unterhose am Motor saß und Marc ohne Schuh einen Meterhecht fing, noch ein kurzes Wort zu besagtem Boot.

Wie bereits erwähnt, hatten wir schon nach unserer ersten Tour schmerzhafte Verluste in Form der Antriebsschraube unseres Elektromotors zu verzeichnen. Als wäre dies nicht schon Aufregung genug gewesen, hätten wir am zweiten Tag dann beinahe unser ganzes Boot (samt dem neuen Ersatzteil) verloren. Dies sogar auf zwei unterschiedliche Art und Weisen. Erstens: Als ich in der Dämmerung in die Küche kam und durch die Terassentür ins Halbdunkle tappste um Temperatur und Windstärke zu begutachten, staunte ich nicht schlecht. Marc und Ralf brausten gerade in Schlafanzügen in Ralfs Boot davon.  Erste Spekulationen, dass die beiden vielleicht Brötchen holen oder sich nur sportlich in den Tag stürzen wollten, wurden mit einem zweiten Blick in Richtung unseres Ankerplatzes im Keim erstickt: Marcs Boot war weg! Wilde Spekulationen, dass entweder verbitterte Spinnfischer unser Boot entführt haben könnten oder sich unser fahrbarer Untersatz unfreiwillig auf einer langen Reise ohne Wiederkehr Richtung Osteuropa befand, wurden zum Glück recht schnell verworfen. Der Sturm in der Nacht hatte das Seil mit dem das Boot am Steg befestigt war offenbar gelöst und die Nussschale auf Wanderschaft geschickt. Da ich das Boot am Abend zuvor vertaut hatte, hatte ich natürlich ein schlechtes Gewissen. Ich sah mich schon den  provokanten Sticheleien der anderen für den Rest des Tages ausgesetzt, da durfte ich zu meiner Erleichterung feststellen, dass besagtes Seil noch an seinem angedachten Platz, nämlich am Steg, befestigt war. Glück für mich, jemand anders (nämlich derjenige der den Knoten im Boot „verbrochen“ hatte) durfte den Spott ernten 😉

Ganz ohne Spott kam aber auch ich an diesem Morgen nicht davon und damit wären wir beim Zweitens: Nachdem Marc und Ralf das hilfslos dahin treibende Boot gefunden und wir das gute Stück auf den Hänger verladen hatten, konnte es endlich los gehen. Wir kamen jedoch nur ein paar Meter voran, denn ein erster Kontrollblick in den Rückspiegel ließ etwas Wichtiges vermissen, unser Boot (nebst Anhänger). Offenbar war ich während der Montage des Anhängers mit meinen Gedanken schon bei den Hechten, denn Hänger und Boot hatten sich bereits nach ein paar Reifenumdrehungen verabschiedet und standen alleingelassen mitten auf der Straße. Jetzt hatte auch ich mir einige stichelnde Bemerkungen verdient. Gleiches Recht für alle…

Letztendlich kamen wir aber ALLE vollständig und unbeschadet an der ramponierten Bootsrampe in der kleine Gemeinde der Provinz Nordholland an. Die Gemeinde Langedijk ist rund um das sogenannte „Reich der Tausend Inseln“ aufgebaut und besteht aus fünf kleinen Gartenbau-Dörfern. Zwischen diesen Dörfern erstrecken sich unzählige Kanäle sowie mehrere Seen als landschaftlich einladende Teile eines Naturschutzgebietes. Aufgrund der für Schleppangler engen Wasserwege versprachen wir uns einen geringeren Befischungsdruck und zahlreiche Unterstände für Hechte unter Bootshäusern und Stegen sowie an den Schilfkanten der kleineren Seen. Unsere erste Ausfahrt durch das Kanalsystem verlief relativ unspektakulär: Bereits nach kurzer Zeit konnte ich die Attacke eines Entenschnabels auf meinen schwarzen Streamer verbuchen, seinen Angriff aber nicht verwerten. In der Folge konnte wir einige nicht ganz uninteressierte Hechte beobachten, sie aber nicht dazu verleiten einen kurzen Abstecher in unser Boot zu machen. Auffällig war, dass sich die Standplätze der Räuber ähnelten. Beinahe alle Hechte die wir zu Gesicht bekamen hielten sich in den schmalen und durch Kleinfische dicht besiedelten Wasserwegen auf. Zusätzlich stellten wir fest, dass insbesondere Bootshäuser deren Holzverkleidungen bis beinahe an die Wasserkante reichten gerne von Hechten bewohnt wurden.

