Vision: Fly vs. Jerk

30 01 2014

von Alex

Der Markt für Produkte und Dienstleistungen rund um das Thema ‚Fliegenfischen‘ ist in den letzten Jahren rasant gewachsen und wird von Produzenten, Herstellern, Händlern und vielen weiteren Akteuren gleichermaßen umkämpft. Ergebnis dieses ‚Kampfes‘ sind für den Endverbraucher – also uns Fliegenfischer – eine Fülle von Angeboten, aus denen es nicht immer ganz einfach ist auszuwählen. Um aus dieser Flut von Möglichkeiten herauszustechen und sich im Werbe-Dschugel Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen, sind moderne Formen des Marketings mittlerweile in vielen Köpfen der Macher hinter der Bühne angekommen und werden vor dem Vorhang, für uns Konsumenten, aufgeführt. Während es in den letzten Jahren vornehmlich noch amerikanische Firmen waren, die hierbei kreative und innovative Strategien entwickelt haben, gibt es in der jüngeren Vergangenheit insbesondere aus Skandinavien ebenfalls sehr interessante Ansätze.

Vision Fly Fishing (bzw. die aktuelle Kampagne des in Finnland sitzenden Herstellers) ist in diesem Zusammenhang ein sehr gutes Beispiel: Um die hauseigene Linie an Produkten für das Fliegenfischen auf Hecht zu promoten, haben sie bereits in den letzten Jahren in Kooperation mit Kanalgratis.se einen unterhaltsamen Wettkampf zwischen Fliegenfischern auf der einen und Spinnfischern auf der anderen Seite organisiert und im Internet in Form bewegter Bilder dokumentiert. Während die ersten Ausgaben jedoch noch in kürzeren und wenig aufwendigen Videos mündeten, ist 2014 eine weitaus komplexere 6-teilige Serie bei YouTube entstanden, die in Ablauf und Skript sogar eine gewisse Spannung erzeugen kann. Die einzelnen Episoden wurden Woche für Woche publiziert und von anderen medialen Formaten in den sozialen Medien (etwa auf Instagram oder Facebook) begleitet. Schnell waren zwischen 15.000 und 20.000 Klicks bei YouTube pro Folge verbucht. Beachtliche Zahlen! Ich bin mir sicher, dass auch die Verkaufszahlen der Big Daddys, der Venus Salzwasserruten, der neuen Watjacken und von vielen weiteren Produkten der aktuellen Kollektion davon beeinflusst werden.

Für alle, die das unterhaltsame Format ‚Fly vs. Jerk‚ (gedreht wurde hauptsächlich in Südschweden) bisher nicht gesehen haben, hier ein kurzes ‚About‘ und die Episoden 1 bis 6.

„In this Fly vs Jerk, Team Fly with Niklaus Bauer and Thomas Søbirk fishes against Team Jerk with Stefan „Trumman“ Trumstedt and Claes „Svartzonker“ Claesson in an epic battle between the two fishing styles. The teams have three days and are free to go wherever they want within Sweden and their mission is to catch as many and as big pikes as possible…“

Ganz nebenbei: Die Fischerei in den gezeigten Gewässern ist natürlich ebenfalls total beeindruckend! Nicht nur aufgrund der hohen Anzahl gefangener Fische, sondern insbesondere aufgrund der Fischdichte, der Kondition und Agression der Hechte gerät man ins Schwärmen – wie man vielleicht an meinen Postings auf Facebook gemerkt hat – und bekommt Fernweh. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass wir im Sommer auch wieder nach Skandinavien fahren werden? 😉 Dazu aber in einem anderen Beitrag mehr! Jetzt erstmal Zurücklehnen:

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Winter is coming

7 12 2013

von Alex

In meinen letzten Beiträgen auf FLY.BEI habe ich von der herbstlichen Äschenfischerei an Rur und den ersten dichten Laubteppichen bei der ufernahen Hechtpirsch berichtet. Nun hat es gerade eben das erste Mal seit März wieder geschneit: Winter is Coming! Das eine hat mit dem anderen erst einmal wenig zu tun. Bei näherer Betrachtung geben mir diese beiden Umstände jedoch mindestens in zweierlei Hinsicht zu bedenken:

1. Wenn ich mit den Fingern auf dem Touchpad nur wenig nach unten scrollen muss, um hier über das Nymphenfischen auf Salmoniden zu lesen, dann habe ich in letzter Zeit diesen Blog (zumindest was das Verfassen von längeren Artikeln angeht) durchaus vernachlässigt. Stimmt! Auch wenn das natürlich nicht heißt, dass ich meine Erlebnisse nicht festgehalten hätte, denn die aufmerksamen Leser von FLY.BEI wissen mittlerweile, dass sich ein regelmäßiger Blick auf unsere Facebook-Seite durchaus lohnen kann. Zumindest dort schaffe ich es in kurzer Abfolge und mit knappen Worten (und Bildern) vom Wasser zu berichten und auf Dinge in unserem kleinen FF-Kosmos hinzuweisen, die mich interessieren und Euch vielleicht interessieren könnten.

2. Neben der Tatsache, dass ich also etwas schreibfaul war, bedeuten die Schneeflocken vor meinem Fenster unmissverständlich, dass nun die Schritte in Richtung Jahresende immer größer werden und die fischereilichen Möglichkeiten in unseren Regionen damit stetig schrumpfen. Und wenn ich zurückschaue, dann war es in den letzten Jahren stets der Dezember, in dem ich die wenigstens Stunden draußen verbracht habe. Dieser statistischen Korrelation (Monat X -> X Fischtage) möchte ich mich aber in diesem Jahr nicht hingeben. Im Gegenteil! Trotz widriger Bedingungen und teils sehr niedrigen Temperaturen war ich in den letzten Tagen und Wochen viel, sehr viel unterwegs und habe fest vor, die 150 Tage am Wasser vor Sylvester noch zu knacken (und mit etwas Glück auch noch Hecht Nr. 100 seit September zu Gesicht zu bekommen).

Was habe ich gemacht? Zunächst gastierte ich für eine Woche in den Niederlanden (sowohl in Nord- als auch in Südholland) und habe dort versucht endlich den ersten Meterhecht seit Januar zu erwischen und mich dadurch mit einer befreienden Rasur zu belohnen. Vorweg: Es hat nicht gereicht. Der elektrische Haarschneider blieb unberührt, wie so viele andere Sachen auch, in meiner Reisetasche. Dennoch hatten wir wieder einmal eine sehr gute gemeinsame Zeit, denn wie sagt man(n): Größe ist nicht alles!

DAS war jetzt gerade der mieseste Wortwitz, wenn man es überhaupt so nennen darf, in 4 langen Jahren FLY.BEI. Ja, stimmt. Am 18.11.2013 ist unser Baby 4 Jahre alt geworden. Habe ich natürlich auch vergessen hier zu erwähnen. Happy Birthday, alles Gute nachträglich und so! Für einen Kurzpost bei Facebook hatte ich mal ein paar Statistiken gesammelt: 4 Jahre, 180 Beiträge, 335.000 Besucher und fast 500 Kommentare. Im ostbelgischen Eupen würde man jetzt sagen „Mercie, wa!“ Nein, im Ernst: Vielen Dank für das rege Interesse an diesem Projekt! Auf die nächsten Jahre!

Aber jetzt zurück: Die Fänge in den Poldern waren – zumindest was die Anzahl der Entenschnäbel anging – für mich sehr zufriedenstellend und die aktive Fischerei in den schmalen Kanälen vom Boot wieder einmal sehr abwechslungsreich. Nicht nur durfte ich mich über den kurzen Landgang von 32 Hechten freuen, auch hatte ich das Glück, zwei sehr schöne Exemplare von 86cm und 87cm bewundern zu können. Bei meinen Begleitern lief es leider nicht ganz so gut, sie hatten aber auch keinen Rebound Perch am Start 😉 Ich möchte nicht behaupten, dass alles an diesem Barschimitat aus Bucktail gelegen hat, aber selten habe ich Hechte zwei-, drei- oder viermal hintereinander einen Streamer attackieren sehen. Generell haben sich die Hechte in der Zeit unseres Aufenthalts teils sehr „zickig“ benommen. Verbuchten wir an einem Tag neben zahlreichen gelandeten Hechten noch weit über 20 nicht verwertete Bisse, war 24 Stunden später absolute Flaute angesagt. Ich habe immer wieder den Eindruck, dass Esox Lucius wesentlich feinfühliger auf (Wetter-)Bedingungen reagiert als andere Arten, etwa Bachforellen. Man könnte vielleicht so weit gehen und behaupten, dass sich die Hechte eher „digital“ und die Rotgetupften eher „analog“ verhalten. Hechte fressen (und wir fangen) oder sie fressen halt nicht (und wir fangen nicht). Bei Bachforellen hingegen gibt es dieses kollektive „entweder oder“ so nicht. Klar, wir alle erleben überragende und weniger euphorische Tage im Fluss, aber zumindest an den von mir befischten Fließgewässern brauche ich nie befürchten, ohne Kontakt zu bleiben. Bei den Bachforellen gibt es ganz bestimmt keine Absprachen im Sinne von „Dem zeigen wir heute mal die kalte Schulter bzw. Flosse.“ Anders sieht es da eben bei der dicken Diva names Snoek aus. Wiederholt haben wir in der Zeit unseres Aufenthalts die gleichen Stellen sorgfältig abgefischt und während zunächst das Wasser tot zu sein schien, lauerte nur einen Bindeabend später an beinahe jedem aussichtsreichen Standplatz ein williger Hecht. Verrückt!

