Rückblick: Hechtfischen auf Rügen (Teil I)

28 06 2012

Wie vor ein paar Wochen angekündigt habe ich Anfang Mai Deutschlands größte Insel besucht: Rügen. Meine hohen Erwartungen an die dortige Hechtfischerei – auch aufgrund der zahlreichen euphorischen Berichte im Netz – wurden zwar nicht im vollen Umfang erfüllt, dennoch blicke ich sehr gerne auf 4 (oder besser 4,5) interessante und schöne Tage am Wasser zurück. An dieser Stelle auch von „erholsamen“ Tagen zu sprechen wäre allerdings gelogen oder zumindest stark euphemistisch. Denn jeder, der bei Windstärke 5+, über mehrere Tage hinweg und täglich viele Stunden lang große Streamer befördern musste weiß: Hechtfischen ist harte Arbeit! Nicht wahr, Marc? 

Ein kurze Zusammenfassung dieser harten Arbeit könnte wie folgt aussehen:

  • In 4,5 Tagen wurden von 4 Personen 25 Hecht gefangen (ich 11, Fabian 9, Marc 4, Ralph 1).
  • Fabian hat seinen ersten Hecht mit der Fliege überlisten können.
  • Der „größte“ Entenschnabel hatte die 80cm Marke noch nicht geknackt.
  • Belgier haben das „Hornhechtduell“ erfunden.
  • Das längste Hornhechtduell konnte Ralph mit 67 zu 62 für sich entscheiden.
  • Ralph heißt ab jetzt „Horny“ (Fabian fortan „Petzi Bär“  – aber das hat nichts mit einem gefangenen Fisch zu tun).
  • Hornhechte fängt man am effektivsten ohne Haken!
  • Rügen ist groß, verdammt groß und hat unglaublich viel Wasser!
  • Rügen im Frühling bzw. Sommer ist offenbar für die Hechtfischerei nicht der ideale Zeitraum.

 

Da dies aber nur einen oberflächlichen Eindruck unseres Ausflugs widerspiegeln würde, bekommt Ihr noch ein paar Worte (und Fotos) mehr:

Nach einem kurzen After-Work-Napp haben Fabian und ich uns – durch eine kalte Frühlingsnacht von Dienstag auf Mittwoch – auf den ca. 800 km langen Weg gen Ostsee gemacht, um morgens auf Marc und Ralph zu stoßen. Unsere belgischen Freunde waren bereits am Vorabend in der Nähe von Putbus angekommen und hatten unsere Behausung, oder besser, unser „Blaues Haus“, bereits häuslich eingerichtet. Mit einiger Verspätung (Warum gibt es auch in jedem Kaff eine „Dortstraße“?)  trafen wir an unserem Urlaubsort bzw. der losen Ansammlung von Kleinstbauten mit eigenem Ortsnamen ein. Die Vorboten unserer kleinen, kurzfristig geschrumpften Reisegemeinschaft – Nino musste wegen eines unkooperativen Praktikumsleiters leider absagen und Max dachte bis wenige Tage vor Abfahrt, dass wir ins für ihn leichter erreichbare Holland fahren würden – waren aber bereits zum Südufer der Insel ausgeflogen. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen konnte auch uns trotz Schlafmangels nichts halten und wenig später standen wir am Strand des Greifswalder Bodden. Statt jedoch einen Meterhecht nach dem anderen zu fangen, waren Ralph und Marc in ein „Hornhechtduell“ vertieft. Die beiden bekamen einen Hornhecht nach dem anderen ans Band und das, ohne überhaupt einen Haken zu verwenden. Sie knüpften lediglich eine Art fasrige Schnur in den Farben rot und orange (etwa 7-10 cm lang) ans Vorfach und bewegten diese in Windeseile – die Rute unter den Arm geklemmt und mit beiden Händen strippend – knapp unter der Oberfläche. Einzelne Fische der balzenden Schwärme konnten auch diesen Reizen nicht widerstehen und verfingen sich mit ihrem „Hörnchen“ (wie Ralph es nannte) im Köder. Bis zum Abend konnten die Duellanten auf diese Weise gemeinsam über 120 Hornhechte bis ca. 80cm „überlisten“ und schonend zurücksetzen.