Wir suchten fortan also nach vergleichbaren Stellen in dem fast undurchschaubaren Wasserlabyrinth. An einem dieser Bootshäuser machte ich dann erneut Kontakt mit einem Esox. Ich warf meinen an diesem Tag und bis zu diesem Zeitpunkt weitestgehend unbeachteten Streamer etwa 12 Meter an die Kante eines Bootshauses, ließ ihn kurz absinken und begann ihn langsam auf mich zu zu strippen. Das einen Kleinfisch imitierende Etwas aus Bucktail und Flash hatte gerade erst 2 Meter hinter sich gebracht, da tauchte in seinem Rückspiegel ein am Bootshaus auf Beute lauernder Räuber auf. Ich erhöhte aufgeregt die Geschwindigkeit. Der hungrige Verfolger tat das Gleiche und hielt den Abstand zu seiner hilflosen Beute konstant bei etwa einem Meter. Ich erinnerte mich an den ersten Tag und die Szene, als ich den Hecht auf dem kürzesten Weg am Boot vorbei und zum Heck gelenkt hatte. Diesmal wollte ich es anders machen. Ich entschied mich dafür den langen Weg zu wählen, also am Bug des Bootes vorbei und dann ums Boot herum zum hinteren Teil. Erneut die letzten Zentimeter meiner Reichweite vor Augen erhöhte ich noch einmal die Geschwindigkeit. In aller letzter Sekunde macht der Stoßräuber seinem Namen alle Ehre und griff endlich an. Marc, der am Motor genau über dem Schauspiel stand, schrie „Anschlagen“. Ich schlug an und für etwa 2 Sekunden war meine Rute so wie sie sein soll – krumm. Leider konnte ich den Haken aber nicht richtig setzen und so verabschiedete sich der Hecht mit einem breiten Grinsen zurück in seinen Unterstand. Wir hatten also weiterhin zwei Schneider an Bord.

Nach einer stärkenden Suppe (die sich dank der genialen Idee des Steuermanns elegant aus dem Boot zu pinkeln in großen Teilen vom Gaskocher in den Innenraum des Bootes verabschiedete und unserer Schnur für den Rest des Tages eine Fett-Pflege bescherte) konnten wir endlich die ersten zählbaren Erfolge verzeichnen: Wir navigierten unser Boot in eine schmale Sackgasse an einem Bootshaus vorbei. Der Abstand zwischen mir und dem aussichtsreichen Hechtstandplatz war nur unbedeutend größer als die Länge meiner Rute. Ich konnte genau beobachten wie mein Streamer an der Unterkante des Bootshauses entlang tänzelte, da schnellte aus dem Dunkeln ein Hecht empor. Total erschrocken riss ich meine Rute hoch und spürte den Widerstand des Angreifers. Nach einem kurzen Drill auf engstem Raum konnte ich endlich den ersten Gast des Tages an Bord begrüßen! Die Freude über den langersehnten Kurzzeitbesucher war so groß, dass der Ausschank des Kapitäns diesmal besonders spendabel ausfiel.

(Entschneidert #1 – Ein Bootshausbewohner beim Landgang)

Anschließend machten wir uns auf den Rückweg zur Rampe, nicht jedoch ohne vorher noch einen kurzen Zwischenstop an genau dem Bootshaus zu machen, an dem ich vormittags einen schönen Hecht verpasst hatte. Wie einige Stunden zuvor warf ich erneut an die Kante zwischen Steg und Haus, in der Hoffnung, dass der Hecht an seinen alten Standplatz zurückgekehrt war. Leider vergebens. Marc hingegen bot seinen Streamer ein paar Meter weiter an einem Seerosenfeld auf der gegenüberliegenden Seite der kleinen Bucht an. Bereits sein zweiter Wurf brachte den lang ersehnten Biss und die Gewissheit, an diesem Tag nicht ohne einen Hecht in den Händen gehalten zu haben ins Bett gehen zu müssen. Es stimmt: Manchmal – oder besser: oftmals – ist Hechtfischen harte Arbeit!

(Entschneidert #2 – Der Hecht vom Vormittag?!)

Letzter Tag: Auf unserer zweiten Tour durch die Wasserstraßen von Broek op Langedijk sollte ich nun im Heck des Bootes das Ruder bzw. die Motoren in die Hand nehmen. Meine Rolle als Kapitän stand jedoch unter keinem guten Stern, denn wie auch am Tag zuvor gab es zunächst erste Hürden zu überwinden: Vor der Abfahrt am Ferienhaus hatte ich noch daran gedacht nachzuschauen, ob Wathose und Watschuhe ordnungsgemäß im Kofferraum verstaut waren, dann jedoch (tragischerweise) vergessen. Am Wasser angekommen und voller Vorfreude auf den letzten Tag unseres Trips, musste ich dann feststellen, dass die Bekleidung die mich bis dahin zuverlässig vor dem über weite Strecken anhaltenden Regen geschützt hatte, nicht da war. Nun stand ich da ich armer Tor…in langer Unterhose und mit Sportschuhen. Marc konnte sich natürlich einen bissigen Kommentar nicht verkneifen, musste aber im selben Augenblick ernüchtend feststellen, dass er seine Gummistiefel vergessen hatte und nur in Hausschuhen unterwegs war. Tja, das hat man dann davon…Letztendlich musste Ralf für unsere Schusseligkeit herhalten: Marc bekam seine Sportschuhe und ich seine Jeans. Bekleidet wie Spontan-Angelausflügler starteten wir in unsere letzte Hechtpirsch.

Zwar hatte ich zuvor schonmal im Ferienpark am Steuer gesessen, die Navigation durch die hier kleineren Kanäle gestaltete sich aber als weitaus schwieriger. Erst jetzt stellte ich fest, welch Geschick und Routine Marc zuvor bewiesen hatte – Lenken und Werfen gleichzeitig. Um es auf den Punkt zu bringen: viel gefischt habe ich am letzten Tag nicht, dafür habe ich als Kapitän aber nicht gänzlich versagt, denn Marcs Wunsch nach etlichen Stunden ohne nennenswerten Kontakt mit einem Hecht – „Jetzt bring mich dahin wo Fische sind“ – konnte ich voll und ganz erfüllen. Nachdem wir an einem Bootshaus  (es gehört übrigens einer Dame die sich dort in den letzten Jahren wiederholt in Unterwäsche gezeigt hatte) einen kleineren Esox verpasst hatten, steuerte ich gezielt eine einladende Bucht am Eingang des Naturschutzgebietes an. Wir hatten gerade geankert und ich zu meiner Rute gegriffen um auch noch einmal zu fischen, da war Marcs Rute mehr als krumm. Ich schaute etwa 3 Meter vor unserem Boot in die Tiefe und traute meinen Augen kaum. Nach einer kurzen  und heftigen Flucht in Richtung Schilf drillte Marc einen Baumstamm in Richtung Oberfläche. Nein, es war kein Baumstamm, es war ein Hecht. Ein Hecht mit einem Umfang den ich bis dahin noch nicht gesehen hatte. Der Räuber wand sich am Ende des Hardmonos hin und her, den Streamer in seinem Mundwinkel und seine Kiemen weit aufgestellt. Mit offenem Mund nahm ich den großen Meerforellenkescher und bereits beim ersten Versuch konnten wir den Riesen sicher landen und gemeinsam an Bord hiefen. Wir waren aus dem Häuschen. Der Hecht maß über einen Meter und wir schätzten ihn auf über 8 kg! Obwohl Marc schon größere Hechte mit der Fliege gefangen hatte, hatte dieses Weibchen den größten Bauchumfang. Es sah aus, als hätte sich die alte Dame zum Frühstück zwei Enten gegönnt. Gerade wollte sich Marc mit seinem Prachtfang im Arm für ein kurzes Fotoshooting in Szene setzen, da verabschiedete sich der Fisch mit einem Sprung ins Wasser und hinterließ zwei verdutzte, aber überglückliche Fliegenfischer und ein Boot voller Hechtschleim. Schade ums Foto, aber das Bild wie der Hecht das erste Mal an die Oberfläche kam werde ich nicht so schnell vergessen.