DAS ist aber nicht nur verrückt, sondern kann in der Tat auch zermürbend sein. Wichtig ist deshalb, dass man dran bleibt, dass die eigene Motivation oben bleibt, dass man – auch über Stunden ohne „Belohnung“ – sorgfältig und konzentriert weiterfischt. Wurf um Wurf, Strip um Strip. An weniger ereignisreichen Tagen schallte daher von Daniel oder mir in unregelmäßigen Abständen ein plötzliches „Push Dich!“ über die Polder. Mit Fabian hilft manchmal auch ein beschwörendes „Hecht, Hecht, Hecht!“ im Takt des monotonen Strip-Rhythmus. Hier und da fangen meine Streamer auch an zu reden, ich denke sie möchten nicht verantwortlich gemacht oder zur Rechenschaft gezogen werden, zumindest betonen sie zumeist, dass SIE ihr Bestes geben. In den häufigsten Fällen glaube ich ihnen das auch 😉

Neben diesen Auf und Abs in den Poldern haben es mir zuletzt wiederholt unterschiedliche grenznahe Seen in den Niederlanden angetan. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich mittlerweile einen ordentlichen Teil der nördlichen Maasplassen bei Roermond erkundet habe, auch wenn es noch Jahre dauern wird, das gesamte wasserreiche Areal kennenzulernen. Zumal auch hier die äußeren Bedingungen unmittelbaren Einfluss auf den Erfolg – ob vom Bellyboot oder vom Ufer – haben und nicht jeder Ausflug gleich verläuft. Höhepunkt war sicherlich ein sonniger, fast windstiller Morgen (!), an dem ich auf nur 30m vier Hechte über 75cm landen konnte und noch mehrere Attacken verpasste. Leider ist dabei auch meine kürzlich erworbene Guideline LPXe RS V2 zu Bruch gegangen. Aber noch mit den Watschuhen im Schlamm feststeckend rief ich Jan Pieter von Finest Fly Fishing an und schon einen Tag später war das neue Teil auf dem Weg nach Aachen. Das nenn ich einen vorbildlichen Service und echte Kundenorientierung!

Apropos Finest Fly Fishing: Vor etwa 3 Wochen fand unter der Regie von Jan Pieter und seinem Vater der zweite Niederrheinische Fliegenfischertag (NFFT) in Bedburg-Hau statt (einen bebilderten Rückblick auf das perfekt organisierte Event findet Ihr z.B. hier). Neben vielen namhaften Werfern und Bindern aus dem In- und Ausland war ich eingeladen worden, um über die Fischerei in Eifel (Rur) und Wallonie zu sprechen. Natürlich kam ich dieser Einladung gerne nach! Zwar halte ich wöchentlich Vorlesungen und bin das Reden vor großen Gruppen gewohnt, aber bisher hatte ich nie – außer natürlich hier auf FLY.BEI oder bei meinen Kursen am Wasser – die Gelegenheit, mein Wissen über das Fliegenfischen an mir unbekannte Personen zu vermitteln. Eine besondere Herausforderung! Ich fragte ein paar Kumpels, was sie denn von einem Vortrag erwarten würden, setze mich an den Laptop und fing an, ein Konzept zu erstellen. Schnell merkte ich, dass in vielen Punkten kaum ein Unterschied zu einem wissenschaftlichen Vortrag an der Uni besteht, außer vielleicht, dass die Thematik ein bisschen interessanter ist 😉

So stellt ich am frühen Samstagnachmittag zunächst meine Ausgangsthese in den gut gefüllten (Vortrags-)Raum bei Finest Fly Fishing: „Das Wasser bestimmt, nicht Du!“ Anschließend diskutierte ich mit den Zuhörern Argumente die dafür sprechen, dass die spezifischen Gewässerstrukturen der Rur inen unmittelbaren Einfluss auf viele der zu berücksichtigenden Parameter der Fischerei haben und sich Erfolg oder Misserfolg maßgeblich an der Umsetzung dieser Parameter messen lassen. Meiner Meinung nach gehören hierzu nicht nur das passende Equipment und Tackle, sondern insbesondere auch die verwendeten (Präsentations-)Techniken und die eingesetzten Trockenfliegen und Nymphenmuster. Ganz abgesehen von der grundlegenden Fähigkeit, die sehr unterschiedlichen Flussläufe lesen und die möglichen Standplätze der Fische bestimmen zu können.

Wenn die Zeit es zulässt werde ich versuchen diesen Vortrag zu verschriftlichen und Euch hier zu präsentieren. Eigentlich ist jetzt doch die beste Zeit für so was, oder? Immerhin wirds jetzt immer kälter und ungemütlicher draußen. Winter is coming!





Intensivkurs: Hecht in Holland (8./9. Dezember 2012)

9 10 2012

Die kalte Jahreszeit rückt unaufhaltsam mit großen Schritten näher und die Forellen gehen in ihre wohlverdiente Schonzeit. Für viele Fliegenfischer bricht nun eine lange Periode des ungeduldigen Wartens an. Nicht so für uns! Flybei goes Pike!

Im Dezember bieten Marc und ich einen zweitägigen Intensivkurs zum Thema „Hecht“ an. Am 8. und 9. Dezember werden wir in der Nähe von Alkmaar (Provinz Nordholland) unterschiedliche Kanäle und Seen vom Boot aus befischen. Aufgrund der geringen Wassertiefe und des im Winter klaren, sichtigen Wassers, sind die Binnengewässer vor Ort ideal für die Streamerfischerei auf Hecht geeignet.

Das labyrinthartige Poldergebiet ist uns seit vielen Jahren bestens vertraut, so dass wir das großflächige Areal mit den uns zur Verfügung stehenden Booten (Elektro- und Benzinmotor) flexibel und zielsicher befischen können. Freut Euch auf unzählige Standplätze, eine aktive und spannende Fischerei und plötzliche Attacken von Esox lucius dicht vor Euren Füßen!

Nahe des Wassers können wir Euch unterschiedliche freundliche, familiär geführte Pensionen (mit Einzel- und Doppelzimmern; Frühstück inkl.) empfehlen. Nach der ersten Hechtpirsch bieten wir Euch bei Interesse gerne eine Einführung in das Binden von Hechtstreamern an.

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Wenn Ihr Lust habt auf:

  • Zwei Tage geführtes und angeleitetes Fischen,
  • zwei Miet-Boote (Elektro- und Benzinmotor),
  • Leihgeräte bei Bedarf (Fliegenruten der Klassen 7-9, Fliegenrollen, Schnüre),
  • Verbrauchsmaterialien bei Bedarf (Streamer, Vorfächer) und
  • einen Bindekurs „Hechtstreamer“ (inkl. Materialien),

dann meldet Euch einfach bei uns!

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Der Kurs ist lediglich für zwei Personen konzipiert, so dass jeder von Euch den ganzen Tag optimal und individuell betreut werden kann! Benötigt wird lediglich der niederländische Visspass – der auch von uns im Vorfeld für Euch besorgt werden kann.

Bei Fragen zu unserem Intensivkurs könnt Ihr Euch gerne über das Kontaktformular an uns wenden.

Berichte und weitere Impressionen zum Hechtfischen in Holland findet Ihr hier.





Rückblick: Hechtfischen auf Rügen (Teil I)

28 06 2012

Wie vor ein paar Wochen angekündigt habe ich Anfang Mai Deutschlands größte Insel besucht: Rügen. Meine hohen Erwartungen an die dortige Hechtfischerei – auch aufgrund der zahlreichen euphorischen Berichte im Netz – wurden zwar nicht im vollen Umfang erfüllt, dennoch blicke ich sehr gerne auf 4 (oder besser 4,5) interessante und schöne Tage am Wasser zurück. An dieser Stelle auch von „erholsamen“ Tagen zu sprechen wäre allerdings gelogen oder zumindest stark euphemistisch. Denn jeder, der bei Windstärke 5+, über mehrere Tage hinweg und täglich viele Stunden lang große Streamer befördern musste weiß: Hechtfischen ist harte Arbeit! Nicht wahr, Marc? 