Während sich die Korkgriffe der beiden, über den zunehmend kälter werdenden Tag hinweg, stetig von braun in schuppiges silber verwandelten, versuchten Fabian und ich unser Glück auf Hechte. Zwar war die Bucht in der wir fischten nicht ideal (wir konnten keine Kanten ausfindig machen und auch der Grund bot keine konkreten Anhaltspunkte wie etwa Krautfelder), dennoch durfte ich mich über meine ersten beiden Boddenhechte und eine damit verbundene Doppelrunde Schnaps für alle nach dem Abendessen freuen.

Wie die Schnapsverteilung an den darauf folgenden Tagen ausgesehen hat, wird Euch Fabian in Kürze in einem zweiten Teil berichten. Vorab aber schonmal ein paar Fotos:

 

Impressionen: Hechtfischen auf Rügen (Teil I)

 

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Vorfächer von Stroft

14 03 2012

Als ich vor etwa einem halben Jahr erfahren habe, dass die in Deutschland ansässige Waku GmbH – bekannt für ihre Monofilschnur mit dem bei Fliegenfischern so bekannten Namen „Stroft“ – endlich gezogene, verjüngte Vorfächer auf den Markt bringen wird, war ich direkt angetan. Seit nunmehr einigen Jahren verwende ich ihr Material in vielen Einsatzgebieten als letzte Instanz zwischen mir und meiner Fliege. So stand schnell fest: die neuen Vorfächer von Stroft müssen ausprobiert werden! Nun habe ich pünktlich für den Saisonstart ein paar Exemplare in 9 und 12 ft. Länge auf meinem Schreibtisch liegen (im letzten Jahr bin ich leider nicht mehr dazu gekommen). Die Vorfächer werden auf einer großen Spule geliefert, ein Vorteil gegenüber vielen anderen Herstellern, wird auf diese Weise doch ein „memory effect“ reduziert. Dass die Spule zusätzlich in Plastik eingeschweißt wird, erschließt sich mir hingegen nicht. Dies war übrigens auch der Hauptkritikpunkt der 25 Tester, die das neue Produkt im letzten Jahr im Auftrag des Fliegenfischer-Forums ganz genau unter die Lupe und mit ans Wasser genommen haben. Die unterm Strich durchweg positiven Ergebnisse des Tests findet Ihr hier: http://fliegenfischer-forum.de/stroft4.html. Im Artikel wird überdies auf einen besonderen Service von Waku hingewiesen:

„Auf Basis der verfügbaren Vorfächer haben die Leute bei WAKU die enorme Zahl von über 1000 verschiedenen Vorschlägen und Möglichkeiten zur eigenen Vorfach-Zusammenstellung erarbeitet und veröffentlicht!“ (Fliegenfischer-Forum)

Das ganze nennt sich dann „Vorfachfinder“ und ist in der Tat für den etwas versierteren Fliegenfischer interessant. Denn im Hinblick auf die beiden Kriterien „Scheuchwirkung“ und „Streckverhalten“ lassen sich alle 44 Vorfächer mit dessen Hilfe individuell an die fischereilichen Gegebenheiten anpassen. In übersichtlichen .pdf-Dateien erhaltet Ihr per Mausklick detaillierte Anweisungen zum Kürzen bzw. Verlängern Eures Vorfachs. Ich persönlich entscheide so etwas letztlich jedoch lieber am Wasser als am heimischen Monitor: Lässt sich das Vorfach nicht in der von mir gewünschten Weise präsentieren, z.B. aufgrund von zu starkem Gegenwind, weil ich besonders schwere/leichte Fliegen verwende oder aber weil der Wasserstand zu niedrig und die Fischerei dadurch sehr heikel ist, kommen Nipper und Tippetmaterial zum Einsatz. Ein Blick in den Vorfachfinder sowie in die generellen Tipps zur Findung des geeigneten Vorfachs können aber sicher nicht schaden 😉

Am Freitag werde ich die Vorfächer jedenfalls das erste Mal an meine Flugschnur schlaufen und bin gespannt, wie sich meine Nymphen und Trockenfliegen zum Fisch bringen lassen. Meine Eindrücke werde ich natürlich in meinem Bericht zum Saisonstart unterbringen.

Abschließend würde ich von Euch noch gerne wissen, für welche Art von Vorfach ihr Euch entschieden habt? Gezogene, vorgefertigte Vorfächer? Wenn ja, mit zusätzlicher Vorfachspitze? Geflochtene Vorfächer? Oder knüpft Ihr ganz klassisch noch komplett selber?





