Rückblick: Hechtfischen auf Rügen (Teil I)

28 06 2012

Wie vor ein paar Wochen angekündigt habe ich Anfang Mai Deutschlands größte Insel besucht: Rügen. Meine hohen Erwartungen an die dortige Hechtfischerei – auch aufgrund der zahlreichen euphorischen Berichte im Netz – wurden zwar nicht im vollen Umfang erfüllt, dennoch blicke ich sehr gerne auf 4 (oder besser 4,5) interessante und schöne Tage am Wasser zurück. An dieser Stelle auch von „erholsamen“ Tagen zu sprechen wäre allerdings gelogen oder zumindest stark euphemistisch. Denn jeder, der bei Windstärke 5+, über mehrere Tage hinweg und täglich viele Stunden lang große Streamer befördern musste weiß: Hechtfischen ist harte Arbeit! Nicht wahr, Marc? 

Ein kurze Zusammenfassung dieser harten Arbeit könnte wie folgt aussehen:

  • In 4,5 Tagen wurden von 4 Personen 25 Hecht gefangen (ich 11, Fabian 9, Marc 4, Ralph 1).
  • Fabian hat seinen ersten Hecht mit der Fliege überlisten können.
  • Der „größte“ Entenschnabel hatte die 80cm Marke noch nicht geknackt.
  • Belgier haben das „Hornhechtduell“ erfunden.
  • Das längste Hornhechtduell konnte Ralph mit 67 zu 62 für sich entscheiden.
  • Ralph heißt ab jetzt „Horny“ (Fabian fortan „Petzi Bär“  – aber das hat nichts mit einem gefangenen Fisch zu tun).
  • Hornhechte fängt man am effektivsten ohne Haken!
  • Rügen ist groß, verdammt groß und hat unglaublich viel Wasser!
  • Rügen im Frühling bzw. Sommer ist offenbar für die Hechtfischerei nicht der ideale Zeitraum.

 

Da dies aber nur einen oberflächlichen Eindruck unseres Ausflugs widerspiegeln würde, bekommt Ihr noch ein paar Worte (und Fotos) mehr:

Nach einem kurzen After-Work-Napp haben Fabian und ich uns – durch eine kalte Frühlingsnacht von Dienstag auf Mittwoch – auf den ca. 800 km langen Weg gen Ostsee gemacht, um morgens auf Marc und Ralph zu stoßen. Unsere belgischen Freunde waren bereits am Vorabend in der Nähe von Putbus angekommen und hatten unsere Behausung, oder besser, unser „Blaues Haus“, bereits häuslich eingerichtet. Mit einiger Verspätung (Warum gibt es auch in jedem Kaff eine „Dortstraße“?)  trafen wir an unserem Urlaubsort bzw. der losen Ansammlung von Kleinstbauten mit eigenem Ortsnamen ein. Die Vorboten unserer kleinen, kurzfristig geschrumpften Reisegemeinschaft – Nino musste wegen eines unkooperativen Praktikumsleiters leider absagen und Max dachte bis wenige Tage vor Abfahrt, dass wir ins für ihn leichter erreichbare Holland fahren würden – waren aber bereits zum Südufer der Insel ausgeflogen. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen konnte auch uns trotz Schlafmangels nichts halten und wenig später standen wir am Strand des Greifswalder Bodden. Statt jedoch einen Meterhecht nach dem anderen zu fangen, waren Ralph und Marc in ein „Hornhechtduell“ vertieft. Die beiden bekamen einen Hornhecht nach dem anderen ans Band und das, ohne überhaupt einen Haken zu verwenden. Sie knüpften lediglich eine Art fasrige Schnur in den Farben rot und orange (etwa 7-10 cm lang) ans Vorfach und bewegten diese in Windeseile – die Rute unter den Arm geklemmt und mit beiden Händen strippend – knapp unter der Oberfläche. Einzelne Fische der balzenden Schwärme konnten auch diesen Reizen nicht widerstehen und verfingen sich mit ihrem „Hörnchen“ (wie Ralph es nannte) im Köder. Bis zum Abend konnten die Duellanten auf diese Weise gemeinsam über 120 Hornhechte bis ca. 80cm „überlisten“ und schonend zurücksetzen.

Während sich die Korkgriffe der beiden, über den zunehmend kälter werdenden Tag hinweg, stetig von braun in schuppiges silber verwandelten, versuchten Fabian und ich unser Glück auf Hechte. Zwar war die Bucht in der wir fischten nicht ideal (wir konnten keine Kanten ausfindig machen und auch der Grund bot keine konkreten Anhaltspunkte wie etwa Krautfelder), dennoch durfte ich mich über meine ersten beiden Boddenhechte und eine damit verbundene Doppelrunde Schnaps für alle nach dem Abendessen freuen.