Ein kurze Zusammenfassung dieser harten Arbeit könnte wie folgt aussehen:

  • In 4,5 Tagen wurden von 4 Personen 25 Hecht gefangen (ich 11, Fabian 9, Marc 4, Ralph 1).
  • Fabian hat seinen ersten Hecht mit der Fliege überlisten können.
  • Der „größte“ Entenschnabel hatte die 80cm Marke noch nicht geknackt.
  • Belgier haben das „Hornhechtduell“ erfunden.
  • Das längste Hornhechtduell konnte Ralph mit 67 zu 62 für sich entscheiden.
  • Ralph heißt ab jetzt „Horny“ (Fabian fortan „Petzi Bär“  – aber das hat nichts mit einem gefangenen Fisch zu tun).
  • Hornhechte fängt man am effektivsten ohne Haken!
  • Rügen ist groß, verdammt groß und hat unglaublich viel Wasser!
  • Rügen im Frühling bzw. Sommer ist offenbar für die Hechtfischerei nicht der ideale Zeitraum.

 

Da dies aber nur einen oberflächlichen Eindruck unseres Ausflugs widerspiegeln würde, bekommt Ihr noch ein paar Worte (und Fotos) mehr:

Nach einem kurzen After-Work-Napp haben Fabian und ich uns – durch eine kalte Frühlingsnacht von Dienstag auf Mittwoch – auf den ca. 800 km langen Weg gen Ostsee gemacht, um morgens auf Marc und Ralph zu stoßen. Unsere belgischen Freunde waren bereits am Vorabend in der Nähe von Putbus angekommen und hatten unsere Behausung, oder besser, unser „Blaues Haus“, bereits häuslich eingerichtet. Mit einiger Verspätung (Warum gibt es auch in jedem Kaff eine „Dortstraße“?)  trafen wir an unserem Urlaubsort bzw. der losen Ansammlung von Kleinstbauten mit eigenem Ortsnamen ein. Die Vorboten unserer kleinen, kurzfristig geschrumpften Reisegemeinschaft – Nino musste wegen eines unkooperativen Praktikumsleiters leider absagen und Max dachte bis wenige Tage vor Abfahrt, dass wir ins für ihn leichter erreichbare Holland fahren würden – waren aber bereits zum Südufer der Insel ausgeflogen. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen konnte auch uns trotz Schlafmangels nichts halten und wenig später standen wir am Strand des Greifswalder Bodden. Statt jedoch einen Meterhecht nach dem anderen zu fangen, waren Ralph und Marc in ein „Hornhechtduell“ vertieft. Die beiden bekamen einen Hornhecht nach dem anderen ans Band und das, ohne überhaupt einen Haken zu verwenden. Sie knüpften lediglich eine Art fasrige Schnur in den Farben rot und orange (etwa 7-10 cm lang) ans Vorfach und bewegten diese in Windeseile – die Rute unter den Arm geklemmt und mit beiden Händen strippend – knapp unter der Oberfläche. Einzelne Fische der balzenden Schwärme konnten auch diesen Reizen nicht widerstehen und verfingen sich mit ihrem „Hörnchen“ (wie Ralph es nannte) im Köder. Bis zum Abend konnten die Duellanten auf diese Weise gemeinsam über 120 Hornhechte bis ca. 80cm „überlisten“ und schonend zurücksetzen.

Während sich die Korkgriffe der beiden, über den zunehmend kälter werdenden Tag hinweg, stetig von braun in schuppiges silber verwandelten, versuchten Fabian und ich unser Glück auf Hechte. Zwar war die Bucht in der wir fischten nicht ideal (wir konnten keine Kanten ausfindig machen und auch der Grund bot keine konkreten Anhaltspunkte wie etwa Krautfelder), dennoch durfte ich mich über meine ersten beiden Boddenhechte und eine damit verbundene Doppelrunde Schnaps für alle nach dem Abendessen freuen.

Wie die Schnapsverteilung an den darauf folgenden Tagen ausgesehen hat, wird Euch Fabian in Kürze in einem zweiten Teil berichten. Vorab aber schonmal ein paar Fotos:

 

Impressionen: Hechtfischen auf Rügen (Teil I)

 





Hechtfischen auf Rügen im Mai

26 04 2012

Im Mai gehts für ein paar Tage gemeinsam mit Marc, Ralph, Fabian und Nino nach Rügen. Da keiner von uns bisher in Boddengewässern sein Glück auf Hechte versucht hat, würde ich mich an dieser Stelle über jeden Tipp freuen! Ward ihr vielleicht selber schon einmal auf der Ostseeinsel und kennt ein paar interessante Stellen? Habt ihr dabei bestimmte Streamermuster als besonders bissig erlebt? Schießt los 😉 Ich revanchier mich dann mit einem ausführlichen Bericht und vielen Fotos – von hoffentlich schönen Hechten.





Fotorückblick II: Holländische Hechte

15 02 2012

Im Spätherbst war ich – wie bereits einige Male zuvor – mit meinen Freunden aus Eupen und Umgebung in Nordholland unterwegs, um in kleinen Kanälen den Hechten mit der Fliege auf den torpedoförmigen Leib zu rücken. Wie schon im Februar präsentierte sich uns das stille Wasser größtenteils klar, der holländische Himmel über unseren Booten hingegen von dichten Wolken behangen. Am ersten Tag durften Marc und ich einen regelrechten „Run“ auf unsere größtenteils weißen Fliegen aus Bucktail und Kaninchenstreifen erleben: Jeder verzeichnete zwischen 20 und 30 Attacken! Es gab kaum eine aussichtsreiche Stelle, an der wir nicht auf einen aggressiv eingestellten Entenschnabel trafen. „Leider“ konnten wir nicht alle Angreifer auch zu einem kurzen Landgang überreden, aber immerhin hatten wir am Ende des Tages 16 Hechte ablichten dürfen. Am zweiten Tag zeigte sich uns das Labyrinth aus großen und kleinen Kanälen und mit hohem Schilf bewachsenen Seen von einer ganz anderen Seite: Der Wind hatte über Nacht seinen Dienst quittiert und der am Tag zuvor bedrohlich nach Regen aussehende Himmel war strahlend blau und klar. Für einen entspannten Sonntagsspaziergang mit Sicherheit das angenehmere Wetter, für die Hechte jedoch nicht. Am Ende des Tages konnte sich jeder von uns nur über einen gelandeten Hecht freuen, auch wenn ich einige Chancen mehr gehabt hätte. Es war wie verhext… Nichts desto weniger war der Kurztrip wieder eine wahre Freude. Und das nicht nur wegen der üppigen Essensschlachten am Abend, sondern vorallem auch, weil Joseph den größten Hecht seiner langen, sehr langen Fliegenfischer-Karriere fangen durfte: 122 cm! Die Metermarke habe ich immer noch nicht geknackt, aber wer weiß, dieses Jahr geht es mit Sicherheit auch wieder das ein oder andere Mal nach Nordholland 😉

 

Impressionen: Herbst-Hechte in Alkmaar





Den Schonzeitkoller bekämpfen (2 von 2)

4 12 2010

In meinem ersten Teil von „Den Schonzeitkoller bekämpfen“ fischte ich mit Daniel aus dem Bellyboot auf Regenbogenforellen in den nahen Niederlanden. Im zweiten Teil geht es nun ebenfalls in unser käseerzeugendes Nachbarland, allerdings bis beinahe an die Nordsee: in die Nähe von Alkmaar in der Provinz Nordholland. Wie bereits im Spätsommer – und auch schon im letzten Jahr (Pike on The Fly Teil 1-4) – waren wir wieder zu Gast in dieser wasserreichen Gegend nur unmittelbar über dem Meeresspiegel. Zusammen mit Freunden aus dem Club „Mouche Passion“ behausten Marc und ich ein gemütliches 8-Betten-Häuschen im Bungalowpark Vlietlanden.

Für diejeniegen unter Euch die mit dem Gedanken spielen die Kanäle und Seen dort oben einmal unsicher machen zu wollen, habe ich die wichtigsten Informationen, Adressen etc. als Download zusammengestellt. Über Feedback oder Ergänzungsvorschläge freue ich mich natürlich!

Download – Pike on The Fly

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Während Hubert, Joseph, Jean und Wolfgang bereits vier Tage vor uns die Reise Richtung Alkmaar angetreten waren, mussten Marc und ich hufescharrend warten, bis alle todo-Listen auf der Arbeit sorgsam abgehakt waren. Pflichtbewusste Schreibtischtäter hier, glückliche und freie Rentner da. So ist das Leben…Leider konnte Ralf, der unsere Bootsbesatzung kompletieren sollte, kurzfristig nicht mitkommen. Vor unsere Abreise telefonierte ich noch einmal mit dem immer gut gelaunten Hechtspezi und er erlaubte mir, die für ihn reservierten Hechte fangen zu dürfen. An dieser Stelle muss ich kurz erklärend hinzufügen, dass in den letzten Jahren jener Fliegenfischer mit den meisten Hechten ein goldenes Schnappsgläschen, als Ersatz für einen Wanderpokal, sorgsam verwalten und natürlich als Trinkgefäß für wärmende und alkoholische Flüssigkeiten nutzen durfte. Dies war zuletzt mehrfach Ralf gewesen. Das gönnerhafte Angebot nahm ich daher natürlich umso dankbarer an 😉