Nach diesem Erlebnis konnte es nicht mehr besser werden. Marc fing zwar noch einen Hecht, aber unsere Gedanken kreisten in den nächsten Stunden des öfteren um die dicke Hechtdame und die kleine Bucht die sie bewohnte.

(Schade – Gerne hätten wir seine Mutter zum Fotoshooting da behalten)

Mit einem Schneider für den Kapitän im Heck und einem Meterhecht für Marc im Bug endete also unser letzter Ausflug durch die verzweigten Kanäle Nordhollands. Ein wenig wehmütig verluden wir am Abend unser Boot und verbrachten ein letztes Essen gemeinsam mit Joseph, Hubert und Ralf, denen es in den letzten Tagen sicher ähnlich ergangen ist wie uns: viel Wasser das es zu befahren, viel Wind den es zu durchwerfen und viel Regen den es auszuhalten galt. Die Bekanntschaft die wir dabei mit einigen formschönen Hechten machen durften ist natürlich auch nicht zu verachten ;).

Im Rückblick auf diese erholsamen aber auch anstrengenden Tage bleibt dann doch weit mehr als die knappe Zusammenfassung „Ein Boot – zwei Männer – elf Hechte…“


Fortsetzung folgt… Pike on The Fly – Teil 4


Vorschau:

  • Informationen über die Gewässer
  • Informationen über das Ferienhaus
  • Informationen über die Fischereilizenz
  • Rückblick auf den erfolgreichsten Streamer






Pike on the Fly – Teil 3

20 11 2009

„Hechtfischen ist harte Arbeit…“

Hatten wir während unserer ersten Ausfahrten das Kanalsystem des Ferienparks unsicher gemacht und den oftmals gelangweilt anmutenden Schleppanglern mit ihren Rappell-Wobblern (ehhhh ich meine natürlich Rapala-Wobblern) den ein oder anderen schönen Hecht vor der Nase wegschnappen können, fiel unsere Wahl für die nächsten Touren auf ein anderes Gewässer. Bereits in aller Früh machten wir uns auf den etwa 30 minütigen Weg Richtung Broek op Langedijk. Bevor ich jedoch über unsere Pirsch dort berichte und darüber wie es dazu kommen konnte, dass ich beinahe in Unterhose am Motor saß und Marc ohne Schuh einen Meterhecht fing, noch ein kurzes Wort zu besagtem Boot.

Wie bereits erwähnt, hatten wir schon nach unserer ersten Tour schmerzhafte Verluste in Form der Antriebsschraube unseres Elektromotors zu verzeichnen. Als wäre dies nicht schon Aufregung genug gewesen, hätten wir am zweiten Tag dann beinahe unser ganzes Boot (samt dem neuen Ersatzteil) verloren. Dies sogar auf zwei unterschiedliche Art und Weisen. Erstens: Als ich in der Dämmerung in die Küche kam und durch die Terassentür ins Halbdunkle tappste um Temperatur und Windstärke zu begutachten, staunte ich nicht schlecht. Marc und Ralf brausten gerade in Schlafanzügen in Ralfs Boot davon. Erste Spekulationen, dass die beiden vielleicht Brötchen holen oder sich nur sportlich in den Tag stürzen wollten, wurden mit einem zweiten Blick in Richtung unseres Ankerplatzes im Keim erstickt: Marcs Boot war weg! Wilde Spekulationen, dass entweder verbitterte Spinnfischer unser Boot entführt haben könnten oder sich unser fahrbarer Untersatz unfreiwillig auf einer langen Reise ohne Wiederkehr Richtung Osteuropa befand, wurden zum Glück recht schnell verworfen. Der Sturm in der Nacht hatte das Seil mit dem das Boot am Steg befestigt war offenbar gelöst und die Nussschale auf Wanderschaft geschickt. Da ich das Boot am Abend zuvor vertaut hatte, hatte ich natürlich ein schlechtes Gewissen. Ich sah mich schon den provokanten Sticheleien der anderen für den Rest des Tages ausgesetzt, da durfte ich zu meiner Erleichterung feststellen, dass besagtes Seil noch an seinem angedachten Platz, nämlich am Steg, befestigt war. Glück für mich, jemand anders (nämlich derjenige der den Knoten im Boot „verbrochen“ hatte) durfte den Spott ernten 😉

Ganz ohne Spott kam aber auch ich an diesem Morgen nicht davon und damit wären wir beim Zweitens: Nachdem Marc und Ralf das hilfslos dahin treibende Boot gefunden und wir das gute Stück auf den Hänger verladen hatten, konnte es endlich los gehen. Wir kamen jedoch nur ein paar Meter voran, denn ein erster Kontrollblick in den Rückspiegel ließ etwas Wichtiges vermissen, unser Boot (nebst Anhänger). Offenbar war ich während der Montage des Anhängers mit meinen Gedanken schon bei den Hechten, denn Hänger und Boot hatten sich bereits nach ein paar Reifenumdrehungen verabschiedet und standen alleingelassen mitten auf der Straße. Jetzt hatte auch ich mir einige stichelnde Bemerkungen verdient. Gleiches Recht für alle…

Letztendlich kamen wir aber ALLE vollständig und unbeschadet an der ramponierten Bootsrampe in der kleine Gemeinde der Provinz Nordholland an. Die Gemeinde Langedijk ist rund um das sogenannte „Reich der Tausend Inseln“ aufgebaut und besteht aus fünf kleinen Gartenbau-Dörfern. Zwischen diesen Dörfern erstrecken sich unzählige Kanäle sowie mehrere Seen als landschaftlich einladende Teile eines Naturschutzgebietes. Aufgrund der für Schleppangler engen Wasserwege versprachen wir uns einen geringeren Befischungsdruck und zahlreiche Unterstände für Hechte unter Bootshäusern und Stegen sowie an den Schilfkanten der kleineren Seen. Unsere erste Ausfahrt durch das Kanalsystem verlief relativ unspektakulär: Bereits nach kurzer Zeit konnte ich die Attacke eines Entenschnabels auf meinen schwarzen Streamer verbuchen, seinen Angriff aber nicht verwerten. In der Folge konnte wir einige nicht ganz uninteressierte Hechte beobachten, sie aber nicht dazu verleiten einen kurzen Abstecher in unser Boot zu machen. Auffällig war, dass sich die Standplätze der Räuber ähnelten. Beinahe alle Hechte die wir zu Gesicht bekamen hielten sich in den schmalen und durch Kleinfische dicht besiedelten Wasserwegen auf. Zusätzlich stellten wir fest, dass insbesondere Bootshäuser deren Holzverkleidungen bis beinahe an die Wasserkante reichten gerne von Hechten bewohnt wurden.

Wir suchten fortan also nach vergleichbaren Stellen in dem fast undurchschaubaren Wasserlabyrinth. An einem dieser Bootshäuser machte ich dann erneut Kontakt mit einem Esox. Ich warf meinen an diesem Tag und bis zu diesem Zeitpunkt weitestgehend unbeachteten Streamer etwa 12 Meter an die Kante eines Bootshauses, ließ ihn kurz absinken und begann ihn langsam auf mich zu zu strippen. Das einen Kleinfisch imitierende Etwas aus Bucktail und Flash hatte gerade erst 2 Meter hinter sich gebracht, da tauchte in seinem Rückspiegel ein am Bootshaus auf Beute lauernder Räuber auf. Ich erhöhte aufgeregt die Geschwindigkeit. Der hungrige Verfolger tat das Gleiche und hielt den Abstand zu seiner hilflosen Beute konstant bei etwa einem Meter. Ich erinnerte mich an den ersten Tag und die Szene, als ich den Hecht auf dem kürzesten Weg am Boot vorbei und zum Heck gelenkt hatte. Diesmal wollte ich es anders machen. Ich entschied mich dafür den langen Weg zu wählen, also am Bug des Bootes vorbei und dann ums Boot herum zum hinteren Teil. Erneut die letzten Zentimeter meiner Reichweite vor Augen erhöhte ich noch einmal die Geschwindigkeit. In aller letzter Sekunde macht der Stoßräuber seinem Namen alle Ehre und griff endlich an. Marc, der am Motor genau über dem Schauspiel stand, schrie „Anschlagen“. Ich schlug an und für etwa 2 Sekunden war meine Rute so wie sie sein soll – krumm. Leider konnte ich den Haken aber nicht richtig setzen und so verabschiedete sich der Hecht mit einem breiten Grinsen zurück in seinen Unterstand. Wir hatten also weiterhin zwei Schneider an Bord.