Wie die Schnapsverteilung an den darauf folgenden Tagen ausgesehen hat, wird Euch Fabian in Kürze in einem zweiten Teil berichten. Vorab aber schonmal ein paar Fotos:

 

Impressionen: Hechtfischen auf Rügen (Teil I)

 





Neuer Blog: Forelle & Äsche

21 06 2012

In den letzten Jahren – so zumindest meine Empfindung – hat in der deutschen Blogosphäre die Zahl der Blogs die sich mit dem Fliegenfischen beschäftigt deutlich zugenommen. Eine erfreuliche Entwicklung! Immer mehr Fliegenfischer lassen andere an ihren Erlebnissen teilhaben, weisen auf interessante Fundstellen im Netz und in den klassischen Medien hin oder stellen ihre eigenen Fliegenmuster und Bindeanleitungen vor. Und bei all dem treten sie in einen direkten Austausch mit Lesern, aus denen teilweise Bekannte oder sogar Freunde werden können.

Eine neue Anlaufstelle für Fliegenfischer ist nun seit ein paar Wochen online: Forelle & Äsche. Auf seinem Blog berichtet Tankred nicht nur von seinen Ausflügen an die Ufer von Kyll, Ahr und Sieg (und von seinen Erlebnissen an den unterschiedlichsten britischen Fließ- und Stillgewässern), sondern unternimmt auch lesenswerte Ausflüge in die Vergangenheit und die Geschichte des Fliegenfischens. Darüber hinaus widmet er sich neben dem Fliegenbinden auch der Entomologie. Ein spannender und komplexer Aspekt des Fliegenfischens, mit dem sich nicht viele (bloggende) Fliegenfischer intensiver beschäftigen.

Ich habe Tankred vor ein paar Monaten als symphatischen, wissbegierigen und lernwilligen Fliegenfischer kennengelernt, der Euch sicher den ein oder anderen guten Tipp für einen Besuch an „seinen“ Gewässern geben kann/will. Also: beim nächsten Streifzug durchs Netz Forelle & Äsche ansteuern!





Vorfächer von Stroft

14 03 2012

Als ich vor etwa einem halben Jahr erfahren habe, dass die in Deutschland ansässige Waku GmbH – bekannt für ihre Monofilschnur mit dem bei Fliegenfischern so bekannten Namen „Stroft“ – endlich gezogene, verjüngte Vorfächer auf den Markt bringen wird, war ich direkt angetan. Seit nunmehr einigen Jahren verwende ich ihr Material in vielen Einsatzgebieten als letzte Instanz zwischen mir und meiner Fliege. So stand schnell fest: die neuen Vorfächer von Stroft müssen ausprobiert werden! Nun habe ich pünktlich für den Saisonstart ein paar Exemplare in 9 und 12 ft. Länge auf meinem Schreibtisch liegen (im letzten Jahr bin ich leider nicht mehr dazu gekommen). Die Vorfächer werden auf einer großen Spule geliefert, ein Vorteil gegenüber vielen anderen Herstellern, wird auf diese Weise doch ein „memory effect“ reduziert. Dass die Spule zusätzlich in Plastik eingeschweißt wird, erschließt sich mir hingegen nicht. Dies war übrigens auch der Hauptkritikpunkt der 25 Tester, die das neue Produkt im letzten Jahr im Auftrag des Fliegenfischer-Forums ganz genau unter die Lupe und mit ans Wasser genommen haben. Die unterm Strich durchweg positiven Ergebnisse des Tests findet Ihr hier: http://fliegenfischer-forum.de/stroft4.html. Im Artikel wird überdies auf einen besonderen Service von Waku hingewiesen:

„Auf Basis der verfügbaren Vorfächer haben die Leute bei WAKU die enorme Zahl von über 1000 verschiedenen Vorschlägen und Möglichkeiten zur eigenen Vorfach-Zusammenstellung erarbeitet und veröffentlicht!“ (Fliegenfischer-Forum)

Das ganze nennt sich dann „Vorfachfinder“ und ist in der Tat für den etwas versierteren Fliegenfischer interessant. Denn im Hinblick auf die beiden Kriterien „Scheuchwirkung“ und „Streckverhalten“ lassen sich alle 44 Vorfächer mit dessen Hilfe individuell an die fischereilichen Gegebenheiten anpassen. In übersichtlichen .pdf-Dateien erhaltet Ihr per Mausklick detaillierte Anweisungen zum Kürzen bzw. Verlängern Eures Vorfachs. Ich persönlich entscheide so etwas letztlich jedoch lieber am Wasser als am heimischen Monitor: Lässt sich das Vorfach nicht in der von mir gewünschten Weise präsentieren, z.B. aufgrund von zu starkem Gegenwind, weil ich besonders schwere/leichte Fliegen verwende oder aber weil der Wasserstand zu niedrig und die Fischerei dadurch sehr heikel ist, kommen Nipper und Tippetmaterial zum Einsatz. Ein Blick in den Vorfachfinder sowie in die generellen Tipps zur Findung des geeigneten Vorfachs können aber sicher nicht schaden 😉

Am Freitag werde ich die Vorfächer jedenfalls das erste Mal an meine Flugschnur schlaufen und bin gespannt, wie sich meine Nymphen und Trockenfliegen zum Fisch bringen lassen. Meine Eindrücke werde ich natürlich in meinem Bericht zum Saisonstart unterbringen.