Das freundschaftliche Rennen (ich bitte den ironischen Unterton mitzulesen ;)) um den goldenen Pokal zwischen mir und Marc, der zuletzt jeweils knapp den zweiten Platz auf dem Treppchen hinter Ralf belegt hatte, konnte losgehen! Auf der ersten Etappe saß der belgische Titelaspirant am Steuer. Im letzten Jahr hätte ihn diese verantwortungsvolle Tätigkeit ins Heck verschlagen, in diesem Jahr hatten wir aber einen zweiten Elektromotor am Bug befestigt: kein nötiges und umständliches Umgreifen während des Werfens mehr!

Wir fischten in einem großflächigen Wohngebiet in Langedijk und suchten systematisch nach den typischen Hechtstandplätzen; Schilfkanten, Stege, Bootshäuser, Buchten, Seerosenfelder. Ein starker Wind versuchte unsere Bucktailfliegen aus ihren geraden Bahnen durch die Luft zu werfen, konnte aber nicht verhindern, dass bei der Zielanfahrt sechs Hechte unser Boot kurz von Innen hatten bewundern dürfen. Vier für mich, zwei für Marc. Schnapsglas ich komme! Unseren Freunden – die den Tag in Vlietlanden verbracht hatten – war das Glück leider weit weniger holt gewesen. Dennoch war die Stimmung beim gemeinschaftlichen Abendessen (noch einmal Dank an Ralf für die schmackhafte Bolognese) heiter und nicht wolkig.

Bild 1: So kanns weitergehen

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Zur zweiten Etappe ging neben unserem Boot nur noch der schwimmende Luxusliner von Joseph an den Start, denn Wolfgang und Jean hatten ihre Zelte bereits abgebrochen. Nun war es an mir die Geschicke für die vor uns liegenden Stunden in die Hand zu nehmen und uns durch das Labyrinth aus Kanälen und Seen zu navigieren. Im letzten Jahr hatte meine Wenigkeit diese Aufgabe zweimal mehr schlecht als recht erledigt, zumindest hatte ich es nicht geschafft, mich gleichzeitig ums Boot zu kümmern und einen Hecht überlisten zu können. Diesmal – entweder beflügelt durch Ralfs Segen oder vielleicht doch nur aufgrund der neuen Anordnung der Motoren – verlief in meiner Rolle als Kapitän alles wie am Fliegenschnürchen: vier Hechte durfte ich ins Logbuch eintragen. Leider auch einen Schneider für Marc. Macht unterm Strich 6:2, Führung ausgebaut. Die stichelnden Bemerkungen in Richtung meines ersten Matrosen gingen noch flüssiger von meinen Lippen, weil Marc eine Vielzahl von Bissen verzeichnen und mehrere Drills verbuchen konnte, ohne jedoch einen einzigen Hecht zu einem Landgang überreden zu können 😉

Bild 2: Ein Teil des Irrgartens

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Glück ist eine launische Prostituierte! Erklärung? Bitte: Schon bei der nächsten Etappe durch Wind, nein Sturm entlang der Häuserreihen Vlietlandens wendete sich das Blatt: 1:0 für Marc. Dabei hätten es so viele Hechte auf beiden Seiten sein MÜSSEN. Es war wie verhext. Unzählige Angriffe auf unsere Streamer, heftige Kopfstöße am anderen Ende der Sinktip und doch am Ende eine schlaffe Leine und eine verdutzte und zerzauste Braut am Wirbel. Alleine der Rückweg zu unserem hauseigenen Steg war symptomatisch für die Stunden zuvor: Ich hatte in einer Sackgasse zwei Hechte verpasst, einmal an einer Schilfkante und einmal unter einem kleinen Steg. Wir gönnten den Entenschnäbel eine Verschnaufpause und kehrten später an den Ort der beiden Attentate auf meinen weißen Kaninchenstreamer zurück. Ich stand hinten im Boot. Marc saß am Motor. Wir bogen in die Wasserstraße ein und ich warf meine Fliege ans Schilf. Strippen. Strippen. Wie auf Kommando schoss der Hecht aus der Dunkelheit empor und stürzte sich auf den Eindringling. Schon wieder verpasst. Egal! Einer kommt ja noch. Am Ende der Sackgasse wendete Marc unseren Kahn und fuhr mich in die kleine Bucht. Da war die hölzerne Bootsanlegestelle. Ich platzierte mein Muster auf dem Steg, zupfte es vorsichtig an die Kante und ließ es mit einem „Plumps“ ins klare Wasser klatschen. Strippen. Strippen. Biss! Ein kurzes Zappeln am Ende der Intermediate und weg war der blitzschnell Stoßräuber. So in etwa erging es uns den ganzen Tag. Das i-Tüpfelchen auf diese beiden Demütigungen setzte dann beim Zurücksetzen aus der „cul-de-sac“ widerrum der erste Hecht: Er verabschiedete sich von uns (scheinbar grinsend) mit einem dritten Biss. Dieser Spaßvogel…