Nymphenmuster – Darfs ein bisschen bunter sein?

11 03 2012

Beim Surfen bin ich auf dem Blog von „Field and Stream“ über einen neuen Artikel von Dirk Deeter gestolpert: Der Autor diskutiert den Einfluss von „hot spots“ bzw. „trigger points“ auf die Sichtbarkeit von Nympen in unterschiedlichen Gewässertiefen. Die beiden Begriffe bezeichnen farbige Akzente, die vom Fliegenbinder im Kopf- oder Schwanzbereich der Fliege gesetzt werden. Auch farbige (Tungsten-)Köpfe können – der Meinung des Autors nach – dazu beitragen, dass Forellen die vermeindliche Beute besser/schneller/leichter wahrnehmen und somit effektiver zum Biss verführt werden. Am Bindetisch kommen hauptsächlich fluoreszierende Farben wie Orange oder Chatreuse zum Einsatz, wobei insbesondere Rot und Violette in größeren Tiefen am besten geeignet sind. Denn: „The water column disperses most of the Blue, Yellow, Green and Orange light as you gain depth where Red and Violet colors are still present.“ (Steve Parrott)

In seinem Text nimmt Dirk Deeter Bezug auf Steve Parrott und verweist auf ein Foto, das dessen Fliegendose zum einen unter normalen Lichtbedingungen (links) und zum anderen in ultraviolettem Licht (rechts) zeigt – ein Lichtverhältnis, vergleichbar zu dem unter Wasser bzw. in „tieferen“ Gewässerabschnitten. Was „tief“ hier allerdings genau bedeutet, wird von den beiden Autoren leider nicht konkretisiert.

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Bild: Nymphenmuster mit fluoreszierendem Hot Spot in ultraviolettem Licht

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Das Foto zeigt für Parrott eindrücklich, das Hot Spots – gebunden mit fluoreszierenden Materialien – wesentlich länger/tiefer farbecht wahrgenommen werden können: „This creates a huge advantage over flies tied without fluorescent materials as they will appear dark brown or black with a brightly colored section glowing like a beacon in those deeper runs. This is an open invitation for fish to check it out and since they cannot grab the fly and inspect it with their hands, they use their mouth!!!“ (Steve Parrott)

Auch ich sammle in meiner Nymphendose seit längerem eine Vielzahl vergleichbarer Muster und habe gerade unter widrigen Bedingungen die Erfahrung gemacht, dass diese kleinen Unterschiede an der Fliege einen großen Unterschied am Wasser machen können! Abschließend bleibt dennoch die Frage, ob das Sehorgan des Fisches überhaupt vergleichbar zu dem des Fischers funktioniert. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand zu diesem Thema eine aufschlussreiche Lektüre empfehlen würde.

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Produktkataloge – Information und Persuasion

11 01 2011

Gestern stöberte ich ein wenig gelangweilt bei Facebook nach Gruppen- und Infoseiten zu unserem Lieblingsthema. Dabei stieß ich über Umwege auf die Seite von Simms Fishing Products. Da Simms bereits 9.999 „Likes“ für sich verbuchen konnte, zögerte ich nicht lange und stimmte zu: Simms? Gefällt mir! Punktlandung. 10.000 mal den digitalen „Daumen hoch“. Jede Menge virtuelle Zustimmung für den Hersteller von Watklamotten aus dem Herzen Montanas.

Verwundert war ich hierüber allerdings kaum. Denn ich denke, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, dass es kaum einen Fliegenfischer zwischen hier und Bozeman gibt, der nicht schon einmal etwas über Simms gehört oder einen anderen Fliegenfischer mit einer entsprechenden Wathose oder -jacke am Wasser getroffen hat. Ich habe zwar leider keine verlässlichen Zahlen, aber ich bin mir sehr sicher: Simms ist im Bereich der funktionalen Bekleidung für Fliegenfischer mit Abstand Weltmarktführer. Aber was ist der Grund für diese Vormachtstellung? Liegt es an der verlässlichen Qualität und sauberen Verarbeitung der Produkte? Der am Wasser erprobten Funktionalität? Dem innovativen Design?

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Ich weiß nur, dass ich selber auch einige Produkte von Simms im Kofferraum meines Kombis liegen habe. Sei es meine Wathose, meine Watjacke, meine Watschuhe, meine Fleecehose oder meine hässliche gelbe Glückskappe – der Gewinn meines belgischen Freundes Ralf bei einem Bindewettbewerb; er wollte sie aufgrund der knalligen Farbe nicht tragen und schenkte sie mir: alle haben ihre speziellen Aufgaben im Dauereinsatz bisher mit Bravour erledigt und mich noch nie im Stich gelassen. Aber wie sind all diese Sachen in meinen Kofferraum gekommen? Am günstigen Preis liegt es sicher nicht! Ok, ich habe hier und da ein Schnäppchen gemacht, aber dennoch.

Ein Teil der Antwort liegt mit Sicherheit – neben der Qualität – auch im Image von Simms und ist den zahlreichen Marketingkampagnen geschuldet. Träger bzw. Medien dieser absatzsteigernden Strategien sind neben der eigenen Webseite, stimmungsvollen Bildanzeigen und „gesponsorten“ Videos in Online-Magazinen bestimmt auch die jährlichen Produktkataloge. Die neuste Ausgabe, für das junge Jahr 2011, ist erst vor ein paar Tagen im Internet als „e-catalog“ erschienen. Für einen fliegenfischenden Kommunikationswissenschaftler wie mich, der sich beruflich auch mit Werbung und Werbesprache beschäftigt, ist ein Blick in einen solchen Katalog doppelt interessant: Auf der einen Seite bietet er direkt und beschreibend „echte“ Information. Der potentielle Käufer wird über die Eigenschaften eines Produktes aufgeklärt. Auf der anderen Seite – und dieser Aspekt ist mindestens ebenso wichtig – versteht er es sowohl durch Sprache als auch (und vorallem) durch schwarz-weiß Fotos indirekt zu beeinflussen, oder zumindest, ein bestimmtes Gefühl zu erzeugen. Information und Persusion. Es wäre sicherlich interessant, diesen Katalog unter den zwei Gesichtspunkten einmal genauer zu analysieren.

(Natürlich kann ich mir auch die Kataloge von Sage, Hardy, Guideline, Vision oder oder oder anschauen. In meinen Augen hat aber kein Hersteller eine vergleichbare Sonderstellung auf dem Markt; apropos und nur zum Vergleich: Amerikas Rutenbauer Nr.1, Sage, hat nur knapp 2000 Facebook „likes“, Hardy aus England unter 400 „gefällt mir“)

Simms Produktkatalog – Information und Persuasion


Und auch wenn ich mir dieser persuasiven Strategien vollkommen bewusst bin und Kataloge normalerweise nur oberflächlich durchblätter: Wathose, -jacke und -schuhe sind trotzdem irgendwie in meinem Kofferraum gelandet… und dies ist sicherlich nicht den eifrigen Produkttests im Fliegenfischerforum zu verdanken.

Was denkt Ihr über dieses Thema? Warum entscheiden wir uns für bestimmte Produkte und lassen andere, vergleichbare Produkte links liegen? Rein rational auf Basis von Information und vor dem Hintergrund sachlicher Abwägung von Argumenten? Oder lassen wir uns – auch wenn wir es nicht immer zugeben wollen – doch auch ein bisschen um den Finger wickeln?

Würde mich freuen zu hören/zu lesen was Ihr hierüber denkt!





Duell der Allrounder

6 01 2011

Wie schon in den letzten Jahren, hat Yellowstone Angler George Anderson auch diesen kalten Winter Montanas genutzt, um einige 5er Ruten in 9 Fuß ausgiebig miteinander zu vergleichen. Unzählige dieser vermeintlichen „Allrounder“ – praktikabel sowohl für das Fischen mit der Trockenfliege als auch mit Nymphe(n) oder Streamer – tummeln sich auf dem dichten Rutenmarkt und buhlen um die Gunst der Fliegenfischer. Eine Kaufentscheidung fällt vielen, gerade Einsteigern, nicht gerade leicht. Wie auch? Die bunten Hochglanzkataloge der Hersteller und Verkäufer preisen ihre Produkte in den Himmel und suggerieren mühelose Wurfergebnisse und Fangerfolge. Fachmagazine – ob digital oder analog – verlieren leider selten ein kritisches Wort und in den zahlreichen Foren tummeln sich oftmals so viele Meinungen wie Nutzer. Zugegeben: Auch der Test von George Anderson ist natürlich stark subjektiv geprägt (Funktioniert Fliegenfischen/Fliegenwerfen überhaupt ohne eine eigene persönliche Empfindung?), aber dennoch bietet er zumindest einen fundierten (plausible Testkriterien) und direkten Vergleich zwischen den ausgewählten Ruten. 18 getestete Modelle an der Zahl.