Nach einer stärkenden Suppe (die sich dank der genialen Idee des Steuermanns elegant aus dem Boot zu pinkeln in großen Teilen vom Gaskocher in den Innenraum des Bootes verabschiedete und unserer Schnur für den Rest des Tages eine Fett-Pflege bescherte) konnten wir endlich die ersten zählbaren Erfolge verzeichnen: Wir navigierten unser Boot in eine schmale Sackgasse an einem Bootshaus vorbei. Der Abstand zwischen mir und dem aussichtsreichen Hechtstandplatz war nur unbedeutend größer als die Länge meiner Rute. Ich konnte genau beobachten wie mein Streamer an der Unterkante des Bootshauses entlang tänzelte, da schnellte aus dem Dunkeln ein Hecht empor. Total erschrocken riss ich meine Rute hoch und spürte den Widerstand des Angreifers. Nach einem kurzen Drill auf engstem Raum konnte ich endlich den ersten Gast des Tages an Bord begrüßen! Die Freude über den langersehnten Kurzzeitbesucher war so groß, dass der Ausschank des Kapitäns diesmal besonders spendabel ausfiel.

(Entschneidert #1 – Ein Bootshausbewohner beim Landgang)

Anschließend machten wir uns auf den Rückweg zur Rampe, nicht jedoch ohne vorher noch einen kurzen Zwischenstop an genau dem Bootshaus zu machen, an dem ich vormittags einen schönen Hecht verpasst hatte. Wie einige Stunden zuvor warf ich erneut an die Kante zwischen Steg und Haus, in der Hoffnung, dass der Hecht an seinen alten Standplatz zurückgekehrt war. Leider vergebens. Marc hingegen bot seinen Streamer ein paar Meter weiter an einem Seerosenfeld auf der gegenüberliegenden Seite der kleinen Bucht an. Bereits sein zweiter Wurf brachte den lang ersehnten Biss und die Gewissheit, an diesem Tag nicht ohne einen Hecht in den Händen gehalten zu haben ins Bett gehen zu müssen. Es stimmt: Manchmal – oder besser: oftmals – ist Hechtfischen harte Arbeit!

(Entschneidert #2 – Der Hecht vom Vormittag?!)

Letzter Tag: Auf unserer zweiten Tour durch die Wasserstraßen von Broek op Langedijk sollte ich nun im Heck des Bootes das Ruder bzw. die Motoren in die Hand nehmen. Meine Rolle als Kapitän stand jedoch unter keinem guten Stern, denn wie auch am Tag zuvor gab es zunächst erste Hürden zu überwinden: Vor der Abfahrt am Ferienhaus hatte ich noch daran gedacht nachzuschauen, ob Wathose und Watschuhe ordnungsgemäß im Kofferraum verstaut waren, dann jedoch (tragischerweise) vergessen. Am Wasser angekommen und voller Vorfreude auf den letzten Tag unseres Trips, musste ich dann feststellen, dass die Bekleidung die mich bis dahin zuverlässig vor dem über weite Strecken anhaltenden Regen geschützt hatte, nicht da war. Nun stand ich da ich armer Tor…in langer Unterhose und mit Sportschuhen. Marc konnte sich natürlich einen bissigen Kommentar nicht verkneifen, musste aber im selben Augenblick ernüchtend feststellen, dass er seine Gummistiefel vergessen hatte und nur in Hausschuhen unterwegs war. Tja, das hat man dann davon…Letztendlich musste Ralf für unsere Schusseligkeit herhalten: Marc bekam seine Sportschuhe und ich seine Jeans. Bekleidet wie Spontan-Angelausflügler starteten wir in unsere letzte Hechtpirsch.

Zwar hatte ich zuvor schonmal im Ferienpark am Steuer gesessen, die Navigation durch die hier kleineren Kanäle gestaltete sich aber als weitaus schwieriger. Erst jetzt stellte ich fest, welch Geschick und Routine Marc zuvor bewiesen hatte – Lenken und Werfen gleichzeitig. Um es auf den Punkt zu bringen: viel gefischt habe ich am letzten Tag nicht, dafür habe ich als Kapitän aber nicht gänzlich versagt, denn Marcs Wunsch nach etlichen Stunden ohne nennenswerten Kontakt mit einem Hecht – „Jetzt bring mich dahin wo Fische sind“ – konnte ich voll und ganz erfüllen. Nachdem wir an einem Bootshaus (es gehört übrigens einer Dame die sich dort in den letzten Jahren wiederholt in Unterwäsche gezeigt hatte) einen kleineren Esox verpasst hatten, steuerte ich gezielt eine einladende Bucht am Eingang des Naturschutzgebietes an. Wir hatten gerade geankert und ich zu meiner Rute gegriffen um auch noch einmal zu fischen, da war Marcs Rute mehr als krumm. Ich schaute etwa 3 Meter vor unserem Boot in die Tiefe und traute meinen Augen kaum. Nach einer kurzen und heftigen Flucht in Richtung Schilf drillte Marc einen Baumstamm in Richtung Oberfläche. Nein, es war kein Baumstamm, es war ein Hecht. Ein Hecht mit einem Umfang den ich bis dahin noch nicht gesehen hatte. Der Räuber wand sich am Ende des Hardmonos hin und her, den Streamer in seinem Mundwinkel und seine Kiemen weit aufgestellt. Mit offenem Mund nahm ich den großen Meerforellenkescher und bereits beim ersten Versuch konnten wir den Riesen sicher landen und gemeinsam an Bord hiefen. Wir waren aus dem Häuschen. Der Hecht maß über einen Meter und wir schätzten ihn auf über 8 kg! Obwohl Marc schon größere Hechte mit der Fliege gefangen hatte, hatte dieses Weibchen den größten Bauchumfang. Es sah aus, als hätte sich die alte Dame zum Frühstück zwei Enten gegönnt. Gerade wollte sich Marc mit seinem Prachtfang im Arm für ein kurzes Fotoshooting in Szene setzen, da verabschiedete sich der Fisch mit einem Sprung ins Wasser und hinterließ zwei verdutzte, aber überglückliche Fliegenfischer und ein Boot voller Hechtschleim. Schade ums Foto, aber das Bild wie der Hecht das erste Mal an die Oberfläche kam werde ich nicht so schnell vergessen.

Nach diesem Erlebnis konnte es nicht mehr besser werden. Marc fing zwar noch einen Hecht, aber unsere Gedanken kreisten in den nächsten Stunden des öfteren um die dicke Hechtdame und die kleine Bucht die sie bewohnte.

(Schade – Gerne hätten wir seine Mutter zum Fotoshooting da behalten)

Mit einem Schneider für den Kapitän im Heck und einem Meterhecht für Marc im Bug endete also unser letzter Ausflug durch die verzweigten Kanäle Nordhollands. Ein wenig wehmütig verluden wir am Abend unser Boot und verbrachten ein letztes Essen gemeinsam mit Joseph, Hubert und Ralf, denen es in den letzten Tagen sicher ähnlich ergangen ist wie uns: viel Wasser das es zu befahren, viel Wind den es zu durchwerfen und viel Regen den es auszuhalten galt. Die Bekanntschaft die wir dabei mit einigen formschönen Hechten machen durften ist natürlich auch nicht zu verachten ;).

Im Rückblick auf diese erholsamen aber auch anstrengenden Tage bleibt dann doch weit mehr als die knappe Zusammenfassung „Ein Boot – zwei Männer – elf Hechte…“


Fortsetzung folgt… Pike on The Fly – Teil 4


Vorschau:

  • Informationen über die Gewässer
  • Informationen über das Ferienhaus
  • Informationen über die Fischereilizenz
  • Rückblick auf den erfolgreichsten Streamer









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