Der guten Laune an Bord konnten aber auch diese raffinierten Flossenträger keinen Strich durch die Rechnung machen. Außerdem waren wir heilfroh darüber, bei einem waghalsigen Manäver über den großen See nach Onderdijk nicht Schiffbruch erlitten zu haben (auch wenn die hohen Wellen krampfhaft versucht hatten unsere Nussschale in ihre feuchte Gewalt zu bringen).

Bild 3: Marcs zaghafte Aufholjagd

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Mit einer 6:3-Führung leuteten wir im Naturschutzgebiet von Langedijk die finale Etappe ein. Ich konnte die goldenen Umrisse des Kelches schon deutlich erkennen – beinahe berühren… Doch nichts da! Marc rüttelte mich aus meinen schönsten Träumen und zauberte mir zu allem Übel auch noch Schweißtröpfchen auf die Stirn: Entlang der Schilfkanten des großen und kleinen Sees sowie durch die unzähligen Kanäle näherte er sich Hecht um Hecht.  Er saß mir im Genick, ich konnte seinen Atem – Snickers, vorweihnachtlicher Lebkuchen und Eierlikör – in meinem Nacken. Den Verfolger im Rückspiegel beobachtend, konzentriert am Motor sitzend und gegen den starken Wind arbeitend berappelte ich mich jedoch und servierte meine Braut Wurf um Wurf ins dichte Röhricht. Und auch bei mir blieb die 8er Rute diesmal länger krumm als am Vortag. Wir erlebten die schönsten Stunden dieses Ausflugs und fingen gemeinsam 10 Hechte.

Achja, sie verteilten sich übrigens 6:4.

6:4 für wen? Marc durfte sich über 6 Entenschnäbel freuen, ich mich zum Abschluss des Tages allerdings über das größte Exemplar und damit gleichzeit über den Gewinn des goldenen Schnappsgläschens. Hauch-hauchdünn: mit einer Flossenlänge in Führung überquerte ich die Ziellinie. 10:9.

Entsprechend beflügelt und betört sank ich Abends in meinen Beifahrersitz…so ähnlich musste sich Sebastian Vettel gefühlt haben 😉

„Vettel“ ist übrigens nicht nicht nur Name des neuen F1 Weltmeisters, sondern auch die treffende Bezeichnung für eine alte Dame mit hässlichem Äußeren und einem verdorbenen Charakter. Das aber nur als Info.

Bilder 4 & 5: Hechte aus dem Schilf gezaubert

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Auch wenn dieser Ausflug nicht von spektakulären Pleiten, Pech und Pannen oder einem Hecht über 1m geprägt war wie jener im vergangenen Jahr, haben wir in letzter Zeit doch noch oft über die kurze Zeit in Nordholland gesprochen: Zwar hatte Marc in den letzten 8 Jahren in diesem Gebiet schon mehr Hechte fangen können (dies verriet ihm ein kleines geheimnisvoll wirkendes Notizbuch aus seinem Bindeschrank), aber noch nie konnten so viele Bisse gezählt werden. Entgegen der wehmütigen Klagen über den Rückgang der Fischbestände ist dies ein Fakt, der uns für unseren nächsten Besuch in den Niederlanden optimistisch stimmt.

Ob ich dann meinen Titel verteidigen kann? Abwarten. Erstmal muss ich mir den „Wanderpokal“ von Ralf besorgen. Mal schauen ob er ihn überhaupt rausrückt…

 

  • Download: Fliegenfischen in Nordholland

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Den Schonzeitkoller bekämpfen (2 von 2)









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