Beim letzten Duell der Allrounder landete die von mir sehr gerne gefischte Z-Axis auf dem Siegerpodest. In diesem Jahr muss sich der mittlerweile gereifte Zögling der amerikanischen Rutenschmiede Sage (zumindest knapp) geschlagen geben und erhält die Silbermedaille. Gold geht in dieser Runde, hauptsächlich aufgrund einer besseren Performance bei sehr kurzen Wurfweiten, an das neue Flaggschiff aus dem Hause Hardy: die Zenith. Eine positive Überraschung im breiten Testfeld ist die neue, „günstige“ Passport von Winston: aufgrund ihres sehr überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnisses.

Eine Kaufentscheidung sollte freilich auf Basis eines solchen Tests nicht getroffen werden, aber er kann durchaus helfen, ein wenig Licht in das Dunkel des Rutenwaldes zu bringen. Den Weg zum Händler, um die potentiellen Kandidaten selber zu werfen, nimmt uns noch niemand ab. Auch die geliehenen Ruten vom Onlinehändler müssen wir eigenhändig unter die Lupe nehmen. Und das ist auch gut so! Denn Fliegenfischen/Fliegenwerfen hat in meinen Augen viel, sehr viel mit der persönlichen Empfindung zu tun.

Diese Empfindung, dieses Gespür, ja, diesen ganz eigenen, persönlichen Geschmack zu entwickeln und auch benennen zu können, ist ein langer Weg. Hier hilft nur der Gang ans Wasser oder auf die Wiese. Also los!

Testergebnisse 2011, von George Anderson

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5-Weight Shoot Outs:

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Flyhappening in Putte – ein kurzer Rückblick

6 12 2010

Zurück aus Putte. Unbeschadet! Wenn man einmal von unseren Geldbörsen absieht…

„Unbeschadet“ betone ich deshalb, weil wir auf unserer knapp zweistündigen Rückfahrt am frühen Sonntagnachmittag mit 30 cm Neuschnee auf den belgischen Autobahnen zu kämpfen hatten. Auf meinen zum Minivan umfunktionierten Kombi war jedoch wie immer Verlass und er brachte seine 7 Insassen sicher und warm, manch einem zu warm, zurück in die Heimat – also das deutschsprachige Ostbelgien hier und das grenznahe Aachen dort.

Im Gepäck: zahlreiche Beutelchen mit Bindematerialien. Denn gerade für diejenigen unter uns, die Ihre Fliegen am liebsten selber herstellen und aus dieser Tätigkeit gar ein eigenes Hobby neben dem Fischen machen, hatte die Messe in Putte, entschuldigung: das „Fly Happening“, einiges zu bieten. Insgesamt drei Hallen warteten an diesem Wochenende auf die mit Winterreifen ausgestatteten Fliegenfischer aus Belgien, Holland, Luxemburg, Frankreich, Deutschland und …

Insgesamt drei Hallen wurden im Gemeindezentrum beschlagnahmt und zum Leben erweckt:

  • In einer ersten Halle – zum Glück beheizt – waren zahlreiche Verkaufstände untergebracht. Das Angebot war gut, aber noch überschaubar. Zwar deutlich umfangreicher als auf einer normalen „Hausmesse“, aber eben nicht so umfangreich wie beispielsweise auf den Messen in Charleroi (am letzten Wochenende im Januar) oder etwa in Paris. Was mir persönlich beispielsweise gefehlt hat waren Rutenbauer, auch von Gespließten, oder Anbieter antiker Schätzchen etc. Auch die Franzosen von JMC waren nicht vor Ort, ein üblicherweise beeindruckendes Sortiment. Im Bereich der Bindematerialien fehlte mir ein mit CDC-Federn prall gefüllter Stand. Auch besondere Bindematerialien wie z.B. Aalhaut habe ich nur bei sehr wenigen Anbietern gefunden. Meine virtuelle Wunschliste konnte ich dennoch fast ganz abhaken.
  • In einer zweiten Halle waren Catering, Fliegenbinder und Reiseanbieter untergebracht. Die Prieise für Speisen und Getränke bewegten sich im angenehmen Bereich und mit einem schmackhaften Hamburger bewaffnet machte das Zuschauen beim Erstellen kleinster Trockenfliegen, buschiger Hechtstreamer oder realistischer Steinfliegen doppelt Spaß. Überrascht und erfreut war ich darüber, dass mich zwei Fliegenbinder (ich glaube aus den Niederlanden) auf meinen Blog, meine Berichte und Fotos angesprochen haben. Apropos „Bericht“: der holländische Eigentümer des Sees an dem ich vor kurzem mit Daniel gefischt habe (Bericht: Den Schonzeitkoller bekämpfen 1 von 2) war ebenfalls vor Ort werbend aktiv. Bei ihm konnte man als Messeaktion Erlaubsnisscheine zum halben Preis erstehen. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass wir in Anbetracht des noch langen Winters natürlich zugeschlagen haben. Bericht folgt also.
  • In einer dritten Halle – leider unbeheizt – wurden regelmäßig Wurfdemonstrationen durchgeführt. Gerade für diejenigen, die sich „schnuppernd“ auf der Messe bewegten ein tolles Angebot, konnte man an einem kleinen Becken doch selber einmal probieren, wie es sich anfühlt, eine Schlaufe in die Luft zu zeichnen. Tipps und Tricks konnten sich aber natürlich auch die älteren Hasen im Geschäft abschauen. Man lernt ja nie aus!

Unterm Strich hat mir die Veranstaltung gut gefallen, auch wenn Sie von der Größe und der Reichhaltigkeit des Angebots mit der im Januar stattfindenen Messe in Charleroi nicht ganz mithalten kann. Positiv hieran war jedoch gleichzeitig, dass das Fly Happening in Putte nicht überlaufen war. Man konnte sich alles in Ruhe anschauen ohne ständig Angst haben zu müssen, einen Stand zu blockieren. Ob die Aussteller dies auch so gesehen haben wage ich jedoch zu bezweifeln 😉

Von den angebotenen Produkten haben mich insbesondere die Artikel von IMAGO begeistert. Eine kleine Firma aus Skandinavien mit einer begrüßenswerten Philosophie zum Fliegenfischen im Allgemein wie zum Thema „Tackle“ im Speziellen. Das rabenschwarze Bellyboot mit den funktionellen Gimmicks sowie die aus dem Tauchsport stammenden Flossen hätten mal ein wenig früher auf den Markt kommen sollen…Auch die (Hüft-)Wathosen und Watjacken der schwedischen Firma machten einen hochdurchdachten Eindruck. Ich habe mir die Watjacke mehrere Minuten angeschaut und immer wieder kleine Details – die nur durch eine lange Erfahrung am Wasser ins Design einfließen können – gefunden. Leider, leider war die in Kürze erscheinende Rutenserie noch nicht mit von der Partie. Die hätte ich gerne einmal geworfen!

Um zum Abschluss auch noch etwas negatives anzumerken: Schade war hingegen  – und dies hat mit der Messe eigentlich nichts zu tun – , dass ich zwei „virtuelle Bekannte“ aus dem Fliegenfischer Forum nur kurz gesehen und gesprochen habe. Denn so viel Platz zwischen und an den Ständen gab es dann doch nicht, als dass man sich alle Nase lang in die Arme gelaufen wäre.

Nachtrag

Gerade habe ich meine Mitbringsel aus Putte ausgepackt und einsortiert. Warum Euch bei der Gelegenheit nicht noch kurz zeigen, was den Weg aus Belgien auf meinen Schreibtisch gefunden hat.

Wie ihr seht, zum einen vornehmlich Materialien um den Rücken von beispielsweise Bachflohkrebsen zu gestalten, zum anderen ein paar Haken. Ich werde in nächster Zeit mal ein wenig mit den japanischen „Matzo“ experimentieren. Sie machen auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck und sind preislich ziemlich attraktiv. Im Fliegenfischer Forum wurden sie vor kurzem übrigens als „sehr empfehlenswert“ befunden 😉

Bild 1: Meine Einkaufstüte

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Es erwarten Euch die kommenden Tage und Wochen also eine Reihe von Beiträgen zum Fliegenbinden. Diese werden unter dem Titel „Tagebuch einer Fliegendose“ laufen. Ich werde Euch regelmäßig über den systematischen Aufbau meiner Nymphen-, Trockenfliegen- und Streamerbox auf dem Laufenden halten, begleitet von einigen Anleitungen und Fotos. Ich werde zu jedem Muster Serien aus 6 Exemplaren binden. Das ganze wahrscheinlich in 2 oder 3 Ausführungen – unterschiedliche Größen und Gewichte. Einiges zu tun… Marc hat die letzten Tage schonmal vorgelegt und liegt ca. 50 Nymphen in Führung. Den kriege ich aber noch!

Dies ist btw das bisherige, überschaubare Ergebnis nach den ersten zwei Abenden am Bindestock (lediglich Schnappschüsse mit der kleinen Digicam).

Bilder 2 & 3: Tagebuch einer Fliegendose

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Im Moment befindet sich das intime Grüppchen noch in einer zweiseitigen Dose, wird aber hoffentlich bald in eine vierseitige (mit jeweils 8 Reihen) umziehen 😉





Den eigenen virtuellen Geburtstag verpennt

30 11 2010

Gerade surfte ich ein wenig auf meinen Lieblingsblogs umher, als mich fast der Schlag traf: Nicht, weil der lesenswerte Blog von Ralf, Frank und Michael (Flyfishersworld) nun bereits ein Jahr eine informationsreiche Anlaufstelle im Web zum Thema Fliegenfischen darstellt, sondern weil ich den Geburtstag meiner eigenen kleinen Seite verschwitzt habe. Fast so unangenehm, als käme man am Wochenende nach Hause und die eigenen Oma strahlt einen in der Erwartung zu ihrem Jubeltag einen Strauß Blumen überreicht zu bekommen an – man selber steht aber nur mit schmutziger Wäsche verdutzt zwischen den Türrahmen.

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Naja ganz so schlimm ist es nun doch nicht, aber ich hatte mir einen Geburtstags-Beitrag fest vorgenommen. Damit komme ich nun ein paar Tage zu spät, denn bereits am 11.11.2009 (pünktlich zur fünften Jahreszeit im Rheinland) erblickte Flybei das Licht der digitalen Welt. Bei der Wahl eines geeigneten Namens für meinen Blog habe ich mir damals nicht viele Gedanken gemacht. Flyby (also „vorbei fliegen„) war bereits vergeben. Pech!. Weil es aber ohnehin ein deutschsprachiger Blog werden sollte, entschied ich mich kurzerhand für den deutsch-englischen Neologismus Flybei. Und tatsächlich, der Slogan „in drei Klicks zum eigenen Blog“ war nicht übertrieben: flybei.wordpress.com war geboren.

Mein erster Artikel, den ich noch am selben Abend verfasste, war der Rückblick auf einen Hechttrip nach Holland. Dieser wurde wenig später durch drei weitere Teile und einen Artikel über meine ersten Hechtfliegen ergänzt. Seitdem haben 67 Artikel ihren Weg in meinen Mac und auf eure Bildschirme gefunden. Darunter vornehmlich persönliche Berichte über meine knapp 100 Tage am Wasser in den letzten knapp 400 Tagen. Als zusätzliche Illustration habe ich insgesamt 578 Bilder hochgeladen, umgerechnet knapp 700 mb Speicherplatz. Das Layout der Seite hat sich seither nur marginal verändert, auch wenn einige Funktionen und statische Seiten des Blogs mit der Zeit hinzugekommen sind. Ebenso – dank Anna – ein eigenes Logo. Die Besucherzahlen haben sich demgegenüber glücklicherweise stark verändert. Während sich in meinen ersten beiden aktiven Monaten „nur“ 1300 Besucher nach hier verirrten, finden sich mittlerweile monatlich zwischen 3000 und 4000 Besucher auf Flybei ein, Tendenz leicht steigend. Insgesamt durfte ich mich bis zu diesem Moment über 24.830 Visits, nein 24.831 Visits freuen 😉 162 Kommentare wurden dabei von Euch zu meinen Artikeln oder im Gästebuch verfasst.

An dieser Stelle möchte ich mich daher vorallem bei Euch bedanken: Vielen, vielen Dank für Euer Interesse und Eure Zeit!

Ich hoffe, dass ich auch weiterhin genauso viel Freude am Schreiben haben werde wie bisher und Euch einiges zum Lesen bieten kann. Der Blick heute zurück auf die zahlreichen festgehaltenen Erinnerungen ans Wasser und die zahlreichen Begegnungen mit Menschen und Fischen sind die Mühe jedenfalls wert!








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