Abschließend würde ich von Euch noch gerne wissen, für welche Art von Vorfach ihr Euch entschieden habt? Gezogene, vorgefertigte Vorfächer? Wenn ja, mit zusätzlicher Vorfachspitze? Geflochtene Vorfächer? Oder knüpft Ihr ganz klassisch noch komplett selber?





Kinofilm: Salmon Fishing in the Yemen

12 03 2012

Am 17. Mai startet seit langer Zeit noch einmal ein Kinofilm in den deutschen Lichtspielhäusern, den man sich als Fliegenfischer auf keinen Fall entgehen lassen darf: Salmon Fishing in the Yemen. Der Film basiert auf einer Novelle von Paul Torday und erzählt die Geschichte des Fliegenfischers Fred Jones (Ewan McGregor), der als Vertreter der britischen Regierung einem Scheich bei der Umsetzung eines „verrückten“ Plans helfen soll: Lachse aus englischen Gewässern im Yemen River ansiedeln. Was haltet Ihr vom Trailer?

„A visionary sheik believes his passion for the peaceful pastime of salmon fishing can enrich the lives of his people, and he dreams of bringing the sport to the not so fish-friendly desert. Willing to spare no expense, he instructs his representative to turn the dream into reality, an extraordinary feat that will require the involvement of Britain’s leading fisheries expert who happens to think the project both absurd and unachievable. That is, until the Prime Minister’s overzealous press secretary latches on to it as a ‚good will‘ story. Now, this unlikely team will put it all on the line and embark on an upstream journey of faith and fish to prove the impossible, possible.“ (IMDb)

.

.

Falls Ihr Euch noch weiter über Salmon Fishing in the Yemen informieren möchtet, empfehle ich Euch ein Review aus der Los Angeles Times sowie generell die sehr gute Webseite von „metacritic„, die einen Überblick über Rezensionen aus unterschiedlichen Medien liefert und auf dieser Basis Bewertungen vornimmt: http://www.metacritic.com/movie/salmon-fishing-in-the-yemen-2012

Nachtrag:

Im Fliegenfischer-Forum habe ich gerade gesehen, dass dort vor ein paar Tagen auch auf den Film hingewiesen wurde. Daher hier ergänzend der im Thread erwähnte Link zum kurzen Bericht auf stern.de: http://www.stern.de/kultur/film/lachsfischen-im-jemen-ewan-mcgregor-stellt-neuen-film-vor-1796239.html

.





Nymphenmuster – Darfs ein bisschen bunter sein?

11 03 2012

Beim Surfen bin ich auf dem Blog von „Field and Stream“ über einen neuen Artikel von Dirk Deeter gestolpert: Der Autor diskutiert den Einfluss von „hot spots“ bzw. „trigger points“ auf die Sichtbarkeit von Nympen in unterschiedlichen Gewässertiefen. Die beiden Begriffe bezeichnen farbige Akzente, die vom Fliegenbinder im Kopf- oder Schwanzbereich der Fliege gesetzt werden. Auch farbige (Tungsten-)Köpfe können – der Meinung des Autors nach – dazu beitragen, dass Forellen die vermeindliche Beute besser/schneller/leichter wahrnehmen und somit effektiver zum Biss verführt werden. Am Bindetisch kommen hauptsächlich fluoreszierende Farben wie Orange oder Chatreuse zum Einsatz, wobei insbesondere Rot und Violette in größeren Tiefen am besten geeignet sind. Denn: „The water column disperses most of the Blue, Yellow, Green and Orange light as you gain depth where Red and Violet colors are still present.“ (Steve Parrott)

In seinem Text nimmt Dirk Deeter Bezug auf Steve Parrott und verweist auf ein Foto, das dessen Fliegendose zum einen unter normalen Lichtbedingungen (links) und zum anderen in ultraviolettem Licht (rechts) zeigt – ein Lichtverhältnis, vergleichbar zu dem unter Wasser bzw. in „tieferen“ Gewässerabschnitten. Was „tief“ hier allerdings genau bedeutet, wird von den beiden Autoren leider nicht konkretisiert.

.

Bild: Nymphenmuster mit fluoreszierendem Hot Spot in ultraviolettem Licht

.

Das Foto zeigt für Parrott eindrücklich, das Hot Spots – gebunden mit fluoreszierenden Materialien – wesentlich länger/tiefer farbecht wahrgenommen werden können: „This creates a huge advantage over flies tied without fluorescent materials as they will appear dark brown or black with a brightly colored section glowing like a beacon in those deeper runs. This is an open invitation for fish to check it out and since they cannot grab the fly and inspect it with their hands, they use their mouth!!!“ (Steve Parrott)

Auch ich sammle in meiner Nymphendose seit längerem eine Vielzahl vergleichbarer Muster und habe gerade unter widrigen Bedingungen die Erfahrung gemacht, dass diese kleinen Unterschiede an der Fliege einen großen Unterschied am Wasser machen können! Abschließend bleibt dennoch die Frage, ob das Sehorgan des Fisches überhaupt vergleichbar zu dem des Fischers funktioniert. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand zu diesem Thema eine aufschlussreiche Lektüre empfehlen würde.

.








%d Bloggern gefällt das: